Del Cavador

Internet am Pferd?

17. März 2012:

Dieser Artikel von mir erschien in der Zeitschrift „Brio“ 2012. Warum ich ihn jetzt noch einmal veröffentliche? Ganz einfach: Man kommt nicht um das Technikzeitalter herum und es gibt inzwischen schon eine Fortsetzung. Aber jetzt erst mal der Anfang:  

Achtung: Ich oute mich jetzt. Ich bin impulskontrollgestört, zwangsgestört, verhaltenssüchtig. Das bedeutet, zu meiner Paso Fino Manie habe ich noch eine weitere Sucht: ich bin ein Opfer der Technik, ein Internetsüchtiger. Es ist aber auch zu spannend, was man alles mit dem Internet im Wald anfangen kann. Es eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten.

Nachdem ich mich in meiner Jugend lange gegen den Erwerb eines Handys gewehrt hatte bin ich in der Jetztzeit völlig abhängig von so einem kleinen akkubetriebenen Gerät, mit dem man sein komplettes Leben planen (oder verplanten) kann. Nebenbei kann man damit auch noch telefonieren. Ich spreche von (m)einem iPhone. Ich werde schon ganz unruhig, wenn es nicht in meiner Sichtweite ist. Aber das charakterisiert ja „SUCHT“. Aber nachdem die meisten Menschen mit iPhone so sind, scheint es unbedenklich zu sein. Jedenfalls beschäftigt sich der Süchtige auch AUF dem Pferd mit diesem elektronischen Wunderwerk.

Die geringsten Ausfallserscheinungen sind da zwangsweises Hervorkramen des Telefons mitten im Wald um zu checken, ob man „Netz“ hat, und ob man Emails bekommen hat, oder mal eben aus dem Gespräch heraus im Internet bei Dr. Google oder Mr. Wikipedia etwas nachzuprüfen. Gelegentlich nachschauen, ob der Akku noch mitmacht, was im Wald totaler Schwachsinn ist. Denn wo will man das Teil aufladen? An der Steckdose an der großen Eiche? DAS sind also die geringsten Anzeichen von Internetsucht.

Kritisch wird es erst, wenn man sich inbrünstig damit beschäftigt, was das Telefon alles noch kann. Für mein Distanztraining letztes Jahr habe ich diverse „Apps“ herunter geladen und getestet. Ich wollte herausfinden, wie viele Kilometer ich in einer Stunde schaffen kann und wie schnell. Wie lange gewisse tägliche Ausreitstrecken tatsächlich sind. Was ich so an Kilometern in der Woche herunter reiße und in welchem Tempo. Da gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Nebenbei kann man mit solchen Programmen noch eine Menge mehr machen.

Meine beiden Favoriten im Bereich GPS auf dem Handy sind: „Motion X“ und „Trackspace“. „Motion X“ (kostet 2,39 Euro im AppStore) ist mein Lieblingsprogramm für Outdoor-Aufzeichnungen. Man kann damit Strecken, Geschwindigkeiten, Höhenprofile aufzeichnen und auch diese Daten auf den eigenen PC bekommen, oder per Email verschicken. Es zeigt einem genaue Koordinaten an, gibt die Strecke in hübschen Balkendiagrammen an und die Karte ist auch sehr gut einsehbar. Man kann Fotos machen und die zum jeweiligen Streckenpunkt hinzufügen. Man kann Motion X bequem im Hintergrund laufen lassen und nebenbei noch Mails abrufen, surfen, telefonieren. Das Programm greift sogar auf den iPod zurück. Man kann also auch beim Reiten oder Wandern mit seiner Lieblingsmusik begleitet sein. Außerdem sieht die Bedieneroberfläche sehr James-Bond-mäßig aus und es hat viele weitere Funktionen, die ich noch gar nicht entdeckt habe.

