Del Cavador

Wünsche konkretisieren?

24. Dezember 2020:

Es duftet nach Zimt und Kaffee, ein wohliges Knistern und Knacken von Kaminfeuer drängt sich im Hintergrund in meine Ohren. Es duftet nach frischen Cookies aus dem Ofen und die schummrige Beleuchtung fördert eine leicht-angenehme Müdigkeit. Ich sitze in bequemen Sachen gemütlich in einem Kaffee, vor mir eine Tasse Milchkaffee mit Zimtschaum und einem halb aufgegessenen 3.000-Kalorien-Schoko-mit-Schokoflüssigkern—Traum und tippe in mein MacBook. Ich liebe es vom Café aus zu arbeiten und so lässig und entspannt mein Geld zu verdienen. Dieser kreative Flow und das Glücksgefühl tiefer Zufriedenheit durchdringt mich und lässt mich wohlig seufzen. Ich liebe meinen Job und die Selbständigkeit. 

Viktoria stößt mir in die Seite und sagt leicht panisch: „Christine! Das Versicherungskärtchen lässt sich nicht einlesen!“ Ich tauche aus meiner Traumwelt auf und schwappe eiskalt in die brutale Welt von direkter Beleuchtung einer umfunktionierten Krankenhaus-Cafeteria und ganz vielen Hintergrund-Geräuschen. An den Aufzügen schreit ein Kind. An der Pforte gibt es ein bisschen Trouble mit einem schwerhörigen Patienten. Natürlich gibt es in dieser Cafeteria momentan keine Kaffeespezialitäten. Dafür gibt es Covid-19-Antigen-Tests im Fünf-Minuten-Takt. Ich atme tief in meine FFP-2-Maske aus, die Charge hat mir schon die ganzen letzten Tage die Haut im Gesicht ruiniert. 

Das Problem mit dem Versicherungskärtchen lässt sich schnell beheben und schon stehen die nächsten Anwärter für ein Stäbchen in der Nase vor uns. Nach Weihnachten werden sie durch Menschen ersetzt, die eine Impfung bekommen sollen. Und die Feiertage werden wohl emsig dazu genutzt werden, um alles darauf vorzubereiten. Wozu groß die Familie sehen, man könnte sie ja doch nur anstecken. Nach dem Fiebermessen darf das Ehepaar vor unsere knappe Plexiglas-Scheibe treten und sich anmelden, um kurz vor Weihnachten noch das OK für einen Besuch im Altenheim oder bei den Eltern zu bekommen. Es ist eine kalte, sinnlose Realität. So habe ich mir das mit dem Geld verdienen am Laptop nicht unbedingt vorgestellt. Und dann ist es auch kein schnurrendes MacBook, sondern ein dauernd update-forderndes, bereits in die Jahre gekommenes Microsoft-Teil. Und Kaffee gibt es auch keinen. 

Ich komme an diesem Tag zu einer wichtigen Erkenntnis: Christine, du musst Deine Wünsche sehr konkret und besser ausformulieren, sonst gibt dir das Leben grundsätzlich die Mittelfingerversion davon. Statt in einer Cosy-Winter-Wonder-Insta-angehauchten-Traumwolken-Welt mit weißen Kuscheldecken und gedämpften Lichterketten gibt es harte Realität im Krankenhausalltag – inclusive Pandemiewahn. Und in beiden Realitäten ist die einzige Gemeinsamkeit: Es gibt Kaffee. Also im Traum mit viel Milchschaum und in der Realität sitze ich an einem Behelfsarbeitsplatz, hinter mir die ausgeschaltete Industrie-Kaffeemaschine der Klinik. Mittelfingerversion. 

Ich sitze da und mir kommt das ganze Jahr irgendwie surreal vor. Es ist ein Jahr der Extreme. Ich hatte mir ein wirklich gemütliches und langweiliges 2020 gewünscht. 2019 war für mich (uns) schon anstrengend genug. Es gab genügend Aktion am Stall und alles war irgendwie ganz hektisch und stressig, auch sehr kraftraubend. Und dann kam dieses 2020 – Langweilig ist ungefähr das letzte Wort, mit dem ich es beschreiben würde. Spontan fallen mir Worte wie: Lebensbedrohlich, Beängstigend, Eskalierend, Ungewöhnlich, Zerschmetternd, Sponsored by Anonyme Alkoholiker und Surreal ein. 

Es hat eigentlich richtig schön mit einem gemütlichen Kurzurlaub im Januar angefangen, an den ich immer noch gerne zurück denke. Dann hat es probeweise zugeschlagen mit Jacintos Knieverletzung. Ich war zwischendurch überzeugt, dass unsere letzten Wochen zusammen angebrochen sind, was ich ehrlich gesagt nicht sehr gut verkraftet hätte. Dann kam Covid. Eine Pandemie. Ein Lockdown. Kompletter Stillstand der Welt. Sehr unwirklich. Die Nachrichten haben sich überschlagen. Und auch die Veränderungen in dieser Bundesrepublik Deutschland. Wie schnell haben sich eingefahrene Dinge verändert, sind Notfallpläne in Kraft getreten. Und was haben all die Menschen nur mit dem ganzen Klopapier gemacht? Und warum musste ich die ganze Zeit durcharbeiten?

Wir haben auf die wenigen Fälle in unseren Landkreisen geschaut und sind dann leider alle leichtsinnig geworden. Die Pandemie ist noch nicht fertig mit uns. Sie kommt jetzt erst so richtig in Fahrt. Jetzt, wo alle mürbe sind und keine Lust mehr haben, nimmt sie so richtig Schwung auf und zeigt uns jeden Fehler auf. Sie F*** uns, aber so richtig. 

Ich habe tatsächlich Angst vor dem Januar. Ich möchte nicht, dass Menschen, mit denen ich zusammen arbeite, entscheiden müssen, wer einen Intensiv-Platz bekommt und von zu wenig Pflegekräften (die schon gebeutelt genug sind) behandelt werden darf und wer grauenvoll im eigenen Saft ersticken soll. 

Wir haben also alle ein Jahr hinter uns, das alles andere als Langweilig war. Es begann mit einem erstaunten Erstarren, durchmischt mit diversen Panikattacken, einem angewöhnten Psychohusten – der zutage Tritt, wenn mehr als drei Menschen länger als fünf Minuten auf einem Fleck stehen – einer gewissen Hoffnungslosigkeit und einer exzessiven Vorliebe für Winzerglühwein. 

Ehrlich gesagt, möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie Menschen dieses Jahr überlebt haben, die keine Pferde haben, oder die keinen Menschen haben, zu dem sie gehören. Dieses Jahr war und ist das anstrengendste Jahr, meines Lebens. Ich hatte keine Ruhe, ich fühle mich ausgebrannt und zerschlagen. Aber anderseits war es auch ein Jahr, in dem ich extrem gewachsen bin, ganz tief in mir drin. Es ist ein Jahr, dass Grenzen auslotet. Und wisst Ihr was?

Jetzt gehe ich das erste Mal bewusst und irgendwie innerlich gestärkt aus einem Jahr heraus. Es hat mich extrem geerdet. Ich versuche Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ich habe mir vorgenommen, mich nicht mehr stressen zu lassen. Von niemandem. Dinge ändern sich momentan so schnell, da kommt man fast nicht hinterher. Vor allem arbeitstechnisch. Ich versuche mir in jedem Bereich das Gefühl von leicht staunenden Kleinkindern zu erhalten, die gebannt auf die Ereignisse und deren Entwicklung achten und sie dann zu begreifen versuchen. 

Ich versuche die kleinen Dinge für nicht selbstverständlich zu nehmen. Ich hatte dieses Jahr sehr viele schöne Gespräche, ich habe tatsächlich neue Freunde dazu gewonnen. Es war trotz Social Distancing ein sehr intensives Jahr. Ich vertraue in Menschen, die mir Halt geben, auch wenn ich sie nicht ständig um mich herum habe, oder sie nur kurz sehen kann. 

Ich rede manchmal sehr viel über Covid-19, weil ich es für mich verarbeiten muss. Es ist zu einem großen Teil meines Lebens geworden. Ich versuche es zu begreifen. Es lässt sich leider nicht begreifen, was es so gefährlich macht. 

Und ich habe absolut keine Geduld mehr mit Menschen die Dumm und Ignorant sind. Ich habe keine Lust mehr auf selbstsüchtige Arschloch-Menschen, die sich keinen Deut um ihre Mitmenschen scheren. Ich will das nicht mehr. Ich möchte, dass alle Menschen sich etwas mehr um Ihre Umwelt kümmern, und etwas mehr aus ihrem Suppentellerrand heraus nachdenken. Ich hab keine Lust mehr auf Aluhut-Schwurbler, Virologen mit Bild-Expertise und selbsternannten Impfstoff-Experten. Ich will, dass wir da alle gut wieder raus kommen und das gemeinsam durchstehen. Ich will etwas mehr Weitblick von jedem Einzelnen. Sind wir doch mal ehrlich: noch geht es uns hier in Deutschland doch noch gut, so insgesamt gesehen. Menschenrechte werden eingehalten und es gibt einen Sozialstaat und keine kriegerische Dikatur und Nahrung ist auch für jeden da. Wir leben hier nicht in Moria-Zuständen. Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass sich die Menschheit einfach noch ein bisschen zusammen reißt und weniger Alu-Hüte trägt, oder zumindest versteht was die Worte „VIRUSINFEKTIONSWEGE VERMEIDEN“ tatsächlich bedeutet. Kleiner Tipp: Auf jeden Fall nicht ohne Maske mit der stadtbekannten Tratschtante am Supermarktparkplatz über 20 Minuten lang Neuigkeiten austauschen und dann noch ihre angehustete Hand nehmen und sich kurz drücken lassen.  

Und einige Dinge könnten wir ja beibehalten. Abstand halten zum Beispiel. Habe ich schon immer gehasst, wenn mir beim Einkaufen oder sonst wo ungefragt fremde Menschen auf meine Pelle rücken – außer sie sehen aus wie die Feuerwehrmänner, meines 2021 Feuerwehr-Männer-Kalenders. Hygienemaßnahmen: Öfters mal Händewaschen hat noch niemandem geschadet. Seife übrigens auch nicht. Nicht nur nach dem Toilettengang. Übrigens finde ich es sehr faszinierend, was für alternative Ideen und lustige Videos manche Menschen im Lockdown entwickelt haben, oder wie sie kreativ diese Pandemie zu verarbeiten versuchen. Auch bin ich für mehr Homeoffice. Aber … naja, danke für nichts. Man kann ja nicht alles haben. 

