Del Cavador

Verbitterte Menschen?

28. März 2017:

Ein schöner Tag bricht an. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, der Kaffee duftet. Alles läuft. Man ist zufrieden, die Welt scheint in Ordnung zu sein. Es ist friedlich.
Trifft man in dieser Grundstimmung auf Menschen, die alt und verlebt aussehen, mit diesem bitteren Zug um den Mund, die Augen böse verkniffen, erst mal ein Pöbeln auf den Lippen, dann betrachtet man solche Personen mit einer Güte im Blick und denkt sich wertungsfrei: „Was zur Hölle ist nur mit Dir passiert, dass Du so verbittert wurdest?“

Diese Menschen, die immer was zu meckern haben, die erst mal alles blöde finden und die ganze Menschheit und überhaupt JEDEN (gerne auch abwechselnd) schlecht finden. Diese Menschen, die wenn man ihnen was erzählt, erst mal alles doof finden, und alles viel besser wissen, oder alles verteufeln. Diese Menschen, die man schon gleich daran erkennt, dass der Glanz aus den Augen gewichen ist, die Mundwinkel nach unten zeigen und sich gar keine Lachfalten um die Augen bilden. Menschen die nur noch sich im Fokus haben und ihr Leid – oder ihr eingebildetes Leid. Kennen wir sie nicht alle? Diese Menschen, die in der Vergangenheit/Scheinwelt leben und nur dort ist alles gut. Diese Menschen, die neidisch sind auf die Erfolge anderer.

Hand aufs Herz – wir haben alle schon mit solchen Menschen zu tun gehabt. Und manchmal ärgern wir uns über sie, manchmal nerven sie einfach nur und manchmal streiten wir uns auch mit ihnen. Verbitterte Menschen. Doch in einer positiven Grundstimmung überlegt man sich vielleicht auch, warum sie so geworden sind.

In einer solch losgelösten Stimmung, leicht müde vom Tag, aber frei in den Gedanken war ich heute, als ich mir einen Podcast angehört habe. Ich höre gerne lustigen Menschen beim Quatschen zu. Heute waren es Jan und Olli von Fest & Flauschig. Irgendwie kamen sie auf „verbitterte Menschen“. Ein Nebensatz war ungefähr so: Menschen werden verbittert, weil sie im Leben Fehlentscheidungen getroffen haben und diese dann im Alter bereuen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Eigentlich haben die beiden echt recht.

In der Jugend ist man selten verbittert. Das Leben wird noch erkundet, alles ist frei und man erlebt viele Dinge zum ersten Mal. Fantastisch. Dann kommt die Verantwortung, das Leben schlägt zu. Man erlebt Verluste, Enttäuschung und Leid. Man wird vielleicht in ein Leben gepresst, dass man sich so gar nicht vorgestellt hat. Man hängt mit den falschen Leuten ab. Ist unglücklich verliebt. Hat keinen Spaß im Job. Egal was. Man trifft falsche Entscheidungen und zieht sie aber trotzdem eiskalt durch. Und irgendwann bereut man sie. Oder man überlegt sich: „Was wäre, wenn ich mich damals so oder so entschieden hätte?“ Wird man dadurch verbittert?

Ich glaube schon. Wenn man sich nur noch um dieses eingebildete Gedankenkonstrukt dreht unbedingt. Jedenfalls möchte ich keine dieser alten, verbitterten Omis werden, die schon einen Schreianfall bekommen, wenn man verbotenerweise über den Rasen am Haus läuft. Oder so ein böser Opi, der sich alle Kennzeichen am Straßenrand aufschreibt und einem die Politesse auf den Hals jagt, wenn man drei Sekunden zu lange mit dem Auto in der Einfahrt geparkt hat. Anstatt zu fragen, ob er vielleicht die Tür aufhalten soll, weil er sieht, dass man gerade Kisten schleppt. Und das sind nur die harmlosen Beispiele. Oder ein Mensch, der ständig nur verkniffen aus der Wäsche schaut, der gar keinen Spaß mehr im Leben hat und nur im Leben von anderen herumstochert, damit er nicht an sein eigenes Dasein denken muss. Einer dieser Menschen, die sich selbst so furchtbar wichtig nehmen, dass sie auf interessant-aberwitzige Gedankenkonstrukte kommen, auf die man selber als Normaldenkender gar nicht kommen würde. Ich denke Ihr wisst, was ich meine. Da werden Geschichten erfunden und zurechtgestutzt, dass sich die Balken biegen.

So möchte ich nicht werden. Bin ich glaube ich auch nicht. Mein Lebensmotto ist eigentlich: „Leben und Sterben lassen“ (James Bond) und natürlich das berühmte „Niemals Aufgeben, Niemals Kapitulieren!“ (Galaxy Quest) Darum mein Gegenprogramm: Beschäftige Dich mit Deinen eigenen Wünschen. Damit ist man gut beschäftigt. Aber nicht übertreiben. Mach Dich nicht abhängig von Anderen, aber habt zusammen Spaß. Freu Dich doch mal über einfache Dinge wie schönes Wetter, guten Kaffee, nette Gespräche. Sei nett zu Menschen. Lächle ihnen zu. Genieße das Leben. Nimm Dir mal eine Auszeit. Lies ein Buch. Geh raus an die frische Luft. Give a shit auf das was Andere sagen. Die kennen Dich nämlich nicht. Niemand kann in Deinen Kopf gucken. Stell Dir Leute einfach mit grünen Haaren vor, oder nackig, oder mit Sprachfehler, wenn sie Dich ärgern. Hab Spaß! Misch Dich nicht ungefragt in anderer Menschen Leben ein. Das geht Dich nämlich primär gar nichts an. Sei Du selbst. Das alles ging mir heute angestoßen durch den Podcasts durch den Kopf.

Dann bin ich losgezogen und habe mich mit zwei alten Freundinnen auf einen Kaffee in die Sonne gesetzt. Gut, es war Schatten und ein McDonalds-Hinterhof, aber draußen, mit netten Menschen. Face to Face. Um noch mal ein paar Anglizismen raus zu kramen. Und dieses losgelöst-gute Gefühl möchte ich mir möglichst oft und möglichst lange erhalten.

Warum ich das jetzt hier erzähle? Keine Ahnung. Aber es hat mich heute einfach bewegt, diese Erkenntnis: Bereue nicht, Lebe einfach! Dann klappt es auch mit dem befreit und nicht verbittert Alt werden 🙂

PS: Das Foto hat eigentlich gar nichts mit dem Text zu tun. Oder doch?

 

Hoch hinaus in kleinen Schritten! – Foto: Yvi Tschischka

Die drei Sätze?

28. Februar 2017:

Die drei Sätze

Ich muss mich heute aufregen. Es geht um drei Sätze. Totschlag-Sätze. Sie ersticken alles im Keim. Außer meiner Wut. Seid Ihr bereit? 🙂

Satz Nummer eins: „Das war schon immer so.“ – hmhm… soso … und das heißt dann automatisch, dass es besser ist? Anscheinend. Veränderung scheint schlecht zu sein. Entwicklung auch. Und bloß nix in Frage stellen. Auf gar keinen Fall. Oder am Ende noch hinterfragen? Da könnte ja eine andere Meinung raus kommen. Oder noch schlimmer: Ein besseres Ergebnis. Neee, das geht nicht. „Das war schon immer so.“ Drum stehen Pferde heute noch in Ständern. Drum laufen Leute heute noch mit Leggings und schlechten Dauerwellen rum. Drum gibt es Fax statt Internet. Drum heißt Raider heute Twix. Ok, das war ein schlechtes Beispiel, schmeckt immer noch gut. „Das war schon immer so“ blockiert alles. Im Keim. Von Anfang an. Ohne wenn und aber. Bloß nix verändern … – da kommen wir zu

Satz Nummer zwei: „Früher war alles Besser.“ Klar. Am Arsch war alles Besser. Es ist psychologisch erwiesen, dass Menschen ab einem gewissen Alter mehr Erinnerungen an ihre Vergangenheit speichern, als an die noch verbliebende Zeit. Autobiographische Gedächtnisforschung ist das Stichwort. Das renommierte Birnbaum-Institut hat dazu eine Statistik erstellt. Menschen verklären ihre Erinnerungen an die Vergangenheit. Fehler, schlechte Erinnerungen, Schmerz, negative Erlebnisse werden nach und nach weichgezeichnet, oder sogar vergessen. Am Schlimmsten sind die jungen Erwachsenenjahre, da erlebt man alles zum ersten Mal ziemlich intensiv. Deshalb bleibt es auch verklärt in der Erinnerung hängen. Professor Bernhard B. Birnbaum weiß wovon er spricht.
Früher war alles besser zählt also nicht. Es ist weichgefiltert und weichgespült. Und hat Null mit Realität zu tun. Und bei weichgespült bin ich schon bei

Satz Nummer drei: „Kaffee draußen nur im Kännchen.“ What? Was sind das überhaupt für Kännchen? In diese sogenannten Kännchen bekommt man gerade zwei Tassen rein. Und zwar von der Sorte Tasse, in die eh nix rein geht. Diese kleinen Tässchen, in denen der Kaffee schon kalt wird, wenn er nur eingegossen wird. Sprich er schmeckt eh wie kalte Katzen-Pisse mit einer Prise Asche drin. Und die Henkel klemmen immer die Finger ein. Wieso draußen nur Kännchen? Seid Ihr zu Faul einfach einen großen Becher hin zu stellen? Oder wer hat überhaupt dieses Kännchen-Gedöns erfunden? Stellt einfach ordentliche Becher hin und große Thermoskannen, damit das Zeug auch warm bleibt! Wer fängt schon wegen drei Schluck das Kaffeetrinken an? Pfff…. am Ende ist das die Fraktion, die früher alles besser fand und außerdem war das schon immer so!

Jetzt mal ernsthaft. Ich habe keine Lust mehr auf Menschen, die alles schlecht reden. Menschen die immer nur von früher reden. Menschen die immer nur an anderen herumkritteln. Ich bin jetzt über vierzig und möchte mich mit meinen verbleibenden guten Jahren nicht mehr mit irgend welcher Kacke von „Früher“ beschäftigen. Ich möchte jeden Tag als einen guten Tag erleben. Es gibt genug Dinge, die ich noch erleben möchte. Ich will, dass in meinem Fokus die guten Dinge stehen, die jeden einzelnen Tag neu passieren. Die kleinen Momente, die viel Spaß machen. Ich möchte meinen Fokus auf kommende Dinge richten, die ich vielleicht noch gar nicht abschätzen kann, weil sie so großartig und unerwartet auf mich zukommen. Ich möchte nicht gefangen sein in einer Welt aus Vergangenheit und Draußen gibts Kännchen.

