Del Cavador

Auf die Nuss gekommen?

08. Oktober 2017:

Warum ich auf die Nuss gekommen bin …. es gibt ja genügend Trends, die so durchs Internet und das reale Leben wabern, die mal mehr oder weniger sinnvoll sind. Leggings zum Beispiel. Ein Trend, der zu meinem Bedauern immer wieder hoch kommt. Die Dinger sind zwar ultra bequem, aber jeder, der nicht Konfektionsgröße 34 oder weniger hat sieht darin garantiert aus wie ein Wal bei der finalen Strandung. Und Menschen (wie ich), die zur ersten großen Leggings Zeit groß geworden sind und gleichzeitig Leggings UND Dauerwellenfrisur getragen haben wissen: Nö, da mach ich nicht mehr mit. Da tut man sich keinen Gefallen mit. Niemals wieder! Verbannte und verstaubte Beweisfotos in Schachteln ganz hinten im Schrank sind traurige Zeitzeugen dieser gruseligen Epoche.

So verhält es sich auch mit Wunder-Allheilmitteln. Sie ploppen auch immer mal wieder hoch. Teilweise berechtigt, teilweise gut beworben. Ich sage nur: Natürlich heilen mit Apfelessig, Wunderfrucht Grapefruit, Teebaumöl in der Hausapotheke, Arganöl, Eigenurin – der besondere Saft. Eigentlich warte ich ja auf den Trend: Mit Schokolade wirkungsvoll abnehmen. Oder: „Die 7-Wochen-Bier-Kur“ – Wundermittel für Haut, Psyche und Körper. Aber da wird wohl nichts draus.

Was ich aber seit Neustem entdeckt habe und ehrlich gesagt für meine Verhältnisse jetzt schon ziemlich lang kontinuierlich benutze ist Kokosöl. Eigentlich bin ich auf das Kokosöl gestoßen, als ich meine frustrane Suche nach passenden Fliegenmasken für das Drachenpony gestartet habe. Ich habe gelesen, dass die Fliegen den Geruch der Laurinsäure nicht leiden können. Ein bisschen Internetrecherche und zwei Tassen Kaffee später stand fest: Ich brauche Kokosöl! Und zwar nicht nur für die Ponys, sondern auch für mich.

Wie wirkt es also?
Kokosöl beim Pferd:
Ans Pony geschmiert, was ziemlich leicht geht, weil das feste Öl in der Hand bei Wärme schmilzt, wirkt es stark abweisend gegen allerlei Plagegeister (Zecken, Stechmücken, Bremsen, Milben, Läusen, Kriebelmücken) – durch den Geruch der Laurinsäure, den die Viecher nicht mögen. Außerdem bildet es durch seine Konsistenz einen hautpflegenden Barriereschutz – Kokosöl haftet länger im Pferdefell als andere Produkte. Und es ist gesünder. Ich möchte ehrlich gesagt gar nicht wissen, was die Industrie alles in Pferde-„Pflege“-Mittel kippt. Beim Menschen gibt es da schärfere Richtlinien, aber beim Tier?

By the Way, ladet Euch mal die kleine App „CodeCheck“ herunter und scannt die Inhaltsstoffe der Dinge, die Ihr Euch täglich ins Gesicht und auf den Körper schmiert. Ihr werdet ziemlich erschrecken.

Doch zurück zum Kokosöl beim Pferd! Entzündungen, Ekzeme, Verletzungen und Scheuerstellen heilen bei täglicher Pflege überraschend schnell ab. Es lindert den Juckreiz nach Stichen oder von Ekzemen. Übrigens auch beim Menschen 🙂
Momentan werden die Ponys je nach Bedarf ordentlich mit Kokosöl eingeschmiert. Um die Augen und am Bauch für/gegen die Fliegen. Wobei ich die Wirkung nicht wirklich einschätzen kann, aber zumindest macht es den Biestern durch den Hautschutz das Stechen schwieriger und die Pony-Haut wird zumindest gepflegt.

Das mit dem Zeckenschutz probiere ich mal im Frühjahr, wenn das Gras frisch hoch wächst aus.  Dann schmiere ich mal unterschiedlich hoch die Pferdebeine ein und teste bei zeckenbehafteten Geländestrecken den „Hängenbleib“-Effekt.

Toll ist es als Wundschutz. In der ersten Phase hatte Diosa eine ziemlich tiefe Wunde unterhalb vom Fesselgelenk. Das Pony ist beim Aussteigen vom Hänger ganz blöd hängen geblieben und hat sich eine 4 cm lange, relativ tiefe Wunde geholt. Nach Kompression war die Blutung gestoppt und eine Naht war grenzwertig. Aber damit die Wunde in den nächsten Tagen schön von unten heraus zuheilen konnte (und damit sich keine Entzündungen bilden – bei Dreck, Bewegung, Fliegen) habe ich nach der Wundreinigung immer Kokosöl an die Wundränder gegeben. Und es ist gut verheilt, war nicht geschwollen und hat sich nicht entzündet.

