Del Cavador

Drachenpony?

Bedienungsanleitung und/oder Liebeserklärung?

Drachenpony 2014 – Foto: Yvi Tschischka

15. Mai 2019:

Das Drachenpony ist wahrscheinlich mein am kompliziertesten zu „bedienendes“ Pony. Nachdem ich sie jetzt seit einigen Jahren kenne, haben wir uns inzwischen ganz gut eingespielt und ich lerne sie zu lesen. Sie mich übrigens auch… 

Stimmung:

Das Drachenpony scheint oft völlig abwesend zu sein. Manchmal steht sie einfach nur still herum und hört irgendwie tief in sich selbst hinein. Keine Ahnung, was sie da hört. Vielleicht hat sie   Radioempfang in ihrem Gehirn oder hört Stimmen von Außerirdischen. Es würde mich nicht wundern, wenn sie einen Alu-Hut tragen würde. Man weiß es nicht. 

Sie nimmt aber natürlich auch rege Anteil an dem was so um sie herum passiert. Manchmal grummelt sie sogar und kommentiert Dinge wie Futtereimer oder Rückkehr von anderen Ponys, die ihr gefehlt haben. Sie wechselt die Stimmung zwischen nicht ansprechbar, schlecht gelaunt, freudig interessiert oder autistisch innerhalb von Sekunden. Ebenso ihren Standort. Sie hat die Gabe von jetzt auf nachher komplett lautlos zu verschwinden und an weit entfernten Stellen wieder aufzutauchen. Vielleicht kann sie sich Teleportieren? Vielleicht helfen ihr auch die Stimmen in ihrem Gehirn. Man weiß es nicht. 

Schlecht gelauntes Drachenpony 2013 – Foto: privat

Bewegung:

Sie bewegt sich in der Herde oft sehr langsam. Fast schon wie eine schleichende Katzen vor dem Angriff. Aber das Drachenpony greift nicht an. Außer Heunetze. Die werden massiv geschüttelt und dann wird gemütlich vom Boden gefressen. Mash-artige Futtermittel schlabbern liebt sie über alles. Nur darf sie nicht so viel Essen, weil sie dazu neigt eine riesig ausgeprägte Rubens-Figur auszubilden. Schnell weg sein kann sie trotzdem. Man dreht sich kurz weg, holt ein Halfter und in dem Moment steht sie dann seltsamer Weise am anderen Ende des Paddock-Trails oder versteckt im Strohbett. Es ist eine wahre Kunst, die sie da beherrscht! Als Schatten-Ninja wäre sie unschlagbar. Allerdings müsste sie dazu noch ein paar Kilogramm abnehmen ….. 

Krankheiten:

Das Drachenpony neigt dazu komische Hautschuppen, kleine Furunkel, offene Stellen und nässende Scheuerstellen auszubilden – wahlweise in Kombination miteinander. Natürlich immer dann, wenn sie entweder:

zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, zu viel Aufmerksamkeit bekommt, es ihr anscheinend langweilig ist, sie zu viel zu tun hat, sie rossig ist, sie nicht rossig ist, sie sieht wie andere Ponys sich irgend wo kurz jucken, der Mond komisch steht, sie jemand komisch angesehen hat, sie nicht angesehen hat, oder wenn ich unterwegs bin. Aber nichts ist wirklich greifbar. Alles in Allem ein fast genau so unbegreifbarer Algorithmus wie der von Facebook/Instagram und Co. 

Darum trägt sie jetzt auch diesen schicken Kurzhaar-Schnitt. Da fallen kahle Haar-Stellen nicht so auf. Manchmal bildet sie auch komische Schwellungen aus oder fängt an massiv mit den Augen zu tränen. Es ist wirklich ein sehr kreatives Pony. Inzwischen besitze ich eine große Auswahl an Salben und vor allem Placebos, mit denen ich das Pony betüddeln und beschmieren kann. Wir haben inzwischen eine gute Balance gefunden. Sie hält ihre Hautprobleme in Grenzen und ich „untersuche“ sie gründlich und beschmiere sie ausreichend. Waschen hilft manchmal auch. Mit Schaum. Das hasst sie übrigens.  

Sie steht auch oft sehr wehleidig irgendwo herum und sendet Blicke aus, mit denen sie ihrer Umwelt suggeriert, dass sie gleich stirbt. Ganz dramatisch sind Impfungen. Wir haben inzwischen schon die besten Impfstellen gefunden. Aber das Drachenpony leidet tagelang. Manchmal kann sie den Hals gar nicht gerade machen und sich kaum bewegen – übrigens auch, wenn sie gar nicht in den Hals geimpft wurde … wenn man dann aber kurz wegsieht kann sie plötzlich ganz normal laufen und seltsamer Weise auch den Hals sehr gezielt zum Fressen oder andere Ponys dissen verbiegen. Habe ich ein Hypochonder-Pony? Ich glaube ja. 

Wenn sie dann aber mal richtig krank ist, muss man genau hinschauen. Wobei sie das dann auch sehr dramatisch verkörpert. Aber beim Tierarzt benimmt sie sich immer sehr vorbildlich. Die Leute in der Tierklinik waren ganz begeistert, wie brav sie die Kolik-Untersuchungen über sich ergehen hat lassen. Aber da hat sie wirklich richtig gelitten. Und da hatte sie tatsächlich mein echtes Mitleid, wie sie da stand mit ihren rasierten Stellen, dem Tropf und der Magensonde, so ganz verloren mit ihrem „Dackel“-Blick. 

gereiztes Drachenpony mit Schirm, Charme und Aluhut? – Foto: Yvi

Aufmerksamkeit:

Man muss immer gut aufpassen, wie das Drachenpony so drauf ist. Am Besten spricht man sie schon einige Schritte vor Ankunft an. NIEMALS und UNTER GAR KEINEN UMSTÄNDEN darf man sie einfach so anfassen. Wenn man ein gut gelauntes Drachenpony haben möchte, muss man sie erst höflich anfragen. Dann ist sie sehr kooperativ. Anfassen ohne Anfragen hasst sie wie die Pest und kann dann schon mal mit einem sehr tödlich-giftigen Blick bis gezieltem Kick rechnen. Putzen hasst sie übrigens auch. Manchmal zwar nicht, aber meistens schon. Grobe Fellreinigung: Nicht mit dem Drachenpony. Da wird es zum Schni-Schna-Schnappi. Das Wetter spielt übrigens auch eine Rolle. Mit Regen braucht man dem Drachenpony gar nicht kommen. Schließlich kommt sie aus Florida, da ist es nicht ekelig-kalt. Deshalb (er)trägt Madame seit zwei Wintern auch eine Decke. Aber Decken sind wieder ein eigenes Thema – vor allem die Passform von Decken. Ich sag nur Scheuerstellen … (siehe Krankheiten… ein Teufelskreislauf …)

Reiten:

Ja…. prinzipiell kann man sich auf das Drachenpony drauf setzen. Wenn man lebensmüde ist, kann man sie auch versuchen so zu reiten, wie ein normales Pferd. Klappt aber nicht. Sie ist sehr empfindlich auf „Druck“ – und „Druck“ definiert alleine das Drachenpony. Sobald man die Zügel aufnimmt ist sie weg. Mental und Körperlich. 

Sie zieht ihr Ding durch. Immer. Das bewundere ich an ihr übrigens sehr. Wir haben uns inzwischen auf folgenden Deal geeinigt: Sie bringt mich heile wieder nach Hause und passt auf, nirgends reinzufallen – dafür lasse ich sie in Ruhe, nehme die Zügel nicht zu plötzlich oder zu viel auf und lasse mich einfach tragen. Das erfordert sehr viel Disziplin NICHTS zu machen, wenn man auf einem Pferd sitzt und sich dem Pferd mehr oder weniger anzuvertrauen. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Manchmal hat sie da inzwischen richtig gute Phasen. 

Zu etwas zwingen kann man sie jedenfalls nicht. Möchte man auch nicht, weil man dann definitiv den Kürzeren zieht. Ich habe schon sehr viel vom Drachenpony gelernt. Vor allem Ruhe und Gelassenheit. Geduld. Und das Gefühl von Versagen zu akzeptieren. Sie ist eine harte Nuss, aber ein ganz tolles Pony. Angst hatte ich übrigens noch nie bei ihr, egal was sie gerade angestellt hat. Bei allen meinen Ponys habe ich noch nie Angst verspürt. Ich vertraue allen dreien (bzw. vieren – Diego zählt ja irgendwie auch dazu). 

Heukampf 2016 – Foto: Yve Riegler

Charakter:

Das Drachenpony hat einen sehr starken Charakter. Sie zieht ihr Ding durch. Dabei ist sie eine ganz tolle Herden-Stute und Ersatz-Mama. Sie ist sehr gut erzogen und geländesicher. Sie fährt Hänger, benimmt sich beim Hufschmied und Tierarzt. 

Immer öfter kommt ihre Neugier zu Tage und sie steht in der Herden-Rangordnung nicht mehr an letzter Stelle. Sie traut sich inzwischen auch im Umgang mit ihren Menschen immer mehr zu – auch Dinge, für die sie wohl in Ihrer USA-Zeit massiv Ärger bekommen hat. 

