Del Cavador

Frühjahrsputz?

16. April 2019:

Frühjahrsputz-Chaos …. – Foto: Privat


Es ist Frühling. Die klassische Zeit für Frühjahrsputz. Einfach mal den Staub und die Spinnweben rauskehren und nebenbei richtig aufräumen. Damit habe ich kein Problem. Im Gegenteil. Ich bin der klassische Fall von zwangsneurotischem Ordnungsfanatiker. Bei mir hat alles seinen Platz. Und ich liebe es Dinge zu sortieren. Gerne auch nach der Arbeit im Supermarkt – wenn da etwas unordentlich steht, ich muss es zurecht rücken. Putzen ist Seelen-Therapie. Da kann man so viel bei Nachdenken. Und wenn man dann alles wieder sauber und ordentlich hat, hat man seine Gedanken auch wieder sortiert. Ich mache das gerne. 

Auch deshalb, weil ich sonst nix mehr finde. Das nennt man beginnende Alters-Demenz. Und ich habe zu viel Zeug. Und ich trenne mich sehr ungern von Dingen. Ganz schlimm. Was uns schon ganz flockig zu Teil 2 des Frühjahrsputzes bringt: dem Aussortieren. Da haben sich doch tatsächlich in 18 Jahren eigene Pferde und vorher schon komplette Ausstattung für fremde Pferde ganz viele Dinge angesammelt. Ich weiß gar nicht wie das so eskalieren konnte. 

Mir wurde das wieder bewusst, als ich gestern eigentlich nur ein Regal meines Sattelschrankes aufräumen wollte. Irgendwie eskaliert das dann immer. Es fängt ganz harmlos an. Ich versuche nur ein Brett im Regal aufzuräumen und ehe ich mich versehe sitze ich hilflos inmitten meiner Sachen und frage mich: Wie konnte es nur so weit kommen?! Mal ganz ehrlich: wie schaffen es Leute ihre Sachen für mehrere Pferde in einem einzigem winzig kleinem Bundeswehrschrank unter zu bringen? Habt Ihr da einen Zauber drüber gelegt, wie Hermine im letzen Harry Potter-Teil? Ihr erinnert Euch, diese Handtasche wo alles rein passt?

Also ehrlich. Ich sitze da in meinem Gerümpel und denke mir: dieses Minimalismus-Ding mag ja eine echt große Sache sein. Wie machen die Leute das? Und macht das die Leute tatsächlich auf Dauer glücklich? Gruß an Frau Kondo. Aber mal ganz ehrlich: Für mich ist das nix. Der Mensch ist und bleibt einfach ein Jäger und Sammler. Und da ich komplett unsportlich bin, bleibt mir nur das Sammeln übrig. Und noch mal ganz ehrlich: Das dürfte jedem schon spätestens nach dem Kauf des dritten Ponys klar geworden sein. Minimalistisch wäre halt einfach nur ein Pony. 

Ich gestehe das jetzt einfach mal: Ich bin ein Sammler. Und es macht mir nix aus. Und ganz ehrlich, wenn ich mir die hübsch inszenierten Bilder zum Thema Minimalismus ansehe oder in Wohnungszeitschriften blättere, denke ich mir immer: Wo habt ihr euer Geraffel versteckt? Jeder Mensch hat doch bestimmt mindestens eine dunkle Ecke, wohin alle Dinge verschwinden, die man eigentlich nicht hergeben kann? Oder ein ganzes Gerümpel-Zimmer. Wo sind all die Dinge, die man nicht vorzeigen kann, die einem aber ans Herz gewachsen sind? Kein Mensch kann immer so gut aufgeräumt sein. Innerlich und Äußerlich. Da muss sich doch etwas verstecken. Ich möchte jeden Anschreien: Lasst es doch einfach raus! Seid nicht perfekt! Niemand kann nur perfekt sein! 

Gut, in meinem Pferdeschrank finden sich jetzt nicht allzu viele peinliche Sachen – vielleicht abgesehen von der flauschigen, blauen Satteldecke mit den Schäfchen drauf. Aber die habe ich damals fürs Möppi gekauft und die gebe ich auch nicht mehr her, auch wenn ich sie nicht benutze. Oder wenn man mal absieht von meiner exzessiven Sammel-Leidenschaft für Bosals und Barbadas. Und weil ich ein gerne fauler Mensch bin, müssen die auch alle an eigenen Kopfstücken hängen, dann kann ich mir einfach eines aussuchen. Oder Roulett spielen: Blind hinein greifen und dem Pony anziehen. Und ja, Neonfarben sind vielleicht nicht immer eine gute Wahl. OK. Das sind weiße Stiefel auch nicht, und trotzdem tragen Frauen weiße Stiefel. Oder Leggins. Die waren schon in den 90ern Grenzwertig.

Aber dafür habe ich zumindest keine exzessive Sammel-Leidenschaft für komplette Eskadron Sets. DAS braucht ja mal richtig viel Platz – keine Ahnung wie die Leute das schaffen. Finanziell und Platztechnisch! Ich habe mal auf Youtube gesehen, wie eine sehr junge Frau ihre komplette Eskadron-Set-Sammlung vorgestellt hat. Die hatte locker 50 verschiedene Schabracken und teilweise dazu noch die passenden Bandagen, Ohrenmützen und Abschwitzdecken dazu. Diese Sammlung hat ausgebreitet einen großen Teil einer kompletten Reithalle in Beschlag genommen, was mich nachhaltig schockartig beeindruckt hat. DAS finde ich dann doch etwas bedenklich, aber es beruhigt mich auch wieder. 

Es gibt Menschen, die eskalieren noch viel deutlicher wie ich. Und es gibt Menschen, die haben halt weniger. Soll jeder machen wie er denkt, so lange man damit glücklich ist und sich selbst nichts vormacht. Von daher finde ich: Solange man nicht mehrere gleiche Kopfstücke hat, die sich nur durch unterschiedliche Farben unterscheiden, kann es nicht so schlimm sein. Moment mal …. Blau, Gelb, Schwarz, Rot, Türkis, …. äh ….  schnell Themenwechsel. 

Nein, die sind nicht alle gleich! ….. – Foto: privat

Jedenfalls auch ich bemühe mich alles im Griff zu behalten. Mein Leben und meinen Sattelschrank. Ab und an ziehen neue Dinge ein, aber ab und an zieht auch mal was aus. So hält sich alles in Grenzen. Im Stall wie im Leben. Eigentlich muss man „nur“ seinen eigenen Stil finden. Und dann durchziehen und sich nichts einreden lassen. Das entspannt. Und perfekt sein? Wer will schon perfekt sein – ist doch langweilig! 

Häschen Hops?

Horse Agility Kurs am Zykloopenhof

29.03. – 30.03.2019:

Spring Häschen, Spring! – Jacinto im Freisprung – Foto: privat

An diesem Wochenende hatten wir bei uns am Hof einen Kurs mit Manuela von www.crazy-pinto.de, den ich jetzt einfach unter dem Oberbegriff Horse Agility zusammen fassen. Aber es war natürlich noch ganz viel mehr dabei. Bodenarbeit, Zirkuslektionen – jeder konnte machen worauf er Lust hatte, oder spontan neue Dinge probieren. Lina, die den Kurs organisiert hat – ein dickes, fettes Dankeschön an Dich dafür! Und für das ganze Essen was Du besorgt hast 🙂 Wir haben nämlich erst mal mit einem gemeinsamen Frühstück gestartet, bevor wir mit den Ponys losgelegt haben. Das fand ich eine gute Idee. 

Erst mal zeigen, wohin es gehen soll! – Foto: privat

Jeder hatte am Tag zwei Einheiten. Ich habe meine Zeit zwischen Jacinto und dem Drachenpony aufgeteilt. Yvi hat ihre Zeit auch zwischen Diego und Diosa aufgeteilt. So hatten alle vier Ponys an diesem Wochenende ordentlich was für den Kopf zu tun. Bodenarbeit ist einfach auch anstrengend. Die Ponys werden mit Dingen konfrontiert, die sie normal nicht machen. Und das strengt auch an. Kopfarbeit. Eine aussterbende Sache übrigens … wenn man sich mal so in seinem Umfeld privat und beruflich umsieht. Aber jetzt egal. Ich fasse für mich persönlich übrigens unter dem Begriff „Bodenarbeit“ alles zusammen, was ich mache, wenn ich nicht auf dem Pferd sitze, also Putzen, Führen, Langzügel, Longieren, Freiarbeit, Zirkuslektionen, Gymnastik, Longieren, Horse Agility, was auch immer. Nur um das mal zu definieren. Mit diesen ganzen Begriffen kommt man ja sonst durcheinander. Simpel halten. 

