Del Cavador

Wie bediene ich einen Paso Fino?

Nun wissen wir schon was ein Paso Fino ist und wozu man ihn gebrauchen kann. Heute besprechen wir wie man ihn bedient. Das ist schon mal eine ganz schwierige Sache – ungefähr so vielseitig zu beantworten wie Kinder kriegen und großziehen. Jeder hat dazu was zu sagen, weil jeder Mutter oder Kind ist. Im schlimmsten Fall beides.

Was ich damit sagen will ist: man kann einen Paso Fino in jeder X-beliebigen Reitweise fortbewegen. Ist ja auch „nur“ ein Pferd. Es gibt Finos die werden eher „Englisch“ geritten, Finos die mit der Clicker-Methode trainiert sind, es gibt Western-Finos, Leute die sich einfach drauf setzen und los reiten, also freizeitreitermäßig ohne es eingruppieren zu können oder in eine Schublade stecken zu wollen. Es gibt Parelli-Anhänger und Finos unterm Damensattel und natürlich Leute, die sich einfach das Beste aller Arten raussuchen und mixen. Die Möglichkeiten sind sozusagen unendlich.

Will man allerdings dieses Original-Feeling haben mit der leichten Bedienbarkeit, dem Brio-Genuss und dem leicht ein- und ausschaltbaren Temperament, dann sollte man seinen Fino nach Art der südamerikanischen Großgrundbesitzer, bzw. deren amerikanischen Nachfahren reiten. Praktisch ist auch wenn man spanisch spricht – jeder gute Fino-Trainer spricht spanisch. Das ist so eine Entdeckung von mir. Also, als Erstes einen Sprachkurs an der Volkshochschule belegen. Schadet ja nie. Mein Spanisch geht übrigens auch nicht über die Bedeutung einiger Pferdenamen hinaus. Hallo sagen geht auch grad noch. Aber ich kann mir nicht mal ein Getränk auf spanisch bestellen. Allerdings habe ich auch nie behauptet ein guter Trainer zu sein.

Dieser traditionelle Reitstil ist wohl am ehesten mit dem Westernreiten zu vergleichen. Man gibt einen Befehl und das Pferd soll diesen möglichst so lange gleichbleibend schön ausführen bis der nächste Befehl kommt. Der Paso Fino soll im Idealfall in lockerer, natürlicher Aufrichtung ruhig, entspannt und ausbalanciert laufen. Dabei soll man sein spanisches Erbe erkennen und das Pferd elegant aussehen. (Diese beiden Sätze habe ich aus unserer Prüfungsordnung entliehen – wer möchte kann sich dort noch intensiver einlesen www.pfae.org (Paso Fino Association Europa e.V.) und dann Prüfungsordnung 2010).

Der Tölt soll gleichmäßig verteilt sein: Vorder- und Hinterhandaktion sollen gleich „stark“ sein. Das lässt den Tölt nicht so spektakulär und raumgreifend aussehen wie zum Beispiel beim Saddlebred Horse oder beim Isländer, bei denen sofort die hohe Vorhandaktion ins Auge sticht. Dafür haben wir die höhere Töltfrequenz und das macht das Ganze wesentlich bequemer und lockerer und natürlich auf dem Holzsteg, dem Fino-Strip, wesentlich mitreißender anzuhören!

Dazu soll der Fino sich selbst schön tragen, was bedeutet dem Pferd wird beigebracht (oder besser schmackhaft gemacht) seinen Kopf in passender Form selber zu halten. Das heißt dann bei uns: der hat ein gutes Headset. Anglizismen sind ja total angesagt. Auch der Tölt soll locker-flockig von alleine kommen ohne Hilfsmittel einzusetzen oder komplizierte Reithilfen zu geben. Hilfsmittel wie verschieden gewichtete Hufeisen oder Hilfszügel oder zusätzliche Gewichte an den Beinen braucht es in der Regel auch nicht um einen Fino gut tölten zu können. Der Fino hat an sich genug natürlichen Tölt um bei richtiger Gymnastizierung ganz von alleine damit anzufangen. Man fängt mit dem Anreiten an und nach einer Phase im Trab oder Trocha bekommt man den Tölt quasi dazugeschenkt, wenn das Pferd sich sicherer wird, genug Muskulatur aufgebaut hat und ein wenig versammelt werden kann. Die Fohlen tölten auch schon frei auf den Weiden herum. Was man als Fohlen hat tölten sehen, das töltet irgendwann auch unterm Sattel.

Gegen Hilfsmittel im Allgemeinen habe ich nichts einzuwenden, aber sie sollen wie der Name schon sagt „Hilfe“ leisten und nach Verinnerlichung des Erlernten wieder verschwinden. Sonst wären es ja „Dauer(hilfs)mittel“. Außerdem erinnern wir uns an den Großgrundbesitzer an sich, der möglichst bequem von A nach B kommen möchte. Glaubt Ihr, der würde sich die Mühe machen Glocken an die Füße zu schnallen und kompliziertes Zügelwerk einzuschnallen? Das höchste der Gefühle ist ein glitzerndes Vorderzeug, um gut auszusehen. Alles so einfach wie möglich und so bequem wie möglich!

Diese Idealvorstellung vom total sensibel gerittenen Pferd, das auf minimale Zügelhilfen reagiert und alles fast von alleine macht, dabei einen Arbeitseifer und eine Ausstrahlung an den Tag legt, die uns vom Hocker fegt … ist natürlich eine Traumvorstellung. Hinter der Idee verbirgt sich ein Haufen Training, viele Rückschläge und Pferde die einen zur Verzweiflung treiben weil nichts so klappt wie man sich das wünscht. So wie in jeder anderen Reitweise halt auch. Wer ein super gerittenes Pferd haben möchte muss sehr hart daran arbeiten. Und zwar nicht nur am Pferd, sondern auch – und das betone ich besonders: vor allem an sich selber. Wer sich dann aber auf das Abenteuer Paso Fino einlässt, seine eigenen Fehler erkennt und beseitigt und bereit ist immer weiter zu lernen um für sein Pferd das Beste herauszufinden und auszuprobieren, der wird mit einem Pferd belohnt, das immer öfter dem gewünschten Idealbild entspricht.

Am Anfang sind es vielleicht einzelne Momente mit endlos langen Durststrecken dazwischen bis wieder ein Erfolgsmoment erscheint. Aber irgendwann werden die Durststrecken kürzer und die Glücksmomente siegen. Dann ist man dem Reiterparadies ein ganzes Stück näher!

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