Del Cavador

Hausarbeit?

27. August 2016:

Es ist wieder Zeit für eine Geschichte. Direkt aus dem Leben. Momentan ist es ja etwas ruhiger, keine Katastrophen, keine Dramen, nix. Nur Sommerhitze. Da ist mir heute diese kleine Geschichte eingefallen:

Ich komme müde von der Arbeit nach Hause. Als ich die Tür öffne flüchtet eine rattengroße Staubfluse unter das Bett. Ich denke: „Uh… da müsstest Du wohl doch unbedingt mal wieder grob durch putzen…“ Ich denke nach. Versetze mich in die Situation der Staubratte. Die denkt sich wahrscheinlich: „NEIN! Lass mich bitte in meinem natürlichen Lebensraum weiterexistieren! Hm. Naja. Es ist ja schon so spät. Also Putzen heute gestrichen. Füße hochlegen, Schlepptop an und ab aufs Sofa.
Beim Putzen und mir ist das ja so: Wenn ich gestresst bin neige ich zu wahren Putzorgien. Meditatives Putzen nennt man das. Physisches Reinigen und dadurch psychisches Reinigen. Da bin ich dann rigoros und gründlich. Aber momentan geht es meinem Seelenleben eigentlich ganz gut, also keine Putzorgien. Schwierig finde ich es im normalen Gemütszustand den Staubwedel zu schwinden. Wobei ich habe gar keinen Staubwedel. Die sind immer so staubig. Irgendwann merke ich dann aber doch: Putzen wäre doch mal angebracht. Staubratten-Schutz hin oder her.

Ich raffe mich auf. Fangen wir mit dem Boden an. Die Staubratten zittern, als ich den Staubsauger anschleppe. Andererseits macht es ja keinen Sinn den Boden sauber zu haben und dann erst abzustauben oder sonst was zu putzen. Fällt ja wieder Dreck auf den Boden. Ich schaue aus dem Fenster. Dabei fällt mir auf, dass man noch den Regen vom Frühjahr dort erkennen kann. Sonst fast nix mehr. Also erst mal Fenster putzen. Die Blumen müssen vom Fenstersims. Dabei fällt mir auf, ist ja gar kein Platz mehr für die Wurzeln in den Töpfen. Die armen Pflanzen. Hm.

Ich packe eine eingekerkerte Pflanze, schleppe sie in den Garten und topfe um. Dabei fällt mein Blick auf den Kräutergarten. Pfefferminze! Oh! So ein frisch gebrühter Pfefferminztee wäre jetzt toll. Ich sammle Minze und gehe zum Wasserkocher. Ups. Der gehört auch mal entkalkt. Erst mal Wasser kochen. Man soll ja viel Trinken. Minztee ist gebrüht. Der Wasserkocher bekommt eine Essigfüllung. Läuft ja mit dem Putzen. Darum mache ich erst mal Pause. Wenn wir schon mal dabei sind, die Sofakissen könnten auch mal eine Erfrischung gebrauchen. Ich schlürfe Tee, blättere in ein paar Zeitschriften. Dort zeigen sie Bilder von toll aufgeräumten Kleiderschränken. Wenn man die Klamotten nach Farbe sortiert sieht das ja schon toll aus. Und man findet alles so schön.

Ich beschließe spontan dem Kleiderschrank eine Erneuerung zu gönnen. Ich reiße ihn auf und verharre regungslos. Warum ist da eigentlich so viel drin? Warum finde ich nie was zum Anziehen, aber das Ding ist proppenvoll? Komisch. Vielleicht wäre es sinnvoll erst mal Sachen auszusortieren. Ich mache Häufchen am Boden. In dieses knappe T-Shirt komme ich eh nicht mehr rein. Und diese Hose da … wann hatte ich die das letzte Mal an? Die Hose hat übrigens ein dezentes Schlangenmuster und unten Schlag. Die mochte ich immer gerne. War aber schwierig zu Kombinieren. Hm. War das damals 1994, auf diesem Konzert, als das alles etwas eskaliert ist … wo … ähm …? Egal. Ich versuche mich reinzuquetschen. Es funktioniert nicht. So ein Mist. Diät wäre auch mal wieder angesagt.

