Del Cavador

Drei, zwei, eins …. meins?

Juli 2012:

Ich musste mir überlegen, was ich mit der Rubrik „Dimeras Lerntagebuch“ anstellen soll. Ins Archiv schieben? Löschen? Umwandeln? Ich habe mich dafür entschieden die Kategorie einfach in „Lerntagebuch“ zu benennen und dort gelegentlich die Fortschritte (oder Rückschritte) aller meiner Pferde zu dokumentieren. Vielleicht interessiert es doch den einen oder anderen, was ich mir so für das Training überlege.

Ein neues Objekt für Überlegungen und Grübeleien in Punkto Training ist seit Juli in unserem Stall eingezogen. Respuesta, eine knackige Finostute mit viel Temperament. Mein Plan für „Resi“: Erst mal bei ihr „einschleimen“, ihr Vertrauen gewinnen, locker-flockig durch die Gegend tölten und dabei fett grinsen. Die Punkte eins und zwei laufen gerade, der Rest ist noch weit entfernt.

Mit Resi möchte ich mir ganz viel Zeit lassen. Ich möchte sie erst vom Boden aus so arbeiten, dass ich den „Basisstandard“, den ich mir selbst überlegt und zusammengedacht habe sicher jederzeit abrufen kann. Meine Art der Bodenarbeit ist nichts Spezielles, nichts Besonderes. Sie ist ein Sammelsurium aus Ideen großer Trainer und kleiner Trainer, beinhaltet aber einfach meine eigenen „Befehle“ und Vorgehensweisen, die ich mir über die Jahre abgeschaut, überlegt, getestet habe, die für mich funktionieren. Ich möchte auch niemanden dazu bringen ebenso zu arbeiten, oder meine Überlegungen als die Allgemein gültigen darzustellen. Jeder soll sich selber seine eigenen Gedanken machen, dazu hat man seinen Kopf. Es sind einzig und alleine Überlegungen und Gedanken, die für mich persönlich funktionieren und die sich ständig in einem laufenden Prozess der Verbesserung und Veränderung befinden. Das System hat sich mit Dimeras Ausbildung sehr gut entwickelt und wird jetzt einfach weiter verfeinert und getestet. Ich bin kein Profi und möchte auch keiner sein. Ich habe einfach nur Spaß an der Ausbildung meiner eigenen Pferde. Und ich hole mir auch Hilfe, besuche Kurse, nehme Reitstunden, schaue zu was Andere so machen.

Die „Basis“ besteht für mich besteht schlicht und einfach aus folgenden Kriterien:

– Das Pferd soll ruhig stehen können. Es soll überall hin mitkommen. Es soll sich im Alltag manierlich benehmen. Es soll sich überall anfassen lassen.

– Das Pferd muss ruhig und gelassen in alle Richtungen weichen (Seitwärts, Vorwärts, Rückwärts).

– Das Pferd soll auf Antippen einzelner Körperteile oder -Regionen ruhig und gelassen einzelne Schritte machen oder die Beine einzeln anheben. Es soll sich „dirigieren“ lassen.

– Das Pferd soll lernen bestimmte Stimmkommandos immer gleich zu benutzen.

– Das Pferd soll alle Übungen überlegt und ruhig mitmachen. Gerade der Paso Fino neigt ja zu hektischen Temperamentsausbrüchen. Ich möchte versuchen das Temperament gut steuern zu können. Abrufbar „Ruhe“ zu üben und abrufbar „Hektik“ zu üben. Mit dem abrufbaren Wechsel Ruhe/Hektik lassen sich meiner Meinung nach viele Probleme beim Paso Fino lösen.