Wenn sie „putzig“ drauf ist, ist sie einfach unschlagbar. Und was sie als „nicht gefährlich“ begriffen hat zeigt sie mit Feuereifer und freut sich über Lob. Sie ist sehr fein und sehr sensibel – das macht alles richtig Spaß – man darf nur nichts von ihr erwarten. Aber von Grund auf ist sie einfach ein tolles Pony! Auch wenn man sie erst lange Kennenlernen muss und gewisse Dinge einfach nicht machbar sind. Auf jeden Fall ist sie nicht mehr wegzudenken aus meiner kleinen Herde. Obwohl sie mit ihren fast 16 Jahren schon die ersten grauen Haare bekommt. Aber das kann auch an mir liegen 🙂 

Haarige Sache?

21. April 2019:

Die Zeit des Grauens ist wieder da! Meine absolut gehassteste Zeit im Jahr: der hartnäckige Frühjahrs-Fellwechsel beim Pferd! In Kombination mit Pollenallergie, erster Sonne, aufgeladenem Pferdehaar, drehendem Wind und Fleecebekleidung der absolute Horror im Pferdestall! 

Und sie sorgt auch für viel Spaß bei Nicht-Pferdebesitzern, die Pferdefreunde haben und so auch den ewigen Haaren ausgesetzt sind. Man findet sie überall: In der Unterwäsche, im Essen, im Bett, sogar auf der Arbeit in meiner Tastatur! Eigentlich braucht man gar nicht versuchen sich zu schützen, sie sind einfach überall! Am Besten lässt man es über sich ergehen. Man entkommt ihnen sowieso nicht. 

Inzwischen mache ich wenigstens keine Anfängerfehler mehr. Der größte Anfänger-Fehler ist meiner Meinung nach Fleece-Sachen tragen. So erkennt man die Anfänger richtig schnell. Nur noch glatte Materialien. Ganz geschickt wäre übrigens einer dieser weißen Anzüge, die man bei Tatort-Spurensicherungen trägt. Am Besten in Kombination mit Mundschutz, Spritzbrille und Haarnetz. Dann riecht man auch immer frisch, wenn man vom Stall kommt und muss sich nicht immer umständlich dekontaminieren, wenn man mal unter „normale“ Menschen gehen möchte. 

Maue versuche Haare von Kleidung zu entfernen …. – Foto: privat

Letztendlich komme ich jedes Jahr an den Punkt, an dem ich mir sage: Warum tust du dir das an? Die Zossen wohnen im Offenstall – geh doch einfach mehrere Wochen nicht an den Stall und tauch dort erst wieder auf, wenn die Haare alle wieder weg sind. Geht natürlich nicht. Man ist ja als Pferdebesitzer grundsätzlich masochistisch veranlagt. 

Sogar die Satteldecken sehen direkt nach dem Waschen gleich wieder komplett dreckig und haarig aus. Obwohl man sie noch gar nicht benutzt hat, sondern nur zum Stall getragen hat. Pferdehaare ziehen magisch saubere Dinge an. Es ist unheimlich, nein – es ist Magie! 

Wieso lassen diese Pferde nicht einfach plötzlich alle Haare fallen? So auf einmal und dann schnell wegkehren und verbrennen. Warum haben Pferde gefühlt Monate lang diesen lästigen Fellwechsel? Ist das die ultimative Rache fürs Reiten? Es ist physikalisch doch unmöglich, dass ein einziges Pferd so viele Haare verlieren kann! Wo kommen die alle her?

Warum fangen die überhaupt das Haaren an?

Das Tageslicht ist schuld. Ab Mitte/Ende Januar werden die Tage länger und die Zirbeldrüse (für Leute, die mit rudimentärem Latein prahlen wollen folgt das lateinische Wort dafür: Epiphysis cerebri) des Pferdes springt voll drauf an. Nachdem die Temperatur auch ein bisschen mitspielen darf kommt es bei Kälteeinbrüchen auch immer wieder zum Stoppen, bzw. Verlangsamen des Fellwechsels. Deshalb zieht sich das so lange hin. Die Reihenfolge  des Wechsels ist übrigens lange Oberhaare und dann die dichtere, dickere Unterwolle. Also Happy-Hour beim Pferd: Zweimal Haarwechsel zum Preis für eins. Super. 

Und gratis dazu bekommt man auch noch ein für Krankheiten anfälligeres Pferd im Frühjahr. Nachdem diese lästige Prozedur des Fellwechsels anstrengend für den Pferdeorganismus ist und das Immunsystem deshalb weniger Nährstoffe zur Verfügung hat (weil die alle in die Produktion neue Haare gepulvert werden *) kann es sein, dass beim Pony jetzt Mangelerscheinungen auftreten, sie Gewicht abnehmen oder einfach matter sind und insgesamt einfach anfälliger für Krankheiten sind. Super. Win-Win-Situation für alle. Nicht. Und dann werden die Dinger im Herbst wieder abgeworfen …. 

Nebenbei ist so ein Pferd auch anfälliger für Hautkrankheiten im Fellwechsel. Die Barriere für Eindringlinge, Parasiten und Krankheiten sinkt und lädt zum Einnisten ein. Da sage ich nur: Hallo Sommer-Ekzem, Hallo Haarlinge, Hallo Milben, Hallo Pilze – schön schaut ihr unter dem Mikroskop aus, aber bleibt bitte von den Haaren meiner Ponys weg. 

Die Pferde schuppen sich auch noch doller wie sonst, weil die Haut des Pferdes beim Fellwechsel ordentlich beansprucht wird. Es juckt also auch noch. Nicht nur dem Besitzer, sondern auch den Ponys. Ausgiebige Putz-Sessions mit viel Massage tun den Ponys sichtbar gut, treiben dafür menschliche Handgelenke und Finger ans Ende ihrer Kräfte. 

Was können wir also tun?

Die Ponys gründlich putzen und enthaaren. Oder sich Personal einstellen, was das für einen tut. 

Kein Personal gefunden – vielleicht helfen Mundschutz und Handschuhe? – Foto: Yvis Handy

Die Ponys beobachten, ob sich Veränderungen ergeben. Hautbild, ist das Haar stumpf? Wie sind Ernährungszustand, Gefühlslage, Gesamtsituation?

Die Ponys ggf. Zufüttern mit Energie und Mineralien – manche Pferdebesitzer gönnen Ihren Ponys auch Entgiftungskuren. Da gibt es ein unendliches Angebot diverser Futterhersteller, die manchmal sinnvoll, manchmal nur für die jeweilige Firma finanziell sinnvolle Dinge anbieten und Zusatzfutter kredenzen. 

Durch die Auswahl muss sich jeder selber durchkämpfen. Letztendlich bleibt wie immer zu sagen: Gute Grundernährung mit genügend gutem Heu und Mineralstoffversorgung müsste eigentlich bei den meisten Ponys ausreichen. Junge, Kranke und ältere Pferde brauchen einfach noch Energie zusätzlich, um sich leichter zu tun. Aber ansonsten ist Pferdeernährung ja eine Wissenschaft für sich – da möchte ich mir nicht anmaßen irgend etwas Wichtiges dazu zu sagen zu können. 

Jacinto schwächelt dieses Jahr erstmalig ein bisschen und bekommt momentan eine Mahlzeit aus eingeweichten Wiesencobs, Mineralfutter, einer Schippe Hafer, einem großen Schwups Öl und ein bisschen Mischfutter „Senior“ für den Geschmack zusätzlich. Das findet er natürlich toll. Schlabbern und Essen bleiben selbstverständlich seine Kernkompetenzen neben manchmal hübsch aussehen und toll Pferdehänger fahren können. 

Das Drachenpony läuft momentan mit einer dicken undurchdringlichen Staubschicht in den Haaren herum, die man nicht mehr ab bekommt und die sich sofort elektrostatisch auflädt, wenn man das Drachenpony nur ansieht. Anscheinend verbringt sie viel Zeit den wohltuend-schrubbeligen Sandboden zu konsultieren und sich Sachen zu überlegen, um nicht angefasst werden zu müssen. Sie sieht momentan leicht dauer-gräulich aus. Wahrscheinlich rächt sie sich jetzt bei mir für die Decke im Winter. Man weiß es nicht. Hauptsache sie bleibt gesund. Aber eine sehr nasse Wäsche mit ganz viel Schaum wird ihr nicht erspart bleiben. Wenn nicht sogar mehrere Waschgänge ….  

Frau Sumpf ist da pflegeleichter. Sie sieht nur grundsätzlich im Frühjahr schon zwei Minuten nach dem Putzen so aus, als ob sie noch nie in ihrem Leben geputzt und enthaart worden wäre. Es ist ein Traum. Ein haariger Albtraum.  

Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: Ich hoffe Ihr kommt alle gut durch den leidigen Frühjahrs-Fellwechsel und wir sehen uns im Sommer enthaart und frisch geschniegelt bei diversen Events! Ich freue mich! 