Sumpfbespaßung-Stalker-Fotos! – Foto: privat

Aber zurück zum Kurs! Manuela hat uns in der ersten Stunde erst mal führen lassen, bzw. abgecheckt, wie weit wir so sind. Eine knifflige Aufgabe war das 8-er longieren, sprich Pony um zwei Pylonen schicken, ohne sich selbst groß mitzubewegen. Fördert unheimlich die beidhändige Koordination beim „Reiter“ und testet das Körpersprachen-Verständnis des Ponys für uns – und sorgt nebenbei noch für Gelächter beim Publikum. Wobei man hier sagen muss: Wir haben uns nicht gegenseitig ausgelacht, sondern hatten zwei Tage lang richtig viel Spaß! Es waren einfach lustige Situationen dabei und jeder hatte einfach eine gute Zeit am Stall mit seinem Pony und mit der Stallgemeinschaft. Der Kurs wurde nämlich durchgehend von Zykloopenhof-Bewohnern besucht. Wir waren also eine bunte Truppe an verschiedenen Pferden und Leuten. Aber jeder ist auf den Geschmack gekommen, bzw. hatte seine Erkenntnis-Momente. Mein heimlicher Star war übrigens der zweijährige Jamie – ein Fino-Nachwuchs und Kumpel von Diego, der mit einem Spaß und Eifer alle Hindernisse meisterte, das war einfach toll anzusehen. Ein richtiger Streber! Oder wie die Kids mit den Ponys zusammen gearbeitet haben und aneinander gewachsen sind. Einfach Klasse! Oder wie Zwergs Kumpel Sam richtig aufgeblüht ist, beim „Spielen“! 

Streber! 🙂 – Foto: privat

Nachdem ich mit Jacinto das Steigen angefangen habe – was er ja erstaunlicher Weise relativ schnell gelernt hat, möchte ich das jetzt noch verbessern. Dazu hat Manuela mir auch ein paar Tipps gegeben. Wir werden uns jetzt im „Schul-Halt“ (also Pferde-Popo absenken – oder besser gesagt Gewicht aufnehmen) üben. Das als Grundübung, um Jacinto zu zeigen, dass er sich mehr „setzen“ kann und dann insgesamt auch etwas höher kommt. Momentan sieht Jacintos Steigen nämlich eher aus wie behindertes Häschen-Hops. Aber er guckt dabei so lustig bedröppelt, dass das alleine schon putzig ist. 

Raschelfolie ist eigentlich total langweilig – Foto: privat

An der Bergziege müsste ich mit ihm auch mehr arbeiten. Das wäre nämlich insgesamt auch eine sehr gute Übung, um uns einfach mal zu entschleunigen und bewusst einzelne Schritte zu setzen. Eben so das „Sitzen“ auf einem Sitzsack. Es ist unheimlich schwierig, ein Pferd präzise Schritt für Schritt Rückwärts an einen „Gegenstand“ zu bugsieren, und dann auch noch zu verlangen, dass es den Gegenstand mit dem Popo berührt. Probiert das mal, da seid Ihr tagelang mit beschäftigt. An solchen Dingen möchte ich jetzt mehr arbeiten. Das kommt dem hektischen Fino-Reiter glaube ich ziemlich entgegen.

Nebenbei kann Jacinto jetzt schon fast „Nein“ sagen. Am „Ja“ sagen hapert es noch. Aber „Nein“ bekommt er auch momentan öfter zu hören …. das Gras fängt wieder an zu wachsen, wenn Ihr wisst was ich damit andeute  ….

Bedröppelter Sumpf-Blick – Bergziege und Sitzen … – Foto: privat

Am Nachmittag sind wir dann raus auf den Platz gegangen und hatten die Gelegenheit unsere Spielwiese zu erproben. Manuela hat uns ein paar Dinge mitgebracht und wir haben ja auch ein paar Sachen. Jeder konnte ausprobieren und üben und am Ende haben wir dann einen ganzen „Parcours“ absolviert. Wir hatten: einen Tunnel, eine Gruselgasse, unsere große Wippe, eine Vorderbein-Wippe, Sprünge, Klapper-Wiese mit Plastik, einen bunten Sprung-Ring, Slalom, Hängematte, zwei Podeste, Sitzsack, Dinge zum Hinterherziehen, Dinge um Füße hinein zu stellen, diverse Oberflächen um die Ponys drauf zu stellen – also eine ganze Menge Zeugs zum Austoben! 

Spielwiese für Horse Agility und Bodenarbeit – Foto: privat

Für den Nachmittag habe ich mir dann das Drachenpony mitgenommen. Und sie hat es gehasst. Ganz viele Dinge die Flattern (Flattertore), die sie am Bauch berührt haben (Tunnel mit Schwimmnudeln) und die sie in ihrer Fluchtmöglichkeit eingeschränkt haben. Das hasst sie. Aber sie hat sich zusammengerissen (meistens jedenfalls) – irgendwann merkt sie vielleicht, dass sie nicht stirbt, wenn irgendetwas Fremdes sie berührt. Andererseits könnte sie auch irgendwann sterben, wenn sie was berührt. Man weiß es nicht. 

Doch nicht gestorben, obwohl Plastik am Bauch! – Foto: privat

Am zweiten Nachmittag sind wir sogar in einen richtigen Flow reingekommen. Das war sehr intensiv. Mich hat es richtig gepackt und wir haben ordentlich konzentriert und gar nicht auf Flucht gepolt gearbeitet. Ein sehr intensives und gutes Gefühl. Letztendlich hat sich das Drachenpony ganz konzentriert auf eine winzige Wippe gestellt. Bergziege macht sie sowieso richtig toll! Balance hat sie – da macht ihr keiner was vor! Das war jedenfalls ein richtig gutes Gefühl so intensiv mit ihr zu Arbeiten. 

Tolles Drachenpony – Bergziege auf Mini-Wippe! – Ich bin stolz! – Foto: privat

Fazit: Ein sehr guter Kurs – tolle Menschen, tolle Pferde – ich mag meinen Stall! Manuela hat einen guten Blick für Probleme und hat auch gute Lösungen parat, ermutigt einen aber auch selbstständig zu Arbeiten. Man ist ja normalerweise auch Alleine – also ein guter Ansatz. Ich mag Manuela, sie ist lustig! Und sie hat auch einen Falben und einen Schecken. Mehr muss ich nicht sagen 🙂 

konzentrierte Bergziege auf dem Podest – Bergziege geht immer ….. – Foto: privat

Wir üben also insgesamt langsamer zu machen und mutiger zu sein. Koordination an mir selber (Thema: Links – Rechts) ist glaube ich Hopfen und Malz verloren. Damit muss ich mich abfinden. Ansonsten fallen uns bestimmt noch lustige Dinge ein, die wir machen können! 

PS: Die Fotos sind alle entweder von Dani, Desis Kamera und meinem Handy. Oder Yvis Handy. Nachdem ich Trollo sie gemischt habe, bekomme ich nicht mehr korrekt auseinander gedröselt was von wem ist 🙂

Belohnung ist auch wichtig – Casperkopf Sumpf – Foto: Dani

Fenster auf Kipp?

Buntes Messe-Team vor dem Auftritt in Alsfeld – Foto: Rico Abendroth

22.03. bis 24.03.2019:

18. Messe Jagen-Fischen-Offroad in Alsfeld


Letztes Wochenende waren Yvi und ich wieder als Messe-Teilnehmer für die PFAE mit den Ponys unterwegs. Die Reise führte uns wieder einmal nach Hessen. Genauer nach Alsfeld, welches romantisch an der A5 gelegen ist. Dort fand die 18. Fachmesse Jagen – Fischen – Offroad (Neuer Shit: Pferde sind jetzt „Offroad“ :-)) statt. Das ist eine kleine, aber feine Messe, die zwar sehr traditionell ist, aber trotzdem überraschender Weise immer interessante und „tellerrandfremde“ Gespräche bietet. Und sie bietet in Halle 4 (dem Pferdezentrum) zweimal täglich ein buntes Showprogramm mit Pferdevorführungen. Und dazu hat Britta Mülle uns gefragt, ob wir wieder bei den Auftritten mitmachen wollen. Sagen wir mal so: mehrere Fino-Leute zusammen, gerade bei Auftritten mit einer Choreografie, die erst einstudiert werden muss bedeutet immer Spaß! Das Problem: Beamen wurde noch nicht erfunden – wir wohnen alle zu weit weg. Das bringt immer den extra Nervenkitzel: Klappt die Choreografie oder Desaster? 

