Del Cavador

Toxische Menschen?

Gefangen in der eigenen Destruktivität

26. Juni 2019:

Ein Thema über das ich momentan viel nachdenke sind toxische Menschen. Das hat nicht besonders viel mit Pferden zu tun. Aber Menschen findet man auch am Reitstall. Vielleicht kennt der eine oder andere von Euch den Begriff „toxische Menschen? Oder leidet gar selber unter ihnen? Ich selber bin auch schon an solche kräftezehrenden Vertreter der Spezies Mensch geraten. Dummerweise glaube ich immer sehr lange an das Gute im Menschen. 

Meine beste Freundin hat momentan so ein Exemplar als Vorgesetzte. Die Chefin ist ein kompletter Terror-Zwerg, manipuliert, macht ihre „Untergebenen“ nieder, auch gerne per lautstarkem Anschiss vor größeren Menschengruppen – das ist gerade deshalb (nicht) lustig, weil es ein Dienstleistungsbetrieb ist, deren größte Sorgfalt auf „macht es den Gästen so schön wie möglich“ liegt. Tja. Sie ist extrem anstrengend, ändert ständig ihre Regeln, steht mit ihren Intrigen dauernd im Mittelpunkt und fühlt sich ständig als Opfer. Man weiß nie, wann etwas richtig ist und wann nicht. Sie nimmt überhaupt keine Rücksicht. Sie raubt meiner Freundin die komplette Energie. Es ist ein richtiger Teufelskreis. Und meine Freundin leidet darunter, weil sie ein sozialer und feiner Mensch ist. 

Die Crux an der Sache ist, man merkt zuerst nicht, dass man sich in den Fängen eines toxischen Menschen befindet. Es setzt schleichend ein. Diese Menschen haben es extrem gut drauf ihr Umfeld so geschickt zu manipulieren, dass man gar nicht merkt wie befangen man ist. 

Wie erkennt man jetzt einen toxischen Menschen?

  • Sie tun Dinge, die Ihnen einfach nicht zustehen und zu denen sie kein Recht haben. Sie verhalten sich grenzüberschreitend und übergriffig. Sie erregen furchtbar gerne Mitleid und versinken hingebungsvoll in der „Opfer-Rolle“. Sie entschuldigen sich auch nicht. Weil SIE haben ja alles richtig gemacht. Schuld haben IMMER die Anderen. 
  • Sie haben selten Schuldgefühle, wenn sie andere verletzt haben. Sie haben konkrete Erwartungen an Dein Verhalten, ohne diese Erwartungen anzusprechen. Hältst Du Dich nicht an diese unsichtbaren Erwartungen, wirst Du dafür bestraft.
  • Sie haben immer Recht, andere Unrecht. Sie sind oft verbohrt, uneinsichtig und unbelehrbar. Sie sind gar nicht daran interessiert die Sichtweise des Anderen zu verstehen, oder gar ihr eigenes Verhalten zu ändern. 
  • Sie beginnen oft Streit, anstatt ein klärendes Gespräch zu führen. Es wird immer wieder auf Dingen herumgehackt, die längst geklärt schienen. Man dreht sich einfach andauernd im Kreis. 
  • Sie lügen um ihre Interessen durchzusetzen. Sie lassen Informationen weg, erfinden neue dazu, streuen Gerüchte. Man kann auch einfach sagen sie sind Meister der Manipulation und Fürsten der emotionalen Erpressung. Sie erzählen Dir, was Du hören willst. 
  • Sie verhalten sich oft eifersüchtig und missgünstig. Wenn Sie es nicht bekommen – dann keiner. Dann wird es lieber kaputt gemacht. Ganz dramatisch ist das natürlich in einer Beziehung oder bei gemeinsamem Vermögen/Firmen. 
  • Sie nehmen keine Rücksicht auf die Bedürfnisse und Gefühle von anderen. 
  • Sie hinterlassen ein Gefühl von Erschöpfung und Müdigkeit. 

Natürlich ist nicht jeder, der solche Verhaltensmuster zeigt ein Toxischer Mensch – jeder von uns bedient sich manchmal der einen oder anderen Range von toxischen Verhaltensmustern. Echte Toxische Menschen zeigen jedoch sehr viele dieser Verhaltensmuster über längeren Zeitraum – immer wieder in neuen Varianten. Sie sind Meister darin. 

Was hilft also?

Ich muss erst einmal erkennen, wann ich es mit einem toxischen Menschen zu tun habe. Und das dauert erstaunlich lange, bis man es selbst begreift. 

Wie soll ich mich verhalten?

Auf Abstand gehen. Nimm die Dinge, die Dir der Toxische Mensch sagt nicht zu Herzen. Das ist sehr schwierig (und lässt sich wirklich auf dem Papier super leicht sagen), aber solche Menschen leben von emotionalen Reaktionen. Sie saugen Deine emotionale Energie ab und nähren sich daran. Deshalb wirst Du Dich im Umgang mit ihnen auch jedes Mal schlechter fühlen. 

Achte darauf klare Ansagen zu machen. Nur Fakten und die Konsequenzen. Keine Interpretationsspielräume zulassen. Keine Emotionen. Keine Bewertungen. Nur Fakten. Achte darauf: Dein Mitgefühl wird ausgenutzt. Setze Dir klare Ziele und komme von denen nicht ab. Lass Dir kein schlechtes Gewissen einreden. Wenn Du feste Ziele hast, brauchst Du kein schlechtes Gewissen, weil Du nach menschlichen und sozialen Maßstäben handelst. Agiere statt zu reagieren. 

Der Toxische Mensch wird keine Ruhe geben, bis er sein „Ziel“ erreicht hat. Sei nicht das Ziel. Nimm ihm den Wind aus den Segeln. Sprich mit anderen Menschen in Deinem Umfeld. Hole Dir Meinungen ein. Hör auf Deine Mitmenschen. Sie erkennen einen toxischen Menschen meistens eher und besser wie man selber. 

Man kann toxische Menschen nicht verstehen – die Psyche ist sehr kompliziert. Dafür gibt es Menschen die mehrere Jahre studiert haben und Psychologen genannt werden. Zerbrich Dir nicht für die den Kopf. Es funktioniert nicht. 

Es fühlt sich irgendwie so an, wie wenn man mit einem Alkoholiker zusammen lebt. Dieser wird immer wieder Rückfällig, beteuert, dass er es schaffen wird, erschafft eine komplette Traumwelt um sich herum. Und alle anderen sitzen hilflos dabei, leiden und warten letztendlich auf den endgültigen Zusammenbruch. Erst wenn der kommt und die Person tatsächlich realisiert, dass etwas nicht stimmt, kann eine Heilung eintreten. Und selbst dann ist es noch ein langer Weg. Die betroffene Person muss es von sich aus wollen. Aber sie wird es niemals ohne professionelle Hilfe schaffen. Weder der Alkoholiker, noch der Mensch der psychologische Betreuung benötigt. 

Warum heute so ein ernstes Thema? Weil es mich beschäftigt. Weil ein Blog eine Art Tagebuch sein soll. Weil ich auf meinem Blog nachdenken kann, über was ich möchte. Weil ich möchte, dass meine Freundin auch von ihrer toxischen Chefin los kommt. Weil ich möchte, dass niemand unter toxischen Menschen leiden muss. Weil wir es einfach alle so schön haben könnten, wenn wir vernünftig miteinander umgehen würden. Weil es so erleichternd ist von toxischen Menschen los zu kommen und wirkliche Gemeinschaft und Rückhalt in einer Gruppe zu erleben. Das wünsche ich uns allen. 

So. Und wer bis hierher durchgehalten hat: Nächstes Mal kommt wieder der ganz normale Pony-Wahnsinn: Für uns geht es nämlich am Wochenende nach Fulda auf das EPFC Paso Fino Turnier und ich freue mich richtig alle Fino Freunde wieder zu treffen. Und ich freue mich darauf John zu erzählen, wie motiviert das Drachenpony momentan ist und wie viel Spaß sie macht – auch wenn ich mich zwischendurch mit solch düsteren Gedanken beschäftigen muss.  

Quellen zum Weiterlesen: arbeits-abc.deGedankenwelt.dezeitzuleben.de

Frühjahrsputz?

16. April 2019:

Frühjahrsputz-Chaos …. – Foto: Privat


Es ist Frühling. Die klassische Zeit für Frühjahrsputz. Einfach mal den Staub und die Spinnweben rauskehren und nebenbei richtig aufräumen. Damit habe ich kein Problem. Im Gegenteil. Ich bin der klassische Fall von zwangsneurotischem Ordnungsfanatiker. Bei mir hat alles seinen Platz. Und ich liebe es Dinge zu sortieren. Gerne auch nach der Arbeit im Supermarkt – wenn da etwas unordentlich steht, ich muss es zurecht rücken. Putzen ist Seelen-Therapie. Da kann man so viel bei Nachdenken. Und wenn man dann alles wieder sauber und ordentlich hat, hat man seine Gedanken auch wieder sortiert. Ich mache das gerne. 

Auch deshalb, weil ich sonst nix mehr finde. Das nennt man beginnende Alters-Demenz. Und ich habe zu viel Zeug. Und ich trenne mich sehr ungern von Dingen. Ganz schlimm. Was uns schon ganz flockig zu Teil 2 des Frühjahrsputzes bringt: dem Aussortieren. Da haben sich doch tatsächlich in 18 Jahren eigene Pferde und vorher schon komplette Ausstattung für fremde Pferde ganz viele Dinge angesammelt. Ich weiß gar nicht wie das so eskalieren konnte. 

Mir wurde das wieder bewusst, als ich gestern eigentlich nur ein Regal meines Sattelschrankes aufräumen wollte. Irgendwie eskaliert das dann immer. Es fängt ganz harmlos an. Ich versuche nur ein Brett im Regal aufzuräumen und ehe ich mich versehe sitze ich hilflos inmitten meiner Sachen und frage mich: Wie konnte es nur so weit kommen?! Mal ganz ehrlich: wie schaffen es Leute ihre Sachen für mehrere Pferde in einem einzigem winzig kleinem Bundeswehrschrank unter zu bringen? Habt Ihr da einen Zauber drüber gelegt, wie Hermine im letzen Harry Potter-Teil? Ihr erinnert Euch, diese Handtasche wo alles rein passt?