PS: Falls Ihr noch Tipps rund um den Fellwechsel habt, her damit! 🙂  

Pro-Tipp: Mundschutz – wenn man auch noch eine Sonnenbrille aufsetzt, bleiben auch die Augenringe verborgen…. – Foto: Yvis Handy

*   Die dann wieder in ein paar Monaten abgestoßen werden …. wieso wachsen denen nicht einfach noch zusätzliche Winterhaare? 

Häschen Hops?

Horse Agility Kurs am Zykloopenhof

29.03. – 30.03.2019:

Spring Häschen, Spring! – Jacinto im Freisprung – Foto: privat

An diesem Wochenende hatten wir bei uns am Hof einen Kurs mit Manuela von www.crazy-pinto.de, den ich jetzt einfach unter dem Oberbegriff Horse Agility zusammen fassen. Aber es war natürlich noch ganz viel mehr dabei. Bodenarbeit, Zirkuslektionen – jeder konnte machen worauf er Lust hatte, oder spontan neue Dinge probieren. Lina, die den Kurs organisiert hat – ein dickes, fettes Dankeschön an Dich dafür! Und für das ganze Essen was Du besorgt hast 🙂 Wir haben nämlich erst mal mit einem gemeinsamen Frühstück gestartet, bevor wir mit den Ponys losgelegt haben. Das fand ich eine gute Idee. 

Erst mal zeigen, wohin es gehen soll! – Foto: privat

Jeder hatte am Tag zwei Einheiten. Ich habe meine Zeit zwischen Jacinto und dem Drachenpony aufgeteilt. Yvi hat ihre Zeit auch zwischen Diego und Diosa aufgeteilt. So hatten alle vier Ponys an diesem Wochenende ordentlich was für den Kopf zu tun. Bodenarbeit ist einfach auch anstrengend. Die Ponys werden mit Dingen konfrontiert, die sie normal nicht machen. Und das strengt auch an. Kopfarbeit. Eine aussterbende Sache übrigens … wenn man sich mal so in seinem Umfeld privat und beruflich umsieht. Aber jetzt egal. Ich fasse für mich persönlich übrigens unter dem Begriff „Bodenarbeit“ alles zusammen, was ich mache, wenn ich nicht auf dem Pferd sitze, also Putzen, Führen, Langzügel, Longieren, Freiarbeit, Zirkuslektionen, Gymnastik, Longieren, Horse Agility, was auch immer. Nur um das mal zu definieren. Mit diesen ganzen Begriffen kommt man ja sonst durcheinander. Simpel halten. 

Sumpfbespaßung-Stalker-Fotos! – Foto: privat

Aber zurück zum Kurs! Manuela hat uns in der ersten Stunde erst mal führen lassen, bzw. abgecheckt, wie weit wir so sind. Eine knifflige Aufgabe war das 8-er longieren, sprich Pony um zwei Pylonen schicken, ohne sich selbst groß mitzubewegen. Fördert unheimlich die beidhändige Koordination beim „Reiter“ und testet das Körpersprachen-Verständnis des Ponys für uns – und sorgt nebenbei noch für Gelächter beim Publikum. Wobei man hier sagen muss: Wir haben uns nicht gegenseitig ausgelacht, sondern hatten zwei Tage lang richtig viel Spaß! Es waren einfach lustige Situationen dabei und jeder hatte einfach eine gute Zeit am Stall mit seinem Pony und mit der Stallgemeinschaft. Der Kurs wurde nämlich durchgehend von Zykloopenhof-Bewohnern besucht. Wir waren also eine bunte Truppe an verschiedenen Pferden und Leuten. Aber jeder ist auf den Geschmack gekommen, bzw. hatte seine Erkenntnis-Momente. Mein heimlicher Star war übrigens der zweijährige Jamie – ein Fino-Nachwuchs und Kumpel von Diego, der mit einem Spaß und Eifer alle Hindernisse meisterte, das war einfach toll anzusehen. Ein richtiger Streber! Oder wie die Kids mit den Ponys zusammen gearbeitet haben und aneinander gewachsen sind. Einfach Klasse! Oder wie Zwergs Kumpel Sam richtig aufgeblüht ist, beim „Spielen“! 

Streber! 🙂 – Foto: privat

Nachdem ich mit Jacinto das Steigen angefangen habe – was er ja erstaunlicher Weise relativ schnell gelernt hat, möchte ich das jetzt noch verbessern. Dazu hat Manuela mir auch ein paar Tipps gegeben. Wir werden uns jetzt im „Schul-Halt“ (also Pferde-Popo absenken – oder besser gesagt Gewicht aufnehmen) üben. Das als Grundübung, um Jacinto zu zeigen, dass er sich mehr „setzen“ kann und dann insgesamt auch etwas höher kommt. Momentan sieht Jacintos Steigen nämlich eher aus wie behindertes Häschen-Hops. Aber er guckt dabei so lustig bedröppelt, dass das alleine schon putzig ist. 

Raschelfolie ist eigentlich total langweilig – Foto: privat

An der Bergziege müsste ich mit ihm auch mehr arbeiten. Das wäre nämlich insgesamt auch eine sehr gute Übung, um uns einfach mal zu entschleunigen und bewusst einzelne Schritte zu setzen. Eben so das „Sitzen“ auf einem Sitzsack. Es ist unheimlich schwierig, ein Pferd präzise Schritt für Schritt Rückwärts an einen „Gegenstand“ zu bugsieren, und dann auch noch zu verlangen, dass es den Gegenstand mit dem Popo berührt. Probiert das mal, da seid Ihr tagelang mit beschäftigt. An solchen Dingen möchte ich jetzt mehr arbeiten. Das kommt dem hektischen Fino-Reiter glaube ich ziemlich entgegen.

Nebenbei kann Jacinto jetzt schon fast „Nein“ sagen. Am „Ja“ sagen hapert es noch. Aber „Nein“ bekommt er auch momentan öfter zu hören …. das Gras fängt wieder an zu wachsen, wenn Ihr wisst was ich damit andeute  ….

Bedröppelter Sumpf-Blick – Bergziege und Sitzen … – Foto: privat

Am Nachmittag sind wir dann raus auf den Platz gegangen und hatten die Gelegenheit unsere Spielwiese zu erproben. Manuela hat uns ein paar Dinge mitgebracht und wir haben ja auch ein paar Sachen. Jeder konnte ausprobieren und üben und am Ende haben wir dann einen ganzen „Parcours“ absolviert. Wir hatten: einen Tunnel, eine Gruselgasse, unsere große Wippe, eine Vorderbein-Wippe, Sprünge, Klapper-Wiese mit Plastik, einen bunten Sprung-Ring, Slalom, Hängematte, zwei Podeste, Sitzsack, Dinge zum Hinterherziehen, Dinge um Füße hinein zu stellen, diverse Oberflächen um die Ponys drauf zu stellen – also eine ganze Menge Zeugs zum Austoben! 

Spielwiese für Horse Agility und Bodenarbeit – Foto: privat

Für den Nachmittag habe ich mir dann das Drachenpony mitgenommen. Und sie hat es gehasst. Ganz viele Dinge die Flattern (Flattertore), die sie am Bauch berührt haben (Tunnel mit Schwimmnudeln) und die sie in ihrer Fluchtmöglichkeit eingeschränkt haben. Das hasst sie. Aber sie hat sich zusammengerissen (meistens jedenfalls) – irgendwann merkt sie vielleicht, dass sie nicht stirbt, wenn irgendetwas Fremdes sie berührt. Andererseits könnte sie auch irgendwann sterben, wenn sie was berührt. Man weiß es nicht. 

Doch nicht gestorben, obwohl Plastik am Bauch! – Foto: privat

Am zweiten Nachmittag sind wir sogar in einen richtigen Flow reingekommen. Das war sehr intensiv. Mich hat es richtig gepackt und wir haben ordentlich konzentriert und gar nicht auf Flucht gepolt gearbeitet. Ein sehr intensives und gutes Gefühl. Letztendlich hat sich das Drachenpony ganz konzentriert auf eine winzige Wippe gestellt. Bergziege macht sie sowieso richtig toll! Balance hat sie – da macht ihr keiner was vor! Das war jedenfalls ein richtig gutes Gefühl so intensiv mit ihr zu Arbeiten. 

Tolles Drachenpony – Bergziege auf Mini-Wippe! – Ich bin stolz! – Foto: privat

Fazit: Ein sehr guter Kurs – tolle Menschen, tolle Pferde – ich mag meinen Stall! Manuela hat einen guten Blick für Probleme und hat auch gute Lösungen parat, ermutigt einen aber auch selbstständig zu Arbeiten. Man ist ja normalerweise auch Alleine – also ein guter Ansatz. Ich mag Manuela, sie ist lustig! Und sie hat auch einen Falben und einen Schecken. Mehr muss ich nicht sagen 🙂 

konzentrierte Bergziege auf dem Podest – Bergziege geht immer ….. – Foto: privat

Wir üben also insgesamt langsamer zu machen und mutiger zu sein. Koordination an mir selber (Thema: Links – Rechts) ist glaube ich Hopfen und Malz verloren. Damit muss ich mich abfinden. Ansonsten fallen uns bestimmt noch lustige Dinge ein, die wir machen können! 