Das heißt nicht, dass ich mich nicht an „früher“ erinnern darf. Das mache ich auch gerne, aber ich staune eher, was in der Zwischenzeit passiert ist. Ich bin eher erschrocken, wie viel Zeit seit dem schon vergangen ist, und was in dieser Zeit alles passiert ist. Ich möchte versuchen jeden Tag eine gute Version von mir abzugeben. Und das kann ich nicht, wenn ich in der Vergangenheit gefangen bin. Das kann ich erst, wenn ich der Zukunft gestatte mein Leben zu bereichern. Das kann ich auch erst, wenn ich mich nicht mehr mit dem Mist von anderen Leuten beschäftige, der mich sowieso gar nichts angeht.

Ich will auch nicht hören: „Boah, schon wieder Montag/Arbeit/*freieinseztbareswort* – ich möchte gerne jedem neuen Tag eine Chance geben. Und wenn ich früh morgens aufstehe und mir sage: „Boah, was für ein Scheiß, schon wieder Montag, ich muss auf Arbeit gehen…..bläh….“ dann wird das auch nix. Im Kopf fängt die positive Stimmung an. Ich stehe vielleicht auch früh auf und hab keinen Bock auf die Arbeit zu gehen, aber dann denke ich mir: „Och jo, auf Arbeit gibts Kaffee“ Das ist doch schon mal was. Vielleicht bringt wer war zu Essen mit, dann ist es noch mal gut. Und während ich zufrieden an meinem warmen Schreibtisch (oder sonst wo) sitze höre ich mir das Gejammer von Anderen an und denke mir: „Lustig, total lustig, mit was für einem Zeug ihr euch blockiert, anstatt dem Tag eine Chance zu geben!“

Und es funktioniert (auch bei mir nicht immer), aber wenn man einfach unbelastet und NUR mit der Suche nach positiven Dingen durch seinen Tag geht (und wenn sie auch noch so klein sind), dann wird der Tag gut. Ich arbeite jedenfalls daran. Ich will nur noch gute Tage haben. Und dazu darf man sich gerne auch Bilder aus seinem alten Fotoalbum ansehen von schönen Erlebnissen. Und dabei darf man träumen und überlegen, was man noch alles tolles Erleben möchte. Und dann muss man es einfach in Angriff nehmen. Einfach mal Sachen als gegeben nehmen und ANNEHMEN und nicht als unüberwindbare Grenze sehen, sondern als Herausforderung. Oder als Sprungbrett. Es passieren nämlich ziemlich viele gute Dinge, wenn man sie einfach passieren lässt und sich darauf einlässt. Garantiert.

Resi Richtige Richtung?
Vorwärts schauen ist die Devise – klappt zwar nicht immer, aber immer besser! – Foto: Yvi Tschischka

Diosas Geschichte?

19. Februar 2017:

Diosa ist mir damals zweijährig mehr oder weniger spontan passiert. Sie war ein Scheidungskind aus Schweden. Und sie ist ein Schecke. Vor Jacinto hatte ich mir damals einen kleinen Schecken angesehen, aber der war dann zwei Tage bevor ich Interesse zeigte verkauft worden. So war Jacinto nur zweite Wahl. Letztendlich hat sich natürlich heraus gestellt, dass Jacinto meine beste Wahl überhaupt war, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Jacinto bleibt immer bei mir, egal wie er läuft oder was er anstellt. Er ist und bleibt mein erstes eigenes Pferd und mein größter Lehrmeister.

Aber kommen wir zurück zu Diosa. Ich durfte damals ihre Mutter Probereiten und war irgendwie ganz angetan von dem Pinto-Feeling und der einfachen Reitbarkeit und der sympathischen Art. Wahrscheinlich spielte unterbewusst mit, dass ich ja immer mal einen Schecken wollte. Aber warum, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich weil ich diese ganzen einfarbigen Pferde immer verwechsle. Das passiert bei einem Schecken nicht. Die sind individuell. Erkennt man auch ohne Brille. Fragt nicht. Keine Ahnung. Jedenfalls dachte ich mir: Naja, so ein Zweitpferd wäre ganz praktisch. Da hat man ein Ersatzpferd und mit einer Stute kannste auch mal ein Fohlen ziehen. Wäre ganz nett. Dann habe ich erst mal einen Stall klar gemacht und meine Finanzen gecheckt. Erst als all das klar war habe ich mir Diosa wirklich angesehen. Wir waren auf der Weide, wo sie den Sommer über stand und ich hatte so gar keine Erwartungen. Ich wollte einfach nur gucken. Ihre Mutter hätte ich ja auch kaufen können, die wäre schon geritten gewesen. Diosas Mama ging dann übrigens später mit einer netten Frau nach Afrika.

Nimmer schüchtern
Fiesta 2007 – Diosa nicht mehr schüchtern! – Foto: weiß ich gar nicht mehr …. vielleicht von Conni Schneider?

Diosa war damals ein sehr schüchternes Pferdchen, aber sehr optimistisch irgendwie und natürlich hübsch (trotz Quadratschädel und kurzem Hals). Doris und ich standen also auf der Koppel und ich wollte wirklich einfach mal nur gucken. Unterbewusst habe ich mir wohl gesagt: Lass es drauf ankommen. Wenn das Pferdchen jetzt nett ist und auf dich zukommt, dann nimmst du es einfach. Wenn nicht, nicht. Und was soll ich sagen, irgendwie hat Diosa letztendlich mich ausgesucht. Sie kam freundlich auf mich zu gewackelt, mit gespitzten Ohren und genau in dem Moment habe ich entschieden: Ich kaufe dieses Pferd. Ein richtiger Schlüsselmoment. Das habe ich gleich verbal kund getan, was wohl etwas überraschend kam. Aber so war es. Meine Pferdekäufe hatten noch nie etwas mit klaren Gedanken, Geduld oder reiflichen Überlegungen zu tun. Sie waren immer äußerst spontan. Aber ich habe es dann immer durchgezogen. Ich hatte auch noch nie eine Ankaufsuntersuchung. Gut, die ersten beiden waren sehr jung und das Dritte war dann ein Pferd, dass ich sowieso sofort eingepackt hätte. Egal ob drei oder vier Beine. Also Vernunft: Go Home und schlag die Hände über dem Kopf zusammen!

So kam ich also zu Diosa. Sie war im Vergleich zu Jacinto sehr unkompliziert. Das ist sie bis heute. Sie nimmt einem nichts lange übel. Sie lässt sich leicht trainieren (wenn man sie dazu motiviert bekommt). Sie macht ihren Weg. Sie ist cool. Sie zog dann relativ zeitnah zusammen mit ihrer Freundin Ayla am Zykloopenhof ein und wir absolvierten die ersten Übungen zusammen. Auch beim Einreiten war sie sehr unkompliziert. Ganz im Gegensatz zu Jacinto, der mich von einem Tief ins nächste Tief gestürzt hat und bei dem es ungefähr sieben Jahre gedauert hat, bis ich ihn so einigermaßen reiten konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Diosa ist ein Sonnenschein. Aber auch sehr fordernd. Sehr präsent. Wir hatten immer viel Spaß. Kurz nach dem Anreiten hing sie sich mit der Fessel in einen Zaun fest und hat sich dabei einen Knochen angebrochen. Ich weiß noch, dass wir an meinem Geburtstag extra zu meiner Tierärztin zum Röntgen gefahren sind. Diosa bekam also sechs Wochen Einzelhaft und ihren Klumpfuß in einen festen Verband. Nachdem sie eine Box nicht gewöhnt war stand sie im abgetrennten Paddock. Dafür aber acht Wochen. Kurz vor Ablauf der Frist hat sie dann den Zaun zerlegt und sich in ein Gewirr von E-Bändern verheddert, bis ich sie gerettet habe. Das fand sie ziemlich lästig. Dann hat sich Frau Sumpf natürlich NICHT an die Bitte der Tierärztin gehalten nur geziemlich im Schritt kleine Ausritte zu machen. Nein, sie ist lustig durchs Gelände geflummt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir schon ausgemalt, dass ich ein ewig hinkendes Pony durchfüttern müsste, gerade mal drei Jahre alt und bestimmt äußerst langlebig und kostenintensiv. Und mit einem Hang zur Selbstverstümmelung.

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Diosa zur gebrochenen Fuß Zeit Januar 2007  – Foto: privat

Aber mit der Zeit wurde alles gut. Diosa entwickelte sich prächtig. Sie lief ihre ersten Turniere wie ein Vollprofi, war unter dem Sattel schon cooler wie manch alter Hase. Sie bekam ihr erstes Kind. Und renkte sich dann in typischer Diosa-Manier beide Kniescheiben aus. Mit Fohlen bei Fuß. Und zwar so, dass sie in die Klinik musste. Ich war sehr froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon Hänger einsteigen mit beiden geübt hatte, und dass das Fohlen (Dimera) sich anbinden hat lassen. Ich hätte mich nicht getraut das instabil-humpelnde Mutter-Diosa-Tier ohne Trennwand im Hänger zu fahren. Also beide nebeneinander gestellt und in die Klinik gefahren. Topp. Fohlen war übrigens hellauf begeistert und sofort Liebling der Klink und Muttern komplett verschwitzt. Aber dann wurde alles Gut. Frau Sumpf bekam beide Kniescheiben operiert und ab da war sie fit. Seit dem hat sie mir übrigens keine großen Tierarztrechnung mehr beschert.

Aber eigentlich wollte ich gar nicht über Frau Sumpfs Krankengeschichte erzählen. Das ist ja schon fast wie im Wartezimmer beim Arzt bei der Lektüre der Rentner-Bravo „Apothekenumschau“! Diosa und ich haben viel Spaß, aber sie war schon immer der am leichtesten zu reitende Teil meines Pferdekabinetts, und von daher war sie immer das Pferd, dass Reitbeteiligungen bekam. Die waren nie bewusst ausgesucht. Die Erste war meine Schwester. Zu dem Zeitpunkt Tinker-Reiter. Da passt das Temperament nicht.

