Del Cavador

Piranha-Anjas Persönlichkeit?

April 2020:

Drachi direkt nach Anstrengung IDMG 2019 – Foto: Christian Müllner Tierfotografie

Anhand des Buches: „Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“ – Linda Tellington-Jones (siehe hier)

Als nächstes Pony im Buchvergleich ist La Respuesta dran, besser bekannt als das Drachenpony oder Piranha-Anja – Das seltsam-putzige Drachi ist seit 2012 in meinem Besitz. Ich kenne sie aber, seitdem sie in Deutschland ist. Resi wurde 2003 in den USA geboren und hat dort auch eine strenge, professionelle Grundausbildung erhalten, die sie komplett flachgebügelt hat. Um es mal neutral auszudrücken. 

Das Drachenpony ist ein extrem introvertiertes Pony. Sie kommt sehr selten neugierig, oder freudig aus sich heraus wenn Menschen anwesend sind. Das wird jetzt erst besser. Sie ist nicht ranghoch. Sie fühlt sich in einer Box sehr wohl. Da kann man sie auch in der Fremde gut alleine lassen. Sie hat wechselnde Freundinnen in ihrer Herde, mag Fohlen (da kriegt sie sprichwörtlich Milcheinschuss) und ist viel alleine unterwegs und eher mit sich selber beschäftigt. Sie mag es nicht berührt zu werden. Sie mag auch nicht grob geputzt werden. Ich frage immer an, bevor ich sie aus der Herde hole. 

Sie hält auch den größten Individualabstand. Um so schöner ist es, wenn sie ihn bricht und freudig auf einen zuläuft oder von sich aus Kontakt sucht (oder wiehrt!). Sie ist sehr höflich, aber auch skeptisch. Sie möchte es einem gerne Recht machen, schießt dabei meistens übers Ziel hinaus, weil sie oft nicht zuhört, bzw. glaubt zu wissen was verlangt wird und das dann schon mal zeigt. Sie wird sehr schnell sehr hektisch. Sie ist manchmal eine tickende Zeitbombe und steht unter einem enormen Druck. Sie beherrscht sich inzwischen immer besser, weil sie immer mehr vertrauen zu mir fasst (oder langsam lernt, dass sie niemand tötet, oder wir Sachen machen, die sie doch ein bisschen toll findet … man weiß es nicht!). Dafür bin ich ihr sehr dankbar. 

Sie ist unter ihrer Schutzschicht aber ein sehr neugieriges Pony, das gerne spielt und mutig Dinge ausprobiert. Andererseits auch ein sehr ergebenes Pony – was sie aber leider mit viel Schmerz und Druck gelernt hat. Sie spult eingelernte Verhaltensmuster ab. Sie lernt eher in kleinen Schritten und vielen Wiederholungen. Kombinieren von Dingen erlaubt sie sich nicht, weil dann die alte Angst durchbricht. Angst durchbrechen ist ein großes Thema bei ihr. Man sieht aber ein sehr gelehriges Pony, das aufmerksam mitmacht, wenn man beispielsweise Freiarbeit mit ihr macht und sich sehr über Lob freut. Sie ist sehr ambivalent – mal hyperreagibel im Temperament, manchmal totaler Lock-Down mit komplettem Betriebsausfall – aber ein großer Schatz im Umgang und hat so putzige Anwandlungen, dass man ihr überhaupt niemals böse sein kann. Manchmal starrt sie einen an und bewegt sich gar nicht dabei. Man möchte sie am Liebsten schütteln und anschreien: „DRACHI! Sag doch einfach was Du willst!!!! Du bekommst es!!!!“ Das Drachi bleibt übrigens auch bis zu ihrem Tod in meinem Besitz, das habe ich ihr geschworen.

Beurteilung laut Buch:

Das Drachenpony war übrigens mit dem Buch nicht ganz einfach zu beschreiben – es kommt wohl stark auf den Gemütszustand des jeweiligen Fotos an. 

Gerades Profil: ein äußerst unkompliziertes Pferd, das leicht lernt.

Große Ganaschen: Das Pferd scheint intelligent und arbeitswillig zu sein.

Fein ausgebildetes, weiches Maul: Meist ein Pferd mit einer sensiblen Persönlichkeit.

Oder aber

Kleines, abgesetztes Maul: Deutet auf ein eigensinniges Pferd hin. (Manchmal ist das Drachi fast schon dreist. Ein dreistes Monster mit putzigem Gesichtsausdruck dabei ….)

kurze Maulspalte: Ein starrsinniges Pferd, das nur langsam lernt. Meist haben es solche Pferde leichter mit einer gebisslosen Zäumung, etwas einer Art Hackamore. 

Abgesetzte Lippen und Kinnpartie: Hier ist die Lippe durch einen Wulst vom Kinn abgetrennt und setzt sich so klar ab. Dieses Merkmal deutet auf einen vielschichtigen Charakter hin. 

Flache Oberlippe: Im Allgemeinen sind solche Pferde sehr unabhängig, zielstrebig und kümmern sich um ihre eigenen Angelegenheiten.

oder

Steife Oberlippe: Ein nach innen gekehrtes Pferd, das sich nicht sehr für Menschen und seine Umgebung interessiert. 

Nüstern Groß, geöffnet: Dieses Pferd ist sehr aufgeweckt. 

Kinn Spitz und hart: Ein steinhartes Kinn kann bedeuten, dass es sich hier um ein neurotisches Pferd handelt, das unvernünftig ist und sich nur schwer verändert. Es kann widerspenstig sein und hat die Tendenz, mit dem Reiter zu kämpfen. Wenn sich solche Pferde aufregen, wird ihr Kinn steinhart. Falls dieses Beschreibung auf Ihr Pferd zutrifft, versuchen Sie sein Kinn mit Tellington-TTouch wie dem Maul-TTouch weicher zu machen.

Abgesetztes Kinn: lässt auf einen komplizierten Charakter schließen. 

Dreieckiges Auge/Falten über dem Auge: Das Pferd ist unsicher. Wenn ein Pferd diesen Augenausdruck bekommt, während sie mit ihm arbeiten, heißt das, es versteht nicht, was Sie von ihm wollen. 

oder

Dreieckiges Auge: Ein Pferd von Durchschnittlicher Intelligenz. Die Persönlichkeit ist von anderen Charakteristika abhängig. 

Ohren die gerade nach oben gehen und gleich weit auseinander stehen: meist voller Energie und manchmal sogar etwas hitzig. 

Einzelner Wirbel zwischen oder über den Augen: eigentlich unkompliziert.

Tja, eigentlich nicht so wirklich eindeutig. Aber vielleicht hat das Drachi ja auch eine gespaltene Persönlichkeit. 

Bisschen ungünstiges Bild, aber ich mag es – und man sieht das Drachi von der Seite ganz gut. – Foto: Yvi Tschischka Photography (2012?)

„Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“?

04. April 2020:

Heute widmen wir uns zur Abwechslung einem Buch, bzw. der praktischen Ausführung des Inhaltes des Buches. Yvi hat es vor einigen Wochen angeschleppt und angefangen Pferdegesichter zu studieren. 

Linda Tellington-Jones/Sybil Taylor – „Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“ (Kosmos-Verlag, 1995 – 3. aktualisierte und bebilderte Ausgabe von 2008)

Meinen ersten Kontakt mit Linda Tellington-Jones und der TTEAM-Methode hatte ich bereits mit der Erstauflage um 1995, die ich damals sogar noch in der Städtischen Bibliothek ausgeliehen habe. Dort habe ich übrigens gefühlt sehr viel Zeit verbracht. Vielleicht wollte meine Mutter auch nur ein bisschen Ruhe vor uns und hat uns dort mit den ganzen Büchern, Comics und Hörspiel-Tonbändern stundenweise abgeliefert. Mir sind auch viele Besuche im Kinderspiel-Land des Möbelhauses „Neubert“ in positiver Erinnerung. Die hatten da ein Bälle-Bad und eine Möglichkeit in ein mit Kissen gefülltes Becken zu springen. Man weiß es nicht. Es ist auch ein anderes Thema. 

