Del Cavador

Königin oder Pöbel?

Frühling 2016 – Frau Sumpfs Quadratschädel in Szene gesetzt – Foto: Yvi Tschischka Photography

19. April 2020:

Persönlichkeitsbeurteilung von Diosa del Rio nach dem Buch „Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“ von Linda Tellington-Jones

Charakter-Beschreibung von Diosa:

Wie beschreibt man Diosa am Besten? Sie ist ein echtes Unikat. Sehr Charakterstark und sehr ausdrucksvoll in Ihrer Mimik. Sie hat sich, seit ich sie besitze, vom schüchternen Jungpferd zur unangefochtenen, intelligent und gerecht regierenden Herdenchefin entwickelt. Sie lässt sich auch viel einfallen, um diese Stellung zu behaupten. Diosa ist sehr intelligent. Sie kombiniert Dinge und macht sie für sich passend. Dabei löst sie ihre Probleme ohne Gewalt. Diosa ist zudem sehr gesellig und fühlt sich in der Herde oder Gruppe am wohlsten. Sie steht gerne im Mittelpunkt. Egal welcher Mittelpunkt. Seien es Menschenmassen die ihr huldigen, oder Lob für Ihre Leistungen absahnen, oder sonst wo. Diosa nimmt alles. Sie ist trägt Ihre Stimmungen und Launen deutlich sichtbar zur Schau. Ihre Mimik ist sehr expressionistisch. 

Diosa lernt auch sehr schnell. Sie kann auch Übungen kombinieren und ist sich ihres Körpers und wie sie ihn einsetzen kann (und muss) sehr bewusst. Sie erkennt zielsicher, wenn man unsicher ist, oder Reitanfänger ist. Dann passt sie ihre Leistung sofort an und/oder übernimmt einfach die Führung. Sie kann sich aber auch führen lassen. Wenn man ihr sagt: Hey! So machen wir das aber!!! Dann macht sie das für „Ihre“ Menschen. Manchmal deutlich sichtbar angepisst, aber manchmal auch gut gelaunt. Mann muss Ihr immer das Gefühl geben, dass das, was sie tun soll Sinn macht und am Besten suggeriert man ihr, dass das eigentlich gerade ihre Idee war, dann ist sie mit Eifer dabei. Lob findet Diosa natürlich toll. Wellness-Behandlungen ebenfalls. Aber sie hat immer ein waches Auge auf ihre Vorgänge in ihrer Umgebung.  

Diosa ist insgesamt ein sehr freundliches und dem Menschen zugewandtes Pferd. Sie möchte „Ihren“ Menschen schon alles Recht machen, das rechne ich ihr hoch an. Sie kommuniziert auch gerne mit ihrer Umwelt. Ebenso kann man sie problemlos überall hin mitnehmen. Sie fährt souverän Hänger, kommt irgendwo neu an und findet sofort neue Freunde, an die sie sich hängt (und in ihrem Idealfall von sich abhängig macht). Diosa ist ein Multitalent in sofort überall Anschluss finden. Wahrscheinlich ist sie innerlich manchmal immer noch das kleine schüchterne zweijährige Mädchen, aber sie kommt inzwischen überall und mit jedem zurecht, der ihr Respekt zollt (und was zu Essen ranschafft oder den Popo kratzt) oder ihr im richtigen Moment Führung anbietet. 

Sie hat sich auch als Zuchtstute bewährt und hat allen ihren Kindern ihre Coolness und Intelligenz weiter gegeben. 

Diosa ist ein echtes Allround-Traumpferd – wenn man ihr Herz gewonnen hat!

Beurteilung Kopf nach dem Buch:

Gerades, flaches Profil: Ein äußerst unkompliziertes Pferd, das leicht lernt. 

Elchnase: Eine Vorwölbung des unteren Teils der Nase weist meist auf ein Pferd mit starkem Charakter hin, das oft auch Leittier einer Herde ist.

Eine schräg abfallende untere Nasenpartie und die lange Oberlippe deuten auf ein Pferd mit vielen amüsanten Einfällen hin. 

Große Ganaschen: intelligent und arbeitswillig.

Abfallendes Maul mit Elchnase: sehr dominanter Charakter. 

herzförmige Oberlippe: ausdrucksstarker, neugieriger und extrovertierter Charakter

große offene und bewegliche Nüstern, eher nach oben hin abgerundet: intelligentes Pferd, das sich für alles interessiert und eifrig arbeitet. Sehr aufgeweckt. 

Entspanntes Kinn, mittlerer Dicke: beständig, arbeitet gerne mit. 

Weiches, rundes Auge: willig und vertrauen dem Menschen.

auch Mandelförmiges Auge: Ein williges Pferd, das gern mitarbeitet. Das Pferd kann introvertiert und etwas zurückhaltend sein, bis es gelernt hat, Ihnen zu vertrauen. 

Ohren, die an der Spitze weiter auseinander stehen als am Ansatz: Ein Zeichen von Beständigkeit und Unkompliziertheit. 

Ein Wirbel an der Stirn, leicht nach rechts versetzt: Neigung, den Reiter zu testen und ihren eigenen Kopf zu haben. 

Insgesamt hat Diosa einen eher großen, groben Kopf. Eben einen Charakterkopf! 

Diosa hat sich anhand des Buches sehr schön Charakterisieren lassen. Das macht wirklich Spaß! Probiert es auch einmal aus!

Diosa 2005 da fiel die Entscheidung sie zu kaufen! – Foto: privat

Meine Übung, Dein Problem!?

Kurs mit Stan Paul Paso Fino Training im Februar am Zykloopenhof

15. März 2020:

Ein bisschen spät, aber hier mein Bericht über den Kurs mit Stan Paul bei uns am Hof. Stan war eindeutig viel zu lange nicht mehr bei uns, aber an diesem Wochenende hatten wir die Gelegenheit unser Wissen aufzufrischen. Neben ein paar älteren, bereits gerittenen Pferden lag der Fokus dieses Mal teilnehmerbedingt auf der Jungpferdearbeit – bzw. der Fragestellung: Was muss so ein junges Pferd alles können? Und was ist Quatsch? Ich selber war nur als Zuschauer dabei. 

Stan gab unseren Jungpferdebesitzern gute Tipps für das weitere Training, bzw. die Vorbereitung der Jungspunde und Halbstarken auf das Leben als Reitpferd. Wie viel der Einzelne mit seinem Jungpferd macht, bleibt meiner Meinung nach jedem einzelnen selber überlassen. Das Thema füllt ganze Foren und Shit-Storm-Anfälle von „NEEEEEEE erst anfassen, bis es fünf Jahre alt ist!“ bis „Täglich ein bisschen Arbeiten und Imprinten“ – aber ich glaube insgesamt ist jedem seriösen Trainer ein grunderzogenes Pferd, welches dann „roh“ zum Beritt kommt lieber, als ein bereits am Boden „verzogenes“ Pferd. Mit „roh“ meine ich: sich ordentlich führen lassen, Höflich sein, Hufe heben, überall anfassen lassen, bisschen spazieren gehen können, vielleicht noch Hänger fahren können. Alles Weitere ist eigentlich nicht nötig, es geht schneller, eine solide Profi-Basis aufzubauen, als bereits falsch erlerntes Verhalten umzuprogrammieren. Aber wenn man allerdings selber Spaß an der Jungpferdearbeit hat oder sein Pferd selber ausbilden möchte (auch wieder ein „Achtung-Shitstorm-Thema“ …) hilft es sich regelmäßig professionellen Input zu holen. 

Diego del Cavador – Übelstes Streberpony! – Foto: privat

Stan bereitet die Pferde auf altbewährte Art auf das Leben zum Reitpferd vor. Das bedeutet, es muss sich überall anfassen lassen. Es muss aufpassen. Es muss die Schulter weichen. Es muss die Hinterhand weichen. Es muss rückwärts gehen. Es braucht dabei nicht allzu „fein“ in den Hilfen sein, das ist eher hinderlich beim Anreiten. Die Feinheit kommt dann mit der weiteren Ausbildung, das Pferd lernt ja erst einmal die Grundlagen. Man fertigt ja auch nicht gleich filigrane Verzierungen auf Schnitzereien – man versucht erst mal die Funktion des geschnitzten Objektes darzustellen. Das Pferd muss lernen, überlegt zu handeln – also mitmachen. Damit ist man ja schon mal ziemlich beschäftigt. Gute, solide Basisarbeit. Erst dann kann man an alles weitere denken. Und genau hier gab er wertvolle Tipps zur Umsetzung. 