Also ehrlich. Ich sitze da in meinem Gerümpel und denke mir: dieses Minimalismus-Ding mag ja eine echt große Sache sein. Wie machen die Leute das? Und macht das die Leute tatsächlich auf Dauer glücklich? Gruß an Frau Kondo. Aber mal ganz ehrlich: Für mich ist das nix. Der Mensch ist und bleibt einfach ein Jäger und Sammler. Und da ich komplett unsportlich bin, bleibt mir nur das Sammeln übrig. Und noch mal ganz ehrlich: Das dürfte jedem schon spätestens nach dem Kauf des dritten Ponys klar geworden sein. Minimalistisch wäre halt einfach nur ein Pony. 

Ich gestehe das jetzt einfach mal: Ich bin ein Sammler. Und es macht mir nix aus. Und ganz ehrlich, wenn ich mir die hübsch inszenierten Bilder zum Thema Minimalismus ansehe oder in Wohnungszeitschriften blättere, denke ich mir immer: Wo habt ihr euer Geraffel versteckt? Jeder Mensch hat doch bestimmt mindestens eine dunkle Ecke, wohin alle Dinge verschwinden, die man eigentlich nicht hergeben kann? Oder ein ganzes Gerümpel-Zimmer. Wo sind all die Dinge, die man nicht vorzeigen kann, die einem aber ans Herz gewachsen sind? Kein Mensch kann immer so gut aufgeräumt sein. Innerlich und Äußerlich. Da muss sich doch etwas verstecken. Ich möchte jeden Anschreien: Lasst es doch einfach raus! Seid nicht perfekt! Niemand kann nur perfekt sein! 

Gut, in meinem Pferdeschrank finden sich jetzt nicht allzu viele peinliche Sachen – vielleicht abgesehen von der flauschigen, blauen Satteldecke mit den Schäfchen drauf. Aber die habe ich damals fürs Möppi gekauft und die gebe ich auch nicht mehr her, auch wenn ich sie nicht benutze. Oder wenn man mal absieht von meiner exzessiven Sammel-Leidenschaft für Bosals und Barbadas. Und weil ich ein gerne fauler Mensch bin, müssen die auch alle an eigenen Kopfstücken hängen, dann kann ich mir einfach eines aussuchen. Oder Roulett spielen: Blind hinein greifen und dem Pony anziehen. Und ja, Neonfarben sind vielleicht nicht immer eine gute Wahl. OK. Das sind weiße Stiefel auch nicht, und trotzdem tragen Frauen weiße Stiefel. Oder Leggins. Die waren schon in den 90ern Grenzwertig.

Aber dafür habe ich zumindest keine exzessive Sammel-Leidenschaft für komplette Eskadron Sets. DAS braucht ja mal richtig viel Platz – keine Ahnung wie die Leute das schaffen. Finanziell und Platztechnisch! Ich habe mal auf Youtube gesehen, wie eine sehr junge Frau ihre komplette Eskadron-Set-Sammlung vorgestellt hat. Die hatte locker 50 verschiedene Schabracken und teilweise dazu noch die passenden Bandagen, Ohrenmützen und Abschwitzdecken dazu. Diese Sammlung hat ausgebreitet einen großen Teil einer kompletten Reithalle in Beschlag genommen, was mich nachhaltig schockartig beeindruckt hat. DAS finde ich dann doch etwas bedenklich, aber es beruhigt mich auch wieder. 

Es gibt Menschen, die eskalieren noch viel deutlicher wie ich. Und es gibt Menschen, die haben halt weniger. Soll jeder machen wie er denkt, so lange man damit glücklich ist und sich selbst nichts vormacht. Von daher finde ich: Solange man nicht mehrere gleiche Kopfstücke hat, die sich nur durch unterschiedliche Farben unterscheiden, kann es nicht so schlimm sein. Moment mal …. Blau, Gelb, Schwarz, Rot, Türkis, …. äh ….  schnell Themenwechsel. 

Nein, die sind nicht alle gleich! ….. – Foto: privat

Jedenfalls auch ich bemühe mich alles im Griff zu behalten. Mein Leben und meinen Sattelschrank. Ab und an ziehen neue Dinge ein, aber ab und an zieht auch mal was aus. So hält sich alles in Grenzen. Im Stall wie im Leben. Eigentlich muss man „nur“ seinen eigenen Stil finden. Und dann durchziehen und sich nichts einreden lassen. Das entspannt. Und perfekt sein? Wer will schon perfekt sein – ist doch langweilig! 

Pferdebesitzer-Typisierung?

Zwergenliebe – Foto: Yvi Tschischka

01. März 2019:

Nach ein paar Jahrzehnten Pferde-Stall-Leben habe ich inzwischen ausreichend zwischenmenschliche Geschichten erlebt, um schreiend davon zu rennen, vor-und-zurück-schaukelnd in der Ecke zu sitzen*, oder die verschiedenen Typen einfach in Schubladen zu stecken. Falls sich jemand angesprochen fühlt, muss er nicht, kann er aber. Mischtypen sind übrigens auch möglich. Wer erkennt sich wieder? 

Macher:

Macht einfach. Lässt sich wenig reinreden, probiert mal herum, sucht sich Inspiration, übernimmt die, wenn sie taugt in seine eigenen Gepflogenheiten. Ist pragmatisch. Sorgt sich zwar um sein Pferd, aber auf einem gesunden Niveau. Das Pferd ist kein Ersatz für irgend etwas. Das Pferd darf Pferd sein. Das Pferd darf sich dreckig machen und ein Eigenleben führen. Der Macher wirkt oft etwas Seltsam, ist aber Kompetent und für fast jeden Blödsinn zu haben. 

Rentner-Bespaßer:

Leute mit alten oder chronisch kranken Pferden, die einfach nicht mehr geritten werden und nur noch „getüddelt“ werden. Was ja auch gut ist. Schließlich haben die Pferde ihr ganzes Leben beim Rentner-Bespaßer verbracht und jetzt wird ihnen dafür gedankt. Was super ist. Hier findet man viele lustige Symbiosen zwischen Pferd-und-Mensch. Oft sehr amüsant für Außenstehende. Es schleichen sich viele kleine Rituale ein, die mit anderen Pferden so nicht funktionieren würden, sich über die Jahre eingeschlichen haben und hier ihren besonderen Charme haben. Die Pferde dürfen Pferd sein und bekommen extra Aufmerksamkeit. 

Psycho-Tüddler: 

Menschen, die Pferde als Ersatz für irgend etwas haben. Meist Menschen, die mit sich selbst nicht im Reinen sind. Sie projizieren viele Dinge auf die Pferde. Oft Krankheiten, Emotionen und Gewohnheiten. So ein Pferd hat es nicht einfach. Die Umwelt dieser Menschen und andere Einsteller übrigens auch nicht.

Das komplett (miss-)verstandene Tier bekommt schon eine Decke bei 20° Plus im Schatten, drölfzig verschiedene Zusatzfutter-Mittelchen, eine spezielle Art der Ganzkörpermassage und Spezial-Putz-Sessions. Klangschalen und Räucherstäbchen sind auch ein Thema. Gerne wird mit so Methoden wie Tierkommunikation oder gewaltminimiertem Kuschel-Training gearbeitet. Der Osteopath ist ungefähr fünf Mal im Jahr da. Der Tierarzt potentiell öfters, gerne auch umsonst. Was ärgerlich für den Tierarzt ist, der kostbare Zeit verschwendet, in der er hätte echte Patienten behandeln können. 

Im Idealfall ist das Pferd ein Schaaf und wird einfach lethargisch, weil „Todgetüddelt“, oder es trampelt seinem Besitzer auf der Nase herum (… gerne auch wortwörtlich). Insgesamt hapert es dem Tüddler an realem Verständnis für Pferdeverhalten. Kann lustig sein. Kann aber auch gefährlich sein. Dieser Typ verlässt relativ zügig wieder den Stall, weil er mit den ganzen seltsamen Menschen um sich herum nicht zurecht kommt – oder weil das Pferd sich nicht zu Hause fühlt; wahlweise negative Feng-Shui-Schwingungen in seiner Box hat. Oder der Hafer** nicht rechtsgedreht gelagert wird. Irgendwas ist immer.

Selten-Da: 

Hat zwar ein Pferd, stellt es gut unter (zahlt Miete und Tierarzt, ect) und überlässt es weitestgehend sich selber. Was nicht das Schlechteste ist. Der Selten-Da kommt immer mal zum Reiten, das Pony ist aber eigentlich in der Herde gut aufgehoben. Freut sich dann, wenn es menschliche Ansprache hat und hat so eigentlich ein ziemlich entspanntes Leben. 

Drama-Queen:

Eigentlich geht es hier gar nicht um das Pferd. Das Pferd ist nur ein Transportmittel der mentalen Ergüsse. Man hat zwar ein Pferd, aber letztendlich legt man viel Wert auf das, was andere Menschen sagen und machen. Bestätigung und Beliebtheit sind hier die Zauberworte. Man muss schon aufpassen, das solche Menschen nicht abkippen und in die Fänge von anderen Drama-Queens geraten. Die Dramas gibt es nämlich in mehreren Ausprägungen: Drama-Queens, die selber leiden und Drama-Queens, die Drama machen. Nämlich immer dann, wenn sie keine Aufmerksamkeit mehr bekommen. Sehr kompliziert. Sehr nervig. Aber eine wahre Fundgrube für gute Geschichten. 

Hardcore-Turnier-Reiter:

Kommt zugegeben im Offenstall nicht oft vor. Das Pferd wohnt eher in einer Box, bekommt regelmäßiges Training, wird eher als Sportgerät gehalten. Wenn es die Leistung nicht bringt kann es auch weiter verkauft werden. Sehr zielorientierte Reiter. Die Pferde haben nicht so viel zu lachen, außer sie sind auch ein bisschen masochistisch veranlagt.

