Del Cavador

Ein Blindes Huhn findet auch mal ein Korn?

Rothsee Gangpferde-Hausturnier 2018

07. Juli 2018:

An diesem Wochenende haben wir das Nürnberger Umland unsicher gemacht. Yvi und ich sind zum Hausturnier der Saga-Reitschule Rothsee bei Allersberg gefahren. Nachdem wir schon letztes Jahr eingeladen waren und es terminlich nicht geklappt hat, waren wir dieses Jahr wenigstens mit Jacinto dabei. Das war ein guter Test mit dem gelben Pony, denn er war schon lange nicht mehr alleine unterwegs. Er war sehr entspannt, auch während der Fahrt. Von daher hat sich die Reise schon gelohnt. Aber es kam noch besser.

Die Saga Reitschule von Steffi Jöst und Andreas Weissert liegt sehr schön gelegen. Es gibt dort alles, was man sich wünscht: eine Reithalle mit putzig gestalteter Bahn-Kennzeichnung (dort gelernt hätte ich mir die ganzen Buchstaben gemerkt, so kann ich sie bis heute nicht richtig!), eine nicht zu große und nicht zu kleine Töltbahn mit integriertem Reitplatz und Roundpen und vor allem ein tolles Ausreitgelände drum herum (wurde kurz getestet zum Warmreiten).

Wir wurden herzlich empfangen und Jacinto bekam ein schönes Paddock mit gefüllter Heuraufe für sich alleine. Die Reitschule zeichnet sich aus durch lauter rundherum nette und freundliche Menschen, die wir kennen lernen durften. Natürlich hab ich Depp mir wieder keine Namen merken können – es wird langsam echt schlimm mit meinem Löcher-Gehirn! Es war ein sehr schönes, lockeres und freundschaftliches Turnier, bei strahlendem Sonnenschein. Wie schon letztes Wochenende haben wir Daniel Sewing als Sprecher genießen dürfen und Günter Schulz aus Aegidienberg war als Richter vor Ort. Günter trifft man irgendwie viel zu selten, dabei macht es richtig Spaß mit ihm zusammen zu sitzen – Ich mag seinen trockenen Humor 🙂

Auf jeden Fall hatten wir einen entspannten Tag. Jacinto habe ich im Trail Mittel, Rittigkeit mittel, der Versatility-Tölt und der Pleasure Gangprüfung genannt. Der Trail lief richtig gut – vor allem im Vergleich zum Wochenende vorher (siehe Post – dort kann man ihn als Filmchen ansehen). Yvi war nämlich dieses Mal „Privat“ mit dabei, sozusagen Kamera-Frei (deshalb gibt es auch fast keine Fotos).

In der Mittleren Rittigkeit habe ich ein Gebiss bei Jacinto getestet und weiß jetzt wieder, warum ich normal komplett ohne Gebiss reite. Er hasst es. Er verwirft sich sofort und reagiert in der Fremde total unwirsch auf Gebiss. Was zu Hause auf dem Reitplatz eigentlich ganz gut als Hilfe für eine bessere Haltung funktioniert artet in der „Fremde“ aus in Zähneklappern, Einrollen und Verwerfen im Hals. Gebisse und Jacinto geht anscheinend nicht. Aber ich konnte die Prüfung trotzdem einigermaßen vernünftig fertig reiten – zumindest von der Aufgabenstellung her – die Haltung wurde dann auch besser, als ich den Gebiss-Zügel quasi komplett weg gelassen hatte. Aber es hat mir wieder einmal gezeigt, was das Pony mag und was nicht.