Dieses Buch und das Buch über die Tellington-Methode haben mich schon damals bei den Welsh-Ponys sehr geprägt. Es eröffnete eine ganz neue spannende Welt! So etwas wie Bodenarbeit war damals noch gar nicht vorhanden – zumindest in meinem traditionell geprägtem reiterlichem Umfeld. Und Dinge wie das Internet und Youtube-Filmchen, über die man alternative Trainingsmethoden aus aller Welt sehen könnte, gab es noch nicht. Sprich: Jeder ist in seiner eigenen Blase gefangen gewesen und hat dementsprechend agiert. Ich wusste aber damals schon: Nur weil man etwas schon „immer so gemacht hat“, muss es nicht gut sein und funktionieren. Mir war schon sehr früh lieber, das Pferd nicht zu stumpfer Befolgung meiner Befehle zu erziehen, sondern ein Team mit dem Pferd zu werden und dem Pferd auch die Möglichkeit zu eröffnen zu verstehen was ich von ihm möchte. Dann arbeitet es nämlich viel motivierter mit. Jedenfalls haben mir die Bücher damals viele Aha!-Momente beschert und sie haben mir viel Stoff zum Nachdenken geliefert. Aber das nur am Rande. 

Es geht um die Persönlichkeit unserer Pferde, und wie sie sich in körperlichen Merkmalen widerspiegeln. Es gibt ja viele Floskeln/Sprüche, wer kennt zum Beispiel diesen hier? „Vier weiße Hufe: Kauf es erst garnicht. Drei weiße Hufe: Behalt es nicht zu lange. Zwei weiße Hufe: Schenk es einem gutem Freund. Ein weißer Huf: Behalt es ein Leben lang.“ 

Tellington-Jones hat Jahrzehntelang Pferdegesichter und Pferdekörper studiert und mit Eigenschaften und Charakterzügen verglichen und damit ein ganzheitliches System erschaffen, mit dem wir unsere Pferde individuell fördern und ausbilden können. Ich finde, jeder Reiter sollte sich einmal mit der Tellington-Methode beschäftigt haben. Mehr möchte ich damit auch gar nicht sagen, weil ich kein Fachmann bin. Was ich aber machen möchte, ist einfach meine Ponys mit den Studien in dem Buch vergleichen und ganz stümperhaft vergleichen was ich selber aus den Gesichtern, Wirbeln und Körpern meiner Ponys lesen kann. Viel Spaß bei meinen Ausführungen. Ich habe mir dazu einfach mehrere Bilder meiner Ponys angesehen, dabei das Buch durchgeblättert und aufgeschrieben was mir aufgefallen ist. Somit enthält dieser Text Zitate aus dem Buch. Es wird spannend!

Fangen wir also mit Jacinto an, meinem ersten eigenen Pferd. Jacinto hat übrigens ein weißes Bein und bleibt dem Spruch zufolge auf jeden Fall sein Leben lang bei mir! 

Jacinto in Sepia im Schilf 2018 – Foto: Yvi Tschischka Photography

Ich fange mit einer kurzen Beschreibung von Jacintos Charakter an, aus meiner Erfahrung mit Ihm beschrieben: 

Jacinto ist ein freundliches Pferd, welches meiner Meinung nach nicht besonders Intelligent ist, aber was er einmal in kleinen Schritten gelernt hat, das behält er. Er ist bei Aufregung sehr temperamentvoll und hektisch. Dinge bringen ihn schon sehr schnell durcheinander. Aber er ist auch sehr zuverlässig und in dem, was er macht schon Charakterstark. Es interessiert ihn oft nicht, was die Anderen machen, wenn er mit seinen eigenen Sachen beschäftigt ist. Er war lange Zeit Herdenchef und im Gelände, oder im Hänger ist er eine Vorbildfunktion für junge Pferde. Die werden von seiner Ruhe und Routine angesteckt. Jacinto ist eher Typ „Eigenbrödler“ – er kann alleine sein, freut sich aber auch über Pferdekumpels. (Da sind wir uns sehr ähnlich). Außer er ist mit Frau Sumpf auf Turnier unterwegs, da ist er ein unmöglicher Kleber! 

Jacinto mag keine Veränderungen. Er fühlt sich am Wohlsten in seiner gewohnten Umgebung, kann aber mit ungewohnten Situationen umgehen, wenn er vertraute Routinen dabei erlebt. Er vertraut dann oft auf meine Führung, bzw. macht Dinge, die er von alleine nicht tun würde mir zu liebe.

Er ist das Pferd, welches den meisten körperlichen Kontakt mit mir sucht. Es gibt ein paar Rituale, die ihm Sicherheit geben. Ich meine damit Körperstellen, die ich berühre und die er dann auch manchmal sucht, wenn es für ihn im Kopf „hektisch“ wird. Seit seiner krankheitsbedingten Rente bettelt Jacinto sehr viel, aber auf eine höfliche, sehr putzige Art. Sein Tageshighlight sind momentan: Bananen! Er fängt schon das Speicheln und Sabbern an, wenn er Menschen in der Futterkammer hantieren hört. Es ist schon ein bisschen süß, aber auch leicht nervig. Aber momentan lasse ich ihm das durchgehen. Obwohl ich sehr oft angetrocknete Bananensabber an meiner Kleidung hängen habe. 

Beschreibung nach dem Buch: 

Kopfform: Gerades Profil mit Elchnase/Gerades Profil: Ein äußerst unkompliziertes Pferd, das leicht lernt. Elchnase: Eine deutliche Vorwölbung des unteren Teils der Nase, weist meist auf ein Pferd mit starkem Charakter hin, das oft auch Leittier einer Herde ist. 

Fast gerades Profil, leichte Elchnase, quadratisches Maul, große Ganaschen: Verlässlich und Selbstbewußt.

mittelgroße – große Ganaschen: durchschnittliche Intelligenz, aber förderbar. (PS: Ich bin mir  nicht sicher, ob die Ganaschen Groß oder Mittelgroß sind.)

Leicht gerundete Maulpartie: Dieses Pferd ist vielleicht etwas starrsinnig und braucht länger, um Neues zu lernen. 

mittellange bis kurze Maulspalte: Starrsinniges Pferd, was nur langsam lernt. Meist haben es solche Pferde leichter mit einer gebisslosen Zäumung, etwa einer Art Hackamore. Mittellang kann man nicht als Alleinstellungsmerkmal charakterisieren. (PS: Jacinto hasst Gebisse!)

bewegliche Oberlippe: Ein Hinweis auf Neugier und das Bedürfnis nach körperlichem Kontakt mit Menschen, beispielsweise an ihnen herum zu knibbeln. Manchmal auch Flappende Unterlippe: Weist auf Nervosität hin oder auf ein Pferd, das übersensibel und unkonzentriert ist. 

normal große Nüstern: Durchschnittliche Intelligenz

Rundes weiches Kinn: Durchschnittliche Intelligenz

großes weiches Rundes Auge: Im Allgemeinen sind solche Pferde willig und vertrauen den Menschen.

Lange Ohren: Das Pferd denkt etwas langsam. Es kann auch leicht launisch sein.

Ohren gerade, gleich weit: voller Energie und machmal sogar etwas hitzig.

Die Augen sind gut zu sehen: Selbstbewußt.

Weiches Aug, offen und klar: Interessiert und voller Vertrauen und Hoffnung. 

Manchmal auch Falten über dem Auge (dreieckig wirkend) – scheint fragend, oder sorgenvoll zu blicken: Das Pferd ist unsicher. Wenn ein Pferd diesen Augenausdruck bekommt, während Sie mit ihm arbeiten, heißt das, es versteht nicht, was Sie von ihm wollen. 

Einzelner Wirbel zwischen den Augen: freundliches Pferd. 

Fazit: Die körperlichen Merkmale passen hier mit dem Charakter zusammen! Spannend! Probiert das doch auch mal bei Euren Ponys aus!

„Tölt Verstehen und besser Reiten“?

28. März 2020:

„Tölt Verstehen und besser Reiten“ – Kaja Stührenberg (Kosmos-Verlag, erscheinen 2011)

Hoch-Professionell-ausgeleuchtetes Foto vom Buch mit meinem Telefon in meinem Bett – Kaffeefleck im Bett somit erfolgreich verdeckt!

Man merkt vielleicht, ich habe mehr Zeit zu lesen! Die Tage habe ich mir endlich einmal ein Buch geschnappt, was ich schon ganz lange durcharbeiten wollte. Kaja Stührenbergs Buch „Tölt Verstehen und besser Reiten“ (erschienen im Kosmos Verlag – 2011). Ich habe mein Exemplar übrigens am Hausturnier in Hünxe gewonnen, als Preis in der Einfachen Töltprüfung mit Jacinto. Kaja und ihr Nuno waren übrigens auch bei dem Turnier dabei. Von daher habe ich das Exemplar sozusagen direkt von der Autorin bekommen und mich auch sehr darüber gefreut! 