Jedenfalls gehe ich aus diesem Jahr gefühlt innerlich stärker hervor. Es hat mich nicht klein bekommen. Und 2021 wird mich auch nicht klein kriegen. Ich erwarte von 2021, dass es mich durchatmen und ausruhen lässt. Jetzt nicht unbedingt in Form einer Intensivbeatmung mit getakteten Atemzügen und Sedierung inclusive anschließender wochenlangen Post-Beatmungs-Reha und einer kleinen, entzückenden Nachbeatmungs-Depression aufgrund einer unberechenbaren Viruspneumonie, sondern bitte in Form von Urlaub am Meer und dort (konkret: ein hübscher Strand bei farbintensivem Sonnenuntergang auf Rügen! Da wollte ich schon immer mal hin!) ganz gechillt ein Glas Wein oder ein Bierchen trinken, nachdem ich ein leckeres Fischbrötchen und ein Eis gegessen habe. Ohne, dass irgend etwas Schlimmes passiert. 

Und ich möchte, dass alle die ich mag und die mir durch dieses Jahr geholfen haben gesund bleiben. Und die, die ich nicht mag auch, weil alle kranken Menschen machen mir momentan extrem viel Arbeit. Und ich hoffe, ich konnte dieses Jahr auch einigen Menschen helfen, den Wahnsinn zu ertragen. In diesem Sinne: Wir sehen uns nächstes Jahr! 

Ich bin gespannt was es uns zu bieten hat … vorsichtshalber wünsche ich mir mal gar nichts, man weiß ja nie. Außer vielleicht: Haltet noch ein bisschen durch und Abstand, ignoriert Fake-News von Pseudo-Experten. Kümmert Euch um Eure Freunde. Wir sehen uns. 

Foto: Yvi Tschischka Photograpy

Alte kaputte Pferde?

Februar 2020:

So langsam muss ich mir Gedanken machen über „alte“ Pferde. Meine Pferdeplanung verlief ehrlich gesagt nicht wirklich geschickt. Anstatt drei unterschiedlich alter Pferde habe ich drei Pferde, die zusammen nur zwei Jahre auseinander sind. Also super geplant. Aber rechnen war bekannter Weise noch nie meine Stärke.

Damit kommen ungewohnte „Probleme“ für mich in Sicht. Nachdem ich schon gerne aktiv unterwegs bin mit den Ponys, stellt sich mir die Frage: „Was mache ich, wenn die jetzt alle drei Invaliden sind?“ – Gut momentan stellt sich die Frage bei den Stuten nicht. Im Gegenteil, Diosa ist so fit wie selten zuvor und das Drachi muss dieses Jahr erstmals als „Nachwuchspony“ mitkommen. Ob sie will oder nicht. 

Dafür hat sich Jacinto sukzessive ins Aus geschossen. Seit längerer Zeit beobachte ich eine Verschlechterung im Gangbild, die sich jetzt im Winter ganz akut noch einmal verschlechtert hat. Also Fokus-Suche. Was sich beim Pferd nicht wirklich als einfach erweist. Schließlich können die nicht sprechen. Was manchmal echt gut wäre … Man vermutet also munter vor sich hin. Hat er einen schlechten Tag? Ist ihm das Wetter zu naßkalt? Braucht er Wärme? Sind die Eisen falsch? Hat er sich verletzt? Ist das Training ungenügend? Hat er einen Tritt abbekommen? Hat er Schmerzen? Wenn ja, wie viel? Er spielt doch mit den Jungspunden – hat er tatsächlich was? Wieso lahmt er auf einer Seite mehr? Hat er jetzt was? Was hat er nur? Also Tierärztin angerufen. Die rückt mit dem mobilen Röntgengerät an und begutachtet den Zwerg komplett. Vom Gangbild her muss es aus Richtung Knie kommen. Gut. Frauchen hat wieder was gelernt, weil sie das weiter unten vermutet hätte. Drum holt man sich Rat vom Fachmann. Also Knie Röntgen, was gar nicht so einfach ist, weil man da nicht so gut hinkommt. 

Das Knie beim Pferd ist übrigens nicht da, wo man es vermutet, sondern ein Stockwerk weiter oben. Das Pferd läuft nämlich auf seinen Zehenspitzen. Nur noch mal so zum wiederholen. Also muss man in der Nähe von bei Wallachen und Hengsten sehr empfindlichen Zonen hantieren, was die wiederum nicht so wirklich prickelnd finden. Also ambulantes Röntgen ist Glücksspiel. Wir bekommen ein relativ gut sichtbares Röntgenbild. Erste Vermutung: Knochenzysten im Tibiakopf. Klingt blöd, ist blöd, die Stelle ist auch blöd. Wenn das so wäre und die Zysten würden einbrechen: Exitus. Eine hübsche Diagnose am Tag vor dem Eisbärenritt. Meine Tierärztin empfiehlt die genauere Abklärung mit Röntgen unter Sedierung (weil die Pferde dann einfach stiller halten und aussagekräftige Bilder entstehen) und eine Klinik, die sich auf Pferde-Knie spezialisiert haben und auch ein CT-Szintigramm für Pferde haben. Also wurde ein Termin dort ausgemacht. 

Damit geht natürlich das Kopfkino los. Was ist, wenn es diese Diagnose tatsächlich ist? Ein 19jähriges Pferd operiert man nicht leichtfertig, wenn es dann vielleicht über ein halbes Jahr braucht, um wieder „auf die Beine“ zu kommen. Wenn ja, ist es dann schmerzfrei? Wann schafft man den Absprung? Wann quält man sein Tier? Meine Gedankenspirale dreht sich komplett nach oben. Mir war im Prinzip schon völlig klar, dass ich Jacinto in diese Klinik fahre und dann kommt irgend eine sehr dramatische Diagnose heraus, und ich muss die Entscheidung zum Einschläfern treffen. Hatte ich schon miterlebt, das braucht niemand und prägt leider auch. Also ich bin auf das Äußerste gefasst. 

Der Termin in der Klinik ist an dem einzigen Tag in der Woche, in dem das Wetter mit Sturmböen und überfallartigen Schnee/Graupel-Regen imponiert. Super. Also dort die 220 km hin gegurkt. Dank meinen beiden Psycho-Begleitungen war es eine sehr kurzweilige Fahrt – und ich bin froh, das ich Euch dabei hatte! Wir wurden auch fachlich sehr kompetent behandelt. Horsemanship-Technisch ist dort allerdings noch Luft nach oben möglich. Manche Betriebe stecken gedankentechnisch noch in der Pferdesteinzeit fest. 

Jacinto bekommt Besuch von seinem Kumpel Diego – Foto: privat

Jacinto bekam noch mal das ganze Programm Lahmheitsuntersuchung, teilweise Abspritzen (fand er nicht wirklich prickelnd), ausführliches Röntgen in Sedierung. Dabei konnte die Diagnose Knochenzyste dankbarer Weise nicht bestätigt werden. Dafür hat sich die Diagnose „Avulsion/dystrophische Mineralisation Kreuzband“ herauskristallisiert. Was deutlich besser ist, als erwartet. Das bedeutet im Prinzip: das Kreuzband ist „angerissen“ und muss wieder „festwachsen“. Das tut es meistens von ganz alleine, wenn das Pony still hält, keine unbedachten Bewegungen macht, vor allem keine Drehbewegungen und nicht irgendwie mit den Beinen wegrutscht. Stufen steigen ist auch nicht gut. Es bedeutet Boxenruhe für mindestens drei Monate. Bewegen im Schritt ist möglich. Für ein Offenstallpferd, welches sehr mit seinen Kumpels tobt und spielt etwas schwierig. Aber besser als alle anderen Diagnosen, die ich mir in meinen Gedanken so ausgemalt habe. 

Also haben wir Jacinto wieder eingepackt und sind nach Hause gefahren. Weitere Untersuchungen bleiben mir und meinem Geldbeutel erst mal erspart. Ich bin übrigens sehr stolz wie souverän Jacinto Hänger fährt und wie brav er im Umgang ist. Die Basics sind echt wichtig. Das kann man immer wieder beobachten, wenn man anderer Leute Pferde zusieht, wie sie sich in der Klinik aufführen. Wobei ich es Jacinto nicht übel nehme, wie er sich gegen die Abspritzung gewehrt hat. Das war nämlich in nicht Bösartig, nur abwehrend. 

Frauchen freut sich, dass wir wieder mit Pony heim fahren können! – Foto: privat

Jetzt wohnt der Zwerg in Sichtweite zu seiner Herde in einer sehr geräumigen Doppelbox mit kleinem Paddock, von dem aus er seine Kumpels sieht und welches genau im Weg zum Putzplatz steht, so dass alle seine Freunde an ihm vorbei laufen müssen. Ab und an bekommt er Besuch von seinen Kumpels, die stehen dann im Nachbar-Paddock und er hat die Möglichkeit zum Fellkraulen oder Rumschnüffeln. Direkter Kontakt zur Herde geht leider nicht, weil da wäre eine Stufe dazwischen. Die Möglichkeit finde ich gelungener wie eine 3×4 m Boxe ohne Sonnenlicht. Es dauert vielleicht etwas länger, aber Jacinto kann sich die Beine wenigstens ein bisschen vertreten und bekommt hoffentlich keinen Lagerkoller. Schauen wir mal, wie lange das gut geht. Und ich hoffe es bringt was. Vielleicht bleibt mir Jacinto als Reitpferd erhalten und ich kann noch viele Jahre mit ihm durchs Gelände streifen.

Armer Zwerg in Einzelhaft – Foto: privat

Auf jeden Fall muss ich aber weiter überlegen, was ist, wenn alle meine Pferde alt sind. Weil sie einfach so abschieben kann ich sie nicht. Dafür waren sie mir zu treu. Es ist auf jeden Fall der erste Schritt in einen neuen Pferde-Lebens-Abschnitt, der mich reiterlich gesehen deutlich einschränkt, aber auf jeden Fall eine neue Erfahrung wird. Meine Wunsch wäre aber trotzdem ein unerwarteter Geldsegen, der mir ermöglicht ein Nachwuchspferd zu erwerben UND alle meine Halb-und-Teilzeitrentner zu behalten. Aber wer bekommt schon was er sich wünscht?