Am Nachmittag, nach einer leckern Stärkung mit Grillkäse und diversen leckeren Salaten – und Kuchen! Kuchen muss sein! (… übrigens habe ich aus Versehen eine Tasse mitgehen lassen, die habe ich beim Ausräumen des Autos gefunden *hust* …) hatten wir dann noch zwei Gangprüfungen. Einmal die Versatility-Tölt (eine Prüfung, ähnlich unserer Horsemanship-Prüfung), wo nach einem Gang-Beurteilungs-Teil, ein Aufgabenteil folgt. Hier mit Tölt um Slalom-Pylonen, einem Stopp zwischen zwei Hütchen mit Rückwärtsrichten und wieder Antölten. Was leidlich gut geklappt hat nach dem Gebiss-Disaster.

Ein weiterer Versuch meinerseits war wieder einmal eine Prüfung mit Galopp zu nennen. Da hat sich die Pleasure Gangprüfung angeboten. Die war auch am lustigsten zu Reiten – ich hatte lauter nette und leicht angeschwippste Reitkolleginnen mit in der Bahn, weil wir nämlich vorher spontan ein Sektchen zusammen getrunken haben. Wir hatten sogar überlegt mit den Sektbechern in die Prüfung zu reiten …. so mag ich das 🙂 Spaß und lockeres Reiten! Mädels, die Prüfung hat echt Freude gemacht! Übrigens weiß ich jetzt auch, dass einhändig geritten wird … das war mir nicht mehr so präsent. Man sollte einfach vor der Nennung mal in die Prüfungsordnung sehen und nachlesen was da steht.

Sektchen vor der Prüfung – Mädels, Ihr seid die Besten! – Foto: Privat

Alle meine Mitreiter waren super nett und jeder hat sich für jeden gefreut. Ich bekam sogar Bahn-Tipps, wo die Bahn tiefer ist, damit ich als Fremdreiter keinen Nachteil habe. Total Lieb! Deshalb hat es mir sogar richtig leid getan, dass Jacinto so super abgeschnitten hat. Es war mir sogar etwas peinlich, als ich dann bei der Gesamtsiegerehrung auch noch Turniersieger geworden bin. Ich hätte auch nichts dagegen gehabt weiter hinten platziert zu werden, weil alle so nett waren und ich den Anderen die Siege gerne gegönnt hätte!

Nach der Siegerehrung haben wir Jacinto dann noch eine Extra-Portion Schlabber-Futter in seine Heuraufe gestellt, dass er sich noch ein bisschen entspannen konnte und haben noch geholfen die Salate und die Getränke aufzuessen/leer zu trinken und noch ein bisschen beisammen gesessen. Wirklich ein richtig schöner Tag bei Euch in Rothsee! Wir kommen gerne wieder! Aber hoffentlich nächstes Mal mit ein paar mehr Fremd-Reitern! Los Leute! Auf nach Rothsee!!!!

 

Angeberische Turnier-Start-Dokumentation (diesmal tatsächlich voll angeberisch):

Jacinto im: Trail Mittel (4) – 2. Platz
Mittlere Rittigkeit (5) – 2. Platz
Versatility Tölt (3) – 1. Platz
Pleasure Gangprüfung (5) – 1. Platz
Und somit auch noch Gesamtsieger des Turniers … das hat meine nicht wirklich vorhandene Pokal-Sammlung schlagartig ganz schön aufgestockt! Vielen Dank! 

Allerlei in Allersberg?

07. Juli 2018:

Heute möchte ich einmal etwas Neues ausprobieren. Wir waren gestern beim Hausturnier der Saga-Reitschule in Rothsee (bei Nürnberg) und hatten dort eine gute Zeit und sehr viel Spaß. Nachdem Frau Sumpf noch in Mutterschaftsurlaub ist haben wir nur Jacinto mitgenommen, was eine sehr gute Übung für ihn war, einmal wieder ganz alleine irgendwo hin zu fahren. Das hat er prima gemacht. Er war komplett entspannt und hat sich den ganzen Tag lang nicht wirklich aufgeregt. Von daher: Super – die Fahrt hat sich damit schon gelohnt.