Jacinto hatte zur selben Zeit am hinteren Kronrand eine ordentliche und tiefe Schürfwunde (ca. 3 x 4 cm), bei der das Fell komplett abgelöst war. Auch hier habe ich mit Kokosöl gepflegt, damit die Haut geschmeidig bleibt. Das Fell ist tatsächlich relativ schnell nachgewachsen. Und auch hier hat sich nichts entzündet oder wieder aufgerissen. In dem Zusammenhang bin ich dann auch dazu über gegangen die Hufe der Ponys mit Kokosöl einzuschmieren. Es lässt sich mit den Fingern gut auftragen und es scheint auch lange zu halten. Sehen wir mal, was der Langzeiteffekt bringt.

Auch innerlich soll Kokosöl toll helfen. Die Darmflora verbessert sich, damit wird die Futterverwertung besser. Darmparasiten mögen auch kein Kokosöl (wobei ich jetzt nicht so weit gehen würde und es statt einer Wurmkur einsetzen würde :-)). Und es enthält natürlich viele wichtige Vitalstoffe. Aber innerlich habe ich es bei den Ponys bis jetzt nicht angewendet.

Kokosöl für die Hufe. Der Verkäufer des Öls ist natürlich egal – dieses hier ist ein exemplarisches Beispiel – Foto: privat

Kokosöl beim Menschen:

Dafür aber im Selbststest! Mit Kokosöl wird alles mögliche in der Pfanne angebrutzelt und ich habe mir angewöhnt früh morgens meinen ersten Kaffee mit einem Teelöffel Kokosöl zu verfeinern. Auf Neudeutsch heißt das „Bulletproof Coffee“, gemahnt an die Länder, in denen schwarzer Tee mit Butter als Energielieferant getrunken wird. Und es ist auch furchtbar Hipster und Trendy!
Funktioniert (bei mir ohne Butter) am Schnellsten so: Tasse Kaffee halb voll, Teelöffel mit Kokosöl reinglitschen lassen, mit einem batteriebetriebenem Milchaufschäumer kurz umwirbeln, restlicher Kaffee dazu. Fertig. Schmeckt gut, macht satt, ist gesund, soll eine abnehmpositive Wirkung haben, und am Besten: Die Lippen werden beim Kaffeetrinken super gepflegt und schmecken ganz samtig nach Kokos.

Kokosöl kann man auch vielfältig zur Haut- und Haarpflege, oder sogar bei Akne und Neurodermitis einsetzen. Natürlich funktioniert das mit der Fliegenabwehr auch beim Menschen. Unterstützt mit der inneren Einnahme soll das wahre Wunder wirken. Antioxidantien ist das Stichwort.
Durch die Inhaltsstoffe unterstützt es auch positiv bei Alzheimer, Demenz, Parkinson, Pilzbefall, Läuse/Flöhe, Krebserkrankungen, Herz-/Kreislauferkrankungen, Diabetes und vielem anderen. Es gibt mehrere Studien zur Wirksamkeit von Kokosöl. Es liegt wohl vor allem an den mittelkettigen Triglyceriden (MCT), diese Fettsäuren werden umgewandelt in Ketone, die als Ersatz für die Glukose im Gehirn dienen und dort deren Funktion übernimmt. Alzheimer-Gehirne sind nämlich nicht mehr in der Lage die vom Körper bereitgestellte Glukose zu nutzen. Die Ketone werden aber genutzt. Das ist ziemlich spannend oder?
Zum Nachlesen:
Die Newport-Studie – Erfahrungen einer Ärztin, deren Mann mit 59 Jahren an Alzheimer erkrankte.

Der Löffel Kokosöl ist also auch eine Art Prophylaxe gegen Demenz bei mir. Und vergesslich werde ich auch so schon ordentlich, da brauche ich nicht extra Alzheimer dazu.

Noch ein kleiner Tipp: Man kann sich eine kleine Menge Öl in einen kleinen Creme-Behälter umfüllen, oder in diese kleinen blauen Blechdöschen. So hat man immer Lippenpflege, Hautpflege …. und zur Not auch was zu Essen dabei! 🙂

Kokos-Produkte zum Essen:

Die Kokosnuss schenkt uns übrigens nicht nur das Öl. Es gibt auch noch weitere Produkte:
Kokoswasser: Voll das geypte, überteuerte In-Getränk weil basisch und isotonisch – man wird allerdings Arm dabei, wenn man nicht in einem Land wohnt, in dem man sich die grünen, noch unreifen Kokosnüsse nicht selber von der Palme schlagen kann. Lohnt hierzulande also nur zum Angeben, frei nach dem Motto: „Seht her wie healty und cool hippster-lifestylig ich unterwegs bin!“ Also nix für Pferdebesitzer. Die kaufen lieber Sachen fürs Pony. Schmeckt aber ganz gut.

