Del Cavador

Covid + Bauschaum?

Juni 2020:

Man mag von Covid halten was man will, aber es hat definitiv einen großen Boom ausgelöst: Das Heimwerkeln. Die Gartenarbeit. Die Leute besinnen sich zurück und erledigen endlich mal Dinge im Garten und am Haus, die schon lange überfällig sind. Hand aufs Herz: Wer von Euch hat dieses Frühjahr die Gartenfließen mit dem Kärcher bearbeitet und fand das sehr befriedigend? Aha … hab ich Euch 🙂

Johannes macht genau das ja eigentlich das ganze Jahr – Dinge bauen. Aber, da er jetzt keine weiteren Ablenkungen hatte und sich ganz aufs Rumwerkeln konzentrieren konnte, sind bei uns am Hof einige Dinge neu entstanden. Ich versuche mal sie hier festzuhalten und hoffe ich habe nichts vergessen.

Bewegungshallen-Fresh-Up – Foto: privat

Fangen wir mal praktisch an: Die Bewegungshalle hat neuen Belag für den Winter bekommen – und der Reitplatz ebenso. Die Reitplatzumrahmung ist jetzt auch fertig. Johannes hat eine Tribüne gemauert, es wurde drüber gefliest und eine kleine Hütte aufgestellt, in die wir unsere Übungssachen unterstellen können. Nebenbei hat er noch ein Geheimversteck für kühle Getränke gebaut und zwei große Bänke.

Reitplatz-Makeover 2020 – Fotos: privat

Das nächste große Projekt, das fertig gestellt wurde war die Solekammer. Ein Projekt, von dem einige bei uns am Stall froh sind, weil Laien-Technisch ausgedrückt „Pferde-Asthma“- Erkrankungen dieses Jahr überall sehr hoch im Kurs stehen. Die Solekammer hat aber auch mehr positive Eigenschaften, nicht nur auf die Lunge und Atemwege, sondern auch auf die Haut. Und sie entspannt irgendwie.

Keine Ahnung, aber auch uns begleitenden Menschen tut sie gut. Die Solekammer ist übrigens auch für Externe Pferde benutzbar. Für mehr Infos wendet Euch an Johannes. Jedenfalls haben wir die intensiv getestet und genutzt und wird von unseren Pferden (und uns) sehr gerne angenommen. Das Drachi darf vor allem wegen ihrer komischen Haut-Schupper-Geschichten rein und hier bin ich bis jetzt sehr positiv überrascht. Dieses Jahr hatten wir noch keine offnen Stellen.

An der Vorderseite der Solekammer entstanden noch zwei überdachte Putzstellen, an denen hoffentlich noch ein Pferdesolarium installiert wird. Dann können die Ponys noch Ihre Rücken wärmen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Aber Ihr seht: Es gibt immer was zu tun!

Feeling Good im schwindenden Nebel ….. – Foto: Privat

Ein weiters sehr aufwändiges Projekt war ein Dach zu bauen. Eines unserer ehemaligen Fahrsilos wurde als Heulager umfunktioniert. Und dazu muss ja ein Dach drüber. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, es fehlen noch die Seitenwände, aber hier ist viel Platz für viel Heu – wir werden ja auch immer mehr Pferde und Ponys, da braucht es genügend Reserven.

Fahrsilo neben dem kleinen Reitplatz vor dem Bau. War bisher Misthaufen. – Foto: privat
Abstand halten auf Johannes-Art: Einfach mal nach Oben ausweichen – Foto: privat
Fast fertig, Dach ist drauf, Seitenwand fehlt noch – Heu ist schon gebunkert. – Foto: privat

Positiver Nebeneffekt: Das Dach sorgt dafür, dass die „Kleinteil“-Spielzeuge am kleinen Reitplatz auch trocken gelagert werden können.

Andere Seite Heulager ist der Putzplatz erweitert worden – Foto: privat

Von vorne – oder hinten – je nach Perspektive 🙂 sieht das ganze seit kurzem so aus. Der überdachte Putzplatz ist erweitert worden, was gerade im Sommer bei knalliger Hitze super ist.

Dazwischen wurde noch kurz Strohbetten gemistet – Die Diätische freuen sich über eine frische Liegefläche – Foto: privat

Da Johannes für individuelle Pferdeprobleme Lösungen sucht, hat er spontan eine provisorische neue Gruppe für zwei Wallache geschaffen, die sich bei der Integration nicht so leicht getan haben. Zu zweit sind sie aber Happy. Wir nennen sie liebevoll die „A“-Gruppe – sie steht für „Outlaws“, aber mit „A“ geschrieben. Weil wir es können.

Nickerchen unterm Frühstück – Läuft! – Foto: privat
Provisorischer Eingang mit Weidezelt mit Sand-Inlay. Rechts daneben haben sie einen großen Kletter-Windschutz-Hügel. – Foto: privat
„A“-Gruppe von Hinten mit beheizbarer Tränke und ganz viel Platz – Foto: privat

Was noch etwas aufwändiger war: Der Bau einer Strohraufe für die Weiber-WG. Damit ist jetzt jede offizielle Gruppe mit einer Stroh-Raufe ausgestattet. Hier der Entstehungsprozess:

Die Stuten lieben sie jetzt schon. Es wird auch fast nicht herum gesaut … nein … – Fotos: privat

Was ist noch passiert? Trotz Covid sind ein paar neue Pferde eingezogen. Wir Menschen haben die Zeit gut überstanden und sind sehr dankbar, dass die Beschränkungen zumindest Zeit-Technisch wieder gelockert wurden und dass es niemanden ernsthaft erwischt hat. Und ich hoffe, dass es nicht mehr zurück kommt das rätselhafte Covid-Virus.

Was wurde noch gemacht? Ein paar Verschönerungsarbeiten sind passiert. Reperaturarbeiten an Fassaden. Johannes hat die Wege mit Erde aufgefüllt und angepflanzt. Nebenbei noch einen Anbindeplatz vor der „All-you-Can-Eat“-Gruppe gebaut (mit Waschgelegenheit) – und das Krankenpaddock dort etwas erweitert. Eine Waschgelegenheit bei den „Diätis“ wurde angebracht – dort kommt übrigens auch noch ein überdachter Putzplatz hin. So langsam starten jetzt auch Aufräumarbeiten rund um die Paddock-Trails.

Und Desi hat noch eine große Uhr am Reitplatz angebracht.

Reitplatzuhr. Da weiß jeder, was einem geschlagen hat … (schlechter Wortwitz, ich weiß) – Foto: Desi

Tja, ich hoffe ich habe nichts vergessen! Und ich bin mir sicher, im Herbst gibt es schon wieder neue Dinge zu berichten … Ihr dürft Euch also sicher sein: Langweilig wird es bei uns bestimmt nicht. Es gibt immer was zu tun!

So erzieht man sein Pferd?

„Die Tellington-Methode: So erzieht man sein Pferd“ – Ursula Bruns/Linda Tellington-Jones (Albert Müller Verlag, Rüschlikon-Zürich, 1985 – 5. Auflage)

Mein Exemplar des Buches – Foto: privat

25. April 2020:

Ich möchte Euch nicht langweilen aber irgendwie haben sich die letzten paar Wochen als Tellington-Jones-Wochen und als Buch-Wochen herauskristallisiert. Angespornt durch das Persönlichkeits-Buch, das Yvi angeschleppt hat habe ich mein eigenes Tellington-Buch heraus gekramt. Das ist eines meiner allerersten Pferdebücher. Ich habe es von meiner Mutter einst zum Geburtstag bekommen und in meiner Reitjugend viel Zeit mit diesem Buch verbracht und viel getüftelt mit meinen damaligen vierbeinigen Schützlingen. Und es hat mir viele positive Erkenntnisse gebracht. 