Nachdem Yvi nicht geritten ist, war sie so nett und hat uns gefilmt. Das ist immer spannend sich selber reiten zu sehen. Während der Prüfung kommen einem nämlich Dinge meist viel Schlimmer vor, oder man denkt: „Wow, was für ein Fehler!“ und wenn man sich dann hinter her auf dem Video sieht, ist es meistens gar nicht so schlimm, wie man selber gedacht und empfunden hat.

Von daher möchte ich Euch heute den kompletten Trail ungeschnitten zeigen und sozusagen „nachbesprechen“. Ich war sehr zufrieden mit Jacinto, er war durchweg entspannt, kooperativ, hat abgewartet was ich von ihm möchte, wenig vorweg genommen und hat sich „führen“ lassen. Für Außenstehende wirkt es vielleicht noch hektisch, aber wir reden hier immer hin von einem Paso Fino, der sofort an Flucht denkt, wenn ihm etwas nicht passt.

https://youbu.be/8NhOvyNUEFU

Also starten wir! PS: erschwerte Start-Bedingungen, durch Sprecher, die abgelenkt sind, weil alle Zettel weggeflogen sind 🙂 Erstes Hindernis: Regenschirm aufnehmen, aufspannen, mit aufgespanntem Schirm eine Acht reiten, Ding wieder zusammenfalten und aufräumen und weiter tölten zum Dressurviereck. Man sieht genau, dass Jacinto leicht nervös ist, er hat nicht wirklich Bock da stehen zu bleiben. Er macht seinen „verkniffenen“ Gesichtsausdruck. Die Sprungständer und die Situation sind ihm nicht geheuer. Aber er lässt sich überreden aufzupassen und macht mit. Zwar deutlich angespannt, aber er hört zu und fügt sich, was ich grandios finde. Das Aufspannen des Schirmes ist dafür kein Problem. Seltsamer Weise stört ihn sowas meist überhaupt nicht. Das Hingehen an Sachen die herum stehen ist mehr Problem für ihn. Weitertölten ist das nicht, es ist eher ein katastrophales Weiterhumpeln, aber er läuft sich ein und an der kurzen Seite wirkt es ganz ordentlich.

Zweites Hindernis: Sprung – flüssig, elegant, souverän, da macht ihm keiner was vor! Fettes Eigenlob!

Drittes Hindernis: Brücke, mit Stehenbleiben und eigentlich Hütchen versetzen: Öhm. Ja. Hinreiten geht, anschauen auch, aber drüber gehen ist ihm zu gruselig. Wobei er als Fino eigentlich über Bretter schweben müsste. Macht er aber nicht. Ich merke das meist schon vorher, ob das etwas wird oder nicht. Er darf dann drüber nachdenken, was man sehr schön sieht, auch am Abschnauben vor dem Hindernis. Ich frage dann einfach mit dem Schenkel an, lasse die Zügel relativ lang (meist sind die Hände zu hoch … da muss ich dran arbeiten), aber wenn er sich dann gehen traut Prima, wenn nicht, mache ich da kein Drama draus. Dann üben wir so etwas zu Hause in aller Ruhe. Ich werde ihn nicht auf einem Turnier über irgend etwas drüber zwingen. Das macht keinen Sinn. Und wenn er etwas nicht möchte, macht er es nicht. Wir sind dann übrigens nach der Prüfung noch einmal zu Fuß über die „Brücke“ drüber, das hat sofort geklappt. Von daher: Super. Engstellen üben ist somit auf der To-Do-Liste.

Vierte Hindernis: Stangenlabyrinth: Da wollte er doch glatt erst mal angegruselt vor stehen bleiben. Nach kurzem Gucken und einem aufmunternden: „Also Zwerg, jetzt mach mal hinne, das kannst Du ja wohl!“ hat er sich durch getraut. Zwar etwas flott, aber doch aufmerksam und kontrollierbar. Er neigt ja dazu in Stangen-Parcours die Panik zu bekommen und anstatt auf mich zu hören und sich führen zu lassen lieber alles zu zerstören und möglichst schnell aus dieser für ihn unangenehmen Situation wieder raus zu kommen. Wenn er dann neben dem zerstörten Hindernis steht, ist alles wieder gut. Dieses Mal ist alles stehen geblieben und vor allem hat er aufgepasst. 100 Punkte von mir an ihn!