Traumichnicht:

Trauen sich einfach nicht. Finden immer, dass sie etwas nicht richtig machen, oder zu schlecht sind. Dabei haben sie die gechilltesten und tollsten Pferde im ganzen Stall! Sie machen sich ständig Gedanken, dabei könnten sie einfach machen und genießen! 

Einhorn-Glitzer:

Lebt in seiner eigenen Welt. Einhörner in Maßen genossen sind ja ganz ok. Vor allem wenn sie Sekt dabei haben – aber für immer und mit Dauerglitzer? Ne. Der Typ Einsteller schwebt in eigenen Sphären, wirkt als ob er ständig auf Droge wäre. Äußerst atmosphärische Menschen, anstrengend. Deren Ponys sind die reinsten Geisterwesen, unglaublich toll, unglaublich intellent***, und unglaublich erfolgreich. Außerdem ist deren Verbindung zum eigenen Pferd sowas von Zwei-Seelen-ein-Gedanke-Mäßig, dass mir grundsätzlich dabei richtig schlecht wird.  

Horsemanshiper:

Hier wird gehorsemanshipt, was das Zeug hält. Alles was Freiheit, Leichtigkeit und Natural verspricht (und dazu das passende Equipment verkauft) ist bei diesem Typ total im Trend. Da wird mit Halsring ausgeritten, obwohl der Zossen keine Bremse und keine Lenkung hat. Braucht er ja nicht, weil er nur durch Gedankenübertragung gearbeitet wird. Funktioniert halt so lange super, wie keine Kreuzung, Eisenbahn oder Bundesstraße im Weg ist. So eine Dampflock hat halt einfach mal die höhere Durchschlagkraft. Fragt „Apollo 13“ (aus „Der Schuh des Manitu“), der kannte sich damit aus (R.I.P.). Die Pferde sind hier gerne mit ihren Besitzern überfordert, alle anderen übrigens auch. Sehr stressy. 

Daswarschonimmerso:

Horror für jedes Pferd und jeden Menschen. Leute, die ihre Pferde so und so behandeln, weil das schon immer so war. Da wird nix hinterfragt, weil das war schon immer so. Da wird nicht nachgedacht, weil das war schon immer so. Da wird nix an der Routine geändert, weil das war schon immer so. Kommen übrigens nicht so wirklich klar mit Leuten, bei denen alles anders ist. Komisch oder? Das war schon immer so. Argh!

Habe ich jemanden vergessen?

* der Fachbegriff dafür ist übrigens „Jaktation“ (falls ihr mit Fachwörtern angeben wollt 

** hier wahlweise Heu/Stroh/Schubkarren/Wassereimer #jedesbeliebigeworteinsetzen

*** intelligent wurde mit Absicht falsch geschrieben. Ist so ein T(r)ick von mir. 

Einstellungssache?

24. Februar 2019:

Was ist nur mit der Motivation los? Und damit meine ich meine eigene Motivation … 

Sie muss gehegt und gepflegt werden und ist schwierig auf einem guten Level zu halten.  

Suchen die Motivation … – Foto: Yvi Tschischka Photography

Kennt ihr den Film „Galaxy Quest“? Ein Film aus 1999 über ein paar abgehalfterte Serien-Darsteller einer Raumschiffserie, die sich mit Eröffnungen von Supermärkten und Conventions über Wasser halten. Sie werden von einem naiven außerirdischen Volk für echte Helden gehalten und engagiert, um den Sieg gegen einen außerirdischen Bösewicht zu erringen. Die Schauspieler müssen auf einmal real agieren und Entscheidungen treffen, die echte Leben kosten können. Bei den Abenteuern landen sie auch auf einem Planeten und Kapitän „Jason“ muss vor einem gewalttätigen Fels-Monster, was nur aus riesigen Steinquadern besteht flüchten. Die Crew versucht ihren Kapitän vom Raumschiff aus heraus zu beamen, aber das gestaltet sich etwas schwierig (dank der Angstblockade des Technikers „Fred“). Dabei schafft es Jason natürlich letztendlich sein T-Shirt auszuziehen und es entspinnt sich folgender Dialog: 

„Fred schafft es nicht Jason! Du musst es töten!“

„Töten? (Flüchtet dabei vor dem Felsmonster im malerisch-dramatischen Staubwolken) …. also ich bin für jeden Vorschlag dankbar!“

„Ziel auf die Augen!“

„Es hat keine Augen!“

„Ziel auf den Mund oder die Kehle, oder irgend eine verwundbare Stelle!“

„Es ist ein FELS! Es hat keine verwundbare Stelle!“ (Schnaufen, Rennen)

„Ich habe eine Idee! Du baust Dir eine Waffe! Sieh Dich um, kannst Du Dir eine Art primitive Werkbank herstellen?“

(Handgemenge aus dem Raumschiff ist hörbar)

„Werkbank?!!! Geh aus der Leitung!“

„Alexander, Du bist mein Berater! Berate mich!“ (schnaufen)

„Ich denke, Du musst einfach nur herausfinden was es will! Was ist seine Motivation?“

„ES IST EIN FELSEN! ES HAT KEINE MOTIVATION!!!“

Letztendlich folgt dann eine motivierende Ansprache an den angstgehemmten Techniker Fred, während Jason vom Monster herumgeschleudert wird und dann wird er natürlich in letzter Sekunde gerettet. Ohne sein T-Shirt. 

Jedenfalls muss ich immer, wenn das Wort „Motivation“ irgendwo auftaucht, an dieses Filmszene denken – und dann muss ich immer Lachen.  

Was will ich also mit dieser Szene sagen? 

Gute Laune hilft bei allem. Sie macht, dass alles nicht mehr ganz so Schlimm erscheint. Und Motivation ist gut. Vor allem, wenn man sie hat. Mir fehlt sie momentan ganz schön. Sie lauert im Hintergrund und möchte nicht an die Oberfläche. 

Motivation ist ursprünglich genetisch und instinktiv vererbtes Verhalten. Hunger, Durst und Fortpflanzung stehen auf ihrer primären Erfüllungsliste. Wobei Fortpflanzung und Familienbildung in meinem Fall nicht wirklich ausgeprägt vorhanden sind, eher im Gegenteil … aber DAS ist wieder ein anderes Thema. Also wie motiviert man sich weiter, wenn die genetischen Triebe erfüllt sind? Wenn man Ziele erreichen möchte, die auf intellektueller Ebene erhöhen sollen? Wichtig dabei sind Emotionen. Sie treiben einen an. Man möchte sich immer wohl fühlen. Also muss man Wohlfühlen anstreben, dann hat man auch Motivation. Klingt alles etwas theoretisch und verwirrend oder?

Meine primäre Motivation ist es jeden Tag in Ruhe aufzustehen (dabei erst mal nicht angesprochen werden, bis der erste Kaffee wirkt), gute Arbeit zu leisten und jeden Tag positiv abzuschließen. Dabei spielen auch die Ponys eine wichtige Rolle. Sie tragen maßgeblich zu meinem Wohlgefühl-Faktor bei. Dort bewege ich mich und interagiere (im Idealfall mit netten Menschen und vor allem mit den Ponys). Meine Motivation ist also eine gute Zeit bei den Ponys zu erleben. Dafür erdulde ich Einiges. Ich nehme zum Beispiel in Kauf den ganzen Tag arbeiten zu müssen, um Geld zu verdienen, dass ich mir das mit den Ponys auch leisten kann. Man bekommt ja schließlich nichts in den Arsch geschoben. Wobei ich meine Arbeit echt gerne mag.  

Was mich nicht motiviert: mich nerven zu lassen oder Dauernörgler zu ertragen. Meine Freizeit möchte ich nicht damit verbringen. Und schon gar nicht, wenn sie mir nicht gut tun. Dafür habe ich keine Zeit. Von daher ein kleiner Tipp an euch: Überlegt was ihr wollt und was ihr nicht wollt. Manchmal hilft es auch schon ganz klar zu definieren was man NICHT möchte. 

Und wie könnt Ihr das erreichen? Streicht einfach ein paar Dinge, die Euch nicht gut tun von Eurer Liste – und wenn das andere Menschen sind, die immer nur nehmen und nie geben – gut so – lasst sie ziehen! Natürlich sagt sich das hier so einfach. Emotionalen Ballast abwerfen tut gut. Weil letztendlich zählt die eigene Motivation und das eigene gute Gefühl. Denn nur dann kann man auch ein gutes Gefühl an andere Menschen weiter vermitteln.

Was hat das jetzt in einem Pferdeblog zu suchen? Keine Ahnung. Das sind Gedanken, die mich in den letzten Monaten (wenn nicht sogar Jahren) beschäftigt haben. Wie kann ich mich optimieren, damit es mir besser geht. Was wiederum bewirkt, dass ich motivierter bin? Weil wenn man etwas ändern möchte, dann muss man bei sich selber anfangen. Jemand anders tut es nicht. Und dann klappt es vielleicht auch wieder mit der Motivation für so Dinge wie Geschichten erzählen und lustige Blogbeiträge schreiben. Ich arbeite jedenfalls daran! 

Wir bleiben dran! – Foto: Yvi Tschischka Photography (ganz frühe Werke :-))


Sentimentalitäten?

11. Juni 2018:

Heute haben wir Sara und ihren Samurai zum Springturnier begleitet. Eigentlich sollte ich sie ja fahren, aber mein Auto musste unbedingt wieder einmal Drama-Queen spielen und den Hänger-Zug verweigern. Long Story, short: Montag sind wir in der Werkstatt.

Jedenfalls hat mich das Turnier an die Anfänge meiner Reiterlaufbahn erinnert und ich bin sentimental geworden. Kann auch sein, dass bei mir langsam altersbedingte Hormonschwankungen einsetzen, die für  pferdetechnische Flashbacks zuständig sind. Oder ich werde langsam dement. Wer weiß das schon. Auf jeden Fall zogen alle meine Pony- und Pferdelieben an meinem inneren Auge vorbei.

Meine erste große Pferdeliebe war ein Welsh A Pony. Ihr Name war „José“ und mit ihr habe ich die  Gegend durchstreift. Bei uns am Dorf gab es einen Mann der Welsh-Ponys hatte. Hier haben wir uns mit kleinen Arbeiten das Reiten verdient. Der Grundstock bestand aus Hof kehren. Kehren kann ich also. Und Misten. Was ich schon an Tonnen von Mist geschaufelt habe! Ein Fußballfeld voll reicht wahrscheinlich gar nicht mehr aus!

