Del Cavador

Hilfe für den Notfall?

Dimera hatte sich auf der Fohlenkoppel damals eine häßliche Platzwunde an der Nase zugezogen. Die Narbe fand ich immer ganz süß, aber es hätte leicht auch mehr passieren können – Foto: privat

Mai 2018:

Heute geht es um Versicherungen. Langweilig!!! – denken bestimmt einige, aber manchmal muss man sich eben auch um langweilige Dinge kümmern, die einem im Notfall ziemlich viel Rennerei und Kosten ersparen können. Wir sprechen heute über Operationsversicherungen bei Pferden.

Basic-Infos?
In Deutschland gibt es momentan drei große Anbieter für OP-Versicherungen: Allianz, Uelzener und R+V-Versicherung. Bei allen dieser drei Anbieter hat man die Möglichkeit zwischen drei verschiedenen Paketen zu wählen. In der Regel ein Basis-Angebot, ein Mittleres Angebot und ein Premium-Angebot. Preislich fängt das bei unter 10 Euro im Monat an und hört bei ungefähr knapp 40 Euro pro Monat Versicherungsschutz pro Pferd auf.
Natürlich muss man sich genau anschauen, was die jeweiligen Pakete enthalten. Das günstigste Paket enthält eine Beteiligung von 1.500.- € als Bezuschussung für eine Operation, was im Ernstfall nur der Tropfen auf einen heißen Stein an Kosten sein kann. Von daher Augen auf bei der Tarif-Wahl.
Auch die Möglichkeit von Selbstbeteiligungen muss man sich am Besten in einem Rechenbeispiel überlegen. Meistens bringt es im Ernstfall tatsächlich mehr, sich für ein höheres Versicherungspaket ohne Selbstbeteiligung zu entscheiden, hier „spart“ man dann im Ernstfall ordentlich Geld ein. Manchmal werden auch nur Vollnarkosen übernommen. Was ist aber, wenn das Pferd nur eine Standnarkose oder sogar nur eine lokale Sedierung benötigt?
Sind wir mal ehrlich, von einer OP-Versicherung profitieren insbesondere Reiter, die kein Geld für teure Tierarztbehandlungen auf der hohen Kante haben. Wer genügend gespart hat oder reiche Eltern hat ist hier fein raus und kann eigentlich aufhören zu lesen und stattdessen lieber Shoppen gehen. Eskadron hat ja die neue Sommer-Kollektion herausgebracht ….

Alle anderen haben die Qual der Wahl und die kann verwirrend sein. Je nach unterschiedlichem Versicherungspaket kann man auch Nachbehandlungstage für die Tage nach der Operation in der Klinik bekommen, bildgebende Verfahren werden erstattet (Röntgen, CT, MRT, Ultraschall), es werden unterschiedliche GOT-Sätze (Gebührenordnung für Tierärzte) erstattet, teilweise auch regenerative Therapien. Die Gebühren können im einfachen bis dreifachen Satz erstattet werden, je nach Schweregrad und angewendeten Methoden. Eine Erstattung des einfachen Satzes bei günstigen Versicherungen bringt jemandem, der sowieso kein Geld gespart hat im Prinzip überhaupt nichts. Die Kosten für eine Klinikbehandlung beim Pferd rutschen ganz schnell in den finanziellen Bereich, in dem man sich dafür stattdessen schon einen nagelneuen Kleinwagen mit sämtlichem Schnickschnack kaufen könnte. In Sonderlackierung. Mit Glitzer.

Auch das Pferdealter spielt eine Rolle bei Versicherungen. Seit 2016 gibt es zum Beispiel bei der Uelzener keine Altersbeschränkung für die Aufnahme mehr. Auch Pferde, die älter als 12 Jahre sind können noch zur 100%tigen Deckung versichert werden. Früher wurden alte Pferde gar nicht mehr aufgenommen. Und gerade im Alter ist der Verschleiß und die Anfälligkeit ja höher. Es ist ja wie beim Menschen, je älter, desto hinfälliger. Oder verkraftet Ihr etwa lange Partynächte noch genau so, wie damals mit Anfang 20? Also ich auf jeden Fall nicht. 🙂

Warum überhaupt eine OP-Versicherung für Pferde?
Eine OP-Versicherung übernimmt nicht die kompletten Tierarztkosten, die ein Pferd verursacht, aber sie hilft im Ernstfall eine wichtige Entscheidung zu erleichtern, die man sich ohne große finanzielle Rücklagen nicht leisten könnte.