Mein zweitliebstes Programm ist „Trackspace“. Im Gegenzug zu Motion X eine deutschsprachige Entwicklung. Ich empfehle ebenfalls die kostenpflichtige Version für das iPhone (ca. 2,39 Euro). Diese Programm kann man aber auch auf der Herstellerseite für andere Mobiltelefone bekommen. Diese App ist einfacher gehalten. Man sieht auf den ersten Blick die Karte, wo man sich darauf gerade befindet und in welcher Geschwindigkeit man aktuell unterwegs ist, wie viel Strecke man schon zurück gelegt hat und in welcher Zeit. Es gibt die Möglichkeit sich per PC bei Trackspace auf der Homepage anzumelden und seine Touren dort zu speichern, zu bearbeiten und weiterzuleiten. Man kann dort eigene Touren entwerfen und sich aufs Telefon speichern und die Strecken dann nachreiten. Mit diesem Programm habe ich einige 10 km-Strecken in meiner Umgebung entwickelt. Es ist äußerst praktisch.

Für kurze Strecken, bzw. in Kombination für Leute die auch Joggen oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, eignet sich ein Programm namens „runtastic“. Runtastic ist etwas mehr öffentlicher gestaltet. Man kann auf der Runtastic-Seite veröffentlichen wo man gerade ist, kann „Challenges“ annehmen, man kann seinen Facebook- oder Twitter-Account verlinken und die Gemeinde kann dann lesen, was man gerade macht. Aber es ist trotzdem sehr gut nutzbar.

Mit zunehmender Streckenlänge und Intensität der Nutzung sind mir die Programme leider abwechselnd immer wieder abgestürzt oder haben Streckenteile nicht aufgezeichnet. Also war ich auf der Suche nach etwas robusterem und bin so auf die „richtigen“ GPS-Geräte gekommen. Also genauer gesagt war das im Mai, kurz vor der ersten Distanz. Da hatte ich noch Angst, dass ich die Strecke bei Distanzen verfehle und mich gnadenlos verreite und nie wieder an meinem Hänger ankomme. Im Nachhinein war diese Angst völlig unbegründet. Sie hat mich aber zu einem Schnelleinkauf eines GPS-Gerätes gebracht, das mir heute richtig ans Herz gewachsen ist. Allerdings inzwischen aus anderen Gründen.

Ich habe mir das Dakota 10 von Garmin geholt. Die Laufzeit eines GPS-Gerätes ist natürlich wesentlich länger wie die eines iPhone-Akkus. Testberichte zum Dakota 10 gibt es zu Hauff im Internet, deshalb werde ich darüber jetzt nichts erzählen. Aber das Dakota läuft richtig stabil. Ich habe inzwischen viel über Koordinaten und Streckenführung gelernt. Ein wunderbares Spielzeug für technikbegeisterte Menschen. Es sagt mir sogar, wann die Sonne untergeht.

Mit dem Dakota bin ich auch schon in mir völlig unbekannten Waldregionen unterwegs gewesen. Es hat mich sicher wieder aus dem riesigen Wald heraus gelotst. Mit diesem Teil ist es leicht, sich einfach mal treiben zu lassen. Sprich man reitet einfach los, in unbekannte Gefilde, tiefen Wald, Gegenden die man sonst gemieden hat, weil zu undurchsichtig und kann sich sicher wieder nach Hause navigieren lassen. Dieses Gerät hat mir auf diese Art schon viele schöne Ritte beschert. Einziges Manko am GPS-Gerät: man ist bei Garmin darauf angewiesen zusätzlich teures Kartenmaterial zum Gerät zu kaufen. Mein Gerät läuft derzeit mit einer OpenStreetMap. Das ist eine Karte, die man sich ganz legal aus dem Internet laden kann und nutzen darf. Die ist nicht so ausführlich wie die gekaufte Karte, aber man findet sich zurecht.

Den ganzen Sommer hindurch habe ich so jeden Ritt mit GPS oder Telefon aufgezeichnet und habe mein komplettes Reitverhalten dokumentiert. Krankhaft, aber äußerst Interessant.

Links zu diesem Thema:

www.gps.motionx.com/iPhone/overview/,

www.trackspace.de/,

https://buy.garmin.com/shop/shop.do?pID=30925,

http://www.openstreetmap.de

PS: Inzwischen gibt es massenhaft Programme zur Navigation und für Outdoor-Aktivitiäten für das mobile Telefon in diversen AppStores. Nicht nur für das Apple-Betriebssystem, sondern gerade auch für Android und Windows.

PPS: Wer weitere gute Programm-Empfehlungen für mich hat bitte melden! 🙂

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