Was sind Eure Erfahrungen mit Rentner-Pferden?

Hat jemand von Euch schon mal ein Pony mit „Kreuzbandanriss“ gehabt?

Und wenn ja, was sind Eure Erfahrungen und Behandlungen gewesen?

Toxische Menschen?

Gefangen in der eigenen Destruktivität

26. Juni 2019:

Ein Thema über das ich momentan viel nachdenke sind toxische Menschen. Das hat nicht besonders viel mit Pferden zu tun. Aber Menschen findet man auch am Reitstall. Vielleicht kennt der eine oder andere von Euch den Begriff „toxische Menschen? Oder leidet gar selber unter ihnen? Ich selber bin auch schon an solche kräftezehrenden Vertreter der Spezies Mensch geraten. Dummerweise glaube ich immer sehr lange an das Gute im Menschen. 

Meine beste Freundin hat momentan so ein Exemplar als Vorgesetzte. Die Chefin ist ein kompletter Terror-Zwerg, manipuliert, macht ihre „Untergebenen“ nieder, auch gerne per lautstarkem Anschiss vor größeren Menschengruppen – das ist gerade deshalb (nicht) lustig, weil es ein Dienstleistungsbetrieb ist, deren größte Sorgfalt auf „macht es den Gästen so schön wie möglich“ liegt. Tja. Sie ist extrem anstrengend, ändert ständig ihre Regeln, steht mit ihren Intrigen dauernd im Mittelpunkt und fühlt sich ständig als Opfer. Man weiß nie, wann etwas richtig ist und wann nicht. Sie nimmt überhaupt keine Rücksicht. Sie raubt meiner Freundin die komplette Energie. Es ist ein richtiger Teufelskreis. Und meine Freundin leidet darunter, weil sie ein sozialer und feiner Mensch ist. 

Die Crux an der Sache ist, man merkt zuerst nicht, dass man sich in den Fängen eines toxischen Menschen befindet. Es setzt schleichend ein. Diese Menschen haben es extrem gut drauf ihr Umfeld so geschickt zu manipulieren, dass man gar nicht merkt wie befangen man ist. 

Wie erkennt man jetzt einen toxischen Menschen?

  • Sie tun Dinge, die Ihnen einfach nicht zustehen und zu denen sie kein Recht haben. Sie verhalten sich grenzüberschreitend und übergriffig. Sie erregen furchtbar gerne Mitleid und versinken hingebungsvoll in der „Opfer-Rolle“. Sie entschuldigen sich auch nicht. Weil SIE haben ja alles richtig gemacht. Schuld haben IMMER die Anderen. 
  • Sie haben selten Schuldgefühle, wenn sie andere verletzt haben. Sie haben konkrete Erwartungen an Dein Verhalten, ohne diese Erwartungen anzusprechen. Hältst Du Dich nicht an diese unsichtbaren Erwartungen, wirst Du dafür bestraft.
  • Sie haben immer Recht, andere Unrecht. Sie sind oft verbohrt, uneinsichtig und unbelehrbar. Sie sind gar nicht daran interessiert die Sichtweise des Anderen zu verstehen, oder gar ihr eigenes Verhalten zu ändern. 
  • Sie beginnen oft Streit, anstatt ein klärendes Gespräch zu führen. Es wird immer wieder auf Dingen herumgehackt, die längst geklärt schienen. Man dreht sich einfach andauernd im Kreis. 
  • Sie lügen um ihre Interessen durchzusetzen. Sie lassen Informationen weg, erfinden neue dazu, streuen Gerüchte. Man kann auch einfach sagen sie sind Meister der Manipulation und Fürsten der emotionalen Erpressung. Sie erzählen Dir, was Du hören willst. 
  • Sie verhalten sich oft eifersüchtig und missgünstig. Wenn Sie es nicht bekommen – dann keiner. Dann wird es lieber kaputt gemacht. Ganz dramatisch ist das natürlich in einer Beziehung oder bei gemeinsamem Vermögen/Firmen. 
  • Sie nehmen keine Rücksicht auf die Bedürfnisse und Gefühle von anderen. 
  • Sie hinterlassen ein Gefühl von Erschöpfung und Müdigkeit. 

Natürlich ist nicht jeder, der solche Verhaltensmuster zeigt ein Toxischer Mensch – jeder von uns bedient sich manchmal der einen oder anderen Range von toxischen Verhaltensmustern. Echte Toxische Menschen zeigen jedoch sehr viele dieser Verhaltensmuster über längeren Zeitraum – immer wieder in neuen Varianten. Sie sind Meister darin. 

Was hilft also?

Ich muss erst einmal erkennen, wann ich es mit einem toxischen Menschen zu tun habe. Und das dauert erstaunlich lange, bis man es selbst begreift. 

Wie soll ich mich verhalten?

Auf Abstand gehen. Nimm die Dinge, die Dir der Toxische Mensch sagt nicht zu Herzen. Das ist sehr schwierig (und lässt sich wirklich auf dem Papier super leicht sagen), aber solche Menschen leben von emotionalen Reaktionen. Sie saugen Deine emotionale Energie ab und nähren sich daran. Deshalb wirst Du Dich im Umgang mit ihnen auch jedes Mal schlechter fühlen. 

Achte darauf klare Ansagen zu machen. Nur Fakten und die Konsequenzen. Keine Interpretationsspielräume zulassen. Keine Emotionen. Keine Bewertungen. Nur Fakten. Achte darauf: Dein Mitgefühl wird ausgenutzt. Setze Dir klare Ziele und komme von denen nicht ab. Lass Dir kein schlechtes Gewissen einreden. Wenn Du feste Ziele hast, brauchst Du kein schlechtes Gewissen, weil Du nach menschlichen und sozialen Maßstäben handelst. Agiere statt zu reagieren. 

Der Toxische Mensch wird keine Ruhe geben, bis er sein „Ziel“ erreicht hat. Sei nicht das Ziel. Nimm ihm den Wind aus den Segeln. Sprich mit anderen Menschen in Deinem Umfeld. Hole Dir Meinungen ein. Hör auf Deine Mitmenschen. Sie erkennen einen toxischen Menschen meistens eher und besser wie man selber. 

Man kann toxische Menschen nicht verstehen – die Psyche ist sehr kompliziert. Dafür gibt es Menschen die mehrere Jahre studiert haben und Psychologen genannt werden. Zerbrich Dir nicht für die den Kopf. Es funktioniert nicht. 

Es fühlt sich irgendwie so an, wie wenn man mit einem Alkoholiker zusammen lebt. Dieser wird immer wieder Rückfällig, beteuert, dass er es schaffen wird, erschafft eine komplette Traumwelt um sich herum. Und alle anderen sitzen hilflos dabei, leiden und warten letztendlich auf den endgültigen Zusammenbruch. Erst wenn der kommt und die Person tatsächlich realisiert, dass etwas nicht stimmt, kann eine Heilung eintreten. Und selbst dann ist es noch ein langer Weg. Die betroffene Person muss es von sich aus wollen. Aber sie wird es niemals ohne professionelle Hilfe schaffen. Weder der Alkoholiker, noch der Mensch der psychologische Betreuung benötigt. 

Warum heute so ein ernstes Thema? Weil es mich beschäftigt. Weil ein Blog eine Art Tagebuch sein soll. Weil ich auf meinem Blog nachdenken kann, über was ich möchte. Weil ich möchte, dass meine Freundin auch von ihrer toxischen Chefin los kommt. Weil ich möchte, dass niemand unter toxischen Menschen leiden muss. Weil wir es einfach alle so schön haben könnten, wenn wir vernünftig miteinander umgehen würden. Weil es so erleichternd ist von toxischen Menschen los zu kommen und wirkliche Gemeinschaft und Rückhalt in einer Gruppe zu erleben. Das wünsche ich uns allen. 

So. Und wer bis hierher durchgehalten hat: Nächstes Mal kommt wieder der ganz normale Pony-Wahnsinn: Für uns geht es nämlich am Wochenende nach Fulda auf das EPFC Paso Fino Turnier und ich freue mich richtig alle Fino Freunde wieder zu treffen. Und ich freue mich darauf John zu erzählen, wie motiviert das Drachenpony momentan ist und wie viel Spaß sie macht – auch wenn ich mich zwischendurch mit solch düsteren Gedanken beschäftigen muss.  

Quellen zum Weiterlesen: arbeits-abc.deGedankenwelt.dezeitzuleben.de

Frühjahrsputz?

16. April 2019:

Frühjahrsputz-Chaos …. – Foto: Privat


Es ist Frühling. Die klassische Zeit für Frühjahrsputz. Einfach mal den Staub und die Spinnweben rauskehren und nebenbei richtig aufräumen. Damit habe ich kein Problem. Im Gegenteil. Ich bin der klassische Fall von zwangsneurotischem Ordnungsfanatiker. Bei mir hat alles seinen Platz. Und ich liebe es Dinge zu sortieren. Gerne auch nach der Arbeit im Supermarkt – wenn da etwas unordentlich steht, ich muss es zurecht rücken. Putzen ist Seelen-Therapie. Da kann man so viel bei Nachdenken. Und wenn man dann alles wieder sauber und ordentlich hat, hat man seine Gedanken auch wieder sortiert. Ich mache das gerne. 

Auch deshalb, weil ich sonst nix mehr finde. Das nennt man beginnende Alters-Demenz. Und ich habe zu viel Zeug. Und ich trenne mich sehr ungern von Dingen. Ganz schlimm. Was uns schon ganz flockig zu Teil 2 des Frühjahrsputzes bringt: dem Aussortieren. Da haben sich doch tatsächlich in 18 Jahren eigene Pferde und vorher schon komplette Ausstattung für fremde Pferde ganz viele Dinge angesammelt. Ich weiß gar nicht wie das so eskalieren konnte. 

Mir wurde das wieder bewusst, als ich gestern eigentlich nur ein Regal meines Sattelschrankes aufräumen wollte. Irgendwie eskaliert das dann immer. Es fängt ganz harmlos an. Ich versuche nur ein Brett im Regal aufzuräumen und ehe ich mich versehe sitze ich hilflos inmitten meiner Sachen und frage mich: Wie konnte es nur so weit kommen?! Mal ganz ehrlich: wie schaffen es Leute ihre Sachen für mehrere Pferde in einem einzigem winzig kleinem Bundeswehrschrank unter zu bringen? Habt Ihr da einen Zauber drüber gelegt, wie Hermine im letzen Harry Potter-Teil? Ihr erinnert Euch, diese Handtasche wo alles rein passt?