PS: Die Fotos sind alle entweder von Dani, Desis Kamera und meinem Handy. Oder Yvis Handy. Nachdem ich Trollo sie gemischt habe, bekomme ich nicht mehr korrekt auseinander gedröselt was von wem ist 🙂

Belohnung ist auch wichtig – Casperkopf Sumpf – Foto: Dani

Raubzüge im Baumarkt?

Horse Agility – Teil 2 – Wir bauen uns ein Ponyspielzeugparadis- oder Basteln mit Bekloppten!

Mit Absperrband kann man so viel anstellen! – Findet der Zwerg zwar prinzipiell doof, aber was will er schon machen – danach gibts wenigstens Belohnung! – Foto: Privat

15. März 2019:

Nachdem wir jetzt wissen, was Horse Agility ist, brauchen wir noch ein paar Hindernisse. Wir erinnern uns: alle Hindernisse lassen sich auf diese sechs Typen zurück führen: 

Slalom – Stangengasse – Brett/Planke – Gasse – Halbreifen – Sprung, kombiniert und variiert sind die Möglichkeiten unendlich. Ich habe ein paar Tipps für kreative Bastler und alle, die es noch werden wollen:

Slalom:

Einfachste Möglichkeit: Nehmt einfach Eimer (oder die bekannten IKEA-Pipi-Töpfchen)! Sie sind billiger wie die rot-weißen Hütchen und man bekommt auch weniger Ärger, als wenn man wiederrechtlich an Straßenbaustellen anhält und versucht Baustellen-Hütchen zu klauen. 

Natürlich tun es auch einfache Steine. 

Wenn man ein höher-sichtbares Slalom haben möchte helfen einem Weidepaddock-Stickel. Oder Stickel in Kombination mit Unterstellböcken für Autos (da kann man Sachen fest rein packen) oder schlicht und einfach wieder Eimer (gefüllt mit Sand o.ä.). Da kann man auch prima Stangen reinstecken. Von Saller-Sport gibt es günstige Slalomstangen (die haben auch tolle Slalom-Ständer). Auch bei Decathlon findet man für wenig Geld Slalom-Kegel und Slalom-Stangen. 

An die Slalom-Stangen kann man auch wieder Flatter-Band ran basteln, dann wird es noch gruseliger. Ihr merkt schon: man bekommt von ganz alleine gute Ideen, wenn man Dinge zum Kombinieren hat!  

Stangen:

Wer keine stabilen Hindernis-Stangen hat, oder die professionellen blau-gelben Dualgassen, kann sich einfach mit Weidestickeln behelfen. Oder Bretter in verschiedenen Längen, die kann man als Begrenzungen auch toll benutzen, ohne dass sie verrutschen. Haas-Pferdesport bietet übrigens verschiedene Stangen-Sorten an: Ummantelt mit Plastik, diese viereckigen Quadrat-Soft-Stangen und passende Hindernisständer. Das alles gibt es natürlich auch bei ganz vielen anderen Pferdebedarfs-Herstellern. Alle Namensnennungen hier sind nur Beispiele. Man muss sich einfach nur durchs Internet klicken und suchen. Bestimmt findet man auch bei Ebay Kleinanzeigen oder in der benachbarten Schreinerei günstige Stangen. Oder man hat einen Bastler am Hof – da haben wir ja Glück. 🙂

verschiedene Stangen: Vierkant-Holz (Reste Baustelle), einfaches Brett (Reste Zaunbau), angemalter Weidestickel aus Holz (nicht so schwer wie normale Springstangen) – Foto: privat

Brett/Planke: 

Sagt ja schon der Name. Da sollte man tatsächlich zu Holz greifen. Vor allem, wenn man das Brett als Wippe definieren möchte. Wobei man natürlich super mit verschiedenen Materialien beim „normalen“ rüberlaufen spielen kann. Eine Plastikplane im Baumarkt ist nicht teuer und verbirgt so viele Möglichkeiten.

Beim Schweden gibt es diese klappbaren Joga-Matten (Plufsig): die bringen auch richtig Spaß. Man kann sie Falten und auch als Podest benutzen, man produziert auch beim drüber-Reiten richtig lustige Geräusche! Das sind alles tolle Übungen für die Ponys. Für Podeste kann man die bekannten Euro-Paletten verstärken und benutzen. Überall wo Pferde erhöht stehen sollen, muss man aber noch mehr auf Sicherheit und Tragkraft achten. Also nicht einfach einen Strohballen nehmen und eine dünne OSB-Platte drüber legen…. aber so doof ist hoffentlich niemand. 

Podest kann man auch zu zweit machen! (Kurs 2017) – Foto: privat

Gasse:

Habt Ihr schon mal an Balkon-Sichtschutz gedacht? Die eigenen sich toll für Gassen! Sie sind nicht so schwer und mann kann sie gut mit den Stangen und Halterungen zu Gassen umfunktionieren. Oder man nimmt einfach diese paravent-artigen Sichtschutz-Dinger vom Baumarkt. Wenn man sich mal intensiv mit Rohren/Drainagerohren beschäftigt, kann man sich auch ganz toll ganze Tunnel bauen. Steckrohr-Systeme und Plastikplanen oder alte Bettdecken können da richtig tolle Dinge zaubern! Ganz toll sind auch diese Schwimm-Nudeln/Pool-Nudeln, die kann man auch als Stangen und Gassen benutzen. 

Halbreifen:

Taucht einfach in die Welt der Drainagerohre, Muffen, Steckmuffen, T-Drainage-Rohre, ect ab, das ist ein wahres Quell an kreativen Bastellideen. Einfach mal „Drainagerohre“ googeln oder gleich im Baumarkt shoppen gehen. Baumärkte sind sowieso tolle Quellen für gute Ideen! Und sich dann Halbreifen, Gassen und Tunnel bauen. Das ist fast so toll wie Lego spielen! Und wer von Euch hat in seiner Jugend nicht mit Lego gespielt?

Übrigens: In die Welt der Drainagerohre tauche ich noch ab … bisher war dazu noch keine Zeit!

Jacinto wird immer mutiger! – Foto: privat

Sprung:

Wer keine Hindernisstangen und Sprungständer hat, kann sich mit Strohballen (oder wieder den bekannten sandgefüllten Eimern oder gestapelten Pipi-Töpfchen ect.) behelfen. Bei IKEA gibt es bezogenen Stoff-Kisten für die Kallax-Regale (FYSE), die kann man nebeneinander stellen und die Pferde springen lassen. Beim schwedischen leckeren Zimtschneckenverkaufenden Möbelhändler gibt es auch ganz tolle Kinderspielzeuge, die sich super als Hindernisse umfunktionieren lassen. Ich sag nur Tunnelrolle BUSA (45 cm x 145 cm)! Wir lieben sie. Und sie ist erstaunlich robust! 

Foto: Yvi Tschischka, Dea und Diosa Juli 2012 – Schecken für alle Fälle!

Ihr seht, wenn man mal damit angefangen hat, sind die Ideen und Möglichkeiten unendlich! 

Ganz neu in unserem Sortiment: Ein klappbarer Tunnel!

Den hat Dieter uns gebastelt und jetzt können wir damit üben! Vielen Dank!

Zwei Module zum Einhängen in die Hallenwand mit Klapp-Scharnier (damit man es wieder wegräumen kann) – und als Luxus noch Verstärkungen zum Einhängen für die Tunnelwand! – Genial und Einfach! – Foto: privat

An diesen Tunnel könnte man auch Dinge binden und so eine Flatter-Gasse simulieren … Ihr seht schon, beim Angucken der Bilder kommen mir schon wieder neue Ideen!

Fertiger Tunnel von Innen – einfach Plane darüber schmeißen – Fertig! – Foto: privat


In diesem Blog-Beitrag kommt Werbung durch Namensnennung vor. Es gab keine Produkt-zur-Verfügung-Stellungen – Wenn was gekauft wurde, dann von eigenem Geld. Oder vom Geld anderer Einsteller. Oder Dieter hat uns was gebastelt. Außerdem müssen wir unbedingt noch Fotos von mehr Hindernissen machen! Das Benutzen und Bauen macht nämlich riesig Spaß!

Sind wir auf den Hund gekommen?

Freestyle Horse Agility – Was soll dass schon wieder sein? – Teil 1

Drachenpony und Sumpf testen gelangweilt verschiedene Materialien – Foto: Privat


10. März 2019:

Bereits im letzten November durfte ich einem Vortrag von Corinna Ertl lauschen. Sie betreibt mit Herz und Seele „Freestyle Horse Agility“. Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht: Was ist denn das schon wieder? Was hat sie da nur wieder für Zeug aufgeschnappt! Die Frau lässt sich aber auch schnell begeistern …. tztztz…

Bei der Horse Agility bewältigen Pferd und Führperson zusammen Hindernisse. Man kennt es eher aus dem Hundesport. Im Idealfall macht das Pferd das auch mit ordentlich Tempo und ohne Strick, nur mit Fingerzeig. Und ich meine nicht nur Sprünge, da ist auch mal einer dabei, aber es geht um viel mehr! Slalom, Stangengassen, Brett/Planke, Gassen und Halbreifen – oder kurz gesagt: Alles, was sich als Hindernis eignet. 

