Del Cavador

Drachenpony-Update?

01. August 2017:

 

Zeit für ein kleines Drachenpony-Update. Momentan haben wir ziemlich viel „Spaß“ mit den verschiedensten Trail-Hindernissen. Nach dem letzten Kurs mit John Palaez im April habe ich zusätzlich zu den Tipps, die ich dort bekam, angefangen Frau Resi mit abwechslungsreichen Dingen abzulenken. Neben kurzen Reprisen „schnelleres“ Tempo auf nicht zu großen Zirkeln/Volten baue ich immer wieder Trailaufgaben ein. Das kann sein seitwärts über eine Stange. Hinreiten an ein Tor. Die Wippe. Pylonen. Teppich am Boden. Reiten mit einer Gardinen-Garrocha. Da muss das Drachenpony nachdenken und wird abgelenkt. Gut, wir üben auch für das Turnier in Hünxe, da muss Resi nämlich mit. Damit sie raus kommt und in „Reise-Routine“ bleibt.  Aber letztendlich habe ich festgestellt, dass sie Dinge gerne voraus nimmt und dann Gangsalat und Hopsereien und Abläufe einbaut, anstatt aufzupassen, was ich eigentlich gerade von ihr will. Sie zieht ihr Ding durch, ohne Rücksicht auf Verluste.

Problem zwei ist, dass sie so ziemlich alles nach dem Motto: „Augen zu und durch“ angeht. Also wirklich alles. Von daher hilft ihr das langsame erarbeiten von Aufgaben auch etwas, um vielleicht einmal eine Idee davon zu bekommen, dass nicht das Erledigen der Aufgabe Ziel ist, sondern der Weg. Schritt für Schritt. Oft sieht das sehr hektisch und nervös aus. Und oft ersteckt sich diese Idee auch von zwei, drei langsamen Schritten am Anfang und dann wird weiter gehechtet, als ob der Teufel hinter ihr her ist. Was Frau Resi schon für Flitze-Abgänge von der Wippe gemacht hat darf man gar nicht zeigen. Aber ich rechne ihr hoch an, dass sie immer doch an jedes Hindernis heran geht. Zwar pustend und skeptisch, aber ganz oft ist sie doch unter der nervösen Fassade sehr neugierig und mutig. Man muss sie nur lassen. Oder zwischendurch vor sich selber retten. Und sie braucht wie Jacinto auch zwischendurch die Möglichkeit die angestaute Energie einfach durch schnelleres Tempo heraus zu lassen. Da reicht schon eine schnelle Volte oder eine halbe Runde schneller, dann geht es wieder. Dann wird wieder das Hindernis angegangen und man kommt einen „langsamen“ Schritt weiter. Irgendwann summiert sich das dann zu einem ganzen „langsamen“ Hindernis.

Gut, jetzt stellt sich die Frage: Muss ich das Pony überhaupt reiten? Wozu tue ich mir das immer wieder an? Insgeheim glaube ich schon, dass sie gerne arbeitet. Sie findet Lob nämlich auch ganz toll. Aber Lob gibt es nur, wenn sie nichts vorneweg nimmt und aufpasst. Frau Drachenpony ist ein Adrenalin-Junkie. Sie wird innerhalb von 0,01 Sekunden zum Tornado. Entspannen ist da schwierig. Aber mit der Zeit haben wir immer mehr Phasen, wo sie sich vom Wirbelsturm wieder zurück zum Schlapp-Schlurch-Pony holen lässt. Wir machen klitze-kleine Fortschritte. In den letzten Monaten hat sie keine unerklärlichen Aussetzer mehr im Gelände gehabt. Wir hatten sogar manchmal 50 Meter „schneller“ und dann wieder Schritt. Am Platz gibt es momentan nur noch kleine Aussetzer und keine kompletten Hirnabschaltungen mehr.