Wir sind also schon am Freitag Mittag in Alsfeld aufgeschlagen. Sehr gechillt tuckerten wir mit Diosa und Jacinto die A7 rauf. Statt Choreografie zu lernen haben wir natürlich lieber das Känguru gehört. Wir hatten dann gut Zeit, um die Ponys im Stallgebäude unterzubringen. In Alsfeld gibt es nämlich schöne feste Boxen und einen sehr hessisch-herben Stallmeister namens Rudi, der hart grummelig und wortkarg erscheint, aber in seinem Herzen ein ganz Netter ist. Jedenfalls passt Rudi auf unsere Ponys auf, wenn die Messe dicht macht. Und Rudi sorgt dafür, dass alles funktioniert – und wer nicht nach seiner Pfeife tanzt, bekommt den Besen zu spüren! Den guten Reisigbesen übrigens 🙂 – ich liebe diese „alten“ Besen!

Messe-Team – 3-erBarrida – Foto: Timo Haas Fotografie

Während die Ponys schon mal ihr Heu mümmelten, sind Yvi und ich nach Alsfeld rein gefahren, um in unser Hotel einzuchecken. Alsfeld ist eigentlich ein sehr schönes Städtchen – viele Fachwerkhäuser – aber auch ein sehr viel befahrenes Städtchen! 

Am Abend waren dann alle Fino-Freunde mit ihren Ponys da. Wir konnten die Choreografie zusammen am Boden üben. Was bestimmt sehr lustig für Außenstehende anzusehen ist: taumelnde Menschen mit weißen Hüten, die mit Zetteln in der Hand komische Kringel laufen und dabei kichernd vor sich hin faseln …. – und dann direkt auf den Ponys in der Halle noch einmal festigen. Wir hatten sechs Ponys dabei: Britta mit Amistad, Jürgen mit Camino, Ela mit Lluvia, Kay mit Delgado (und Mitreiterin Jojo), Yvi und Diosa und mich mit Jacinto. Und natürlich als fest installiertes Bodenpersonal Yvonne, Gerd und Manni. 

Unsere Show-Blöcke waren täglich von 10 – 12 Uhr und von 14 – 16 Uhr. Also genug Zeit um selber einmal über die Messe zu schlendern. Aber vor dem ersten Auftritt ist dazu erst mal keine Zeit. Wir saßen letztendlich alle auf den Ponys, Choreo noch mal durchgegangen, aber unser Bord war noch nicht da! Der ganze Auftritt kommt erst richtig zur Geltung, wenn die Finos über das Sounding-Bord donnern können! Und das Bord nicht in Sicht! Panik! Info: Gerd und Manni stehen noch vor dem Hattenbacher Kreuz auf der Autobahn fest! Horror! Bangen! Panik! Um die Szene für Euch abzukürzen: die zwei Jungs haben es tatsächlich noch geschafft: zwei Minuten vor dem Aufritt sind sie ums Eck geschossen gekommen! Das gab spontanen Szenenapplaus von uns (und irritierte Blicke von anderen Wartenden…). Dann wurde das Bord schnellstens umgeladen und wir sind rein in den Auftritt! Wahnsinn. Und alles hat geklappt. Ich glaube einfach an Karma. Das macht schon, dass alles funktioniert wenn es funktionieren soll. Wenn nicht nicht, aber man muss einfach an Karma glauben!

Jacinto auf dem Bord – Foto: Timo Haas Fotografie

Entspannt nach dem ersten Auftritt sind Yvi und ich erst mal über die Messe geschlendert. Wir haben uns die anderen drei Hallen angesehen. Suzuki war auch dort (die haben ja ein beliebtes Automodell für Jäger – genau so wie andere Autohersteller wie Landrover und Isuzu zum Beispiel….) – die Typen vom Verkauf waren auch bei uns im Hotel untergebracht. Und schon beim Frühstück habe ich mir jegliche Schuschuki-Geschichten und Schuschuki-Dissereien heruntergeschluckt, weil die Jungs ja nichts dafür können. Aber das war sehr lustig. Die zwei Jungs in ihren roten Jacken sind uns quasi wie Schatten gefolgt, am Frühstücksbüffet, einer war definitiv unser Zimmer-Nachbar (der hat sogar Nachts noch lautstark Dauergespräche geführt) und beim gleichen Italiener waren sie auch zum Essen …. das aber nur am Rande. 

Auf einer Jagdmesse findet man vorzüglich halt einfach mal Jäger-Zeugs, was nicht so wirklich interessant für Reiter ist. Wobei man auch gut nach warmer Kleidung sehen konnte. Jäger sitzen ja viel in der Kälte rum, also kann man da ruhig mal seinen Bekleidungs-Horizont erweitern. Was wir aber vor Allem gefunden haben ist eine Erweiterung unserer Besser-Reisen-Rubrik: nach den Klappstühlen mit Becherhaltern, die wir an diesem Wochenende wieder sehr gefeiert haben, gibt es jetzt im Del-Cavador-Fundus einen klappbaren Sattelcaddy für zwei Sättel. 

Zusammenklappbar, passt super in die Sattelkammer vom Hänger, ist mega-Stabil und hält was er verspricht. Wir sind begeistert. Der Erwerb war allerdings nicht ganz so einfach. In Hessen geht man nicht einfach an einen Stand, gibt Geld und bekommt etwas in die Hand gedrückt. Nein, wir haben einen Zettel bekommen, sind dann komplett aus dem Messe-Gelände raus gelatscht. Mit den Fino Hüten auf, was übrigens gelegentlich zu Irritationen bei der Normalbevölkerung führt. Durch das Industriegebiet Alsfeld gelatscht, in den Stabilo-Markt, um dort zu bezahlen und wieder einen Zettel mit zu bekommen, um den allerletzten, einzigen, übrigen dieser stabilen Sattel-Caddys zu erwerben, um dann wieder in die Messe zu latschen, und dann endlich das Ding mitnehmen zu können. Das war so anstrengend, wir mussten erst mal mit unseren Klappstühlen in der Stallgasse chillen! 🙂

Yvi und Sumpf ganz Außen – Foto: Rico Abendroth

Der Samstag ging dann mit dem zweiten Auftritt und noch ein bisschen rumhängen auf der Messe (super Eis übrigens!) schnell rum und wir wurden dann quasi von Rudi rausgeschmissen. Unser restliches Team ist zwischen Flieden und Alsfeld gependelt und Yvi und ich waren vor Ort (und haben Mist-Meister und Futter-Meister gespielt) und auf einmal waren wir alleine in der Stallgasse und Rudi meint, ob wir jetzt fertig sind und wir nicht gehen wollen! So früh sind wir noch nie mit einem Messe-Tag fertig gewesen! Wir waren ganz perplex und sind dann erst mal planlos nach Alsfeld rein gefahren. Und was machen planlose Frauen? Klar, erst mal shoppen. Ich liebe es in fremden Städten in Supermärkte zu gehen und dort zu gucken was die so haben. Das irritiert im ersten Moment, ist aber auch immer spannend. Jedenfalls waren wir damit auch ziemlich zügig fertig und mega früh im Hotel. Dort hatte irgend eine übereifrige Putz-Dame anscheinend etwas gegen zünftigen Pferdegeruch und hatte alle Fenster in unserem Zimmer auf Kipp gelassen. Es war also mega Kalt, als wir ins Hotel kamen. Und es wurde nicht mehr besser. Anscheinend war direkt unterm Dach keine Heizung im Zimmer. Super. Drum war das Zimmer wohl auch billiger …. Ich liebe die Hotels in Hessen. Wir sind erst mal zum Italiener am Eck essen gegangen. Die Dame hat uns bereits wieder erkannt. Und wenn ich an das Essen denke, bekomme ich gleich schon wieder Hunger. Um es abzukürzen: Yvi und ich lagen bereits eingemummelt um 20 Uhr im Bett und haben vor uns hingefroren. 

Backstage-Blick von der Abreitehalle in die Show-Halle (und auf Yvonne im aufblasbaren Pferdchen-Kostüm :-)) – Foto: privat

Dementsprechend schlecht war die Stimmung Sonntag früh. Dauerfrieren, schlechter Filter-Kaffee im Hotel und dann kommt mir noch so eine Trulla vom Messe-Kaffee-Stand zehn Minuten vor offiziellem Messebeginn mit dem Satz: „Ich kann Ihnen noch keinen Kaffee verkaufen, die Messe hat noch nicht geöffnet!“. Ne, so nicht. Aber keine Angst. Ich hab sie nicht getötet. Aber Kalt UND keinen Kaffee da hört der Spaß auf. Da brauchte ich erst mal etwas Zeit alleine beim Pony. Aber der Tag ist doch noch gut geworden. Mit den ganzen Fino-Leuten kann man nur gute Laune bekommen! 