Jacinto findet ja nicht ALLES muss unbedingt als Hindernis herhalten! (hier die Joga-Matte vom schwedischen Möbelhaus) – Foto: Privat

Die Horse Agility bietet also dem Pony nicht nur bunte Abwechslung bei der Hindernis-Gestaltung, es bietet auch dem Pferdebesitzer die Möglichkeit sich kreativ auszutoben beim Hindernis-Aufbau und Hindernis-Erfindung. Gerade in der Gruppe kommt man da auf sehr verrückte Ideen …. wir haben es schon ausprobiert 🙂

Aber erst mal ganz von vorne! Corinna beantwortete erst einmal die Frage: Wozu ist Horse Agility überhaupt gut? Es ist natürlich für alle Pferde und Menschen geeignet. Egal ob gehandicapt oder Turnierkracher. Spaß und Abwechslung sind immer gut. Gerade auch für nicht reitbare Pferde ist es eine tolle Möglichkeit den „Kopf fit zu halten“. Langeweile tut niemandem gut. Nebenbei baut man ganz einfach eine gute Beziehung zu seinem Partner Pferd auf. Durch die gemeinsame Bewegung und Gymnastizierung erhöht man sanft die Beweglichkeit von Mensch und Tier. Auch für Sport-Muffel wie mich oder Yvi die optimale Art des „Sports“. Es fördert auch die Konzentration, die eigene und die des Pferdes. Und die Ponys werden mutiger!

Die Grundlage, um mit der Horse Agility anzufangen zu können ist „lediglich“ ein halfterführiges Pferd. Das Pony sollte sich ohne Rempeln führen lassen und im Idealfall neben dem Führ-Menschen auch „schneller“ laufen können. Auf Beamten-Deutsch: „harmonisches Laufen nebeneinander unter gegenseitigem Verständnis und Deutung der Körpersprachen beider Spezies“. Und probiert das mal aus: Pferde reagieren so fein auf minimale Gesten – die Sinnesorgane der Pferde sind wesentlich sensibler ausgebildet als unsere eigenen, teilweise sehr grobmotorischen Gesten. Wahrscheinlich denken die Pferde ständig wir würden sie nur anschreien! 

Ein ganz altes Bild: Dimera und ich beim Führtraining vor einem ganz frisch gebauten Zykloopenhof – Wer hätte es erkannt? – Foto: privat

Was braucht man jetzt sonst noch für Sachen für die Horse Agility? Es reicht ein Halfter und ein guter Führstrick/Bodenarbeitsstrick. Und Lob (sei es in Form von Futter oder Stimme – oder Klicker). Dann braucht man noch ein paar Hindernisse. Und hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt – aber denkt an die Sicherheit! 

Eigentlich lassen sich alle Hindernis-Arten in sechs verschiedene Kategorien einteilen: Slalom – Stangengasse – Brett/Planke – Gasse – Halbreifen – Sprung. Jetzt muss man „nur“ noch daran arbeiten, die Hindernisse auch schön und sinnvoll zu überwinden. Ganz wichtig sind die Lauflinien und die Position von Mensch und Pferd – aber das alles zu beschreiben, könnte man ein ganzes Buch füllen. Tada! Zufällig kann ich Euch da eines empfehlen: „Freestyle Horse Agility – Sport auf Augenhöhe mit dem Pferd (Spiel und Spaß mit Pferden)“ von Corinna Ertl (erschienen 2012 im Cadmos-Verlag – PS: Werbung weil Buchnennung. Das Buch hab ich mir selber gekauft).

Übrigens gibt es inzwischen auch richtige Freestyle Hores Agility-Turniere! Wer also Lust hat sich sportlich zu messen, kann sich hier richtig austoben. Und nicht nur in Deutschland. Googelt einfach mal „Horse Agility“, da findet Ihr eine große Anzahl Youtube-Videos – und auch eine Anzahl guter Anregungen für tolle Hindernis-Ideen. Übrigens, was ich total toll finde: Im Turnierreglement sind Freude und Übermut sogar ausdrücklich erlaubt! 

Diosa demonstriert: Übermut ist Erlaubt! – Foto: Yvi Tschischka Photography

Viele Hindernisse kann man mit wenig Geld selber basteln. Angefixt von dem Vortrag von Corinna Ertl und parallel durch unsere Stallkollegin Lina wird bei uns am Hof Ende März ein Kurs mit Manuela Feiler (www.crazy-pinto.de) stattfinden, bei dem wir offiziell in die Welt der Horse Agility hineinschnuppern werden. Wir sind schon gespannt – und davon werde ich natürlich auch berichten. 

Diosa und Yvi beim Podest-Üben beim Zirkuslektionen Kurs 2017 – Foto: Privat


Pferdebesitzer-Typisierung?

Zwergenliebe – Foto: Yvi Tschischka

01. März 2019:

Nach ein paar Jahrzehnten Pferde-Stall-Leben habe ich inzwischen ausreichend zwischenmenschliche Geschichten erlebt, um schreiend davon zu rennen, vor-und-zurück-schaukelnd in der Ecke zu sitzen*, oder die verschiedenen Typen einfach in Schubladen zu stecken. Falls sich jemand angesprochen fühlt, muss er nicht, kann er aber. Mischtypen sind übrigens auch möglich. Wer erkennt sich wieder? 

Macher:

Macht einfach. Lässt sich wenig reinreden, probiert mal herum, sucht sich Inspiration, übernimmt die, wenn sie taugt in seine eigenen Gepflogenheiten. Ist pragmatisch. Sorgt sich zwar um sein Pferd, aber auf einem gesunden Niveau. Das Pferd ist kein Ersatz für irgend etwas. Das Pferd darf Pferd sein. Das Pferd darf sich dreckig machen und ein Eigenleben führen. Der Macher wirkt oft etwas Seltsam, ist aber Kompetent und für fast jeden Blödsinn zu haben. 

Rentner-Bespaßer:

Leute mit alten oder chronisch kranken Pferden, die einfach nicht mehr geritten werden und nur noch „getüddelt“ werden. Was ja auch gut ist. Schließlich haben die Pferde ihr ganzes Leben beim Rentner-Bespaßer verbracht und jetzt wird ihnen dafür gedankt. Was super ist. Hier findet man viele lustige Symbiosen zwischen Pferd-und-Mensch. Oft sehr amüsant für Außenstehende. Es schleichen sich viele kleine Rituale ein, die mit anderen Pferden so nicht funktionieren würden, sich über die Jahre eingeschlichen haben und hier ihren besonderen Charme haben. Die Pferde dürfen Pferd sein und bekommen extra Aufmerksamkeit. 

Psycho-Tüddler: 

Menschen, die Pferde als Ersatz für irgend etwas haben. Meist Menschen, die mit sich selbst nicht im Reinen sind. Sie projizieren viele Dinge auf die Pferde. Oft Krankheiten, Emotionen und Gewohnheiten. So ein Pferd hat es nicht einfach. Die Umwelt dieser Menschen und andere Einsteller übrigens auch nicht.

Das komplett (miss-)verstandene Tier bekommt schon eine Decke bei 20° Plus im Schatten, drölfzig verschiedene Zusatzfutter-Mittelchen, eine spezielle Art der Ganzkörpermassage und Spezial-Putz-Sessions. Klangschalen und Räucherstäbchen sind auch ein Thema. Gerne wird mit so Methoden wie Tierkommunikation oder gewaltminimiertem Kuschel-Training gearbeitet. Der Osteopath ist ungefähr fünf Mal im Jahr da. Der Tierarzt potentiell öfters, gerne auch umsonst. Was ärgerlich für den Tierarzt ist, der kostbare Zeit verschwendet, in der er hätte echte Patienten behandeln können. 

Im Idealfall ist das Pferd ein Schaaf und wird einfach lethargisch, weil „Todgetüddelt“, oder es trampelt seinem Besitzer auf der Nase herum (… gerne auch wortwörtlich). Insgesamt hapert es dem Tüddler an realem Verständnis für Pferdeverhalten. Kann lustig sein. Kann aber auch gefährlich sein. Dieser Typ verlässt relativ zügig wieder den Stall, weil er mit den ganzen seltsamen Menschen um sich herum nicht zurecht kommt – oder weil das Pferd sich nicht zu Hause fühlt; wahlweise negative Feng-Shui-Schwingungen in seiner Box hat. Oder der Hafer** nicht rechtsgedreht gelagert wird. Irgendwas ist immer.

Selten-Da: 

Hat zwar ein Pferd, stellt es gut unter (zahlt Miete und Tierarzt, ect) und überlässt es weitestgehend sich selber. Was nicht das Schlechteste ist. Der Selten-Da kommt immer mal zum Reiten, das Pony ist aber eigentlich in der Herde gut aufgehoben. Freut sich dann, wenn es menschliche Ansprache hat und hat so eigentlich ein ziemlich entspanntes Leben. 