Kaja und ich treffen uns entfernungsbedingt sehr selten – meistens jedes Jahr in Hannover an der Messe „Pferd&Jagd“, an der Kaja seit zwei Jahren sehr souverän und sehr kompetent die große tägliche Präsentation der Gangpferde im Aktionsring leitet und in der Manege Baroque das Training von Gangpferden sehr schön erklärt. Es macht einfach Spaß ihr zuzuhören und mit dem Team der verschiedenen Gangpferde dort mit dabei zu sein. Aber nicht ablenken jetzt! 

Worum geht es in dem Buch?

Wie der Name schon sagt, ist das Hauptthema „Tölt“ – ein Thema, was viele Gangpferdereiter schon oft zur Verzweiflung getrieben hat und immer wieder in die Verzweiflung treibt, mich inclusive. Und wer das leugnet, der ist sehr gut in Verdrängung! 🙂 Kaja gibt im ersten Abschnitt des Buches eine Rückblende auf die Geschichte der töltenden Pferde und auch was für Gangpferderassen es überhaupt gibt, oder welche Pferde Töltveranlagung zeigen (und warum), obwohl sie gar keine töltenden Vorfahren haben. Dann wird der Begriff „Viertakt“ erklärt, wie er entsteht und was es für Varianten gibt. „Tölt“ ist also immer nur ein Sammelbegriff für den zusätzlichen Gang, der kein „Pass“ ist. Taktfehler sind ebenfalls ein Thema. 

Der Tölt wird im System der klassischen Reitweisen beleuchtet. Damit meine ich die Skala der Ausbildung und wie der Tölt da hinein passt – wir reden hier von Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten und Versammlung. Hier kann man sich schon wertvolle Tipps für das Training holen, bzw. man erkennt die Zusammenhänge. Es wird auch die Tragfähigkeit des Rückens und die Gymnastizierung von Gangpferden besprochen (was braucht so ein Pferd um gut im Gang laufen zu können?), bevor der Tölt dann im Verhältnis zu den anderen Gangarten beleuchtet wird. 

Hier kommt die Gangveranlagung, bzw. die Gangverschiebung ins Spiel – auch hier kann man gute Tipps für das Training seines Pferdes ziehen. Oder Verständnis, wie der vom eigenen Pferd produzierte „Gangsalat“ zustande kommt, finden. 

Der Bogen wird dann geschlagen von „Tölt in ausgewählten Lektionen“ (Übergänge, Seitengänge, Piaffe) über die Wichtigkeit des korrekten Sitzes des Reiters im Tölt und was er für Einfluß hat auf das sensible Gebilde „Tölt“, über den richtigen Beschlag und passenden Sattel. Sitzfehler machen sich bei einem Gangpferd in Form von Taktfehlern sehr stark bemerkbar. 

Am Ende des Buches gibt es ein richtiges Literaturverzeichnis, das mir positiv aufgefallen ist, weil ich schon lange keines mehr gesehen habe. Zum Weiterlesen findet man Buchempfehlungen, in denen ich auf jeden Fall stöbern werde und eine Seite mit den gängigen Ganpferde-Adressen (gängige Gangpferdeadressen? Wortwitz kann ich …. nicht). Da kann man sich dann speziell über die einzelnen Rassen informieren.  

Fazit: 

Ich möchte hier nur einen kleinen Einblick geben. Das Buch ist auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung für alle Menschen, die mit dem Begriff „Tölt“ nichts anfangen können – oder gerne mehr damit anfangen wollen würden. Es ist für Leser, die sich einfach der ganzen Zusammenhänge, die das „Problem Tölt“ aufwirft, stellen möchten. Also kurz gesagt, für jeden, der sich einfach einmal rundherum informieren möchte, ohne explizit auf eine spezielle Pferderasse einzugehen. Kaja schlägt den Bogen für alle gangveranlagten Pferde. 

Man bekommt im Buch ein gutes Gefühl für den zusätzlichen Gang vermittelt und einen schönen Überblick, welche Pferde ihn zeigen, was man damit machen kann und wie man Trainingsansätze finden und umsetzen kann. Und Fehlerquellen auszumerzen – oder zumindest zu erkennen, wo der „Fehler“ steckt. Also reinlesen Leute! 

Kaja Stührenberg ist FN Trainerin A Gangpferde und FN Trainerin B Islandpferde. Sie bildet an einem Hof in der Lüneburger Heide Pferde und Reiter aus, gibt Kurse und ist auf Messen und bei Veranstaltungen zu sehen. 

Es gibt übrigens noch ein Buch von Kaja „Gymnastizierung von Gangpferden“ zusammen mit Andra Jänisch, im Cadmos-Verlag erschienen. Das muss ich mir auch noch zulegen, das hatte ich schon einmal geliehen gelesen und fehlt noch in meiner Gangpferde-Bücher-Sammlung. Ihr könnt auch mal bei Kaja Stührenberg auf die Homepage schauen, da kann man noch ein bisschen weiter schmökern. 

PS: Übrigens, wer entdeckt mich in dem Buch, wie ich „Fremdreite“? 

"4 Pylonen & 24 Reit-Ideen"?

Buch: „4 Pylonen & 24 Reit-Ideen“ – Angelika Graf mit Illustrationen von Christine Gräper – erschienen im Angelika Graf Verlag (Edition 2018 – Band 1)

Screenshot des Buchtitels

21. März 2020:

Auf meinem Tablet schlummert schon seit geraumer Zeit ein Buch von Angelika Graf. Nachdem ich mir seit Jahren immer wieder vornehme mehr Sachbücher zu lesen, bekomme ich immer wieder einen Rappel und schaue nach interessanten Sachbüchern und vergesse aber dann sie zu lesen. Ich bin kein großer Sachbuch-Leser – ich merke mir Dinge besser, wenn ich sie auf einem Kurs erfahre und ausprobiere. Aber ein bisschen den Blick über den Gangpferde-Tellerrand zu heben schadet ja nie. Die Tage habe ich also mal wieder mein Kindle durchstöbert und bin an diesem kleinen interessanten Buch hängen geblieben. Auf die Idee da hinein zu schauen hat mich übrigens Diosa gebracht. Yvi übt gerade an besserem Galopp. Gesetztes Angaloppieren und Punktgenaues Timing sind ein Thema – von daher hat mich mein Unterbewusstsein hier wohl aufmerken lassen. 

Das Buch heißt „4 Pylonen & 24 Reit-Ideen“ von Angelika Graf. Es ist momentan übrigens kostenlos bei Amazon Kindle Unlimited erhältlich. Aber ein Blick auf die Homepage Angelika Graf Verlag lohnt sich allemal, weil die Autorin dort noch ganz viele weitere interessante Bücher anbietet – auf der Homepage findet sich ebenfalls ein Blog mit interessanten Übungen aus den Büchern. Also mal reinschauen Leute!

Bis dato wusste ich natürlich noch nicht, wer Angelika Graf ist. Sie ist auf jeden Fall schon mal Autorin dieses interessanten Buches und – auch sehr spannend: einiger bekannten Working Equitation Bücher.  Sie hat sich den Feinheiten des traditionellen Arbeitsreitens verschrieben. Jetzt denken sich wahrscheinlich einige wieder: Moah… die Griebel wieder! Die alte Hohlbirne, die kennt Angelika Graf nicht! Dabei ist das eine ganz bekannte Frau, Wurzeln in der Doma Vaquera, Pionierin der Working Equitation, in der Szene bekannt, praktiziert „Lebendige Reitkultur“, gibt Kurse. Nächstes Mal erzählt sie uns dann wohl was über den „Newcomer“ Pedro Torres! Griebel – beschäftige Dich halt mal mit dem Thema! Dazu muss ich aber sagen: ich kann mir ja nicht mal mehr die Namen aller Menschen bei uns am Stall merken, wie soll ich mir dann noch Menschen aus Büchern merken?  

Ich beschäftige mich jetzt mit dem Buch. Ein paar Ideen daraus werde ich auf jeden Fall ausprobieren, manches geht einfach nicht, weil wir reiterlich dazu nicht in der Lage sind, aber mir gefällt die Idee um Pylonen zu reiten. Da hat man einen guten Fixpunkt. Ich bin sowieso ein großer Fan von Kringeln reiten. Ich liebe es auf einen oberflächlich feuchten Reitplatz zu gehen und dann Figuren in den Sand zu reiten und die immer wieder zu treffen. Ein bisschen „monkig“, aber es macht mich glücklich. Ein bekannter Trainer aus Hünxe würde sagen: „Ja das funktioniert, weil Du da dein Pferd endlich mal in Ruhe lässt, und es einfach machen lässt!“ Er schimpft übrigens öfters mal in meinem Kopf mit mir. Aber das ist sehr gut so.