Jetzt, da ich es erneut lese, werden viele schöne Pony-Erinnerungen wach. Und so ganz nebenbei erschließt sich mir, dass in genau diesem Buch eigentlich alles drinsteht, was man braucht, um ohne Gewalt mit einfachen Mitteln ein gut erzogenes Pferd zu haben. Alle Methoden, die ich auch heute noch gebrauche und die ich in unterschiedlichen Variationen in den letzten zwei Jahrzehnten kennen gelernt habe, finden sich eigentlich genau in diesem Buch versammelt. Ich finde diese Erkenntnis richtig spannend. Man sollte öfters mal in seinem eigenen Bücherregal stöbern! 

Das erscheint mir übrigens das einzig Positive an dieser unwirklichen Corona-Zeit: keine Termine, dafür mehr Zeit um zu Lesen! (… und die Sättel mal wieder alle ordentlich zu putzen und zu pflegen …. )

Das ist also mein Fazit: Lest unbedingt dieses Buch (wieder) – man kann sich viele anderen  Bücher ersparen. Da steht nämlich alles drin, was man benötigt, um sein Pferd zu einem zuverlässigen Partner zu erziehen! Ganz großes Tennis. 

Aber es gibt bestimmt ganz viele solcher Pionier-Bücher von großen Pferdemenschen. Habt Ihr eigentlich Tipps für mich? Was muss man als Pferdemensch unbedingt gelesen haben? Ich freue mich über Anregungen!  

Aber was fasziniert mich so an diesem Buch?

Es enthält alles, was man benötigt, um ein Pferd auf den Menschen vorzubereiten. Auf Alles. Nebenbei kann man sich noch mit den körperlichen Merkmalen der Pferde und deren Charakteristika beschäftigen und bekommt die Tellington-Touches erklärt und wofür man sie gebraucht, bzw. was sie bringen. Es ist ein großes Ganzes. 

Das Arbeitsprogramm umfasst die Basics im Umgang mit dem Pferd und für das Pferd, die so wichtig sind: 

– angebunden ruhig stehen

– ruhig stehen wenn der Körper untersucht/geputzt/behandelt wird

– Duldung von Abtastung mit z.B. Gerte oder Gegenständen am Körper

– Im Schritt und Trab auf gerader Linie zu gehen und jederzeit auf Kommando Anzuhalten

– Arbeit zwischen zwei Händen

– im kleinen Kreis (Schritt und Trab) longieren

– Arbeit von beiden Händen aus

– auch ohne Halfter

und durch die verschiedenen Bodenarbeitsübungen wie „Labyrinth“, „L“, „Stern“, „Grill“, Stangen, Tonnen, Plastikplanen, „Wippe“ und „Brücke“ ect. noch weiteres „Finetuning“ zu erlernen. Später wird das Ganze dann natürlich auch auf den Sattel übertragen. 

Das ist jetzt alles sehr vereinfacht wiedergegeben, aber ich wollte nur kurz umreißen, auf was man sich in dem Buch gefasst machen sollte.

Kurz gesagt: Unbedingt Lesen!

Königin oder Pöbel?

Frühling 2016 – Frau Sumpfs Quadratschädel in Szene gesetzt – Foto: Yvi Tschischka Photography

19. April 2020:

Persönlichkeitsbeurteilung von Diosa del Rio nach dem Buch „Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“ von Linda Tellington-Jones

Charakter-Beschreibung von Diosa:

Wie beschreibt man Diosa am Besten? Sie ist ein echtes Unikat. Sehr Charakterstark und sehr ausdrucksvoll in Ihrer Mimik. Sie hat sich, seit ich sie besitze, vom schüchternen Jungpferd zur unangefochtenen, intelligent und gerecht regierenden Herdenchefin entwickelt. Sie lässt sich auch viel einfallen, um diese Stellung zu behaupten. Diosa ist sehr intelligent. Sie kombiniert Dinge und macht sie für sich passend. Dabei löst sie ihre Probleme ohne Gewalt. Diosa ist zudem sehr gesellig und fühlt sich in der Herde oder Gruppe am wohlsten. Sie steht gerne im Mittelpunkt. Egal welcher Mittelpunkt. Seien es Menschenmassen die ihr huldigen, oder Lob für Ihre Leistungen absahnen, oder sonst wo. Diosa nimmt alles. Sie ist trägt Ihre Stimmungen und Launen deutlich sichtbar zur Schau. Ihre Mimik ist sehr expressionistisch. 

Diosa lernt auch sehr schnell. Sie kann auch Übungen kombinieren und ist sich ihres Körpers und wie sie ihn einsetzen kann (und muss) sehr bewusst. Sie erkennt zielsicher, wenn man unsicher ist, oder Reitanfänger ist. Dann passt sie ihre Leistung sofort an und/oder übernimmt einfach die Führung. Sie kann sich aber auch führen lassen. Wenn man ihr sagt: Hey! So machen wir das aber!!! Dann macht sie das für „Ihre“ Menschen. Manchmal deutlich sichtbar angepisst, aber manchmal auch gut gelaunt. Mann muss Ihr immer das Gefühl geben, dass das, was sie tun soll Sinn macht und am Besten suggeriert man ihr, dass das eigentlich gerade ihre Idee war, dann ist sie mit Eifer dabei. Lob findet Diosa natürlich toll. Wellness-Behandlungen ebenfalls. Aber sie hat immer ein waches Auge auf ihre Vorgänge in ihrer Umgebung.  

Diosa ist insgesamt ein sehr freundliches und dem Menschen zugewandtes Pferd. Sie möchte „Ihren“ Menschen schon alles Recht machen, das rechne ich ihr hoch an. Sie kommuniziert auch gerne mit ihrer Umwelt. Ebenso kann man sie problemlos überall hin mitnehmen. Sie fährt souverän Hänger, kommt irgendwo neu an und findet sofort neue Freunde, an die sie sich hängt (und in ihrem Idealfall von sich abhängig macht). Diosa ist ein Multitalent in sofort überall Anschluss finden. Wahrscheinlich ist sie innerlich manchmal immer noch das kleine schüchterne zweijährige Mädchen, aber sie kommt inzwischen überall und mit jedem zurecht, der ihr Respekt zollt (und was zu Essen ranschafft oder den Popo kratzt) oder ihr im richtigen Moment Führung anbietet. 

Sie hat sich auch als Zuchtstute bewährt und hat allen ihren Kindern ihre Coolness und Intelligenz weiter gegeben. 

Diosa ist ein echtes Allround-Traumpferd – wenn man ihr Herz gewonnen hat!

Beurteilung Kopf nach dem Buch:

Gerades, flaches Profil: Ein äußerst unkompliziertes Pferd, das leicht lernt. 

Elchnase: Eine Vorwölbung des unteren Teils der Nase weist meist auf ein Pferd mit starkem Charakter hin, das oft auch Leittier einer Herde ist.

Eine schräg abfallende untere Nasenpartie und die lange Oberlippe deuten auf ein Pferd mit vielen amüsanten Einfällen hin. 

Große Ganaschen: intelligent und arbeitswillig.

Abfallendes Maul mit Elchnase: sehr dominanter Charakter. 

herzförmige Oberlippe: ausdrucksstarker, neugieriger und extrovertierter Charakter

große offene und bewegliche Nüstern, eher nach oben hin abgerundet: intelligentes Pferd, das sich für alles interessiert und eifrig arbeitet. Sehr aufgeweckt. 

Entspanntes Kinn, mittlerer Dicke: beständig, arbeitet gerne mit. 

Weiches, rundes Auge: willig und vertrauen dem Menschen.

auch Mandelförmiges Auge: Ein williges Pferd, das gern mitarbeitet. Das Pferd kann introvertiert und etwas zurückhaltend sein, bis es gelernt hat, Ihnen zu vertrauen. 

Ohren, die an der Spitze weiter auseinander stehen als am Ansatz: Ein Zeichen von Beständigkeit und Unkompliziertheit. 

Ein Wirbel an der Stirn, leicht nach rechts versetzt: Neigung, den Reiter zu testen und ihren eigenen Kopf zu haben. 

Insgesamt hat Diosa einen eher großen, groben Kopf. Eben einen Charakterkopf! 