O-Ritt
O-Ritt irgendwo 2010 (wahrscheinlich Geo) – Strahlefrauen … oder verstrahlte Frauen … unterwegs – Foto: privat

Dann kam Nadine. Die hat sich eines Tages meinen Pferdehänger geliehen und gesagt sie würde gerne mal mehr Paso Fino reiten. Sie hat selber einen, aber der wäre noch so jung. Also habe ich Nadine zum Ausreiten mitgenommen und wir wurden ein Gespann. Wir waren viel bei Orientierungsritten unterwegs, sie hat schön etwas für Diosas Ausdauer getan und wir haben viel erlebt (und mit Nadine erlebt man echt viel …). Mein gutes Trail-Pferd war somit schon immer das Sieger-Pferd für andere Reiter 🙂 So habe ich Frau Z. auf den Hof geschleppt, sie ist an Johannes hängen geblieben und was daraus geworden ist wisst Ihr ja inzwischen….

Später kam dann ein zweites Fohlen zur Welt. Das war klein Dea, die inzwischen auch schon fünf Jahre alt wird. Und mit ihr kam Yvi zu uns. Bei Yvi hatte ich per Zufall ein Fotoshooting auf Facebook gewonnen und irgendwie war mir gleich klar: Die würde gut zu Frau Sumpf passen. Also habe ich sie eiskalt einkassiert und seitdem sind Frau Sumpf und Yvi unzertrennlich. Was auch für Sumpf wirklich gut ist. Sie hat durch die Exklusivbehandlung noch einmal einen großen Entwicklungsschub gemacht, den ich ihr alleine nicht hätte bieten können. Mir fehlt einfach die Zeit (und manchmal auch die Lust). Und ich finde es wirklich wichtig, dass meine Ponys das bekommen, was sie brauchen. In dem Fall muss ich mich wirklich hinten anstellen und genießen, wie sich ein neues Pferd-Reiter-Paar entwickelt. Ich bin mir sicher Yvi reitet Diosa inzwischen besser wie ich. Die beiden sind einfach eingespielt. Und ich sehe die beiden echt gerne zusammen, weil ich weiß, das ist einfach gut für Diosa. Und darauf kommt es doch an oder? Wir erinnern uns an das Thema Verantwortung?

Kosbach
Kosbach 2013 – ich mag das Bild! – Foto: privat

Mein großes Mitleid geht übrigens an dieser Stelle an alle Pferdebesitzer, die sich eine Reitbeteiligung suchen und die dann (einfach weil die mehr Zeit mit dem Pferd verbringt) als eine Art Bedrohung wahr genommen wird. Weil Pferdebesitzer eifersüchtig ist, weil Pony lieber mit der Reitbeteiligung schmust, oder besser läuft oder was weiß ich. Da ticken manche Pferdebesitzer echt komplett aus. Traurig. So Traurig. So eine arschige Pferdebesitzerin wollte ich nie werden. Ich bin da glaube ich ein Glücksgriff für alle Reitbeteiligungen (wenn ich mehrere hätte). Ich binde Yvi in Entscheidungen ein, stelle sie nicht vor vollendete Tatsachen und lasse mich sogar deutlich von ihr beeinflussen. Ein Traum oder? Dafür bekomme ich ein optimal betreutes Pferd (eigentlich drei) und kann mich hundertprozentig auf Yvi verlassen.

Diosa
Diosa und Yvi 2016 in Hünfeld – Foto: ich

Ich bin auch als Nicht-Pferdebesitzer damals mit meinen Pflegeponys durch eine harte Schule gegangen. Ich weiß, was es heißt verarscht zu werden und wie es ist, wenn dein Lieblingspony am nächsten Tag auf einmal nicht mehr im Stall steht, weil es verkauft wurde. Natürlich ohne, dass man davon gewusst hatte. So eine Pferdebesitzerin wollte ich nie werden.
Aber ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass es schwierig ist, eine vernünftige Reitbeteiligung zu finden. Ich finde ja das Wort Reitbeteiligung eigentlich blöd. Meine Wortwahl wäre eher „persönliche Assistentin“ (auf Lebenszeit, ohne Anspruch auf Urlaub).

Diosa Februar
Putzige Diosa jetzt im Februar – Foto: Yvi Tschischka

Verantwortung?

14. Februar 2017:

Lasst uns heute mal über Verantwortung reden. Dazu gibt es keinen konkreten Anlass, aber zwischendurch ploppt dieses Wort als eine Art Kontroll-Gedankengang in meinem Gehirn auf. Und zwar in dem Sinne: Werde ich der Verantwortung meinen Pferden gegenüber gerecht?

Die größte Sorge in meinem damals jungen Leben vor den eigenen Ponys war der Gedanke: Kann ich einem Pferd gegenüber die Verantwortung tragen? Es ist ein Lebewesen, für das ich jetzt sorgen muss. Es spricht nicht mit mir. Es kann sich nicht artikulieren. Es ist mir ausgeliefert. Und das über einen längeren Zeitraum. Ungefähr 30 Jahre lang. Das ist schon was. Mein Problem war nicht die Frage was für eine Rasse, welche Farbe, welches Geschlecht mein zukünftiges Pferd haben soll. Das waren Nebensachen und haben sich spontan ergeben. Der Wunsch war nur: muss Jung sein und nicht zu groß werden. Im Prinzip bin ich da sehr spontan an den eigentlichen Kauf meines ersten Pferdes ran gegangen, nachdem die Nebensächlichkeiten wie Stall und Kostensicherung gedeckt waren.

Vorher spielten ganz viele Faktoren mit – kann ich mein Pferd über Jahrzehnte finanzieren? Kann ich dafür sorgen, dass es immer genug zu essen, einen Schlafplatz und ein finanzielles Polster hat? Was ist, wenn es krank wird? Bin ich in meinem Job gefestigt, und kann das alles stemmen? Habe ich genügend Zeit? Was ist, wenn es unreitbar wird? Was ist, wenn ich krank werde? Meine Zeit vor dem ersten eigenen Pferd war also geprägt von Zweifeln und eher technischen Überlegungen. Wobei ich schon damals Tendenzen zum Zweitpferd hatte. Meine größte Angst war tatsächlich die Verpflichtung, für ein Tier zu sorgen. Ganz banale Dinge wie Essen, Schlafen, Gesundheit. Diese Angst konnte ich jetzt in knapp 16 Jahren eigenes Pferd beherrschen. Aber damit ist es ja noch nicht getan.

Unser erster Winter - Jacinto 2002 - Foto: privat
Unser erster Winter – Jacinto 2002 – Foto: privat (und glaube ich sogar nur eingescannt)

Verantwortung bedeutet auch, für so ein Lebewesen nicht nur physisch, sondern auch psychisch zu sorgen. Dieser Angst stelle ich mich jetzt ebenfalls seit fast 16 Jahren. Geht es meinem Pferd gut? Verlange ich zu viel von ihm? Verlange ich zu wenig? Stimmen unsere Ziele überein? Ein erfülltes Reiter-Pferd-Duo bekommt man nur, wenn beide erkennen, was sie möchten.

Wobei das ja beim Pferd immer eher spekuliert Interpretation ist. Es spricht ja nicht, also mit Worten. Beispiel: Jacinto, gekauft als mein farblich ansprechendes Geländepony, welches unerschrocken im Trail mit größter Gelassenheit glänzt und mich im vierten Gang unerschütterlich durch die Gegend schaukelt. Realität: Jacinto ist in seiner Jugend der größte Angsthase vor dem Herrn gewesen, fluchtbereit, bedienerunfreundlich, ständig unverstanden. In seinen Augen natürlich. Auch heute flüchtet er lieber und bebt und zittert, als cool zu sein. Und klar trennbare Gänge … muah!

Der Punkt, an dem ich erkennen musste, dass ich mich in meinen Wünschen verkalkuliert habe und die unbedingt korrigieren musste war der Trail an unserem ersten Turnier. Jacinto erstarrte direkt nach dem Einreiten vor einem unschuldigem Plastik-Reiher, der als Dekor vor dem ersten Hindernis, einer brav daliegenden Plastikfolie, stand. Ab dem Moment kreiste in seinem Gehirn ein großes Panik-Vakuum und mir war schlagartig klar: DAS wird nicht dein Trail-Pony!
Also habe ich mich mit Jacinto auf das fokussiert, was er gut kann: schön ausgedehnt ausreiten. Wir sind viel durch die Gegend gestreift, viel Galoppiert (auch wenn wir es Trainingstechnisch nicht durften … aber er galoppiert einfach so gerne) – alleine unterwegs mit ihm war nie ein Problem. Der Zwerg versinkt in seine Gedankenwelt und läuft und läuft.

Jacinto und ich in Zehntbechhofen 2009 - Foto: privat
Jacinto und ich in Zehntbechhofen 2009 – Foto: privat. Das waren auch immer sehr schöne O-Ritte dort! Jacinto starrt wahrscheinlich gerade auf ein gruseliges Trail-Hindernis …

Über die Jahre, ohne Druck, nur einfach durch mal probieren ohne Hintergedanken, sind wir jetzt so weit, dass Jacinto tatsächlich in einem Trail nicht mehr an einem Herzinfarkt stirbt, sondern überraschender Weise sogar meistens sehr gechillt mitmacht. Aber einen Turnier-Trail sind wir seit dem nicht mehr gestartet.
Was ich sagen möchte ist: Verantwortung bedeutet für mich auch die „Bestimmung“ für sein Pferd zu finden und es nicht zwanghaft in irgend eine Form zu pressen, in die es überhaupt nicht hinein passt. Ehrlich sein zu sich selber, und zu den Fähigkeiten des Pferdes. Daran wächst man.