Fünftes Hindernis: Vorhandwendung im „Dreieck“: Eigentlich super gelaufen. Er hat vielleicht etwas viel Schwung gehabt, weil wir die eine Stange angestoßen haben, aber letztendlich: Super!

Sechstes Hindernis: Stangen-L-Sackgasse, vorwärts rein, rückwärts wieder raus. Nachdem wir letztes Wochenende erst ein Stangen-L komplett zerstört hatten, war ich von diesem hier regelrecht begeistert. Er wartet sehr schön in der Sackgasse, wackelt mit den Ohren, dreht den Kopf links und recht, als ob er sagen wollen würde: „Hey! Mir dauert das zu lange, sag was!!!“, wartet aber brav auf ein Kommando, was ich sehr kooperativ finde und mich sehr begeistert. Beim Rückwärts dann haben wir nur ein Tritt gegen die „Stange“, weil er da etwas viel vorweg genommen hat, und übereifrig war, anstatt sich Schritt für Schritt leiten zu lassen, aber hey, durchaus ok!

Siebtes Hindernis: Wippe. In der Mitte stehen bleiben. Muah! Hätte mich stark gewundert, wenn er da drüber gegangen wäre! Macht er ja selbst zu Hause nicht. Alles was sich unter seinen Füßen komisch anfühlt oder bewegt ist ihm komplett suspekt und er will so schnell wie möglich da drunter. Sieht oft spektakulär aus, aber muss auf Turnier nicht provoziert werden. Das müssen wir in aller Ruhe mal üben. Und zwar im Winter, wenn wir ganz viel Zeit haben und nicht auf irgend einen Fino-Strip reiten müssen. Dann beschäftigen wir uns mal mit der Wippe. Von daher habe ich mir selber einen Anreite-Versuch gegeben und bin dann weiter. Ich möchte ja, dass er Trails in positiver Erinnerung behält und nicht als den Ort, an dem er gegen seinen Willen zu etwas gezwungen wird.

Achtes Hindernis: Seitwärts an den Pylonen auf der Bahn. Sehr schön gemacht. Obwohl er ein bisschen noch auf Flucht-Modus von der Wippe ist. Wir haben seitwärts Schritte nach beiden Seiten, zwar etwas flott, aber immerhin kooperativ. Er passt sehr gut auf, leicht wiederwillig (Ohren hinten), und Zähneklappernd, aber immerhin.

Die Wege zwischen den Hindernissen fand ich auch sehr schön gelungen. Für die Harmonie und Horsemanship haben wir eine 7,5 bekommen. Insgesamt eine 5,7. Das hat zum zweiten Platz von drei Starten gereicht, obwohl wir zwei Hindernisse aus gelassen haben. Aber ich mag Jacintos Entwicklung in den Trail-Prüfungen. Er wird über die Jahre hinweg kontinuierlich besser und immer aufmerksamer mir gegenüber. Von daher kann jeder Denken was er will, wenn er unser herum gereite sieht, ich selber war ziemlich stolz auf Jacinto in diesem Trail. Ich erinnere mich noch mit Grauen an unseren aller ersten Trail Start zurück. Da sind wir in den Parcours rein geritten und Jacinto hat einen Deko-Vogel vor der Plastikfolie stehen sehen und DAMIT war die Prüfung vorbei. Komplettes Black-Out bei ihm. Wenn man das im Hinterkopf hat, war dieser Parcours quasi schon Olympisches Gold 🙂

Wie findet Ihr diese Art „Besprechung“? Soll ich das wieder einmal machen? Oder ist das zu langweilig?

PS: Danke Yvi fürs Filmen und natürlich fürs Mitkommen! 🙂

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