Mein Lieblingsspruch von diesem Kurswochenende: „Meine Übung, sein Problem!“ – bedeutet man gibt als Chef eine Übung vor, zum Beispiel: Mensch steht in der Mitte, Pferd soll antreten, ohne den Menschen mit der Schulter anzurempeln und von seinem Platz zu vertreiben und auf einem kleinen Kreis loslaufen. Mensch sagt, Pferd muss machen. Dabei verlässt Mensch nicht seinen Platz und hilft aber trotzdem durch überlegte Körperhaltung seinem Pferd den richtigen Weg zu finden. Klingt jetzt gelesen oder geschrieben vielleicht kompliziert, oder lapidar, ist aber eine echt gute Erkenntnis (übrigens auch gut ins reale Leben übertragbar). Natürlich nichts Neues: Gib dem Pferd eindeutige Hilfen und das Pferd wird verstehen und machen – und bleib einfach konsequent. Nicht grob, aber sei einfach eine konsequente Führungsperson.

Jedenfalls lässt sich dieser Leitsatz auch auf alle anderen Bereich anwenden. Klare ruhige Befehle – „nen Plan haben!“ – und dann einfach machen (lassen) – vielleicht gibt es unterschiedliche Lösungswege. Alle Teilnehmer, ob Reiter oder Bodenarbeiter konnten auf jeden Fall an diesem Wochenende viele Aha-Effekte mitnehmen und neue Impulse für das Training bekommen. Wir sind der Meinung: Stan, Du musst unbedingt öfters wiederkommen! Es hilft auf jeden Fall im Training auch mal frische Sicht von Außen zu bekommen. 

Diosa und Schnicksi haben auch nen Plan: Ausruhen, es wird nicht aufgestanden! … sie fänden es toll noch etwas zum Snacken gereicht zu bekommen …. – Foto: privat

Und für den „kleinen“ Diego muss ich sagen: Da habe ich überhaupt keine Bedenken, dass Yvi den zu einem anständigem Reitpferd erziehen kann. Der ist jetzt schon genau wie seine Mutter ein sehr gelehriges, aber auch sehr cooles Pony, das selber mitdenkt und auch Spaß hat, sich ein bisschen zu beschäftigen.    

Pferdedecken?

März 2020:

Ich bin Besitzer eines sehr seltsamen Ponys. Das Pony ist ein sonniges Florida-Kind und hat jetzt im reiferem Alter auf einmal beschlossen: NEIN, es regnet, der Wind kommt von der Seite – da geh ich einfach aus dem Strohbett nicht mehr raus. Nö. Essen gibt es dort ja reichlich, aber trinken wird überbewertet. Mal abgesehen davon, dass dem Pony anscheinend noch keiner gesagt hat, dass man ohne regelmäßig viel Wasser zu Trinken die Falten mehr sieht und man verblödet, ist ihr das einfach zu doof zum Wasser zu latschen. Muss man sich ja bewegen. Draußen.

Drachi in Blauer Highneck, 100 g, Innen Seidig, Passform eher scheuernde Wurstpelle mit Falten (ist inzwischen verkauft) – Foto: privat

Das gipfelte vor einigen Jahren zu Weihnachten in einem schmerzhaften Klinikbesuch wegen Kolik. Schmerzhaft für das Pony, weil eklige Nasenschlundsonde, Nacht-und-Nebel-Aktion, komische Untersuchungen und viel Bauchschmerz. Schmerzhaft auch für meinen Geldbeutel. Von daher musste eine neue Strategie im Herbst her. Die heißt Pferdedecke. Wenn das Pony nämlich eine Regendecke trägt, spaziert es auch bei Sturm und Hagelschauer draußen herum. Außerdem ist es wesentlich besser gelaunt, wenn es einen warmen Rücken hat. Das spiegelt sich dann auch unter dem Sattel wieder. Verstehe einer dieses Pony, aber es funktioniert. 

Drachi mit mehr oder weniger gut passender 200g gefütterten Regendecke, Inlay seidig, in der Sonne – Foto: privat

Also bin ich unter die eingedeckten Pferdebesitzer gegangen. Das mit den Pferdedecken ist ja auch so eine Wissenschaft für sich. Schon alleine die richtige Passform zu finden ist ein sehr schmerzhafter Prozess. Für meinen Geldbeutel. Das Pony ist davon eher genervt. Wir haben jetzt diverse Regendecken, mit Füllung von 50 g bis 200 g (für den nicht vorhandenen Winter) und ganz ohne. Mit Fleece und in seidig glatt. Fleece ist übrigens keine gute Idee, schon gar nicht, wenn man dann im Frühjahr die Haare darin sammelt. Das Pony neigt nämlich auch ganz schnell zu Hautirritationen und komischen Scheuerstellen. Also muss immer alles fast klinisch rein sein. Und man ist immer am Beobachten des Wetters. Ist es zu warm? Decke runter, ist es zu kalt, ich sitze aber auf der Arbeit fest. Es ist eine unendliche Geschichte. Man traut sich gar nicht mehr wegzufahren. Man wird schon fast Wetter-Paranoid. Langer Rede, kurzer Sinn: Wir haben jetzt die perfekte Decke gefunden. Sie scheuert nicht, hat ein seidiges Inlay, das Pony kann sich damit wunderbar bewegen, ohne vor dem Deckengeraschel Panik zu bekommen und sie sieht auch noch schick aus. Und sie hat eine enorme Temperaturschwankungsfähigkeit (Danke für den Tipp Britta!). Perfekt. 

Drachi mit der perfekten Decke: Passform Topp, 50 g, seidig innen, schick außen, Temperaturausgleich ohne gleichen – Foto: privat

Problem: Das Pony sondert irgend welche seltsamen Körperflüssigkeiten ab, die die Decke ganz schnell speckig und schmierig werden lassen. Von Innen. Und ich meine nicht die festen Körperbestandteile, die in mehr oder in oft weniger Apfelform hinten am Pferd raus kommen. Das kommt auch noch dazu. Dafür habe ich übrigens inzwischen auch das richtige Material gefunden: Gummi mit Plastikummantelung. Super. Da freut sich auch mein Mensch von der Textilreinigung, der seitdem nicht mehr das Vergnügen mit vollgeschissenen Schweif-Verschlüssen hat. Und mit vollgeschissen meine ich vollgeschissen. Verbacken in eine feste Masse, die Eisen-Karabiner zum rosten bringt und Nicht-Pferdebesitzer zum Würgen. 

Die Quintessenz: Diese perfekte Decke muss ca. alle vier Wochen zur Reinigung. Mal abgesehen davon, dass es eine teure Sache ist und die Decke in einer Saison doppelt so viel an Folgekosten erwirtschaftet, wie sie tatsächlich gekostet hat – nur mit dreckig werden! Und ich eine zweite und dritte Decke in Betrieb habe, die die Decke dann ersetzt (weil die beiden anderen scheuern). Davon mal abgesehen. Also stehe ich alle paar Wochen in der Textilreinigung meines Vertrauens. (Zuhause waschen kommt nicht in Frage – mit meiner Mutter möchte ich es mir nicht verderben! Mama: hiermit schwöre ich hoch und heilig: vollgeschissene Pferde-Outdoor-Decken haben Deine Waschmaschine noch nie gesehen!) 

Drachi mit grauer Backup-Decke „highneck“ (rutscht), reibt vorne, hinten innen hat Drachi es geschafft, das glatte Innenfutter kaputt zu machen. Muttern hat es genäht. Wahrscheinlich werden die Nähte demnächst reiben und die Decke wird damit unbrauchbar, weil das Drachi eine Eiter-Stelle an genau dieser Stelle entwickeln wird, die nie wieder abheilt und ekelig ausschaut – Foto: privat

Der Mann in der Reinigung ist so ein dünner, introvertierter Mensch mit einem süffisanten Dauergrinsen im Gesicht. Sehr korrekt und sehr trocken. Ich bin mir nicht immer sicher, ob er sich freut, dass ich ihm Arbeit bringe. Und ich bin mir nicht sicher, ob er mich nicht ein bisschen non-verbal veräppelt. Es wirkt immer ein bisschen wie der Tanz ums rohe Ei wenn ich diese Reinigung betrete. Ich komme also die Tage wieder einmal in den Laden geschneit. 

Drachi mit Highneck-Fleece-Decke, schön, aber unbrauchbar, rutscht bei ihr und ist eigentlich zu groß – Foto: privat

„Hallo! Ich bin die Frau mit der Türkisen Pferdedecke! Ich würde sie gerne wieder abholen!“

Er grinst süffisant und werkelt an seiner antik wirkenden Kasse herum. 

„Sagen Sie mal, warum brauchen Pferde eigentlich eine Decke? Ich habe da eine Kasachische Mitarbeiterin, die wundert sich immer, warum hier in Deutschland alle Pferde eine Decke tragen müssen. Die sagt, bei denen trägt kein Pferd eine Decke. Ich habe da mal im Internet recherchiert. Nur kranke und geschorene Pferde sollten eine Decke tragen.“

Ich nicke ihm zu und bin etwas verwundert. Das waren ja gleich mehrere Sätze. 

