Schmetterlingssättel?

Schmetterlingssättel?

02. März 2013:

Auf Blogs werden ja gerne Sachen vorgestellt. Also habe ich beschlossen auch einmal einen Test zu wagen. Gespannt bin ich natürlich auf Kommentare von Euch. Vielleicht hat von Euch schon jemand Erfahrung mit diesem Testobjekt?

Meine Testfrage: Gibt es einen Sattel, der mehreren unterschiedlichen Pferde passt?

Mein Testobjekt: das neue Sattelkonzept von dt-Saddlery, der Butterfly-Sattel in der Dressurversion.

Der Butterfly kommt in schlichtem Schwarz daher. Er besteht aus griffigem Leder, dass strapazierfähig scheint und nicht schmutzempfindlich ist. Markant ist der große Widerristausschnitt. Das liegt an Idee Nummer eins von dt-Saddlery, dem fehlenden „normalen“ Kopfeisen. Was eine gute Idee ist. Ist doch am Widerrist oft der Knackpunkt – hier drückt der „normale“ Sattel. Wo nichts ist, kann folglich auch nichts drücken. Geschickte Lösung.

Idee Nummer zwei von dt-Saddlery, der Butterfly ist ein Sattel, der dank zweier beweglicher Scharniere angeblich auf fast jedes Pferd passen soll. Die beiden Scharniere sorgen für einen flexiblen Sattel, der sich schön an das Pferd anpasst (3-D-Effekt). Also auch hier eine Minimierung der Druckpunkte. Für einen Dressursattel finde ich das Gewicht allerdings schwerer als erwartet. Das liegt wahrscheinlich am Metall-Baum mit den Scharnieren. Aber das Gewicht ist insgesamt nicht zu schwer.

Auf Youtube findet man von der Firma ein Video über diesen Sattel – http://youtu.be/LQTCqvFCk08 – und auf der Seite http://www.dt-saddlery.de kann man sich über alle Modelle und Preise informieren. Der Butterfly-Sattel ist offiziell seit diesem Februar im Handel. Ich bin sehr froh, dass Doris Sperber uns für ein paar Tage diesen Testsattel zur Verfügung gestellt hat. Wer mehr Information braucht: www.pasoshop.de oder direkt bei Doris im Shop anrufen. Vielen herzlichen Dank Doris für diese spannende Leihgabe!

Der Butterflysattel auf Diosa

Der Butterflysattel auf Diosa

Zurück zum Testobjekt: 

Der Butterfly wirkt auf den ersten kurzen Blick wie ein normaler Dressursattel. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man den deutlichen Widerristausschnitt. Auf Wunsch können die Keder einen farblichen Kontrast haben. Unser Testsattel hat silberne Keder, was sehr edel aussieht. Die Pauschen sind mit einem dezenten Muster gestaltet, was den Sattel sehr schick macht. Die Pauschen können durch ein- und ausklettbare Kissen individuell angepasst werden. Die Gurtung finde ich ebenfalls sehr gelungen, da sie nicht starr an zwei Strippen hängt, sondern an zwei V-förmigen Laschen, die so auch die Anpassung an nicht ganz optimale Sattelgurtlagen ermöglichen.

Die Sitzfläche des Sattels finde ich als popoweichverwöhnte Sommer-Voyage-Sattelreiterin relativ hart. Aber es ist auch ein Dressursattel und mit denen habe ich keine Erfahrung. Früher kamen mir die „normalen“ Englischsättel auch immer etwas härter vor, als die extra weichen Wanderreitsättel, die ich in den letzten 15 Jahren aus Bequemlichkeit bevorzugt habe.

Die Steigbügelriemen sind aus Lemico gefertigt, in softer Veloursoptik. Also keine Qietschgeräusche durch die Leder- auf Lederreibung beim Reiten. Die Steigbügel selber haben einen patentierten Ausdrehmechanismus. Der Steigbügel fällt immer wieder in die Ausgangsposition mit Öffnung zum Reiterfuß zurück. Das ist sehr angenehm. Bin ich doch von den Fendern lästiges Ausdrehen und damit recht schmerzhaftes Reiten gewöhnt. Was weiterhin auffällt ist, dass der Hinterzwiesel sehr hochgezogen wirkt. Hier  führt einen die Optik des “fehlenden” Kopfeisens in die Irre.

Ich habe das Gefühl, dass er die Beine sehr gut positioniert. Die Beine haben in dem Sattel ein sehr gutes und sehr stabiles Lagegefühl, was mir sehr positiv aufgefallen ist. Gerade im Extrem-Test bei Hopse-Resi hatten die Beine einen sehr guten Halt in allen angebotenen Sprungvarianten.

Live-Testobjekt Diosa:

Auf einem leicht runden Pony macht der Sattel den Eindruck, dass er leichter beim Aufsteigen rutschen könnte, was wahrscheinlich auch wieder an der fehlenden „Verhackungsmöglichkeit“ Widerrist liegt. Wo nichts drückend anliegt, wirkt es einfach etwas rutschig. Diese fehlende Kopfeisengeschichte zieht sich durch meinen Test wie ein roter Faden! Aber nicht falsch verstehen, der Sattel sitzt sicher und rutscht auch nicht beim Aufsteigen. Diosa lief mit dem Sattel wie gewohnt, vielleicht mit einer Prise mehr Dehnung. Ihr kann man glaube ich fast alles auf den Rücken schnallen. Yvi hatte ebenso einen positiven Eindruck von ihrer Beinlage auf diesem Sattel.