Kolik bei Pferden – das kann schnell tödlich oder super-teuer enden. Resi in der Phase kurz vor dem zweiten Tierarzt-Besuch. Wir sind dann in die Klinik gefahren, weil die Krämpfe nicht besser wurden – Foto: privat

Ein Beispiel: Das Drachenpony hatte im Dezember eine Kolik. Deswegen war unsere Haustierärztin zweimal da und es wurde ein prophylaktischer Aufenthalt in der Tierklinik fällig. Dieser Aufenthalt beschränkte sich auf eine Nacht (weil am nächsten Tag Weihnachten war, deshalb fielen jetzt nicht so exorbitant hohe Kosten an). Eine Operation war zum Glück nicht notwendig. Die hätte ich mir auch gar nicht leisten können.
Eine Kolik Operation kostet je nach Umfang zwischen 5.000 und 12.000 Euro. Das Geld habe ich nicht auf der hohen Kante liegen und ich bin auch nicht gewillt mich wegen einer Pferde-OP in Schulden zu stürzen. Ich hätte mir das Leben meines Pferdes also nicht leisten können. Ich saß in der Klinik, es lag ein anstrengender Tag hinter mir und es war ungewiss, wie es mit Resi weiter geht und ich musste ein Papier unterschreiben, in dem ich auf eine Kolik-Operation verzichte, falls es meinem Pony über die Nacht schlechter gehen sollte. Das ist eine große Entscheidung, die man da fällt. Eine Entscheidung über Leben und Tod. Eine Entscheidung, die mir natürlich nicht leicht fällt, aber die ich mit einem finanziellen Polster hätte abmildern können.

Natürlich muss ich mein Pferd nicht künstlich am Leben erhalten. Ich habe als Tierbesitzer immer noch die Pflicht meinem Pferd ein Leben mit hoher Lebensqualität zu ermöglichen. Dazu gehört auch, dass ich im richtigen Moment die Reißleine ziehen kann und muss, wenn es meinem Pferd nicht mehr gut geht. Dazu gehört aber auch, dass ich die Möglichkeit einer Operation, in Betracht ziehen muss, wenn sie Sinn macht.

Kolik Klinikaufenthalt – wir konnten müdes, aber lebendiges Pony mit nach Hause nehmen – Foto: privat

In meinem Fall hätte ich einer Operation, die den Dickdarm meines Pferdes betrifft gerne zugestimmt. Hier liegt die Überlebenschance ziemlich gut und die Pferde werden meist schnell wieder normal einsetzbar. Prinzipiell: Wenn ich einer Operation zustimme, muss ich mir ja auch immer überlegen, wie geht es danach weiter? Kann ich mein Pferd wieder reiten? Bleibt es für immer eine Kostenfalle?

Nennt mich ruhig herzlos, aber nachdem ich keine Millionen auf dem Konto liegen habe, kann und will ich mir die Bürde für ein chronisch krankes Pferd nicht aufbinden. Ich möchte mit meinen Pferden Dinge unternehmen und Reiten. Ich kann mir kein chronisch krankes Pferd leisten. Irgendwann vielleicht kann ich das finanziell nicht mehr stemmen und dann? Was ist dann mit meinem Pferd? Soll ich es dann in eine ungewisse Zukunft entlassen, indem ich es als „Beistellpferd“ leicht eingeschränkt, aber schweineteuer in einer kostenlosen Internet-Annonce verscherbele?

Die nächste Frage ist nach einer großen Bauch-OP: Wie lange braucht das, bis es wieder verheilt ist? Kann mein Pferd danach im Offenstall leben? Benötigt es Extra-Aufwand? Dauermedikamente? Dauer-Behandlungen? Das sind alles Fragen, die man nicht leichtfertig beantworten möchte, mit denen man sich aber auseinandersetzen muss.