„Da stimme ich ihnen zu. Ich gehe davon aus, dass die meisten Pferde hier eigentlich tatsächlich keine Decken tragen müssten. Hier in Deutschland sind viele Pferde sehr übertüddelt von ihren Besitzerinnen. Die bräuchten eigentlich wirklich keine Decke. Die Pferdefrauen hier übertreiben sehr gerne.“

Er nickt verständig. Ich fühle mich bemüßigt nicht in die Kategorie Psycho-Pferdefrau zu fallen und erkläre weiter: „Wissen Sie, bei meinem Pony bin ich mir auch nicht so sicher, ob es nötig ist, aber wenn sie im Herbst bei Regen nicht raus geht zum Trinken, dann bekommt sie eine Kolik und das wird teuer. Mit Bauchschmerzen beim Pferd zahlt man sich ja auch dumm und dämlich.  Wenn das Pony jetzt eine wind- und wasserdichte Regendecke trägt, geht es nach draußen und trinkt. Und wenn man damit mal angefangen hat, muss man es auch den Winter über durchziehen. Deshalb komme ich ständig mit dieser Decke zu Ihnen.“ 

Er nickt verständig und grinst wieder süffisant. 

Ich zahle, schnappe mir die Decke und bin weg. Ich bin schon gespannt, was wir für ein Gespräch führen, wenn die Decke wieder speckig ist. Vielleicht werden wir doch noch beste Freunde, der Mann von der Textilreinigung und ich. 

Und ich denke: Ja, der Mann hat echt recht, bzw. seine kasachische Mitarbeiterin.

Drachi nach der Klinik in schwarzer Decathlon-Regendecke ungefüttert. Die passt erschreckend gut für wenig Geld, ist aber unbrauchbar, weil sie im Prinzip nur ne Plastikfolie mit Schnüren dran ist. Aber sonst Topp! War Jacintos Distanz-Regendecke. – Foto: privat

Weihnachten?

24. Dezember 2019

Kasper-Deppen 🙂 – Foto: Yvis Kamera

Weihnachten – jedes Jahr ein Datum vor dem mir ein bisschen gruselt. Ich mag die Hektik vor Weihnachten nicht. Ich mag die Zwänge an Weihnachten nicht. Zwänge kann man hier getrost auch durch Traditionen ersetzen. Aber ich mag, dass es draußen Dunkel und Kalt ist. Im Idealfall liegt dort auch Schnee, man kann den ganzen Tag Glühwein und Kinderpunsch trinken ohne komisch angeschaut zu werden. Es gibt Lichterketten, Kekse und Lebkuchen. Das alles mag ich.

Zwerg kann so lustige Sachen mit seiner Schnute machen! – Foto: Yvis Kamera

Was mich nervt ist der Konsum, „Last Christmas“ im Radio, der Streß und die Hektik in den die Menschheit ausbricht und dass Weihnachten für alles als Entschuldigung genommen wird. Mich nervt, dass die Leute regelrecht austicken, wenn sie mal zwei Tage nicht einkaufen gehen können und wahre panikartige Hamsterkäufe beobachtet werden können. Mal abgesehen davon, dass man nicht einfach mal eben schnell kurz Kaffee kaufen kann, man wird von gestressten und genervten Menschen an der Kasse regelrecht belästigt und muss fast schon aufpassen, dass man nicht beiseite geschubst wird.

… und Diego steckt mitten in seiner oralen Phase …. – Foto: Yvis Kamera

Ich mag Weihnachten nicht. Ich mag den Gedanken Zeit mit seinen liebsten zu verbringen und mal einen Gang runter zu schalten. Aber alles andere außen herum mag ich einfach nicht. Da entziehe ich mich komplett. Es kann aber trotzdem sein, dass man mich an Weihnachten auch mal erwischt, wie ich schnulzige Filme gucke und den Klassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. – Wobei den hab ich gestern geguckt und dabei ist mir aufgefallen, dass die den Pferden im Film ganz schön in den Mäulern herum zerren. Daran muss ich mich jetzt leider ständig erinnern.

Fast ein bisschen Süß die Beiden – Foto: Yvis Kamera

Nichtsdestotrotz versuchen wir Weihnachten lustige Dinge zu machen. Yvi und ich haben neulich versucht mit Diego und Jacinto seriöse Weihnachtsbilder zu machen. Aber eigentlich eher, weil wir es immer so lustig finden, wenn die Ponys Bommelmützen tragen. Und es war tatsächlich lustig. Die zwei Deppen haben die ganze Zeit herum gekaspert. Was dabei entstanden ist, könnt Ihr hier sehen.

Das ist also mein Weihnachtsgruß dieses Jahr: Kasperponys. Gerade auch weil die Ponys mir dieses Jahr eine echt große Stütze waren und sind und weil Lachen einfach gut tut.

Smart Ride?

Kurs mit John Pelaez in Flieden

14.06. bis 16.06.2019:

Mit großer Vorfreude haben wir auf diesen Termin gefiebert. Nachdem ich vor zwei Jahren schon so begeistert von John als Fino-Trainer war, habe ich mich sehr gefreut, dass er wieder einem Deutschland-Besuch zugestimmt hat. Britta Mülle hat wieder einen Kurs mit ihm im schönen Fliedetal organisiert – trotz Turnier-Vorbereitungsstress (Denkt daran: nächstes Wochenende ist EPFC Paso Fino Turnier in Fulda/Eichenzell!) und Umzugsstress. Vielen, vielen Dank dafür Britta und Gerd! Es ist so schön, dass Du uns immer wieder solche Kurse ermöglichst!

Dieses Mal durften Jacinto und das Drachenpony also jeweils einen vollen Kurs bei John nehmen. Gerade mit Jacinto habe ich immer noch sehr große Probleme mit dem Tölt – momentan verunsichert mich seine Gangmechanik einfach wahnsinnig. Und das Drachenpony ist sowieso eine Neverending Story … vor dem Kurs war sie so richtig angepisst und unmotiviert. Beste Voraussetzungen also! 

Und ich wurde nicht enttäuscht: John Pelaez hat eine tolle Art mit den Pferden. Er macht einfach – komplett ruhig und unerschütterlich. Er straft die Pferde nicht, was ich super finde. Gerade bei meinem USA-Import ist mir das sehr wichtig. Er ignoriert einfach Fehler weg und macht es einfach besser. Keine Ahnung – jedenfalls war das Drachenpony von Anfang an sehr kooperativ und motiviert. Fast schon ein bisschen verliebt. Sie hat sich sofort von John reiten lassen – locker und lässig – Hops- und Renn-Ansätze wurden einfach weg ignoriert und sie lief richtig, richtig gut! Abschnauben im Tölt am Sonntag – kein Problem! 

Jetzt heißt es das Gesehene und Gelernte umzusetzen und richtig nach zu machen. 

Fresspausen sind total wichtig! – Foto: privat

Wir haben etwas am Equipment geändert. Beide Ponys liefen sehr gut mit einer speziellen Hackamore – Danke an Barbara fürs ausleihen! Sie hilft mir und den Ponys einfach eine andere Balance und eine leicht höhere Kopfhaltung zu finden, um den Ponys (oder mir?) den Tölt zu erleichtern. Das Ding ist bestellt und unterwegs. Vielleicht hilft es mir mit Jacinto eine gewisse Sicherheit zu finden. Das würde mich sehr freuen. Natürlich ist ein Wechsel auf eine andere Zäumung kein Allheilmittel und ich möchte damit auch nicht sagen, dass nur durch das Ding alles besser wird. Aber wenn es hilft, kann eine gewisse Zeit mit einem Hilfsmittel die Arbeit für Reiter und Pferd vereinfachen und Dinge verständlicher machen. Vielleicht hilft es auch einfach meiner Psyche? Man weiß es nicht. Reiten ist eine Wissenschaft für sich und diese Paso Finos sind noch mal eine Wissenschaft für sich. Und die Psyche spielt eine große Rolle. Schließlich kann man so ein Pferd schon mit einer Blickrichtung lenken, da spielt der Kopf garantiert auch sehr mit. Ich hoffe ich bekomme mein Kopf-Problem bis nächstes Wochenende einigermaßen gebacken – aber das dürfte wohl Utopie sein. 