Pony Nummer zwei war dann endlich das Trailpony, welches ich mir immer gewünscht hatte. Frau Sumpf. Ein Pony mit sehr starkem Charakter und auch mit einem Wunsch nach viel exklusiver Aufmerksamkeit für sie alleine. Frau Sumpf steht gerne im Mittelpunkt und braucht viel Huldigung, dann blüht sie richtig auf. So kam es also, das ich zwei zeitintensive Pferdecharaktere hatte, die mir viel abverlangt haben. Jacinto, der gerne ausgedehnt Ausreitzeit hat und viel regelmäßiges Training braucht und Diosa, die nicht so gerne viel läuft, aber gerne viel im Mittelpunkt steht. Ich sag schon mal so viel: man tut sich echt schwer mit mehr als zwei Pferden und einem Vollzeit-Job, allem gerecht zu werden. Und bei mir waren es ja nicht nur zwei Pferde, der Trend ging ja ganz schnell zum Drittpferd. Davon reden wir mal jetzt lieber gar nicht. Also hatte ich ein derbes Verantwortungs-Problem. Jemand für Diosa musste her. Das Pony braucht mehr Aufmerksamkeit, als ich es bieten kann.
Verantwortung bedeutet nämlich in meinen Augen auch, wenn Du deinem Pferd nicht gerecht wirst, dann überleg Dir gefälligst eine Lösung. Wenn es gar nicht passt, sorge dafür, dass Du es an eine Person vermittelst, mit der es funktioniert. Mach was. Wobei es sich auch durchaus lohnt die eigene Vorstellung an die Realität anzupassen und sich zusammen zu raufen. Eine echte Partnerschaft/Freundschaft funktioniert ja auch erst dann, wenn man durch Höhen und Tiefen gegangen ist und nicht gleich beim ersten Anflug von Streit weg ist. Und das baut man nicht in ein paar Wochen auf.
Also habe ich mir eine Reitbeteiligung gesucht. Ich glaube aber Diosas Geschichte ist einen eigenen Blog-Bericht wert …

Jedenfalls möchte ich sagen: Verantwortung ist ganz wichtig und ich höre oder lese so oft Geschichten, in denen ich mir denke: Hast Du Dir überlegt, was Du da machst? Was tust Du Deinem „Partner“ Pferd damit an? Herr schmeiß Hirn vom Himmel! (Ehrlich gesagt ist der korrekte Gedankengang: „Alter! Echt jetzt?????“ Gepaart mit Augenrollen und Augenbrauen hoch ziehen. Bis zum Anschlag. Ich meine damit so Geschichten wie: ich hab grad 200 Mark übrig und ziehe los, kaufe mir ein Rettungspferd (weil kost ja nix und ich hab ja nix und gerettet ist es auch noch), dann peppel ich es auf. Was schwierig wird, weil die 200 Mark waren schon zusammen geliehen und müssen zurück gezahlt werden. Dann muss man sich mit Hausmitteln helfen, weil so ein Tierarzt ja echtes Geld will, anstatt einen mit offenen Armen zu empfangen. Wer braucht schon Wurmkur oder Impfung? Alles Lügenpresse! Entwurmen kann man auch mit Karotten und einem Liter Olivenöl und Impfungen werden überbewertet, sind ja alle anderen drumrum geimpft.

Da passiert schon nix. Dann passt das Equipment nicht. Sattel ist ja egal, wichtig ist die große Schibbi-Schabbi-Sammlung in verschiedenen Beeren- und Erd-Tönen. Dann springt/läuft/töltet der Gaul nicht, und dann verliert sich das Interesse an dem Pferd schlagartig weil (neuer Freund/keineZeit/keinGeld/*freieinsetzbareswort*) und dann wird Pferd wenn es Glück hat weiter verramscht und landet letztendlich vielleicht doch beim Schlachter oder mit 24 Stunden-Haft in einer fensterlosen Box. Tja. Oder so ähnlich. In so einer Geschichte gefangen zu sein, davor hätte ich echt Angst. Vor allem vor den Schibbi-Schabbis und dem Olivenöleinlauf. Ja das Olivenöl muss von hinten rein. Lauwarm. Aber gut, wer meint, dass sei seine Art von Verantwortung – ich möchte das nicht verurteilen – manchen gibt der Herr einfach weniger. Für mich wäre es nichts.

Mal ernsthaft, ich glaube ich habe mein Verantwortungsproblem im Griff. Vielleicht bin ich sogar manchmal zu pienzig. Aber auch da bin ich lockerer geworden. Ich kann meine Pferde selbst finanzieren. Die Ponys wohnen in meinen Augen in einer artgerechten Haltungsform. Sie können frei über Essen und Bewegung entscheiden. Ich muss mir keine Gedanken machen, wenn ich es einen Tag lang wegen der Arbeit nicht zum Stall schaffe. Sie sind trotzdem gut unterhalten und haben sich bewegt. Ich kann mir selbst nicht vorwerfen, dass ich nicht hart an meiner Einstellung und an meinem „Nutzungswunsch“ für alle meine Ponys gearbeitet habe. Auch ihre Psyche dürfte nicht allzu angeknackst sein. Und so habe ich mir das auch vorgestellt. Läuft also bei mir!

Ich möchte damit niemanden verurteilen, der seine Pferde anders hält, oder eine andere Meinung hat, aber es lohnt sich zwischendurch mal inne zu halten, einen Schritt neben sich zu stellen und sich zu überlegen und kritisch zu bewerten: Ist das noch gut, was ich da mache? Das wollte ich einfach mal in die Welt hinaus posaunt haben 🙂 Zwischendurch einfach mal über die eigenen Ziele nachdenken und die mit der Realität in Einklang bringen. Und auch mal überlegen, was wirklich gut für das Pferd ist (oder ob das, was man macht nur bequem für einen selber ist).

Verpiss Dich 2016!

30. Dezember 2016:

2016 – ein Jahr Namens Schei**?

Mein kleiner Jahresrückblick auf 2016. Was soll ich zu diesem Jahr bloß sagen? Ein Jahr Namens Schei** passt wirklich ziemlich gut. Es war Einiges geboten. Darum möchte ich mich auch gar nicht mit den negativen Dingen dieses Jahres aufhalten. Sie sind es Wert verdrängt zu werden.
Stattdessen habe ich mich hingesetzt und zu jedem Monat etwas positives überlegt. Das solltet Ihr auch mal probieren. Denn es kommt tatsächlich was zusammen für jeden Monat – und hinterher fühlt man sich richtig gut! Darum gibt es dieses Jahr ein paar speziell herausgepickte Dinge von meiner Liste, um ein Gefühl zu vermitteln.

Da war ein Moment während des Eisbärenrittes. Wir hatten gerade alle Reiter auf die Runde verabschiedet und haben auf die Rückkehr der ersten Reiter gewartet. Die Sonne kam heraus und hat uns im Januar am Sitzplatz oberhalb vom Reitplatz ein paar sonnige Momente tiefster Zufriedenheit beschert. Alles lief wie geschmiert, ein Heißgetränk und Sonne im Gesicht. Das Tüpfelchen auf dem „i“ war dann, als die erste Starterin so dermaßen Glücklich vom Ritt zurück kam, da konnte man sich einfach nur mitfreuen! Und das hielt den ganzen restlichen Tag an.

Drachenpony im Wald
Drachenpony im Wald – Foto: Yvi Tschischka

Resi, die dieses Jahr irgendwie innerlich aufgeblüht ist, auch gerade, weil wir sie vermehrt mitgeschleift haben. Das Pony und ich hatten ganz tolle Momente. Und das Drachenpony schafft es immer wieder mich zu verblüffen. Sie folgt mir nur mit Halsring durch einen undurchdringlichen Wald, in dem sie noch nie vorher unterwegs war. Ich glaube eine gewisses Vertrauen ist da schon vorhanden. So etwas berührt mich sehr.

Insgesamt ist es ein Jahr der großen Gefühle gewesen. Positive und Negative. Am gewaltigsten war aber die Zeit nach dem Brand, als wir vom Zykloopenhof diese Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft erfahren durften. Das war eine so positive Kraft, die uns mitgezogen hat! Das möchte ich auf gar keinen Fall missen. Eine Erkenntnis des Jahres ist auf jeden Fall: Es geht immer weiter! Und wenn man alles als positive Erfahrung wahrnimmt, auch wenn es der größte Scheiß überhaupt ist – mit etwas Abstand kann man aus allem Kraft schöpfen. Auch wenn dieses Jahr selbst viel Kraftlosigkeit inne hatte. Die Gemeinschaft ist sehr wichtig.

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Trümmerfeld Zykloopenhof – Foto: privat

Man kann sich auch mal helfen lassen. Man kann auch mal die Zügel aus der Hand geben und vertrauen. Oder einfach nur erleben, wie sich Dinge fügen. Gutes und schlechtes. Ein guter Moment war auch die Abendshow auf der Equitana Open Air. Dieses Gefühl, wenn alles klappt, man seinen Choreographie-Partner dort trifft, wo man ihn treffen soll, man ihm am liebsten während des Reitens ein High-Five zuklatschen möchte weil ebenfalls fettes Grinsen im Gesicht und man sich nebenbei noch auf dem Großbildschirm über den Fino Strip laufen sieht. Unbezahlbar!

Unbezahlbar waren auch viele Momente mit den Ponys. Der Tag, als Diosa sich von uns hat ablegen lassen, war auch sehr ergreifend. Da legt sich so ein 400 kg-Brummer vor uns auf den Boden und das nur, weil wir sie darum gebeten haben. Das muss man sich mal vorstellen! Genial war auch Yvi und Diosa im Trail an der Equitana zuzusehen. So, und nur so geht Arsch-Cool. Eiswürfel sind heiß dagegen. Das war wohl der beste Trail überhaupt. Oder mein Jacinto, er hat dieses Jahr auch viel mitgemacht. Aber er tut vieles nur deshalb, weil ich es möchte. Das ist ein ganz großes Geschenk!

Auch die Fino-Gemeinschaft habe ich in guter Erinnerung. Am EPFC in Hünfeld, oder bei Kursen, oder wenn man sich in kleineren Runden getroffen hat. Es tut einfach gut einen Haufen ähnlich Bekloppter Menschen zu treffen! Und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Ich hoffe auf eine große, wie auch immer geartete Gemeinschaft, die ihre (hierwahlweisewörterdereigenenwahleinsetzen) Querelen überwindet und sich den Paso Finos widmet.

Sabine Saalfrank Photos - Ich liebe dieses Bild aus der Frostinn-Serie! :-) Danke!
Sabine Saalfrank Photos – Ich liebe dieses Bild aus der Frost-Serie! 🙂 Danke!

Ich habe meinen Neffen das erste Mal im Arm gehalten. Auch so ein Wunderwerk der Natur. Ich habe Dea und Diosa zusammen gesehen. Es war toll zu sehen, wie die beiden sich doch wieder erkannt haben. Ich durfte Resis Tochter reiten! Ich habe tolle Momente mit tollen Menschen erlebt.

Es ging so richtig los mit dem Neubau des Zykloopenhofes! Also zumindest mit den Erdarbeiten und dem ganzen Beton-Gedöns. Und der Look des Hofes veränderte sich schlagartig, nachdem die „Twin-Towers“ gefallen waren. Aber auch das werte ich als ein positives Gefühl. Es wird alles anders. Besser. Schöner. Größer. Moderner. Klarer.

Wenn man das Jahr nur nach positiven Dingen abgrast klingt es tatsächlich ziemlich gut oder? Probiert das einfach aus. Setzt Euch hin und schreibt das tatsächlich auf – nur für Euch. Es hilft.