José – sie war ein richtiges Buschreiter-Pony! – Foto: gezwungene Mutter 🙂

Später kam dann offizieller Reitunterricht im nahegelegenen Reitverein dazu. Josés letztes Fohlen, ein kleiner Inzucht-Weideunfall, war dann meine erste spezielle Pony-Liebe. Sie war sehr scheu und ich hatte viel Zeit nur in ihrer Box sitzend verbracht, damit sie vertrauen zu mir bekam. „Johanna“ war ihr Name. Sie war auch das erste Pony, dass ich angeritten habe. Johanna war speziell, sie ging Pass. Also quasi mein erstes Gangpferd 🙂 Keine Ahnung, ob das damals komplette Verspannung bei diesem sensiblen, kleinen Pferdchen war, komplette Inzucht, oder ob sie tatsächlich eine Gangveranlagung hatte. Auf jeden Fall träumte ich davon, dass sie im Schuppen hinter unserem Haus einziehen durfte. Tat sie natürlich nicht. Es hieß immer: Wenn Du mal erwachsen bist und selber Geld verdienst, kannst Du Dir ein Pferd kaufen!

Johanna – Die Blässe sieht ein bisschen aus wie bei Diosa oder? – Foto: arme gezwungene Mutter – Wir sind übrigens immer mit relativ kurzen Bügeln geritten, damit die Leute nicht denken, wir seien zu groß für die Ponys 🙂

Jedenfalls wurde sie eines Tages samt ihres Halbbruder-Vaters einfach als Gespann verkauft und war weg. Mein erster großer Verlust. Das hat wahrscheinlich auch meine Einstellung zu Reitbeteiligungen geprägt. Mir wurden oft einfach die Ponys ohne Worte sprichwörtlich unter dem Sattel wegverkauft. Eine harte Schule. So wollte ich zu meinen Reitbeteiligungen nie sein. Von daher bin ich glaube ich eine ziemlich gute Wahl, falls man Reitbeteiligung bei mir sein möchte 🙂 #eigenlobstinktgarnicht

Aber eigentlich kam ich auf die Sentimental-Schiene, weil wir heute Sara begleitet haben. Das erinnerte mich an meine ersten FN Reitschul-Turniere und natürlich die geliebten Schulpferde von damals. Da gab es „Dojan“ ein brauner Holländer und ausgemustertes Springpferd.

Dojan – mein erstes FN-Turnier 1990 – ein Reiterwettbewerb – Foto: gezwungene, auf Turnier geschleppte Mutter

Später kam Bergfee. Bergfee war sehr speziell und sehr flott unterwegs. Wahrscheinlich hat sich da schon meine Liebe für leicht bekloppte Pferde gefestigt. Leider blieb sie nicht lange als Schulpferd. Aber mit ihr hatte ich meinen ersten Wanderritt und 1993 zwei Turnierstarts. Auf diesem Bild wurde ich sogar Erster. Aber ich habe keine Ahnung mehr, wie viele Teilnehmer da dabei waren. Der Pokal steht jedenfalls immer noch in meinem Bücherregal.

Bergfee – Hier baute sich meine Tendenz für spezielle Pferde aus (leider muss ich sagen, dass ich schon damals anscheinend gerne nach links unten gesehen habe …. das ist heute noch so) – Foto: leidende Mutter

Für Bergfee kam Napoleon – ein großer Brauner Wallach. Mit ihm war ich auf jeden Fall einmal bei einer Quadrille im Rahmen irgend welcher Casteller Festivitäten dabei. Das muss 1994 gewesen sein. Soweit ich mich erinnere war Napoleon ein Privat-Pferd, dass dem Reitverein zur Verfügung gestellt wurde. Aber mich interessierte immer das Außen-Herum nicht so sehr, ich war mehr auf die Ponys und Pferde fixiert und wohl eher in meiner eigenen Welt unterwegs.

Napoleon – Auf dem Bild bin ich übrigens schon süße 18 Jahre alt. – Foto: keine Ahnung mehr wer

Aber meine eigentliche große Pony-Liebe war „Charly“, ein Welsh-Reitpony, geboren 1994. Ihn habe ich von Fohlen-Zeit bis ins Reitalter begleitet. Wir hatten eine schöne Zeit, er war sehr temperamentvoll und wirklich eigentlich „mein“ Pony. Mein tiefster Wunsch war, dass er mir gehören sollte. Aber das wurde mir aus unerfindlichen Gründen verwehrt. Also trennte ich mich komplett schwermütigen Herzens von den Welsh-Ponys und rutschte so in die alleinige Welt der Gangpferde. Speziell der Paso Finos. Denn Jacinto trat in mein Leben 🙂

Charly als Fohlen – Foto: wahrscheinlich meine langjährige Reitfreundin Renate 🙂 Wir zwei waren die BFs vom Welsh-Pony-Stall

Aber eigentlich hatte ich mich an dieses Bild hier erinnert: „Goletta“ – im alten Reitverein Trautberg 1993 im Springreiter-Wettbewerb. Was war ich stolz wie Bolle, einen ganzen Parcours geschafft zu haben. Das war damals übrigens ein fünfter Platz. Im Reitverein haben wir auch die Sommerferien verbracht. Da hängen viele schöne Erinnerungen an meine Reiter-Kindheit – Nachtwanderungen, Ausritte, Pommes-Essen – Hach ja! (PS: Claudia! Weißt Du noch!? :-)) – manchmal ist das Leben doch ein Ponyhof!

Goletta – Schulpferd – Foto: meine geplagte Mutter wahrscheinlich …

Doch genug mit Sentimentalitäten – die Realität ist: seit 17 Jahren bin ich selber Pferdebesitzer und hänge mein Herz nur noch an Pferde, die mir selber gehören. Oder an Pferde, die von meinen eigenen Pferden stammen. Die letzten 17 Jahre waren fantastische Jahre! Nicht immer einfach, aber immer hatte ich dieses gelbe, leicht autistische Pony bei mir, was oft nicht richtig läuft, mir viele Sorgen macht(e) und auf dessen Rücken ich mich immer zu Hause fühle: Jacinto! Der mir hoffentlich noch ganz viele Jahre bleibt, weil was ich ohne ihn machen soll weiß ich ehrlich gesagt nicht.

 

Verbitterte Menschen?

28. März 2017:

Ein schöner Tag bricht an. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, der Kaffee duftet. Alles läuft. Man ist zufrieden, die Welt scheint in Ordnung zu sein. Es ist friedlich.
Trifft man in dieser Grundstimmung auf Menschen, die alt und verlebt aussehen, mit diesem bitteren Zug um den Mund, die Augen böse verkniffen, erst mal ein Pöbeln auf den Lippen, dann betrachtet man solche Personen mit einer Güte im Blick und denkt sich wertungsfrei: „Was zur Hölle ist nur mit Dir passiert, dass Du so verbittert wurdest?“

Diese Menschen, die immer was zu meckern haben, die erst mal alles blöde finden und die ganze Menschheit und überhaupt JEDEN (gerne auch abwechselnd) schlecht finden. Diese Menschen, die wenn man ihnen was erzählt, erst mal alles doof finden, und alles viel besser wissen, oder alles verteufeln. Diese Menschen, die man schon gleich daran erkennt, dass der Glanz aus den Augen gewichen ist, die Mundwinkel nach unten zeigen und sich gar keine Lachfalten um die Augen bilden. Menschen die nur noch sich im Fokus haben und ihr Leid – oder ihr eingebildetes Leid. Kennen wir sie nicht alle? Diese Menschen, die in der Vergangenheit/Scheinwelt leben und nur dort ist alles gut. Diese Menschen, die neidisch sind auf die Erfolge anderer.

Hand aufs Herz – wir haben alle schon mit solchen Menschen zu tun gehabt. Und manchmal ärgern wir uns über sie, manchmal nerven sie einfach nur und manchmal streiten wir uns auch mit ihnen. Verbitterte Menschen. Doch in einer positiven Grundstimmung überlegt man sich vielleicht auch, warum sie so geworden sind.

In einer solch losgelösten Stimmung, leicht müde vom Tag, aber frei in den Gedanken war ich heute, als ich mir einen Podcast angehört habe. Ich höre gerne lustigen Menschen beim Quatschen zu. Heute waren es Jan und Olli von Fest & Flauschig. Irgendwie kamen sie auf „verbitterte Menschen“. Ein Nebensatz war ungefähr so: Menschen werden verbittert, weil sie im Leben Fehlentscheidungen getroffen haben und diese dann im Alter bereuen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Eigentlich haben die beiden echt recht.

In der Jugend ist man selten verbittert. Das Leben wird noch erkundet, alles ist frei und man erlebt viele Dinge zum ersten Mal. Fantastisch. Dann kommt die Verantwortung, das Leben schlägt zu. Man erlebt Verluste, Enttäuschung und Leid. Man wird vielleicht in ein Leben gepresst, dass man sich so gar nicht vorgestellt hat. Man hängt mit den falschen Leuten ab. Ist unglücklich verliebt. Hat keinen Spaß im Job. Egal was. Man trifft falsche Entscheidungen und zieht sie aber trotzdem eiskalt durch. Und irgendwann bereut man sie. Oder man überlegt sich: „Was wäre, wenn ich mich damals so oder so entschieden hätte?“ Wird man dadurch verbittert?