Was möchte uns das Buch also sagen? 

Es möchte uns Inspiration bei der Arbeit mit dem Pferd anbieten. Zwischendurch streut Angelika Graf immer wieder kleine Einschübe zum Thema Achtsamkeit mit dem Pferd, oder Hintergründe zum Training. Ich denke, dass noch tieferes Wissen in den regulär erhältlichen Büchern „Working Equitation Basics“ und „Working Equitation Trail-Training“ zu finden ist. (Die beiden Bücher habe ich aber (noch) nicht gelesen.)

Das Buch bietet Anleitung zu abwechslungsreichem Training und Übungen, die sich vielfältig und schier unendlich gestalten lassen – und alles nur mit 4 Pylonen. Was sehr praktisch ist. Die Autorin legt besonderes Augenmerk auf die Basisarbeit (aus der dann komplexe Übungen entwickelt werden), auf Gebrauchsreiterei und hat den Fokus auf gesund-erhaltendem gymnastizieren über Jahre hinweg. 

Das Buch startet mit der Aufstellung von 4 Pylonen im Abstand von 15 bis 18 Meter – gerne im Mittelzirkel, so hat man außen herum etwas mehr Freiheit in der Reitbahn. Man kann am Aufstellungsort und in der Größe der Abstände zwischen den Pylonen variieren. 

Frau Graf beschreibt ganz einfache Übungen, die helfen eine exakte Linienführung zu finden und Takt und Rhythmus. Natürlich erst in langsameren Gangarten. Die Übungen werden dann immer Komplexer. Übergänge fließen mit ein, Tritte verlängern oder verkürzen, Biegung, Seitengänge – es ist wirklich richtig spannend, was man alles aus vier popeligen Pylonen herausholen kann. 

Und die Aufstellung funktioniert ganz einfach. Jetzt müssen wir nur noch in der Realität auch perfekte Kringel reiten! 

Fazit: 

Klare Empfehlung das Buch zu lesen und vielleicht auch in die anderen Bücher einzutauchen. Auf jeden Fall ein sinnvolles kleines Buch, das einen auf neue Ideen bringt. 

PS: Werbung weil Buch-Nennung – über Amazon KindleUnlimited kostenlos gelesen (das ich auch selber bezahle)

Meine Übung, Dein Problem!?

Kurs mit Stan Paul Paso Fino Training im Februar am Zykloopenhof

15. März 2020:

Ein bisschen spät, aber hier mein Bericht über den Kurs mit Stan Paul bei uns am Hof. Stan war eindeutig viel zu lange nicht mehr bei uns, aber an diesem Wochenende hatten wir die Gelegenheit unser Wissen aufzufrischen. Neben ein paar älteren, bereits gerittenen Pferden lag der Fokus dieses Mal teilnehmerbedingt auf der Jungpferdearbeit – bzw. der Fragestellung: Was muss so ein junges Pferd alles können? Und was ist Quatsch? Ich selber war nur als Zuschauer dabei. 

Stan gab unseren Jungpferdebesitzern gute Tipps für das weitere Training, bzw. die Vorbereitung der Jungspunde und Halbstarken auf das Leben als Reitpferd. Wie viel der Einzelne mit seinem Jungpferd macht, bleibt meiner Meinung nach jedem einzelnen selber überlassen. Das Thema füllt ganze Foren und Shit-Storm-Anfälle von „NEEEEEEE erst anfassen, bis es fünf Jahre alt ist!“ bis „Täglich ein bisschen Arbeiten und Imprinten“ – aber ich glaube insgesamt ist jedem seriösen Trainer ein grunderzogenes Pferd, welches dann „roh“ zum Beritt kommt lieber, als ein bereits am Boden „verzogenes“ Pferd. Mit „roh“ meine ich: sich ordentlich führen lassen, Höflich sein, Hufe heben, überall anfassen lassen, bisschen spazieren gehen können, vielleicht noch Hänger fahren können. Alles Weitere ist eigentlich nicht nötig, es geht schneller, eine solide Profi-Basis aufzubauen, als bereits falsch erlerntes Verhalten umzuprogrammieren. Aber wenn man allerdings selber Spaß an der Jungpferdearbeit hat oder sein Pferd selber ausbilden möchte (auch wieder ein „Achtung-Shitstorm-Thema“ …) hilft es sich regelmäßig professionellen Input zu holen. 

Diego del Cavador – Übelstes Streberpony! – Foto: privat

Stan bereitet die Pferde auf altbewährte Art auf das Leben zum Reitpferd vor. Das bedeutet, es muss sich überall anfassen lassen. Es muss aufpassen. Es muss die Schulter weichen. Es muss die Hinterhand weichen. Es muss rückwärts gehen. Es braucht dabei nicht allzu „fein“ in den Hilfen sein, das ist eher hinderlich beim Anreiten. Die Feinheit kommt dann mit der weiteren Ausbildung, das Pferd lernt ja erst einmal die Grundlagen. Man fertigt ja auch nicht gleich filigrane Verzierungen auf Schnitzereien – man versucht erst mal die Funktion des geschnitzten Objektes darzustellen. Das Pferd muss lernen, überlegt zu handeln – also mitmachen. Damit ist man ja schon mal ziemlich beschäftigt. Gute, solide Basisarbeit. Erst dann kann man an alles weitere denken. Und genau hier gab er wertvolle Tipps zur Umsetzung. 

Mein Lieblingsspruch von diesem Kurswochenende: „Meine Übung, sein Problem!“ – bedeutet man gibt als Chef eine Übung vor, zum Beispiel: Mensch steht in der Mitte, Pferd soll antreten, ohne den Menschen mit der Schulter anzurempeln und von seinem Platz zu vertreiben und auf einem kleinen Kreis loslaufen. Mensch sagt, Pferd muss machen. Dabei verlässt Mensch nicht seinen Platz und hilft aber trotzdem durch überlegte Körperhaltung seinem Pferd den richtigen Weg zu finden. Klingt jetzt gelesen oder geschrieben vielleicht kompliziert, oder lapidar, ist aber eine echt gute Erkenntnis (übrigens auch gut ins reale Leben übertragbar). Natürlich nichts Neues: Gib dem Pferd eindeutige Hilfen und das Pferd wird verstehen und machen – und bleib einfach konsequent. Nicht grob, aber sei einfach eine konsequente Führungsperson.

Jedenfalls lässt sich dieser Leitsatz auch auf alle anderen Bereich anwenden. Klare ruhige Befehle – „nen Plan haben!“ – und dann einfach machen (lassen) – vielleicht gibt es unterschiedliche Lösungswege. Alle Teilnehmer, ob Reiter oder Bodenarbeiter konnten auf jeden Fall an diesem Wochenende viele Aha-Effekte mitnehmen und neue Impulse für das Training bekommen. Wir sind der Meinung: Stan, Du musst unbedingt öfters wiederkommen! Es hilft auf jeden Fall im Training auch mal frische Sicht von Außen zu bekommen. 

Diosa und Schnicksi haben auch nen Plan: Ausruhen, es wird nicht aufgestanden! … sie fänden es toll noch etwas zum Snacken gereicht zu bekommen …. – Foto: privat

Und für den „kleinen“ Diego muss ich sagen: Da habe ich überhaupt keine Bedenken, dass Yvi den zu einem anständigem Reitpferd erziehen kann. Der ist jetzt schon genau wie seine Mutter ein sehr gelehriges, aber auch sehr cooles Pony, das selber mitdenkt und auch Spaß hat, sich ein bisschen zu beschäftigen.    

Pferdedecken?

März 2020:

Ich bin Besitzer eines sehr seltsamen Ponys. Das Pony ist ein sonniges Florida-Kind und hat jetzt im reiferem Alter auf einmal beschlossen: NEIN, es regnet, der Wind kommt von der Seite – da geh ich einfach aus dem Strohbett nicht mehr raus. Nö. Essen gibt es dort ja reichlich, aber trinken wird überbewertet. Mal abgesehen davon, dass dem Pony anscheinend noch keiner gesagt hat, dass man ohne regelmäßig viel Wasser zu Trinken die Falten mehr sieht und man verblödet, ist ihr das einfach zu doof zum Wasser zu latschen. Muss man sich ja bewegen. Draußen.