Voll professionell angebundener Zwerg, glaubt er bekommt Essen – Foto: privat

Jedenfalls hat mir John wieder sehr viel Zuversicht gegeben. Und das alleine ändert schon vieles. Er hat demonstriert, dass das Drachenpony ja eigentlich auch unter dem Sattel ein smartes Pony ist und dass wir das irgendwann schaffen werden. Das gibt mir enorm viel Auftrieb! Sie braucht Sicherheit und ich brauche Sicherheit. Eigentlich ganz einfach. Wobei er auch gemeint hat, dass sie sich seit dem letzten Kurs verbessert hat. Damals war das so wie jetzt noch nicht möglich gewesen. Meine Arbeit mit den ganz losen Zügeln und den Ausritten am komplett hingegebenen Zügel waren gute Vorarbeit. Eigentlich hatte ich ja schon komplett aufgegeben, dass das jemals noch was wird mit uns beiden. Was in dem Moment vielleicht auch gut war. Jetzt brauchen wir wieder mehr Zügel-Kontakt und da konnte John mir helfen.

Ich bin wieder sehr begeistert vom gesamten Kurs und hoffe John kommt auch nächstes Jahr wieder! Da arbeiten wir dann hoffentlich mit Resi an mehreren kompletten Reithallen-Runden und Feinheiten und nicht nur an kleinen Zirkeln! 

Darf ich vorstellen: Der wahre Chef des Hofes – sieht man gleich am Blick oder?! – Foto: Selfie mit harten Falten

Apropos Reithalle: Wir waren sehr begeistert vom neuen Reithallenboden (der Boden auch von uns – es finden sich immer noch Reste an meinen Stiefeln … *hust*) — überhaupt tut sich einiges im Fliedetal. Wir durften die neuen Besitzer kennen lernen und waren sofort begeistert. Franzi und Andreas werden sehr würdige Nachfolger für den Hof. Und das sage ich nicht nur, weil Franzi auch einen besonderen Schecken besitzt und ganz viele gerettete Hühner, die jetzt im eigenen „Offenstall“ ihren Lebensabend genießen dürfen. Was übrigens ungeheuer beruhigend ist, wenn man denen zuschaut wie sie einfach herum laufen. Wir freuen uns auf weitere Kurse im Fliedetal und auf weitere schöne Tage dort.

Wie immer hatten wir eine ganz tolle Truppe an Kursteilnehmern (und einen tollen Erick, der uns wieder zauberhaft lecker bekocht hat!) – wir haben ganz viele neue Leute kennen gelernt und hatten einfach ein ganz tolles Wochenende! 

PS: Die Motivation des Drachenponys hält auch bereits mehrere Tage nach dem Kurs noch an – ich bin hart begeistert und hochmotiviert. Wir arbeiten in kurzen, sehr guten Einheiten, heute auch mehrfach am Tag (an den meisten anderen Tagen kommt mir da leider mein Job dazwischen ….). 

Drachenpony?

Bedienungsanleitung und/oder Liebeserklärung?

Drachenpony 2014 – Foto: Yvi Tschischka

15. Mai 2019:

Das Drachenpony ist wahrscheinlich mein am kompliziertesten zu „bedienendes“ Pony. Nachdem ich sie jetzt seit einigen Jahren kenne, haben wir uns inzwischen ganz gut eingespielt und ich lerne sie zu lesen. Sie mich übrigens auch… 

Stimmung:

Das Drachenpony scheint oft völlig abwesend zu sein. Manchmal steht sie einfach nur still herum und hört irgendwie tief in sich selbst hinein. Keine Ahnung, was sie da hört. Vielleicht hat sie   Radioempfang in ihrem Gehirn oder hört Stimmen von Außerirdischen. Es würde mich nicht wundern, wenn sie einen Alu-Hut tragen würde. Man weiß es nicht. 

Sie nimmt aber natürlich auch rege Anteil an dem was so um sie herum passiert. Manchmal grummelt sie sogar und kommentiert Dinge wie Futtereimer oder Rückkehr von anderen Ponys, die ihr gefehlt haben. Sie wechselt die Stimmung zwischen nicht ansprechbar, schlecht gelaunt, freudig interessiert oder autistisch innerhalb von Sekunden. Ebenso ihren Standort. Sie hat die Gabe von jetzt auf nachher komplett lautlos zu verschwinden und an weit entfernten Stellen wieder aufzutauchen. Vielleicht kann sie sich Teleportieren? Vielleicht helfen ihr auch die Stimmen in ihrem Gehirn. Man weiß es nicht. 

Schlecht gelauntes Drachenpony 2013 – Foto: privat

Bewegung:

Sie bewegt sich in der Herde oft sehr langsam. Fast schon wie eine schleichende Katzen vor dem Angriff. Aber das Drachenpony greift nicht an. Außer Heunetze. Die werden massiv geschüttelt und dann wird gemütlich vom Boden gefressen. Mash-artige Futtermittel schlabbern liebt sie über alles. Nur darf sie nicht so viel Essen, weil sie dazu neigt eine riesig ausgeprägte Rubens-Figur auszubilden. Schnell weg sein kann sie trotzdem. Man dreht sich kurz weg, holt ein Halfter und in dem Moment steht sie dann seltsamer Weise am anderen Ende des Paddock-Trails oder versteckt im Strohbett. Es ist eine wahre Kunst, die sie da beherrscht! Als Schatten-Ninja wäre sie unschlagbar. Allerdings müsste sie dazu noch ein paar Kilogramm abnehmen ….. 

Krankheiten:

Das Drachenpony neigt dazu komische Hautschuppen, kleine Furunkel, offene Stellen und nässende Scheuerstellen auszubilden – wahlweise in Kombination miteinander. Natürlich immer dann, wenn sie entweder:

zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, zu viel Aufmerksamkeit bekommt, es ihr anscheinend langweilig ist, sie zu viel zu tun hat, sie rossig ist, sie nicht rossig ist, sie sieht wie andere Ponys sich irgend wo kurz jucken, der Mond komisch steht, sie jemand komisch angesehen hat, sie nicht angesehen hat, oder wenn ich unterwegs bin. Aber nichts ist wirklich greifbar. Alles in Allem ein fast genau so unbegreifbarer Algorithmus wie der von Facebook/Instagram und Co. 

Darum trägt sie jetzt auch diesen schicken Kurzhaar-Schnitt. Da fallen kahle Haar-Stellen nicht so auf. Manchmal bildet sie auch komische Schwellungen aus oder fängt an massiv mit den Augen zu tränen. Es ist wirklich ein sehr kreatives Pony. Inzwischen besitze ich eine große Auswahl an Salben und vor allem Placebos, mit denen ich das Pony betüddeln und beschmieren kann. Wir haben inzwischen eine gute Balance gefunden. Sie hält ihre Hautprobleme in Grenzen und ich „untersuche“ sie gründlich und beschmiere sie ausreichend. Waschen hilft manchmal auch. Mit Schaum. Das hasst sie übrigens.  

Sie steht auch oft sehr wehleidig irgendwo herum und sendet Blicke aus, mit denen sie ihrer Umwelt suggeriert, dass sie gleich stirbt. Ganz dramatisch sind Impfungen. Wir haben inzwischen schon die besten Impfstellen gefunden. Aber das Drachenpony leidet tagelang. Manchmal kann sie den Hals gar nicht gerade machen und sich kaum bewegen – übrigens auch, wenn sie gar nicht in den Hals geimpft wurde … wenn man dann aber kurz wegsieht kann sie plötzlich ganz normal laufen und seltsamer Weise auch den Hals sehr gezielt zum Fressen oder andere Ponys dissen verbiegen. Habe ich ein Hypochonder-Pony? Ich glaube ja. 

Wenn sie dann aber mal richtig krank ist, muss man genau hinschauen. Wobei sie das dann auch sehr dramatisch verkörpert. Aber beim Tierarzt benimmt sie sich immer sehr vorbildlich. Die Leute in der Tierklinik waren ganz begeistert, wie brav sie die Kolik-Untersuchungen über sich ergehen hat lassen. Aber da hat sie wirklich richtig gelitten. Und da hatte sie tatsächlich mein echtes Mitleid, wie sie da stand mit ihren rasierten Stellen, dem Tropf und der Magensonde, so ganz verloren mit ihrem „Dackel“-Blick. 

gereiztes Drachenpony mit Schirm, Charme und Aluhut? – Foto: Yvi

Aufmerksamkeit:

Man muss immer gut aufpassen, wie das Drachenpony so drauf ist. Am Besten spricht man sie schon einige Schritte vor Ankunft an. NIEMALS und UNTER GAR KEINEN UMSTÄNDEN darf man sie einfach so anfassen. Wenn man ein gut gelauntes Drachenpony haben möchte, muss man sie erst höflich anfragen. Dann ist sie sehr kooperativ. Anfassen ohne Anfragen hasst sie wie die Pest und kann dann schon mal mit einem sehr tödlich-giftigen Blick bis gezieltem Kick rechnen. Putzen hasst sie übrigens auch. Manchmal zwar nicht, aber meistens schon. Grobe Fellreinigung: Nicht mit dem Drachenpony. Da wird es zum Schni-Schna-Schnappi. Das Wetter spielt übrigens auch eine Rolle. Mit Regen braucht man dem Drachenpony gar nicht kommen. Schließlich kommt sie aus Florida, da ist es nicht ekelig-kalt. Deshalb (er)trägt Madame seit zwei Wintern auch eine Decke. Aber Decken sind wieder ein eigenes Thema – vor allem die Passform von Decken. Ich sag nur Scheuerstellen … (siehe Krankheiten… ein Teufelskreislauf …)

Reiten:

Ja…. prinzipiell kann man sich auf das Drachenpony drauf setzen. Wenn man lebensmüde ist, kann man sie auch versuchen so zu reiten, wie ein normales Pferd. Klappt aber nicht. Sie ist sehr empfindlich auf „Druck“ – und „Druck“ definiert alleine das Drachenpony. Sobald man die Zügel aufnimmt ist sie weg. Mental und Körperlich. 