Ich glaube schon. Wenn man sich nur noch um dieses eingebildete Gedankenkonstrukt dreht unbedingt. Jedenfalls möchte ich keine dieser alten, verbitterten Omis werden, die schon einen Schreianfall bekommen, wenn man verbotenerweise über den Rasen am Haus läuft. Oder so ein böser Opi, der sich alle Kennzeichen am Straßenrand aufschreibt und einem die Politesse auf den Hals jagt, wenn man drei Sekunden zu lange mit dem Auto in der Einfahrt geparkt hat. Anstatt zu fragen, ob er vielleicht die Tür aufhalten soll, weil er sieht, dass man gerade Kisten schleppt. Und das sind nur die harmlosen Beispiele. Oder ein Mensch, der ständig nur verkniffen aus der Wäsche schaut, der gar keinen Spaß mehr im Leben hat und nur im Leben von anderen herumstochert, damit er nicht an sein eigenes Dasein denken muss. Einer dieser Menschen, die sich selbst so furchtbar wichtig nehmen, dass sie auf interessant-aberwitzige Gedankenkonstrukte kommen, auf die man selber als Normaldenkender gar nicht kommen würde. Ich denke Ihr wisst, was ich meine. Da werden Geschichten erfunden und zurechtgestutzt, dass sich die Balken biegen.

So möchte ich nicht werden. Bin ich glaube ich auch nicht. Mein Lebensmotto ist eigentlich: „Leben und Sterben lassen“ (James Bond) und natürlich das berühmte „Niemals Aufgeben, Niemals Kapitulieren!“ (Galaxy Quest) Darum mein Gegenprogramm: Beschäftige Dich mit Deinen eigenen Wünschen. Damit ist man gut beschäftigt. Aber nicht übertreiben. Mach Dich nicht abhängig von Anderen, aber habt zusammen Spaß. Freu Dich doch mal über einfache Dinge wie schönes Wetter, guten Kaffee, nette Gespräche. Sei nett zu Menschen. Lächle ihnen zu. Genieße das Leben. Nimm Dir mal eine Auszeit. Lies ein Buch. Geh raus an die frische Luft. Give a shit auf das was Andere sagen. Die kennen Dich nämlich nicht. Niemand kann in Deinen Kopf gucken. Stell Dir Leute einfach mit grünen Haaren vor, oder nackig, oder mit Sprachfehler, wenn sie Dich ärgern. Hab Spaß! Misch Dich nicht ungefragt in anderer Menschen Leben ein. Das geht Dich nämlich primär gar nichts an. Sei Du selbst. Das alles ging mir heute angestoßen durch den Podcasts durch den Kopf.

Dann bin ich losgezogen und habe mich mit zwei alten Freundinnen auf einen Kaffee in die Sonne gesetzt. Gut, es war Schatten und ein McDonalds-Hinterhof, aber draußen, mit netten Menschen. Face to Face. Um noch mal ein paar Anglizismen raus zu kramen. Und dieses losgelöst-gute Gefühl möchte ich mir möglichst oft und möglichst lange erhalten.

Warum ich das jetzt hier erzähle? Keine Ahnung. Aber es hat mich heute einfach bewegt, diese Erkenntnis: Bereue nicht, Lebe einfach! Dann klappt es auch mit dem befreit und nicht verbittert Alt werden 🙂

PS: Das Foto hat eigentlich gar nichts mit dem Text zu tun. Oder doch?

 

Hoch hinaus in kleinen Schritten! – Foto: Yvi Tschischka

Die drei Sätze?

28. Februar 2017:

Die drei Sätze

Ich muss mich heute aufregen. Es geht um drei Sätze. Totschlag-Sätze. Sie ersticken alles im Keim. Außer meiner Wut. Seid Ihr bereit? 🙂

Satz Nummer eins: „Das war schon immer so.“ – hmhm… soso … und das heißt dann automatisch, dass es besser ist? Anscheinend. Veränderung scheint schlecht zu sein. Entwicklung auch. Und bloß nix in Frage stellen. Auf gar keinen Fall. Oder am Ende noch hinterfragen? Da könnte ja eine andere Meinung raus kommen. Oder noch schlimmer: Ein besseres Ergebnis. Neee, das geht nicht. „Das war schon immer so.“ Drum stehen Pferde heute noch in Ständern. Drum laufen Leute heute noch mit Leggings und schlechten Dauerwellen rum. Drum gibt es Fax statt Internet. Drum heißt Raider heute Twix. Ok, das war ein schlechtes Beispiel, schmeckt immer noch gut. „Das war schon immer so“ blockiert alles. Im Keim. Von Anfang an. Ohne wenn und aber. Bloß nix verändern … – da kommen wir zu

Satz Nummer zwei: „Früher war alles Besser.“ Klar. Am Arsch war alles Besser. Es ist psychologisch erwiesen, dass Menschen ab einem gewissen Alter mehr Erinnerungen an ihre Vergangenheit speichern, als an die noch verbliebende Zeit. Autobiographische Gedächtnisforschung ist das Stichwort. Das renommierte Birnbaum-Institut hat dazu eine Statistik erstellt. Menschen verklären ihre Erinnerungen an die Vergangenheit. Fehler, schlechte Erinnerungen, Schmerz, negative Erlebnisse werden nach und nach weichgezeichnet, oder sogar vergessen. Am Schlimmsten sind die jungen Erwachsenenjahre, da erlebt man alles zum ersten Mal ziemlich intensiv. Deshalb bleibt es auch verklärt in der Erinnerung hängen. Professor Bernhard B. Birnbaum weiß wovon er spricht.
Früher war alles besser zählt also nicht. Es ist weichgefiltert und weichgespült. Und hat Null mit Realität zu tun. Und bei weichgespült bin ich schon bei

Satz Nummer drei: „Kaffee draußen nur im Kännchen.“ What? Was sind das überhaupt für Kännchen? In diese sogenannten Kännchen bekommt man gerade zwei Tassen rein. Und zwar von der Sorte Tasse, in die eh nix rein geht. Diese kleinen Tässchen, in denen der Kaffee schon kalt wird, wenn er nur eingegossen wird. Sprich er schmeckt eh wie kalte Katzen-Pisse mit einer Prise Asche drin. Und die Henkel klemmen immer die Finger ein. Wieso draußen nur Kännchen? Seid Ihr zu Faul einfach einen großen Becher hin zu stellen? Oder wer hat überhaupt dieses Kännchen-Gedöns erfunden? Stellt einfach ordentliche Becher hin und große Thermoskannen, damit das Zeug auch warm bleibt! Wer fängt schon wegen drei Schluck das Kaffeetrinken an? Pfff…. am Ende ist das die Fraktion, die früher alles besser fand und außerdem war das schon immer so!

Jetzt mal ernsthaft. Ich habe keine Lust mehr auf Menschen, die alles schlecht reden. Menschen die immer nur von früher reden. Menschen die immer nur an anderen herumkritteln. Ich bin jetzt über vierzig und möchte mich mit meinen verbleibenden guten Jahren nicht mehr mit irgend welcher Kacke von „Früher“ beschäftigen. Ich möchte jeden Tag als einen guten Tag erleben. Es gibt genug Dinge, die ich noch erleben möchte. Ich will, dass in meinem Fokus die guten Dinge stehen, die jeden einzelnen Tag neu passieren. Die kleinen Momente, die viel Spaß machen. Ich möchte meinen Fokus auf kommende Dinge richten, die ich vielleicht noch gar nicht abschätzen kann, weil sie so großartig und unerwartet auf mich zukommen. Ich möchte nicht gefangen sein in einer Welt aus Vergangenheit und Draußen gibts Kännchen.

Das heißt nicht, dass ich mich nicht an „früher“ erinnern darf. Das mache ich auch gerne, aber ich staune eher, was in der Zwischenzeit passiert ist. Ich bin eher erschrocken, wie viel Zeit seit dem schon vergangen ist, und was in dieser Zeit alles passiert ist. Ich möchte versuchen jeden Tag eine gute Version von mir abzugeben. Und das kann ich nicht, wenn ich in der Vergangenheit gefangen bin. Das kann ich erst, wenn ich der Zukunft gestatte mein Leben zu bereichern. Das kann ich auch erst, wenn ich mich nicht mehr mit dem Mist von anderen Leuten beschäftige, der mich sowieso gar nichts angeht.

Ich will auch nicht hören: „Boah, schon wieder Montag/Arbeit/*freieinseztbareswort* – ich möchte gerne jedem neuen Tag eine Chance geben. Und wenn ich früh morgens aufstehe und mir sage: „Boah, was für ein Scheiß, schon wieder Montag, ich muss auf Arbeit gehen…..bläh….“ dann wird das auch nix. Im Kopf fängt die positive Stimmung an. Ich stehe vielleicht auch früh auf und hab keinen Bock auf die Arbeit zu gehen, aber dann denke ich mir: „Och jo, auf Arbeit gibts Kaffee“ Das ist doch schon mal was. Vielleicht bringt wer war zu Essen mit, dann ist es noch mal gut. Und während ich zufrieden an meinem warmen Schreibtisch (oder sonst wo) sitze höre ich mir das Gejammer von Anderen an und denke mir: „Lustig, total lustig, mit was für einem Zeug ihr euch blockiert, anstatt dem Tag eine Chance zu geben!“

Und es funktioniert (auch bei mir nicht immer), aber wenn man einfach unbelastet und NUR mit der Suche nach positiven Dingen durch seinen Tag geht (und wenn sie auch noch so klein sind), dann wird der Tag gut. Ich arbeite jedenfalls daran. Ich will nur noch gute Tage haben. Und dazu darf man sich gerne auch Bilder aus seinem alten Fotoalbum ansehen von schönen Erlebnissen. Und dabei darf man träumen und überlegen, was man noch alles tolles Erleben möchte. Und dann muss man es einfach in Angriff nehmen. Einfach mal Sachen als gegeben nehmen und ANNEHMEN und nicht als unüberwindbare Grenze sehen, sondern als Herausforderung. Oder als Sprungbrett. Es passieren nämlich ziemlich viele gute Dinge, wenn man sie einfach passieren lässt und sich darauf einlässt. Garantiert.

Resi Richtige Richtung?
Vorwärts schauen ist die Devise – klappt zwar nicht immer, aber immer besser! – Foto: Yvi Tschischka

Diosas Geschichte?

19. Februar 2017:

Diosa ist mir damals zweijährig mehr oder weniger spontan passiert. Sie war ein Scheidungskind aus Schweden. Und sie ist ein Schecke. Vor Jacinto hatte ich mir damals einen kleinen Schecken angesehen, aber der war dann zwei Tage bevor ich Interesse zeigte verkauft worden. So war Jacinto nur zweite Wahl. Letztendlich hat sich natürlich heraus gestellt, dass Jacinto meine beste Wahl überhaupt war, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Jacinto bleibt immer bei mir, egal wie er läuft oder was er anstellt. Er ist und bleibt mein erstes eigenes Pferd und mein größter Lehrmeister.