Meine Zukunft sehe ich positiv. Schlechte Dinge werden zukünftig einfach bei Seite geschoben, Prioritäten verschoben, Dinge, die vielleicht früher wichtig waren, sind es heute einfach nicht mehr. Oder waren es schon immer nicht. Wobei ich einige Dinge oder Leute auch vermisse, aber man sieht sich immer wieder wenn es sein soll. Ich bin da zuversichtlich.

Uns kann 2017 eigentlich nichts passieren. Wir haben in 2016 schon alles durch. Vieles habt Ihr nicht mitbekommen, was passiert ist, oder was ich erlebt habe. Oder wie es mir ging. Weil es auch noch ein Leben außerhalb des Pferdestalles gibt. Verzweiflung, Krankheit und Tod haben im Blog nichts verloren. Hier sollen nur gute Geschichten stehen. Unterhaltsame Geschichten. Geschichten die andere Menschen vielleicht kurz von Ihren Problemen ablenken, schmunzeln lassen, oder aufregen lassen. Hauptsache Ablenkung. Egal in welche Richtung.

Rundlauf Weiber
Es geht immer weiter – und wenn es auch erst mal nur außen herum geht 🙂 – Foto: privat

Ich weiß auf jeden Fall, dass ich aus 2016 innerlich verändert hervorgehen werde. Stärker. Sicherer. Gestählter. Ich werde mich nicht mehr mit Dingen belasten, die nicht gut für mich sind. Ich werde mich aber sehr wohl auf Dinge einlassen, die mir gut tun. Oder Menschen, die mir gut tun. Momente genießen. Bewusst langsamer machen. Einfach MEIN Ding machen.

Niemals Aufgeben, Niemals Kapitulieren!
Nie war dieser Leitsatz wichtiger als im Kack-Jahr 2016 ….

Ich weiss noch nicht genau, was ich an Silvester mache. Aber ich werde dem alten Jahr eine gehörige Portion Spucke und einen fetten Fluch hinterher schieben. Dann bin ich damit fertig und offen für Neues.

Von daher wünsche ich Euch allen einen guten Start in ein kraftvolles, positives 2017!

Wir sehen uns!

 

Geschenke?

23. Dezember 2016:

Traditionell ist diese Vorweihnachtszeit ja gespickt mit anstrengenden und furchtbar wichtigen Sachen. Geschenke kaufen, Plätzchen backen, Weihnachtsdeko im und vor allem – ganz wichtig – auf dem Haus verteilen. Weihnachtsmarkt besuchen. Glühwein trinken. Firmen-Weihnachtsfeier. Sportvereins-Weihnachtsfeier. Familien-Weihnachtsfeier. Shopping-Tour. Und diese nervigen Nikoläuse in lebensgroß, die an Stricken sinnlos von Balkonen oder Fenstersimsen hängen. So dass man sie im Halbdunkeln kurzfristig durchaus für echt halten könnte, und eventuell, ich sage nur eventuell, deswegen die Polizei anrufen könnte … die, ja, DIE, dürfen wir nicht vergessen! Ihr wisst worauf ich hinaus möchte? STRESS. Weihnachten ist Stress. Nicht selten eskalieren Dinge und enden im Streit. Der muss dann natürlich bis zum Beschehrungsklingeln bereinigt sein. Stress pur.

Was mir in diesem Jahr auch extrem aufgefallen ist: in den sozialen Medien wird man mit Gewinnspielen zugeschüttet. Der Wahnsinn. Überall kann man schöne, exklusive, tolle oder nur Sachen gewinnen. Man verliert sofort den Überblick. So geht es mir jedenfalls. In voller Gewinn-Euphorie habe ich die ersten Tage der Adventszeit auch bei jedem Gewinnspiel mitgemacht, welches mir schöne Preise versprochen hat. Und ja, mir war natürlich bewusst, dass der Großteil der Gewinnspiel-Veranstalter auf „Klicks“, „Likes“ und Daten aus ist. Machen wir uns nix vor.
Wobei ich jetzt mal diejenigen Ausklammere, die tatsächlich einfach nur etwas verlosen wollen, weil sie etwas verlosen wollen und nett sind. Nette Menschen soll es ja auch noch geben. Da glaube ich auch weiterhin fest dran.

Aber nachdem ich ja ein totaler Pechkeks bin, was „gewinnen“ angeht, habe ich auch nicht das Problem mir überlegen zu müssen, was ich mit den ganzen Gewinnen mache. Ich gewinne nie etwas. Schon jahrelang warte ich auf „meinen“ Lottogewinn, durch den alles noch besser werden würde. Diosa würde mich jetzt divenhaft angucken, mit dem Ohr zucken und sagen: „Träum weiter Idiot!“ und mir dann ins Gesicht schnauben. Mit Bröckchen.

Jedenfalls höre ich überall: „Was für ein Stress!“ „Diese Zeit vor Weihnachten… wenn sie doch schon wieder rum wäre! Ich habe gar keine Zeit mich zu besinnen!!! Ich brauch dann erst mal Urlaub.“
Ja. Leute, warum ist dieses Weihnachten eigentlich so stressig? Warum lasst Ihr Euch alle von diesem Stress anstecken? Und wieso besteht dieses Fest aus so vielen Verpflichtungen? Warum „muss“ ich Plätzchen backen, das Haus dekorieren, besinnliche Adventssonntage verbringen (seien wir doch mal ehrlich, die sowieso nicht besinnlich sind), wieso muss ich mich dem Konsumzwang und der frustrierenden Einzelhandels-Hauptsaison Weihnachten unterwerfen? Warum Nikoläuse aufhängen? Warum muss ich das Josef im Krippenspiel darstellen??? Warum kann ich nicht ein Esel im Krippenspiel sein? Die dürfen wenigstens während der Vorstellung essen und müssen keinen Text auswendig lernen!

Wir Erwachsenen können uns jederzeit kaufen, was wir möchten. Und ganz ehrlich, die Dinge, die wir uns nicht kaufen können, sollten wir uns auch nicht schenken lassen, weil unsere Liebsten ja im Normalfall auch keinen Geldscheißer haben. Ihr versteht was ich meine?
Warum wird dieses Fest so verunglimpft, warum sind viele so dermaßen konsumfixiert? War der Sinn von Weihnachten nicht irgendwann einmal die Geburt Jesus Christus zu feiern? Ich meine, der Typ ist in einem Strohbett geboren worden! In einem Stall. Der hätte sich am ehesten über eine warme Decke, die nicht kratzt, gefreut. Woher kommt der übersteigert Konsum und die Fixierung darauf in diesem Fest?

Ursprünglich war die Adventszeit sogar einmal Fastenzeit. Da hat man sich dann noch auf die kargen „blauen Zipfel“ oder den „Kartoffelsalat mit Würschtli“ an Heilig Abend gefreut wie Bolle! Da hungert man wochenlang und dann hält einem einer ein duftendes Würstchen unter die Nase. Kein Wunder, dass man sich da richtig gefreut hat. Und ursprünglich gab es für die Kinder bereits an Nikolaus Geschenke. Erst Martin Luther hat die Sache mit den Geschenken auf Weihnachten verlegt. Eigentlich um die Kinder weg von der Heiligenverehrung direkt auf Jesus zu bringen. Da eignete sich der Termin der Geburt besser. Krippenspiele, Weihnachtsbaum, Adventskranz und Coca Cola peppten diese Feiertage im Laufe der Jahrhunderte immer weiter auf. Aber war es gedacht, dass die besinnliche Zeit so unbesinnlich wird?

Ich selbst nehme mich da total raus. Bei uns gibt es keine Geschenke, meine Familie sehe ich wenn ich lustig bin, an Weihnachten direkt gibt es kein großes Tamtam. Die wirklich wichtigen Werte sind doch einen schönen Tag mit seiner Familie (oder seinen Liebsten) zu verbringen. Ohne vorher Stress zu haben oder sich gar richtig zu Zoffen. Nennt mich Grumpy oder Unsensibel, aber ich verstehe diesen hektischen Sinn von Weihnachten, wo viele Dinge machen, die sie eigentlich gar nicht gerne tun, wirklich nicht. Und ich möchte mich dem auch nicht unterwerfen. Deshalb verweigere ich mich einfach dem heutigen Konzept Weihnachten.

Ich suche mir ein paar schöne Dinge aus, meinetwegen über einen Weihnachtsmarkt zu schlendern und einen Glühwein zu trinken (mit netten Menschen). Mich an schönen Lichtern in der Dunkelheit erfreuen. Oder einfach Dinge tun, die ich gerne machen würde an den Advents-Sonntagen. Ich muss auch nicht „Last Chrismas“ im Radio hören. Ich muss keine Geschenke kaufen. Ich möchte mich einfach eine schöne Zeit mit lieben Menschen verbringen. Ich möchte Weihnachten als Zeit erleben, in der man einfach nett zueinander ist. Auch ohne Fest und Geschenke. Eigentlich möchte ich so jede Zeit des Jahres erleben ….

Das bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Ich möchte auch nicht wettern gegen Weihnachtsbaum und Co, auch nicht gegen einmal im Jahr in die Kirche gehen, sonst aber nicht. Das kann jeder so tun wie er möchte, oder wie es Tradition ist. Oder wem es gefällt mit vollem Programm, inclusive mehrglitzrigem Lametta. Aber ich möchte schlicht und einfach, dass jeder für sich selbst überlegt, was genau er an Weihnachten machen will und was aufdiktiert und gezwungen ist.

Was möchtet Ihr selber an Weihnachten ändern? Vielleicht hat ja der eine oder andere den Mut auch zu sagen: Nein. Das möchte ich nicht. Mir wird das aufgezwungen. Redet mit Euren Leuten darüber und ändert, was Euch nicht passt! Vielleicht wäre diese Zeit dann für alle etwas entspannter.

Von daher wünsche ich Euch allen eine gute Zeit. Mit und ohne Lametta 🙂

Weihnachtsponys
äußerst brave und tolle Weihnachtsponys – Foto: Yvi Tischschka

 

Erdrückende Sachen?

2. Dezember 2016:

„Minimalismus bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur
konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen
durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein
selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen.“ – Wikipedia.de

Angeregt durch den Blog-Artikel von Nordfalben wurde ich diese Woche erneut auf das Thema Minimalismus geschubst. Eine Nicht-Reiter-Freundin beschäftigt sich phasenweise intensiv mit dem Thema Minimalismus – aber eher aus der Veganer-Richtung angenähert. Dann wurde ich dieses Jahr ziemlich deutlich mit ungewolltem Minimalismus in Form des Hof-Brandes konfrontiert. Alles in Rauch aufgegangen. Egal wie man es betrachtet, das Thema kommt immer wieder durch und ich finde es durchaus spannend.

