Del Cavador

Pferdebesitzer-Typisierung?

Zwergenliebe – Foto: Yvi Tschischka

01. März 2019:

Nach ein paar Jahrzehnten Pferde-Stall-Leben habe ich inzwischen ausreichend zwischenmenschliche Geschichten erlebt, um schreiend davon zu rennen, vor-und-zurück-schaukelnd in der Ecke zu sitzen*, oder die verschiedenen Typen einfach in Schubladen zu stecken. Falls sich jemand angesprochen fühlt, muss er nicht, kann er aber. Mischtypen sind übrigens auch möglich. Wer erkennt sich wieder? 

Macher:

Macht einfach. Lässt sich wenig reinreden, probiert mal herum, sucht sich Inspiration, übernimmt die, wenn sie taugt in seine eigenen Gepflogenheiten. Ist pragmatisch. Sorgt sich zwar um sein Pferd, aber auf einem gesunden Niveau. Das Pferd ist kein Ersatz für irgend etwas. Das Pferd darf Pferd sein. Das Pferd darf sich dreckig machen und ein Eigenleben führen. Der Macher wirkt oft etwas Seltsam, ist aber Kompetent und für fast jeden Blödsinn zu haben. 

Rentner-Bespaßer:

Leute mit alten oder chronisch kranken Pferden, die einfach nicht mehr geritten werden und nur noch „getüddelt“ werden. Was ja auch gut ist. Schließlich haben die Pferde ihr ganzes Leben beim Rentner-Bespaßer verbracht und jetzt wird ihnen dafür gedankt. Was super ist. Hier findet man viele lustige Symbiosen zwischen Pferd-und-Mensch. Oft sehr amüsant für Außenstehende. Es schleichen sich viele kleine Rituale ein, die mit anderen Pferden so nicht funktionieren würden, sich über die Jahre eingeschlichen haben und hier ihren besonderen Charme haben. Die Pferde dürfen Pferd sein und bekommen extra Aufmerksamkeit. 

Psycho-Tüddler: 

Menschen, die Pferde als Ersatz für irgend etwas haben. Meist Menschen, die mit sich selbst nicht im Reinen sind. Sie projizieren viele Dinge auf die Pferde. Oft Krankheiten, Emotionen und Gewohnheiten. So ein Pferd hat es nicht einfach. Die Umwelt dieser Menschen und andere Einsteller übrigens auch nicht.

Das komplett (miss-)verstandene Tier bekommt schon eine Decke bei 20° Plus im Schatten, drölfzig verschiedene Zusatzfutter-Mittelchen, eine spezielle Art der Ganzkörpermassage und Spezial-Putz-Sessions. Klangschalen und Räucherstäbchen sind auch ein Thema. Gerne wird mit so Methoden wie Tierkommunikation oder gewaltminimiertem Kuschel-Training gearbeitet. Der Osteopath ist ungefähr fünf Mal im Jahr da. Der Tierarzt potentiell öfters, gerne auch umsonst. Was ärgerlich für den Tierarzt ist, der kostbare Zeit verschwendet, in der er hätte echte Patienten behandeln können. 

Im Idealfall ist das Pferd ein Schaaf und wird einfach lethargisch, weil „Todgetüddelt“, oder es trampelt seinem Besitzer auf der Nase herum (… gerne auch wortwörtlich). Insgesamt hapert es dem Tüddler an realem Verständnis für Pferdeverhalten. Kann lustig sein. Kann aber auch gefährlich sein. Dieser Typ verlässt relativ zügig wieder den Stall, weil er mit den ganzen seltsamen Menschen um sich herum nicht zurecht kommt – oder weil das Pferd sich nicht zu Hause fühlt; wahlweise negative Feng-Shui-Schwingungen in seiner Box hat. Oder der Hafer** nicht rechtsgedreht gelagert wird. Irgendwas ist immer.

Selten-Da: 

Hat zwar ein Pferd, stellt es gut unter (zahlt Miete und Tierarzt, ect) und überlässt es weitestgehend sich selber. Was nicht das Schlechteste ist. Der Selten-Da kommt immer mal zum Reiten, das Pony ist aber eigentlich in der Herde gut aufgehoben. Freut sich dann, wenn es menschliche Ansprache hat und hat so eigentlich ein ziemlich entspanntes Leben. 