Kokosmilch: Lecker in der Küche für Suppen, Gerichte und vor allem Cocktails! Ich sage nur Pina Colada oder Swimming-Pool. Zu finden auf jeder gut sortierten Cocktail-Karte in seriösen und unseriösen Bars.

Kokossirup:
Natürlich nicht gesund, weil Sirup, der einfach nach Kokos schmeckt, aber damit kann man seinen Kokosfetisch in Getränken und bei Cocktails ausleben. Und nachdem Cocktails trinken auch nicht gesund ist, fällt das Ganze … also Bar-Besuche mit kleinen Absackern … unter Sozialhygiene. Weil man hängt ja nicht alleine in Bars rum. Also positive Lebenszeit durch soziale Kontakte. Stichwort: Quality Time! *zwinker*

Kokosblütenzucker:
Ersetzt man den „bösen“ weißen Industriezucker durch Kokosblütenzucker ist man ebenfalls auf der guten Seite. Durch den niedrigen glykämischen Index wird er langsam vom Körper aufgenommen und die schlimmen Blutzuckerschwankungen (und damit auch die Heißhungerattacken) werden abgemildert. Nebenbei ist der Kokosblütenzucker auch besser für die Zähne, wir erinnern uns: in dem Kokosöl sind ja auch Inhaltsstoffe, die Karies-Bakterien abtöten.

Kokosmehl:
Gibt es auch noch, soll eine tolle Alternative für diverse Mehle sein. Nachdem ich aber ein küchentechnischer Vollhonk bin kann ich das nicht beurteilen. Das Stichwort hier ist aber „Basisch“ und „kein Cholesterin“, „Glutenfrei“ – und es beeinflusst den Blutzucker nicht, was ja gerade bei Diabetikern sehr interessant ist.

Eine ganz tolle Seite mit vielen Infos und mit Hinweisen auf wissenschaftliche Studien ist: www.kokosoel.info
Stöbert da mal ein bisschen herum! Da finden sich noch viel mehr Anwendungsgebiete!

Nachdem ich den Sommer über mit Kokosöl verbracht habe, bleibt jetzt noch die Frage: Wie krieg ich das Zeug im Winter flüssig, dass ich es weiter schmieren kann? Selbst jetzt im Herbst bröckelt einem das Zeug regelrecht aus den Fingern, bevor es warm genug ist. Ich werde wohl mit kleineren Abfüllungen experimentieren müssen, die durch Körpertemperatur aufgewärmt werden. Oder aber unser Aufenthaltsraum wird bald fertig. Dann kann ich das Zeug auf die Bodenheizung stellen 🙂

Wie steht Ihr zum Thema Kokosöl? Habt Ihr noch Tipps für mich?

— PS: dieser Blogpost enthält keine Werbung – alles selber gekauft, ausprobiert und für gut befunden —

Hat hier wer einen (Trainings)Plan?

19. Dezember 2016:

Ich wollte in den letzten Jahren immer mal wieder so eine Art Trainingskalender für meine Ponys führen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Neugierde:
Was Neues auszuprobieren ist ja nie verkehrt. Und wenn ich dann mal komplett dement bin, freue ich mich bestimmt über aufgeschriebene Dinge. Gut, die kann ich dann wahrscheinlich nicht mehr zuordnen, aber es ist ein lustiges Pferd auf dem Papier.

Trainingsdokumentation:
Vielleicht hilft aufschreiben und dokumentieren ja tatsächlich für ein vernünftigeres, konsequenteres, besseres Training? Wie ich jetzt wieder bemerkt habe, vergisst man so schnell viele Übungen und Trainingstipps. Eigentlich müsste man insgesamt viel mehr aufschreiben. Und sich dann auch merken. Also, wer weiß?

Ansporn:
Kennt Ihr nicht auch diese Tage, an denen man genau weiß: Ja …. ich müsste was machen, aber eigentlich hat man nicht so recht Lust? Wenn man sich dann aufrafft, macht es doch Spaß, aber bis man sich aufrafft. Vielleicht hilft so ein Kalender ja auch gegen den faulen inneren Schweinehund. Vielleicht weckt es den Ehrgeiz jeden Tag etwas darin stehen zu haben?