Ich habe mir auch Youtube Filmchen von Minimalisten angesehen. Und ich kann mir persönlich nicht vorstellen mit einem Kleiderschrank von sagen wir einmal 50 Teilen zu leben. Das würde bei mir schon an der tatsächlich benötigten Socken und „Schlübbi“-Anzahl scheitern. Und an einem Kleiderschrank mit zwei Leben: einem Zivil-Leben und einem Leben im Pferdestall. Nichtreiter mögen keine Pferdehaar-Sachen in ihren Wohnungen. Und Arbeitgeber mögen kein miefiges Stalloutfit im Umgang mit Kunden. Und Pferdestall bedeutet im Winter warm anziehen. Das maximiert die Stückzahl schon ganz automatisch, gerade wenn man im Fünfach-Lagen-Zwiebellook im Stall aufschlägt. Aber ich finde das Thema Minimalismus mit all seinen Aspekten faszinierend.

Man steht ja tatsächlich vor seinem eigenen Kleiderschrank und zieht immer das Selbe an. Also bei mir ist es zumindest so. Je nach Jahreszeit habe ich meine „Lieblings“-Klamotten, die im Angesicht des kompletten Kleiderschrankes doch einen relativ kleinen Anteil ausmachen. Warum ist das so? Warum greift man immer zu den gleichen Sachen? Und denkt Ihr Euch nicht auch: Warum hab ich eigentlich so viel Kram, den ich eh nicht benutze? Wie unnütz! Wahrscheinlich ist das Gehirn mit dem Abspeichern der ganzen Besitztümer komplett überfordert. Es blockiert und man kann sich nichts aussuchen, weil man sich nicht an alles erinnert und Erinnerungen verschwimmen. So zumindest meine Theorie. Mit weniger befreit man sein Gehirn. Also könnte man eigentlich alles an Klamotten auf die Lieblingsklamotten reduzieren. Ich bin sicher, damit könnte man schon mal 60 % des Kleiderschrankes „entrümpeln“.

Genau so geht man dann idealer Weise in seinem ganzen übrigen Lebensraum vor. Ich lese unheimlich gerne. In den letzten Jahren bin ich der Buch-Haptik abtrünnig geworden und auf eBook umgestiegen. Eigentlich viel sinnvoller. Es fasst viel mehr Bücher, ich komme einfach an neuen Lesestoff heran und muss keine schweren Bücher schleppen. Wohin mit den ganzen Büchern? Auch wenn sie so schön im Regal aussehen. Für mich ist das schon eine Art Minimalismus. Den schönen Büchern entsagen und pur auf die Information in einem elektronischen Gerät reduzieren. Das ist machbar. Und bringt für mich Vorteile. Dank App auf dem Telefon kann ich jederzeit und überall weiterlesen (und mich nicht ärgern, wenn ich das spannende Buch vergessen habe, aber grad Zeit zum lesen ist).

Für mich als mehrfacher Pferdebesitzer würde Minimalismus dann auch ein Entrümpeln im Sattelschrank bedeuten. Da würde es mir nicht einfach gemacht. Ich habe viel Zeit aufgewandt, um eine schöne Bosal/Barbada-Sammlung aufzubauen. Als Minimalist müsste ich mich entscheiden diese Rigoros zu verkleinern. Das möchte ich aber nicht. Ich genieße die Auswahl. Und ich gönne mir den Luxus, dass jedes dieser Gebrauchs-Teile meist auch an einem eigenen Kopfstück aus Biothane hängt. Bescheuert ich weiß. Man könnte sie auch an einem Kopfstück mit Umschnallen regelmäßig auswechseln.
Aber Entwarnung: Worauf ich inzwischen gut verzichten kann, ist eine große Satteldecken/Schabracken-Auswahl. Seit dem ich das Quittpad kennen gelernt habe benutze ich das fast ausschließlich. Meine ganzen restlichen Schabracken sind quasi nur noch sentimentale Anhängsel. Brauchen fällt flach, da sind „nur“ Erinnerungen dran geknüpft. Aber andererseits möchte der Minimalismus ja auch Platz für Erinnerungen schaffen. Minimalismus möchte, dass wir uns bewusster mit uns selbst beschäftigen und nicht am Konsumgut festmachen. Was ja ein schöner Gedanke ist. Was bedeutet das jetzt für meine Satteldecken?

Hamilton-Stricke
Irgendwann hat alles eine Farbe …. und Form …  da hätte ein Strick auch gereicht 🙂 – Foto: privat

Gute Frage. Aussortieren. Die mit viel Erinnerung einfach behalten, weil ich es kann, die anderen weitervermitteln. Manch anderer würde vielleicht extrem sein und nur eine behalten. Aber hält man das tatsächlich durch? Oder ist das nicht einfach nur das Gegenteil von Kaufsucht und damit auch wieder ein Extrem, welches man nicht lange durchhält?

Mir persönlich gefällt, wie bei den meisten guten Ideen, der Grundzug, das daraus erwachsene Extrem nicht. Ich würde für mich persönlich aus dem Thema Minimalismus herausziehen:
– Wir besitzen alle viel zu viel. Reduziere auf die Lieblingssachen.
– Ich muss mich nicht an starre Stückzahlen halten. Ich kann mir selber überlegen, was für mich funktioniert.
– Jeder von uns kann für sich viel Platz schaffen durch Reduzieren, Sortieren, Entrümpeln.
Und das in jeglicher Lebenslage/jeglichem Lebensbereich.
– Weniger „Gerümpel“ bedeutet mehr Freiraum. Mehr Zeit sich mit den wichtigen Dingen zu beschäftigen, weil man nicht mit unnötigen Dingen belastet ist.
– Weniger ist Mehr.
(Übrigens sind ab einem gewissen Alter (nämlich meinem) auch weniger Kalorien am Tag mehr ….. – aber das nur unqualifiziert am Rande.)

Mein persönliches Ziel wird sein ein gesundes Verhältnis zum Konsum/Besitz zu entwickeln. Was mit einer Pferdejacken/Kuschelpullover-Kaufsucht an einem Stall mit anhängendem Verkaufsladen nicht wirklich einfach ist. Das kann ich Euch sagen. Vielleicht sollte mein Ziel sein: mindestens eine Nacht darüber schlafen, und dann erst entscheiden ob man das Teil tatsächlich braucht. Oder ein Teil immer gegen ein anderes zu ersetzen. Wenn Eines einziehen möchte, muss Eines gehen. Es gibt letztendlich unendliche Möglichkeiten. Aber Hauptziel für mich sollte bleiben: Gesundes Mittelmaß (mit Tendenz zu Weniger). Keine Extreme, die hält man (also ich) nämlich nie lange aus.

neue Kumpels
Da will schon mal wer beim Aussortieren mithelfen! – Foto: Yvi Tschischka

Der Minimalismus soll uns ja in ein selbstbestimmtes und erfüllteres Leben führen. Ich denke mir, wer darüber schon mal das Nachdenken anfängt ist schon einen großen Schritt weiter. Ballast abwerfen ist die Devise – physisch oder psychisch. Abschließen mit Dingen. Abschließen mit Situationen. Abschließen mit Menschen, die einem nicht gut tun. Egal. Nur Anfangen damit ist wichtig!
In diesem Sinne, ich hoffe die philosophische Kost schreckt nicht ab. Aber gerade dieses Jahr ist für mich der perfekte Anlass, um einiges neu zu sortieren.

Wie steht Ihr zum Thema „Minimalismus“?

50Shades of Sumpf?

20. November 2015:

Neulich beim Ausreiten kam mir eine schräge Idee: Habt Ihr mal überlegt, was für Filme die Charaktere Eurer Pferde widerspiegeln? Da kamen in meinen Gedanken ziemlich seltsame oder vielleicht doch gar nicht so abwegige Assoziationen heraus.

50Shades of Sumpf
Denken wir mal an „50 Shades of Grey“. Ein ziemlich umstrittener Film (bzw. Buch). Die einen mögen ihn, die anderen halten ihn für überflüssig. Ich gebe zu, ich habe das Buch gelesen und sogar den Film geguckt. Heimlich. Wobei jetzt ist es ja nicht mehr heimlich. Ich werte die Geschichte als netten Zeitvertreib ohne großen Hintergrund. Typ kitschiger Bergdoktor Roman, nur halt mit Fesseln statt edelweiss-berauschter Bergwelt. Das Buch hat auf jeden Fall eine Menge Kritiker, selbsternannte und tatsächliche Fachleute und ganze Menschenmassen inklusive Moralapostel dazu gebracht, darüber ihren Senf abzugeben. Womit wir beim Thema Frau Sumpf wären, mitten in so einer Kritiker- und Menschenmasse fühlt sie sich nämlich pudelwohl. Aufmerksamkeit, dein Name ist Diosa. Frau Sumpf benimmt sich manchmal genau so wie Christian Grey.

Natürlich ist sie dabei vielschichtiger und hübscher und natürlich weiblicher. Sie beherrscht selbstbewusst und intrigant ihr Imperium. Nur mit einem Wimperzucken oder Ohranlegen führt sie die Stutenherde. Mit Subs kennt sie sich auch aus. Erst hat sie Jacinto benutzt, Guapa terrorisiert, dann den feurigen „Spanier“ fast um den Verstand gebracht. Momentan folgt Boogie ihr auf Schritt und Tritt und fast meint man, sie himmelt Frau Sumpf an und führt eingegebenen Befehle ergeben aus. Frau Sumpf nutzt das natürlich schamlos aus.

Frau Sumpf nutzt alles schamlos aus. Gib ihr den kleinen Finger und sie nimmt die ganze Hand. Die ganze Welt ist ihr Spielzimmer. Natürlich auf extrem charmante Sumpfart. Zuckerbrot und Peitsche. Yvi und ich sind übrigens auch ihre Subs. Wir tanzen oft nach ihrer Pfeife, quälen sie aber ihrer Meinung nach auch oft. Aber letztendlich hat auch das schattige Scheckpony ein gutes Herz, und lässt sich überzeugen, ebenso wie Christian Grey sich führen lässt. Nur dass der nicht tölten kann und Frau Sumpf in Leder deutlich besser aussieht!