Diosa hat sich anhand des Buches sehr schön Charakterisieren lassen. Das macht wirklich Spaß! Probiert es auch einmal aus!

Diosa 2005 da fiel die Entscheidung sie zu kaufen! – Foto: privat

Zeitreise mit Paul – Wie ging es weiter?

14. April 2020:

Willkommen zu Teil 2 von Pauls weiterem Leben 🙂

Paul schläft sehr gerne und ausführlich … – Foto: Privat

Paul Teil II oder  Testosteron auf vier Hufen

Herzlich willkommen zu Pauls (= Panini del Gavilan) Leben nach seiner nervenaufreibenden Geburtsnacht. Die ersten Wochen danach hat Paul ausführlich Schlafen geübt. Paul besteht nämlich unbedingt auf ein Nickerchen im Freien während der Fütterungszeit, was Mama Lagrima natürlich nicht so prickelnd findet, denn Frühstück und Abendessen sind die Hauptattraktionen des Tages am Stall. Und die gibt es Innen. Und sie muss dann frustriert draußen bei Paul Wache schieben, während die anderen ihr drinnen alles wegfressen. Pferde sind da ja ganz einfach gestrickt: Fressen = Freund, Nicht Fressen = Unverschämtheit hoch drei und überhaupt und sowieso. 

Doch nicht nur Pauls Schlafgewohnheiten, sondern auch sein Tatendrang gab Anlass zu ungläubigem Staunen. Paul hat kurzerhand beschlossen, er übernimmt die Weltherrschaft. Was sonst. Das ist ja auch durchaus angemessen für ein paar Wochen altes Fohlen. Natürlich nur für seine Welt. Die ist nicht groß und besteht aus Koppel, Laufstall, Auslauf, einem Tinker, zwei Ponys und den restlichen Finos. Ihr habt wohl gedacht, Paul wollte die ganze Weltherrschaft – soweit ist er noch nicht.

Grund für diese Aktion sind die männlichen Hormone – das gute alte Testosteron. Paul hat davon im Vergleich zu seiner Größe ziemlich viel und zeigt das in hengstigem Verhalten. Er ist damit beschäftigt „seine“ Herde zusammen zu halten. Das bedeutet Schreien, wenn einer weggeht, nachsehen, wohin er geht und (natürlich Anfangs noch die Mama im Schlepptau) hinterher laufen und versuchen den Abtrünnigen zurück zur Herde zu dirigieren. Das klappt natürlich nur bedingt. Schon gar nicht, wenn da Menschen ihre Reitpferde holen und sich einfach nicht mit auf die Wiese treiben lassen. So eine Weltherrschaft will schon hart erarbeitet sein. 

Fazit: zu anstrengend. Doch da gibt es ja noch anderes. Paul hat nämlich die Stuten und deren Reize entdeckt. Hengste haben vermutlich ihr Gehirn in gewissen peripheren Körperteilen und es scheint ganz natürlich zu sein, dass sie selbiges sofort und sehr ausgiebig entdecken. Lange Rede, kurzer Sinn: Paul beginnt also mit ungefähr drei Monaten lustig und sehr routiniert alles zu decken, was vier Beine hat. Vorzugsweise die Ponydamen. Die haben die selbe Größe. Da kommt man gut rauf. Wir stehen ungläubig da und sehen zu wie Paul seine Show abzieht. Voll professionell: abchecken, anbaggern, heiß machen, rauf, Rein, raus, runter. Respekt. Mancher Typ sollte sich da ein Beispiel nehmen. Irgendwann hat er dann auf das lästige Vorspiel verzichtet. Aber immerhin weiß er was er tut. 

Die Damen waren sehr von Pauls großzügigem Angebot begeistert. Endlich mal ein richtiger Kerl im Land! Unser einziger anderer „Mann“ findet nämlich Schimmel- und Fuchswallache total süß und fängt unverzüglich das Flirten an. Er zeigt absolut kein Interesse an sexuellen Aktivitäten mit Stuten und fühlt sich grundsätzlich unverstanden und fehl am Platz, wenn so ein wolllüstiges, rossiges, anschmiegsames Stutentier ankommt und ihn belästigt. Aber das Liebesleben von Jacinto ist jetzt Nebensache. Es geht um Pauls definitiv vorhandene Potenz. Pauls morgenliches Ritual besteht nun aus folgendem: Endlich aus der Box, rein in den Laufstall, rauf auf die Ponys. Nach dem Sex dann das obligate Nickerchen, natürlich von Mama überwacht, Frühstück, rumtoben, Pferde belästigen und so fort. 

Paul vorneweg auf die Koppel – da ist er aber schon kastriert, aber man sieht mal die beiden Pony-Damen. Und den Zwerg. Und den Hintern vom Tinker-Dickie. – Foto: privat

Ganz beliebt ist auch das Spiel „Ärger den Tinker“. Das funktioniert so. Man stellt sich hinter einen dicken Tinker und zwickt den immer in den Hintern. Der Tinker merkt das nicht sofort. Wenn aber, dann fängt er an, sich umständlich zu drehen, um dem Zwicker eins vor den Latz zu braten. Bis der Tinker die Schussposition erreicht hat, ist Paul natürlich schon längst fröhlich buckelnd über alle Berge und mit was anderem beschäftigt. Zum Beispiel mit Ponys beglücken.

So besteht Pauls Leben nur aus Spaß. Eigentlich beneidenswert. Zwischendurch wird natürlich auch was ernsthaftes geübt. Am Halfter gehen oder  Hufe geben. Was ja auch bei unserem Schmied gut ankommt. Wobei natürlich der nicht gerade unschnuckeliger Hintern unseres gebückten Schmiedes auch wieder Gefahrenpotential für testosterongesteuerte Hengstfohlen birgt. Aber alles ist gut gegangen. 

So hat Paul also den Sommer gut über die Runden gebracht bis klar wurde, dass seine Mama gar keine Lust mehr auf ihn hat. Sie steht still und leise an der Tür, guckt sehnsüchtig nach draußen, gibt ein Glucksen von sich, wenn jemand vorbei läuft. Und ignoriert hartnäckig sämtliches Geschrei vom armen, alleingelassenen Fohlen, das vor lauter Spielen nicht bemerkt hat, dass Mama sich nach drinnen verkrümelt hat. Jedenfalls haben wir Lagrimas stumme Hilfeschreie doch nicht länger ignorieren können und haben beschlossen dass Paul jetzt alt genug ist um ohne Mama weiterzuleben. Scherz beiseite, natürlich hatten wir Angst, dass wir irgendwann im nächsten Frühjahr eine Horde kleiner Pauls herumlaufen haben und dann wirklich ein Problem haben. 

Paul vergnügt sich jetzt am schönen Sternberghof und hat die Gelegenheit mit ganz vielen Kumpels herumzutoben und sich neue Spiele auszudenken. Wir dürfen gespannt sein, wenn wir den kleinen Testosteron-Bolzen zurück holen. 

(Erschien ebenfalls in einer Brio, wahrscheinlich 2008 – und hat es jetzt erst in diesen Blog geschafft)

Paul liebt gefühlvolle Kuscheleinheiten, zu denen er gezwungen wird…. nicht – Foto: privat

Zeitreise mit Paul?

April 2020:

Pauls Geschichte erschien 2007 in der „Brio“ und hatte es nie in diesen Blog geschafft. Wahrscheinlich weil es den erst zwei Jahre später gab. Ich hatte die Tage ein bisschen Zeit und habe in alten Pferdebildern gestöbert und dabei ist mir auch die Geschichte von Pauls Geburt in die Hände gefallen. Und ich finde sie auch viele Jahre später noch extrem lustig – also retrospektiv – tatsächlich war das damals eine sehr schlimme Nacht für mich! Aber lest selber…

Paul 2007 – freches Kerlchen! – Foto: Del Cavador

Horror auf vier Hufen

Dies ist die Geschichte von Paul – genauer gesagt über die nervenaufreibenden Stunden von Pauls Ankunft. 