Drachi in Blauer Highneck, 100 g, Innen Seidig, Passform eher scheuernde Wurstpelle mit Falten (ist inzwischen verkauft) – Foto: privat

Das gipfelte vor einigen Jahren zu Weihnachten in einem schmerzhaften Klinikbesuch wegen Kolik. Schmerzhaft für das Pony, weil eklige Nasenschlundsonde, Nacht-und-Nebel-Aktion, komische Untersuchungen und viel Bauchschmerz. Schmerzhaft auch für meinen Geldbeutel. Von daher musste eine neue Strategie im Herbst her. Die heißt Pferdedecke. Wenn das Pony nämlich eine Regendecke trägt, spaziert es auch bei Sturm und Hagelschauer draußen herum. Außerdem ist es wesentlich besser gelaunt, wenn es einen warmen Rücken hat. Das spiegelt sich dann auch unter dem Sattel wieder. Verstehe einer dieses Pony, aber es funktioniert. 

Drachi mit mehr oder weniger gut passender 200g gefütterten Regendecke, Inlay seidig, in der Sonne – Foto: privat

Also bin ich unter die eingedeckten Pferdebesitzer gegangen. Das mit den Pferdedecken ist ja auch so eine Wissenschaft für sich. Schon alleine die richtige Passform zu finden ist ein sehr schmerzhafter Prozess. Für meinen Geldbeutel. Das Pony ist davon eher genervt. Wir haben jetzt diverse Regendecken, mit Füllung von 50 g bis 200 g (für den nicht vorhandenen Winter) und ganz ohne. Mit Fleece und in seidig glatt. Fleece ist übrigens keine gute Idee, schon gar nicht, wenn man dann im Frühjahr die Haare darin sammelt. Das Pony neigt nämlich auch ganz schnell zu Hautirritationen und komischen Scheuerstellen. Also muss immer alles fast klinisch rein sein. Und man ist immer am Beobachten des Wetters. Ist es zu warm? Decke runter, ist es zu kalt, ich sitze aber auf der Arbeit fest. Es ist eine unendliche Geschichte. Man traut sich gar nicht mehr wegzufahren. Man wird schon fast Wetter-Paranoid. Langer Rede, kurzer Sinn: Wir haben jetzt die perfekte Decke gefunden. Sie scheuert nicht, hat ein seidiges Inlay, das Pony kann sich damit wunderbar bewegen, ohne vor dem Deckengeraschel Panik zu bekommen und sie sieht auch noch schick aus. Und sie hat eine enorme Temperaturschwankungsfähigkeit (Danke für den Tipp Britta!). Perfekt. 

Drachi mit der perfekten Decke: Passform Topp, 50 g, seidig innen, schick außen, Temperaturausgleich ohne gleichen – Foto: privat

Problem: Das Pony sondert irgend welche seltsamen Körperflüssigkeiten ab, die die Decke ganz schnell speckig und schmierig werden lassen. Von Innen. Und ich meine nicht die festen Körperbestandteile, die in mehr oder in oft weniger Apfelform hinten am Pferd raus kommen. Das kommt auch noch dazu. Dafür habe ich übrigens inzwischen auch das richtige Material gefunden: Gummi mit Plastikummantelung. Super. Da freut sich auch mein Mensch von der Textilreinigung, der seitdem nicht mehr das Vergnügen mit vollgeschissenen Schweif-Verschlüssen hat. Und mit vollgeschissen meine ich vollgeschissen. Verbacken in eine feste Masse, die Eisen-Karabiner zum rosten bringt und Nicht-Pferdebesitzer zum Würgen. 

Die Quintessenz: Diese perfekte Decke muss ca. alle vier Wochen zur Reinigung. Mal abgesehen davon, dass es eine teure Sache ist und die Decke in einer Saison doppelt so viel an Folgekosten erwirtschaftet, wie sie tatsächlich gekostet hat – nur mit dreckig werden! Und ich eine zweite und dritte Decke in Betrieb habe, die die Decke dann ersetzt (weil die beiden anderen scheuern). Davon mal abgesehen. Also stehe ich alle paar Wochen in der Textilreinigung meines Vertrauens. (Zuhause waschen kommt nicht in Frage – mit meiner Mutter möchte ich es mir nicht verderben! Mama: hiermit schwöre ich hoch und heilig: vollgeschissene Pferde-Outdoor-Decken haben Deine Waschmaschine noch nie gesehen!) 

Drachi mit grauer Backup-Decke „highneck“ (rutscht), reibt vorne, hinten innen hat Drachi es geschafft, das glatte Innenfutter kaputt zu machen. Muttern hat es genäht. Wahrscheinlich werden die Nähte demnächst reiben und die Decke wird damit unbrauchbar, weil das Drachi eine Eiter-Stelle an genau dieser Stelle entwickeln wird, die nie wieder abheilt und ekelig ausschaut – Foto: privat

Der Mann in der Reinigung ist so ein dünner, introvertierter Mensch mit einem süffisanten Dauergrinsen im Gesicht. Sehr korrekt und sehr trocken. Ich bin mir nicht immer sicher, ob er sich freut, dass ich ihm Arbeit bringe. Und ich bin mir nicht sicher, ob er mich nicht ein bisschen non-verbal veräppelt. Es wirkt immer ein bisschen wie der Tanz ums rohe Ei wenn ich diese Reinigung betrete. Ich komme also die Tage wieder einmal in den Laden geschneit. 

Drachi mit Highneck-Fleece-Decke, schön, aber unbrauchbar, rutscht bei ihr und ist eigentlich zu groß – Foto: privat

„Hallo! Ich bin die Frau mit der Türkisen Pferdedecke! Ich würde sie gerne wieder abholen!“

Er grinst süffisant und werkelt an seiner antik wirkenden Kasse herum. 

„Sagen Sie mal, warum brauchen Pferde eigentlich eine Decke? Ich habe da eine Kasachische Mitarbeiterin, die wundert sich immer, warum hier in Deutschland alle Pferde eine Decke tragen müssen. Die sagt, bei denen trägt kein Pferd eine Decke. Ich habe da mal im Internet recherchiert. Nur kranke und geschorene Pferde sollten eine Decke tragen.“

Ich nicke ihm zu und bin etwas verwundert. Das waren ja gleich mehrere Sätze. 

„Da stimme ich ihnen zu. Ich gehe davon aus, dass die meisten Pferde hier eigentlich tatsächlich keine Decken tragen müssten. Hier in Deutschland sind viele Pferde sehr übertüddelt von ihren Besitzerinnen. Die bräuchten eigentlich wirklich keine Decke. Die Pferdefrauen hier übertreiben sehr gerne.“

Er nickt verständig. Ich fühle mich bemüßigt nicht in die Kategorie Psycho-Pferdefrau zu fallen und erkläre weiter: „Wissen Sie, bei meinem Pony bin ich mir auch nicht so sicher, ob es nötig ist, aber wenn sie im Herbst bei Regen nicht raus geht zum Trinken, dann bekommt sie eine Kolik und das wird teuer. Mit Bauchschmerzen beim Pferd zahlt man sich ja auch dumm und dämlich.  Wenn das Pony jetzt eine wind- und wasserdichte Regendecke trägt, geht es nach draußen und trinkt. Und wenn man damit mal angefangen hat, muss man es auch den Winter über durchziehen. Deshalb komme ich ständig mit dieser Decke zu Ihnen.“ 

Er nickt verständig und grinst wieder süffisant. 

Ich zahle, schnappe mir die Decke und bin weg. Ich bin schon gespannt, was wir für ein Gespräch führen, wenn die Decke wieder speckig ist. Vielleicht werden wir doch noch beste Freunde, der Mann von der Textilreinigung und ich. 

Und ich denke: Ja, der Mann hat echt recht, bzw. seine kasachische Mitarbeiterin.

Drachi nach der Klinik in schwarzer Decathlon-Regendecke ungefüttert. Die passt erschreckend gut für wenig Geld, ist aber unbrauchbar, weil sie im Prinzip nur ne Plastikfolie mit Schnüren dran ist. Aber sonst Topp! War Jacintos Distanz-Regendecke. – Foto: privat

Zyklooptastisch?

29. Februar 2020:

Es wird mal wieder Zeit für ein kleines Update, was mein Pferdezuhause angeht. Seit Ende 2018 habe ich nicht mehr darüber berichtet, was sich am Zykloopenhof alles getan hat. Da wird es jetzt aber dringend Zeit! Vor allem, weil das wohnen dort momentan sehr viel Spaß macht.

