Del Cavador

Alkoholtest?


5. März 2019:

Die Yuppie-Karre auf nem dunklen Parkplatz – Foto: Privat


Letztes Wochenende. Kathrin und ich kommen vom kleinen Abendschoppen zurück gefahren. Auf einmal steht ein neongelber Mensch auf der dunklen Straße und fuchtelt aggressiv winkend mit einer Kelle vor mir herum. Ich bin erst irritiert, erkenne dann aber: Ah! Polizei. Eine Kontrolle. 

Ich lasse die Scheibe runter und frage: „Was geht denn hier vor sich?“ 

„Guten Abend, Polizeikontrolle. Halten Sie hier und machen Sie das Fahrzeug aus!“

„Genau hier?“

„Ja, Fahrzeug aus. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.“ er guckt streng.

„Ok, Moment bitte, ich bin schon lange nicht mehr kontrolliert worden. Das macht mich etwas nervös.“ 

„Hmhm.“ Prüfender Blick mit Taschenlampe ins Fahrzeuginnere während ich in meiner Handtasche herum krusche. 

„Haben sie einen nicht abgelaufenen Verbandskasten und ein Warndreieck?“

Ich strahle ihn an und sage: „Natürlich!“ 

„Würden Sie mir den zeigen?“

„Na, da haben Sie aber Glück, dass das ganze Pferdefutter nicht mehr im Kofferraum ist, sonst wäre es etwas schwer geworden da ran zu kommen. Sie haben hoffentlich keine Pferdehaar-Allergie?“

Er guckt komisch. Wir steigen aus und ich gehe an den Kofferraum. 

„Gucken Sie mal, der geht sogar von alleine auf! Toll oder?“

Er antwortet nicht. Der Kofferraum geht piepsend auf. 

„Ah – hier, mein Warndreieck. Es ist sogar noch eingeschweißt. Sehr vorbildlich oder?“

„Danke, sehr gut.“

„Wollen Sie auch meinen erste Hilfe Kasten sehen? Der muss hier irgendwo sein, den habe ich neu seit dem letzten TÜV.“

„Nein geht schon, das sieht hier sehr gut aus.“

„Na kommen Sie, wenn ich schon kontrolliert werde, dann möchte ich auch korrekt kontrolliert werden! Ich such ihn eben!“

„Nein, lassen Sie mal – alles gut!“ Ich krame weiter und frage: „„Möchten Sie meinen Führerschein auch sehen?“

„Den haben Sie mir gerade gegeben.“

„Echt? Kann ich ihn wieder haben?“

„Gleich. Haben Sie etwas getrunken?“

Ich überlege kurz, ob ich Lügen soll. Ich habe nämlich einen Faible für nette Männer in Uniform. Andererseits habe ich auch einen Faible für Männer in Uniform, die dann „böse“ werden, aber das wäre hier wohl unangebracht. 

„Ja. Ein 0,1 Glas Rotwein. Bürgerspital. Jahrgang 2015. Ein Caberne Sauvignon, im Barrique gereift, feinste Aromen von grünem Paprika und Tabak, pfeffrig, würzig im Abgang. Sehr interessante Geschmackskonstellation.“

Kathrin nickt.

Er schaut uns mit so einem komischen Blick an. 

„Würden Sie bitte mitkommen für einen Alkoholtest?“

Kathrin fragt: „Darf ich auch mitkommen? Ich wollte auch schon immer mal Pusten!“

Ich frage: „Wenn ich mich widersetze, werden Sie dann Böse?“

Er seufzt. Ich glaube ein Augen-Rollen wahrgenommen zu haben. Wir wackeln ihm hinterher.

„Hier, Ihr Mundstück.“ Er reicht mir ein in Plastik eingeschweißtes Ding. 

„Packen Sie mal aus und stecken Sie das hier rein.“ Er hält mir den Alkomat vor die Nase. 

„Wie? Ich muss das selber auspacken? Wo bleibt denn da der Service?“

„Machen Sie bitte einfach…“ ich füge mich. 