In meinem Fall wäre ich bereit gewesen dem Drachenpony eine Operation zu bezahlen, die Erfolg verspricht. Als Tierarzt kann man eine gewisse Einschätzung abgeben, wo die Kolik liegt und wie der Aufwand ist. Spätestens, wenn der Bauch dann offen ist, wird das ganze Dilemma sichtbar. Klar ist dann noch keine Garantie auf Überleben gestellt, aber mit einer Operationsversicherung im Rücken hätte ich im Dezember diese Möglichkeit gehabt. So blieb mir nur übrig in der Nacht nach Hause zu fahren mit dem unguten Gefühl, dass ich eventuell gerade mein Pony zum letzten Mal Lebend gesehen habe.

Glücklicher Weise ging bei Resi alles gut. Die Kolik konnte durch Magenschlundsonde, Bewegung, Medikamente und Flüssigkeitszufuhr behoben werden. Also durch eine intensive „konservative“ Therapie, die natürlich eine OP-Versicherung nicht abgedeckt hätte. Aber eine konservative Therapie mit einem Tag Klinik und vorheriger Haus-Tierarzt-Untersuchung kostet jetzt nicht die Welt. Versteht mich nicht falsch, ich habe rund 1.500 € nicht einfach zu Hause liegen, aber es fällt einem leichter so einen Betrag anzusparen, zusammenzukratzen, abzuzahlen, als die Kosten einer Bauch-Operation, die zwischen 5.000 und 12.000 € angesiedelt ist. Ohne die Folgekosten. Sowas verheilt ja nicht innerhalb von 10 Tagen, sondern zieht sich bis zu einem halben Jahr hinterher. Das kostet ja auch noch Geld, das bezahlt werden möchte. Und ich bin wirklich nicht gewillt mich wegen meiner Pferde in eine Bank setzen zu müssen und einen Kredit aufzunehmen, den ich dann völlig überteuert abstottere und mir danach nichts mehr leisten kann. Oder einem illegalen Geldverleiher meine Seele zu verkaufen und dann Schläger-Trupps in den Stall geschickt zu bekommen.

Von daher hatte ich Glück. Und hatte mir endlich vorgenommen mich ernsthaft mit dem Thema Pferdeversicherungen auseinander zu setzen. Nachdem ich ja ganze drei Pferde besitze, die schon etwas älter sind, und keines davon Geld scheißt, ist eine OP-Versicherung eine echte Kostenfrage. Ganz ehrlich, wenn ich „nur“ ein Pferd hätte, würde ich vielleicht sogar eine komplette Krankenversicherung für Pferde ausprobieren. Da ist letztendlich alles enthalten wie bei einer Krankenversicherung für Menschen, auch Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen und Wurmkuren zu einem gewissen Betrag. Das wäre eine spannende Erfahrung, aber nachdem so etwas ab über 100.- € im Monat Beitrag kostet, entfällt das in meinem Fall für drei Pferde.

Verletzungen bei Pferden sind schnell passiert – Humpel-Diosa in jungen Jahren – Foto: privat

Versicherungsmakler?
Was ich also suchte war eine Versicherung, die mir im Ernstfall die Möglichkeit bietet Operationen oder ausführlichere Behandlungen zu ermöglichen. Eine große Hilfe ist da eine Versicherungsmaklerin, die einem nicht nur die Versicherung „andreht“, sondern die auch im Ernstfall hinterher für einen da ist.

Yvi (die ja auch für den kleinen Diego Versicherungen benötigt) und ich hatten ein nettes persönliches Gespräch mit Christine Schramm (einer unabhängigen Versicherungsmaklerin aus Würzburg), die extra zu uns an den Stall kam, um uns im direkten Gespräch über unsere Optionen zu informieren. Das finde ich immer besser, wie nur telefonischen Kontakt. Ich sehe Menschen bei wichtigen Gesprächen gerne direkt in die Augen und frage auch gerne nach. Wenn es sein muss auch mehrfach. Christine hat uns ausführlich informiert, unsere Fragen beantwortet und uns nicht in eine bestimmte Ecke gedrängt. Sollten wir unsere OP-Versicherungen in Anspruch nehmen können/sollen wir uns sogar jederzeit an sie wenden. Sie berät uns und unterstützt uns dann. Was ja gerade in Bezug auf komplizierte Verhaltensmuster von Versicherungen sehr viel Wert ist. Gerade wenn man dann sehr aufgeregt ist, weil das geliebte Tier krank ist. Da vergisst man schon einmal etwas, oder ist verwirrt. Von daher bietet mir das eine gewisse Beruhigung. Wobei mir als Mensch, der in einem Krankenhaus arbeitet, eigentlich solche Dinge geläufiger sind, wie bei Menschen, die nicht jeden Tag von bescheuerten Krankheiten und den seltsamen Bezahl-Nicht-Bezahl-Ideen von Krankenkassen umgeben sind.