Sonnenuntergang am Zykloopenhof – Foto: Zykloopenhof

2019 stand zu Beginn des Jahres im Zeichen des Pflastersteins – um Ostern herum wurde gepflastert was das Zeug hält. Der komplette Hof ist jetzt neu gepflastert. Wenn ich noch einen Pflasterstein sehe, der irgendwo eingesetzt werden möchte, muss ich leider fluchtartig losrennen und dabei reflexartig schreien!

Weg zur „Männer-WG“ und zur „Diätgruppe“ – Matschfrei: check! – Foto: privat
Hof + Eingang zu der „All-you-can-Eat“-Gruppe: jetzt schön! Aber da passen sehr viele Pflastersteine rein, glaubt mir …. – Foto: privat

Wir haben in diesem Winter komplett die Zäune erneuert, heißt: neue Litzen und neue Pfosten. Immerhin wohnen wir an einer Bahnstrecke, da muss man schon einen sicheren Zaun haben. Also Holzpfosten ade: Welcome Kunststoffpfosten – die faulen nicht weg. Zeitgleich wurde die Einfahrt für den Traktor auch vereinfacht: Panel-Tor, statt Strom-Litzen-Chaos.

Die alten Stromlitzen (im Hintergrund sieht man die dicken Kunststoff-Pfosten in Aktion – Foto: Privat

Vorher und zwischendurch wurden die Paddock-Trails auch wieder Matschfest gemacht: neuer Splitt in den Trails, Verstärkung unter „kritischen“ Punkten.

Männer-WG Heu-Fressplatz – Foto: privat
Männer-WG Eingang zum Strohbett – Foto: privat
Weiber-WG Fressplatz unter dem Zelt – Foto: privat

Zwischendurch hatten wir auch über mehrere Wochen Besuch von einer leicht hilflos wirkenden weißen (Brief?)Taube. Wir haben sie „Tobi“ genannt und ich muss immer noch an sie denken. Irgendwann war „Tobi“ dann einfach so weg. Aber dank des Dauerregens haben wir momentan unten im Auffangbecken Enten schwimmen und eine davon ist ebenfalls schneeweiß. Wir haben sie „Tobi“ genannt in Erinnerung an unseren Brieftauben-Tobi.

Tobi ❤ – Foto: privat

Die „Männer-WG“ hat eine feste, größere Strohraufe bekommen. Hier stand zwar eine Strohraufe, aber das Update wurde ein Stück versetzt und gleichzeitig vergrößert und so haben die „Diätis“ auch gleichzeitig die Möglichkeit Stroh zu fressen bekommen. Quasi ein Update für beide Gruppen. Natürlich wurde das Ganze standesgemäß final in einer dieser Nacht-und-Nebel-Aktionen durchgezogen. Der Untergrund ist leicht erhöht und wurde mit übrig gebliebenen Terrassensteinen gepflastert. Upcycling per excellence. Kein Matsch möglich.

Strohraufe für „Männer-WG“ und „Diätgruppe“ – Foto: Zykloopenhof
Strohraufe im Rohzustand – Foto: privat

Der Reitplatz unterhalb der Bewegungshalle hat ebenfalls ein Update bekommen. Die Beton-Ovalbahn wurde entfernt und das ganze Ding auf gut 20 x 40 Meter aufgestockt. Dazu gab es eine neue Umrandung, die verhindert, dass der neue Belag verloren geht und gleichzeitig der „Rand“ gut sichtbar ist. Förderband ist echt universell einsetzbar. Aber der Reitplatz ist noch nicht ganz fertig – aber natürlich schon nutzbar. Wobei der Belag noch nicht perfekt ist. Hier haben wir noch ein Problem mit Matschlöchern.

Männer und Bagger …. kannste nix machen! – Foto: Zykloopenhof
Letztes Bild der „Ovalbahn“ – Foto: Zykloopenhof
Umrandung und Vergrößerung fertig – Sand ahoi! – Foto: Zykloopenhof

Die „All-you-can-Eat-Gruppe“ ist im Winter auch deutlich gewachsen und hat deshalb eine zweite feste Stroh/Heu-Raufe bekommen. Schließlich sollen die Bewohner ja auch immer Essen können. Die Raufe ist ans Eck unserer Bewegungshalle gebaut und lässt sich so praktisch über den Hof bestücken und die Pferde haben auch noch durch die Wand einen Wind/Wetterschutz.

„All-you-can-Eat“-Buffett eröffnet!
Dank vorheriger Pflaster-Aktion matschfrei – Foto: Zykloopenhof
Raufe von innen – Foto: Zykloopenhof

Ein Update hat auch die „Diätgruppe“ bekommen: die haben nämlich jetzt ebenfalls einen Kletterhügel bekommen – der ist noch nicht ganz „gesetzt“, aber wird schon als Spielplatz genutzt. Man glaubt nicht, wie gelenkig die Ponys sich benehmen, wenn sie frei spielen können und ein Hügel dabei ist.

Kletterhügel ganz frisch in der Diätgruppe – Foto: privat

Da die Diätgruppe jetzt ebenfalls richtig angewachsen ist, wurde dort die Sattelkammer fertig gestellt. Das sind Deluxe-Sattelkammern geworden. Diesmal sogar mit hinten integriertem Regal! Richtig gut!

Organisiertes Baustellen-Chaos. – Foto: privat
Sattelschrank von innen – Foto: privat

Sattelkammer „Diätgruppe“ in fertig – gegenüber sind noch Regale und Platz zum Abstellen – Foto: privat

Kleinere Dinge wurden auch zwischendurch gebastelt. Dieter hat für die Lecksteine der verschiedenen Gruppen Halterungen gebaut. So können die Herrschaften sich jetzt an verschiedenen Geschmäckern bedienen.

Lecksteinhalterung bei den Jungs – Foto: privat

Das Strohbett der „Männer-WG“ hat jetzt als Letztes ein Update bekommen. Hier waren früher zwei Panel-Tore, um als Raumtrenner zu funktionieren. Problem: eventuell könnten sich ungeschickte Ponys drunter festliegen, bzw. dieser feste, aber doch irgendwie wackelige Zustand war nicht ganz zufrieden stellend. Johannes hat jetzt einfach ein Förderband aufgehängt. Die Jungs haben jetzt einen deutlich sichtbaren Raumtrenner, der aber frei schwingt (Spielkinder hatten schon damit Spaß …) und unter dem man sich nicht festliegen kann. Man kann ihn bei Bedarf einfach hochziehen (wenn man stark genug ist) und er sorgt aber trotzdem für visuelle „Grenzen“. Geschickt gelöst würde ich sagen!

Räumliche-Männer-Trenn-Förderband-Bastelage – Foto: privat

Das ist ein Foto von dem nächsten Bauwerk in der Pipeline – Das wird eine Strohraufe für die „Weiber-WG“. Somit haben dann alle Trails große Raufen, Kletterhügel und neue Zäune.

Neue Raufe in der Mache – Foto: privat

Ansonsten bin ich natürlich gespannt was 2020 so für uns bringt. Bautechnisch, aber auch menschlich und Pferdetechnisch. Es bleibt spannend! … ich hoffe ja immer noch ganz stark auf eine schöne Reitwiese mit tollen Extreme-Trail-Hindernissen UND einem Wasserdurchritt. Damit die „Tobis“ dieser Welt auch immer Wasser und einen Platz zum Schlafen finden können.

Zwischendurch gibt es natürlich auch immer was zu reparieren: Beleuchtung der Trails – Foto: Zykloopenhof

Alte kaputte Pferde?

Februar 2020:

So langsam muss ich mir Gedanken machen über „alte“ Pferde. Meine Pferdeplanung verlief ehrlich gesagt nicht wirklich geschickt. Anstatt drei unterschiedlich alter Pferde habe ich drei Pferde, die zusammen nur zwei Jahre auseinander sind. Also super geplant. Aber rechnen war bekannter Weise noch nie meine Stärke.

Damit kommen ungewohnte „Probleme“ für mich in Sicht. Nachdem ich schon gerne aktiv unterwegs bin mit den Ponys, stellt sich mir die Frage: „Was mache ich, wenn die jetzt alle drei Invaliden sind?“ – Gut momentan stellt sich die Frage bei den Stuten nicht. Im Gegenteil, Diosa ist so fit wie selten zuvor und das Drachi muss dieses Jahr erstmals als „Nachwuchspony“ mitkommen. Ob sie will oder nicht. 