Drama-Queen:

Eigentlich geht es hier gar nicht um das Pferd. Das Pferd ist nur ein Transportmittel der mentalen Ergüsse. Man hat zwar ein Pferd, aber letztendlich legt man viel Wert auf das, was andere Menschen sagen und machen. Bestätigung und Beliebtheit sind hier die Zauberworte. Man muss schon aufpassen, das solche Menschen nicht abkippen und in die Fänge von anderen Drama-Queens geraten. Die Dramas gibt es nämlich in mehreren Ausprägungen: Drama-Queens, die selber leiden und Drama-Queens, die Drama machen. Nämlich immer dann, wenn sie keine Aufmerksamkeit mehr bekommen. Sehr kompliziert. Sehr nervig. Aber eine wahre Fundgrube für gute Geschichten. 

Hardcore-Turnier-Reiter:

Kommt zugegeben im Offenstall nicht oft vor. Das Pferd wohnt eher in einer Box, bekommt regelmäßiges Training, wird eher als Sportgerät gehalten. Wenn es die Leistung nicht bringt kann es auch weiter verkauft werden. Sehr zielorientierte Reiter. Die Pferde haben nicht so viel zu lachen, außer sie sind auch ein bisschen masochistisch veranlagt.

Traumichnicht:

Trauen sich einfach nicht. Finden immer, dass sie etwas nicht richtig machen, oder zu schlecht sind. Dabei haben sie die gechilltesten und tollsten Pferde im ganzen Stall! Sie machen sich ständig Gedanken, dabei könnten sie einfach machen und genießen! 

Einhorn-Glitzer:

Lebt in seiner eigenen Welt. Einhörner in Maßen genossen sind ja ganz ok. Vor allem wenn sie Sekt dabei haben – aber für immer und mit Dauerglitzer? Ne. Der Typ Einsteller schwebt in eigenen Sphären, wirkt als ob er ständig auf Droge wäre. Äußerst atmosphärische Menschen, anstrengend. Deren Ponys sind die reinsten Geisterwesen, unglaublich toll, unglaublich intellent***, und unglaublich erfolgreich. Außerdem ist deren Verbindung zum eigenen Pferd sowas von Zwei-Seelen-ein-Gedanke-Mäßig, dass mir grundsätzlich dabei richtig schlecht wird.  

Horsemanshiper:

Hier wird gehorsemanshipt, was das Zeug hält. Alles was Freiheit, Leichtigkeit und Natural verspricht (und dazu das passende Equipment verkauft) ist bei diesem Typ total im Trend. Da wird mit Halsring ausgeritten, obwohl der Zossen keine Bremse und keine Lenkung hat. Braucht er ja nicht, weil er nur durch Gedankenübertragung gearbeitet wird. Funktioniert halt so lange super, wie keine Kreuzung, Eisenbahn oder Bundesstraße im Weg ist. So eine Dampflock hat halt einfach mal die höhere Durchschlagkraft. Fragt „Apollo 13“ (aus „Der Schuh des Manitu“), der kannte sich damit aus (R.I.P.). Die Pferde sind hier gerne mit ihren Besitzern überfordert, alle anderen übrigens auch. Sehr stressy. 

Daswarschonimmerso:

Horror für jedes Pferd und jeden Menschen. Leute, die ihre Pferde so und so behandeln, weil das schon immer so war. Da wird nix hinterfragt, weil das war schon immer so. Da wird nicht nachgedacht, weil das war schon immer so. Da wird nix an der Routine geändert, weil das war schon immer so. Kommen übrigens nicht so wirklich klar mit Leuten, bei denen alles anders ist. Komisch oder? Das war schon immer so. Argh!

Habe ich jemanden vergessen?

* der Fachbegriff dafür ist übrigens „Jaktation“ (falls ihr mit Fachwörtern angeben wollt 

** hier wahlweise Heu/Stroh/Schubkarren/Wassereimer #jedesbeliebigeworteinsetzen

*** intelligent wurde mit Absicht falsch geschrieben. Ist so ein T(r)ick von mir. 

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