Weil ich es kann:
Wir sind schließlich in Deutschland. Da ist enormer Papierkram verpflichtend! Auch wenn er überflüssig ist. Mindestens in dreifacher Ausfertigung!

Jedenfalls habe ich jedes Jahr aufs Neue mit dem Thema Trainingstagebuch geliebäugelt. Da gibt es auf dem Kalendermarkt so einige schöne Heftchen und Möglichkeiten. Aber letztendlich ist alles nicht wirklich für meine Pferde zugeschnitten. Die Kombi drei Pferde mit zwei Menschen ist anscheinend nicht so Kalender-Kompatibel. Und dann auch noch Gangpferde. Geht gar nicht. Also habe ich mich hingesetzt und mir überlegt, was ich abgefragt haben möchte und mir einfach selber einen „Kalender“ gebastelt.

Wenn Ihr mal einen Blick darauf werfen möchtet?

trainingskalender2017
Trainingskaldender-Rohling – Foto: privat

Es müsste schnell gehen, alles auszufüllen. Die Dauer des Trainings finde ich eigentlich ganz interessant. Meine Trainingseinheiten sind glaube ich eher zu kurz. Die Auswahl kann aus allen drei Ponys und Yvi und mir getroffen werden.

Die Rubrik „Was gemacht?“ ist schön als Multiple Coice zum Ankreuzen, wenn es mal schnell gehen soll. Bodenarbeit, Longe, Zirkus, Freiarbeit, und Langzügel erklären sich selber. Die werden auch höchstwahrscheinlich mehrfach angekreuzt werden, weil wir immer mehrere Dinge machen.

Interessant ist der Punkt „Gymnastik“, direkt drunter „Dressur“. Was soll das? Ist Dressur nicht Gymnastik? Eigentlich schon, aber „Gymnastik“ soll den Zustand beschreiben, wenn ich aktiv an irgend etwas arbeite, als Beispiel Verspannungen bei Jacinto, oder konzentriertes Arbeiten mit Fokus auf Resis Ver- und Anspannungen, oder Kopfhaltung im Trab/Tölt bei Diosa.

Gymnastik kann auch angekreuzt werden im Gelände oder bei Bodenarbeit. Es beschreibt also ein „gymnastizierendes“, gezieltes Arbeiten mit Fokus. Da müsste dann bei Notizen auch ein Bemerkung stehen. z.B. „Verspannung Hals rechts“. Wir üben übrigens auch im Gelände „Gymnastik“. Das habe ich früher ohne Reitplatz/Roundpen viel öfter gemacht. Man verweichlicht mit Reitplatz. Wendungen um Bäume, Schenkelweichen am Betonweg, man kann so viele Dinge zum Üben nutzen.
„Ohne Sattel“ erklärt sich auch von selbst. Das wird man aber wohl eher bei Yvi und Diosa finden, weil Jacinto ohne Sattel sagen wir mal echt sch*** unkomfortabel ist.

„Ausdauer“ könnte man auch mit Dübeln durchs Gelände auf Strecke umschreiben. „Ausdauer“ ist aber hübscher und seriöser. „Nur Putzen“ könnte in Kombination mit „Regen“ und „schlechter Stimmung“ angekreuzt werden. So ein bisschen Pony kuscheln bei schlechter Stimmung ist fast besser wie Psychotherapie. Außer man erwischt ein schlecht gelauntes Drachenpony, dass stocksteif mit hochgezogenen Mundwinkeln da steht und einen auf „rührmichnichtan“ macht. Die leeren Zeilen könnten bei Kursen oder Reitstunden ausgefüllt werden.

Interessant finde ich auch die Stimmung von Pferd und Reiter einzuschätzen und wie sich dann aus dem Miteinander eine neue Stimmung entwickelt. Meine besten Ritte erlebe ich ehrlich gesagt meistens bei „schlechter“ Stimmung. Wobei „schlechte“ Stimmung hier keine absolut schlechte Laune oder aggressive Stimmung bedeuten soll, dann steige ich gar nicht erst aufs Pferd. Es soll hier eher bedeuten: hab keine Lust, mache aber trotzdem – ein bisschen Egal-Stimmung. Dann gehe ich nämlich unbelastet und ohne Vorstellung an irgend etwas heran und werde meistens durch ein Erfolgserlebnis belohnt. Hinterher ist man dann gut gelaunt. Kennt Ihr das auch?