Drama-Queen:

Eigentlich geht es hier gar nicht um das Pferd. Das Pferd ist nur ein Transportmittel der mentalen Ergüsse. Man hat zwar ein Pferd, aber letztendlich legt man viel Wert auf das, was andere Menschen sagen und machen. Bestätigung und Beliebtheit sind hier die Zauberworte. Man muss schon aufpassen, das solche Menschen nicht abkippen und in die Fänge von anderen Drama-Queens geraten. Die Dramas gibt es nämlich in mehreren Ausprägungen: Drama-Queens, die selber leiden und Drama-Queens, die Drama machen. Nämlich immer dann, wenn sie keine Aufmerksamkeit mehr bekommen. Sehr kompliziert. Sehr nervig. Aber eine wahre Fundgrube für gute Geschichten. 

Hardcore-Turnier-Reiter:

Kommt zugegeben im Offenstall nicht oft vor. Das Pferd wohnt eher in einer Box, bekommt regelmäßiges Training, wird eher als Sportgerät gehalten. Wenn es die Leistung nicht bringt kann es auch weiter verkauft werden. Sehr zielorientierte Reiter. Die Pferde haben nicht so viel zu lachen, außer sie sind auch ein bisschen masochistisch veranlagt.

Traumichnicht:

Trauen sich einfach nicht. Finden immer, dass sie etwas nicht richtig machen, oder zu schlecht sind. Dabei haben sie die gechilltesten und tollsten Pferde im ganzen Stall! Sie machen sich ständig Gedanken, dabei könnten sie einfach machen und genießen! 

Einhorn-Glitzer:

Lebt in seiner eigenen Welt. Einhörner in Maßen genossen sind ja ganz ok. Vor allem wenn sie Sekt dabei haben – aber für immer und mit Dauerglitzer? Ne. Der Typ Einsteller schwebt in eigenen Sphären, wirkt als ob er ständig auf Droge wäre. Äußerst atmosphärische Menschen, anstrengend. Deren Ponys sind die reinsten Geisterwesen, unglaublich toll, unglaublich intellent***, und unglaublich erfolgreich. Außerdem ist deren Verbindung zum eigenen Pferd sowas von Zwei-Seelen-ein-Gedanke-Mäßig, dass mir grundsätzlich dabei richtig schlecht wird.  

Horsemanshiper:

Hier wird gehorsemanshipt, was das Zeug hält. Alles was Freiheit, Leichtigkeit und Natural verspricht (und dazu das passende Equipment verkauft) ist bei diesem Typ total im Trend. Da wird mit Halsring ausgeritten, obwohl der Zossen keine Bremse und keine Lenkung hat. Braucht er ja nicht, weil er nur durch Gedankenübertragung gearbeitet wird. Funktioniert halt so lange super, wie keine Kreuzung, Eisenbahn oder Bundesstraße im Weg ist. So eine Dampflock hat halt einfach mal die höhere Durchschlagkraft. Fragt „Apollo 13“ (aus „Der Schuh des Manitu“), der kannte sich damit aus (R.I.P.). Die Pferde sind hier gerne mit ihren Besitzern überfordert, alle anderen übrigens auch. Sehr stressy. 

Daswarschonimmerso:

Horror für jedes Pferd und jeden Menschen. Leute, die ihre Pferde so und so behandeln, weil das schon immer so war. Da wird nix hinterfragt, weil das war schon immer so. Da wird nicht nachgedacht, weil das war schon immer so. Da wird nix an der Routine geändert, weil das war schon immer so. Kommen übrigens nicht so wirklich klar mit Leuten, bei denen alles anders ist. Komisch oder? Das war schon immer so. Argh!

Habe ich jemanden vergessen?

* der Fachbegriff dafür ist übrigens „Jaktation“ (falls ihr mit Fachwörtern angeben wollt 

** hier wahlweise Heu/Stroh/Schubkarren/Wassereimer #jedesbeliebigeworteinsetzen

*** intelligent wurde mit Absicht falsch geschrieben. Ist so ein T(r)ick von mir. 

Gut Versichert?

November 2018:

Nachdem mit dem nasskalten Herbst auch wieder die Zeit anfängt, wo ein gewisses, momentan sehr mopsiges Pony letztes Jahr eine Kolik geschoben hat, weil es sich nicht so gerne bei Regen draußen bewegt, rückt das Thema Pferde-OP-Versicherung wieder in den Vordergrund meines Gedächtnisses. Wir sind jetzt dank guter Beratung für den nächsten „Notfall“ gut versorgt und können entspannt der Weihnachtszeit entgegen sehen.

Wir erinnern uns: Dezember 2017: Klinikentlassung eines schlanken, munteren Drachenponys – Foto: Privat

Ergänzend zu meinem Blog-Beitrag „Hilfe für den Notfall?“ habe ich noch ein kleines Interview mit Christine Schramm geführt und sie gebeten, ein bisschen aus ihrem Arbeitsalltag zu erzählen.

Im Notfall ist es sehr sinnvoll kompetente Hilfe zu haben, wenn man sich im Versicherungs-Dschungel zurecht finden muss. Damit meine ich nicht nur den Vertragsabschluss (Was ist für mich und mein Pferd die beste Option an Versicherung?), sondern gerade wenn man eine Versicherung nach „Schadensfall“ in Anspruch nehmen muss und man als Pferdebesitzer den Kopf gerade nicht frei hat für kompliziert klingende Versicherungstexte.

Versicherungen sind sehr kniefiesselig, was Zahlungen betrifft. Im Einstreichen von Beiträgen dagegen sind sie schneller. In meinem Beruf habe ich oft mit abgewiesenen Krankenhausrechnungen zu tun. Die Krankenkassen (für Menschen) möchten aus den haarsträubendsten und absurdesten Gründen nicht, oder nur teilweise, bezahlen. Hier hilft eine gute Dokumentation und vor allem gute Argumentation und – vor allem – das klare Verstehen von Versicherungsregeln und ein sicherer Umgang mit Gesetzestexten und Gerichtsurteilen. Damit ist man als Laie überfordert und deshalb ist es gut kompetente Hilfe zu haben.

Nachdem ich noch keinen Schadensfall an meinen eigenen Pferden eingereicht habe, bin ich natürlich neugierig wie so etwas im Tier-Versicherungs-Bereich abläuft, deshalb habe ich einfach Christine ein bisschen befragt:

Hallo Christine, Du bist seit 20011 selbständige Versicherungsmaklerin für ganz Deutschland. Du hast Dich seit ein paar Jahren auf Pferde- und Hundeversicherungen spezialisiert. Wie kam es dazu?

„Das hatte sich aus dem Hobby Reiten entwickelt. Ich war damals bei den Gesprächen mit anderen Reitern immer wieder überrascht, wie wenig doch über die richtige Absicherung für Reiter und Pferd bekannt ist. So entstand meine Spezialisierung für den Tiere, Reiter und Pferde. Dabei geht es auch nicht nur um die passenden Versicherungen für das Pferd sondern auch für den Reiter. Reiten ist ein wundervolles Hobby, bei dem man nicht vergessen sollte, dass die Unfallgefahr doch sehr groß ist. Jeder Reiter sollte daher auch sich ausreichend abgesichert haben.“

Wenn das geliebte Tier erkrankt ist, geht einem das ziemlich an die Substanz. Gegen Aufregung hilft Routine. Erkläre uns doch einfach einmal: Wie verhalte ich mich im Falle eines Notfalles?

„Als erstes bitte immer sofort den Tierarzt rufen oder in die Klinik fahren und versuchen ruhig zu bleiben. Ich selbst war mit meinem Pferd 3 mal in der Klinik und weiß, wie schwer das sein kann.
Nachdem Sie wissen, was Ihr Pferd hat, kann geprüft werden, ob es sich um einen versicherten Fall handelt. Bei der Krankenversicherung ist das etwas leichter als bei der OP Versicherung. Meine Kunden dürfen dann gerne auch noch mich anrufen um den Fall zu besprechen.“

Kannst Du einen beispielhaften Ablauf eines Versicherungsfalles wiedergeben?

„Im Idealfall läuft das so ab. Das Pferd wird in der Klinik operiert, Sie reichen die Rechnung bei der Versicherung ein und haben spätestens nach 10 Werktagen das Geld auf dem Konto.
Oftmals wird jedoch noch geprüft, ob das Pferd schon vor Versicherungsbeginn krank war oder Symptome hatte. Um einen reibungslosen Ablauf garantieren zu können ist es daher sehr wichtig, dass man sein Pferd möglichst zeitnah versichert und alle Vorerkrankungen ehrlich und komplett angibt.“

Was macht Dir am Meisten Spaß in Deinem Beruf?
„Definitiv die Abwechslung. Ich lerne jeden Tag neue Leute kennen, suche nach passenden Tarifen für meine Kunden und helfe bei Schäden weiter.“

 

Vielen Lieben Dank für das Interview und weiterhin viel Gesundheit für Tier und Mensch!

 

Schaut gerne einmal hier vorbei: Christine beschreibt immer wieder Beispiele und auch sehr schön, welche Versicherung was gezahlt hätte. Klickt Euch einfach mal durch!