Dafür hat sich Jacinto sukzessive ins Aus geschossen. Seit längerer Zeit beobachte ich eine Verschlechterung im Gangbild, die sich jetzt im Winter ganz akut noch einmal verschlechtert hat. Also Fokus-Suche. Was sich beim Pferd nicht wirklich als einfach erweist. Schließlich können die nicht sprechen. Was manchmal echt gut wäre … Man vermutet also munter vor sich hin. Hat er einen schlechten Tag? Ist ihm das Wetter zu naßkalt? Braucht er Wärme? Sind die Eisen falsch? Hat er sich verletzt? Ist das Training ungenügend? Hat er einen Tritt abbekommen? Hat er Schmerzen? Wenn ja, wie viel? Er spielt doch mit den Jungspunden – hat er tatsächlich was? Wieso lahmt er auf einer Seite mehr? Hat er jetzt was? Was hat er nur? Also Tierärztin angerufen. Die rückt mit dem mobilen Röntgengerät an und begutachtet den Zwerg komplett. Vom Gangbild her muss es aus Richtung Knie kommen. Gut. Frauchen hat wieder was gelernt, weil sie das weiter unten vermutet hätte. Drum holt man sich Rat vom Fachmann. Also Knie Röntgen, was gar nicht so einfach ist, weil man da nicht so gut hinkommt. 

Das Knie beim Pferd ist übrigens nicht da, wo man es vermutet, sondern ein Stockwerk weiter oben. Das Pferd läuft nämlich auf seinen Zehenspitzen. Nur noch mal so zum wiederholen. Also muss man in der Nähe von bei Wallachen und Hengsten sehr empfindlichen Zonen hantieren, was die wiederum nicht so wirklich prickelnd finden. Also ambulantes Röntgen ist Glücksspiel. Wir bekommen ein relativ gut sichtbares Röntgenbild. Erste Vermutung: Knochenzysten im Tibiakopf. Klingt blöd, ist blöd, die Stelle ist auch blöd. Wenn das so wäre und die Zysten würden einbrechen: Exitus. Eine hübsche Diagnose am Tag vor dem Eisbärenritt. Meine Tierärztin empfiehlt die genauere Abklärung mit Röntgen unter Sedierung (weil die Pferde dann einfach stiller halten und aussagekräftige Bilder entstehen) und eine Klinik, die sich auf Pferde-Knie spezialisiert haben und auch ein CT-Szintigramm für Pferde haben. Also wurde ein Termin dort ausgemacht. 

Damit geht natürlich das Kopfkino los. Was ist, wenn es diese Diagnose tatsächlich ist? Ein 19jähriges Pferd operiert man nicht leichtfertig, wenn es dann vielleicht über ein halbes Jahr braucht, um wieder „auf die Beine“ zu kommen. Wenn ja, ist es dann schmerzfrei? Wann schafft man den Absprung? Wann quält man sein Tier? Meine Gedankenspirale dreht sich komplett nach oben. Mir war im Prinzip schon völlig klar, dass ich Jacinto in diese Klinik fahre und dann kommt irgend eine sehr dramatische Diagnose heraus, und ich muss die Entscheidung zum Einschläfern treffen. Hatte ich schon miterlebt, das braucht niemand und prägt leider auch. Also ich bin auf das Äußerste gefasst. 

Der Termin in der Klinik ist an dem einzigen Tag in der Woche, in dem das Wetter mit Sturmböen und überfallartigen Schnee/Graupel-Regen imponiert. Super. Also dort die 220 km hin gegurkt. Dank meinen beiden Psycho-Begleitungen war es eine sehr kurzweilige Fahrt – und ich bin froh, das ich Euch dabei hatte! Wir wurden auch fachlich sehr kompetent behandelt. Horsemanship-Technisch ist dort allerdings noch Luft nach oben möglich. Manche Betriebe stecken gedankentechnisch noch in der Pferdesteinzeit fest. 

Jacinto bekommt Besuch von seinem Kumpel Diego – Foto: privat

Jacinto bekam noch mal das ganze Programm Lahmheitsuntersuchung, teilweise Abspritzen (fand er nicht wirklich prickelnd), ausführliches Röntgen in Sedierung. Dabei konnte die Diagnose Knochenzyste dankbarer Weise nicht bestätigt werden. Dafür hat sich die Diagnose „Avulsion/dystrophische Mineralisation Kreuzband“ herauskristallisiert. Was deutlich besser ist, als erwartet. Das bedeutet im Prinzip: das Kreuzband ist „angerissen“ und muss wieder „festwachsen“. Das tut es meistens von ganz alleine, wenn das Pony still hält, keine unbedachten Bewegungen macht, vor allem keine Drehbewegungen und nicht irgendwie mit den Beinen wegrutscht. Stufen steigen ist auch nicht gut. Es bedeutet Boxenruhe für mindestens drei Monate. Bewegen im Schritt ist möglich. Für ein Offenstallpferd, welches sehr mit seinen Kumpels tobt und spielt etwas schwierig. Aber besser als alle anderen Diagnosen, die ich mir in meinen Gedanken so ausgemalt habe. 

Also haben wir Jacinto wieder eingepackt und sind nach Hause gefahren. Weitere Untersuchungen bleiben mir und meinem Geldbeutel erst mal erspart. Ich bin übrigens sehr stolz wie souverän Jacinto Hänger fährt und wie brav er im Umgang ist. Die Basics sind echt wichtig. Das kann man immer wieder beobachten, wenn man anderer Leute Pferde zusieht, wie sie sich in der Klinik aufführen. Wobei ich es Jacinto nicht übel nehme, wie er sich gegen die Abspritzung gewehrt hat. Das war nämlich in nicht Bösartig, nur abwehrend. 

Frauchen freut sich, dass wir wieder mit Pony heim fahren können! – Foto: privat

Jetzt wohnt der Zwerg in Sichtweite zu seiner Herde in einer sehr geräumigen Doppelbox mit kleinem Paddock, von dem aus er seine Kumpels sieht und welches genau im Weg zum Putzplatz steht, so dass alle seine Freunde an ihm vorbei laufen müssen. Ab und an bekommt er Besuch von seinen Kumpels, die stehen dann im Nachbar-Paddock und er hat die Möglichkeit zum Fellkraulen oder Rumschnüffeln. Direkter Kontakt zur Herde geht leider nicht, weil da wäre eine Stufe dazwischen. Die Möglichkeit finde ich gelungener wie eine 3×4 m Boxe ohne Sonnenlicht. Es dauert vielleicht etwas länger, aber Jacinto kann sich die Beine wenigstens ein bisschen vertreten und bekommt hoffentlich keinen Lagerkoller. Schauen wir mal, wie lange das gut geht. Und ich hoffe es bringt was. Vielleicht bleibt mir Jacinto als Reitpferd erhalten und ich kann noch viele Jahre mit ihm durchs Gelände streifen.

Armer Zwerg in Einzelhaft – Foto: privat

Auf jeden Fall muss ich aber weiter überlegen, was ist, wenn alle meine Pferde alt sind. Weil sie einfach so abschieben kann ich sie nicht. Dafür waren sie mir zu treu. Es ist auf jeden Fall der erste Schritt in einen neuen Pferde-Lebens-Abschnitt, der mich reiterlich gesehen deutlich einschränkt, aber auf jeden Fall eine neue Erfahrung wird. Meine Wunsch wäre aber trotzdem ein unerwarteter Geldsegen, der mir ermöglicht ein Nachwuchspferd zu erwerben UND alle meine Halb-und-Teilzeitrentner zu behalten. Aber wer bekommt schon was er sich wünscht?

Was sind Eure Erfahrungen mit Rentner-Pferden?

Hat jemand von Euch schon mal ein Pony mit „Kreuzbandanriss“ gehabt?

Und wenn ja, was sind Eure Erfahrungen und Behandlungen gewesen?

Weit gereiste Eisbären?

25. Januar 2020:

Bei wunderbar mildem Reitwetter fand dieses Jahr unser 7. Eisbärenritt am Zykloopenhof statt. Wir hatten eine komplett neue Strecke ausgekundschaftet – uns verschlägt es auch nicht so oft in diese Richtung – von daher war es auch für uns beim Probereiten spannend!

Wir konnten 40 Starter auf die neue Strecke schicken und mehrere Teilnehmer hatten über 100 km Anreise! Wow … ich sage nur: WOW! Ihr seid ja Wahnsinnig! Es freut uns riesig, dass hier trotz Winterwetter keine Kosten und Mühen gescheut werden, um dabei sein zu können! 