Wichtig finde ich auch das Wetter beim Reiten. Meine Einteilung „Frost“ bedeutet Schnee oder knackig, kalt, alles gefroren, Buckelpistenalarm. „Regen“ geht von Niesel- bis Starkregen. Halt Nass von Oben. „Schattig“ ist ideales Reitwetter – nicht zu warm, nicht zu kalt, schön mit Jacke ohne Schwitzen. „Sonnig“ ist die sonnige Variante dazu. Also um die 20° und Sonnenbrillen-T-Shirt-Wetter. Ganz übel ist „eklig-sonnig“. Ein Aggregatzustand, den ich leider immer öfter in Franken erleiden muss. Bedeutet über 32° heißes, ekeliges Sommerwetter. Schwitzen schon beim Aufsetzten der Sonnenbrille. Eigentlich nicht tragbar sich bei dieser Hitze aufs Pferd zu bewegen. Ich sage nur der Hitzerekord 2015 + 2016 wurde von der Nachbarstadt Kitzingen erlitten. 42,nochwas Grad. Da will man nicht mal mehr raus aus dem Keller, geschweige denn aufs Pferd.

Soviel also zu meinem kleinen Trainingskalender-Exkurs. Wer die Idee gut findet, kann den Kalender gerne „klauen“ und umfunktionieren. Aber ich möchte dann auch ein Feedback haben! Habt Ihr schon einmal mit so Trainingskalendern gearbeitet? Und wie ist es Euch damit ergangen? Schreibt mir das gerne!

trainingskalender2017

PS: Yvi, schon mal Entschuldigung für das Ausfüllen, zu dem ich Dich „zwingen“ werde 🙂 🙂

Prima Klima unter’m Sattel?

Dezember 2014:

Del Cavador hat mal wieder getestet: Quittpad

Auf der Pferd & Jagd 2013 haben wir den Klaus Meinders von der Firma Quittpad kennen gelernt. Damals sind wir sehr schnell ins Gespräch gekommen. Quittpad vertreibt eine Sattelunterlage mit dem Slogan „Prima Klima unter’m Sattel“. Es besteht aus einem luft- und wasserdurchlässigen Polyester-Abstandsgewirke, bei dem Ober- und Unterfläche durch zahlreiche druckelastische Filamentfäden auf Abstand gehalten werden. Also im Prinzip elastische Luftwaben. Als weiteren Effekt sorgen die Waben auch noch für sehr gute Druckverteilung. Das Material wird übrigens auch bei der medizinischen Dekubitus-Prophylaxe eingesetzt.

Quittpad hatte das Material als Fuß-Einlegesohlen zugeschnitten und an die Messebesucher verteilt. Nachdem wir letztes Jahr immense Laufwege auf der Pferd und Jagd hatten, waren wir alle Fußwund und haben uns sehr über die Sohlen gefreut. Die hatten tatsächlich auch einen sehr guten Effekt bei unseren geschundenen Füßen (die Sohlen habe ich auch heute noch in meinen Schuhen in Benutzung – und das seit über einem Jahr!). So fanden wir dann auch die Satteldecke für die Pferde interessant. Wie man schon unschwer merkt, fallen wir voll in die Marketing-Fang-Tricks herein …. aber in diesem Fall sehr gerne.

Mir selber hat die Form der Satteldecken aber nicht gefallen und sie waren mir insgesamt zu dick. So bequatschten Meike Wolf und ich Klaus, dass er uns eine Allround-Form bastelt und das Ganze vielleicht auch etwas dünner. Wir sind mit unterschiedlichen Freizeitreitersätteln (Sommer Alpha Vaquero, Sommer Voyage, Deuber Westernsattel ohne Horn) unterwegs. Nach mehreren Gesprächen hat Klaus uns ein Pad im neuen Allround-Format zugeschickt. Damit konnte ich schon einmal ein paar Testritte absolvieren. Das normal dicke Pad „Comfort“ Allround ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit einen nicht ganz optimal passenden Sattel auszugleichen. Aber mir war es insgesamt eine Spur zu dick.

Als ich dann das dünnere Allround-Pad „Sport“ zugeschickt bekommen habe, war es um mich geschehen. Es passt perfekt unter meine Sättel, es sieht klassisch elegant aus, es ist einfach funktional und verrutscht nicht und das ohne störende Gurtstrippen oder sonstige Halterungen. Pad pur sozusagen.

Es hat genau die perfekte Dicke, um nicht zu stark unter dem Sattel aufzutragen und einen guten und feinen Kontakt zum Pferd zu behalten. Mein sehr sensibler Paso Fino Wallach läuft damit äußerst entspannt. Nachdem ich am Training nicht sehr viel verändert habe, gehe ich einfach mal davon aus, dass das Quittpad einen guten Teil zu seiner derzeitigen Lockerheit beiträgt. Ich war begeistert. Jetzt musste nur noch über den Sommer dauergetestet werden.