Also ehrlich. Ich sitze da in meinem Gerümpel und denke mir: dieses Minimalismus-Ding mag ja eine echt große Sache sein. Wie machen die Leute das? Und macht das die Leute tatsächlich auf Dauer glücklich? Gruß an Frau Kondo. Aber mal ganz ehrlich: Für mich ist das nix. Der Mensch ist und bleibt einfach ein Jäger und Sammler. Und da ich komplett unsportlich bin, bleibt mir nur das Sammeln übrig. Und noch mal ganz ehrlich: Das dürfte jedem schon spätestens nach dem Kauf des dritten Ponys klar geworden sein. Minimalistisch wäre halt einfach nur ein Pony. 

Ich gestehe das jetzt einfach mal: Ich bin ein Sammler. Und es macht mir nix aus. Und ganz ehrlich, wenn ich mir die hübsch inszenierten Bilder zum Thema Minimalismus ansehe oder in Wohnungszeitschriften blättere, denke ich mir immer: Wo habt ihr euer Geraffel versteckt? Jeder Mensch hat doch bestimmt mindestens eine dunkle Ecke, wohin alle Dinge verschwinden, die man eigentlich nicht hergeben kann? Oder ein ganzes Gerümpel-Zimmer. Wo sind all die Dinge, die man nicht vorzeigen kann, die einem aber ans Herz gewachsen sind? Kein Mensch kann immer so gut aufgeräumt sein. Innerlich und Äußerlich. Da muss sich doch etwas verstecken. Ich möchte jeden Anschreien: Lasst es doch einfach raus! Seid nicht perfekt! Niemand kann nur perfekt sein! 

Gut, in meinem Pferdeschrank finden sich jetzt nicht allzu viele peinliche Sachen – vielleicht abgesehen von der flauschigen, blauen Satteldecke mit den Schäfchen drauf. Aber die habe ich damals fürs Möppi gekauft und die gebe ich auch nicht mehr her, auch wenn ich sie nicht benutze. Oder wenn man mal absieht von meiner exzessiven Sammel-Leidenschaft für Bosals und Barbadas. Und weil ich ein gerne fauler Mensch bin, müssen die auch alle an eigenen Kopfstücken hängen, dann kann ich mir einfach eines aussuchen. Oder Roulett spielen: Blind hinein greifen und dem Pony anziehen. Und ja, Neonfarben sind vielleicht nicht immer eine gute Wahl. OK. Das sind weiße Stiefel auch nicht, und trotzdem tragen Frauen weiße Stiefel. Oder Leggins. Die waren schon in den 90ern Grenzwertig.

Aber dafür habe ich zumindest keine exzessive Sammel-Leidenschaft für komplette Eskadron Sets. DAS braucht ja mal richtig viel Platz – keine Ahnung wie die Leute das schaffen. Finanziell und Platztechnisch! Ich habe mal auf Youtube gesehen, wie eine sehr junge Frau ihre komplette Eskadron-Set-Sammlung vorgestellt hat. Die hatte locker 50 verschiedene Schabracken und teilweise dazu noch die passenden Bandagen, Ohrenmützen und Abschwitzdecken dazu. Diese Sammlung hat ausgebreitet einen großen Teil einer kompletten Reithalle in Beschlag genommen, was mich nachhaltig schockartig beeindruckt hat. DAS finde ich dann doch etwas bedenklich, aber es beruhigt mich auch wieder. 

Es gibt Menschen, die eskalieren noch viel deutlicher wie ich. Und es gibt Menschen, die haben halt weniger. Soll jeder machen wie er denkt, so lange man damit glücklich ist und sich selbst nichts vormacht. Von daher finde ich: Solange man nicht mehrere gleiche Kopfstücke hat, die sich nur durch unterschiedliche Farben unterscheiden, kann es nicht so schlimm sein. Moment mal …. Blau, Gelb, Schwarz, Rot, Türkis, …. äh ….  schnell Themenwechsel. 

Nein, die sind nicht alle gleich! ….. – Foto: privat

Jedenfalls auch ich bemühe mich alles im Griff zu behalten. Mein Leben und meinen Sattelschrank. Ab und an ziehen neue Dinge ein, aber ab und an zieht auch mal was aus. So hält sich alles in Grenzen. Im Stall wie im Leben. Eigentlich muss man „nur“ seinen eigenen Stil finden. Und dann durchziehen und sich nichts einreden lassen. Das entspannt. Und perfekt sein? Wer will schon perfekt sein – ist doch langweilig! 

Pferdebesitzer-Typisierung?

Zwergenliebe – Foto: Yvi Tschischka

01. März 2019:

Nach ein paar Jahrzehnten Pferde-Stall-Leben habe ich inzwischen ausreichend zwischenmenschliche Geschichten erlebt, um schreiend davon zu rennen, vor-und-zurück-schaukelnd in der Ecke zu sitzen*, oder die verschiedenen Typen einfach in Schubladen zu stecken. Falls sich jemand angesprochen fühlt, muss er nicht, kann er aber. Mischtypen sind übrigens auch möglich. Wer erkennt sich wieder? 

Macher:

Macht einfach. Lässt sich wenig reinreden, probiert mal herum, sucht sich Inspiration, übernimmt die, wenn sie taugt in seine eigenen Gepflogenheiten. Ist pragmatisch. Sorgt sich zwar um sein Pferd, aber auf einem gesunden Niveau. Das Pferd ist kein Ersatz für irgend etwas. Das Pferd darf Pferd sein. Das Pferd darf sich dreckig machen und ein Eigenleben führen. Der Macher wirkt oft etwas Seltsam, ist aber Kompetent und für fast jeden Blödsinn zu haben. 

Rentner-Bespaßer:

Leute mit alten oder chronisch kranken Pferden, die einfach nicht mehr geritten werden und nur noch „getüddelt“ werden. Was ja auch gut ist. Schließlich haben die Pferde ihr ganzes Leben beim Rentner-Bespaßer verbracht und jetzt wird ihnen dafür gedankt. Was super ist. Hier findet man viele lustige Symbiosen zwischen Pferd-und-Mensch. Oft sehr amüsant für Außenstehende. Es schleichen sich viele kleine Rituale ein, die mit anderen Pferden so nicht funktionieren würden, sich über die Jahre eingeschlichen haben und hier ihren besonderen Charme haben. Die Pferde dürfen Pferd sein und bekommen extra Aufmerksamkeit. 

Psycho-Tüddler: 

Menschen, die Pferde als Ersatz für irgend etwas haben. Meist Menschen, die mit sich selbst nicht im Reinen sind. Sie projizieren viele Dinge auf die Pferde. Oft Krankheiten, Emotionen und Gewohnheiten. So ein Pferd hat es nicht einfach. Die Umwelt dieser Menschen und andere Einsteller übrigens auch nicht.

Das komplett (miss-)verstandene Tier bekommt schon eine Decke bei 20° Plus im Schatten, drölfzig verschiedene Zusatzfutter-Mittelchen, eine spezielle Art der Ganzkörpermassage und Spezial-Putz-Sessions. Klangschalen und Räucherstäbchen sind auch ein Thema. Gerne wird mit so Methoden wie Tierkommunikation oder gewaltminimiertem Kuschel-Training gearbeitet. Der Osteopath ist ungefähr fünf Mal im Jahr da. Der Tierarzt potentiell öfters, gerne auch umsonst. Was ärgerlich für den Tierarzt ist, der kostbare Zeit verschwendet, in der er hätte echte Patienten behandeln können. 

Im Idealfall ist das Pferd ein Schaaf und wird einfach lethargisch, weil „Todgetüddelt“, oder es trampelt seinem Besitzer auf der Nase herum (… gerne auch wortwörtlich). Insgesamt hapert es dem Tüddler an realem Verständnis für Pferdeverhalten. Kann lustig sein. Kann aber auch gefährlich sein. Dieser Typ verlässt relativ zügig wieder den Stall, weil er mit den ganzen seltsamen Menschen um sich herum nicht zurecht kommt – oder weil das Pferd sich nicht zu Hause fühlt; wahlweise negative Feng-Shui-Schwingungen in seiner Box hat. Oder der Hafer** nicht rechtsgedreht gelagert wird. Irgendwas ist immer.

Selten-Da: 

Hat zwar ein Pferd, stellt es gut unter (zahlt Miete und Tierarzt, ect) und überlässt es weitestgehend sich selber. Was nicht das Schlechteste ist. Der Selten-Da kommt immer mal zum Reiten, das Pony ist aber eigentlich in der Herde gut aufgehoben. Freut sich dann, wenn es menschliche Ansprache hat und hat so eigentlich ein ziemlich entspanntes Leben. 

Drama-Queen:

Eigentlich geht es hier gar nicht um das Pferd. Das Pferd ist nur ein Transportmittel der mentalen Ergüsse. Man hat zwar ein Pferd, aber letztendlich legt man viel Wert auf das, was andere Menschen sagen und machen. Bestätigung und Beliebtheit sind hier die Zauberworte. Man muss schon aufpassen, das solche Menschen nicht abkippen und in die Fänge von anderen Drama-Queens geraten. Die Dramas gibt es nämlich in mehreren Ausprägungen: Drama-Queens, die selber leiden und Drama-Queens, die Drama machen. Nämlich immer dann, wenn sie keine Aufmerksamkeit mehr bekommen. Sehr kompliziert. Sehr nervig. Aber eine wahre Fundgrube für gute Geschichten. 

Hardcore-Turnier-Reiter:

Kommt zugegeben im Offenstall nicht oft vor. Das Pferd wohnt eher in einer Box, bekommt regelmäßiges Training, wird eher als Sportgerät gehalten. Wenn es die Leistung nicht bringt kann es auch weiter verkauft werden. Sehr zielorientierte Reiter. Die Pferde haben nicht so viel zu lachen, außer sie sind auch ein bisschen masochistisch veranlagt.

Traumichnicht:

Trauen sich einfach nicht. Finden immer, dass sie etwas nicht richtig machen, oder zu schlecht sind. Dabei haben sie die gechilltesten und tollsten Pferde im ganzen Stall! Sie machen sich ständig Gedanken, dabei könnten sie einfach machen und genießen! 