Sie zieht ihr Ding durch. Immer. Das bewundere ich an ihr übrigens sehr. Wir haben uns inzwischen auf folgenden Deal geeinigt: Sie bringt mich heile wieder nach Hause und passt auf, nirgends reinzufallen – dafür lasse ich sie in Ruhe, nehme die Zügel nicht zu plötzlich oder zu viel auf und lasse mich einfach tragen. Das erfordert sehr viel Disziplin NICHTS zu machen, wenn man auf einem Pferd sitzt und sich dem Pferd mehr oder weniger anzuvertrauen. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Manchmal hat sie da inzwischen richtig gute Phasen. 

Zu etwas zwingen kann man sie jedenfalls nicht. Möchte man auch nicht, weil man dann definitiv den Kürzeren zieht. Ich habe schon sehr viel vom Drachenpony gelernt. Vor allem Ruhe und Gelassenheit. Geduld. Und das Gefühl von Versagen zu akzeptieren. Sie ist eine harte Nuss, aber ein ganz tolles Pony. Angst hatte ich übrigens noch nie bei ihr, egal was sie gerade angestellt hat. Bei allen meinen Ponys habe ich noch nie Angst verspürt. Ich vertraue allen dreien (bzw. vieren – Diego zählt ja irgendwie auch dazu). 

Heukampf 2016 – Foto: Yve Riegler

Charakter:

Das Drachenpony hat einen sehr starken Charakter. Sie zieht ihr Ding durch. Dabei ist sie eine ganz tolle Herden-Stute und Ersatz-Mama. Sie ist sehr gut erzogen und geländesicher. Sie fährt Hänger, benimmt sich beim Hufschmied und Tierarzt. 

Immer öfter kommt ihre Neugier zu Tage und sie steht in der Herden-Rangordnung nicht mehr an letzter Stelle. Sie traut sich inzwischen auch im Umgang mit ihren Menschen immer mehr zu – auch Dinge, für die sie wohl in Ihrer USA-Zeit massiv Ärger bekommen hat. 

Wenn sie „putzig“ drauf ist, ist sie einfach unschlagbar. Und was sie als „nicht gefährlich“ begriffen hat zeigt sie mit Feuereifer und freut sich über Lob. Sie ist sehr fein und sehr sensibel – das macht alles richtig Spaß – man darf nur nichts von ihr erwarten. Aber von Grund auf ist sie einfach ein tolles Pony! Auch wenn man sie erst lange Kennenlernen muss und gewisse Dinge einfach nicht machbar sind. Auf jeden Fall ist sie nicht mehr wegzudenken aus meiner kleinen Herde. Obwohl sie mit ihren fast 16 Jahren schon die ersten grauen Haare bekommt. Aber das kann auch an mir liegen 🙂 

Haarige Sache?

21. April 2019:

Die Zeit des Grauens ist wieder da! Meine absolut gehassteste Zeit im Jahr: der hartnäckige Frühjahrs-Fellwechsel beim Pferd! In Kombination mit Pollenallergie, erster Sonne, aufgeladenem Pferdehaar, drehendem Wind und Fleecebekleidung der absolute Horror im Pferdestall! 

Und sie sorgt auch für viel Spaß bei Nicht-Pferdebesitzern, die Pferdefreunde haben und so auch den ewigen Haaren ausgesetzt sind. Man findet sie überall: In der Unterwäsche, im Essen, im Bett, sogar auf der Arbeit in meiner Tastatur! Eigentlich braucht man gar nicht versuchen sich zu schützen, sie sind einfach überall! Am Besten lässt man es über sich ergehen. Man entkommt ihnen sowieso nicht. 

Inzwischen mache ich wenigstens keine Anfängerfehler mehr. Der größte Anfänger-Fehler ist meiner Meinung nach Fleece-Sachen tragen. So erkennt man die Anfänger richtig schnell. Nur noch glatte Materialien. Ganz geschickt wäre übrigens einer dieser weißen Anzüge, die man bei Tatort-Spurensicherungen trägt. Am Besten in Kombination mit Mundschutz, Spritzbrille und Haarnetz. Dann riecht man auch immer frisch, wenn man vom Stall kommt und muss sich nicht immer umständlich dekontaminieren, wenn man mal unter „normale“ Menschen gehen möchte. 

Maue versuche Haare von Kleidung zu entfernen …. – Foto: privat

Letztendlich komme ich jedes Jahr an den Punkt, an dem ich mir sage: Warum tust du dir das an? Die Zossen wohnen im Offenstall – geh doch einfach mehrere Wochen nicht an den Stall und tauch dort erst wieder auf, wenn die Haare alle wieder weg sind. Geht natürlich nicht. Man ist ja als Pferdebesitzer grundsätzlich masochistisch veranlagt. 

Sogar die Satteldecken sehen direkt nach dem Waschen gleich wieder komplett dreckig und haarig aus. Obwohl man sie noch gar nicht benutzt hat, sondern nur zum Stall getragen hat. Pferdehaare ziehen magisch saubere Dinge an. Es ist unheimlich, nein – es ist Magie! 

Wieso lassen diese Pferde nicht einfach plötzlich alle Haare fallen? So auf einmal und dann schnell wegkehren und verbrennen. Warum haben Pferde gefühlt Monate lang diesen lästigen Fellwechsel? Ist das die ultimative Rache fürs Reiten? Es ist physikalisch doch unmöglich, dass ein einziges Pferd so viele Haare verlieren kann! Wo kommen die alle her?

Warum fangen die überhaupt das Haaren an?

Das Tageslicht ist schuld. Ab Mitte/Ende Januar werden die Tage länger und die Zirbeldrüse (für Leute, die mit rudimentärem Latein prahlen wollen folgt das lateinische Wort dafür: Epiphysis cerebri) des Pferdes springt voll drauf an. Nachdem die Temperatur auch ein bisschen mitspielen darf kommt es bei Kälteeinbrüchen auch immer wieder zum Stoppen, bzw. Verlangsamen des Fellwechsels. Deshalb zieht sich das so lange hin. Die Reihenfolge  des Wechsels ist übrigens lange Oberhaare und dann die dichtere, dickere Unterwolle. Also Happy-Hour beim Pferd: Zweimal Haarwechsel zum Preis für eins. Super. 

Und gratis dazu bekommt man auch noch ein für Krankheiten anfälligeres Pferd im Frühjahr. Nachdem diese lästige Prozedur des Fellwechsels anstrengend für den Pferdeorganismus ist und das Immunsystem deshalb weniger Nährstoffe zur Verfügung hat (weil die alle in die Produktion neue Haare gepulvert werden *) kann es sein, dass beim Pony jetzt Mangelerscheinungen auftreten, sie Gewicht abnehmen oder einfach matter sind und insgesamt einfach anfälliger für Krankheiten sind. Super. Win-Win-Situation für alle. Nicht. Und dann werden die Dinger im Herbst wieder abgeworfen …. 

Nebenbei ist so ein Pferd auch anfälliger für Hautkrankheiten im Fellwechsel. Die Barriere für Eindringlinge, Parasiten und Krankheiten sinkt und lädt zum Einnisten ein. Da sage ich nur: Hallo Sommer-Ekzem, Hallo Haarlinge, Hallo Milben, Hallo Pilze – schön schaut ihr unter dem Mikroskop aus, aber bleibt bitte von den Haaren meiner Ponys weg. 

Die Pferde schuppen sich auch noch doller wie sonst, weil die Haut des Pferdes beim Fellwechsel ordentlich beansprucht wird. Es juckt also auch noch. Nicht nur dem Besitzer, sondern auch den Ponys. Ausgiebige Putz-Sessions mit viel Massage tun den Ponys sichtbar gut, treiben dafür menschliche Handgelenke und Finger ans Ende ihrer Kräfte. 

Was können wir also tun?