Wir waren auf einigen Orientierungsritten, natürlich ganz viel im heimischen Gelände und auf dem Reitplatz, waren auf Messen und auf Turnieren unterwegs. Zum krönenden Abschluss sind wir auch eine Fuchsjagd mit dem Quittpad gestartet. Und auf der jetzigen Pferd & Jagd hatten wir es natürlich auch dabei.

Und ich muss sagen, es hält was es verspricht. Die Pferde schwitzen nicht zu sehr darunter, das Fell „rubbelt“ sich nicht auf. Unter dem Sattel scheint tatsächlich ein gutes Klima zu herrschen, und das auch nach einem ganzen Tag unterwegs. Es lässt sich wunderbar einfach sauber halten, ich bürste einfach die Haare nach dem Reiten aus, oder klopfe es aus. Meike hat schon die Erfahrung gemacht, dass der Staub hindurch rieseln kann. Man kann es also auch prima mit dem Teppichklopfer ausklopfen. Außerdem hatte ich das Quittpad schon zweimal bei 60° in der Waschmaschine. Es sieht immer noch topp aus. Kein Verziehen, keine Verfärbungen. So mag ich das. Einfach und unkompliziert. Aufs Wesentliche beschränkt, kein Schnickschnack. Und es hält, was es verspricht.

 

http://www.quittpad.de/shop_content.php?coID=58

 

Auf der Pferd & Jagd 2014 haben wir den Klaus dann auf der Messe wieder getroffen und konnten live dabei sein als das Allround Pad „Comfort“ und „Sport“ in den Verkauf ging. Meike und ich sind jetzt übrigens auch im neuen Ouittpad-Prospekt zu bewundern. Das hat uns sehr gefreut.

Auf jeden Fall werde ich das Quittpad weiter als Lieblingspad benutzen, weiter testen und andere Reiter damit belästigen. Übrigens ist es gerade im Winter sehr praktisch, weil es ziemlich schnell trocknet. Im Vergleich zu Baumwolle oder Lammfell ist es Ratzfatz trocken, was ja auch eine Frage der Hygiene ist. Klamme, feuchte, gammelige Pads sind ja ein gefundener Partyraum für Pilze und Bakterien. Und das im Winter, wo eh schon Bakterien-Husten-Schnupfen-Zeit ist. Das muss ja nicht sein. Dann lieber was luftiges, was unkompliziert trocknet.

 

Allround-Pad
http://www.quittpad.de – Foto: quittpad

 

Jedenfalls hat der Klaus uns schon sein neustes Projekt mit dem Quittpad-Material verraten … Ihr dürft gespannt sein! Es bleibt aufregend! Und auch für Reiter mit Baumlosen Sätteln ist etwas in Planung – das dürfte sehr interessant werden, denn gerade beim baumlosen Sattel ist ein gutes Pad mit guter Druckverteilung äußerst wichtig.

 

Fakten:

Quittpad AL 520 Sport mit Wirbelsäulenkanal 159.- € – Länge 520 mm, Höhe 450 mm, Materialstärke 16 mm, auf Wunsch mit Befestigungsmöglichkeiten

Quittpad AL 520 Comfort mit Wirbelsäulenkanal 169.- €  – Länge 520 mm, Höhe 450 mm, Materialstärke 26 mm, auf Wunsch mit Befestigungsmöglichkeiten

 

Fazit: Klare Empfehlung für das Quittpad (in allen Varianten) 🙂

 

PS: Es ist übrigens auch die perfekte Idee für Reiter als Weihnachtsgeschenk 🙂

Schmetterlingssättel?

02. März 2013:

Auf Blogs werden ja gerne Sachen vorgestellt. Also habe ich beschlossen auch einmal einen Test zu wagen. Gespannt bin ich natürlich auf Kommentare von Euch. Vielleicht hat von Euch schon jemand Erfahrung mit diesem Testobjekt?

Meine Testfrage: Gibt es einen Sattel, der mehreren unterschiedlichen Pferde passt?

Mein Testobjekt: das neue Sattelkonzept von dt-Saddlery, der Butterfly-Sattel in der Dressurversion.

Der Butterfly kommt in schlichtem Schwarz daher. Er besteht aus griffigem Leder, dass strapazierfähig scheint und nicht schmutzempfindlich ist. Markant ist der große Widerristausschnitt. Das liegt an Idee Nummer eins von dt-Saddlery, dem fehlenden „normalen“ Kopfeisen. Was eine gute Idee ist. Ist doch am Widerrist oft der Knackpunkt – hier drückt der „normale“ Sattel. Wo nichts ist, kann folglich auch nichts drücken. Geschickte Lösung.