Meine Wahl?
Ich habe mich für alle drei meiner Ponys für eine OP-Versicherung im mittleren Paket-Segment entschieden. Gerne hätte ich natürlich das Premium-Paket genommen, aber mit relativ alten Pferden ist das echt eine Geldfrage. Aber im mittleren Preissegment bin ich mit meinen Ponys gut aufgehoben. Die wichtigsten Operationen sind versichert. Nicht als Schlüsselloch-Chirurgie, keine Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Hernien-OPs und Gelenk-Chip-Erkrankungen, aber damit kann ich Leben. Auf jeden Fall sind Kolik OPs und operative Frakturbehandlungen versichert (neben einer ganzen Menge anderer Dinge, auch Nicht-Operative Behandlungen) und das ist genau das, was ich für den Notfall wollte. Die Sicherheit, meinen Ponys zu einem akzeptablen Preis mehr bieten zu können.

Mit einer Vertragslaufzeit von 10 Jahren bin ich dann monatlich in in einem Preissegment, das ich stemmen kann. Wir sprechen hier von 20-25 Euro pro Pferd (bei drei Pferden gibt es auch noch einen Rabatt :-)). Das bedeutet ich gebe im Jahr für ein Pferd 240-300 € Versicherungsbeitrag aus. Für drei Pferde sind das 720 – 900 € im Jahr. Eine Kolik-Operation kostet ab 5.000.- € (tendenz steigend) – sprich: ich bin theoretisch günstig gefahren mir eine OP-Versicherung zu leisten. 5.000 € – diesen Betrag erreiche ich in 6 bis 8 Jahren bezahlen der Versicherungsgebühr. Plus „Nachbehandlungs“-Geld hätte ich so rein rechnerisch ungefähr eine Kolik-OP innerhalb von zehn Jahren gezahlt. Ich hoffe Ihr könnt dem Beispiel folgen 🙂

Wenn eines meiner „alten“ Pferde vorher sterben sollte erlischt der Vertrag natürlich. Von daher fühle ich mich jetzt sicherer. Ich bin mein bisheriges Pferdeleben zwar sehr gut gefahren mit Tierarzt-Kosten und auch benötigte ich den Tierarzt meist nur zu Impfungen und Routineuntersuchungen, aber man weiß ja nie, was die Zukunft so bringt. Und die Ponys werden auch nicht jünger. Frau Drachenpony ist jedenfalls nach einer sechsmonatigen Wartezeit für eine Kolik-Operation versichert. Das bedeutet für mich: nächstes Weihnachten kann ich pferdetechnisch ganz entspannt angehen.

Der Klinik-Aufenthalt ist glimpflich verlaufen – Überwachung, Nahrungsaufbau und Rekonvaleszenz in der Krankenbox zu Hause – Foto: privat

Fazit?
Ob OP-Versicherung ja oder nein muss jeder selber entscheiden. Es gibt tolle Möglichkeiten. Ein Versicherungsmakler hilft hier auf jeden Fall weiter. Mir verhilft die OP-Versicherung zu einer gewissen Sicherheit in der Zukunft, da ich nicht die finanziellen Mittel habe, um eine Operation aus der Portokasse zu bezahlen. Konservative Behandlungen bleiben trotzdem „Selbstzahlerleistungen“. Ein gewisses Polster für Tierartzbehandlungen anzusparen bleibt nicht aus. Man lebt mit Versicherung entspannter.

Hier ein paar Links zu OP-Versicherungen:
Hier kann man sich den Preis für eine beispielhafte Versicherung selber ausrechnen

Hier sieht man ein paar Möglichkeiten im Vergleich

Hier die Homepage und Facebook „unserer“ Versicherungsexpertin Christine Schramm

 

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