Einhorn-Glitzer:

Lebt in seiner eigenen Welt. Einhörner in Maßen genossen sind ja ganz ok. Vor allem wenn sie Sekt dabei haben – aber für immer und mit Dauerglitzer? Ne. Der Typ Einsteller schwebt in eigenen Sphären, wirkt als ob er ständig auf Droge wäre. Äußerst atmosphärische Menschen, anstrengend. Deren Ponys sind die reinsten Geisterwesen, unglaublich toll, unglaublich intellent***, und unglaublich erfolgreich. Außerdem ist deren Verbindung zum eigenen Pferd sowas von Zwei-Seelen-ein-Gedanke-Mäßig, dass mir grundsätzlich dabei richtig schlecht wird.  

Horsemanshiper:

Hier wird gehorsemanshipt, was das Zeug hält. Alles was Freiheit, Leichtigkeit und Natural verspricht (und dazu das passende Equipment verkauft) ist bei diesem Typ total im Trend. Da wird mit Halsring ausgeritten, obwohl der Zossen keine Bremse und keine Lenkung hat. Braucht er ja nicht, weil er nur durch Gedankenübertragung gearbeitet wird. Funktioniert halt so lange super, wie keine Kreuzung, Eisenbahn oder Bundesstraße im Weg ist. So eine Dampflock hat halt einfach mal die höhere Durchschlagkraft. Fragt „Apollo 13“ (aus „Der Schuh des Manitu“), der kannte sich damit aus (R.I.P.). Die Pferde sind hier gerne mit ihren Besitzern überfordert, alle anderen übrigens auch. Sehr stressy. 

Daswarschonimmerso:

Horror für jedes Pferd und jeden Menschen. Leute, die ihre Pferde so und so behandeln, weil das schon immer so war. Da wird nix hinterfragt, weil das war schon immer so. Da wird nicht nachgedacht, weil das war schon immer so. Da wird nix an der Routine geändert, weil das war schon immer so. Kommen übrigens nicht so wirklich klar mit Leuten, bei denen alles anders ist. Komisch oder? Das war schon immer so. Argh!

Habe ich jemanden vergessen?

* der Fachbegriff dafür ist übrigens „Jaktation“ (falls ihr mit Fachwörtern angeben wollt 

** hier wahlweise Heu/Stroh/Schubkarren/Wassereimer #jedesbeliebigeworteinsetzen

*** intelligent wurde mit Absicht falsch geschrieben. Ist so ein T(r)ick von mir. 

Einstellungssache?

24. Februar 2019:

Was ist nur mit der Motivation los? Und damit meine ich meine eigene Motivation … 

Sie muss gehegt und gepflegt werden und ist schwierig auf einem guten Level zu halten.  

Suchen die Motivation … – Foto: Yvi Tschischka Photography

Kennt ihr den Film „Galaxy Quest“? Ein Film aus 1999 über ein paar abgehalfterte Serien-Darsteller einer Raumschiffserie, die sich mit Eröffnungen von Supermärkten und Conventions über Wasser halten. Sie werden von einem naiven außerirdischen Volk für echte Helden gehalten und engagiert, um den Sieg gegen einen außerirdischen Bösewicht zu erringen. Die Schauspieler müssen auf einmal real agieren und Entscheidungen treffen, die echte Leben kosten können. Bei den Abenteuern landen sie auch auf einem Planeten und Kapitän „Jason“ muss vor einem gewalttätigen Fels-Monster, was nur aus riesigen Steinquadern besteht flüchten. Die Crew versucht ihren Kapitän vom Raumschiff aus heraus zu beamen, aber das gestaltet sich etwas schwierig (dank der Angstblockade des Technikers „Fred“). Dabei schafft es Jason natürlich letztendlich sein T-Shirt auszuziehen und es entspinnt sich folgender Dialog: 

„Fred schafft es nicht Jason! Du musst es töten!“

„Töten? (Flüchtet dabei vor dem Felsmonster im malerisch-dramatischen Staubwolken) …. also ich bin für jeden Vorschlag dankbar!“

„Ziel auf die Augen!“

„Es hat keine Augen!“

„Ziel auf den Mund oder die Kehle, oder irgend eine verwundbare Stelle!“

„Es ist ein FELS! Es hat keine verwundbare Stelle!“ (Schnaufen, Rennen)

„Ich habe eine Idee! Du baust Dir eine Waffe! Sieh Dich um, kannst Du Dir eine Art primitive Werkbank herstellen?“

(Handgemenge aus dem Raumschiff ist hörbar)

„Werkbank?!!! Geh aus der Leitung!“

„Alexander, Du bist mein Berater! Berate mich!“ (schnaufen)

„Ich denke, Du musst einfach nur herausfinden was es will! Was ist seine Motivation?“

„ES IST EIN FELSEN! ES HAT KEINE MOTIVATION!!!“

Letztendlich folgt dann eine motivierende Ansprache an den angstgehemmten Techniker Fred, während Jason vom Monster herumgeschleudert wird und dann wird er natürlich in letzter Sekunde gerettet. Ohne sein T-Shirt. 

Jedenfalls muss ich immer, wenn das Wort „Motivation“ irgendwo auftaucht, an dieses Filmszene denken – und dann muss ich immer Lachen.  

Was will ich also mit dieser Szene sagen? 

Gute Laune hilft bei allem. Sie macht, dass alles nicht mehr ganz so Schlimm erscheint. Und Motivation ist gut. Vor allem, wenn man sie hat. Mir fehlt sie momentan ganz schön. Sie lauert im Hintergrund und möchte nicht an die Oberfläche. 

Motivation ist ursprünglich genetisch und instinktiv vererbtes Verhalten. Hunger, Durst und Fortpflanzung stehen auf ihrer primären Erfüllungsliste. Wobei Fortpflanzung und Familienbildung in meinem Fall nicht wirklich ausgeprägt vorhanden sind, eher im Gegenteil … aber DAS ist wieder ein anderes Thema. Also wie motiviert man sich weiter, wenn die genetischen Triebe erfüllt sind? Wenn man Ziele erreichen möchte, die auf intellektueller Ebene erhöhen sollen? Wichtig dabei sind Emotionen. Sie treiben einen an. Man möchte sich immer wohl fühlen. Also muss man Wohlfühlen anstreben, dann hat man auch Motivation. Klingt alles etwas theoretisch und verwirrend oder?

Meine primäre Motivation ist es jeden Tag in Ruhe aufzustehen (dabei erst mal nicht angesprochen werden, bis der erste Kaffee wirkt), gute Arbeit zu leisten und jeden Tag positiv abzuschließen. Dabei spielen auch die Ponys eine wichtige Rolle. Sie tragen maßgeblich zu meinem Wohlgefühl-Faktor bei. Dort bewege ich mich und interagiere (im Idealfall mit netten Menschen und vor allem mit den Ponys). Meine Motivation ist also eine gute Zeit bei den Ponys zu erleben. Dafür erdulde ich Einiges. Ich nehme zum Beispiel in Kauf den ganzen Tag arbeiten zu müssen, um Geld zu verdienen, dass ich mir das mit den Ponys auch leisten kann. Man bekommt ja schließlich nichts in den Arsch geschoben. Wobei ich meine Arbeit echt gerne mag.  

Was mich nicht motiviert: mich nerven zu lassen oder Dauernörgler zu ertragen. Meine Freizeit möchte ich nicht damit verbringen. Und schon gar nicht, wenn sie mir nicht gut tun. Dafür habe ich keine Zeit. Von daher ein kleiner Tipp an euch: Überlegt was ihr wollt und was ihr nicht wollt. Manchmal hilft es auch schon ganz klar zu definieren was man NICHT möchte. 

Und wie könnt Ihr das erreichen? Streicht einfach ein paar Dinge, die Euch nicht gut tun von Eurer Liste – und wenn das andere Menschen sind, die immer nur nehmen und nie geben – gut so – lasst sie ziehen! Natürlich sagt sich das hier so einfach. Emotionalen Ballast abwerfen tut gut. Weil letztendlich zählt die eigene Motivation und das eigene gute Gefühl. Denn nur dann kann man auch ein gutes Gefühl an andere Menschen weiter vermitteln.

Was hat das jetzt in einem Pferdeblog zu suchen? Keine Ahnung. Das sind Gedanken, die mich in den letzten Monaten (wenn nicht sogar Jahren) beschäftigt haben. Wie kann ich mich optimieren, damit es mir besser geht. Was wiederum bewirkt, dass ich motivierter bin? Weil wenn man etwas ändern möchte, dann muss man bei sich selber anfangen. Jemand anders tut es nicht. Und dann klappt es vielleicht auch wieder mit der Motivation für so Dinge wie Geschichten erzählen und lustige Blogbeiträge schreiben. Ich arbeite jedenfalls daran! 

Wir bleiben dran! – Foto: Yvi Tschischka Photography (ganz frühe Werke :-))


Sentimentalitäten?

11. Juni 2018:

Heute haben wir Sara und ihren Samurai zum Springturnier begleitet. Eigentlich sollte ich sie ja fahren, aber mein Auto musste unbedingt wieder einmal Drama-Queen spielen und den Hänger-Zug verweigern. Long Story, short: Montag sind wir in der Werkstatt.

Jedenfalls hat mich das Turnier an die Anfänge meiner Reiterlaufbahn erinnert und ich bin sentimental geworden. Kann auch sein, dass bei mir langsam altersbedingte Hormonschwankungen einsetzen, die für  pferdetechnische Flashbacks zuständig sind. Oder ich werde langsam dement. Wer weiß das schon. Auf jeden Fall zogen alle meine Pony- und Pferdelieben an meinem inneren Auge vorbei.

Meine erste große Pferdeliebe war ein Welsh A Pony. Ihr Name war „José“ und mit ihr habe ich die  Gegend durchstreift. Bei uns am Dorf gab es einen Mann der Welsh-Ponys hatte. Hier haben wir uns mit kleinen Arbeiten das Reiten verdient. Der Grundstock bestand aus Hof kehren. Kehren kann ich also. Und Misten. Was ich schon an Tonnen von Mist geschaufelt habe! Ein Fußballfeld voll reicht wahrscheinlich gar nicht mehr aus!