Idee Nummer zwei von dt-Saddlery, der Butterfly ist ein Sattel, der dank zweier beweglicher Scharniere angeblich auf fast jedes Pferd passen soll. Die beiden Scharniere sorgen für einen flexiblen Sattel, der sich schön an das Pferd anpasst (3-D-Effekt). Also auch hier eine Minimierung der Druckpunkte. Für einen Dressursattel finde ich das Gewicht allerdings schwerer als erwartet. Das liegt wahrscheinlich am Metall-Baum mit den Scharnieren. Aber das Gewicht ist insgesamt nicht zu schwer.

Auf Youtube findet man von der Firma ein Video über diesen Sattel – http://youtu.be/LQTCqvFCk08 – und auf der Seite http://www.dt-saddlery.de kann man sich über alle Modelle und Preise informieren. Der Butterfly-Sattel ist offiziell seit diesem Februar im Handel. Ich bin sehr froh, dass Doris Sperber uns für ein paar Tage diesen Testsattel zur Verfügung gestellt hat. Wer mehr Information braucht: www.pasoshop.de oder direkt bei Doris im Shop anrufen. Vielen herzlichen Dank Doris für diese spannende Leihgabe!

Der Butterflysattel auf Diosa
Der Butterflysattel auf Diosa

Zurück zum Testobjekt: 

Der Butterfly wirkt auf den ersten kurzen Blick wie ein normaler Dressursattel. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man den deutlichen Widerristausschnitt. Auf Wunsch können die Keder einen farblichen Kontrast haben. Unser Testsattel hat silberne Keder, was sehr edel aussieht. Die Pauschen sind mit einem dezenten Muster gestaltet, was den Sattel sehr schick macht. Die Pauschen können durch ein- und ausklettbare Kissen individuell angepasst werden. Die Gurtung finde ich ebenfalls sehr gelungen, da sie nicht starr an zwei Strippen hängt, sondern an zwei V-förmigen Laschen, die so auch die Anpassung an nicht ganz optimale Sattelgurtlagen ermöglichen.

Die Sitzfläche des Sattels finde ich als popoweichverwöhnte Sommer-Voyage-Sattelreiterin relativ hart. Aber es ist auch ein Dressursattel und mit denen habe ich keine Erfahrung. Früher kamen mir die „normalen“ Englischsättel auch immer etwas härter vor, als die extra weichen Wanderreitsättel, die ich in den letzten 15 Jahren aus Bequemlichkeit bevorzugt habe.

Die Steigbügelriemen sind aus Lemico gefertigt, in softer Veloursoptik. Also keine Qietschgeräusche durch die Leder- auf Lederreibung beim Reiten. Die Steigbügel selber haben einen patentierten Ausdrehmechanismus. Der Steigbügel fällt immer wieder in die Ausgangsposition mit Öffnung zum Reiterfuß zurück. Das ist sehr angenehm. Bin ich doch von den Fendern lästiges Ausdrehen und damit recht schmerzhaftes Reiten gewöhnt. Was weiterhin auffällt ist, dass der Hinterzwiesel sehr hochgezogen wirkt. Hier  führt einen die Optik des „fehlenden“ Kopfeisens in die Irre.

Ich habe das Gefühl, dass er die Beine sehr gut positioniert. Die Beine haben in dem Sattel ein sehr gutes und sehr stabiles Lagegefühl, was mir sehr positiv aufgefallen ist. Gerade im Extrem-Test bei Hopse-Resi hatten die Beine einen sehr guten Halt in allen angebotenen Sprungvarianten.

Live-Testobjekt Diosa:

Auf einem leicht runden Pony macht der Sattel den Eindruck, dass er leichter beim Aufsteigen rutschen könnte, was wahrscheinlich auch wieder an der fehlenden „Verhackungsmöglichkeit“ Widerrist liegt. Wo nichts drückend anliegt, wirkt es einfach etwas rutschig. Diese fehlende Kopfeisengeschichte zieht sich durch meinen Test wie ein roter Faden! Aber nicht falsch verstehen, der Sattel sitzt sicher und rutscht auch nicht beim Aufsteigen. Diosa lief mit dem Sattel wie gewohnt, vielleicht mit einer Prise mehr Dehnung. Ihr kann man glaube ich fast alles auf den Rücken schnallen. Yvi hatte ebenso einen positiven Eindruck von ihrer Beinlage auf diesem Sattel.