 

PS: Das ist übrigens unbezahlte Werbung durch Namensnennung 🙂 Ich wurde nicht außer der Norm vergünstigt oder hatte sonst irgend welche Vorteile mit meiner eigenen Versicherung. Außer natürlich einer kompetenten und netten Beratung. Muss ja heutzutage extra dazu gesagt werden! 🙂 

Charakterstudien – Drachenpony?

Nachdem Ihr meine Ponys ja überwiegend durch Geschichten kennt oder auf Bildern seht – und Bilder sind immer Momentaufnahmen, die selten den Charakter eines Pferdes komplett beschreiben – dachte ich mir ich stelle Euch einfach mal Stück für Stück meine Ponys und Ihre Eigenheiten vor.

La Respuesta de los Angeles, so lautet „Resis“ kompletter Name, wurde 2012 mein Pony. Ich kannte sie schon seit sie nach Deutschland gekommen ist und nach dem Tod von meinem Nachwuchspony Dimera (Diosas erster Tochter) zog Resi im Sommer bei mir ein. Sie ist und bleibt ein Projekt-Pferd. Eine „gute“ USA-Erziehung und eingefahrene Verhaltensmuster machen es nicht immer leicht mit ihr. Aber sie hat so einen tollen Charakter und in ganz langsamen Schritten taut sie auf und manchmal zeigt sie was für ein tolles Pferd sie sein könnte, wenn sie sich nicht selber so im Weg stehen würde. Der Spitzname „Drachenpony“ kam mit ihrer schicken zackigen Kurzhaar-Frisur. Der Name ist übrigens auch Programm! Irgendwann färbe ich die Zacken mal Feuerrot!

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Perfekter Drachenponymoment 2017 – Foto: Yvi Tschischka PS: Das perfekte Beispiel, was Fotos ausmachen können. Was wie eine fluffige Galopp-Pirouette aussieht, ist eigentlich der Beginn von einer Resi-Typischen-Hopps-Salve 🙂 Aber ich liebe das Foto!

 

15 Dinge über Resi:

♠ Das Drachenpony hat die Fähigkeit sich ganz langsam über das Paddock zu bewegen. Fast zeitlupenartig, wie Katzen, die sich unauffällig anschleichen. Wenn man sich dann wegdreht und kurz danach wieder hinguckt ist sie auf einmal weg. Ist es Zauberei?

♠ Das Drachenpony leidet extrem wenn sie geimpft wurde oder ein Weh-Wehchen hat – aber nur so lange jemand hinsieht.

 

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Schmusedrachenpony weil Bauchweh – 23.12.2017 – Foto: Yvi

♠ Das Drachenpony verteidigt ihr Essen inzwischen sehr vehement. Da wird sie echt zum Drachen!

♠ Das Drachenpony neigt dazu sehr barocke Formen auszubilden. Aber sie ist NICHT FETT!

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Sie ist NICHT FETT!!!! – 2012 – Foto: Yvi Tschischka

 

♠ Das Drachenpony bleibt auch alleine zuverlässig in irgendwelchen Boxen stehen. Sie liebt es eine eigene Box zu haben. Aber nur, wenn da auch was zu Essen drin ist.

♠ Das Drachenpony neigt zu komischen Pusteln, riesengroßen Hautschuppen, komischen Schubberstellen und seltsamen Schwellungen an ihrem Körper. Vor allem, wenn sie sich nicht genügend beachtet fühlt. 

♠ Das Drachenpony mag keinen ekeligen Winter-Regen. Aber das mögen alle drei Ponys nicht. Da bricht dann doch das Südländische Erbe durch.

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Wildes Drachenpony! – Foto: Anne Moorbrink 2017

♠ Das Drachenpony hasst Sattelgurte. Da wird sie zum Schni-Schna-Schnappi!

♠ Das Drachenpony hasst es, wenn man ihre Ohren anfasst. 

♠ Das Drachenpony reagiert sehr extrem, wenn man die Zügel annimmt und schneller reiten möchte. 

♠ Das Drachenpony hasst es wie die Pest, wenn man auf Ihr drauf sitzt und mit komischen Dingen hantiert. Da reicht auch manchmal schon, wenn man nur ein Blatt Papier auffaltet.

♠ Das Drachenpony hat Momente, an dem sie Kuscheln kommt und Tage, an dem sie einen mit Blicken tötet. Das kann minütlich wechseln. 

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Das Drachenpony ist skeptisch 2017 – Foto: privat

♠ Das Drachenpony steht Bombensicher wenn sie steht. Auch wenn sie gerade irgendwie explodiert ist und wie eine Gestörte durch die Gegend gehopst ist.

♠ Das Drachenpony wäre gut im Poker. Sie starrt einen an und man weiß einfach nicht was sie will.

♠ Das Drachenpony ist außerordentlich vorbildlich im Handling. Wenn man sie wo hin stellt, bleibt sie da auch stehen. Das prädestiniert sie als perfektes Foto-Pony. Nur das mit dem Ohren vor wird manchmal schwierig.

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Drachenpony in Entspannt Hünxe 2017 – Foto: Yvi Tschischka

Charakterstudien – Frau Sumpf?

August 2018:

Nachdem Ihr meine Ponys ja überwiegend durch Geschichten kennt oder auf Bildern seht – und Bilder sind ja immer Momentaufnahmen, die selten den Charakter eines Pferdes komplett beschreiben – dachte ich mir, ich stelle Euch einfach mal Stück für Stück meine Ponys und Ihre Eigenheiten vor.

Nummer Zwei in meiner lustigen Pony-Sammlung ist Diosa „Frau Sumpf“ – wobei sie natürlich glaubt, sie ist immer die Nummer Eins. Etwas Anderes kommt natürlich gar nicht in Frage. Das beschreibt auch schon mal sehr schön ihren Charakter. Sie ist die Königin schlechthin. Sie herrscht großzügig und lässt sich bedienen. Aber wenn man ihre Zustimmung erlangt hat, dann macht sie auch ganz viel, um einem zu gefallen. Diosa und ich sind seit 13 Jahren ein Team. Vor sechs Jahren benötigte ich dringend Unterstützung für Frau Sumpfs Größenwahn und seitdem ist auch Yvi ihre Betreuerin – äh … Sklavin meine ich natürlich.

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Diosa schläft auch sehr gerne – man darf ihr dabei huldigen. Das Foto stammt von 2010 – da waren wir beide noch jung! – Foto: privat

20 Harte Fakten über Diosa:

  • Diosa ist die unangefochtene Herrscherin über Ihre Herde. Sie beherrscht diese per Gedankenübertragung. Gewalt ist von ihr aus nur im Notfall nötig. Sie herrscht einfach. 
  • Diosa ist fähig andere Pferde für ihre Zwecke zu Manipulieren. Es ist erstaunlich. 

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Frau Sumpf 2012 bei der Erziehung Ihrer ersten Tochter – Man weiß nicht genau, was sie ihr da beibringen will. Aber man weiß ja wie sehr Kinder nerven können 🙂 – Foto: privat

  • Diosa ist eine Rampensau. Sie liebt es im Mittelpunkt zu stehen und sie fordert es auch ein!
  • Panik oder Angst in Menschenmengen? – Nicht mit Frau Sumpf. Sie weiß, wie man mit Huldigungen umzugehen hat.

Diosa Reken 2010, Foto U. Neddens
Diosa in Reken IDMG 2010, Foto U. Neddens

  • Diosa sieht man ihre Stimmung immer sehr deutlich in ihrem Gesicht an.
  • Diosa röhrt wie ein Hengst. Sie wurde schon mehrfach verwechselt. 
  • Diosa muss man davon überzeugen, dass es Ihre Idee war, dann tut sie Alles für einen.
  • Diosa ist ein sehr zuverlässiges Reitpferd, wenn man ein Handpferd dabei hat. Da wird nicht gedrängelt und überholt. Frau Sumpf regelt das schon. Natürlich ist sie auch ohne Handpferd ein zuverlässiges Pony!

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Ausritt zu dritt – die Rasselbande (Dimera, Diosa und Jacinto 2009) – Foto: privat – Übrigens an diesem Platz steht heute das Roundpen!

  • Diosa wälzt sich nicht nach dem Waschen, sie schubbert sich im 45° Winkel an der Wand entlang. Wahlweise an anderen Ponys. Aber keine Erde! 
  • Diosa schläft zur Not auch auf Betonflächen, nur um ihr Frühstück nicht zu verpassen! Prioritäten setzen ist Alles!
  • Wenn Diosa sehr kuschelig drauf ist, muss man genau nachsehen. Es könnte sein, dass sie dann Krank ist.
  • Diosa ist ein Clown. Sie liebt es ihre Kunststückchen vorzuführen, um Belohnungen abzustauben. 
  • Diosa lernt sehr gerne Kunststückchen – sie mag Bodenarbeit und Freiarbeit mit Yvi – das ist nämlich nicht so anstrengend wie „richtige“ Reitgymnastik oder anstrengende Dressurarbeit. Bäh!