Paul ist unser Fohlen. 

Aber fangen wir von vorne an. Scharf darauf, endlich mal eine Fohlengeburt live zu erleben, hatte ich es diesmal fast geschafft. Das „Opfer“ war Lagrima, die bis zur Niederkunft akribisch und systematisch beobachtet wurde und sich viele abschätzende Blicke auf ihr Euter und ihren Bauch gefallen lassen musste. 

Ja, und dann war es am 05.05.2007 endlich so weit – genauste Berechnungen von Lagrimas Seite her haben ihr gesagt: gegen halb elf Abends ist diese nervige Frau nicht da und dann kann ich mein Fohlen unbeobachtet bekommen. Gesagt getan. Lagrima hat es also geschafft und ohne mich ein gesundes Hengstfohlen – wie sagt man so schön: entbunden. 

Kurze Zeit später traf ich dann im Stall ein. Ein helles, recht kräftiges Wiehern empfing mich. 

Nicht das normale Gekrähe von Lagrima. Lagrima wiehert nämlich nicht, sie kräht – ausgiebig und laut, vor allem wenn es Futter gibt. Oder sie kreischt. Oder was auch immer es ist. Es kommt einem nicht als erstes ein Pferd in den Sinn, wenn man es hört. Eher ein Massaker oder eine Kindesmisshandlung, notfalls auch ein Katzenkampf. Wir warten schon auf Anzeigen wegen Pferdequälerei, weil sie so seltsame Töne von sich gibt. 

 Aber ich schweife ab – zurück zu Paul. Gefunden habe ich ihn dann eingeklemmt in einer Ecke und noch ganz nass. Wie ein Häufchen Elend lag er da. So lange Beine sind halt doch ein Hindernis. Was er schon toll konnte war, wie gesagt, wiehern. Ich hab ihn dann erst mal aus der Ecke geholt und geholfen aufzustehen. Das ist schon zu drollig, zu sehen, wie sich Fohlen mit ihren langen Weberknechtbeinen hinstellen und dann rumschwanken wie unsereins nach drei Bier aufwärts. 

Gut, erste Hürde „Stehen“ war geschafft. Paul hat dann nach einigem Hin- und Hergestakse versucht zu trinken und Mamas Euter nicht gefunden. Rumgeschnulle an Brust, Vorderbeinen, Bauch und Hinterbeinen war drin, aber Euter finden nicht. Dieses Spiel zog sich dann über Stunden hin. Mit Hinstupsen, Hinbiegen, Hindrücken, Paul war unfähig zu trinken. Schlecht. 

Meine Nerven am Ende, Lagrimas Nerven ebenfalls. Sie hat ganz liebevoll und fürsorglich mitgeholfen, sogar ein Hinterbein gehoben, sich richtig hingestellt und so weiter. 

Nächtliche Besucher, angelockt durch das Stalllicht, kamen und gingen. Versuche, Paul wie ein Kälbchen zum Trinken zu bewegen scheiterten ebenfalls. Keine gute Idee übrigens. 

Ich war schon fast so weit, es persönlich zu demonstrieren, aber Fohlen sehen anscheinend nicht so gut, wenn sie frisch geboren sind. Also auch keine gute Idee. 

Erfolglos und Müde und mit dem Wunsch, die Natur möge es schon richten, bin ich dann nach Hause gefahren. Verdrängung erster Güte, funktioniert meistens. Gute Idee in der Theorie, in der Praxis sehr unkomfortabel. 

Vor lauter Sorge konnte ich dann natürlich nicht schlafen. 

Es geisterten ausgetrocknete Fohlen, verdurstete kleine Häufchen Elend und völlig erschütterte Stuten im Kopf  herum, umrandet von Totenkopfknochen und Piratenflaggen – und alles dreht sich im Kreis.  

Also, raus aus dem Bett und wieder zum Stall gefahren. Lagrima steht in der Box – Paul ist weg. 

Äh…ja genau … ich musste auch erst zweimal gucken. Ungläubig laufe ich ein paar Schritte weiter und finde Paul glücklich und zufrieden schlafend mitten in der Nachbarbox liegen – die Bewohnerin völlig verängstigt und mit den Nerven am Ende in der Ecke stehend. 

Ist der Kerl doch unten durch den kleinen Spalt zwischen den Boxen durchgerutscht! (Die Boxe ist jetzt inzwischen zugebrettert, da passt nix mehr durch) 

Also, Paul wieder zurück zur Mama, diesmal aber den offiziellen Weg durch die Boxentüren…. 

Lagrima überglücklich, Paul immer noch zu blöd zum Trinken. Irgendwann wollte ich dann völlig entnervt aufgeben. So eine Nacht alleine im Stall mit Horrorvisionen im Kopf zehren echt an den Nerven. 

Und was macht Paul? 

Ich sitze wie ein Häufchen Elend in der Box, denke an tote Fohlen, die jämmerlich verdursten, oder an Nächte, die ich fohlentränkend in dieser Box verbringen werde, monatelang schlaflos.

Und was macht Paul? 

Er trinkt – endlich! 

Ich hab mich noch nie so gefreut, ein Fohlen trinken zu sehen.

Der Problempunkt war die Kopfdrehung, die so ein Fohlen braucht um an Mamas Euter zu kommen, an der hat es gehapert. Wenn ich ein Glas Sekt dabei gehabt hätte, dann hätte ich auf Paul angestoßen (wahlweise auch an Paul). 

Aber jetzt ist ja alles gut. Naja, fast alles. Paul liegt inzwischen mit Vorliebe zum Schlafen an gefährlichen Stellen, direkt am E-Seil, vor der Tür, oder wo es sonst noch ungünstig ist. Wir warten auf den Tag, an dem wir ihn irgendwo herausfischen müssen. 

Aber er lernt schnell dazu. Ich jedenfalls bin von meinem Wunsch kuriert bei einer Fohlengeburt dabei  zu sein. Das nächste kleine Monster hätte ich gerne trocken und zufrieden trinkend am nächsten Morgen serviert!

PS: Paul hatte jetzt übrigens Durchfall. Was auch zu lustigen Situationen führte, weil Paul  nämlich sein Durchfallmittel nicht so gerne möchte und wir wiederum wollten nicht so gerne an Pauls Popo hinlangen. 

Aber mit Durchfallgeschichten belästige ich Euch jetzt nicht. Glück gehabt! Ach ja, Paul heißt übrigens offiziell „Panini del Gavilan“ und man kann dieses Prachtstück von einem Fohlen übrigens käuflich erwerben. Spaß garantiert!

Lagrima und Paul – 2007 – Foto: Del Cavador
Paul 2007 – Schlafend natürlich! – Foto: Del Cavador

Piranha-Anjas Persönlichkeit?

April 2020:

Drachi direkt nach Anstrengung IDMG 2019 – Foto: Christian Müllner Tierfotografie

Anhand des Buches: „Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“ – Linda Tellington-Jones (siehe hier)

Als nächstes Pony im Buchvergleich ist La Respuesta dran, besser bekannt als das Drachenpony oder Piranha-Anja – Das seltsam-putzige Drachi ist seit 2012 in meinem Besitz. Ich kenne sie aber, seitdem sie in Deutschland ist. Resi wurde 2003 in den USA geboren und hat dort auch eine strenge, professionelle Grundausbildung erhalten, die sie komplett flachgebügelt hat. Um es mal neutral auszudrücken. 

Das Drachenpony ist ein extrem introvertiertes Pony. Sie kommt sehr selten neugierig, oder freudig aus sich heraus wenn Menschen anwesend sind. Das wird jetzt erst besser. Sie ist nicht ranghoch. Sie fühlt sich in einer Box sehr wohl. Da kann man sie auch in der Fremde gut alleine lassen. Sie hat wechselnde Freundinnen in ihrer Herde, mag Fohlen (da kriegt sie sprichwörtlich Milcheinschuss) und ist viel alleine unterwegs und eher mit sich selber beschäftigt. Sie mag es nicht berührt zu werden. Sie mag auch nicht grob geputzt werden. Ich frage immer an, bevor ich sie aus der Herde hole. 