Jacinto mit dem Sattel - Das Pony könnte etwas positiver gucken, aber zumindest die Reiterin lächelt ...
Jacinto mit dem Sattel – Das Pony könnte etwas positiver gucken, aber zumindest die Reiterin lächelt …

Live-Testobjekt Jacinto:

Nachdem Jacinto sich sofort verspannt, wenn etwas drückt, zwickt oder er sich irgendwie von imaginären Druckpunkten gestört fühlt ist er das optimale Testpony für Sättel. Und oh Wunder: Der Sattel saß gut und hat nicht gedrückt. Das Pony lief beim ersten Test mit dem Butterfly etwas steif und gangkauderwelschig, aber ab dem zweiten Testtag töltete es so sanft wie Butter und das gleich von Anfang an. Insgesamt lief er an allen weiteren Testtagen sehr schön mit dem Sattel. Das werte ich als äußerst positiv.

Resi und der Butterfly - Das Pony hat sich geweigert IN die Kamera zu blicken ... *weiber*
Resi und der Butterfly – Das Pony hat sich geweigert IN die Kamera zu blicken … *weiber*

Live-Testobjekt Resi:

Erster Eindruck auf dem Pony sitzend: Die Beine liegen sehr gut. Man fühlt sich wie eine begnadete Dressurreiterin auf diesem Sattel. Das Pony macht den Eindruck, als ob es die Schultern viel freier bewegen kann. Sie fühlt sich unter dem Sattel wohl. Was sie dann auch routinemäßig in einer Hops-und-Trallala-Phase getestet hat. Die Reiterin fühlte sich die ganze Zeit sicher und ist nicht verrutscht. Der Sattel besteht auch nicht aus Glattleder, sondern einem leicht angerauht anfühlendem Leder. Einfach Griffig.

Providencia - gut, man sieht nicht viel vom Sattel, aber man beachte die gerade Beinhaltung!
Providencia mit dem Butterfly-Sattel – entschuldigt die dunklen Bilder, aber wir hatten nun mal den dunkelsten Winter seit 61 Jahren. Wer so was wohl testet?

Live-Testobjekt Providencia:

Sie hat momentan den schmälsten Rücken unserer Pferde. Und auch hier lag der Sattel sehr gut. Providencia lief sehr geschmeidig damit und anscheinend empfand sie ihn sehr angenehm. Sie hat öfter wie sonst angeboten den Kopf und Hals schön abwärts zu Strecken, ganz so, als ob sie uns sagen wollte: Jaaaaa! Angenehm! Strecken! Nadine empfindet den Sitz ebenfalls als relativ hart, aber auch sie hat das Gefühl, dass die Beine sehr gut liegen.

Gesamt-Fazit:

Ich finde die Idee mit dem flexiblen Baum und dem „fehlenden“ Kopfeisen ein sehr gutes Konzept. Auf jeden Fall werde ich den Werdegang dieses Sattels über die nächsten Jahre beobachten. Es ist bestimmt die bessere Möglichkeit einen relativ flexiblen Sattel mit Sattelbaum zu besitzen, der vielleicht auf Langstrecke nicht so komfortabel ist, aber dafür für die normalen kürzeren Dressur- und Geländeeinheiten dem Pferd eine sehr gute Passform und Bewegungsfreiheit ermöglicht. Jedenfalls überzeugt mich dieses Konzept mehr, wie komplett Baumlos oder falsch passender Sattel. Gut durchdacht sind auch die Steigbügel, die Gurtungsmöglichkeiten für den Sattelgurt und die Anpassungsfähigkeit der Pauschen.

Bleibt zu überlegen, wie Jungpferde ohne Sattelgewöhnung auf das Flexible reagieren. Aber selbst da würde ich gedanklich eher dazu tendieren, den „wackligeren“ und dafür weniger einengenden Sattel zu gebrauchen, als einen Sattel der punktuell drückt und nicht richtig passt. Und der dem jungen Pferd „Schmerz“ oder „Bewegungsunfähigkeit“ vermittelt. Wie gesagt, ich habe drei langjährig gerittene Pferde, die den Sattel alle sehr gut angenommen haben und darunter locker gelaufen sind.

Mir persönlich würde natürlich eine Wanderreitvariante mit mehr Komfort für den Reiter-Popo oder eine spanische Variante geschmacklich mehr liegen. Meine absoluter Traumsattel wird trotz aller Sympathie für den Butterfly Sattel momentan immer noch von der Firma Sommer gefertigt. Aber finanziell ist natürlich die Frage, ob man drei Pferde mit jeweils einem Traumsattel von Sommer ausstatten kann, oder ob man zur insgesamt günstigeren Variante greift und einen Butterfly-Sattel für Fast-Alle-Fälle kauft. Für mich ist es wichtiger, dass die Pferde einen passenden Sattel haben und sie schmerzfrei und spannungsfrei mitarbeiten. Da kann mein verwöhnter Hintern durchaus zurückstecken.

Bewertung: 4 von 5 Cavadoren-Punkten

Würde ich kaufen und weiterempfehlen – Testfrage positiv beantwortet!

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