Stallgassenparty von Karma-Klappspaten auf Klappstühlen – Im Hintergrund der Sattel-Candy 🙂 – Foto: Jojo

Auf jeden Fall kann ich sagen: Leute, Ihr seid ein super Messe-Team! Sehr schön war auch, dass Fino-Freunde zu Besuch kamen. Man sieht sich ja so selten! Und dieser gesunde Kräuter-Schnäppes – der war übrigens sehr gut! Jedenfalls alle Auftritte haben geklappt, jeder war noch einen Ticken besser wie vorher – aber das ist jede Messe so. Man stellt sich aufeinander ein und der Sonntag-Nachmittag klappt dann immer am Besten und man geht mit einem schönen Hoch-Gefühl aus der Arena raus. Und dann ist der ganze Zauber schon wieder vorbei, man packt ein und fährt die A7 wieder nach Hause. Schade! Die Zeit geht viel zu schnell vorüber und schon hat einen der Alltag wieder.

Vielen Dank an Alle die dabei waren – und vielen lieben Extra-Dank liebe Britta und Gerd fürs Organisieren, uns fragen, ob wir mit wollen und vor allem fürs Da sein! 🙂 

Alsfeld-Barrida – Foto: Rico Abendroth (Danke Rico für die Bilder! :-))

Optimierte Gespräche?

Kaffee Karma

22. März 2019:

Unterwegs auf Deutschlands Autobahnen – Foto: Yvi Privat


Nennt mich bekloppt, aber so langsam fange ich an mich mit „optimierten“ Gesprächen* anzufreunden. Das sind Gespräche, deren Ende/Ergebnis so verläuft, wie ich das gerne möchte. Man führt sie deshalb mit sich selber. Laut. Damit die betroffene Person auch den Spiegel vorgehalten bekommt und für das nächste Mal hoffentlich dazu gelernt hat. Das eröffnet tolle neue Möglichkeiten!

Wir sind mit den Ponys unterwegs und stehen am Rastplatz. Schnell aufs Klo und dann noch ab in die Schlange vor dem Kaffee-Verkauf. Vor mir wird groß eingekauft. Oder besser gesagt, zum Leidwesen der ganzen Schlange: nicht, weil die Person vor mir sich nicht entscheiden kann.  

Die Verkäuferin guckt bereits endgenervt und hat das Angebot schon zweimal vorgelesen. 

„Entschuldigen Sie, aber meine Ponys warten draußen im Pferdehänger darauf dass wir weiterfahren können und sind etwas unruhig. Deshalb wäre ich hoch erfreut, wenn Sie Sich entscheiden könnten, was für einen Kaffee Sie nehmen wollen. So würden wir alle hier Zeit sparen. Soll ich Ihnen behilflich sein?“

Die Frau dreht sich mit Adlerblick um. Ich versuche ein gewinnendes Lächeln. 

„Wissen Sie, Sie können einfach noch mal kurz überlegen, oder Sie nehmen einfach den Double-Schokolade-Waffel-Milchschaum-Zimt-Haselnuss-Latte mit extra Sirup.“ 

Zur Verkäuferin gewandt führe ich mein Gespräch fluffig weiter „Das ist doch der Teuerste, den Sie verkaufen oder? Das wäre eine Win-Win-Situation für Ihren Laden oder?“  

Ich zwinkere ihr verschwörerisch zu. Sie schaut mich genervt an. 

Ich plappere weiter:

„Vielleicht könnten Sie mir in der Zwischenzeit schon mal einen ganz einfachen schwarzen Kaffee in so einen Pappbecher to To füllen? Geht ja auch ganz schnell.“ 

Und zwinkere ihr zu, dabei wende ich mich wieder der bestell-unfreudigen Kundin zu. 

„Man hat es ja auch nicht leicht. Steht ganz vorne in der Schlange und merkt nicht, wie genervt die anderen Menschen hinter einem sind. Man hat ja schließlich keine Augen hinten.“ 

Dazu nicke ich verständnisvoll. 

Weil die Frau wie versteinert da steht und mich anstarrt verstelle ich die Stimme und antworte für sie.

„Oh entschuldigen Sie bitte! Wir möchten doch keine Kaffee-Eskalation hier haben. So ein Mord geschieht ja so schnell! Und gerade Menschen ohne ausreichend Koffein im Blut sind so schnell reizbar. Gehen Sie doch bitte vor junge Frau, ich sehe doch, dass Sie so eine Süchtige sind, die zu aggressiven Ausfällen neigt. Ich überlege einfach noch. Dafür lade ich Sie auch zur Entschädigung ein!“

Ich verstelle meine Stimme wieder zurück.

„Wirklich!? Das ist ja total nett von Ihnen!!! Gute Frau, sie retten meinen Tag! Vielen Dank für Ihr Verständnis! Sie haben gerade richtig Karma-Punkte gesammelt!“

Mit verstellter Stimme antworte ich mir erneut selber. Hinter mir in der Schlange wird gekichert. 

„Gerne Geschehen! Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag!“

und schummle mich dabei in der Reihe nach vorne, um den bereits eingefüllten, verlockend duftenden schwarzen Kaffee entgegen zu nehmen und dann schnell weg zu sein. 

Die Frau starrt mir nach. 

Auf dem Weg nach Draußen bleibe ich dann seltsamerweise äußerst ungeschickt an der Drehtür hängen. Dramatisch flutscht der Deckel vom To Go-Becher weg, trillert ein paar Runden in der Luft und der Kaffee geht gut sichtbar verschütt. Auf meinen frischen Pullover – unter anderem. Ich verbrenne mir die Finger und fange laut und deftig an zu Fluchen. Hinter mir höre ich ein schrilles, giftiges Lachen. Die Frau, die sich nicht entscheiden konnte, schwebt mit ihrem koffeinhaltigen Milchschaum-Heißgetränk an mir vorbei und sagt gehässig: 

„Da haben Sie Ihre Karma-Punkte! Sie Idiotin!“

In meinem Kopf höre ich dazu ein imaginäres Schlagzeug: Padabusch!!!! 

Und höre dazu meine innere Stimme: „Super! Vielleicht solltest Du das Konzept mit den optimierten Gesprächen noch mal überdenken.“

Am Pferdehänger angekommen fragt mich Yvi wieso ich keinen Kaffee habe, aber danach rieche. Ich gucke sie nur böse an und sage: „Karma-Punkte Yvi! Ich habe Karma-Punkte gesammelt und sie gleich wieder verloren!“

Den nächsten Kaffee lasse ich lieber wieder Yvi holen. Aber ohne vorheriges optimiertes Gespräch… Sie bringt beim nächsten Stopp tatsächlich welchen mit und wirft mir zusätzlich eine Packung Schnaps-Pralinen in den Schoß: „Damit Du Dich ein bisschen abregst!“

Ich liebe Autobahnfahrten.  

Danke Marc-Uwe!

*Also ehrlich gesagt erst, seitdem mich Marc-Uwe Kling mit seiner Geschichte „Wackeldackel und Winke-Katze“ (aus den „Känguru-Apokryphen“) darauf gebracht hat. Man sollte viel mehr Känguru in seinen Alltag implementieren!

Raubzüge im Baumarkt?

Horse Agility – Teil 2 – Wir bauen uns ein Ponyspielzeugparadis- oder Basteln mit Bekloppten!

Mit Absperrband kann man so viel anstellen! – Findet der Zwerg zwar prinzipiell doof, aber was will er schon machen – danach gibts wenigstens Belohnung! – Foto: Privat

15. März 2019:

Nachdem wir jetzt wissen, was Horse Agility ist, brauchen wir noch ein paar Hindernisse. Wir erinnern uns: alle Hindernisse lassen sich auf diese sechs Typen zurück führen: 

Slalom – Stangengasse – Brett/Planke – Gasse – Halbreifen – Sprung, kombiniert und variiert sind die Möglichkeiten unendlich. Ich habe ein paar Tipps für kreative Bastler und alle, die es noch werden wollen:

Slalom:

Einfachste Möglichkeit: Nehmt einfach Eimer (oder die bekannten IKEA-Pipi-Töpfchen)! Sie sind billiger wie die rot-weißen Hütchen und man bekommt auch weniger Ärger, als wenn man wiederrechtlich an Straßenbaustellen anhält und versucht Baustellen-Hütchen zu klauen. 

Natürlich tun es auch einfache Steine. 

Wenn man ein höher-sichtbares Slalom haben möchte helfen einem Weidepaddock-Stickel. Oder Stickel in Kombination mit Unterstellböcken für Autos (da kann man Sachen fest rein packen) oder schlicht und einfach wieder Eimer (gefüllt mit Sand o.ä.). Da kann man auch prima Stangen reinstecken. Von Saller-Sport gibt es günstige Slalomstangen (die haben auch tolle Slalom-Ständer). Auch bei Decathlon findet man für wenig Geld Slalom-Kegel und Slalom-Stangen. 