Quoten-Traber bei der Begegnung mit dem Stier! – Foto: Eisbärenritt

Unsere Starter durften nach der Anmeldung erst mal in unserer kleinen „Reithalle“ ein paar Aufgaben bewältigen. Wir haben Teile des Trails im Working Equitation-Style angelegt. Einmal eine klassische Brücke und dann den Stier mit Garrocha stechen. Aber alles nur im Schritt – ganz gechillt. Als nächstes durften die Teilnehmer ihre kleinen grauen Gehirnzellen anstrengen und „Einkaufen“ gehen. Mit Pferd an einen Tisch parken, und dann die Einkaufsliste 10 Sekunden auswendig lernen und dann nach Gedächtnis von den Gegenständen am Tisch „einkaufen“. Danach durfte noch „Fußball“ gespielt werden. Den Ball mit einem Besen ins Tor schussern. Auch nicht so einfach.

Auenhof-Paso Finos beim Shoppen! – Foto: Eisbärenritt

Dann ging es erst mal auf die Strecke. Dieses Mal waren es 20 km mit mehreren Stationen, die wir unseren Startern per Karte zumuteten. Der erste Halt war am Flurdenkmal – hier waren wir vom Ritt im mystischen Tannenwald inspiriert und hatten unseren Dieter gebeten uns auch so eine „Leiter“ zu basteln. Quasi Stangen, die auf längeren Hölzern liegen und die beim Überreiten nicht umkippen sollten. Für viele Pferde war übrigens alleine schon das Hinreiten ganz „gefährlich“. Zur Erbauung bekamen die Reiter dann noch eine rohe Spagetti mit auf den Weg, um sie bei der nächsten Station heil wieder abgeben zu dürfen. Unterwegs musste man ja nicht nur nach Karte reiten, sondern auch eine Straße überqueren. Also nicht ganz so einfach. 

Connemara-Power an der „Leiter“ – Foto: Eisbärenritt

Aber viele brachten die Nudel trotzdem heil zur zweiten Station, intern die „Ortolan“-Station genannt. Hier durften die Reiter Geschicklichkeit beweisen, indem sie Dinge in unterschiedliche Felder werfen mussten. Und schon ging es weiter Richtung Mittagspause. Die hatten wir dieses Jahr an einem richtig urigen Blockhaus in einer Schrebergarten-Anlage. Hier gab es Getränke zum Aufwärmen (oder Abkühlen) und die berühmt-begehrten Eierringe, Kuchen und Unterhaltung. Wir hatten hier bewusst mal keine großen Aufgaben geplant. Die Reiter durften nur beim Weiterreiten von rechts aufsteigen, immer wieder eine gute Übung 🙂 und wurden nach dem „Ortolan“ gefragt. An der Station vorher war nämlich eine Reihe Schilder, die den Ortolan beschreibt. Das ist übrigens ein bodenbrütender Singvogel, der in Franken hauptsächlich im Getreide brütet und sich auch gerne in so Obstwiesen aufhält. Er soll übrigens auch Ludwig van Beethoven zur „Fünften Symphonie“ inspiriert haben und in Italien und Frankreich gelten sie als Delikatesse … nur mal, um etwas Kultur hier rein zu bringen! 🙂

Unsere fünfte Station war dann am „Eichelsee“ – ganz früher der Freibad-Weiher von Mainbernheim. Hier war wieder Working Equitation angesagt: vorwärts in Schlangenlinien durch die Bäume, Glocke klingeln lassen, und im Idealfall rückwärts zurück. Anschließend ging es zurück zum Zykloopenhof. Hier konnten die Ponys entspannen und sich die Reiter bei reichhaltigem Buffett stärken und wieder aufwärmen. 

Reitende Pinguine auf Paso Peruanos!? – Foto: Eisbärenritt

Vielen Dank an alle unsere fleißigen Helfer, alle Kuchenbäcker, alle Streckenposten, unsere Anmeldung, unsere Fotografen, unsere tolle Mittagsstation, unsere Hängerparkerin, und an alle Einsteller, die das jedes Mal „erdulden“ und natürlich an alle Teilnehmer und Besucher! Wir freuen uns jedes Mal, wenn alles so gut geklappt hat und alle zufrieden nach einem schönen Tag wieder nach Hause fahren. 

Wir freuen uns auch, dass wir dieses Jahr neben Paso Finos und Isländern auch zwei Paso Peruanos, einen Töltenden Traber (unseren Quoten-Traber :-)) und einen Tennessee Walker dabei hatten. Auch unsere Läufer waren mit ihren beiden Shettys dieses Jahr wieder mit dabei – das finden wir auch immer wieder Klasse! Und natürlich hatten wir auch dieses Jahr wieder ganz tolle Eisbärenkostüme am Start! Es freut uns immer wieder, wie viel Mühe Ihr Euch gebt! 

Unsere Siegerin hat sich gleich zu Beginn schon gefreut! – Foto: Eisbärenritt

Dieses Jahr konnte Katha Kemmer sich über den ersten Platz freuen – ein Shooting mit Yvi Tschischka Photography. Überhaupt hatten wir tolle Sponsoren! Filogran, Lanfranco Horse Fashion, Loesdau, Reitsport Veh, Zedan, Mühlendorfer – unsere Teilnehmer bekamen alle einen neu designten Zykloopenhof-Eimer mit tollen Sachen darin! 

An der Ortolan-Station – Foto: Eisbärenritt

Wir hatten dieses Jahr auch an jeder Station gebeten Plus- und Minus-Punkte zu verteilen für besonders faires und schönes Reiten. Uns freut dass dieses Jahr dieser Preis auch an die Teilnehmerin mit der längsten Anreise gegangen ist: Alexandra Rau von Paso Finos vom Auenhof, in 86480 Aletshausen. 

Wir hoffen Euch auch nächstes Jahr wieder einen tollen Eisbärenritt bieten zu können und freuen uns schon uns wieder „Gemeinheiten“ für Euch auszudenken! 

Isi(s) Unterwegs auf der Strecke – Foto: Eisbärenritt

PS: Die Teilnehmer bekommen noch eine Email mit dem Link für die Fotos, aber wer schon mal spitzen möchte: HIER

Jahresrückblick?

01. Januar 2020:

Ich habe mir lange überlegt, ob ich einen Jahresrückblick schreiben soll. Nachdem es ein sehr dramatisches Jahr war, wäre ich wohl nicht mehr aus dem erzählen raus gekommen …. dann bin ich gestern auf den bebilderten Rückblick von Yvi auf Facebook gestoßen und hab mir gedacht: Das machste einfach nach. Das Anblicken der Bilder hat mich irgendwie positiv gestimmt. Und positiv gestimmt ist die Grundeinstellung für nächstes Jahr. Von daher: et voila!

Und wir waren doch ganz schön unterwegs und haben richtig tolle Dinge erlebt! Von daher DANKE an alle, die wir auf der letztjährigen Reise getroffen haben und die uns begleitet haben. Ein ganz spezielles extra Dankeschön geht an meine „SoKoSven“-Herzmenschen und an Johannes, der meinen Pferden ein zu Hause gibt.

Spring Häschen, Spring – Horse Agility Kurs 2019
Messe-Team in Alsfeld – Foto: Timo Haas
Kurse mit dem Drachenpony bei Stephan Vierhaus und John Pelaez – Foto: Yvi Tschischka
Eichenzell – Grandiose Kulisse beim PFAE-Turnier

Schwitzen in Mannheim an der EOA – Foto: Ellen Vierhaus
Erster Orientierungsritt in Dettelbach – Foto: Privat
Orientierungsritt in Eisingen – Foto: Privat
Drachenponys Leistung in Hünxe – Foto: Wiebke Vierhaus

Drachenpony bei der IDMG in Wemding – Foto: Anna-Maria Steinert

Fino-Bond unterwegs am O-Ritt in Nenzenheim – Foto: privat
Oktoberfest-Orientierungs-Ritt in Atzhausen – Foto: Privat
Disney-Orientierungsritt mit Drachi und Diosa in TBB – Foto: Privat
Pferd&Jagd 2019 – Foto: Nadine Schumacher
Diego del Cavador wachsen sehen – Foto: Yvi Tschischka
Drachi motiviert halten und das graue Schnicksi auf den Weg bringen – Foto: privat

Der Grundsatz bleibt auf jeden Fall: Positiv Voraus!

Es sind schon ein paar ganz tolle Dinge für 2020 geplant. Primär wünsche ich mir aber ein langweiliges, aber lustiges Jahr, ohne Drama – Danke Schicksal, das wäre nett.

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