Die Ponys gründlich putzen und enthaaren. Oder sich Personal einstellen, was das für einen tut. 

Kein Personal gefunden – vielleicht helfen Mundschutz und Handschuhe? – Foto: Yvis Handy

Die Ponys beobachten, ob sich Veränderungen ergeben. Hautbild, ist das Haar stumpf? Wie sind Ernährungszustand, Gefühlslage, Gesamtsituation?

Die Ponys ggf. Zufüttern mit Energie und Mineralien – manche Pferdebesitzer gönnen Ihren Ponys auch Entgiftungskuren. Da gibt es ein unendliches Angebot diverser Futterhersteller, die manchmal sinnvoll, manchmal nur für die jeweilige Firma finanziell sinnvolle Dinge anbieten und Zusatzfutter kredenzen. 

Durch die Auswahl muss sich jeder selber durchkämpfen. Letztendlich bleibt wie immer zu sagen: Gute Grundernährung mit genügend gutem Heu und Mineralstoffversorgung müsste eigentlich bei den meisten Ponys ausreichen. Junge, Kranke und ältere Pferde brauchen einfach noch Energie zusätzlich, um sich leichter zu tun. Aber ansonsten ist Pferdeernährung ja eine Wissenschaft für sich – da möchte ich mir nicht anmaßen irgend etwas Wichtiges dazu zu sagen zu können. 

Jacinto schwächelt dieses Jahr erstmalig ein bisschen und bekommt momentan eine Mahlzeit aus eingeweichten Wiesencobs, Mineralfutter, einer Schippe Hafer, einem großen Schwups Öl und ein bisschen Mischfutter „Senior“ für den Geschmack zusätzlich. Das findet er natürlich toll. Schlabbern und Essen bleiben selbstverständlich seine Kernkompetenzen neben manchmal hübsch aussehen und toll Pferdehänger fahren können. 

Das Drachenpony läuft momentan mit einer dicken undurchdringlichen Staubschicht in den Haaren herum, die man nicht mehr ab bekommt und die sich sofort elektrostatisch auflädt, wenn man das Drachenpony nur ansieht. Anscheinend verbringt sie viel Zeit den wohltuend-schrubbeligen Sandboden zu konsultieren und sich Sachen zu überlegen, um nicht angefasst werden zu müssen. Sie sieht momentan leicht dauer-gräulich aus. Wahrscheinlich rächt sie sich jetzt bei mir für die Decke im Winter. Man weiß es nicht. Hauptsache sie bleibt gesund. Aber eine sehr nasse Wäsche mit ganz viel Schaum wird ihr nicht erspart bleiben. Wenn nicht sogar mehrere Waschgänge ….  

Frau Sumpf ist da pflegeleichter. Sie sieht nur grundsätzlich im Frühjahr schon zwei Minuten nach dem Putzen so aus, als ob sie noch nie in ihrem Leben geputzt und enthaart worden wäre. Es ist ein Traum. Ein haariger Albtraum.  

Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: Ich hoffe Ihr kommt alle gut durch den leidigen Frühjahrs-Fellwechsel und wir sehen uns im Sommer enthaart und frisch geschniegelt bei diversen Events! Ich freue mich! 

PS: Falls Ihr noch Tipps rund um den Fellwechsel habt, her damit! 🙂  

Pro-Tipp: Mundschutz – wenn man auch noch eine Sonnenbrille aufsetzt, bleiben auch die Augenringe verborgen…. – Foto: Yvis Handy

*   Die dann wieder in ein paar Monaten abgestoßen werden …. wieso wachsen denen nicht einfach noch zusätzliche Winterhaare? 

Häschen Hops?

Horse Agility Kurs am Zykloopenhof

29.03. – 30.03.2019:

Spring Häschen, Spring! – Jacinto im Freisprung – Foto: privat

An diesem Wochenende hatten wir bei uns am Hof einen Kurs mit Manuela von www.crazy-pinto.de, den ich jetzt einfach unter dem Oberbegriff Horse Agility zusammen fassen. Aber es war natürlich noch ganz viel mehr dabei. Bodenarbeit, Zirkuslektionen – jeder konnte machen worauf er Lust hatte, oder spontan neue Dinge probieren. Lina, die den Kurs organisiert hat – ein dickes, fettes Dankeschön an Dich dafür! Und für das ganze Essen was Du besorgt hast 🙂 Wir haben nämlich erst mal mit einem gemeinsamen Frühstück gestartet, bevor wir mit den Ponys losgelegt haben. Das fand ich eine gute Idee. 

Erst mal zeigen, wohin es gehen soll! – Foto: privat

Jeder hatte am Tag zwei Einheiten. Ich habe meine Zeit zwischen Jacinto und dem Drachenpony aufgeteilt. Yvi hat ihre Zeit auch zwischen Diego und Diosa aufgeteilt. So hatten alle vier Ponys an diesem Wochenende ordentlich was für den Kopf zu tun. Bodenarbeit ist einfach auch anstrengend. Die Ponys werden mit Dingen konfrontiert, die sie normal nicht machen. Und das strengt auch an. Kopfarbeit. Eine aussterbende Sache übrigens … wenn man sich mal so in seinem Umfeld privat und beruflich umsieht. Aber jetzt egal. Ich fasse für mich persönlich übrigens unter dem Begriff „Bodenarbeit“ alles zusammen, was ich mache, wenn ich nicht auf dem Pferd sitze, also Putzen, Führen, Langzügel, Longieren, Freiarbeit, Zirkuslektionen, Gymnastik, Longieren, Horse Agility, was auch immer. Nur um das mal zu definieren. Mit diesen ganzen Begriffen kommt man ja sonst durcheinander. Simpel halten. 

Sumpfbespaßung-Stalker-Fotos! – Foto: privat

Aber zurück zum Kurs! Manuela hat uns in der ersten Stunde erst mal führen lassen, bzw. abgecheckt, wie weit wir so sind. Eine knifflige Aufgabe war das 8-er longieren, sprich Pony um zwei Pylonen schicken, ohne sich selbst groß mitzubewegen. Fördert unheimlich die beidhändige Koordination beim „Reiter“ und testet das Körpersprachen-Verständnis des Ponys für uns – und sorgt nebenbei noch für Gelächter beim Publikum. Wobei man hier sagen muss: Wir haben uns nicht gegenseitig ausgelacht, sondern hatten zwei Tage lang richtig viel Spaß! Es waren einfach lustige Situationen dabei und jeder hatte einfach eine gute Zeit am Stall mit seinem Pony und mit der Stallgemeinschaft. Der Kurs wurde nämlich durchgehend von Zykloopenhof-Bewohnern besucht. Wir waren also eine bunte Truppe an verschiedenen Pferden und Leuten. Aber jeder ist auf den Geschmack gekommen, bzw. hatte seine Erkenntnis-Momente. Mein heimlicher Star war übrigens der zweijährige Jamie – ein Fino-Nachwuchs und Kumpel von Diego, der mit einem Spaß und Eifer alle Hindernisse meisterte, das war einfach toll anzusehen. Ein richtiger Streber! Oder wie die Kids mit den Ponys zusammen gearbeitet haben und aneinander gewachsen sind. Einfach Klasse! Oder wie Zwergs Kumpel Sam richtig aufgeblüht ist, beim „Spielen“! 

Streber! 🙂 – Foto: privat

Nachdem ich mit Jacinto das Steigen angefangen habe – was er ja erstaunlicher Weise relativ schnell gelernt hat, möchte ich das jetzt noch verbessern. Dazu hat Manuela mir auch ein paar Tipps gegeben. Wir werden uns jetzt im „Schul-Halt“ (also Pferde-Popo absenken – oder besser gesagt Gewicht aufnehmen) üben. Das als Grundübung, um Jacinto zu zeigen, dass er sich mehr „setzen“ kann und dann insgesamt auch etwas höher kommt. Momentan sieht Jacintos Steigen nämlich eher aus wie behindertes Häschen-Hops. Aber er guckt dabei so lustig bedröppelt, dass das alleine schon putzig ist. 

Raschelfolie ist eigentlich total langweilig – Foto: privat

An der Bergziege müsste ich mit ihm auch mehr arbeiten. Das wäre nämlich insgesamt auch eine sehr gute Übung, um uns einfach mal zu entschleunigen und bewusst einzelne Schritte zu setzen. Eben so das „Sitzen“ auf einem Sitzsack. Es ist unheimlich schwierig, ein Pferd präzise Schritt für Schritt Rückwärts an einen „Gegenstand“ zu bugsieren, und dann auch noch zu verlangen, dass es den Gegenstand mit dem Popo berührt. Probiert das mal, da seid Ihr tagelang mit beschäftigt. An solchen Dingen möchte ich jetzt mehr arbeiten. Das kommt dem hektischen Fino-Reiter glaube ich ziemlich entgegen.