Aber kommen wir zurück zu Diosa. Ich durfte damals ihre Mutter Probereiten und war irgendwie ganz angetan von dem Pinto-Feeling und der einfachen Reitbarkeit und der sympathischen Art. Wahrscheinlich spielte unterbewusst mit, dass ich ja immer mal einen Schecken wollte. Aber warum, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich weil ich diese ganzen einfarbigen Pferde immer verwechsle. Das passiert bei einem Schecken nicht. Die sind individuell. Erkennt man auch ohne Brille. Fragt nicht. Keine Ahnung. Jedenfalls dachte ich mir: Naja, so ein Zweitpferd wäre ganz praktisch. Da hat man ein Ersatzpferd und mit einer Stute kannste auch mal ein Fohlen ziehen. Wäre ganz nett. Dann habe ich erst mal einen Stall klar gemacht und meine Finanzen gecheckt. Erst als all das klar war habe ich mir Diosa wirklich angesehen. Wir waren auf der Weide, wo sie den Sommer über stand und ich hatte so gar keine Erwartungen. Ich wollte einfach nur gucken. Ihre Mutter hätte ich ja auch kaufen können, die wäre schon geritten gewesen. Diosas Mama ging dann übrigens später mit einer netten Frau nach Afrika.

Nimmer schüchtern
Fiesta 2007 – Diosa nicht mehr schüchtern! – Foto: weiß ich gar nicht mehr …. vielleicht von Conni Schneider?

Diosa war damals ein sehr schüchternes Pferdchen, aber sehr optimistisch irgendwie und natürlich hübsch (trotz Quadratschädel und kurzem Hals). Doris und ich standen also auf der Koppel und ich wollte wirklich einfach mal nur gucken. Unterbewusst habe ich mir wohl gesagt: Lass es drauf ankommen. Wenn das Pferdchen jetzt nett ist und auf dich zukommt, dann nimmst du es einfach. Wenn nicht, nicht. Und was soll ich sagen, irgendwie hat Diosa letztendlich mich ausgesucht. Sie kam freundlich auf mich zu gewackelt, mit gespitzten Ohren und genau in dem Moment habe ich entschieden: Ich kaufe dieses Pferd. Ein richtiger Schlüsselmoment. Das habe ich gleich verbal kund getan, was wohl etwas überraschend kam. Aber so war es. Meine Pferdekäufe hatten noch nie etwas mit klaren Gedanken, Geduld oder reiflichen Überlegungen zu tun. Sie waren immer äußerst spontan. Aber ich habe es dann immer durchgezogen. Ich hatte auch noch nie eine Ankaufsuntersuchung. Gut, die ersten beiden waren sehr jung und das Dritte war dann ein Pferd, dass ich sowieso sofort eingepackt hätte. Egal ob drei oder vier Beine. Also Vernunft: Go Home und schlag die Hände über dem Kopf zusammen!

So kam ich also zu Diosa. Sie war im Vergleich zu Jacinto sehr unkompliziert. Das ist sie bis heute. Sie nimmt einem nichts lange übel. Sie lässt sich leicht trainieren (wenn man sie dazu motiviert bekommt). Sie macht ihren Weg. Sie ist cool. Sie zog dann relativ zeitnah zusammen mit ihrer Freundin Ayla am Zykloopenhof ein und wir absolvierten die ersten Übungen zusammen. Auch beim Einreiten war sie sehr unkompliziert. Ganz im Gegensatz zu Jacinto, der mich von einem Tief ins nächste Tief gestürzt hat und bei dem es ungefähr sieben Jahre gedauert hat, bis ich ihn so einigermaßen reiten konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Diosa ist ein Sonnenschein. Aber auch sehr fordernd. Sehr präsent. Wir hatten immer viel Spaß. Kurz nach dem Anreiten hing sie sich mit der Fessel in einen Zaun fest und hat sich dabei einen Knochen angebrochen. Ich weiß noch, dass wir an meinem Geburtstag extra zu meiner Tierärztin zum Röntgen gefahren sind. Diosa bekam also sechs Wochen Einzelhaft und ihren Klumpfuß in einen festen Verband. Nachdem sie eine Box nicht gewöhnt war stand sie im abgetrennten Paddock. Dafür aber acht Wochen. Kurz vor Ablauf der Frist hat sie dann den Zaun zerlegt und sich in ein Gewirr von E-Bändern verheddert, bis ich sie gerettet habe. Das fand sie ziemlich lästig. Dann hat sich Frau Sumpf natürlich NICHT an die Bitte der Tierärztin gehalten nur geziemlich im Schritt kleine Ausritte zu machen. Nein, sie ist lustig durchs Gelände geflummt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir schon ausgemalt, dass ich ein ewig hinkendes Pony durchfüttern müsste, gerade mal drei Jahre alt und bestimmt äußerst langlebig und kostenintensiv. Und mit einem Hang zur Selbstverstümmelung.

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Diosa zur gebrochenen Fuß Zeit Januar 2007  – Foto: privat

Aber mit der Zeit wurde alles gut. Diosa entwickelte sich prächtig. Sie lief ihre ersten Turniere wie ein Vollprofi, war unter dem Sattel schon cooler wie manch alter Hase. Sie bekam ihr erstes Kind. Und renkte sich dann in typischer Diosa-Manier beide Kniescheiben aus. Mit Fohlen bei Fuß. Und zwar so, dass sie in die Klinik musste. Ich war sehr froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon Hänger einsteigen mit beiden geübt hatte, und dass das Fohlen (Dimera) sich anbinden hat lassen. Ich hätte mich nicht getraut das instabil-humpelnde Mutter-Diosa-Tier ohne Trennwand im Hänger zu fahren. Also beide nebeneinander gestellt und in die Klinik gefahren. Topp. Fohlen war übrigens hellauf begeistert und sofort Liebling der Klink und Muttern komplett verschwitzt. Aber dann wurde alles Gut. Frau Sumpf bekam beide Kniescheiben operiert und ab da war sie fit. Seit dem hat sie mir übrigens keine großen Tierarztrechnung mehr beschert.

Aber eigentlich wollte ich gar nicht über Frau Sumpfs Krankengeschichte erzählen. Das ist ja schon fast wie im Wartezimmer beim Arzt bei der Lektüre der Rentner-Bravo „Apothekenumschau“! Diosa und ich haben viel Spaß, aber sie war schon immer der am leichtesten zu reitende Teil meines Pferdekabinetts, und von daher war sie immer das Pferd, dass Reitbeteiligungen bekam. Die waren nie bewusst ausgesucht. Die Erste war meine Schwester. Zu dem Zeitpunkt Tinker-Reiter. Da passt das Temperament nicht.

O-Ritt
O-Ritt irgendwo 2010 (wahrscheinlich Geo) – Strahlefrauen … oder verstrahlte Frauen … unterwegs – Foto: privat

Dann kam Nadine. Die hat sich eines Tages meinen Pferdehänger geliehen und gesagt sie würde gerne mal mehr Paso Fino reiten. Sie hat selber einen, aber der wäre noch so jung. Also habe ich Nadine zum Ausreiten mitgenommen und wir wurden ein Gespann. Wir waren viel bei Orientierungsritten unterwegs, sie hat schön etwas für Diosas Ausdauer getan und wir haben viel erlebt (und mit Nadine erlebt man echt viel …). Mein gutes Trail-Pferd war somit schon immer das Sieger-Pferd für andere Reiter 🙂 So habe ich Frau Z. auf den Hof geschleppt, sie ist an Johannes hängen geblieben und was daraus geworden ist wisst Ihr ja inzwischen….

Später kam dann ein zweites Fohlen zur Welt. Das war klein Dea, die inzwischen auch schon fünf Jahre alt wird. Und mit ihr kam Yvi zu uns. Bei Yvi hatte ich per Zufall ein Fotoshooting auf Facebook gewonnen und irgendwie war mir gleich klar: Die würde gut zu Frau Sumpf passen. Also habe ich sie eiskalt einkassiert und seitdem sind Frau Sumpf und Yvi unzertrennlich. Was auch für Sumpf wirklich gut ist. Sie hat durch die Exklusivbehandlung noch einmal einen großen Entwicklungsschub gemacht, den ich ihr alleine nicht hätte bieten können. Mir fehlt einfach die Zeit (und manchmal auch die Lust). Und ich finde es wirklich wichtig, dass meine Ponys das bekommen, was sie brauchen. In dem Fall muss ich mich wirklich hinten anstellen und genießen, wie sich ein neues Pferd-Reiter-Paar entwickelt. Ich bin mir sicher Yvi reitet Diosa inzwischen besser wie ich. Die beiden sind einfach eingespielt. Und ich sehe die beiden echt gerne zusammen, weil ich weiß, das ist einfach gut für Diosa. Und darauf kommt es doch an oder? Wir erinnern uns an das Thema Verantwortung?

Kosbach
Kosbach 2013 – ich mag das Bild! – Foto: privat

Mein großes Mitleid geht übrigens an dieser Stelle an alle Pferdebesitzer, die sich eine Reitbeteiligung suchen und die dann (einfach weil die mehr Zeit mit dem Pferd verbringt) als eine Art Bedrohung wahr genommen wird. Weil Pferdebesitzer eifersüchtig ist, weil Pony lieber mit der Reitbeteiligung schmust, oder besser läuft oder was weiß ich. Da ticken manche Pferdebesitzer echt komplett aus. Traurig. So Traurig. So eine arschige Pferdebesitzerin wollte ich nie werden. Ich bin da glaube ich ein Glücksgriff für alle Reitbeteiligungen (wenn ich mehrere hätte). Ich binde Yvi in Entscheidungen ein, stelle sie nicht vor vollendete Tatsachen und lasse mich sogar deutlich von ihr beeinflussen. Ein Traum oder? Dafür bekomme ich ein optimal betreutes Pferd (eigentlich drei) und kann mich hundertprozentig auf Yvi verlassen.