An die Slalom-Stangen kann man auch wieder Flatter-Band ran basteln, dann wird es noch gruseliger. Ihr merkt schon: man bekommt von ganz alleine gute Ideen, wenn man Dinge zum Kombinieren hat!  

Stangen:

Wer keine stabilen Hindernis-Stangen hat, oder die professionellen blau-gelben Dualgassen, kann sich einfach mit Weidestickeln behelfen. Oder Bretter in verschiedenen Längen, die kann man als Begrenzungen auch toll benutzen, ohne dass sie verrutschen. Haas-Pferdesport bietet übrigens verschiedene Stangen-Sorten an: Ummantelt mit Plastik, diese viereckigen Quadrat-Soft-Stangen und passende Hindernisständer. Das alles gibt es natürlich auch bei ganz vielen anderen Pferdebedarfs-Herstellern. Alle Namensnennungen hier sind nur Beispiele. Man muss sich einfach nur durchs Internet klicken und suchen. Bestimmt findet man auch bei Ebay Kleinanzeigen oder in der benachbarten Schreinerei günstige Stangen. Oder man hat einen Bastler am Hof – da haben wir ja Glück. 🙂

verschiedene Stangen: Vierkant-Holz (Reste Baustelle), einfaches Brett (Reste Zaunbau), angemalter Weidestickel aus Holz (nicht so schwer wie normale Springstangen) – Foto: privat

Brett/Planke: 

Sagt ja schon der Name. Da sollte man tatsächlich zu Holz greifen. Vor allem, wenn man das Brett als Wippe definieren möchte. Wobei man natürlich super mit verschiedenen Materialien beim „normalen“ rüberlaufen spielen kann. Eine Plastikplane im Baumarkt ist nicht teuer und verbirgt so viele Möglichkeiten.

Beim Schweden gibt es diese klappbaren Joga-Matten (Plufsig): die bringen auch richtig Spaß. Man kann sie Falten und auch als Podest benutzen, man produziert auch beim drüber-Reiten richtig lustige Geräusche! Das sind alles tolle Übungen für die Ponys. Für Podeste kann man die bekannten Euro-Paletten verstärken und benutzen. Überall wo Pferde erhöht stehen sollen, muss man aber noch mehr auf Sicherheit und Tragkraft achten. Also nicht einfach einen Strohballen nehmen und eine dünne OSB-Platte drüber legen…. aber so doof ist hoffentlich niemand. 

Podest kann man auch zu zweit machen! (Kurs 2017) – Foto: privat

Gasse:

Habt Ihr schon mal an Balkon-Sichtschutz gedacht? Die eigenen sich toll für Gassen! Sie sind nicht so schwer und mann kann sie gut mit den Stangen und Halterungen zu Gassen umfunktionieren. Oder man nimmt einfach diese paravent-artigen Sichtschutz-Dinger vom Baumarkt. Wenn man sich mal intensiv mit Rohren/Drainagerohren beschäftigt, kann man sich auch ganz toll ganze Tunnel bauen. Steckrohr-Systeme und Plastikplanen oder alte Bettdecken können da richtig tolle Dinge zaubern! Ganz toll sind auch diese Schwimm-Nudeln/Pool-Nudeln, die kann man auch als Stangen und Gassen benutzen. 

Halbreifen:

Taucht einfach in die Welt der Drainagerohre, Muffen, Steckmuffen, T-Drainage-Rohre, ect ab, das ist ein wahres Quell an kreativen Bastellideen. Einfach mal „Drainagerohre“ googeln oder gleich im Baumarkt shoppen gehen. Baumärkte sind sowieso tolle Quellen für gute Ideen! Und sich dann Halbreifen, Gassen und Tunnel bauen. Das ist fast so toll wie Lego spielen! Und wer von Euch hat in seiner Jugend nicht mit Lego gespielt?

Übrigens: In die Welt der Drainagerohre tauche ich noch ab … bisher war dazu noch keine Zeit!

Jacinto wird immer mutiger! – Foto: privat

Sprung:

Wer keine Hindernisstangen und Sprungständer hat, kann sich mit Strohballen (oder wieder den bekannten sandgefüllten Eimern oder gestapelten Pipi-Töpfchen ect.) behelfen. Bei IKEA gibt es bezogenen Stoff-Kisten für die Kallax-Regale (FYSE), die kann man nebeneinander stellen und die Pferde springen lassen. Beim schwedischen leckeren Zimtschneckenverkaufenden Möbelhändler gibt es auch ganz tolle Kinderspielzeuge, die sich super als Hindernisse umfunktionieren lassen. Ich sag nur Tunnelrolle BUSA (45 cm x 145 cm)! Wir lieben sie. Und sie ist erstaunlich robust! 

Foto: Yvi Tschischka, Dea und Diosa Juli 2012 – Schecken für alle Fälle!

Ihr seht, wenn man mal damit angefangen hat, sind die Ideen und Möglichkeiten unendlich! 

Ganz neu in unserem Sortiment: Ein klappbarer Tunnel!

Den hat Dieter uns gebastelt und jetzt können wir damit üben! Vielen Dank!

Zwei Module zum Einhängen in die Hallenwand mit Klapp-Scharnier (damit man es wieder wegräumen kann) – und als Luxus noch Verstärkungen zum Einhängen für die Tunnelwand! – Genial und Einfach! – Foto: privat

An diesen Tunnel könnte man auch Dinge binden und so eine Flatter-Gasse simulieren … Ihr seht schon, beim Angucken der Bilder kommen mir schon wieder neue Ideen!

Fertiger Tunnel von Innen – einfach Plane darüber schmeißen – Fertig! – Foto: privat


In diesem Blog-Beitrag kommt Werbung durch Namensnennung vor. Es gab keine Produkt-zur-Verfügung-Stellungen – Wenn was gekauft wurde, dann von eigenem Geld. Oder vom Geld anderer Einsteller. Oder Dieter hat uns was gebastelt. Außerdem müssen wir unbedingt noch Fotos von mehr Hindernissen machen! Das Benutzen und Bauen macht nämlich riesig Spaß!

Tunnelblick?

10. März 2019:

Nachdem es heute so dermaßen windig war, haben wir uns einen Spaß-Parcours in unserer Bewegungshalle aufgebaut und einfach mit allen Ponys mal ein bisschen Bodenarbeit gemacht!

Tunnelblick? März 2019 – Wir haben ein bisschen Spaß!

Der Tunnel hat uns besonders viel Spaß gemacht 🙂 – Wir brauchen einen professionelleren Tunnel!!!! 🙂

Sind wir auf den Hund gekommen?

Freestyle Horse Agility – Was soll dass schon wieder sein? – Teil 1

Drachenpony und Sumpf testen gelangweilt verschiedene Materialien – Foto: Privat


10. März 2019:

Bereits im letzten November durfte ich einem Vortrag von Corinna Ertl lauschen. Sie betreibt mit Herz und Seele „Freestyle Horse Agility“. Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht: Was ist denn das schon wieder? Was hat sie da nur wieder für Zeug aufgeschnappt! Die Frau lässt sich aber auch schnell begeistern …. tztztz…

Bei der Horse Agility bewältigen Pferd und Führperson zusammen Hindernisse. Man kennt es eher aus dem Hundesport. Im Idealfall macht das Pferd das auch mit ordentlich Tempo und ohne Strick, nur mit Fingerzeig. Und ich meine nicht nur Sprünge, da ist auch mal einer dabei, aber es geht um viel mehr! Slalom, Stangengassen, Brett/Planke, Gassen und Halbreifen – oder kurz gesagt: Alles, was sich als Hindernis eignet. 

Jacinto findet ja nicht ALLES muss unbedingt als Hindernis herhalten! (hier die Joga-Matte vom schwedischen Möbelhaus) – Foto: Privat

Die Horse Agility bietet also dem Pony nicht nur bunte Abwechslung bei der Hindernis-Gestaltung, es bietet auch dem Pferdebesitzer die Möglichkeit sich kreativ auszutoben beim Hindernis-Aufbau und Hindernis-Erfindung. Gerade in der Gruppe kommt man da auf sehr verrückte Ideen …. wir haben es schon ausprobiert 🙂

Aber erst mal ganz von vorne! Corinna beantwortete erst einmal die Frage: Wozu ist Horse Agility überhaupt gut? Es ist natürlich für alle Pferde und Menschen geeignet. Egal ob gehandicapt oder Turnierkracher. Spaß und Abwechslung sind immer gut. Gerade auch für nicht reitbare Pferde ist es eine tolle Möglichkeit den „Kopf fit zu halten“. Langeweile tut niemandem gut. Nebenbei baut man ganz einfach eine gute Beziehung zu seinem Partner Pferd auf. Durch die gemeinsame Bewegung und Gymnastizierung erhöht man sanft die Beweglichkeit von Mensch und Tier. Auch für Sport-Muffel wie mich oder Yvi die optimale Art des „Sports“. Es fördert auch die Konzentration, die eigene und die des Pferdes. Und die Ponys werden mutiger!

