Del Cavador

Warum eigentlich?

Fragt man sich als Pferdebesitzer nicht ständig: WARUM?

Es ist dunkel, kalt, früh am Sonntag morgen. Aufstehen und Pferde füttern. Eigentlich wäre man gerne liegen geblieben. Warum nur muss das Hobby Pferd sein? Täte es nicht auch eine gelegentliche Reitstunde im Reitverein?

Gepeinigt steht der Pferdebesitzer bei Wind und Wetter draußen, kratzt Pferdebollern jahreszeitenbedingt aus Matsch oder Eis, friert sich Finger und Zehen blau. Warum? Warum spiele ich nicht Schach?

Abends. Kurz vor Knapp. Schnell noch mal am Stall vorbei gefahren. Eigentlich ist man schon zu spät dran und hat sich schick gemacht für eine Verabredung. Was passiert? Pony schnaubt mal kräftig und Schluss ist mit schick gemacht. Oder man kippt sich den Wassereimer über die Hose. Vom Pferdegestank den es gratis dazu gibt mal abgesehen. Man fragt sich: WARUM? Warum habe ich kein anderes Hobby? Briefmarken sammeln soll ja so beruhigend sein.

Shopping. Warum nicht mal was Schickes kaufen? Also mal nicht für die Pferde, sondern um sein nichtreiterliches, ehe schon kümmerliches Sozialleben aufzuwerten. Der Kontostand sagt aber: Ätsch – Leer! Die letzte Tierarztrechnung war schneller. Pony brauchte Wurmkur und Impfung. WARUM? Warum habe ich kein anderes Hobby?

Man ist müde, hat eine Verabredung, muss Arbeiten, eine Familienfeier, was auch immer. Pony hat sich aber verletzt. War ja so toll mit dem neuen Kumpel die Machtverhältnisse zu klären. Pony steht da und leidet. Dickes Bein, humpelt ganz erbärmlich. Was nun? Warten auf den Tierarzt und die Frage: WARUM?

Man verbringt die Zeit im Stall. Rührt liebevoll das gelbe Zeug für den Angussverband zusammen, ruiniert sich dabei die eh nicht gepflegten Hände und die Verabredung. Das gelbe Zeug geht tagelang nicht von den Fingern. Und es stinkt. Vom Kontostand ganz zu schweigen. Das Pony zeigt keinerlei Einsicht und möchte auch nicht in Berührung kommen mit dem gelben Angusszeug. Ist ja nass. Und kalt. Man steht da und denkt sich: WARUM? Wieso keine Kuscheltiere sammeln. Die halten wenigstens still. Und man kann sie in der Waschmaschine waschen.

Weshalb genau versklavt man sich vor diesen Tieren? Sie fordern. Sie sorgen dafür, dass man immer dreckig ist. Sie wollen ständig beschäftigt werden. Sie kränkeln. Sie kosten Geld. Man muss sie umsorgen und füttern. Sie folgen nicht. Sie machen was sie wollen. Sie lassen sich Ideen einfallen, die einen zum Wahnsinn treiben. Jeder normale Mensch würde sagen: Keine Ahnung, klingt gruselig. Warum tust du das? Besorg dir doch einen Therapeuten.

Ein Antwortversuch wäre: Ich leide gerne. Es erzieht mich zu Disziplin und Ordnung. Es macht Spaß. Ich bin an der frischen Luft und bewege mich. Ich bin gut aufgehoben und komme nicht in schlechte Gesellschaft, wenn ich im Stall bin. Wohin sonst mit all dem Geld? Spaß bei Seite, eigentlich fällt mir dazu keine vernünftige Begründung ein.

Außer diese kleinen Momente. Die Momente, die Balsam für die Seele sind. Es ist einfach schön, wenn so eine Fellnase einen freundlich anstupst. Die Grimassen die die Ponys manchmal schneiden und man dann loslachen muss. Wenn das Fohlen einem beim Ausmisten die ganze Zeit hinterher läuft und anhänglich wie ein Hund ist. Wenn das Pony tatsächlich herkommt, wenn man es ruft. Wenn man merkt: Pony erkennt mich tatsächlich und findet nicht nur toll, dass ich Futter bringe. Wenn man zur Begrüßung angegrummelt wird. Wenn man den Pferden beim Herumtollen zusehen kann und dabei diesen tiefen inneren Frieden verspürt. Wenn das Pony liegen bleibt wenn man näher kommt. Wenn eine Übung klappt und man merkt: Es gibt es doch, dieses einswerden mit dem Pferd. Kurz und selten, aber immerhin.

Sind es nicht all diese kleinen Dinge, die einen die Schmach und den Unbill erdulden lassen. Was bleibt da noch zu sagen?

Reiter sind schon ein äußerst merkwürdiges Volk oder?

One thought on “Warum eigentlich?”

  1. Du sprichst mir aus der Seele, Christine :-). Nach dem WARUM habe ich mich bei -20° und tiefgefrorenen Fingern, kaputtem Weidezaun und Schneesturm auch mehrfach gefragt … aber ehrlich, es gibt nichts Schöneres (oder zumindest nicht viel) als dann den Pferden zuzusehen und zuzuhören, wie sie in Ruhe ihr Heu fressen oder einen freundlich anbrummeln, wenn man Sonntag morgens in den Stall kommt. Oder an einem Sommerabend hinterm Stall zu sitzen und ihnen beim Grasen zuzusehen. Das entschädigt dann schon für den mühseligen Rest, finde ich ;-).

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