José – sie war ein richtiges Buschreiter-Pony! – Foto: gezwungene Mutter 🙂

Später kam dann offizieller Reitunterricht im nahegelegenen Reitverein dazu. Josés letztes Fohlen, ein kleiner Inzucht-Weideunfall, war dann meine erste spezielle Pony-Liebe. Sie war sehr scheu und ich hatte viel Zeit nur in ihrer Box sitzend verbracht, damit sie vertrauen zu mir bekam. „Johanna“ war ihr Name. Sie war auch das erste Pony, dass ich angeritten habe. Johanna war speziell, sie ging Pass. Also quasi mein erstes Gangpferd 🙂 Keine Ahnung, ob das damals komplette Verspannung bei diesem sensiblen, kleinen Pferdchen war, komplette Inzucht, oder ob sie tatsächlich eine Gangveranlagung hatte. Auf jeden Fall träumte ich davon, dass sie im Schuppen hinter unserem Haus einziehen durfte. Tat sie natürlich nicht. Es hieß immer: Wenn Du mal erwachsen bist und selber Geld verdienst, kannst Du Dir ein Pferd kaufen!

Johanna – Die Blässe sieht ein bisschen aus wie bei Diosa oder? – Foto: arme gezwungene Mutter – Wir sind übrigens immer mit relativ kurzen Bügeln geritten, damit die Leute nicht denken, wir seien zu groß für die Ponys 🙂

Jedenfalls wurde sie eines Tages samt ihres Halbbruder-Vaters einfach als Gespann verkauft und war weg. Mein erster großer Verlust. Das hat wahrscheinlich auch meine Einstellung zu Reitbeteiligungen geprägt. Mir wurden oft einfach die Ponys ohne Worte sprichwörtlich unter dem Sattel wegverkauft. Eine harte Schule. So wollte ich zu meinen Reitbeteiligungen nie sein. Von daher bin ich glaube ich eine ziemlich gute Wahl, falls man Reitbeteiligung bei mir sein möchte 🙂 #eigenlobstinktgarnicht

Aber eigentlich kam ich auf die Sentimental-Schiene, weil wir heute Sara begleitet haben. Das erinnerte mich an meine ersten FN Reitschul-Turniere und natürlich die geliebten Schulpferde von damals. Da gab es „Dojan“ ein brauner Holländer und ausgemustertes Springpferd.

Dojan – mein erstes FN-Turnier 1990 – ein Reiterwettbewerb – Foto: gezwungene, auf Turnier geschleppte Mutter

Später kam Bergfee. Bergfee war sehr speziell und sehr flott unterwegs. Wahrscheinlich hat sich da schon meine Liebe für leicht bekloppte Pferde gefestigt. Leider blieb sie nicht lange als Schulpferd. Aber mit ihr hatte ich meinen ersten Wanderritt und 1993 zwei Turnierstarts. Auf diesem Bild wurde ich sogar Erster. Aber ich habe keine Ahnung mehr, wie viele Teilnehmer da dabei waren. Der Pokal steht jedenfalls immer noch in meinem Bücherregal.

Bergfee – Hier baute sich meine Tendenz für spezielle Pferde aus (leider muss ich sagen, dass ich schon damals anscheinend gerne nach links unten gesehen habe …. das ist heute noch so) – Foto: leidende Mutter

Für Bergfee kam Napoleon – ein großer Brauner Wallach. Mit ihm war ich auf jeden Fall einmal bei einer Quadrille im Rahmen irgend welcher Casteller Festivitäten dabei. Das muss 1994 gewesen sein. Soweit ich mich erinnere war Napoleon ein Privat-Pferd, dass dem Reitverein zur Verfügung gestellt wurde. Aber mich interessierte immer das Außen-Herum nicht so sehr, ich war mehr auf die Ponys und Pferde fixiert und wohl eher in meiner eigenen Welt unterwegs.

Napoleon – Auf dem Bild bin ich übrigens schon süße 18 Jahre alt. – Foto: keine Ahnung mehr wer

Aber meine eigentliche große Pony-Liebe war „Charly“, ein Welsh-Reitpony, geboren 1994. Ihn habe ich von Fohlen-Zeit bis ins Reitalter begleitet. Wir hatten eine schöne Zeit, er war sehr temperamentvoll und wirklich eigentlich „mein“ Pony. Mein tiefster Wunsch war, dass er mir gehören sollte. Aber das wurde mir aus unerfindlichen Gründen verwehrt. Also trennte ich mich komplett schwermütigen Herzens von den Welsh-Ponys und rutschte so in die alleinige Welt der Gangpferde. Speziell der Paso Finos. Denn Jacinto trat in mein Leben 🙂

Charly als Fohlen – Foto: wahrscheinlich meine langjährige Reitfreundin Renate 🙂 Wir zwei waren die BFs vom Welsh-Pony-Stall

Aber eigentlich hatte ich mich an dieses Bild hier erinnert: „Goletta“ – im alten Reitverein Trautberg 1993 im Springreiter-Wettbewerb. Was war ich stolz wie Bolle, einen ganzen Parcours geschafft zu haben. Das war damals übrigens ein fünfter Platz. Im Reitverein haben wir auch die Sommerferien verbracht. Da hängen viele schöne Erinnerungen an meine Reiter-Kindheit – Nachtwanderungen, Ausritte, Pommes-Essen – Hach ja! (PS: Claudia! Weißt Du noch!? :-)) – manchmal ist das Leben doch ein Ponyhof!

Goletta – Schulpferd – Foto: meine geplagte Mutter wahrscheinlich …

Doch genug mit Sentimentalitäten – die Realität ist: seit 17 Jahren bin ich selber Pferdebesitzer und hänge mein Herz nur noch an Pferde, die mir selber gehören. Oder an Pferde, die von meinen eigenen Pferden stammen. Die letzten 17 Jahre waren fantastische Jahre! Nicht immer einfach, aber immer hatte ich dieses gelbe, leicht autistische Pony bei mir, was oft nicht richtig läuft, mir viele Sorgen macht(e) und auf dessen Rücken ich mich immer zu Hause fühle: Jacinto! Der mir hoffentlich noch ganz viele Jahre bleibt, weil was ich ohne ihn machen soll weiß ich ehrlich gesagt nicht.

 

Verbitterte Menschen?

28. März 2017:

Ein schöner Tag bricht an. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, der Kaffee duftet. Alles läuft. Man ist zufrieden, die Welt scheint in Ordnung zu sein. Es ist friedlich.
Trifft man in dieser Grundstimmung auf Menschen, die alt und verlebt aussehen, mit diesem bitteren Zug um den Mund, die Augen böse verkniffen, erst mal ein Pöbeln auf den Lippen, dann betrachtet man solche Personen mit einer Güte im Blick und denkt sich wertungsfrei: „Was zur Hölle ist nur mit Dir passiert, dass Du so verbittert wurdest?“

Diese Menschen, die immer was zu meckern haben, die erst mal alles blöde finden und die ganze Menschheit und überhaupt JEDEN (gerne auch abwechselnd) schlecht finden. Diese Menschen, die wenn man ihnen was erzählt, erst mal alles doof finden, und alles viel besser wissen, oder alles verteufeln. Diese Menschen, die man schon gleich daran erkennt, dass der Glanz aus den Augen gewichen ist, die Mundwinkel nach unten zeigen und sich gar keine Lachfalten um die Augen bilden. Menschen die nur noch sich im Fokus haben und ihr Leid – oder ihr eingebildetes Leid. Kennen wir sie nicht alle? Diese Menschen, die in der Vergangenheit/Scheinwelt leben und nur dort ist alles gut. Diese Menschen, die neidisch sind auf die Erfolge anderer.

Hand aufs Herz – wir haben alle schon mit solchen Menschen zu tun gehabt. Und manchmal ärgern wir uns über sie, manchmal nerven sie einfach nur und manchmal streiten wir uns auch mit ihnen. Verbitterte Menschen. Doch in einer positiven Grundstimmung überlegt man sich vielleicht auch, warum sie so geworden sind.

In einer solch losgelösten Stimmung, leicht müde vom Tag, aber frei in den Gedanken war ich heute, als ich mir einen Podcast angehört habe. Ich höre gerne lustigen Menschen beim Quatschen zu. Heute waren es Jan und Olli von Fest & Flauschig. Irgendwie kamen sie auf „verbitterte Menschen“. Ein Nebensatz war ungefähr so: Menschen werden verbittert, weil sie im Leben Fehlentscheidungen getroffen haben und diese dann im Alter bereuen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Eigentlich haben die beiden echt recht.

In der Jugend ist man selten verbittert. Das Leben wird noch erkundet, alles ist frei und man erlebt viele Dinge zum ersten Mal. Fantastisch. Dann kommt die Verantwortung, das Leben schlägt zu. Man erlebt Verluste, Enttäuschung und Leid. Man wird vielleicht in ein Leben gepresst, dass man sich so gar nicht vorgestellt hat. Man hängt mit den falschen Leuten ab. Ist unglücklich verliebt. Hat keinen Spaß im Job. Egal was. Man trifft falsche Entscheidungen und zieht sie aber trotzdem eiskalt durch. Und irgendwann bereut man sie. Oder man überlegt sich: „Was wäre, wenn ich mich damals so oder so entschieden hätte?“ Wird man dadurch verbittert?

Ich glaube schon. Wenn man sich nur noch um dieses eingebildete Gedankenkonstrukt dreht unbedingt. Jedenfalls möchte ich keine dieser alten, verbitterten Omis werden, die schon einen Schreianfall bekommen, wenn man verbotenerweise über den Rasen am Haus läuft. Oder so ein böser Opi, der sich alle Kennzeichen am Straßenrand aufschreibt und einem die Politesse auf den Hals jagt, wenn man drei Sekunden zu lange mit dem Auto in der Einfahrt geparkt hat. Anstatt zu fragen, ob er vielleicht die Tür aufhalten soll, weil er sieht, dass man gerade Kisten schleppt. Und das sind nur die harmlosen Beispiele. Oder ein Mensch, der ständig nur verkniffen aus der Wäsche schaut, der gar keinen Spaß mehr im Leben hat und nur im Leben von anderen herumstochert, damit er nicht an sein eigenes Dasein denken muss. Einer dieser Menschen, die sich selbst so furchtbar wichtig nehmen, dass sie auf interessant-aberwitzige Gedankenkonstrukte kommen, auf die man selber als Normaldenkender gar nicht kommen würde. Ich denke Ihr wisst, was ich meine. Da werden Geschichten erfunden und zurechtgestutzt, dass sich die Balken biegen.