Ich puste. Das Gerät piepst und neugierig linse ich aufs Display.

„0 Promille??? Das kann doch gar nicht sein! Ihr Gerät ist kaputt!“

Er guckt mich wieder so komisch an. 

„Darf ich nochmal? Da müsste doch zumindest ein bisschen was sichtbar sein! Wir wollen das doch ordnungsgemäß testen! Es geht hier schließlich um die Verkehrssicherheit.“

„Nein, sie dürfen nicht mehr. Das ist gut so.“

„Aber es ist NULL!“ Ich stampfe mit dem Fuß auf. 

Kathrin mischt sich ein: „Darf ich jetzt auch mal?“ 

Er stöhnt. „Sie müssen aber das selbe Mundstück verwenden.“ Kathrin pustet auch. 

„Auch Null?! So geht das doch nicht. Ist dieses Gerät ordnungsgemäß geeicht worden? Haben Sie das kontrolliert? Wann war es zuletzt beim TÜV? Haben Sie einen Beleg bei sich? Wir fühlen uns hier nicht ordentlich überwacht! Und was ist mit dem Plastikmüll hier? Darf ich das Ihnen zurück geben?“

„Nein, das schenke ich Ihnen.“

„Das ist aber nicht sehr Umweltfreundlich. Haben Sie mal an die Wasserschildkröten im Meer gedacht? Diese ganzen Videos  auf Facebook, wo diese armen Tiere sich aus dem Plastik nicht mehr befreien können. Ganz Schlimm. Dieser ganze Verpackungswahnsinn. Nachhaltig geht anders. Und alles wegen NULL Promille. So geht das doch nicht! Da muss es doch eine andere Lösung geben!“

Er seufzt. 

„Sie sind hier fertig, steigen Sie bitte in ihr Fahrzeug und fahren sie weiter!“

„Sie wollten doch, dass wir anhalten!“

„Fahren Sie bitte weiter!“

„Aber jetzt warten Sie doch mal! Wir sind überhaupt nicht ordentlich kontrolliert worden. Nicht mal meinen Verbandskasten wollten Sie sehen! Ich möchte Ihren Vorgesetzten sprechen.“

Er guckt schon wieder so komisch. Er bugsiert mich zum Auto.

„FAHREN SIE JETZT!“

„Nein! Ich möchte nicht! Sie haben uns nicht nach Drogen durchsucht!“

„FAHREN. SIE. JETZT.“

Verdammt, der versteht aber gar keinen Spaß. Da trifft man schon mal andere Menschen außerhalb des Pferdestalles und dann wollen die sich nicht unterhalten. Ich starte einen letzten Versuch. 

„Warum kontrollieren Sie heute überhaupt?“

„Wir haben Fasching.“

„Echt? Ach ja, da war was … sind Sie morgen auch wieder hier?“

„Das darf ich Ihnen nicht sagen. Fahren Sie jetzt. Bitte.“

„Also gut. Dann kommen wir morgen noch mal vorbei, wenn das für Sie ok ist? Ich hab da noch einige Fragen zum Thema Verkehrssicherheit! Und mögen Sie kleine Snacks? Und vielleicht Kaffee?“

„Gute Fahrt!“

Wir sitzen wieder im Auto. „Mensch, der war aber sehr kurz angebunden, oder Kathrin? Ich kann gar nicht verstehen, warum der uns so schnell wieder los werden wollte.“ 

Am nächsten Abend war leider keine Verkehrskontrolle mehr. Wir sind den ganzen Abend herum gefahren und niemand hat uns angehalten. Dabei hatten wir uns so gut vorbereitet: Desinfektionsspray, selbstgebastelte Papp-Puste-Röhrchen und einen ganzen Notiz-Zettel Straßenverkehrsfragen extra für ihn aufgeschrieben. Die Sandwiches und den Kaffee haben wir dann einfach selber verputz. Es wird einem auch gar kein Spaß mehr gegönnt!


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