Diosa
Diosa und Yvi 2016 in Hünfeld – Foto: ich

Ich bin auch als Nicht-Pferdebesitzer damals mit meinen Pflegeponys durch eine harte Schule gegangen. Ich weiß, was es heißt verarscht zu werden und wie es ist, wenn dein Lieblingspony am nächsten Tag auf einmal nicht mehr im Stall steht, weil es verkauft wurde. Natürlich ohne, dass man davon gewusst hatte. So eine Pferdebesitzerin wollte ich nie werden.
Aber ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass es schwierig ist, eine vernünftige Reitbeteiligung zu finden. Ich finde ja das Wort Reitbeteiligung eigentlich blöd. Meine Wortwahl wäre eher „persönliche Assistentin“ (auf Lebenszeit, ohne Anspruch auf Urlaub).

Diosa Februar
Putzige Diosa jetzt im Februar – Foto: Yvi Tschischka

Verantwortung?

14. Februar 2017:

Lasst uns heute mal über Verantwortung reden. Dazu gibt es keinen konkreten Anlass, aber zwischendurch ploppt dieses Wort als eine Art Kontroll-Gedankengang in meinem Gehirn auf. Und zwar in dem Sinne: Werde ich der Verantwortung meinen Pferden gegenüber gerecht?

Die größte Sorge in meinem damals jungen Leben vor den eigenen Ponys war der Gedanke: Kann ich einem Pferd gegenüber die Verantwortung tragen? Es ist ein Lebewesen, für das ich jetzt sorgen muss. Es spricht nicht mit mir. Es kann sich nicht artikulieren. Es ist mir ausgeliefert. Und das über einen längeren Zeitraum. Ungefähr 30 Jahre lang. Das ist schon was. Mein Problem war nicht die Frage was für eine Rasse, welche Farbe, welches Geschlecht mein zukünftiges Pferd haben soll. Das waren Nebensachen und haben sich spontan ergeben. Der Wunsch war nur: muss Jung sein und nicht zu groß werden. Im Prinzip bin ich da sehr spontan an den eigentlichen Kauf meines ersten Pferdes ran gegangen, nachdem die Nebensächlichkeiten wie Stall und Kostensicherung gedeckt waren.

Vorher spielten ganz viele Faktoren mit – kann ich mein Pferd über Jahrzehnte finanzieren? Kann ich dafür sorgen, dass es immer genug zu essen, einen Schlafplatz und ein finanzielles Polster hat? Was ist, wenn es krank wird? Bin ich in meinem Job gefestigt, und kann das alles stemmen? Habe ich genügend Zeit? Was ist, wenn es unreitbar wird? Was ist, wenn ich krank werde? Meine Zeit vor dem ersten eigenen Pferd war also geprägt von Zweifeln und eher technischen Überlegungen. Wobei ich schon damals Tendenzen zum Zweitpferd hatte. Meine größte Angst war tatsächlich die Verpflichtung, für ein Tier zu sorgen. Ganz banale Dinge wie Essen, Schlafen, Gesundheit. Diese Angst konnte ich jetzt in knapp 16 Jahren eigenes Pferd beherrschen. Aber damit ist es ja noch nicht getan.

Unser erster Winter - Jacinto 2002 - Foto: privat
Unser erster Winter – Jacinto 2002 – Foto: privat (und glaube ich sogar nur eingescannt)

Verantwortung bedeutet auch, für so ein Lebewesen nicht nur physisch, sondern auch psychisch zu sorgen. Dieser Angst stelle ich mich jetzt ebenfalls seit fast 16 Jahren. Geht es meinem Pferd gut? Verlange ich zu viel von ihm? Verlange ich zu wenig? Stimmen unsere Ziele überein? Ein erfülltes Reiter-Pferd-Duo bekommt man nur, wenn beide erkennen, was sie möchten.

Wobei das ja beim Pferd immer eher spekuliert Interpretation ist. Es spricht ja nicht, also mit Worten. Beispiel: Jacinto, gekauft als mein farblich ansprechendes Geländepony, welches unerschrocken im Trail mit größter Gelassenheit glänzt und mich im vierten Gang unerschütterlich durch die Gegend schaukelt. Realität: Jacinto ist in seiner Jugend der größte Angsthase vor dem Herrn gewesen, fluchtbereit, bedienerunfreundlich, ständig unverstanden. In seinen Augen natürlich. Auch heute flüchtet er lieber und bebt und zittert, als cool zu sein. Und klar trennbare Gänge … muah!

Der Punkt, an dem ich erkennen musste, dass ich mich in meinen Wünschen verkalkuliert habe und die unbedingt korrigieren musste war der Trail an unserem ersten Turnier. Jacinto erstarrte direkt nach dem Einreiten vor einem unschuldigem Plastik-Reiher, der als Dekor vor dem ersten Hindernis, einer brav daliegenden Plastikfolie, stand. Ab dem Moment kreiste in seinem Gehirn ein großes Panik-Vakuum und mir war schlagartig klar: DAS wird nicht dein Trail-Pony!
Also habe ich mich mit Jacinto auf das fokussiert, was er gut kann: schön ausgedehnt ausreiten. Wir sind viel durch die Gegend gestreift, viel Galoppiert (auch wenn wir es Trainingstechnisch nicht durften … aber er galoppiert einfach so gerne) – alleine unterwegs mit ihm war nie ein Problem. Der Zwerg versinkt in seine Gedankenwelt und läuft und läuft.

Jacinto und ich in Zehntbechhofen 2009 - Foto: privat
Jacinto und ich in Zehntbechhofen 2009 – Foto: privat. Das waren auch immer sehr schöne O-Ritte dort! Jacinto starrt wahrscheinlich gerade auf ein gruseliges Trail-Hindernis …

Über die Jahre, ohne Druck, nur einfach durch mal probieren ohne Hintergedanken, sind wir jetzt so weit, dass Jacinto tatsächlich in einem Trail nicht mehr an einem Herzinfarkt stirbt, sondern überraschender Weise sogar meistens sehr gechillt mitmacht. Aber einen Turnier-Trail sind wir seit dem nicht mehr gestartet.
Was ich sagen möchte ist: Verantwortung bedeutet für mich auch die „Bestimmung“ für sein Pferd zu finden und es nicht zwanghaft in irgend eine Form zu pressen, in die es überhaupt nicht hinein passt. Ehrlich sein zu sich selber, und zu den Fähigkeiten des Pferdes. Daran wächst man.

Pony Nummer zwei war dann endlich das Trailpony, welches ich mir immer gewünscht hatte. Frau Sumpf. Ein Pony mit sehr starkem Charakter und auch mit einem Wunsch nach viel exklusiver Aufmerksamkeit für sie alleine. Frau Sumpf steht gerne im Mittelpunkt und braucht viel Huldigung, dann blüht sie richtig auf. So kam es also, das ich zwei zeitintensive Pferdecharaktere hatte, die mir viel abverlangt haben. Jacinto, der gerne ausgedehnt Ausreitzeit hat und viel regelmäßiges Training braucht und Diosa, die nicht so gerne viel läuft, aber gerne viel im Mittelpunkt steht. Ich sag schon mal so viel: man tut sich echt schwer mit mehr als zwei Pferden und einem Vollzeit-Job, allem gerecht zu werden. Und bei mir waren es ja nicht nur zwei Pferde, der Trend ging ja ganz schnell zum Drittpferd. Davon reden wir mal jetzt lieber gar nicht. Also hatte ich ein derbes Verantwortungs-Problem. Jemand für Diosa musste her. Das Pony braucht mehr Aufmerksamkeit, als ich es bieten kann.
Verantwortung bedeutet nämlich in meinen Augen auch, wenn Du deinem Pferd nicht gerecht wirst, dann überleg Dir gefälligst eine Lösung. Wenn es gar nicht passt, sorge dafür, dass Du es an eine Person vermittelst, mit der es funktioniert. Mach was. Wobei es sich auch durchaus lohnt die eigene Vorstellung an die Realität anzupassen und sich zusammen zu raufen. Eine echte Partnerschaft/Freundschaft funktioniert ja auch erst dann, wenn man durch Höhen und Tiefen gegangen ist und nicht gleich beim ersten Anflug von Streit weg ist. Und das baut man nicht in ein paar Wochen auf.
Also habe ich mir eine Reitbeteiligung gesucht. Ich glaube aber Diosas Geschichte ist einen eigenen Blog-Bericht wert …

Jedenfalls möchte ich sagen: Verantwortung ist ganz wichtig und ich höre oder lese so oft Geschichten, in denen ich mir denke: Hast Du Dir überlegt, was Du da machst? Was tust Du Deinem „Partner“ Pferd damit an? Herr schmeiß Hirn vom Himmel! (Ehrlich gesagt ist der korrekte Gedankengang: „Alter! Echt jetzt?????“ Gepaart mit Augenrollen und Augenbrauen hoch ziehen. Bis zum Anschlag. Ich meine damit so Geschichten wie: ich hab grad 200 Mark übrig und ziehe los, kaufe mir ein Rettungspferd (weil kost ja nix und ich hab ja nix und gerettet ist es auch noch), dann peppel ich es auf. Was schwierig wird, weil die 200 Mark waren schon zusammen geliehen und müssen zurück gezahlt werden. Dann muss man sich mit Hausmitteln helfen, weil so ein Tierarzt ja echtes Geld will, anstatt einen mit offenen Armen zu empfangen. Wer braucht schon Wurmkur oder Impfung? Alles Lügenpresse! Entwurmen kann man auch mit Karotten und einem Liter Olivenöl und Impfungen werden überbewertet, sind ja alle anderen drumrum geimpft.