Oder denkt mal an „Forrest Gump“. Ich bin mir sicher Jacinto und Forrest sind ein und die selbe Person. Beide nicht mit besonders viel Intelligenz gesegnet, dafür können beide aber schnell Laufen. Ich kann mir Jacinto auch gut an einer Bushaltestelle herumstehend vorstellen, Leuten seine Lebensgeschichte erzählen. Also wenn er reden könnte. Nur dass Jacinto nicht so viele berühmte Leute getroffen hat wie Forrest. Jacintos Hüftschwung ist nicht so berühmt wie Forrests „Elvis the Pelvis“, ich finde ihn aber attraktiver. Über Forrests/Jacintos besten Freund Bubba Gump kann ich auch noch etwas erzählen. Er erinnert mich ziemlich an Fénix, der auf jeden Fall genau so dunkel wie Bubba Gump ist. Zumindest isst Fénix ziemlich gerne. Dafür bin ich mir aber sicher, dass Fénix niemals auf einen Shrimps-Kutter steigen würde. Wobei, wenn da was zu Essen liegt …. hmmm…. lassen wir das. Jedenfalls wenn Jacinto etwas zu viel wird, fängt er an zu rennen. Genau so wie Forrest. Von daher … lauf Jacinto Gump, lauf!

Bei Resi wird es schon etwas schwerer. Sie erinnert mich irgendwie an einen Autisten. Es gibt da einen sehr ergreifenden Film namens „Snow Cake“ (Der Geschmack von Schnee) mit Alan Rickman und Sigourney Weaver (Ja, die Frau mit den Aliens im Bauch kann auch ernsthaft). Rickman spielt einen umherreisenden Engländer, der eine Anhalterin mitnimmt. Als sie losfahren wird das Auto gerammt und die Anhalterin stirbt bei dem Unfall. Rickman möchte Linda, der Mutter des Mädchens, die Nachricht selber überbringen. Dabei stellt er fest, dass Linda besonders ist. Sie nimmt viele Dinge anders wahr als andere Menschen. Einiges viel intensiver, einiges bedeutet ihr gar nichts.

Linda ist Autistin. Autisten sind Menschen mit angeborenen, unheilbaren Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörungen des Gehirns. Rickman bleibt ein paar Tage bei Linda und lernt ihren nicht ganz normalen Alltag kennen. Man bekommt im Film ein Gespür dafür, wie Autisten das Leben sehen. Sehr ergreifend, dieser Film. Den solltet Ihr Euch unbedingt anschauen. Das erinnert mich irgendwie immer an Resi. Sie steht auch da, schaut ganz putzig. Dann aber macht sie Dinge, die kein Mensch nachvollziehen kann. Man hat den Eindruck, es sind für Resi normale Dinge. Uns fehlt nur der Bezug zu ihrer Realität. Das bedeutet natürlich auch, dass sie keinen Bezug zu unserer Realität hat. Was ich dann immer sehr schön finde ist, wenn unsere beiden Realitäten sich angleichen und Dinge einfach funktionieren.

Ihr seht, bei so einem Ausritt kommt man manchmal auf ganz seltsame Gedankengänge. Wie seht Ihr das? Habt Ihr auch Film-Pferdecharakter-Assoziationen? Wer möchte, kann mir da gerne mal schreiben. Das finde ich nämlich spannend.

Ich nenn es mal das Wort zum Sonntag?

12. Oktober 2014:

 

Am 12.10.2014 fanden sich 20 Interessierte Paso Fino-Freunde am Zykloopenhof ein, um sich über das Thema „Zukunft des Paso Fino in Europa“ zu unterhalten. Nadine und Johannes haben den Zykloopenhof netterweise als Gastgeber zur Verfügung gestellt. Natürlich konnte man sich auch im neu eröffneten Shop umsehen. Gedacht war eine lockere Runde zu haben, offen für alle Interessierten, nicht nur für Vereinsmitglieder, um einmal einen Konsens zu finden, was für ein Typ Pferd auf dem Markt gewünscht ist und wie es mit der Zucht weitergehen soll. Natürlich legt jeder Fino-Freund auf andere Dinge besonders Wert. Und auch einen Konsens kann man nicht für jeden finden. Aber auf jeden Fall ist es wichtig, dass man sich untereinander austauscht und Erfahrungen vergleicht und vielleicht auf ein paar Grunddinge Wert legt.

Es ging um die Frage „Wo steht die Fino-Zucht in Deutschland?“. Auf jeden Fall kann man den Paso Fino schon alleine aufgrund der niedrigen Population als Exklusiv bezeichnen. Gerittene Pferde auf dem freien Markt sind definitiv Mangelware. Wer einmal einen tollen Fino hat, behält ihn meist selber. Oder er geht an Freunde und Insider unter der Hand in neue Besitzverhältnisse über. Eine große Zucht, die eine Vielfalt an gerittenen und leicht zu handhabenden Pferden an den Markt bringt gibt es nicht. Was natürlich auch bedeuten würde, dass so ein exklusives Pferd, egal ob jetzt Country Pleasure, Pleasure, Performance oder Classic Fino (der ja alleine schon aus Mangel an Häufigkeit in Europa mehr oder weniger sowieso nicht auf dem freien Markt zu haben ist) nicht zu Ramschpreisen, um es einmal bildlich zu umschreiben, zu haben sein sollte. Man darf sich also durchaus bewusst sein, dass man mit einem Paso Fino im Limusinenbereich herumfährt.

Ich fand den Vergleich mit den Automarken sehr nett. Pferde, die es mengenmäßig häufiger in Deutschland gibt, sei es jetzt der beliebte Haflinger, das Warmblut, Quarter Horse oder was auch immer, sind da der Volkswagen unter den Pferden. Da hat man die volle Auswahl an bereits fertig gebauten Autos – grün, rot, weiß, mit Leder, ohne Lederausstattung. Pferde, die nicht so häufig vorkommen und damit seltener zu haben sind, dürfen dann die Maseratis oder Porsche Cayenne sein. Davon fahren jetzt auch nicht so viele herum, bzw. sie werden auf Wunsch gefertigt. Ihr wisst glaube ich, worauf ich hinaus will. Es ist halt einfach mengenmäßig schon exklusiv. Dass ein Pferd einen gewissen Verkaufspreis erreichen sollte, dürfte schon rein aus wirtschaftlichen Gründen logisch sein. Dazu gab es auch schon genügend Diskussionen. Eine vernünftige Aufzucht kostet Geld. Wer ein fertiges Pferd für weniger verkauft, als er Kosten hatte es überhaupt so weit zu bekommen, hat schlicht und einfach Verlust gemacht. Dass die Verkaufspreise ein schwieriges Thema sind, soll jetzt nicht debattiert werden. Das ist mir durchaus bewusst, dass da ganz viel Eigendynamik im Spiel ist. Es geht mir nur um den gedanklichen Idealzustand.

Ein weiteres Diskussionspotential ergibt sich natürlich dann aus der Häufigkeit der Pferde: Die Qualität. Sind wir mal ehrlich, jeder möchte die eierlegende Wollmilchsau. Ein Pferd, welches vom Exterieur und vom Charakter her topp ist und gleichzeitig noch sicheren Tölt in allen Lebenslagen zeigt. Um solche Pferde zu erhalten ist gerade bei einer kleinen Zucht jeder darauf angewiesen sich sehr gründlich mit der Wahl des Hengstes, oder den Eigenschaften, die die eigene Stute benötigt, um „verbesserte“ Fohlen zu bringen zu beschäftigen. Natürlich klappt das mit der verbesserten Zucht nicht immer auf dem Papier oder in den Gedanken, da kommt immer noch das Leben dazwischen. Vererbung ist Glücksspiel. Aber man kann sich zumindest gründlich Gedanken machen, was man gezielt verbessern möchte. Und man sollte gezielt auch das Augenmerk auf die eigene Stute legen, was sie für Schwächen, oder Stärken hat. Ich weiß definitiv, dass meine beiden Stuten alleine vom Gebäude und Gang her nicht optimal dem gewünschten Rassestandard entsprechen und trotzdem sind sie tolle Pferde. Aber sie könnte natürlich toller sein, die eine mit besserem Hals, quickeren Bewegungen, die andere vielleicht etwas weniger Temperament, manche würden sagen, wenn die eine einfarbig wäre, wäre sie noch toller ….

Es ist eigentlich ein ziemlich komplexes Thema, mit dem man ganze Bücher füllen könnte. Der Rassestandard wird selten komplett erreicht. Irgendwas ist immer. Von daher ist es natürlich aus züchterischer Sicht immer sehr sinnvoll, möglichst nach dem perfekten Fino-Exterieur (und natürlich auch Interieur) zu suchen. Was aber wiederum ein ganz tiefes Insider-Wissen erfordert und zusätzlich einen dicken Geldbeutel. Und eine Portion Glück. Also alles nicht wirklich planbar. Zucht mit Pferden sollte jedenfalls nicht darauf abgezielt sein möglichst viele Pferde einfach so weiter zu vermehren, um damit Kohle zu machen. Als Züchter ist man normalerweise Idealist. Da gelingt nur ganz wenigen der große Griff mit dem Superpferd, das man dann für Lamborgini-Preise verkaufen kann.

Letztendlich profitiert aber auch der Privat-Züchter, der ein Fohlen aus seiner geliebten Stute ziehen möchte, von sorgfältiger Zuchtplanung. Wer nämlich ein korrekt gebautes und charakterlich einwandfreies Fohlen hat, spart sich irgendwann auch später in der Ausbildung Geld. Ein Pferd mit korrektem Gebäude (und Charakter) lässt sich natürlich auch leichter anreiten, weil ihm die Dinge einfach leichter fallen. Das ist wie mit den Top-Sportlern. Wer gut in Schuss ist, braucht sich nicht erst durch gezieltes Aufbautraining dorthin zu bringen, wo ein anderer vielleicht schon Körperbautechnisch von alleine ist. Man spart letztendlich Geld und Zeit im Beritt. Oder an der Korrektur von gangspezifischen Auffälligkeiten. Wer von Natur aus viel Tölt mitbringt, der muss es nicht erst erlernen. Ich hoffe Ihr versteht, was ich grob umreißen möchte?

Nur wie kommt man in Deutschland jetzt zu guten Hengsten? Irgendwann ist ja auch einmal der vorhandene „Genpool“ genügend verquirlt. Der Import von „frischen“ Hengsten, Gefriersperma, Austausch von Hengsten untereinander in Europa, Importstuten aus den Ursprungsländern oder den USA, die dort mit dem Wunschhengst bereits gedeckt sind sind Möglichkeiten. Alles schön und gut. Das ist letztendlich alles eine Frage des Geldes. Man braucht also die drei „G“s: Geduld, Geld, Glück. Findet man aber auch nicht einfach so auf der Straße.