Dabei fällt mir der Küchenschrank ein, in dem ich auch die Naschsachen bunkere. Der wird jetzt aufgeräumt und entschlankt. Irgendwo muss man ja anfangen. Ich verteile das Geschirr großzügig im Raum. Man, da ist ja auch Staub dran. Wie kommt der Staub in den Schrank? Die letzten großen Rätsel der Menschheit. Meine Tassensammlung könnte auch mal reduziert werden. Aber die Tassen erinnern mich an schöne Gelegenheiten, oder an die Menschen, die sie mir geschenkt haben. Ich schwelge in Erinnerungen.

Der Tee schlägt an. Ich muss Pipi. Puh…. das Klo könnte auch mal geputzt werden. Ich schaue mich im Bad um. Mensch, DAS muss dringend mal dran kommen. Ich putze das Klo, scheuere die Dusche und das Waschbecken. Weil ich schon mal dabei bin versuche ich mich am dezenten Schimmel, der sich an den Fugen des Waschbeckens bildet. Wusstet Ihr, dass es da so einen Putzschwamm aus irgend einem wahrscheinlich giftigen Plastik gibt, den man nur nass machen muss und der ganz ohne Putzmittel alles sauber kriegt und sich dabei aber auflöst? Ich bin begeistert von dem Ding, habe aber auch etwas Angst davor. Ich scheuere Stellen damit, die schon lange kein Tageslicht mehr gesehen haben. Wow. Dann packt mich der Rappel. Ich verteile die Baduttensilien im Raum. Die Schränke gehören ausgewischt. Es ist der totale Wahnsinn.

Während es trocknet gehe ich am Bett vorbei. Da ist noch die dicke Biberbettwäsche mit den Weihnachtsmotiven drauf. Und das im August. Kann es sein, dass ich mal wieder die Bettbezüge wechseln müsste? Verdammt. Ich schleppe alles zur Waschmaschine. Das dauert jetzt. Aber frisch bezogenes Bett in Kombination mit frischem Schlafanzug ist das Größte überhaupt. Das brauche ich heute Abend. Und dann schön reinkuscheln und was lesen. Herrlich!

Mein Bauch knurrt. Hunger. Ok. Ich war ja schon fleißig. Essen wir was. Ich mache mir einen Salat – die Diät muss ja mal angefangen werden. Dazu gibt es Pizza. Als Nachtisch Eisschokolade. Hm. So gesund. Ich fühle mich dann doch irgendwie vollgefressen. Es heißt ja, nach dem Essen sollst Du ruhen, oder 1000 Schritte tuen. Ich überlege kurz. Schleppe mich zum Sofa. Ach, es wird schon noch eine Folge meiner momentan geguckten Serie drin sein, dann mache ich weiter mit dem Putzen.

Die Folge endet natürlich mit einem üblen Cliffhänger. Verdammt. Ich muss weiterschauen! Ich will jetzt wissen, wie das ausgeht. Ungefähr fünf Folgen später ist die Staffel zu Ende geguckt. Ich bin zufrieden. Jetzt ist ja auch schon so spät. Da kann ich ja gemütlich ins Bett gehen.

Ich sehe auf. Das Grauen erfasst mich. Staubsauger, Blumen, Geschirr, Klamotten, Schrankinhalt, dazwischen Tassen und Blumenerde. Alles am Boden verteilt. Das Bettzeug noch in der Waschmaschine, das mit dem Trockner hab ich total vergessen. Im Bad Chaos pur. Eingetrocknete Stückchen dies Wunderschwammes glänzen romantisch im Funzellicht der Sparbirne. Ich seufze. Das hat man davon, wenn man sich vornimmt mal zu Putzen. Alles sieht hinterher noch viel Schlimmer aus. Ich darf mich einfach nicht so ablenken lassen!

Ich schnappe mir eine Decke und schlafe in meinen Putzklamotten auf der Couch ein. Muss ich morgen wohl noch mal ran. Mann, das wird wieder ein Tag, an dem mich auf der Arbeit alle fragen: Was ist denn mit Dir los? Harte Nacht oder was? Wenn die wüssten …. wenigstens die Staubratten unterm Bett freuen sich, dass sie noch ein bisschen Schonfrist haben.

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