Nebenbei kann Jacinto jetzt schon fast „Nein“ sagen. Am „Ja“ sagen hapert es noch. Aber „Nein“ bekommt er auch momentan öfter zu hören …. das Gras fängt wieder an zu wachsen, wenn Ihr wisst was ich damit andeute  ….

Bedröppelter Sumpf-Blick – Bergziege und Sitzen … – Foto: privat

Am Nachmittag sind wir dann raus auf den Platz gegangen und hatten die Gelegenheit unsere Spielwiese zu erproben. Manuela hat uns ein paar Dinge mitgebracht und wir haben ja auch ein paar Sachen. Jeder konnte ausprobieren und üben und am Ende haben wir dann einen ganzen „Parcours“ absolviert. Wir hatten: einen Tunnel, eine Gruselgasse, unsere große Wippe, eine Vorderbein-Wippe, Sprünge, Klapper-Wiese mit Plastik, einen bunten Sprung-Ring, Slalom, Hängematte, zwei Podeste, Sitzsack, Dinge zum Hinterherziehen, Dinge um Füße hinein zu stellen, diverse Oberflächen um die Ponys drauf zu stellen – also eine ganze Menge Zeugs zum Austoben! 

Spielwiese für Horse Agility und Bodenarbeit – Foto: privat

Für den Nachmittag habe ich mir dann das Drachenpony mitgenommen. Und sie hat es gehasst. Ganz viele Dinge die Flattern (Flattertore), die sie am Bauch berührt haben (Tunnel mit Schwimmnudeln) und die sie in ihrer Fluchtmöglichkeit eingeschränkt haben. Das hasst sie. Aber sie hat sich zusammengerissen (meistens jedenfalls) – irgendwann merkt sie vielleicht, dass sie nicht stirbt, wenn irgendetwas Fremdes sie berührt. Andererseits könnte sie auch irgendwann sterben, wenn sie was berührt. Man weiß es nicht. 

Doch nicht gestorben, obwohl Plastik am Bauch! – Foto: privat

Am zweiten Nachmittag sind wir sogar in einen richtigen Flow reingekommen. Das war sehr intensiv. Mich hat es richtig gepackt und wir haben ordentlich konzentriert und gar nicht auf Flucht gepolt gearbeitet. Ein sehr intensives und gutes Gefühl. Letztendlich hat sich das Drachenpony ganz konzentriert auf eine winzige Wippe gestellt. Bergziege macht sie sowieso richtig toll! Balance hat sie – da macht ihr keiner was vor! Das war jedenfalls ein richtig gutes Gefühl so intensiv mit ihr zu Arbeiten. 

Tolles Drachenpony – Bergziege auf Mini-Wippe! – Ich bin stolz! – Foto: privat

Fazit: Ein sehr guter Kurs – tolle Menschen, tolle Pferde – ich mag meinen Stall! Manuela hat einen guten Blick für Probleme und hat auch gute Lösungen parat, ermutigt einen aber auch selbstständig zu Arbeiten. Man ist ja normalerweise auch Alleine – also ein guter Ansatz. Ich mag Manuela, sie ist lustig! Und sie hat auch einen Falben und einen Schecken. Mehr muss ich nicht sagen 🙂 

konzentrierte Bergziege auf dem Podest – Bergziege geht immer ….. – Foto: privat

Wir üben also insgesamt langsamer zu machen und mutiger zu sein. Koordination an mir selber (Thema: Links – Rechts) ist glaube ich Hopfen und Malz verloren. Damit muss ich mich abfinden. Ansonsten fallen uns bestimmt noch lustige Dinge ein, die wir machen können! 

PS: Die Fotos sind alle entweder von Dani, Desis Kamera und meinem Handy. Oder Yvis Handy. Nachdem ich Trollo sie gemischt habe, bekomme ich nicht mehr korrekt auseinander gedröselt was von wem ist 🙂

Belohnung ist auch wichtig – Casperkopf Sumpf – Foto: Dani

Raubzüge im Baumarkt?

Horse Agility – Teil 2 – Wir bauen uns ein Ponyspielzeugparadis- oder Basteln mit Bekloppten!

Mit Absperrband kann man so viel anstellen! – Findet der Zwerg zwar prinzipiell doof, aber was will er schon machen – danach gibts wenigstens Belohnung! – Foto: Privat

15. März 2019:

Nachdem wir jetzt wissen, was Horse Agility ist, brauchen wir noch ein paar Hindernisse. Wir erinnern uns: alle Hindernisse lassen sich auf diese sechs Typen zurück führen: 

Slalom – Stangengasse – Brett/Planke – Gasse – Halbreifen – Sprung, kombiniert und variiert sind die Möglichkeiten unendlich. Ich habe ein paar Tipps für kreative Bastler und alle, die es noch werden wollen:

Slalom:

Einfachste Möglichkeit: Nehmt einfach Eimer (oder die bekannten IKEA-Pipi-Töpfchen)! Sie sind billiger wie die rot-weißen Hütchen und man bekommt auch weniger Ärger, als wenn man wiederrechtlich an Straßenbaustellen anhält und versucht Baustellen-Hütchen zu klauen. 

Natürlich tun es auch einfache Steine. 

Wenn man ein höher-sichtbares Slalom haben möchte helfen einem Weidepaddock-Stickel. Oder Stickel in Kombination mit Unterstellböcken für Autos (da kann man Sachen fest rein packen) oder schlicht und einfach wieder Eimer (gefüllt mit Sand o.ä.). Da kann man auch prima Stangen reinstecken. Von Saller-Sport gibt es günstige Slalomstangen (die haben auch tolle Slalom-Ständer). Auch bei Decathlon findet man für wenig Geld Slalom-Kegel und Slalom-Stangen. 

An die Slalom-Stangen kann man auch wieder Flatter-Band ran basteln, dann wird es noch gruseliger. Ihr merkt schon: man bekommt von ganz alleine gute Ideen, wenn man Dinge zum Kombinieren hat!  

Stangen:

Wer keine stabilen Hindernis-Stangen hat, oder die professionellen blau-gelben Dualgassen, kann sich einfach mit Weidestickeln behelfen. Oder Bretter in verschiedenen Längen, die kann man als Begrenzungen auch toll benutzen, ohne dass sie verrutschen. Haas-Pferdesport bietet übrigens verschiedene Stangen-Sorten an: Ummantelt mit Plastik, diese viereckigen Quadrat-Soft-Stangen und passende Hindernisständer. Das alles gibt es natürlich auch bei ganz vielen anderen Pferdebedarfs-Herstellern. Alle Namensnennungen hier sind nur Beispiele. Man muss sich einfach nur durchs Internet klicken und suchen. Bestimmt findet man auch bei Ebay Kleinanzeigen oder in der benachbarten Schreinerei günstige Stangen. Oder man hat einen Bastler am Hof – da haben wir ja Glück. 🙂

verschiedene Stangen: Vierkant-Holz (Reste Baustelle), einfaches Brett (Reste Zaunbau), angemalter Weidestickel aus Holz (nicht so schwer wie normale Springstangen) – Foto: privat

Brett/Planke: 

Sagt ja schon der Name. Da sollte man tatsächlich zu Holz greifen. Vor allem, wenn man das Brett als Wippe definieren möchte. Wobei man natürlich super mit verschiedenen Materialien beim „normalen“ rüberlaufen spielen kann. Eine Plastikplane im Baumarkt ist nicht teuer und verbirgt so viele Möglichkeiten.

Beim Schweden gibt es diese klappbaren Joga-Matten (Plufsig): die bringen auch richtig Spaß. Man kann sie Falten und auch als Podest benutzen, man produziert auch beim drüber-Reiten richtig lustige Geräusche! Das sind alles tolle Übungen für die Ponys. Für Podeste kann man die bekannten Euro-Paletten verstärken und benutzen. Überall wo Pferde erhöht stehen sollen, muss man aber noch mehr auf Sicherheit und Tragkraft achten. Also nicht einfach einen Strohballen nehmen und eine dünne OSB-Platte drüber legen…. aber so doof ist hoffentlich niemand. 

Podest kann man auch zu zweit machen! (Kurs 2017) – Foto: privat

Gasse:

Habt Ihr schon mal an Balkon-Sichtschutz gedacht? Die eigenen sich toll für Gassen! Sie sind nicht so schwer und mann kann sie gut mit den Stangen und Halterungen zu Gassen umfunktionieren. Oder man nimmt einfach diese paravent-artigen Sichtschutz-Dinger vom Baumarkt. Wenn man sich mal intensiv mit Rohren/Drainagerohren beschäftigt, kann man sich auch ganz toll ganze Tunnel bauen. Steckrohr-Systeme und Plastikplanen oder alte Bettdecken können da richtig tolle Dinge zaubern! Ganz toll sind auch diese Schwimm-Nudeln/Pool-Nudeln, die kann man auch als Stangen und Gassen benutzen. 