Letztendlich bleibt es bei der Erkenntnis: Qualität ist subjektiv. Gewisse Qualitätsmerkmale ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Fino-Typen. Wichtig ist guter Tölt, guter Körperbau, guter Charakter und Gesundheit.

Wenn man dann alles gut hinbekommen hat, dann bleibt noch die deutsche Bürokratie. So ein Paso Fino muss auch einem Gremium vorgestellt werden, um offizielle Papiere zu bekommen. Das ist in Deutschland ein Zuchtverband. Man muss seine Stuten eintragen lassen, die Hengste werden gekört und leistungsgeprüft. Das offizielle Gremium kennt aber die kleine unbedeutende Rasse Paso Fino nicht, weil es nur so wenige davon gibt. Das führt natürlich auch zu Unsicherheit bei den Offiziellen. Außerdem fällt eine kleine Rasse nicht wirklich ins Gewicht, weil sie keine große finanzielle Einnahmequelle ist. Also lohnt es sich für einen wirtschaftlich denkenden Verband nicht wirklich (außer natürlich ideell) sich mit einer Rand-Rasse tiefer zu beschäftigen. Es ist ein Teufelskreislauf.

Im Prinzip bleibt mir nur zu sagen: Steter Tropfen höhlt den Stein. Die Fino-Zucht ist Liebhaber-Zucht und man ist ganz viel damit beschäftigt, anderen Leuten von den Besonderheiten des Paso Fino zu erzählen, um ganz einfach ein Grundverständnis für diese Rasse zu schaffen. Das fängt beim Bauern gegenüber an, der so ein „komisch lahm laufendes“ Pferd noch nie gesehen hat und hört eben auf beim Zuchtverband, deren Kommission auch nicht unbedingt auf dem neusten Informationslevel ist. Um zum Schluss zu kommen, auf jeden Fall ist es dringend nötig sich bei so einer kleinen Rasse untereinander gut auszutauschen, sich gegenseitig unter die Arme zu greifen und einfach für einander da zu sein. Ganz weg von persönlichen Befindlichkeiten. Es geht um den Paso Fino und das geht auch alle Nicht-Vereinsmitglieder an. Darum sind auch in Zukunft Treffen geplant. Einfach um die Möglichkeit des Austausches im größeren Rahmen zu ermöglichen. Quasi als ein „Fino-Stammtisch“. Und zu diesem sind alle Fino-Besitzer eingeladen. Schließlich haben wir alle die gleichen „Probleme“. Da ist das unwichtig, ob PFAE-Mitglied oder nicht. Somit möchte ich dieses kleine Wort zum Sonntag abschließen und wünsche allen, deren Stuten gedeckt sind, oder es vor haben, die inzwischen vier großen „G“s: Geduld, Glück, Gesundheit, Geld. Damit ist man immer gut beraten 🙂

Wenn der Postmann dreimal klingelt?

März 2013:

Ich bin ja ein großer Fan von Überraschungspäckchen. Nachdem ich aber leider nicht mehrmals im Jahr Geburtstag habe (bzw. die Leute nicht mehr darauf herein fallen) und ich bereits weiß, was in den ersteigerten Ebay-Päckchen oder den Amazon-Bestellungen drin ist, musste ich eine andere Möglichkeit finden mich überraschen zu lassen.

Und so kam ich zu den Beauty-Boxen. Das ist eine lustige Idee. Man überweist je nach „Box“ einen Betrag von 10 bis 15 Euro und die Firma verspricht einem dafür eine „Beauty-Box“ mit ganz tollen, extra ausgesuchten Produkten, ohne die man ab sofort nicht mehr schön sein kann. Schaut mal unter „Douglas-Box“, „Glossy-Box“ und „Pink-Box“ nach, dann seht ihr was ich meine. Ich bin seit einiger Zeit Abonnent der „Pink-Box“. Diese Box wird, wie der Name schon sagt, in einer pinken Box versandt und ich freue mich jeden Monat aufs Auspacken und Entdecken.

Der eigentliche Inhalt ist noch einmal mit einem schicken Raschelpapier und einem Schleifchen versehen und dann endlich kommt man an all die Produkte, die man eigentlich gar nicht braucht. Man freut sich aber trotzdem oder ärgert sich ein bisschen über den Inhalt. Dann kann man bei Youtube nachsehen, was andere Frauen in ihren „Boxen“ hatten. Es gibt dort nämlich eine rege Community, die sogenannten „Fashion-Gurus“, die regelmäßig „Unboxing“-Videos drehen und sich dabei filmen, wie sie ihre jeweilige „Box“ auspacken. Natürlich hätten die meisten gerne ein Produkt dabei gehabt, was eine Andere in ihrer Box hatte und sie nicht. Das Übliche halt. Ist aber mal ganz interessant anzusehen. Eine komplett andere Welt.

Aber ich schweife vom Thema ab. Beauty-Boxen. In meiner Box ist immer noch eine Frauenzeitschrift dabei. Und ein paar Werbeflyer oder Gutscheinflyer. Was ja klar ist. So wird meine Sammlung an Kosmetikprodukten immer Größer. Es sind auch immer tolle, brauchbare Produkte dabei, die man schon immer mal austesten wollte, oder Pröbchen von Sachen die man sich in der Originalgröße nie gekauft hätte. Gefreut habe ich mich zum Beispiel über eine Body-Butter in Originalgröße von The Body Shop, die sind ja nicht billig. Oder über etwas zum Ausprobieren von LUSH. Seit der Pink-Box bin ich auch Nutzer einer extra Augencreme. Man wird ja auch nicht Jünger.

Worauf ich aber hinaus will, eigentlich fände ich es ja noch viel toller, wenn irgend jemand eine Art „Horse-Box“ erfinden würde. Wäre das nicht toll jeden Monat ein Überraschungspäckchen fürs Pony zu bekommen? Erstens mal wäre das Päckchen bestimmt größer und die Sachen wären für Pferdefreunde brauchbarer. Und nachdem Pferdeleute sowieso die meiste Zeit im Stall verbringen viel lustiger. Man hätte im Stall Gesprächsstoff, könnte sich gemeinsam Aufregen über den Inhalt, oder die Freundin neidisch machen mit dem tollen Sachen daraus. Unendliche Möglichkeiten.

Die Firmen könnten eine Pferdezeitschrift oder einen Futtermittel-Katalog reinpacken. Und zum Inhalt: Die Pferdeindustrie könnte uns immer auf dem Laufenden halten, was gerade für Farben und Formen der Trend sind, die Futtermittel-Hersteller könnten ihr Futter vorstellen. Sogar die Beauty-Industrie könnte sich einmischen und etwas für gestresste Frauenhaut im Pferdestall entwickeln. Als Bonus zum Beispiel ein Gutschein zum Besticken für eine Schabracke oder eine Mütze.

Ich stelle mir das so vor: Das Päckchen kommt an, ich bin schon begeistert vom hübschen Hufeisen- und Kleeblatt-Design der Verpackung. Dann entdecke ich, dass auch noch eine Pferdezeitschrift dabei ist, die ich noch nie gelesen habe. Ich mache mir eine Tasse Tee, blättere in der Zeitschrift und entdecke dabei den Gutschein eines bekannten Paso-Shops zum Besticken. Dann halte ich es nicht mehr aus und muss unbedingt in das eigentliche Päckchen  hineinsehen. Der Karton sieht natürlich toll aus und wird gesammelt. Ich nehme den Deckel ab, alles ist noch einmal in schwarzes Seidenpapier eingeschlagen und mit einem Schleifchen zugebunden. Ich öffne mit einem Seufzen die Schleife und bin unendlich gespannt, was darunter zum Vorschein kommen wird.

Und ich werde nicht enttäuscht! Mir sticht sofort DIE neue Schabracke von XYZ in der neuen angesagten Trendfarbe ins Auge. Ich bin begeistert und überlege sofort, wie ich die Schabracke und den Bestickungsgutschein kombinieren könnte. Dann kommt mir ein Pröbchen Duftlanghaarpflege fürs Pferd in die Finger. Das ist ja mal was total Innovatives denke ich mir. Mähnenpflege mit Kirsch-Geschmack! Gleich mal testen. Ich stehe vorm Spiegel und sprühe mir Mähnenpflege in die Stoppeln. Es breitet sich ein intensiv-künstlicher Kirschgeruch im Zimmer aus. Mir wird leicht übel, ich bin aber begeistert!

Gleich weiter auspacken: Ohhhhhhhh! Eine Bürste mit extra geschwungenen Borsten fürs Pony! In Türkis-Glitzer!!! Meine Freude kennt fast keine Grenzen mehr. Ich hopse einmal um das Päckchen herum. Und damit das Pony auch noch etwas zum Probieren bekommt die neue Mash-Kreation von Futtermittelhersteller ZYX – mit extra Vitaminen und Minaralstoffen. Ganz einfach in der Mikrowelle zuzubereiten. Kein Schmieren und Kleckern mehr. Hmmmm….. Da wird sich das Pony freuen! In der Geschmacksrichtung Banane! Ich muss mich ernsthaft davon abhalten, das Mash gleich auszuprobieren und selber zu essen. Gleich mal nachsehen wie viel die Originalgröße kostet, damit ich sie mitbestellen kann bei der nächsten Futterbestellung. Die Ponys lieben nämlich Banane! Und als Fünftes ist ein Päckchen Mähnen-Zöpfchen drin. Die nächste Turniersaison steht ja vor der Tür. Ach … das ist ja blöd … die sind Pink! Ne, dann bring ich die der Nadine mit, dann freut die sich und Féni schaut wieder so schön schwul aus mit den pinken Zöpfchen.

So in der Art könnte dann ein „Unboxing“ der „Horsy-Box“ stattfinden. An für sich doch eine super Idee oder? Wer von Euch würde die „Horsy-Box“ abonnieren? Und was würdet ihr noch drin haben wollen? Man kann natürlich bei der Bestellung noch angeben welche Farben man bevorzugt, ob das Pony trockene Haut hat oder fettige Haut, welche Farbe das Pony hat, ob man Diätfutter braucht, ob man selbst Spring-, Dressur-, oder Gangpferdereiter ist. Je nach Passion. Damit auch jeder die individuell für sich angepasste „Horsy-Box“ geliefert bekommt. Und alles natürlich zum Sensationellen Preis von höchstens 22,50 Euro!

Jetzt warte ich auf die ersten Firmen, die so etwas ausprobieren. Ich wäre dabei und würde dann auch Youtube-Filmchen drehen wenn ich das Ding auspacke. In der Zwischenzeit freue ich mich natürlich auch immer über Überraschungspäckchen, die einfach so zu mir geflattert kommen …. *räusper*

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