Die Grundlage, um mit der Horse Agility anzufangen zu können ist „lediglich“ ein halfterführiges Pferd. Das Pony sollte sich ohne Rempeln führen lassen und im Idealfall neben dem Führ-Menschen auch „schneller“ laufen können. Auf Beamten-Deutsch: „harmonisches Laufen nebeneinander unter gegenseitigem Verständnis und Deutung der Körpersprachen beider Spezies“. Und probiert das mal aus: Pferde reagieren so fein auf minimale Gesten – die Sinnesorgane der Pferde sind wesentlich sensibler ausgebildet als unsere eigenen, teilweise sehr grobmotorischen Gesten. Wahrscheinlich denken die Pferde ständig wir würden sie nur anschreien! 

Ein ganz altes Bild: Dimera und ich beim Führtraining vor einem ganz frisch gebauten Zykloopenhof – Wer hätte es erkannt? – Foto: privat

Was braucht man jetzt sonst noch für Sachen für die Horse Agility? Es reicht ein Halfter und ein guter Führstrick/Bodenarbeitsstrick. Und Lob (sei es in Form von Futter oder Stimme – oder Klicker). Dann braucht man noch ein paar Hindernisse. Und hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt – aber denkt an die Sicherheit! 

Eigentlich lassen sich alle Hindernis-Arten in sechs verschiedene Kategorien einteilen: Slalom – Stangengasse – Brett/Planke – Gasse – Halbreifen – Sprung. Jetzt muss man „nur“ noch daran arbeiten, die Hindernisse auch schön und sinnvoll zu überwinden. Ganz wichtig sind die Lauflinien und die Position von Mensch und Pferd – aber das alles zu beschreiben, könnte man ein ganzes Buch füllen. Tada! Zufällig kann ich Euch da eines empfehlen: „Freestyle Horse Agility – Sport auf Augenhöhe mit dem Pferd (Spiel und Spaß mit Pferden)“ von Corinna Ertl (erschienen 2012 im Cadmos-Verlag – PS: Werbung weil Buchnennung. Das Buch hab ich mir selber gekauft).

Übrigens gibt es inzwischen auch richtige Freestyle Hores Agility-Turniere! Wer also Lust hat sich sportlich zu messen, kann sich hier richtig austoben. Und nicht nur in Deutschland. Googelt einfach mal „Horse Agility“, da findet Ihr eine große Anzahl Youtube-Videos – und auch eine Anzahl guter Anregungen für tolle Hindernis-Ideen. Übrigens, was ich total toll finde: Im Turnierreglement sind Freude und Übermut sogar ausdrücklich erlaubt! 

Diosa demonstriert: Übermut ist Erlaubt! – Foto: Yvi Tschischka Photography

Viele Hindernisse kann man mit wenig Geld selber basteln. Angefixt von dem Vortrag von Corinna Ertl und parallel durch unsere Stallkollegin Lina wird bei uns am Hof Ende März ein Kurs mit Manuela Feiler (www.crazy-pinto.de) stattfinden, bei dem wir offiziell in die Welt der Horse Agility hineinschnuppern werden. Wir sind schon gespannt – und davon werde ich natürlich auch berichten. 

Diosa und Yvi beim Podest-Üben beim Zirkuslektionen Kurs 2017 – Foto: Privat


Alkoholtest?


5. März 2019:

Die Yuppie-Karre auf nem dunklen Parkplatz – Foto: Privat


Letztes Wochenende. Kathrin und ich kommen vom kleinen Abendschoppen zurück gefahren. Auf einmal steht ein neongelber Mensch auf der dunklen Straße und fuchtelt aggressiv winkend mit einer Kelle vor mir herum. Ich bin erst irritiert, erkenne dann aber: Ah! Polizei. Eine Kontrolle. 

Ich lasse die Scheibe runter und frage: „Was geht denn hier vor sich?“ 

„Guten Abend, Polizeikontrolle. Halten Sie hier und machen Sie das Fahrzeug aus!“

„Genau hier?“

„Ja, Fahrzeug aus. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.“ er guckt streng.

„Ok, Moment bitte, ich bin schon lange nicht mehr kontrolliert worden. Das macht mich etwas nervös.“ 

„Hmhm.“ Prüfender Blick mit Taschenlampe ins Fahrzeuginnere während ich in meiner Handtasche herum krusche. 

„Haben sie einen nicht abgelaufenen Verbandskasten und ein Warndreieck?“

Ich strahle ihn an und sage: „Natürlich!“ 

„Würden Sie mir den zeigen?“

„Na, da haben Sie aber Glück, dass das ganze Pferdefutter nicht mehr im Kofferraum ist, sonst wäre es etwas schwer geworden da ran zu kommen. Sie haben hoffentlich keine Pferdehaar-Allergie?“

Er guckt komisch. Wir steigen aus und ich gehe an den Kofferraum. 

„Gucken Sie mal, der geht sogar von alleine auf! Toll oder?“

Er antwortet nicht. Der Kofferraum geht piepsend auf. 

„Ah – hier, mein Warndreieck. Es ist sogar noch eingeschweißt. Sehr vorbildlich oder?“

„Danke, sehr gut.“

„Wollen Sie auch meinen erste Hilfe Kasten sehen? Der muss hier irgendwo sein, den habe ich neu seit dem letzten TÜV.“

„Nein geht schon, das sieht hier sehr gut aus.“

„Na kommen Sie, wenn ich schon kontrolliert werde, dann möchte ich auch korrekt kontrolliert werden! Ich such ihn eben!“

„Nein, lassen Sie mal – alles gut!“ Ich krame weiter und frage: „„Möchten Sie meinen Führerschein auch sehen?“

„Den haben Sie mir gerade gegeben.“

„Echt? Kann ich ihn wieder haben?“

„Gleich. Haben Sie etwas getrunken?“

Ich überlege kurz, ob ich Lügen soll. Ich habe nämlich einen Faible für nette Männer in Uniform. Andererseits habe ich auch einen Faible für Männer in Uniform, die dann „böse“ werden, aber das wäre hier wohl unangebracht. 

„Ja. Ein 0,1 Glas Rotwein. Bürgerspital. Jahrgang 2015. Ein Caberne Sauvignon, im Barrique gereift, feinste Aromen von grünem Paprika und Tabak, pfeffrig, würzig im Abgang. Sehr interessante Geschmackskonstellation.“

Kathrin nickt.

Er schaut uns mit so einem komischen Blick an. 

„Würden Sie bitte mitkommen für einen Alkoholtest?“

Kathrin fragt: „Darf ich auch mitkommen? Ich wollte auch schon immer mal Pusten!“

Ich frage: „Wenn ich mich widersetze, werden Sie dann Böse?“

Er seufzt. Ich glaube ein Augen-Rollen wahrgenommen zu haben. Wir wackeln ihm hinterher.

„Hier, Ihr Mundstück.“ Er reicht mir ein in Plastik eingeschweißtes Ding. 

„Packen Sie mal aus und stecken Sie das hier rein.“ Er hält mir den Alkomat vor die Nase. 

„Wie? Ich muss das selber auspacken? Wo bleibt denn da der Service?“

„Machen Sie bitte einfach…“ ich füge mich. 

Ich puste. Das Gerät piepst und neugierig linse ich aufs Display.

„0 Promille??? Das kann doch gar nicht sein! Ihr Gerät ist kaputt!“

Er guckt mich wieder so komisch an. 

„Darf ich nochmal? Da müsste doch zumindest ein bisschen was sichtbar sein! Wir wollen das doch ordnungsgemäß testen! Es geht hier schließlich um die Verkehrssicherheit.“

„Nein, sie dürfen nicht mehr. Das ist gut so.“

„Aber es ist NULL!“ Ich stampfe mit dem Fuß auf. 

Kathrin mischt sich ein: „Darf ich jetzt auch mal?“ 

Er stöhnt. „Sie müssen aber das selbe Mundstück verwenden.“ Kathrin pustet auch. 