Sie hält auch den größten Individualabstand. Um so schöner ist es, wenn sie ihn bricht und freudig auf einen zuläuft oder von sich aus Kontakt sucht (oder wiehrt!). Sie ist sehr höflich, aber auch skeptisch. Sie möchte es einem gerne Recht machen, schießt dabei meistens übers Ziel hinaus, weil sie oft nicht zuhört, bzw. glaubt zu wissen was verlangt wird und das dann schon mal zeigt. Sie wird sehr schnell sehr hektisch. Sie ist manchmal eine tickende Zeitbombe und steht unter einem enormen Druck. Sie beherrscht sich inzwischen immer besser, weil sie immer mehr vertrauen zu mir fasst (oder langsam lernt, dass sie niemand tötet, oder wir Sachen machen, die sie doch ein bisschen toll findet … man weiß es nicht!). Dafür bin ich ihr sehr dankbar. 

Sie ist unter ihrer Schutzschicht aber ein sehr neugieriges Pony, das gerne spielt und mutig Dinge ausprobiert. Andererseits auch ein sehr ergebenes Pony – was sie aber leider mit viel Schmerz und Druck gelernt hat. Sie spult eingelernte Verhaltensmuster ab. Sie lernt eher in kleinen Schritten und vielen Wiederholungen. Kombinieren von Dingen erlaubt sie sich nicht, weil dann die alte Angst durchbricht. Angst durchbrechen ist ein großes Thema bei ihr. Man sieht aber ein sehr gelehriges Pony, das aufmerksam mitmacht, wenn man beispielsweise Freiarbeit mit ihr macht und sich sehr über Lob freut. Sie ist sehr ambivalent – mal hyperreagibel im Temperament, manchmal totaler Lock-Down mit komplettem Betriebsausfall – aber ein großer Schatz im Umgang und hat so putzige Anwandlungen, dass man ihr überhaupt niemals böse sein kann. Manchmal starrt sie einen an und bewegt sich gar nicht dabei. Man möchte sie am Liebsten schütteln und anschreien: „DRACHI! Sag doch einfach was Du willst!!!! Du bekommst es!!!!“ Das Drachi bleibt übrigens auch bis zu ihrem Tod in meinem Besitz, das habe ich ihr geschworen.

Beurteilung laut Buch:

Das Drachenpony war übrigens mit dem Buch nicht ganz einfach zu beschreiben – es kommt wohl stark auf den Gemütszustand des jeweiligen Fotos an. 

Gerades Profil: ein äußerst unkompliziertes Pferd, das leicht lernt.

Große Ganaschen: Das Pferd scheint intelligent und arbeitswillig zu sein.

Fein ausgebildetes, weiches Maul: Meist ein Pferd mit einer sensiblen Persönlichkeit.

Oder aber

Kleines, abgesetztes Maul: Deutet auf ein eigensinniges Pferd hin. (Manchmal ist das Drachi fast schon dreist. Ein dreistes Monster mit putzigem Gesichtsausdruck dabei ….)

kurze Maulspalte: Ein starrsinniges Pferd, das nur langsam lernt. Meist haben es solche Pferde leichter mit einer gebisslosen Zäumung, etwas einer Art Hackamore. 

Abgesetzte Lippen und Kinnpartie: Hier ist die Lippe durch einen Wulst vom Kinn abgetrennt und setzt sich so klar ab. Dieses Merkmal deutet auf einen vielschichtigen Charakter hin. 

Flache Oberlippe: Im Allgemeinen sind solche Pferde sehr unabhängig, zielstrebig und kümmern sich um ihre eigenen Angelegenheiten.

oder

Steife Oberlippe: Ein nach innen gekehrtes Pferd, das sich nicht sehr für Menschen und seine Umgebung interessiert. 

Nüstern Groß, geöffnet: Dieses Pferd ist sehr aufgeweckt. 

Kinn Spitz und hart: Ein steinhartes Kinn kann bedeuten, dass es sich hier um ein neurotisches Pferd handelt, das unvernünftig ist und sich nur schwer verändert. Es kann widerspenstig sein und hat die Tendenz, mit dem Reiter zu kämpfen. Wenn sich solche Pferde aufregen, wird ihr Kinn steinhart. Falls dieses Beschreibung auf Ihr Pferd zutrifft, versuchen Sie sein Kinn mit Tellington-TTouch wie dem Maul-TTouch weicher zu machen.

Abgesetztes Kinn: lässt auf einen komplizierten Charakter schließen. 

Dreieckiges Auge/Falten über dem Auge: Das Pferd ist unsicher. Wenn ein Pferd diesen Augenausdruck bekommt, während sie mit ihm arbeiten, heißt das, es versteht nicht, was Sie von ihm wollen. 

oder

Dreieckiges Auge: Ein Pferd von Durchschnittlicher Intelligenz. Die Persönlichkeit ist von anderen Charakteristika abhängig. 

Ohren die gerade nach oben gehen und gleich weit auseinander stehen: meist voller Energie und manchmal sogar etwas hitzig. 

Einzelner Wirbel zwischen oder über den Augen: eigentlich unkompliziert.

Tja, eigentlich nicht so wirklich eindeutig. Aber vielleicht hat das Drachi ja auch eine gespaltene Persönlichkeit. 

Bisschen ungünstiges Bild, aber ich mag es – und man sieht das Drachi von der Seite ganz gut. – Foto: Yvi Tschischka Photography (2012?)

„Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“?

04. April 2020:

Heute widmen wir uns zur Abwechslung einem Buch, bzw. der praktischen Ausführung des Inhaltes des Buches. Yvi hat es vor einigen Wochen angeschleppt und angefangen Pferdegesichter zu studieren. 

Linda Tellington-Jones/Sybil Taylor – „Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“ (Kosmos-Verlag, 1995 – 3. aktualisierte und bebilderte Ausgabe von 2008)

Meinen ersten Kontakt mit Linda Tellington-Jones und der TTEAM-Methode hatte ich bereits mit der Erstauflage um 1995, die ich damals sogar noch in der Städtischen Bibliothek ausgeliehen habe. Dort habe ich übrigens gefühlt sehr viel Zeit verbracht. Vielleicht wollte meine Mutter auch nur ein bisschen Ruhe vor uns und hat uns dort mit den ganzen Büchern, Comics und Hörspiel-Tonbändern stundenweise abgeliefert. Mir sind auch viele Besuche im Kinderspiel-Land des Möbelhauses „Neubert“ in positiver Erinnerung. Die hatten da ein Bälle-Bad und eine Möglichkeit in ein mit Kissen gefülltes Becken zu springen. Man weiß es nicht. Es ist auch ein anderes Thema. 

Dieses Buch und das Buch über die Tellington-Methode haben mich schon damals bei den Welsh-Ponys sehr geprägt. Es eröffnete eine ganz neue spannende Welt! So etwas wie Bodenarbeit war damals noch gar nicht vorhanden – zumindest in meinem traditionell geprägtem reiterlichem Umfeld. Und Dinge wie das Internet und Youtube-Filmchen, über die man alternative Trainingsmethoden aus aller Welt sehen könnte, gab es noch nicht. Sprich: Jeder ist in seiner eigenen Blase gefangen gewesen und hat dementsprechend agiert. Ich wusste aber damals schon: Nur weil man etwas schon „immer so gemacht hat“, muss es nicht gut sein und funktionieren. Mir war schon sehr früh lieber, das Pferd nicht zu stumpfer Befolgung meiner Befehle zu erziehen, sondern ein Team mit dem Pferd zu werden und dem Pferd auch die Möglichkeit zu eröffnen zu verstehen was ich von ihm möchte. Dann arbeitet es nämlich viel motivierter mit. Jedenfalls haben mir die Bücher damals viele Aha!-Momente beschert und sie haben mir viel Stoff zum Nachdenken geliefert. Aber das nur am Rande. 