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Diosa und Yvi Winter 2017/2018 – Foto: privat

  • Diosa hat eine Hängelippe, wenn sie sich wohl fühlt. 
  • Diosa ist ein perfektes Trailpony! Sie ist mutig, unerschrocken und schlappt auf alles Drauf! Teppich liebt sie. Die Wippe ebenso!

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Perfekter Schwerer Trail in Aegidienberg 2013 – Da sind Yvi und Diosa auch Deutscher Meister geworden! – Foto: privat

  • Diosa hatte bisher drei Fohlen. Eine dunkelbraune Stute, eine gescheckte Stute und ein fuchsfalbenes Goldprämien-Hengstfohlen. Sie vererbt also ihren Scheckung nicht dominant weiter.  Dafür aber deutlich ihren Charakter!

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Diosa und Diego – März 2018 – Foto: Annika M.

  • Diosa liebt es den Popo gekratzt zu bekommen. Man merkt sofort, wenn sie möchte, dass man das für sie tut. Auch wenn man ganz schwer von Begriff ist.

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Frau Sumpf hat in Hannover ein Opfer gefunden, dass ihr den Popo kratzt. – Foto: Yvi

  • Warum sie den Namen „Frau Sumpf“ hat, bleibt ein Geheimnis. Es hat jedenfalls nicht mit einer Affinität zu Matsch zu tun. Frau Sumpf ist nämlich eigentlich sehr reinlich.
  • Frau Sumpf liebt Bananen. Und ihre Kraftfutter-Portionen. Überhaupt liebt sie Essen!
  • Frau Sumpf kommentiert gerne Alles und Jeden. Sie ist sehr kommunikativ.

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Diosa im Februar 2017 – Ein Clown! – Foto: Yvi Tschischka

 

Sentimentalitäten?

11. Juni 2018:

Heute haben wir Sara und ihren Samurai zum Springturnier begleitet. Eigentlich sollte ich sie ja fahren, aber mein Auto musste unbedingt wieder einmal Drama-Queen spielen und den Hänger-Zug verweigern. Long Story, short: Montag sind wir in der Werkstatt.

Jedenfalls hat mich das Turnier an die Anfänge meiner Reiterlaufbahn erinnert und ich bin sentimental geworden. Kann auch sein, dass bei mir langsam altersbedingte Hormonschwankungen einsetzen, die für  pferdetechnische Flashbacks zuständig sind. Oder ich werde langsam dement. Wer weiß das schon. Auf jeden Fall zogen alle meine Pony- und Pferdelieben an meinem inneren Auge vorbei.

Meine erste große Pferdeliebe war ein Welsh A Pony. Ihr Name war „José“ und mit ihr habe ich die  Gegend durchstreift. Bei uns am Dorf gab es einen Mann der Welsh-Ponys hatte. Hier haben wir uns mit kleinen Arbeiten das Reiten verdient. Der Grundstock bestand aus Hof kehren. Kehren kann ich also. Und Misten. Was ich schon an Tonnen von Mist geschaufelt habe! Ein Fußballfeld voll reicht wahrscheinlich gar nicht mehr aus!

José – sie war ein richtiges Buschreiter-Pony! – Foto: gezwungene Mutter 🙂

Später kam dann offizieller Reitunterricht im nahegelegenen Reitverein dazu. Josés letztes Fohlen, ein kleiner Inzucht-Weideunfall, war dann meine erste spezielle Pony-Liebe. Sie war sehr scheu und ich hatte viel Zeit nur in ihrer Box sitzend verbracht, damit sie vertrauen zu mir bekam. „Johanna“ war ihr Name. Sie war auch das erste Pony, dass ich angeritten habe. Johanna war speziell, sie ging Pass. Also quasi mein erstes Gangpferd 🙂 Keine Ahnung, ob das damals komplette Verspannung bei diesem sensiblen, kleinen Pferdchen war, komplette Inzucht, oder ob sie tatsächlich eine Gangveranlagung hatte. Auf jeden Fall träumte ich davon, dass sie im Schuppen hinter unserem Haus einziehen durfte. Tat sie natürlich nicht. Es hieß immer: Wenn Du mal erwachsen bist und selber Geld verdienst, kannst Du Dir ein Pferd kaufen!

Johanna – Die Blässe sieht ein bisschen aus wie bei Diosa oder? – Foto: arme gezwungene Mutter – Wir sind übrigens immer mit relativ kurzen Bügeln geritten, damit die Leute nicht denken, wir seien zu groß für die Ponys 🙂

Jedenfalls wurde sie eines Tages samt ihres Halbbruder-Vaters einfach als Gespann verkauft und war weg. Mein erster großer Verlust. Das hat wahrscheinlich auch meine Einstellung zu Reitbeteiligungen geprägt. Mir wurden oft einfach die Ponys ohne Worte sprichwörtlich unter dem Sattel wegverkauft. Eine harte Schule. So wollte ich zu meinen Reitbeteiligungen nie sein. Von daher bin ich glaube ich eine ziemlich gute Wahl, falls man Reitbeteiligung bei mir sein möchte 🙂 #eigenlobstinktgarnicht

Aber eigentlich kam ich auf die Sentimental-Schiene, weil wir heute Sara begleitet haben. Das erinnerte mich an meine ersten FN Reitschul-Turniere und natürlich die geliebten Schulpferde von damals. Da gab es „Dojan“ ein brauner Holländer und ausgemustertes Springpferd.

Dojan – mein erstes FN-Turnier 1990 – ein Reiterwettbewerb – Foto: gezwungene, auf Turnier geschleppte Mutter

Später kam Bergfee. Bergfee war sehr speziell und sehr flott unterwegs. Wahrscheinlich hat sich da schon meine Liebe für leicht bekloppte Pferde gefestigt. Leider blieb sie nicht lange als Schulpferd. Aber mit ihr hatte ich meinen ersten Wanderritt und 1993 zwei Turnierstarts. Auf diesem Bild wurde ich sogar Erster. Aber ich habe keine Ahnung mehr, wie viele Teilnehmer da dabei waren. Der Pokal steht jedenfalls immer noch in meinem Bücherregal.

Bergfee – Hier baute sich meine Tendenz für spezielle Pferde aus (leider muss ich sagen, dass ich schon damals anscheinend gerne nach links unten gesehen habe …. das ist heute noch so) – Foto: leidende Mutter

Für Bergfee kam Napoleon – ein großer Brauner Wallach. Mit ihm war ich auf jeden Fall einmal bei einer Quadrille im Rahmen irgend welcher Casteller Festivitäten dabei. Das muss 1994 gewesen sein. Soweit ich mich erinnere war Napoleon ein Privat-Pferd, dass dem Reitverein zur Verfügung gestellt wurde. Aber mich interessierte immer das Außen-Herum nicht so sehr, ich war mehr auf die Ponys und Pferde fixiert und wohl eher in meiner eigenen Welt unterwegs.

Napoleon – Auf dem Bild bin ich übrigens schon süße 18 Jahre alt. – Foto: keine Ahnung mehr wer

Aber meine eigentliche große Pony-Liebe war „Charly“, ein Welsh-Reitpony, geboren 1994. Ihn habe ich von Fohlen-Zeit bis ins Reitalter begleitet. Wir hatten eine schöne Zeit, er war sehr temperamentvoll und wirklich eigentlich „mein“ Pony. Mein tiefster Wunsch war, dass er mir gehören sollte. Aber das wurde mir aus unerfindlichen Gründen verwehrt. Also trennte ich mich komplett schwermütigen Herzens von den Welsh-Ponys und rutschte so in die alleinige Welt der Gangpferde. Speziell der Paso Finos. Denn Jacinto trat in mein Leben 🙂

Charly als Fohlen – Foto: wahrscheinlich meine langjährige Reitfreundin Renate 🙂 Wir zwei waren die BFs vom Welsh-Pony-Stall

Aber eigentlich hatte ich mich an dieses Bild hier erinnert: „Goletta“ – im alten Reitverein Trautberg 1993 im Springreiter-Wettbewerb. Was war ich stolz wie Bolle, einen ganzen Parcours geschafft zu haben. Das war damals übrigens ein fünfter Platz. Im Reitverein haben wir auch die Sommerferien verbracht. Da hängen viele schöne Erinnerungen an meine Reiter-Kindheit – Nachtwanderungen, Ausritte, Pommes-Essen – Hach ja! (PS: Claudia! Weißt Du noch!? :-)) – manchmal ist das Leben doch ein Ponyhof!

Goletta – Schulpferd – Foto: meine geplagte Mutter wahrscheinlich …

Doch genug mit Sentimentalitäten – die Realität ist: seit 17 Jahren bin ich selber Pferdebesitzer und hänge mein Herz nur noch an Pferde, die mir selber gehören. Oder an Pferde, die von meinen eigenen Pferden stammen. Die letzten 17 Jahre waren fantastische Jahre! Nicht immer einfach, aber immer hatte ich dieses gelbe, leicht autistische Pony bei mir, was oft nicht richtig läuft, mir viele Sorgen macht(e) und auf dessen Rücken ich mich immer zu Hause fühle: Jacinto! Der mir hoffentlich noch ganz viele Jahre bleibt, weil was ich ohne ihn machen soll weiß ich ehrlich gesagt nicht.

 

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