„Auch Null?! So geht das doch nicht. Ist dieses Gerät ordnungsgemäß geeicht worden? Haben Sie das kontrolliert? Wann war es zuletzt beim TÜV? Haben Sie einen Beleg bei sich? Wir fühlen uns hier nicht ordentlich überwacht! Und was ist mit dem Plastikmüll hier? Darf ich das Ihnen zurück geben?“

„Nein, das schenke ich Ihnen.“

„Das ist aber nicht sehr Umweltfreundlich. Haben Sie mal an die Wasserschildkröten im Meer gedacht? Diese ganzen Videos  auf Facebook, wo diese armen Tiere sich aus dem Plastik nicht mehr befreien können. Ganz Schlimm. Dieser ganze Verpackungswahnsinn. Nachhaltig geht anders. Und alles wegen NULL Promille. So geht das doch nicht! Da muss es doch eine andere Lösung geben!“

Er seufzt. 

„Sie sind hier fertig, steigen Sie bitte in ihr Fahrzeug und fahren sie weiter!“

„Sie wollten doch, dass wir anhalten!“

„Fahren Sie bitte weiter!“

„Aber jetzt warten Sie doch mal! Wir sind überhaupt nicht ordentlich kontrolliert worden. Nicht mal meinen Verbandskasten wollten Sie sehen! Ich möchte Ihren Vorgesetzten sprechen.“

Er guckt schon wieder so komisch. Er bugsiert mich zum Auto.

„FAHREN SIE JETZT!“

„Nein! Ich möchte nicht! Sie haben uns nicht nach Drogen durchsucht!“

„FAHREN. SIE. JETZT.“

Verdammt, der versteht aber gar keinen Spaß. Da trifft man schon mal andere Menschen außerhalb des Pferdestalles und dann wollen die sich nicht unterhalten. Ich starte einen letzten Versuch. 

„Warum kontrollieren Sie heute überhaupt?“

„Wir haben Fasching.“

„Echt? Ach ja, da war was … sind Sie morgen auch wieder hier?“

„Das darf ich Ihnen nicht sagen. Fahren Sie jetzt. Bitte.“

„Also gut. Dann kommen wir morgen noch mal vorbei, wenn das für Sie ok ist? Ich hab da noch einige Fragen zum Thema Verkehrssicherheit! Und mögen Sie kleine Snacks? Und vielleicht Kaffee?“

„Gute Fahrt!“

Wir sitzen wieder im Auto. „Mensch, der war aber sehr kurz angebunden, oder Kathrin? Ich kann gar nicht verstehen, warum der uns so schnell wieder los werden wollte.“ 

Am nächsten Abend war leider keine Verkehrskontrolle mehr. Wir sind den ganzen Abend herum gefahren und niemand hat uns angehalten. Dabei hatten wir uns so gut vorbereitet: Desinfektionsspray, selbstgebastelte Papp-Puste-Röhrchen und einen ganzen Notiz-Zettel Straßenverkehrsfragen extra für ihn aufgeschrieben. Die Sandwiches und den Kaffee haben wir dann einfach selber verputz. Es wird einem auch gar kein Spaß mehr gegönnt!


Pferdebesitzer-Typisierung?

Zwergenliebe – Foto: Yvi Tschischka

01. März 2019:

Nach ein paar Jahrzehnten Pferde-Stall-Leben habe ich inzwischen ausreichend zwischenmenschliche Geschichten erlebt, um schreiend davon zu rennen, vor-und-zurück-schaukelnd in der Ecke zu sitzen*, oder die verschiedenen Typen einfach in Schubladen zu stecken. Falls sich jemand angesprochen fühlt, muss er nicht, kann er aber. Mischtypen sind übrigens auch möglich. Wer erkennt sich wieder? 

Macher:

Macht einfach. Lässt sich wenig reinreden, probiert mal herum, sucht sich Inspiration, übernimmt die, wenn sie taugt in seine eigenen Gepflogenheiten. Ist pragmatisch. Sorgt sich zwar um sein Pferd, aber auf einem gesunden Niveau. Das Pferd ist kein Ersatz für irgend etwas. Das Pferd darf Pferd sein. Das Pferd darf sich dreckig machen und ein Eigenleben führen. Der Macher wirkt oft etwas Seltsam, ist aber Kompetent und für fast jeden Blödsinn zu haben. 

Rentner-Bespaßer:

Leute mit alten oder chronisch kranken Pferden, die einfach nicht mehr geritten werden und nur noch „getüddelt“ werden. Was ja auch gut ist. Schließlich haben die Pferde ihr ganzes Leben beim Rentner-Bespaßer verbracht und jetzt wird ihnen dafür gedankt. Was super ist. Hier findet man viele lustige Symbiosen zwischen Pferd-und-Mensch. Oft sehr amüsant für Außenstehende. Es schleichen sich viele kleine Rituale ein, die mit anderen Pferden so nicht funktionieren würden, sich über die Jahre eingeschlichen haben und hier ihren besonderen Charme haben. Die Pferde dürfen Pferd sein und bekommen extra Aufmerksamkeit. 

Psycho-Tüddler: 

Menschen, die Pferde als Ersatz für irgend etwas haben. Meist Menschen, die mit sich selbst nicht im Reinen sind. Sie projizieren viele Dinge auf die Pferde. Oft Krankheiten, Emotionen und Gewohnheiten. So ein Pferd hat es nicht einfach. Die Umwelt dieser Menschen und andere Einsteller übrigens auch nicht.

Das komplett (miss-)verstandene Tier bekommt schon eine Decke bei 20° Plus im Schatten, drölfzig verschiedene Zusatzfutter-Mittelchen, eine spezielle Art der Ganzkörpermassage und Spezial-Putz-Sessions. Klangschalen und Räucherstäbchen sind auch ein Thema. Gerne wird mit so Methoden wie Tierkommunikation oder gewaltminimiertem Kuschel-Training gearbeitet. Der Osteopath ist ungefähr fünf Mal im Jahr da. Der Tierarzt potentiell öfters, gerne auch umsonst. Was ärgerlich für den Tierarzt ist, der kostbare Zeit verschwendet, in der er hätte echte Patienten behandeln können. 

Im Idealfall ist das Pferd ein Schaaf und wird einfach lethargisch, weil „Todgetüddelt“, oder es trampelt seinem Besitzer auf der Nase herum (… gerne auch wortwörtlich). Insgesamt hapert es dem Tüddler an realem Verständnis für Pferdeverhalten. Kann lustig sein. Kann aber auch gefährlich sein. Dieser Typ verlässt relativ zügig wieder den Stall, weil er mit den ganzen seltsamen Menschen um sich herum nicht zurecht kommt – oder weil das Pferd sich nicht zu Hause fühlt; wahlweise negative Feng-Shui-Schwingungen in seiner Box hat. Oder der Hafer** nicht rechtsgedreht gelagert wird. Irgendwas ist immer.

Selten-Da: 

Hat zwar ein Pferd, stellt es gut unter (zahlt Miete und Tierarzt, ect) und überlässt es weitestgehend sich selber. Was nicht das Schlechteste ist. Der Selten-Da kommt immer mal zum Reiten, das Pony ist aber eigentlich in der Herde gut aufgehoben. Freut sich dann, wenn es menschliche Ansprache hat und hat so eigentlich ein ziemlich entspanntes Leben. 

Drama-Queen:

Eigentlich geht es hier gar nicht um das Pferd. Das Pferd ist nur ein Transportmittel der mentalen Ergüsse. Man hat zwar ein Pferd, aber letztendlich legt man viel Wert auf das, was andere Menschen sagen und machen. Bestätigung und Beliebtheit sind hier die Zauberworte. Man muss schon aufpassen, das solche Menschen nicht abkippen und in die Fänge von anderen Drama-Queens geraten. Die Dramas gibt es nämlich in mehreren Ausprägungen: Drama-Queens, die selber leiden und Drama-Queens, die Drama machen. Nämlich immer dann, wenn sie keine Aufmerksamkeit mehr bekommen. Sehr kompliziert. Sehr nervig. Aber eine wahre Fundgrube für gute Geschichten. 

Hardcore-Turnier-Reiter:

Kommt zugegeben im Offenstall nicht oft vor. Das Pferd wohnt eher in einer Box, bekommt regelmäßiges Training, wird eher als Sportgerät gehalten. Wenn es die Leistung nicht bringt kann es auch weiter verkauft werden. Sehr zielorientierte Reiter. Die Pferde haben nicht so viel zu lachen, außer sie sind auch ein bisschen masochistisch veranlagt.

Traumichnicht:

Trauen sich einfach nicht. Finden immer, dass sie etwas nicht richtig machen, oder zu schlecht sind. Dabei haben sie die gechilltesten und tollsten Pferde im ganzen Stall! Sie machen sich ständig Gedanken, dabei könnten sie einfach machen und genießen! 

Einhorn-Glitzer:

Lebt in seiner eigenen Welt. Einhörner in Maßen genossen sind ja ganz ok. Vor allem wenn sie Sekt dabei haben – aber für immer und mit Dauerglitzer? Ne. Der Typ Einsteller schwebt in eigenen Sphären, wirkt als ob er ständig auf Droge wäre. Äußerst atmosphärische Menschen, anstrengend. Deren Ponys sind die reinsten Geisterwesen, unglaublich toll, unglaublich intellent***, und unglaublich erfolgreich. Außerdem ist deren Verbindung zum eigenen Pferd sowas von Zwei-Seelen-ein-Gedanke-Mäßig, dass mir grundsätzlich dabei richtig schlecht wird.  

Horsemanshiper:

Hier wird gehorsemanshipt, was das Zeug hält. Alles was Freiheit, Leichtigkeit und Natural verspricht (und dazu das passende Equipment verkauft) ist bei diesem Typ total im Trend. Da wird mit Halsring ausgeritten, obwohl der Zossen keine Bremse und keine Lenkung hat. Braucht er ja nicht, weil er nur durch Gedankenübertragung gearbeitet wird. Funktioniert halt so lange super, wie keine Kreuzung, Eisenbahn oder Bundesstraße im Weg ist. So eine Dampflock hat halt einfach mal die höhere Durchschlagkraft. Fragt „Apollo 13“ (aus „Der Schuh des Manitu“), der kannte sich damit aus (R.I.P.). Die Pferde sind hier gerne mit ihren Besitzern überfordert, alle anderen übrigens auch. Sehr stressy. 

Daswarschonimmerso:

Horror für jedes Pferd und jeden Menschen. Leute, die ihre Pferde so und so behandeln, weil das schon immer so war. Da wird nix hinterfragt, weil das war schon immer so. Da wird nicht nachgedacht, weil das war schon immer so. Da wird nix an der Routine geändert, weil das war schon immer so. Kommen übrigens nicht so wirklich klar mit Leuten, bei denen alles anders ist. Komisch oder? Das war schon immer so. Argh!

Habe ich jemanden vergessen?

* der Fachbegriff dafür ist übrigens „Jaktation“ (falls ihr mit Fachwörtern angeben wollt 

** hier wahlweise Heu/Stroh/Schubkarren/Wassereimer #jedesbeliebigeworteinsetzen

*** intelligent wurde mit Absicht falsch geschrieben. Ist so ein T(r)ick von mir. 

Einstellungssache?

24. Februar 2019:

Was ist nur mit der Motivation los? Und damit meine ich meine eigene Motivation … 

Sie muss gehegt und gepflegt werden und ist schwierig auf einem guten Level zu halten.  

Suchen die Motivation … – Foto: Yvi Tschischka Photography

Kennt ihr den Film „Galaxy Quest“? Ein Film aus 1999 über ein paar abgehalfterte Serien-Darsteller einer Raumschiffserie, die sich mit Eröffnungen von Supermärkten und Conventions über Wasser halten. Sie werden von einem naiven außerirdischen Volk für echte Helden gehalten und engagiert, um den Sieg gegen einen außerirdischen Bösewicht zu erringen. Die Schauspieler müssen auf einmal real agieren und Entscheidungen treffen, die echte Leben kosten können. Bei den Abenteuern landen sie auch auf einem Planeten und Kapitän „Jason“ muss vor einem gewalttätigen Fels-Monster, was nur aus riesigen Steinquadern besteht flüchten. Die Crew versucht ihren Kapitän vom Raumschiff aus heraus zu beamen, aber das gestaltet sich etwas schwierig (dank der Angstblockade des Technikers „Fred“). Dabei schafft es Jason natürlich letztendlich sein T-Shirt auszuziehen und es entspinnt sich folgender Dialog: 

„Fred schafft es nicht Jason! Du musst es töten!“

„Töten? (Flüchtet dabei vor dem Felsmonster im malerisch-dramatischen Staubwolken) …. also ich bin für jeden Vorschlag dankbar!“

„Ziel auf die Augen!“

„Es hat keine Augen!“

„Ziel auf den Mund oder die Kehle, oder irgend eine verwundbare Stelle!“

„Es ist ein FELS! Es hat keine verwundbare Stelle!“ (Schnaufen, Rennen)

„Ich habe eine Idee! Du baust Dir eine Waffe! Sieh Dich um, kannst Du Dir eine Art primitive Werkbank herstellen?“

(Handgemenge aus dem Raumschiff ist hörbar)

„Werkbank?!!! Geh aus der Leitung!“

„Alexander, Du bist mein Berater! Berate mich!“ (schnaufen)

„Ich denke, Du musst einfach nur herausfinden was es will! Was ist seine Motivation?“

„ES IST EIN FELSEN! ES HAT KEINE MOTIVATION!!!“

Letztendlich folgt dann eine motivierende Ansprache an den angstgehemmten Techniker Fred, während Jason vom Monster herumgeschleudert wird und dann wird er natürlich in letzter Sekunde gerettet. Ohne sein T-Shirt. 

Jedenfalls muss ich immer, wenn das Wort „Motivation“ irgendwo auftaucht, an dieses Filmszene denken – und dann muss ich immer Lachen.  

Was will ich also mit dieser Szene sagen? 

Gute Laune hilft bei allem. Sie macht, dass alles nicht mehr ganz so Schlimm erscheint. Und Motivation ist gut. Vor allem, wenn man sie hat. Mir fehlt sie momentan ganz schön. Sie lauert im Hintergrund und möchte nicht an die Oberfläche. 

Motivation ist ursprünglich genetisch und instinktiv vererbtes Verhalten. Hunger, Durst und Fortpflanzung stehen auf ihrer primären Erfüllungsliste. Wobei Fortpflanzung und Familienbildung in meinem Fall nicht wirklich ausgeprägt vorhanden sind, eher im Gegenteil … aber DAS ist wieder ein anderes Thema. Also wie motiviert man sich weiter, wenn die genetischen Triebe erfüllt sind? Wenn man Ziele erreichen möchte, die auf intellektueller Ebene erhöhen sollen? Wichtig dabei sind Emotionen. Sie treiben einen an. Man möchte sich immer wohl fühlen. Also muss man Wohlfühlen anstreben, dann hat man auch Motivation. Klingt alles etwas theoretisch und verwirrend oder?

Meine primäre Motivation ist es jeden Tag in Ruhe aufzustehen (dabei erst mal nicht angesprochen werden, bis der erste Kaffee wirkt), gute Arbeit zu leisten und jeden Tag positiv abzuschließen. Dabei spielen auch die Ponys eine wichtige Rolle. Sie tragen maßgeblich zu meinem Wohlgefühl-Faktor bei. Dort bewege ich mich und interagiere (im Idealfall mit netten Menschen und vor allem mit den Ponys). Meine Motivation ist also eine gute Zeit bei den Ponys zu erleben. Dafür erdulde ich Einiges. Ich nehme zum Beispiel in Kauf den ganzen Tag arbeiten zu müssen, um Geld zu verdienen, dass ich mir das mit den Ponys auch leisten kann. Man bekommt ja schließlich nichts in den Arsch geschoben. Wobei ich meine Arbeit echt gerne mag.  

Was mich nicht motiviert: mich nerven zu lassen oder Dauernörgler zu ertragen. Meine Freizeit möchte ich nicht damit verbringen. Und schon gar nicht, wenn sie mir nicht gut tun. Dafür habe ich keine Zeit. Von daher ein kleiner Tipp an euch: Überlegt was ihr wollt und was ihr nicht wollt. Manchmal hilft es auch schon ganz klar zu definieren was man NICHT möchte. 

Und wie könnt Ihr das erreichen? Streicht einfach ein paar Dinge, die Euch nicht gut tun von Eurer Liste – und wenn das andere Menschen sind, die immer nur nehmen und nie geben – gut so – lasst sie ziehen! Natürlich sagt sich das hier so einfach. Emotionalen Ballast abwerfen tut gut. Weil letztendlich zählt die eigene Motivation und das eigene gute Gefühl. Denn nur dann kann man auch ein gutes Gefühl an andere Menschen weiter vermitteln.

Was hat das jetzt in einem Pferdeblog zu suchen? Keine Ahnung. Das sind Gedanken, die mich in den letzten Monaten (wenn nicht sogar Jahren) beschäftigt haben. Wie kann ich mich optimieren, damit es mir besser geht. Was wiederum bewirkt, dass ich motivierter bin? Weil wenn man etwas ändern möchte, dann muss man bei sich selber anfangen. Jemand anders tut es nicht. Und dann klappt es vielleicht auch wieder mit der Motivation für so Dinge wie Geschichten erzählen und lustige Blogbeiträge schreiben. Ich arbeite jedenfalls daran! 

Wir bleiben dran! – Foto: Yvi Tschischka Photography (ganz frühe Werke :-))


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