Es geht um die Persönlichkeit unserer Pferde, und wie sie sich in körperlichen Merkmalen widerspiegeln. Es gibt ja viele Floskeln/Sprüche, wer kennt zum Beispiel diesen hier? „Vier weiße Hufe: Kauf es erst garnicht. Drei weiße Hufe: Behalt es nicht zu lange. Zwei weiße Hufe: Schenk es einem gutem Freund. Ein weißer Huf: Behalt es ein Leben lang.“ 

Tellington-Jones hat Jahrzehntelang Pferdegesichter und Pferdekörper studiert und mit Eigenschaften und Charakterzügen verglichen und damit ein ganzheitliches System erschaffen, mit dem wir unsere Pferde individuell fördern und ausbilden können. Ich finde, jeder Reiter sollte sich einmal mit der Tellington-Methode beschäftigt haben. Mehr möchte ich damit auch gar nicht sagen, weil ich kein Fachmann bin. Was ich aber machen möchte, ist einfach meine Ponys mit den Studien in dem Buch vergleichen und ganz stümperhaft vergleichen was ich selber aus den Gesichtern, Wirbeln und Körpern meiner Ponys lesen kann. Viel Spaß bei meinen Ausführungen. Ich habe mir dazu einfach mehrere Bilder meiner Ponys angesehen, dabei das Buch durchgeblättert und aufgeschrieben was mir aufgefallen ist. Somit enthält dieser Text Zitate aus dem Buch. Es wird spannend!

Fangen wir also mit Jacinto an, meinem ersten eigenen Pferd. Jacinto hat übrigens ein weißes Bein und bleibt dem Spruch zufolge auf jeden Fall sein Leben lang bei mir! 

Jacinto in Sepia im Schilf 2018 – Foto: Yvi Tschischka Photography

Ich fange mit einer kurzen Beschreibung von Jacintos Charakter an, aus meiner Erfahrung mit Ihm beschrieben: 

Jacinto ist ein freundliches Pferd, welches meiner Meinung nach nicht besonders Intelligent ist, aber was er einmal in kleinen Schritten gelernt hat, das behält er. Er ist bei Aufregung sehr temperamentvoll und hektisch. Dinge bringen ihn schon sehr schnell durcheinander. Aber er ist auch sehr zuverlässig und in dem, was er macht schon Charakterstark. Es interessiert ihn oft nicht, was die Anderen machen, wenn er mit seinen eigenen Sachen beschäftigt ist. Er war lange Zeit Herdenchef und im Gelände, oder im Hänger ist er eine Vorbildfunktion für junge Pferde. Die werden von seiner Ruhe und Routine angesteckt. Jacinto ist eher Typ „Eigenbrödler“ – er kann alleine sein, freut sich aber auch über Pferdekumpels. (Da sind wir uns sehr ähnlich). Außer er ist mit Frau Sumpf auf Turnier unterwegs, da ist er ein unmöglicher Kleber! 

Jacinto mag keine Veränderungen. Er fühlt sich am Wohlsten in seiner gewohnten Umgebung, kann aber mit ungewohnten Situationen umgehen, wenn er vertraute Routinen dabei erlebt. Er vertraut dann oft auf meine Führung, bzw. macht Dinge, die er von alleine nicht tun würde mir zu liebe.

Er ist das Pferd, welches den meisten körperlichen Kontakt mit mir sucht. Es gibt ein paar Rituale, die ihm Sicherheit geben. Ich meine damit Körperstellen, die ich berühre und die er dann auch manchmal sucht, wenn es für ihn im Kopf „hektisch“ wird. Seit seiner krankheitsbedingten Rente bettelt Jacinto sehr viel, aber auf eine höfliche, sehr putzige Art. Sein Tageshighlight sind momentan: Bananen! Er fängt schon das Speicheln und Sabbern an, wenn er Menschen in der Futterkammer hantieren hört. Es ist schon ein bisschen süß, aber auch leicht nervig. Aber momentan lasse ich ihm das durchgehen. Obwohl ich sehr oft angetrocknete Bananensabber an meiner Kleidung hängen habe. 

Beschreibung nach dem Buch: 

Kopfform: Gerades Profil mit Elchnase/Gerades Profil: Ein äußerst unkompliziertes Pferd, das leicht lernt. Elchnase: Eine deutliche Vorwölbung des unteren Teils der Nase, weist meist auf ein Pferd mit starkem Charakter hin, das oft auch Leittier einer Herde ist. 

Fast gerades Profil, leichte Elchnase, quadratisches Maul, große Ganaschen: Verlässlich und Selbstbewußt.

mittelgroße – große Ganaschen: durchschnittliche Intelligenz, aber förderbar. (PS: Ich bin mir  nicht sicher, ob die Ganaschen Groß oder Mittelgroß sind.)

Leicht gerundete Maulpartie: Dieses Pferd ist vielleicht etwas starrsinnig und braucht länger, um Neues zu lernen. 

mittellange bis kurze Maulspalte: Starrsinniges Pferd, was nur langsam lernt. Meist haben es solche Pferde leichter mit einer gebisslosen Zäumung, etwa einer Art Hackamore. Mittellang kann man nicht als Alleinstellungsmerkmal charakterisieren. (PS: Jacinto hasst Gebisse!)

bewegliche Oberlippe: Ein Hinweis auf Neugier und das Bedürfnis nach körperlichem Kontakt mit Menschen, beispielsweise an ihnen herum zu knibbeln. Manchmal auch Flappende Unterlippe: Weist auf Nervosität hin oder auf ein Pferd, das übersensibel und unkonzentriert ist. 

normal große Nüstern: Durchschnittliche Intelligenz

Rundes weiches Kinn: Durchschnittliche Intelligenz

großes weiches Rundes Auge: Im Allgemeinen sind solche Pferde willig und vertrauen den Menschen.

Lange Ohren: Das Pferd denkt etwas langsam. Es kann auch leicht launisch sein.

Ohren gerade, gleich weit: voller Energie und machmal sogar etwas hitzig.

Die Augen sind gut zu sehen: Selbstbewußt.

Weiches Aug, offen und klar: Interessiert und voller Vertrauen und Hoffnung. 

Manchmal auch Falten über dem Auge (dreieckig wirkend) – scheint fragend, oder sorgenvoll zu blicken: Das Pferd ist unsicher. Wenn ein Pferd diesen Augenausdruck bekommt, während Sie mit ihm arbeiten, heißt das, es versteht nicht, was Sie von ihm wollen. 

Einzelner Wirbel zwischen den Augen: freundliches Pferd. 

Fazit: Die körperlichen Merkmale passen hier mit dem Charakter zusammen! Spannend! Probiert das doch auch mal bei Euren Ponys aus!

„Tölt Verstehen und besser Reiten“?

28. März 2020:

„Tölt Verstehen und besser Reiten“ – Kaja Stührenberg (Kosmos-Verlag, erscheinen 2011)

Hoch-Professionell-ausgeleuchtetes Foto vom Buch mit meinem Telefon in meinem Bett – Kaffeefleck im Bett somit erfolgreich verdeckt!

Man merkt vielleicht, ich habe mehr Zeit zu lesen! Die Tage habe ich mir endlich einmal ein Buch geschnappt, was ich schon ganz lange durcharbeiten wollte. Kaja Stührenbergs Buch „Tölt Verstehen und besser Reiten“ (erschienen im Kosmos Verlag – 2011). Ich habe mein Exemplar übrigens am Hausturnier in Hünxe gewonnen, als Preis in der Einfachen Töltprüfung mit Jacinto. Kaja und ihr Nuno waren übrigens auch bei dem Turnier dabei. Von daher habe ich das Exemplar sozusagen direkt von der Autorin bekommen und mich auch sehr darüber gefreut! 

Kaja und ich treffen uns entfernungsbedingt sehr selten – meistens jedes Jahr in Hannover an der Messe „Pferd&Jagd“, an der Kaja seit zwei Jahren sehr souverän und sehr kompetent die große tägliche Präsentation der Gangpferde im Aktionsring leitet und in der Manege Baroque das Training von Gangpferden sehr schön erklärt. Es macht einfach Spaß ihr zuzuhören und mit dem Team der verschiedenen Gangpferde dort mit dabei zu sein. Aber nicht ablenken jetzt! 