Halbreifen:

Taucht einfach in die Welt der Drainagerohre, Muffen, Steckmuffen, T-Drainage-Rohre, ect ab, das ist ein wahres Quell an kreativen Bastellideen. Einfach mal „Drainagerohre“ googeln oder gleich im Baumarkt shoppen gehen. Baumärkte sind sowieso tolle Quellen für gute Ideen! Und sich dann Halbreifen, Gassen und Tunnel bauen. Das ist fast so toll wie Lego spielen! Und wer von Euch hat in seiner Jugend nicht mit Lego gespielt?

Übrigens: In die Welt der Drainagerohre tauche ich noch ab … bisher war dazu noch keine Zeit!

Jacinto wird immer mutiger! – Foto: privat

Sprung:

Wer keine Hindernisstangen und Sprungständer hat, kann sich mit Strohballen (oder wieder den bekannten sandgefüllten Eimern oder gestapelten Pipi-Töpfchen ect.) behelfen. Bei IKEA gibt es bezogenen Stoff-Kisten für die Kallax-Regale (FYSE), die kann man nebeneinander stellen und die Pferde springen lassen. Beim schwedischen leckeren Zimtschneckenverkaufenden Möbelhändler gibt es auch ganz tolle Kinderspielzeuge, die sich super als Hindernisse umfunktionieren lassen. Ich sag nur Tunnelrolle BUSA (45 cm x 145 cm)! Wir lieben sie. Und sie ist erstaunlich robust! 

Foto: Yvi Tschischka, Dea und Diosa Juli 2012 – Schecken für alle Fälle!

Ihr seht, wenn man mal damit angefangen hat, sind die Ideen und Möglichkeiten unendlich! 

Ganz neu in unserem Sortiment: Ein klappbarer Tunnel!

Den hat Dieter uns gebastelt und jetzt können wir damit üben! Vielen Dank!

Zwei Module zum Einhängen in die Hallenwand mit Klapp-Scharnier (damit man es wieder wegräumen kann) – und als Luxus noch Verstärkungen zum Einhängen für die Tunnelwand! – Genial und Einfach! – Foto: privat

An diesen Tunnel könnte man auch Dinge binden und so eine Flatter-Gasse simulieren … Ihr seht schon, beim Angucken der Bilder kommen mir schon wieder neue Ideen!

Fertiger Tunnel von Innen – einfach Plane darüber schmeißen – Fertig! – Foto: privat


In diesem Blog-Beitrag kommt Werbung durch Namensnennung vor. Es gab keine Produkt-zur-Verfügung-Stellungen – Wenn was gekauft wurde, dann von eigenem Geld. Oder vom Geld anderer Einsteller. Oder Dieter hat uns was gebastelt. Außerdem müssen wir unbedingt noch Fotos von mehr Hindernissen machen! Das Benutzen und Bauen macht nämlich riesig Spaß!

Sind wir auf den Hund gekommen?

Freestyle Horse Agility – Was soll dass schon wieder sein? – Teil 1

Drachenpony und Sumpf testen gelangweilt verschiedene Materialien – Foto: Privat


10. März 2019:

Bereits im letzten November durfte ich einem Vortrag von Corinna Ertl lauschen. Sie betreibt mit Herz und Seele „Freestyle Horse Agility“. Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht: Was ist denn das schon wieder? Was hat sie da nur wieder für Zeug aufgeschnappt! Die Frau lässt sich aber auch schnell begeistern …. tztztz…

Bei der Horse Agility bewältigen Pferd und Führperson zusammen Hindernisse. Man kennt es eher aus dem Hundesport. Im Idealfall macht das Pferd das auch mit ordentlich Tempo und ohne Strick, nur mit Fingerzeig. Und ich meine nicht nur Sprünge, da ist auch mal einer dabei, aber es geht um viel mehr! Slalom, Stangengassen, Brett/Planke, Gassen und Halbreifen – oder kurz gesagt: Alles, was sich als Hindernis eignet. 

Jacinto findet ja nicht ALLES muss unbedingt als Hindernis herhalten! (hier die Joga-Matte vom schwedischen Möbelhaus) – Foto: Privat

Die Horse Agility bietet also dem Pony nicht nur bunte Abwechslung bei der Hindernis-Gestaltung, es bietet auch dem Pferdebesitzer die Möglichkeit sich kreativ auszutoben beim Hindernis-Aufbau und Hindernis-Erfindung. Gerade in der Gruppe kommt man da auf sehr verrückte Ideen …. wir haben es schon ausprobiert 🙂

Aber erst mal ganz von vorne! Corinna beantwortete erst einmal die Frage: Wozu ist Horse Agility überhaupt gut? Es ist natürlich für alle Pferde und Menschen geeignet. Egal ob gehandicapt oder Turnierkracher. Spaß und Abwechslung sind immer gut. Gerade auch für nicht reitbare Pferde ist es eine tolle Möglichkeit den „Kopf fit zu halten“. Langeweile tut niemandem gut. Nebenbei baut man ganz einfach eine gute Beziehung zu seinem Partner Pferd auf. Durch die gemeinsame Bewegung und Gymnastizierung erhöht man sanft die Beweglichkeit von Mensch und Tier. Auch für Sport-Muffel wie mich oder Yvi die optimale Art des „Sports“. Es fördert auch die Konzentration, die eigene und die des Pferdes. Und die Ponys werden mutiger!

Die Grundlage, um mit der Horse Agility anzufangen zu können ist „lediglich“ ein halfterführiges Pferd. Das Pony sollte sich ohne Rempeln führen lassen und im Idealfall neben dem Führ-Menschen auch „schneller“ laufen können. Auf Beamten-Deutsch: „harmonisches Laufen nebeneinander unter gegenseitigem Verständnis und Deutung der Körpersprachen beider Spezies“. Und probiert das mal aus: Pferde reagieren so fein auf minimale Gesten – die Sinnesorgane der Pferde sind wesentlich sensibler ausgebildet als unsere eigenen, teilweise sehr grobmotorischen Gesten. Wahrscheinlich denken die Pferde ständig wir würden sie nur anschreien! 

Ein ganz altes Bild: Dimera und ich beim Führtraining vor einem ganz frisch gebauten Zykloopenhof – Wer hätte es erkannt? – Foto: privat

Was braucht man jetzt sonst noch für Sachen für die Horse Agility? Es reicht ein Halfter und ein guter Führstrick/Bodenarbeitsstrick. Und Lob (sei es in Form von Futter oder Stimme – oder Klicker). Dann braucht man noch ein paar Hindernisse. Und hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt – aber denkt an die Sicherheit! 

Eigentlich lassen sich alle Hindernis-Arten in sechs verschiedene Kategorien einteilen: Slalom – Stangengasse – Brett/Planke – Gasse – Halbreifen – Sprung. Jetzt muss man „nur“ noch daran arbeiten, die Hindernisse auch schön und sinnvoll zu überwinden. Ganz wichtig sind die Lauflinien und die Position von Mensch und Pferd – aber das alles zu beschreiben, könnte man ein ganzes Buch füllen. Tada! Zufällig kann ich Euch da eines empfehlen: „Freestyle Horse Agility – Sport auf Augenhöhe mit dem Pferd (Spiel und Spaß mit Pferden)“ von Corinna Ertl (erschienen 2012 im Cadmos-Verlag – PS: Werbung weil Buchnennung. Das Buch hab ich mir selber gekauft).

Übrigens gibt es inzwischen auch richtige Freestyle Hores Agility-Turniere! Wer also Lust hat sich sportlich zu messen, kann sich hier richtig austoben. Und nicht nur in Deutschland. Googelt einfach mal „Horse Agility“, da findet Ihr eine große Anzahl Youtube-Videos – und auch eine Anzahl guter Anregungen für tolle Hindernis-Ideen. Übrigens, was ich total toll finde: Im Turnierreglement sind Freude und Übermut sogar ausdrücklich erlaubt! 

Diosa demonstriert: Übermut ist Erlaubt! – Foto: Yvi Tschischka Photography

Viele Hindernisse kann man mit wenig Geld selber basteln. Angefixt von dem Vortrag von Corinna Ertl und parallel durch unsere Stallkollegin Lina wird bei uns am Hof Ende März ein Kurs mit Manuela Feiler (www.crazy-pinto.de) stattfinden, bei dem wir offiziell in die Welt der Horse Agility hineinschnuppern werden. Wir sind schon gespannt – und davon werde ich natürlich auch berichten. 

Diosa und Yvi beim Podest-Üben beim Zirkuslektionen Kurs 2017 – Foto: Privat


%d Bloggern gefällt das: