Del Cavador

Von Drachen und Zwergen?

12. bis 14. August 2016:

Auf dieses Event habe ich mich lange gefreut. Erst einmal, weil es einfach schön ist nach Aegidienberg zu fahren. Zum Zweiten markiert der August für mich persönlich einfach eine positive Wende für dieses Jahr. Es geht jetzt wieder aufwärts. Das habe ich so beschlossen und bisher funktioniert es echt gut. Zur 22. Internationalen Deutschen Meisterschaft im Gangreiten (IDMG) musste natürlich Jacinto „Zwerg“ wieder mit und als Premiere durfte La Respuesta „Resi“ aka das Drachenpony mitfahren. Eigentlich war der Sinn daran Frau Resi etwas zu stressen, um eine gewisse Abspeckung ihrer Figur vorzunehmen und natürlich um eine Begleitung für den Zwerg dabei zu haben. Das Schecktier durfte aufgrund von eventueller Schwangerschaft zu Hause bleiben. Obwohl der schwere Trail wäre echt ideal gewesen für das Schecktier! Genau ihr Ding. Aber fangen wir erst mal von vorne an.

Donnerstag war Anreisetag für uns. Wir hatten wieder unsere tollen Boxen vom letzten Mal – weg vom Schuss, aber toll zum Erholen für die Ponys. Leider hat es das Regnen begonnen, als wir am Nachmittag übers Gelände geschlendert sind und die ersten Leute getroffen haben. In Aegidienberg muss man wettertechnisch immer mit allem rechnen, aber mindestens mit einem Tag Regen. Darum hatten wir auch die dicken wasserdichten Wintermäntel dabei, die echt dringend nötig waren. Um dem Regen eine Chance zu geben wieder aufzuhören sind wir erst mal ins Hotel gefahren, waren kurz Einkaufen und noch einen überteuerten Kaffee am Starbucks an der Autobahn-Raststätte Farnbach trinken. Der neue Ford fährt sich einfach sensationell und hatte noch nicht so viel Gelegenheit ohne Hänger auf der Autobahn. Ich bin begeistert von dem Auto.

Anschließend war es aber immer noch nass von oben. Trotzdem in den Sattel, den Ponys die neuen Gegebenheiten zeigen. Es waren sogar ein paar Schritte Tölt mit dem Drachenpony auf der Bahn möglich. Jacinto ist insgesamt nicht in Hochform, aber nachdem ich seit dem letzten Turnier doch mehr zum Reiten gekommen bin, war ich zumindest mit der Gymnastik zufrieden. Ziel dieses Turniers war nicht irgendetwas zu gewinnen, sondern einfach nur mit Ponys Spaß haben, ein paar Dinge auszuprobieren und die Paso Finos auf der IDMG zu vertreten. Wir waren nämlich dieses Jahr leider die Einzigen. Parallel war nämlich das große Turnier auf der Swiss Paso Fino Farm bei Familie Greb, welches natürlich als Fino-Magnet fast alles angezogen hat. Für mich hat aber die IDMG eine größere Tradition mit vielen schönen Erinnerungen, deshalb habe ich mich für dieses Turnier entschieden. Wobei ich in der Schweiz auch sehr schöne Erlebnisse hatte und sehr gerne dort bin.

Kurz und gut: nach dem Reiten und Bahn zeigen waren wir durchgefroren und darum haben wir den Rest des Abends im hoteleigenen Restaurant und im Zimmer verbracht. Wir haben uns dieses Jahr im Hotel am Markt einquartiert, nachdem auch unsere Traber-Julia dieses Jahr nicht mit dabei war. Eigentlich wollte ich mit Frau Resi unbedingt noch am Langen Zügel auf den Fino-Strip in der Ovalbahn, aber irgendwie hat das nasse Board und die Nässe mich davon abgehalten hinter dem Pony herzulaufen. Also Risiko für meine „Kür“.

Jacinto in Aegidienberg
Jacinto in Aegidienberg – man beachte im Trab! – Foto: Yvi Tschischka

Am Freitag starteten alle Rittigkeiten, Dressuren, Trails und Horsemanship-Prüfungen. Abends gab es die ersten Ovalbahnprüfungen. Der Wettergott meinte es echt gut mit der IDMG und die Sonne brachte mich die nächsten drei Tage auf jeden Fall ordentlich zum Schwitzen. Mit Jacinto bin ich die Mittlere Rittigkeit gestartet und er hat sich richtig gut geschlagen. Sie war meines Empfindens nach noch besser wie die vom letzten Jahr. Also richtig gut. Einzige Verbesserung: Tölt. Da hat es geholpert, aber das ist momentan unser Grundproblem. Von daher war ich richtig zufrieden.

Um 14 Uhr haben wir unsere Ponys für ein Seminar der Paso Peruanos mit Mimi Busk-Downey (PP-Züchterin und Richterin aus Kanada) zur Verfügung gestellt. Das Drachenpony diente als Anschauungsmaterial für die Arbeit am kolumbianischen Bosal und Flexen. Mimi arbeitet nämlich selber sehr viel damit. Es war interessant, dass Dinge, die für uns Fino-Reiter eigentlich normal sind, auch von anderen Trainern gerne eingesetzt werden. Auf jeden Fall fand ich es sehr schön, dass im Rahmen der IDMG eine Paso Peruano-Meisterschaft stattfand und die Möglichkeit für ausführliche Seminare und Frage-Runden gegeben war. Und die Richterin fand ich ziemlich nett und vor allem wohltuend bodenständig.

Am Nachmittag war dann der erste Auftritt vom Drachenpony im leichten Trail geritten. Ich habe ja mit allem gerechnet, aber nicht, dass sie das so schön mitmacht. Sie sah zwar wohl so aus wie kurz vor der Explosion, hat aber super aufgepasst. Sie hat sich sogar einen Klappersack anreichen lassen ohne zu explodieren! Einzig auf den grell-gepunkteten Teppich ist sie nicht drauf gegangen. Aber mal ganz ehrlich: DAS kann ich verstehen. Dieses Ding hätte ich auch nicht betreten 🙂 Sie war toll! Letztendlich hat ihr das einen vierten Platz (von neun Startern) eingebracht mit einer Durchschnitts-Wertnote von 7. Yvi hat gefilmt und ich zeige Euch noch das Video. Wer Resi in Action kennt wird erstaunt sein. Wer noch nie einen „durchgeknallten“ Fino im Aufregungsmodus gesehen hat mag vielleicht abgeschreckt sein, aber ich fand es war eine echt gelungene Leistung.

Jacinto Lieblingsplatz
Jacintos Lieblingsplatz – ausnahmsweise im wachen Zustand – Foto: Yvi Tschischka

Jacinto hat beim Warten unter seinem Lieblingsbaum auch zwei Mädels für seinen Fanclub gefunden. Die beiden Mädels sind auch geritten und immer wenn der Zwerg irgendwo aufgetaucht ist hat man ein helles „Der Zwerg!!!!“ gehört und schon hatte er zwei Mädels an der Backe. Total süß! Am Abend startete Yvi mit Jacinto noch in der Freizeitreitertölt. Auch eine Premiere, Jacinto im Turnier mit einer anderen Reiterin. Ich finde Yvi und Jacinto haben sich toll geschlagen und ein sehr schönes Bild abgegeben.

Samstag:
Ein erneuter sonniger Tag am Gestüt von Familie Feldmann – meine erste Prüfung startete um acht Uhr morgens. Nach einer echt schlechten Nacht (ich schlafe einfach schlecht in fremden Betten) war es echt Balsam für die Seele früh morgens in der Sonne auf dem Pony an der Ovalbahn zu stehen und den ersten Gruppen zuzusehen. Ich hatte spontan die Mehrgang für Freizeitreiter nachgenannt, nachdem die Fino-Prüfungen nicht zustande gekommen sind. Die Idee war einfach mal unter Turnierbedingungen zu checken, ob ich Jacinto in einer Prüfung traben kann. Natürlich kommt man da nicht gegen den schwungvollen Trab von anderen Gangpferderassen an, aber ich wollte einfach mal für mich testen, ob Jacinto trabt. Und ja er tut es. Allerdings nicht sicher und ausdauernd, aber ich kann es auf der langen Seite zumindest abrufen und halten. Von daher ist das noch ausbaufähig. Vor allem, weil er lange überhaupt keinen Trab unterm Sattel gezeigt hat.

Nachdem die Ponys dann versorgt waren ging es erst einmal zurück ins Hotel zum Frühstücken und dann gemütlich dem Turniertreiben zusehen. Inzwischen sind auch Nadine und Johannes vom Zykloopenhof als Zuschauer in Aegidienberg eingetrudelt, um sich auch mal eine Auszeit zu gönnen. Johannes hat sich bestimmt einige Anregungen für den Neuaufbau zu Hause mitgenommen. Nadine hat dann auf den Zwerg aufgepasst (der übrigens sehr gerne am Hang an der Ovalbahn im Schatten steht und herumdöst), damit Yvi Fotos vom Drachenpony in der Präsentation am langen Zügel machen konnte. Das war für mich wirklich eine gelungene Prüfung, vor der sogar ich etwas nervös war.