Worum geht es in dem Buch?

Wie der Name schon sagt, ist das Hauptthema „Tölt“ – ein Thema, was viele Gangpferdereiter schon oft zur Verzweiflung getrieben hat und immer wieder in die Verzweiflung treibt, mich inclusive. Und wer das leugnet, der ist sehr gut in Verdrängung! 🙂 Kaja gibt im ersten Abschnitt des Buches eine Rückblende auf die Geschichte der töltenden Pferde und auch was für Gangpferderassen es überhaupt gibt, oder welche Pferde Töltveranlagung zeigen (und warum), obwohl sie gar keine töltenden Vorfahren haben. Dann wird der Begriff „Viertakt“ erklärt, wie er entsteht und was es für Varianten gibt. „Tölt“ ist also immer nur ein Sammelbegriff für den zusätzlichen Gang, der kein „Pass“ ist. Taktfehler sind ebenfalls ein Thema. 

Der Tölt wird im System der klassischen Reitweisen beleuchtet. Damit meine ich die Skala der Ausbildung und wie der Tölt da hinein passt – wir reden hier von Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten und Versammlung. Hier kann man sich schon wertvolle Tipps für das Training holen, bzw. man erkennt die Zusammenhänge. Es wird auch die Tragfähigkeit des Rückens und die Gymnastizierung von Gangpferden besprochen (was braucht so ein Pferd um gut im Gang laufen zu können?), bevor der Tölt dann im Verhältnis zu den anderen Gangarten beleuchtet wird. 

Hier kommt die Gangveranlagung, bzw. die Gangverschiebung ins Spiel – auch hier kann man gute Tipps für das Training seines Pferdes ziehen. Oder Verständnis, wie der vom eigenen Pferd produzierte „Gangsalat“ zustande kommt, finden. 

Der Bogen wird dann geschlagen von „Tölt in ausgewählten Lektionen“ (Übergänge, Seitengänge, Piaffe) über die Wichtigkeit des korrekten Sitzes des Reiters im Tölt und was er für Einfluß hat auf das sensible Gebilde „Tölt“, über den richtigen Beschlag und passenden Sattel. Sitzfehler machen sich bei einem Gangpferd in Form von Taktfehlern sehr stark bemerkbar. 

Am Ende des Buches gibt es ein richtiges Literaturverzeichnis, das mir positiv aufgefallen ist, weil ich schon lange keines mehr gesehen habe. Zum Weiterlesen findet man Buchempfehlungen, in denen ich auf jeden Fall stöbern werde und eine Seite mit den gängigen Ganpferde-Adressen (gängige Gangpferdeadressen? Wortwitz kann ich …. nicht). Da kann man sich dann speziell über die einzelnen Rassen informieren.  

Fazit: 

Ich möchte hier nur einen kleinen Einblick geben. Das Buch ist auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung für alle Menschen, die mit dem Begriff „Tölt“ nichts anfangen können – oder gerne mehr damit anfangen wollen würden. Es ist für Leser, die sich einfach der ganzen Zusammenhänge, die das „Problem Tölt“ aufwirft, stellen möchten. Also kurz gesagt, für jeden, der sich einfach einmal rundherum informieren möchte, ohne explizit auf eine spezielle Pferderasse einzugehen. Kaja schlägt den Bogen für alle gangveranlagten Pferde. 

Man bekommt im Buch ein gutes Gefühl für den zusätzlichen Gang vermittelt und einen schönen Überblick, welche Pferde ihn zeigen, was man damit machen kann und wie man Trainingsansätze finden und umsetzen kann. Und Fehlerquellen auszumerzen – oder zumindest zu erkennen, wo der „Fehler“ steckt. Also reinlesen Leute! 

Kaja Stührenberg ist FN Trainerin A Gangpferde und FN Trainerin B Islandpferde. Sie bildet an einem Hof in der Lüneburger Heide Pferde und Reiter aus, gibt Kurse und ist auf Messen und bei Veranstaltungen zu sehen. 

Es gibt übrigens noch ein Buch von Kaja „Gymnastizierung von Gangpferden“ zusammen mit Andra Jänisch, im Cadmos-Verlag erschienen. Das muss ich mir auch noch zulegen, das hatte ich schon einmal geliehen gelesen und fehlt noch in meiner Gangpferde-Bücher-Sammlung. Ihr könnt auch mal bei Kaja Stührenberg auf die Homepage schauen, da kann man noch ein bisschen weiter schmökern. 

PS: Übrigens, wer entdeckt mich in dem Buch, wie ich „Fremdreite“? 

"4 Pylonen & 24 Reit-Ideen"?

Buch: „4 Pylonen & 24 Reit-Ideen“ – Angelika Graf mit Illustrationen von Christine Gräper – erschienen im Angelika Graf Verlag (Edition 2018 – Band 1)

Screenshot des Buchtitels

21. März 2020:

Auf meinem Tablet schlummert schon seit geraumer Zeit ein Buch von Angelika Graf. Nachdem ich mir seit Jahren immer wieder vornehme mehr Sachbücher zu lesen, bekomme ich immer wieder einen Rappel und schaue nach interessanten Sachbüchern und vergesse aber dann sie zu lesen. Ich bin kein großer Sachbuch-Leser – ich merke mir Dinge besser, wenn ich sie auf einem Kurs erfahre und ausprobiere. Aber ein bisschen den Blick über den Gangpferde-Tellerrand zu heben schadet ja nie. Die Tage habe ich also mal wieder mein Kindle durchstöbert und bin an diesem kleinen interessanten Buch hängen geblieben. Auf die Idee da hinein zu schauen hat mich übrigens Diosa gebracht. Yvi übt gerade an besserem Galopp. Gesetztes Angaloppieren und Punktgenaues Timing sind ein Thema – von daher hat mich mein Unterbewusstsein hier wohl aufmerken lassen. 

Das Buch heißt „4 Pylonen & 24 Reit-Ideen“ von Angelika Graf. Es ist momentan übrigens kostenlos bei Amazon Kindle Unlimited erhältlich. Aber ein Blick auf die Homepage Angelika Graf Verlag lohnt sich allemal, weil die Autorin dort noch ganz viele weitere interessante Bücher anbietet – auf der Homepage findet sich ebenfalls ein Blog mit interessanten Übungen aus den Büchern. Also mal reinschauen Leute!

Bis dato wusste ich natürlich noch nicht, wer Angelika Graf ist. Sie ist auf jeden Fall schon mal Autorin dieses interessanten Buches und – auch sehr spannend: einiger bekannten Working Equitation Bücher.  Sie hat sich den Feinheiten des traditionellen Arbeitsreitens verschrieben. Jetzt denken sich wahrscheinlich einige wieder: Moah… die Griebel wieder! Die alte Hohlbirne, die kennt Angelika Graf nicht! Dabei ist das eine ganz bekannte Frau, Wurzeln in der Doma Vaquera, Pionierin der Working Equitation, in der Szene bekannt, praktiziert „Lebendige Reitkultur“, gibt Kurse. Nächstes Mal erzählt sie uns dann wohl was über den „Newcomer“ Pedro Torres! Griebel – beschäftige Dich halt mal mit dem Thema! Dazu muss ich aber sagen: ich kann mir ja nicht mal mehr die Namen aller Menschen bei uns am Stall merken, wie soll ich mir dann noch Menschen aus Büchern merken?  