So möchte ich nicht werden. Bin ich glaube ich auch nicht. Mein Lebensmotto ist eigentlich: „Leben und Sterben lassen“ (James Bond) und natürlich das berühmte „Niemals Aufgeben, Niemals Kapitulieren!“ (Galaxy Quest) Darum mein Gegenprogramm: Beschäftige Dich mit Deinen eigenen Wünschen. Damit ist man gut beschäftigt. Aber nicht übertreiben. Mach Dich nicht abhängig von Anderen, aber habt zusammen Spaß. Freu Dich doch mal über einfache Dinge wie schönes Wetter, guten Kaffee, nette Gespräche. Sei nett zu Menschen. Lächle ihnen zu. Genieße das Leben. Nimm Dir mal eine Auszeit. Lies ein Buch. Geh raus an die frische Luft. Give a shit auf das was Andere sagen. Die kennen Dich nämlich nicht. Niemand kann in Deinen Kopf gucken. Stell Dir Leute einfach mit grünen Haaren vor, oder nackig, oder mit Sprachfehler, wenn sie Dich ärgern. Hab Spaß! Misch Dich nicht ungefragt in anderer Menschen Leben ein. Das geht Dich nämlich primär gar nichts an. Sei Du selbst. Das alles ging mir heute angestoßen durch den Podcasts durch den Kopf.

Dann bin ich losgezogen und habe mich mit zwei alten Freundinnen auf einen Kaffee in die Sonne gesetzt. Gut, es war Schatten und ein McDonalds-Hinterhof, aber draußen, mit netten Menschen. Face to Face. Um noch mal ein paar Anglizismen raus zu kramen. Und dieses losgelöst-gute Gefühl möchte ich mir möglichst oft und möglichst lange erhalten.

Warum ich das jetzt hier erzähle? Keine Ahnung. Aber es hat mich heute einfach bewegt, diese Erkenntnis: Bereue nicht, Lebe einfach! Dann klappt es auch mit dem befreit und nicht verbittert Alt werden 🙂

PS: Das Foto hat eigentlich gar nichts mit dem Text zu tun. Oder doch?

 

Hoch hinaus in kleinen Schritten! – Foto: Yvi Tschischka

Die drei Sätze?

28. Februar 2017:

Die drei Sätze

Ich muss mich heute aufregen. Es geht um drei Sätze. Totschlag-Sätze. Sie ersticken alles im Keim. Außer meiner Wut. Seid Ihr bereit? 🙂

Satz Nummer eins: „Das war schon immer so.“ – hmhm… soso … und das heißt dann automatisch, dass es besser ist? Anscheinend. Veränderung scheint schlecht zu sein. Entwicklung auch. Und bloß nix in Frage stellen. Auf gar keinen Fall. Oder am Ende noch hinterfragen? Da könnte ja eine andere Meinung raus kommen. Oder noch schlimmer: Ein besseres Ergebnis. Neee, das geht nicht. „Das war schon immer so.“ Drum stehen Pferde heute noch in Ständern. Drum laufen Leute heute noch mit Leggings und schlechten Dauerwellen rum. Drum gibt es Fax statt Internet. Drum heißt Raider heute Twix. Ok, das war ein schlechtes Beispiel, schmeckt immer noch gut. „Das war schon immer so“ blockiert alles. Im Keim. Von Anfang an. Ohne wenn und aber. Bloß nix verändern … – da kommen wir zu

Satz Nummer zwei: „Früher war alles Besser.“ Klar. Am Arsch war alles Besser. Es ist psychologisch erwiesen, dass Menschen ab einem gewissen Alter mehr Erinnerungen an ihre Vergangenheit speichern, als an die noch verbliebende Zeit. Autobiographische Gedächtnisforschung ist das Stichwort. Das renommierte Birnbaum-Institut hat dazu eine Statistik erstellt. Menschen verklären ihre Erinnerungen an die Vergangenheit. Fehler, schlechte Erinnerungen, Schmerz, negative Erlebnisse werden nach und nach weichgezeichnet, oder sogar vergessen. Am Schlimmsten sind die jungen Erwachsenenjahre, da erlebt man alles zum ersten Mal ziemlich intensiv. Deshalb bleibt es auch verklärt in der Erinnerung hängen. Professor Bernhard B. Birnbaum weiß wovon er spricht.
Früher war alles besser zählt also nicht. Es ist weichgefiltert und weichgespült. Und hat Null mit Realität zu tun. Und bei weichgespült bin ich schon bei

Satz Nummer drei: „Kaffee draußen nur im Kännchen.“ What? Was sind das überhaupt für Kännchen? In diese sogenannten Kännchen bekommt man gerade zwei Tassen rein. Und zwar von der Sorte Tasse, in die eh nix rein geht. Diese kleinen Tässchen, in denen der Kaffee schon kalt wird, wenn er nur eingegossen wird. Sprich er schmeckt eh wie kalte Katzen-Pisse mit einer Prise Asche drin. Und die Henkel klemmen immer die Finger ein. Wieso draußen nur Kännchen? Seid Ihr zu Faul einfach einen großen Becher hin zu stellen? Oder wer hat überhaupt dieses Kännchen-Gedöns erfunden? Stellt einfach ordentliche Becher hin und große Thermoskannen, damit das Zeug auch warm bleibt! Wer fängt schon wegen drei Schluck das Kaffeetrinken an? Pfff…. am Ende ist das die Fraktion, die früher alles besser fand und außerdem war das schon immer so!

Jetzt mal ernsthaft. Ich habe keine Lust mehr auf Menschen, die alles schlecht reden. Menschen die immer nur von früher reden. Menschen die immer nur an anderen herumkritteln. Ich bin jetzt über vierzig und möchte mich mit meinen verbleibenden guten Jahren nicht mehr mit irgend welcher Kacke von „Früher“ beschäftigen. Ich möchte jeden Tag als einen guten Tag erleben. Es gibt genug Dinge, die ich noch erleben möchte. Ich will, dass in meinem Fokus die guten Dinge stehen, die jeden einzelnen Tag neu passieren. Die kleinen Momente, die viel Spaß machen. Ich möchte meinen Fokus auf kommende Dinge richten, die ich vielleicht noch gar nicht abschätzen kann, weil sie so großartig und unerwartet auf mich zukommen. Ich möchte nicht gefangen sein in einer Welt aus Vergangenheit und Draußen gibts Kännchen.

Das heißt nicht, dass ich mich nicht an „früher“ erinnern darf. Das mache ich auch gerne, aber ich staune eher, was in der Zwischenzeit passiert ist. Ich bin eher erschrocken, wie viel Zeit seit dem schon vergangen ist, und was in dieser Zeit alles passiert ist. Ich möchte versuchen jeden Tag eine gute Version von mir abzugeben. Und das kann ich nicht, wenn ich in der Vergangenheit gefangen bin. Das kann ich erst, wenn ich der Zukunft gestatte mein Leben zu bereichern. Das kann ich auch erst, wenn ich mich nicht mehr mit dem Mist von anderen Leuten beschäftige, der mich sowieso gar nichts angeht.

Ich will auch nicht hören: „Boah, schon wieder Montag/Arbeit/*freieinseztbareswort* – ich möchte gerne jedem neuen Tag eine Chance geben. Und wenn ich früh morgens aufstehe und mir sage: „Boah, was für ein Scheiß, schon wieder Montag, ich muss auf Arbeit gehen…..bläh….“ dann wird das auch nix. Im Kopf fängt die positive Stimmung an. Ich stehe vielleicht auch früh auf und hab keinen Bock auf die Arbeit zu gehen, aber dann denke ich mir: „Och jo, auf Arbeit gibts Kaffee“ Das ist doch schon mal was. Vielleicht bringt wer war zu Essen mit, dann ist es noch mal gut. Und während ich zufrieden an meinem warmen Schreibtisch (oder sonst wo) sitze höre ich mir das Gejammer von Anderen an und denke mir: „Lustig, total lustig, mit was für einem Zeug ihr euch blockiert, anstatt dem Tag eine Chance zu geben!“

Und es funktioniert (auch bei mir nicht immer), aber wenn man einfach unbelastet und NUR mit der Suche nach positiven Dingen durch seinen Tag geht (und wenn sie auch noch so klein sind), dann wird der Tag gut. Ich arbeite jedenfalls daran. Ich will nur noch gute Tage haben. Und dazu darf man sich gerne auch Bilder aus seinem alten Fotoalbum ansehen von schönen Erlebnissen. Und dabei darf man träumen und überlegen, was man noch alles tolles Erleben möchte. Und dann muss man es einfach in Angriff nehmen. Einfach mal Sachen als gegeben nehmen und ANNEHMEN und nicht als unüberwindbare Grenze sehen, sondern als Herausforderung. Oder als Sprungbrett. Es passieren nämlich ziemlich viele gute Dinge, wenn man sie einfach passieren lässt und sich darauf einlässt. Garantiert.

Resi Richtige Richtung?
Vorwärts schauen ist die Devise – klappt zwar nicht immer, aber immer besser! – Foto: Yvi Tschischka

Diosas Geschichte?

19. Februar 2017:

Diosa ist mir damals zweijährig mehr oder weniger spontan passiert. Sie war ein Scheidungskind aus Schweden. Und sie ist ein Schecke. Vor Jacinto hatte ich mir damals einen kleinen Schecken angesehen, aber der war dann zwei Tage bevor ich Interesse zeigte verkauft worden. So war Jacinto nur zweite Wahl. Letztendlich hat sich natürlich heraus gestellt, dass Jacinto meine beste Wahl überhaupt war, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Jacinto bleibt immer bei mir, egal wie er läuft oder was er anstellt. Er ist und bleibt mein erstes eigenes Pferd und mein größter Lehrmeister.