– Ich will keine hektischen Pferde, die panikartig irgend etwas aus ihrem gelernten Programm abspulen. Ich möchte dass meine Pferde freudig mitarbeiten und mir gerne zeigen was sie alles können und dass sie Spaß daran haben es zu zeigen. Nur wenn die Motivation stimmt können Pferd und Reiter dauerhaft zusammenwachsen. Alles andere ist für mich „Unterdrückung“ und funktioniert nur zeitweise. Ich möchte Pferde, die für mich durchs Feuer gehen, die ihr Hasenherz überwinden und trotz aller Furcht auf die gefährliche „Plastikplane“ steigen oder an einem gefährlichen Baum vorbei laufen. Völlig egal was, sie sollen mir vertrauen und ich vertraue ihnen.

Gut, werden sich jetzt manche denken, Griebel, was hast du dir da wieder ausgedacht. Schaffst du doch eh nicht! Ich habe ja auch nicht geschrieben, dass ich alles hundert Prozent umsetzen kann. Aber es sind meine Ziele und ich habe alle Zeit der Welt. Mehr als mancher Profi, der gezwungen ist schnell ein Pferd anzureiten, weil der Besitzer schnelle Erfolge sehen will oder nur wenig Geld übrig hat für Beritt und Ausbildung. Der Weg ist das Ziel.

Und ich bin zutiefst mit allen meinen Pferden zufrieden. Diosa, die eher ein Motivationsproblem hat, aber furchtbar gerne im Mittelpunkt steht und wirklich ein zuverlässiges Reitpferd für alle Fälle ist. Jacinto, der trotz aller Gangprobleme wirklich viel ganz alleine für mich macht, der mit den Jahren doch etwas ruhiger und zugänglicher wird und inzwischen auch bereit ist einmal über eine Stange Schritt für Schritt zu steigen und nicht gleich zu explodieren. Gut, er ist nicht sicher im Tölt, aber das ist mir egal, die kurzen Phasen in denen ich ihn schön tölten kann sind dann dafür doppelt so schön. Er ist ein zuverlässiges Geländepferd, ausdauernd und lauffreudig. Dimera, die eine für mich perfekte Basis hatte und sich garantiert zu einem sicheren Reitpferd entwickelt hätte. Resi, die sofort annimmt, was ich von ihr verlange und dabei richtig aufblüht und ganz stolz ist, wenn sie gelobt wird und etwas richtig macht. So verkehrt kann das dann alles nicht sein. Und letztendlich ist mir das auch alles Egal was andere Leute denken. Mein Ziel ist es meine Freizeit mit meinen Pferden zu verbringen und dabei in aller erster Linie Spaß zu haben. Und das habe ich  – uneingeschränkt und jeden Tag aufs Neue!

Jetzt bin ich wieder voll ins philosophieren und labern gekommen. Dabei wollte ich eigentlich von Resis Fortschritten berichten.  🙂

Momentan üben wir die Arbeit am Leitseil/an der Longe  – um es mal ganz hyperkorrekt zu beschreiben. Heißt ich stehe in der Mitte und lasse sie im Kreis laufen, verlange von ihr, dass sie Tempowechsel vornimmt, Richtungsänderungen promt ausführt, über Stangen trabt, stehenbleibt, auf mich zukommt, von mir weggeht, so Sachen. Dann versuche ich sie auf Antippen einzelner Körperteile Schritt für Schritt weichen zu lassen. Gerade mit der Hinterhand hat sie da noch Probleme – sie will immer zu schnell „flüchten“. Sie soll vorne die Beine richtig und überlegt kreuzen beim Wenden, was ihr auf einer Seite schwer fällt. Sie soll sich von beiden Seiten gleich gut arbeiten lassen. Damit sind wir gut beschäftigt. Zwischendurch üben wir immer mal eines von unseren Trailhindernissen. Das Podest ist aufgrund ihrer kompakten Größe überhaupt kein Problem und die Wippe kannte sie schon und macht das richtig gut!  Da lässt sie sich auch überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Ich will sie einfach einschätzen lernen, sehen wie sie in bestimmten Situationen reagiert und ihr Vertrauen gewinnen. Und da bin ich auf einem guten Weg.

Foto: Yvi Tschischka, Resi auf der Wippe

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