Del Cavador

Was ist eigentlich ein Paso Fino?

Wie alle Pferde in Amerika stammen auch die Paso Finos von den Pferden ab, die Christoph Columbus bei seiner zweiten Amerikareise 1493 mit ins Land brachte. Columbus war wohl ein besserer Seemann als Reiter, deshalb mussten die Tiere vor allem bequem und anspruchslos – und natürlich robust sein. So eine Seereise war schließlich anstrengend bis tödlich. Andererseits: wollte Columbus nicht eigentlich den Seeweg nach Indien entdecken?

Von der heutigen Dominikanischen Republik aus verbreiteten sich diese Pferde über den gesamten karibischen Raum und über weite Teile Südamerikas. Um möglichst bequem von A nach B zu kommen wurde damals viel Wert auf die Weichheit der Gänge gelegt. Damit war es dann aber auch noch nicht getan. Die Pferde mussten später auch Großgrundbesitzer-tauglich sein – sprich: der Südamerikaner an sich neigt ja gerne zum „Herumprollen“ (so stellt man ihn sich zumindest gerne vor) – also braucht man ein tolles, schönes, feuriges Pferd mit ordentlich Pfeffer im Arsch, mords Temperament und beeindruckenden Gängen, aber leicht zu bedienen. Temperament sozusagen als Turbogang zuschaltbar. So macht es natürlich Spaß seine Besitztümer abzureiten und Sonntags vor der Kirche standesgemäß aufzulaufen. So ein Großgrundbesitzer hält sich ja nicht mit so Kleinigkeiten auf wie korrektes Reiten lernen. Auf den Schein kommt es an! Deshalb also leicht bedienbar.

Steckt nicht in uns allen ein kleiner Großgrundbesitzer der einfach gut auf seinem Pferd aussehen will? Deshalb sind wir auch so angetan von diesen Pferden – sie haben das spezielle Etwas – Brio genannt. Brio beschreibt die Mischung zwischen Mut, Stärke, Temperament, Charakter, Feuer und gleichzeitig extrem freundlichem Benehmen der Pferde. Sie gehen für „ihren“ Menschen durchs Feuer – und wir lieben sie dafür! Und dabei sind sie so wunderbar vielseitig einsetzbar – jeder kann „seinen“ Fino finden.

Ordentlich reiten lernen muss man natürlich trotzdem. Da mehr Gänge zur Verfügung stehen, ist das auch nicht immer einfach, aber es macht definitiv mehr Spaß! Man kann mit einem Paso Fino neben dem Tölt – der heißt bei uns im langsamen Tempo „Paso Corto“ und im schnellen Tempo „Paso Largo“ und im ganz versammelten Tempo „Classic Fino“ – natürlich auch Schritt, Trab und Galopp gehen. Auch eine Art Trabtölt – „Trocha“ genannt bieten viele Pferde an.

Grob unterteilt werden die Paso Finos hierzulande in drei Typen:
Pleasure – wie der Name schon sagt soll es ein Vergnügen sein, diesen Typ Pferd zu reiten. Der Pleasure-Typ stellt den Großteil aller Paso Finos. Leichtrittige, unkomplizierte Pferde die unermüdlich und zuverlässig ihre Reiter in lockerem, taktreinen Tölt in verschiedenen Tempi durchs Gelände tragen. Sie sind Freizeitpferde, Wanderreitpferde, Arbeitspferde, aber auch stolze und anmutige Turnierpferde. Eben einer für Alles! Finos können Kühe hüten, sind im Distanzsport unterwegs, eignen sich für klassische Dressur, auch für kleine Springparcours sind sie zu gebrauchen. Man findet für alles den richtigen Paso Fino!

Performance – diese Pferde unterscheiden sich vom Pleasure eigentlich nur dadurch, dass sie insgesamt feuriger, akzentuierter und mit mehr Temperament/Brio ausgestattet sind. Sie besitzen mehr Präsenz, Aufrichtung und Ausstrahlung im Showring gepaart mit sehr viel Vorwärtsdrang. Der Performance-Typ ist die Mercedes-S-Klasse unter den Pferden – mehr PS unter der Haube und deshalb eher für fortgeschrittene, feinfühlige Reiter geeignet.

Classic Fino – der Maybach unter den Pferden, um bei den Autovergleichen zu bleiben. Diese Pferde sind die Königsklasse – gezüchtet für den Showring mit einem Tölt der sehr schnell frequentiert ist, mit möglichst wenig Raumgriff. Weil man den Tölt mit bloßem Auge fast nicht mehr erkennen kann, werden die Pferde über ein so genanntes Sounding-Board geschickt – ein Holzsteg, damit man den Tölt taktrein hören kann. Das klingt dann wie ein Dauerbeschuss von einem Maschinengewehr. Tacatacataca…. In Südamerika und den USA reißt es dabei die Gangpferdefreunde regelmäßig jubelnd von den Sitzen. Hierzulande erntet man jedoch eher spöttisches Gelächel angesichts diesem „hektischem“ Getrippel. Aber wer sich mal eingehört hat, den kann so ein „Sound“ nicht kalt lassen – es reißt einen automatisch mit!

Gerade dieses hektische Getrippel macht süchtig – man sitzt relativ erschütterungsfrei auf einem Classic Fino. Man könnte ein Glas Sekt oder seinen Mittagskaffee mitnehmen, es würde nichts verschüttet werden – aber man fühlt mit was für einer Energie und Kraft das Pferd unter einem arbeitet. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Man glaubt das Pferd setzt sich auf die Hinterhand und gibt seine ganze Energie frei. Dabei ist das Pferd aber am kleinen Finger regulierbar. Unglaublich! Wer das einmal erleben durfte will nichts anderes mehr.

Aber fassen wir einfach einmal zusammen: Der Paso Fino ist in erster Linie ein unkomplizierter und vielseitig einsetzbarer Partner fürs Leben. Mit einer Größe von ungefähr 135 bis 155 cm ist es ein handliches Pferd. Man wünscht sich einen korrekten Körperbau mit zierlichem, aber dennoch sehr belastbarem, trockenen Fundament. Farben kann man auch in allen Lackierungen wählen (außer Tigerschecke). Allerdings mögen viele traditionelle Fino-Leute keine Schecken. Das stammt aus einer Zeit, als die ursprünglich aus Puerto Rico stammenden Finos – sagen wir es mal höflich: als nicht ganz so rittig galten und die waren eben meist Schecken oder mit vielen weißen Abzeichen. In den USA und in Europa sind die Schecken inzwischen sehr begehrt. Aber einen bunten Classic-Fino gibt es meines Wissens nach noch nicht.

2 thoughts on “Was ist eigentlich ein Paso Fino?”

  1. Hallo Christine,
    irgendwie scheint mein erster Kommentar sich in Luft aufgelöst zu haben (dabei war er positiv…). Also hier noch mal meine Glückwünsche zu deiner Seite (finde definitiv NICHT, dass es nicht noch mehr Fino-Seiten geben sollte – kann man davon genug bekommen???). Gefällt mir sehr gut hier und ich werde wohl regelmäßig „zu Besuch“ kommen 😉

    Lieben Gruß aus dem Elsass,
    Britta

  2. Huhu Christine,

    ich muss dir ehrlich sagen dass du eine der besten (und unterhaltsamsten) Rassebeschreibungen geschrieben hast, die ich je gelesen habe – einfach nur klasse :-). Mach weiter so!!!

    Liebe Grüße aus dem Schneesturm,
    Conni

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