Aber kommen wir zurück zu Diosa. Ich durfte damals ihre Mutter Probereiten und war irgendwie ganz angetan von dem Pinto-Feeling und der einfachen Reitbarkeit und der sympathischen Art. Wahrscheinlich spielte unterbewusst mit, dass ich ja immer mal einen Schecken wollte. Aber warum, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich weil ich diese ganzen einfarbigen Pferde immer verwechsle. Das passiert bei einem Schecken nicht. Die sind individuell. Erkennt man auch ohne Brille. Fragt nicht. Keine Ahnung. Jedenfalls dachte ich mir: Naja, so ein Zweitpferd wäre ganz praktisch. Da hat man ein Ersatzpferd und mit einer Stute kannste auch mal ein Fohlen ziehen. Wäre ganz nett. Dann habe ich erst mal einen Stall klar gemacht und meine Finanzen gecheckt. Erst als all das klar war habe ich mir Diosa wirklich angesehen. Wir waren auf der Weide, wo sie den Sommer über stand und ich hatte so gar keine Erwartungen. Ich wollte einfach nur gucken. Ihre Mutter hätte ich ja auch kaufen können, die wäre schon geritten gewesen. Diosas Mama ging dann übrigens später mit einer netten Frau nach Afrika.

Nimmer schüchtern
Fiesta 2007 – Diosa nicht mehr schüchtern! – Foto: weiß ich gar nicht mehr …. vielleicht von Conni Schneider?

Diosa war damals ein sehr schüchternes Pferdchen, aber sehr optimistisch irgendwie und natürlich hübsch (trotz Quadratschädel und kurzem Hals). Doris und ich standen also auf der Koppel und ich wollte wirklich einfach mal nur gucken. Unterbewusst habe ich mir wohl gesagt: Lass es drauf ankommen. Wenn das Pferdchen jetzt nett ist und auf dich zukommt, dann nimmst du es einfach. Wenn nicht, nicht. Und was soll ich sagen, irgendwie hat Diosa letztendlich mich ausgesucht. Sie kam freundlich auf mich zu gewackelt, mit gespitzten Ohren und genau in dem Moment habe ich entschieden: Ich kaufe dieses Pferd. Ein richtiger Schlüsselmoment. Das habe ich gleich verbal kund getan, was wohl etwas überraschend kam. Aber so war es. Meine Pferdekäufe hatten noch nie etwas mit klaren Gedanken, Geduld oder reiflichen Überlegungen zu tun. Sie waren immer äußerst spontan. Aber ich habe es dann immer durchgezogen. Ich hatte auch noch nie eine Ankaufsuntersuchung. Gut, die ersten beiden waren sehr jung und das Dritte war dann ein Pferd, dass ich sowieso sofort eingepackt hätte. Egal ob drei oder vier Beine. Also Vernunft: Go Home und schlag die Hände über dem Kopf zusammen!

So kam ich also zu Diosa. Sie war im Vergleich zu Jacinto sehr unkompliziert. Das ist sie bis heute. Sie nimmt einem nichts lange übel. Sie lässt sich leicht trainieren (wenn man sie dazu motiviert bekommt). Sie macht ihren Weg. Sie ist cool. Sie zog dann relativ zeitnah zusammen mit ihrer Freundin Ayla am Zykloopenhof ein und wir absolvierten die ersten Übungen zusammen. Auch beim Einreiten war sie sehr unkompliziert. Ganz im Gegensatz zu Jacinto, der mich von einem Tief ins nächste Tief gestürzt hat und bei dem es ungefähr sieben Jahre gedauert hat, bis ich ihn so einigermaßen reiten konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Diosa ist ein Sonnenschein. Aber auch sehr fordernd. Sehr präsent. Wir hatten immer viel Spaß. Kurz nach dem Anreiten hing sie sich mit der Fessel in einen Zaun fest und hat sich dabei einen Knochen angebrochen. Ich weiß noch, dass wir an meinem Geburtstag extra zu meiner Tierärztin zum Röntgen gefahren sind. Diosa bekam also sechs Wochen Einzelhaft und ihren Klumpfuß in einen festen Verband. Nachdem sie eine Box nicht gewöhnt war stand sie im abgetrennten Paddock. Dafür aber acht Wochen. Kurz vor Ablauf der Frist hat sie dann den Zaun zerlegt und sich in ein Gewirr von E-Bändern verheddert, bis ich sie gerettet habe. Das fand sie ziemlich lästig. Dann hat sich Frau Sumpf natürlich NICHT an die Bitte der Tierärztin gehalten nur geziemlich im Schritt kleine Ausritte zu machen. Nein, sie ist lustig durchs Gelände geflummt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir schon ausgemalt, dass ich ein ewig hinkendes Pony durchfüttern müsste, gerade mal drei Jahre alt und bestimmt äußerst langlebig und kostenintensiv. Und mit einem Hang zur Selbstverstümmelung.

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Diosa zur gebrochenen Fuß Zeit Januar 2007  – Foto: privat

Aber mit der Zeit wurde alles gut. Diosa entwickelte sich prächtig. Sie lief ihre ersten Turniere wie ein Vollprofi, war unter dem Sattel schon cooler wie manch alter Hase. Sie bekam ihr erstes Kind. Und renkte sich dann in typischer Diosa-Manier beide Kniescheiben aus. Mit Fohlen bei Fuß. Und zwar so, dass sie in die Klinik musste. Ich war sehr froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon Hänger einsteigen mit beiden geübt hatte, und dass das Fohlen (Dimera) sich anbinden hat lassen. Ich hätte mich nicht getraut das instabil-humpelnde Mutter-Diosa-Tier ohne Trennwand im Hänger zu fahren. Also beide nebeneinander gestellt und in die Klinik gefahren. Topp. Fohlen war übrigens hellauf begeistert und sofort Liebling der Klink und Muttern komplett verschwitzt. Aber dann wurde alles Gut. Frau Sumpf bekam beide Kniescheiben operiert und ab da war sie fit. Seit dem hat sie mir übrigens keine großen Tierarztrechnung mehr beschert.

Aber eigentlich wollte ich gar nicht über Frau Sumpfs Krankengeschichte erzählen. Das ist ja schon fast wie im Wartezimmer beim Arzt bei der Lektüre der Rentner-Bravo „Apothekenumschau“! Diosa und ich haben viel Spaß, aber sie war schon immer der am leichtesten zu reitende Teil meines Pferdekabinetts, und von daher war sie immer das Pferd, dass Reitbeteiligungen bekam. Die waren nie bewusst ausgesucht. Die Erste war meine Schwester. Zu dem Zeitpunkt Tinker-Reiter. Da passt das Temperament nicht.

O-Ritt
O-Ritt irgendwo 2010 (wahrscheinlich Geo) – Strahlefrauen … oder verstrahlte Frauen … unterwegs – Foto: privat

Dann kam Nadine. Die hat sich eines Tages meinen Pferdehänger geliehen und gesagt sie würde gerne mal mehr Paso Fino reiten. Sie hat selber einen, aber der wäre noch so jung. Also habe ich Nadine zum Ausreiten mitgenommen und wir wurden ein Gespann. Wir waren viel bei Orientierungsritten unterwegs, sie hat schön etwas für Diosas Ausdauer getan und wir haben viel erlebt (und mit Nadine erlebt man echt viel …). Mein gutes Trail-Pferd war somit schon immer das Sieger-Pferd für andere Reiter 🙂 So habe ich Frau Z. auf den Hof geschleppt, sie ist an Johannes hängen geblieben und was daraus geworden ist wisst Ihr ja inzwischen….

Später kam dann ein zweites Fohlen zur Welt. Das war klein Dea, die inzwischen auch schon fünf Jahre alt wird. Und mit ihr kam Yvi zu uns. Bei Yvi hatte ich per Zufall ein Fotoshooting auf Facebook gewonnen und irgendwie war mir gleich klar: Die würde gut zu Frau Sumpf passen. Also habe ich sie eiskalt einkassiert und seitdem sind Frau Sumpf und Yvi unzertrennlich. Was auch für Sumpf wirklich gut ist. Sie hat durch die Exklusivbehandlung noch einmal einen großen Entwicklungsschub gemacht, den ich ihr alleine nicht hätte bieten können. Mir fehlt einfach die Zeit (und manchmal auch die Lust). Und ich finde es wirklich wichtig, dass meine Ponys das bekommen, was sie brauchen. In dem Fall muss ich mich wirklich hinten anstellen und genießen, wie sich ein neues Pferd-Reiter-Paar entwickelt. Ich bin mir sicher Yvi reitet Diosa inzwischen besser wie ich. Die beiden sind einfach eingespielt. Und ich sehe die beiden echt gerne zusammen, weil ich weiß, das ist einfach gut für Diosa. Und darauf kommt es doch an oder? Wir erinnern uns an das Thema Verantwortung?

Kosbach
Kosbach 2013 – ich mag das Bild! – Foto: privat

Mein großes Mitleid geht übrigens an dieser Stelle an alle Pferdebesitzer, die sich eine Reitbeteiligung suchen und die dann (einfach weil die mehr Zeit mit dem Pferd verbringt) als eine Art Bedrohung wahr genommen wird. Weil Pferdebesitzer eifersüchtig ist, weil Pony lieber mit der Reitbeteiligung schmust, oder besser läuft oder was weiß ich. Da ticken manche Pferdebesitzer echt komplett aus. Traurig. So Traurig. So eine arschige Pferdebesitzerin wollte ich nie werden. Ich bin da glaube ich ein Glücksgriff für alle Reitbeteiligungen (wenn ich mehrere hätte). Ich binde Yvi in Entscheidungen ein, stelle sie nicht vor vollendete Tatsachen und lasse mich sogar deutlich von ihr beeinflussen. Ein Traum oder? Dafür bekomme ich ein optimal betreutes Pferd (eigentlich drei) und kann mich hundertprozentig auf Yvi verlassen.

Diosa
Diosa und Yvi 2016 in Hünfeld – Foto: ich

Ich bin auch als Nicht-Pferdebesitzer damals mit meinen Pflegeponys durch eine harte Schule gegangen. Ich weiß, was es heißt verarscht zu werden und wie es ist, wenn dein Lieblingspony am nächsten Tag auf einmal nicht mehr im Stall steht, weil es verkauft wurde. Natürlich ohne, dass man davon gewusst hatte. So eine Pferdebesitzerin wollte ich nie werden.
Aber ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass es schwierig ist, eine vernünftige Reitbeteiligung zu finden. Ich finde ja das Wort Reitbeteiligung eigentlich blöd. Meine Wortwahl wäre eher „persönliche Assistentin“ (auf Lebenszeit, ohne Anspruch auf Urlaub).

Diosa Februar
Putzige Diosa jetzt im Februar – Foto: Yvi Tschischka

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