Ich beschäftige mich jetzt mit dem Buch. Ein paar Ideen daraus werde ich auf jeden Fall ausprobieren, manches geht einfach nicht, weil wir reiterlich dazu nicht in der Lage sind, aber mir gefällt die Idee um Pylonen zu reiten. Da hat man einen guten Fixpunkt. Ich bin sowieso ein großer Fan von Kringeln reiten. Ich liebe es auf einen oberflächlich feuchten Reitplatz zu gehen und dann Figuren in den Sand zu reiten und die immer wieder zu treffen. Ein bisschen „monkig“, aber es macht mich glücklich. Ein bekannter Trainer aus Hünxe würde sagen: „Ja das funktioniert, weil Du da dein Pferd endlich mal in Ruhe lässt, und es einfach machen lässt!“ Er schimpft übrigens öfters mal in meinem Kopf mit mir. Aber das ist sehr gut so.

Was möchte uns das Buch also sagen? 

Es möchte uns Inspiration bei der Arbeit mit dem Pferd anbieten. Zwischendurch streut Angelika Graf immer wieder kleine Einschübe zum Thema Achtsamkeit mit dem Pferd, oder Hintergründe zum Training. Ich denke, dass noch tieferes Wissen in den regulär erhältlichen Büchern „Working Equitation Basics“ und „Working Equitation Trail-Training“ zu finden ist. (Die beiden Bücher habe ich aber (noch) nicht gelesen.)

Das Buch bietet Anleitung zu abwechslungsreichem Training und Übungen, die sich vielfältig und schier unendlich gestalten lassen – und alles nur mit 4 Pylonen. Was sehr praktisch ist. Die Autorin legt besonderes Augenmerk auf die Basisarbeit (aus der dann komplexe Übungen entwickelt werden), auf Gebrauchsreiterei und hat den Fokus auf gesund-erhaltendem gymnastizieren über Jahre hinweg. 

Das Buch startet mit der Aufstellung von 4 Pylonen im Abstand von 15 bis 18 Meter – gerne im Mittelzirkel, so hat man außen herum etwas mehr Freiheit in der Reitbahn. Man kann am Aufstellungsort und in der Größe der Abstände zwischen den Pylonen variieren. 

Frau Graf beschreibt ganz einfache Übungen, die helfen eine exakte Linienführung zu finden und Takt und Rhythmus. Natürlich erst in langsameren Gangarten. Die Übungen werden dann immer Komplexer. Übergänge fließen mit ein, Tritte verlängern oder verkürzen, Biegung, Seitengänge – es ist wirklich richtig spannend, was man alles aus vier popeligen Pylonen herausholen kann. 

Und die Aufstellung funktioniert ganz einfach. Jetzt müssen wir nur noch in der Realität auch perfekte Kringel reiten! 

Fazit: 

Klare Empfehlung das Buch zu lesen und vielleicht auch in die anderen Bücher einzutauchen. Auf jeden Fall ein sinnvolles kleines Buch, das einen auf neue Ideen bringt. 

PS: Werbung weil Buch-Nennung – über Amazon KindleUnlimited kostenlos gelesen (das ich auch selber bezahle)

Meine Übung, Dein Problem!?

Kurs mit Stan Paul Paso Fino Training im Februar am Zykloopenhof

15. März 2020:

Ein bisschen spät, aber hier mein Bericht über den Kurs mit Stan Paul bei uns am Hof. Stan war eindeutig viel zu lange nicht mehr bei uns, aber an diesem Wochenende hatten wir die Gelegenheit unser Wissen aufzufrischen. Neben ein paar älteren, bereits gerittenen Pferden lag der Fokus dieses Mal teilnehmerbedingt auf der Jungpferdearbeit – bzw. der Fragestellung: Was muss so ein junges Pferd alles können? Und was ist Quatsch? Ich selber war nur als Zuschauer dabei. 

Stan gab unseren Jungpferdebesitzern gute Tipps für das weitere Training, bzw. die Vorbereitung der Jungspunde und Halbstarken auf das Leben als Reitpferd. Wie viel der Einzelne mit seinem Jungpferd macht, bleibt meiner Meinung nach jedem einzelnen selber überlassen. Das Thema füllt ganze Foren und Shit-Storm-Anfälle von „NEEEEEEE erst anfassen, bis es fünf Jahre alt ist!“ bis „Täglich ein bisschen Arbeiten und Imprinten“ – aber ich glaube insgesamt ist jedem seriösen Trainer ein grunderzogenes Pferd, welches dann „roh“ zum Beritt kommt lieber, als ein bereits am Boden „verzogenes“ Pferd. Mit „roh“ meine ich: sich ordentlich führen lassen, Höflich sein, Hufe heben, überall anfassen lassen, bisschen spazieren gehen können, vielleicht noch Hänger fahren können. Alles Weitere ist eigentlich nicht nötig, es geht schneller, eine solide Profi-Basis aufzubauen, als bereits falsch erlerntes Verhalten umzuprogrammieren. Aber wenn man allerdings selber Spaß an der Jungpferdearbeit hat oder sein Pferd selber ausbilden möchte (auch wieder ein „Achtung-Shitstorm-Thema“ …) hilft es sich regelmäßig professionellen Input zu holen. 

Diego del Cavador – Übelstes Streberpony! – Foto: privat

Stan bereitet die Pferde auf altbewährte Art auf das Leben zum Reitpferd vor. Das bedeutet, es muss sich überall anfassen lassen. Es muss aufpassen. Es muss die Schulter weichen. Es muss die Hinterhand weichen. Es muss rückwärts gehen. Es braucht dabei nicht allzu „fein“ in den Hilfen sein, das ist eher hinderlich beim Anreiten. Die Feinheit kommt dann mit der weiteren Ausbildung, das Pferd lernt ja erst einmal die Grundlagen. Man fertigt ja auch nicht gleich filigrane Verzierungen auf Schnitzereien – man versucht erst mal die Funktion des geschnitzten Objektes darzustellen. Das Pferd muss lernen, überlegt zu handeln – also mitmachen. Damit ist man ja schon mal ziemlich beschäftigt. Gute, solide Basisarbeit. Erst dann kann man an alles weitere denken. Und genau hier gab er wertvolle Tipps zur Umsetzung. 

Mein Lieblingsspruch von diesem Kurswochenende: „Meine Übung, sein Problem!“ – bedeutet man gibt als Chef eine Übung vor, zum Beispiel: Mensch steht in der Mitte, Pferd soll antreten, ohne den Menschen mit der Schulter anzurempeln und von seinem Platz zu vertreiben und auf einem kleinen Kreis loslaufen. Mensch sagt, Pferd muss machen. Dabei verlässt Mensch nicht seinen Platz und hilft aber trotzdem durch überlegte Körperhaltung seinem Pferd den richtigen Weg zu finden. Klingt jetzt gelesen oder geschrieben vielleicht kompliziert, oder lapidar, ist aber eine echt gute Erkenntnis (übrigens auch gut ins reale Leben übertragbar). Natürlich nichts Neues: Gib dem Pferd eindeutige Hilfen und das Pferd wird verstehen und machen – und bleib einfach konsequent. Nicht grob, aber sei einfach eine konsequente Führungsperson.

Jedenfalls lässt sich dieser Leitsatz auch auf alle anderen Bereich anwenden. Klare ruhige Befehle – „nen Plan haben!“ – und dann einfach machen (lassen) – vielleicht gibt es unterschiedliche Lösungswege. Alle Teilnehmer, ob Reiter oder Bodenarbeiter konnten auf jeden Fall an diesem Wochenende viele Aha-Effekte mitnehmen und neue Impulse für das Training bekommen. Wir sind der Meinung: Stan, Du musst unbedingt öfters wiederkommen! Es hilft auf jeden Fall im Training auch mal frische Sicht von Außen zu bekommen. 

Diosa und Schnicksi haben auch nen Plan: Ausruhen, es wird nicht aufgestanden! … sie fänden es toll noch etwas zum Snacken gereicht zu bekommen …. – Foto: privat

Und für den „kleinen“ Diego muss ich sagen: Da habe ich überhaupt keine Bedenken, dass Yvi den zu einem anständigem Reitpferd erziehen kann. Der ist jetzt schon genau wie seine Mutter ein sehr gelehriges, aber auch sehr cooles Pony, das selber mitdenkt und auch Spaß hat, sich ein bisschen zu beschäftigen.    

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