Jacinto mit dem Sattel - Das Pony könnte etwas positiver gucken, aber zumindest die Reiterin lächelt ...

Jacinto mit dem Sattel – Das Pony könnte etwas positiver gucken, aber zumindest die Reiterin lächelt …

Live-Testobjekt Jacinto:

Nachdem Jacinto sich sofort verspannt, wenn etwas drückt, zwickt oder er sich irgendwie von imaginären Druckpunkten gestört fühlt ist er das optimale Testpony für Sättel. Und oh Wunder: Der Sattel saß gut und hat nicht gedrückt. Das Pony lief beim ersten Test mit dem Butterfly etwas steif und gangkauderwelschig, aber ab dem zweiten Testtag töltete es so sanft wie Butter und das gleich von Anfang an. Insgesamt lief er an allen weiteren Testtagen sehr schön mit dem Sattel. Das werte ich als äußerst positiv.

Resi und der Butterfly - Das Pony hat sich geweigert IN die Kamera zu blicken ... *weiber*

Resi und der Butterfly – Das Pony hat sich geweigert IN die Kamera zu blicken … *weiber*

Live-Testobjekt Resi:

Erster Eindruck auf dem Pony sitzend: Die Beine liegen sehr gut. Man fühlt sich wie eine begnadete Dressurreiterin auf diesem Sattel. Das Pony macht den Eindruck, als ob es die Schultern viel freier bewegen kann. Sie fühlt sich unter dem Sattel wohl. Was sie dann auch routinemäßig in einer Hops-und-Trallala-Phase getestet hat. Die Reiterin fühlte sich die ganze Zeit sicher und ist nicht verrutscht. Der Sattel besteht auch nicht aus Glattleder, sondern einem leicht angerauht anfühlendem Leder. Einfach Griffig.

Providencia - gut, man sieht nicht viel vom Sattel, aber man beachte die gerade Beinhaltung!

Providencia mit dem Butterfly-Sattel – entschuldigt die dunklen Bilder, aber wir hatten nun mal den dunkelsten Winter seit 61 Jahren. Wer so was wohl testet?

Live-Testobjekt Providencia:

Sie hat momentan den schmälsten Rücken unserer Pferde. Und auch hier lag der Sattel sehr gut. Providencia lief sehr geschmeidig damit und anscheinend empfand sie ihn sehr angenehm. Sie hat öfter wie sonst angeboten den Kopf und Hals schön abwärts zu Strecken, ganz so, als ob sie uns sagen wollte: Jaaaaa! Angenehm! Strecken! Nadine empfindet den Sitz ebenfalls als relativ hart, aber auch sie hat das Gefühl, dass die Beine sehr gut liegen.

Gesamt-Fazit:

Ich finde die Idee mit dem flexiblen Baum und dem „fehlenden“ Kopfeisen ein sehr gutes Konzept. Auf jeden Fall werde ich den Werdegang dieses Sattels über die nächsten Jahre beobachten. Es ist bestimmt die bessere Möglichkeit einen relativ flexiblen Sattel mit Sattelbaum zu besitzen, der vielleicht auf Langstrecke nicht so komfortabel ist, aber dafür für die normalen kürzeren Dressur- und Geländeeinheiten dem Pferd eine sehr gute Passform und Bewegungsfreiheit ermöglicht. Jedenfalls überzeugt mich dieses Konzept mehr, wie komplett Baumlos oder falsch passender Sattel. Gut durchdacht sind auch die Steigbügel, die Gurtungsmöglichkeiten für den Sattelgurt und die Anpassungsfähigkeit der Pauschen.

Bleibt zu überlegen, wie Jungpferde ohne Sattelgewöhnung auf das Flexible reagieren. Aber selbst da würde ich gedanklich eher dazu tendieren, den „wackligeren“ und dafür weniger einengenden Sattel zu gebrauchen, als einen Sattel der punktuell drückt und nicht richtig passt. Und der dem jungen Pferd „Schmerz“ oder „Bewegungsunfähigkeit“ vermittelt. Wie gesagt, ich habe drei langjährig gerittene Pferde, die den Sattel alle sehr gut angenommen haben und darunter locker gelaufen sind.

Mir persönlich würde natürlich eine Wanderreitvariante mit mehr Komfort für den Reiter-Popo oder eine spanische Variante geschmacklich mehr liegen. Meine absoluter Traumsattel wird trotz aller Sympathie für den Butterfly Sattel momentan immer noch von der Firma Sommer gefertigt. Aber finanziell ist natürlich die Frage, ob man drei Pferde mit jeweils einem Traumsattel von Sommer ausstatten kann, oder ob man zur insgesamt günstigeren Variante greift und einen Butterfly-Sattel für Fast-Alle-Fälle kauft. Für mich ist es wichtiger, dass die Pferde einen passenden Sattel haben und sie schmerzfrei und spannungsfrei mitarbeiten. Da kann mein verwöhnter Hintern durchaus zurückstecken.

Bewertung: 4 von 5 Cavadoren-Punkten

Würde ich kaufen und weiterempfehlen – Testfrage positiv beantwortet!