Da passiert schon nix. Dann passt das Equipment nicht. Sattel ist ja egal, wichtig ist die große Schibbi-Schabbi-Sammlung in verschiedenen Beeren- und Erd-Tönen. Dann springt/läuft/töltet der Gaul nicht, und dann verliert sich das Interesse an dem Pferd schlagartig weil (neuer Freund/keineZeit/keinGeld/*freieinsetzbareswort*) und dann wird Pferd wenn es Glück hat weiter verramscht und landet letztendlich vielleicht doch beim Schlachter oder mit 24 Stunden-Haft in einer fensterlosen Box. Tja. Oder so ähnlich. In so einer Geschichte gefangen zu sein, davor hätte ich echt Angst. Vor allem vor den Schibbi-Schabbis und dem Olivenöleinlauf. Ja das Olivenöl muss von hinten rein. Lauwarm. Aber gut, wer meint, dass sei seine Art von Verantwortung – ich möchte das nicht verurteilen – manchen gibt der Herr einfach weniger. Für mich wäre es nichts.

Mal ernsthaft, ich glaube ich habe mein Verantwortungsproblem im Griff. Vielleicht bin ich sogar manchmal zu pienzig. Aber auch da bin ich lockerer geworden. Ich kann meine Pferde selbst finanzieren. Die Ponys wohnen in meinen Augen in einer artgerechten Haltungsform. Sie können frei über Essen und Bewegung entscheiden. Ich muss mir keine Gedanken machen, wenn ich es einen Tag lang wegen der Arbeit nicht zum Stall schaffe. Sie sind trotzdem gut unterhalten und haben sich bewegt. Ich kann mir selbst nicht vorwerfen, dass ich nicht hart an meiner Einstellung und an meinem „Nutzungswunsch“ für alle meine Ponys gearbeitet habe. Auch ihre Psyche dürfte nicht allzu angeknackst sein. Und so habe ich mir das auch vorgestellt. Läuft also bei mir!

Ich möchte damit niemanden verurteilen, der seine Pferde anders hält, oder eine andere Meinung hat, aber es lohnt sich zwischendurch mal inne zu halten, einen Schritt neben sich zu stellen und sich zu überlegen und kritisch zu bewerten: Ist das noch gut, was ich da mache? Das wollte ich einfach mal in die Welt hinaus posaunt haben 🙂 Zwischendurch einfach mal über die eigenen Ziele nachdenken und die mit der Realität in Einklang bringen. Und auch mal überlegen, was wirklich gut für das Pferd ist (oder ob das, was man macht nur bequem für einen selber ist).

Verpiss Dich 2016!

30. Dezember 2016:

2016 – ein Jahr Namens Schei**?

Mein kleiner Jahresrückblick auf 2016. Was soll ich zu diesem Jahr bloß sagen? Ein Jahr Namens Schei** passt wirklich ziemlich gut. Es war Einiges geboten. Darum möchte ich mich auch gar nicht mit den negativen Dingen dieses Jahres aufhalten. Sie sind es Wert verdrängt zu werden.
Stattdessen habe ich mich hingesetzt und zu jedem Monat etwas positives überlegt. Das solltet Ihr auch mal probieren. Denn es kommt tatsächlich was zusammen für jeden Monat – und hinterher fühlt man sich richtig gut! Darum gibt es dieses Jahr ein paar speziell herausgepickte Dinge von meiner Liste, um ein Gefühl zu vermitteln.

Da war ein Moment während des Eisbärenrittes. Wir hatten gerade alle Reiter auf die Runde verabschiedet und haben auf die Rückkehr der ersten Reiter gewartet. Die Sonne kam heraus und hat uns im Januar am Sitzplatz oberhalb vom Reitplatz ein paar sonnige Momente tiefster Zufriedenheit beschert. Alles lief wie geschmiert, ein Heißgetränk und Sonne im Gesicht. Das Tüpfelchen auf dem „i“ war dann, als die erste Starterin so dermaßen Glücklich vom Ritt zurück kam, da konnte man sich einfach nur mitfreuen! Und das hielt den ganzen restlichen Tag an.

Drachenpony im Wald
Drachenpony im Wald – Foto: Yvi Tschischka

Resi, die dieses Jahr irgendwie innerlich aufgeblüht ist, auch gerade, weil wir sie vermehrt mitgeschleift haben. Das Pony und ich hatten ganz tolle Momente. Und das Drachenpony schafft es immer wieder mich zu verblüffen. Sie folgt mir nur mit Halsring durch einen undurchdringlichen Wald, in dem sie noch nie vorher unterwegs war. Ich glaube eine gewisses Vertrauen ist da schon vorhanden. So etwas berührt mich sehr.

Insgesamt ist es ein Jahr der großen Gefühle gewesen. Positive und Negative. Am gewaltigsten war aber die Zeit nach dem Brand, als wir vom Zykloopenhof diese Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft erfahren durften. Das war eine so positive Kraft, die uns mitgezogen hat! Das möchte ich auf gar keinen Fall missen. Eine Erkenntnis des Jahres ist auf jeden Fall: Es geht immer weiter! Und wenn man alles als positive Erfahrung wahrnimmt, auch wenn es der größte Scheiß überhaupt ist – mit etwas Abstand kann man aus allem Kraft schöpfen. Auch wenn dieses Jahr selbst viel Kraftlosigkeit inne hatte. Die Gemeinschaft ist sehr wichtig.

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Trümmerfeld Zykloopenhof – Foto: privat

Man kann sich auch mal helfen lassen. Man kann auch mal die Zügel aus der Hand geben und vertrauen. Oder einfach nur erleben, wie sich Dinge fügen. Gutes und schlechtes. Ein guter Moment war auch die Abendshow auf der Equitana Open Air. Dieses Gefühl, wenn alles klappt, man seinen Choreographie-Partner dort trifft, wo man ihn treffen soll, man ihm am liebsten während des Reitens ein High-Five zuklatschen möchte weil ebenfalls fettes Grinsen im Gesicht und man sich nebenbei noch auf dem Großbildschirm über den Fino Strip laufen sieht. Unbezahlbar!

Unbezahlbar waren auch viele Momente mit den Ponys. Der Tag, als Diosa sich von uns hat ablegen lassen, war auch sehr ergreifend. Da legt sich so ein 400 kg-Brummer vor uns auf den Boden und das nur, weil wir sie darum gebeten haben. Das muss man sich mal vorstellen! Genial war auch Yvi und Diosa im Trail an der Equitana zuzusehen. So, und nur so geht Arsch-Cool. Eiswürfel sind heiß dagegen. Das war wohl der beste Trail überhaupt. Oder mein Jacinto, er hat dieses Jahr auch viel mitgemacht. Aber er tut vieles nur deshalb, weil ich es möchte. Das ist ein ganz großes Geschenk!

Auch die Fino-Gemeinschaft habe ich in guter Erinnerung. Am EPFC in Hünfeld, oder bei Kursen, oder wenn man sich in kleineren Runden getroffen hat. Es tut einfach gut einen Haufen ähnlich Bekloppter Menschen zu treffen! Und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Ich hoffe auf eine große, wie auch immer geartete Gemeinschaft, die ihre (hierwahlweisewörterdereigenenwahleinsetzen) Querelen überwindet und sich den Paso Finos widmet.

Sabine Saalfrank Photos - Ich liebe dieses Bild aus der Frostinn-Serie! :-) Danke!
Sabine Saalfrank Photos – Ich liebe dieses Bild aus der Frost-Serie! 🙂 Danke!

Ich habe meinen Neffen das erste Mal im Arm gehalten. Auch so ein Wunderwerk der Natur. Ich habe Dea und Diosa zusammen gesehen. Es war toll zu sehen, wie die beiden sich doch wieder erkannt haben. Ich durfte Resis Tochter reiten! Ich habe tolle Momente mit tollen Menschen erlebt.

Es ging so richtig los mit dem Neubau des Zykloopenhofes! Also zumindest mit den Erdarbeiten und dem ganzen Beton-Gedöns. Und der Look des Hofes veränderte sich schlagartig, nachdem die „Twin-Towers“ gefallen waren. Aber auch das werte ich als ein positives Gefühl. Es wird alles anders. Besser. Schöner. Größer. Moderner. Klarer.

Wenn man das Jahr nur nach positiven Dingen abgrast klingt es tatsächlich ziemlich gut oder? Probiert das einfach aus. Setzt Euch hin und schreibt das tatsächlich auf – nur für Euch. Es hilft.

Meine Zukunft sehe ich positiv. Schlechte Dinge werden zukünftig einfach bei Seite geschoben, Prioritäten verschoben, Dinge, die vielleicht früher wichtig waren, sind es heute einfach nicht mehr. Oder waren es schon immer nicht. Wobei ich einige Dinge oder Leute auch vermisse, aber man sieht sich immer wieder wenn es sein soll. Ich bin da zuversichtlich.

Uns kann 2017 eigentlich nichts passieren. Wir haben in 2016 schon alles durch. Vieles habt Ihr nicht mitbekommen, was passiert ist, oder was ich erlebt habe. Oder wie es mir ging. Weil es auch noch ein Leben außerhalb des Pferdestalles gibt. Verzweiflung, Krankheit und Tod haben im Blog nichts verloren. Hier sollen nur gute Geschichten stehen. Unterhaltsame Geschichten. Geschichten die andere Menschen vielleicht kurz von Ihren Problemen ablenken, schmunzeln lassen, oder aufregen lassen. Hauptsache Ablenkung. Egal in welche Richtung.

Rundlauf Weiber
Es geht immer weiter – und wenn es auch erst mal nur außen herum geht 🙂 – Foto: privat

Ich weiß auf jeden Fall, dass ich aus 2016 innerlich verändert hervorgehen werde. Stärker. Sicherer. Gestählter. Ich werde mich nicht mehr mit Dingen belasten, die nicht gut für mich sind. Ich werde mich aber sehr wohl auf Dinge einlassen, die mir gut tun. Oder Menschen, die mir gut tun. Momente genießen. Bewusst langsamer machen. Einfach MEIN Ding machen.

Niemals Aufgeben, Niemals Kapitulieren!
Nie war dieser Leitsatz wichtiger als im Kack-Jahr 2016 ….

Ich weiss noch nicht genau, was ich an Silvester mache. Aber ich werde dem alten Jahr eine gehörige Portion Spucke und einen fetten Fluch hinterher schieben. Dann bin ich damit fertig und offen für Neues.

Von daher wünsche ich Euch allen einen guten Start in ein kraftvolles, positives 2017!

Wir sehen uns!

 

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