Ich konfrontiere sie mit ziemlich vielen Dingen, die sie gruselig findet, aber das hilft ihr (und mir bestimmt auch) weg von erlernten Mustern beim Antraben/Antölten zu kommen. Wenn sie sich nämlich auf gruselige Dinge konzentriert, dann klappt das mit dem „zweiten“ Gang oft ganz natürlich. Vielleicht bauen sich ja so Brücken in ihrem Gehirn, dass die „zweite“ Gangart doch nicht so schlimm ist. Gut, es macht ihr auch Stress sich mit „neuen“ Dingen zu beschäftigen, aber das Risiko gehe ich ein. Je mehr sie kennen lernt, desto weniger Stress hat sie auch.

Ich habe mir reiflich überlegt, ob ich ein Filmchen von ihr geritten zeigen soll. Schließlich sieht es schon sehr komisch für Otto-Normal-Reiter aus. Mir ist es aber letztendlich total Wurst, ob da irgend welche Menschen (die weder mich noch meine Pferde in Echt kennen) meinen, das wäre irgendwie schlecht oder falsch. Frau Resi ist speziell. Und wenn wer glaubt es besser zu können: der darf gerne Kontakt mit mir aufnehmen. Motto: Da sind die Zügel – ich halte die Kamera: los gehts. Aber ich checke, ob derjenige eine Haft- und Unfallversicherung hat. 🙂

Ich zeige zwei Filmchen, in denen man bestimmt eine Menge auszusetzen weiß, aber in denen man auch schöne Sequenzen von Frau Resi sieht. Und im Trail-Film sieht man sie sogar am ganz langen Zügel eine komplette Runde schön laufen und durchparieren. Und das sind so die Momente, in denen ich glaube ich sitze auf einem komplett anderen Pferd. Und so süchtig Resi nach den Adrenalin-Momenten ist, so süchtig bin ich nach den entspannten Resi-Momenten. Vielleicht gibt es ja doch irgendwann noch eine Angleichung an unsere jeweiligen Wünsche? Das wäre doch schön. Und so lange reite ich das Drachenpony weiter.

 

 

 

Move ya … dadadada … move ya?

18. Januar 2017:

Leute, Ihr dürft heute einen weiteren Beitrag über das Klickertraining mit Anja ertragen 🙂 Das Drachenpony hat nämlich kapiert, dass es auch laufen kann und das freiwillig. Also nicht immer, aber immer öfter. Ein großer Schritt. Von daher haben wir jetzt unser Programm von langweilig rumstehen, bis das Drachenpony sich bewegt, auf rumstehen und warten bis das Drachenpony mitläuft und dann stehen bleibt, erweitert. Total langweilig, aber ich finde es toll, dass sie mitkommt. Insgesamt ist Klickern immer noch total spannend. Ich habe auch nicht wirklich einen Plan, ob man das so macht, aber „learning by doing“ mit anschließender Reflexion ist bestimmt nicht verkehrt. Und Zeit mit den Ponys zu verbringen ist immer gut. Auch wenn man nur dämlich rumsteht und sich dabei kalte Füße holt.

Was ich auf jeden Fall bemerkt habe ist, wenn man sich filmt und das dann ein paar Tage später noch einmal sichtet, auf jeden Fall immer „Fehler“ entdeckt und Sachen, die man verbessern könnte. Und wenn das „nur“ im Klick-Futter-Rhythmus ist, oder in dem Zeitraum in dem man etwas koordinieren muss. Von daher sind die Filme auch eine gute Dokumentation für mich selber. Auch wenn nichts Spektakuläres passiert. Aber mal ehrlich, Pferdetraining ist die meiste Zeit ziemlich langweilig. Noch nie ist ein Meister vom Himmel gefallen. Gutes Lernen braucht Zeit und Wiederholungen. Und das ist und bleibt einfach langweilig. Oder eben auch super spannend. Je nachdem auf was man achtet.