Mission completed!
Mission completed! – Drachenpony in Action – Foto: Yvi Tschischka

Ich habe ja mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass Resi das so souverän durchzieht. Meine Musik „Mission Impossible“ war übrigens in einer Art Vorahnung ausgesucht. Aber die Mission war total completed! Resi war von Anfang an aufmerksam, hat auf die leichtesten Hilfen reagiert, ist schön getöltet und ist ohne zu zögern über das Sounding Board marschiert, als ob sie noch nie was anderes gemacht hätte (aufgemerkt: ungeübt!). Einzig an der Acht gab es einen kurzen Ruckler. Danach konnte sie sich nicht mehr beherrschen und hat gedreht, aber das hat perfekt gepasst, ich habe es einfach eingebaut und gegrüßt. Das Pony ist anscheinend ein Adrenalin-Junkie. Wenn es jetzt noch unter dem Sattel laufen würde, könnte es ganz viel Adrenalin haben, aber irgendwie ist es mir noch nicht gelungen, das in ihren Kopf zu kriegen. Jedenfalls wirklich toll. Schade, dass die beiden anderen Teilnehmer ihre Pferde zurückziehen mussten, so dass wir diese Prüfung nur zu zweit bestritten haben. Damit ist das Pony formell also Vize-Deutscher Meister in der Präsentation am langen Zügel. Klingt natürlich besser, als zweiter von zwei 🙂

Resi
Respuesta am Board – ich bin mal auf das Bild von vorne von Dagmar Heller gespannt 🙂 – Foto: Yvi Tschischka

Ich bin wirklich froh darüber mich mal in diese Klasse getraut zu haben. Es ist eine sehr schöne Prüfung, man weiß nur nicht wirklich, was genau den Ansprüchen genügt. Es wäre einfacher ein paar Pflichtteile einzubauen und das Augenmerk mehr auf für alle Pferde nachvollziehbaren Basis-Aufgaben zu legen. Dann würden sich vielleicht auch wieder mehr Starter in diese Prüfung trauen. Da sind sich einige bestimmt unsicher, was man zeigen darf/kann/soll. Ähnlich wie in der schweren Rittigkeit. Wobei die eigentlich gut besucht war und die übrigens ganz sensationell von Christiane Kress und Lowland’s Blue Rythm gewonnen wurde. Eine wunderbare Vorführung, in der ich fast Pippi in den Augen hatte, weil es so schön war.

Am späten Nachmittag startete ich dann mein erstes Zwischenfinale und zwar in der Pleasure Gangprüfung. Der Sinn von Zwischenfinalen erschließt sich mir persönlich nicht so wirklich, grad wenn sowieso nur 8 Starter in der Prüfung genannt sind, aber es war mal eine neue Gegebenheit, sein Pony alleine auf der Ovalbahn zu zeigen. Wobei ich mir vorstellen kann, dass das für die Zuschauer unendlich langweilig sein muss, immer nur ein Pferd auf der Bahn zu sehen. Mehr Aktion gibt es natürlich in Gruppen-Prüfungen. Für die Richter ist es natürlich einfacher ein Pferd einzeln unter die Lupe zu nehmen. Da sieht man mehr. Jedenfalls war ich ganz zufrieden mit Jacintos Leistung, wobei ich sagen muss, Tölt ist momentan eher nicht seine Stärke. Da braucht es ganz dringend wieder mehr Training. Er läuft dieses Jahr eher im Holper-Modus, statt schönem lockeren Tölt. Aber wenn es einen Preis für die meisten Gangwechsel innerhalb von zehn Metern geben würde, den würden wir locker gewinnen. Sogar mit Gängen, die es gar nicht gibt.

Galopp
Jacinto im Galopp, den er gerne sehr mutwillig interpretiert …. *hust* – Foto: Yvi Tschischka

Am Abend gab es dann nach den Siegerehrungen für die Prüfungen vom Freitag einen Südamerikanischen Abend mit einer 3-Mann-Band und landestypischen Gerichten organisiert vom Paso Peruano Europa e.V.. Es gab Enchiladas, Papas á la Huancaina, Maissuppe und Mojito-Bowle. Alles sehr lecker und eine echt schöne Idee!

Sonntag:
Der Sonntag startete dann wieder sehr sonnig und für uns komplett Stressfrei. Gemütlich Frühstücken, Auschecken und nachdem die Ponys versorgt waren wieder genügend Zeit, um bei den Prüfungen zuzusehen. Und um sich im fantastisch-gemütlichen Hofcafé des Gestüts einen Milchkaffee zu gönnen. Da gab es übrigens auch lecker Frühstück in stilvollem Ambiente. Das Café ist echt einen Besuch wert. Wer von Euch mal in Aegidienberg ist muss unbedingt eine von den Torten probieren! Ihr werdet begeistert sein. Apropos Catering: Das war dieses Jahr auch wieder topp. Auch für Vegetarier eine tolle Auswahl – ich sag nur sensationelle Tomatensuppe, Salate, Gemüse-Sticks mit Soße zum Dippen und Joghurt mit Früchten neben den obligatorischen Pommes. Man kann also getrost von Ovalbahn zu Cateringzelt pendeln ohne dass einem Langweilig wird.

Auch gab es wieder einige Shops zu bewundern. Yvi konnte ihren Gutschein von der Equitana Open Air bei Gangsalat einlösen, ich habe mir tolle Alpaka-Socken gegönnt. Ich hab ja einen Faible für gute Wolle. Insgesamt war es wieder ein richtig schönes Turnier bei der Familie Feldmann – super Organisation und reibungsloser Ablauf, auch wenn der Zeitplan manchmal hinterher gehinkt ist, aber so hat man mehr Zeit zum zugucken.

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Der Zwerg und sein Doppelgänger! – Foto: Yvi mit Handy

Am Nachmittag habe ich noch mal das gelbe Pony rausgeschleift, damit er noch beim A-Finale der Pleasure-Gangprüfung mitlaufen konnte, oder eher musste. Eigentlich hätte ich mir das sparen können, Jacinto war müde und hat nicht wirklich eine gute Leistung gezeigt, aber irgendwer muss ja auch die hinteren Plätze füllen, was wir ja dieses Jahr dank suboptimalem Tölt und wunderbar gezeigtem Kreuzgalopp konsequent durchgezogen haben. Aber mal ganz ehrlich, wer von Euch hat schon mal drei komplette Null-Noten erritten? Muss man auch erst mal schaffen. Aber egal, ich bin sehr zufrieden mit meinen beiden Ponys. Sie haben sich in ihrem derzeitigen Rahmen echt richtig gut ins Zeug gelegt und alles souverän über sich ergehen lassen. Vor allem auf das Drachenpony bin ich sehr stolz. Meine Befürchtung war ja ein Pony, was komplett durch den Wind ist, sich durch die Bahn hüpft und sämtliche Trail-Hindernisse mittels Feueratem pulverisiert. Aber sie hat komplett das Gegenteil gezeigt. Wahrscheinlich hat sie an dem Turnier sogar noch zugenommen. Aber beide waren dann doch relativ k.o. im Hänger gestanden und nach vier Stunden Autobahn waren wir dann auch wieder zu Hause, wo sich nach einer Dusche erst mal ausgiebig in den Sand geschmissen wurde.

Vielen Dank an die IGV für die Organisation dieses schönen Turnieres und an die Familie Feldmann, dass sie ihre schöne Anlage wieder zur Verfügung gestellt haben. Nächstes Jahr findet die IDMG dann vom 24. bis 27. August in Birrekoven statt. Ein Gestüt, dass wir noch nicht kennen, uns aber schon darauf freuen da auch endlich einmal hin zu kommen.

 

Statistik-Ergebnisse (für alle, die es interessiert – aber in erster Linie für mich, damit ich es nachlesen kann. Ihr wisst schon … schleichende Demenz):
Mittlere Rittigkeit – Jacinto und ich – 3. Platz (8 Starter)
Freizeitreitertölt – Jacinto und Yvi 16. Platz (20 Startern)
Mehrgang Freizeitreiter – Jacinto und ich – 17. Platz (18 Starter)
Pleasure Prüfung – Jacinto und ich – 5. Platz (6 Starter)
Trail leicht – Resi und ich – 4. Platz (9 Starter)
Präsentation am Langen Zügel – Resi und ich – 2. Platz (2 Starter)

 

Also wie gesagt, ich hoffe noch auf ein paar schöne Bilder von http://www.dagmar-heller-foto.de – die ich immer Abends noch im Hotel getroffen habe und die mit Fotos machen den ganzen Tag einen echten harten Knochenjob erledigt hat. Grandioses Durchhaltevermögen!

Und das Video vom Trail versuche ich auch noch in ordentlicher Qualität hochzuladen. Mal sehen. Falls wer die Präsentation am Langzügel von uns zufällig gefilmt hat, würde ich mich echt freuen, wenn mir das jemand zuschicken würde!

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