Jedenfalls habe ich mich gefreut wie ein Schnitzel im brutzelndem Bratfett, als Resi das erste Mal mitgelaufen ist. Daran arbeiten wir jetzt in der nächsten Zeit. Weil das wird auch wieder viel Zeit brauchen …

Dafür hat sich heute spontan mit Jacinto etwas getan. Ich habe noch einmal mit ihm Target-Training probiert und dabei ein wichtiges Detail verändert: den Anreiz. Sprich größere und andere Leckerlis. Und siehe da – das Pony hat es doch kapiert, ihm hat nur der Anreiz gefehlt! Heute hat er vorbildlich mitgemacht, fast ein bisschen zu dreist. Wir mussten auch gleich an der Höflichkeit arbeiten. Aber Jacinto hat nicht das geringste Problem ans Target hin zu laufen. Ich bin gespannt, wie er sich jetzt weiter entwickelt. Die „guten“ großen Leckerlis schaden ihm nicht wirklich, weil er momentan ruhig ein bisschen mehr Speck auf die Rippen bekommen könnte. Von daher habe ich wieder etwas gelernt. Anreiz ist ein großes Instrument. Und auch das finde ich spannend. Man ist gezwungen viele Dinge neu zu überdenken. Und umdenken ist immer gut, es erweitert den Horizont.

Die letzten Tage vor dem Heißbärenritt sind wir jetzt allerdings mit Vorbereitungen und den letzten Details beschäftigt. Unter anderem haben wir für den Trail am Samstag mit Diosa ein neues „Objekt“ getestet – davon berichte ich aber jetzt noch nicht, wir wollen ja nicht „Spoilern“, was die Heißbären-Aufgaben angeht! Aber es wird auf jeden Fall lustig!

 

 

Klickertraining mit Anja?

12. Januar 2017:

Klickertraining mit Anja Anfang Januar – (Teil 2)

Leute seid gewarnt: Es wird jetzt hier wieder hart und ganz unspektakulär geklickert. Allerdings nur mit „Anja“. Jacinto hat sich gerade so ein bisschen ausgeklinkt, ich versuche zwischendurch immer mal wieder die Bindung Jacinto-Klicker-Nase-Target zu finden, aber so insgesamt läuft das noch nicht annähernd rund. Vielleicht mag er auch einfach die Leckerlies nicht. Man weiß es nicht. Wenn ich mit dem Klicker-Zeug ankomme guckt er wie ein Zug ohne Licht im Tunnel bei Nebel. Ich warte auf den Tag, an dem er das „Tuten“ anfängt. Darum sammle ich lieber erst noch ein bisschen Erfahrung mit dem Drachenpony und lasse es mit Jacinto momentan gaaaaanz langsam angehen.

Dafür hat sich beim Drachenpony einiges gelöst. Das Drachenpony macht jetzt die Berührung Nase-Target (inzwischen auch meine Hand, nicht nur die grüne Fliegenklatsche) zuverlässig in alle Richtungen und von allen Seiten im Stehen mit. Nach oben mag sie nicht so gerne, aber dafür gut auch nach unten. Hals nach unten ist auch so ein Ding, was sie eigentlich nicht mag. Resi mag viele Dinge NICHT. Anfassen lassen zum Beispiel. Sie bietet „anfassen lassen“ an (aber grundsätzlich nur frei im Auslauf, wenn sie selber zu einem her kommt), aber immer mag sie es nicht. Streicheln gehört auch nicht zu ihren Favoriten. Igitt! Kuscheln nur ganz selten. Sie ist echt speziell. Und das macht sie aber auch so charmant. Wenn sie dann nämlich aus ihrer Welt auftaucht und Interesse zeigt, dann ist sie so dermaßen putzig, dass man ihr alles nachsieht.

Nach einer gefühlt ewigen Zeit Klickern mit „Touch“ ohne Bewegung sind wir jetzt einen Schritt weiter. „Touch“ geht jetzt auch mit Hinlaufen. Auf diesen Schritt bin ich ziemlich stolz, weil gerade das Bewegen für das Drachenpony ein schier unüberwindbares Hindernis war. Sie hat so furchtbar lange überlegt und gezögert diesen Schritt zu machen, da hätte man ganze Eier hart kochen können in der Zwischenzeit. Ach, was soll ich sagen, ganze Hühner sind in der Zeit erwachsen geworden und haben selber Eier gelegt! Aber letztendlich hat sie sich getraut und inzwischen klappt es auch zuverlässiger und schneller.

In dem heutigen Filmchen sieht man sehr schön wie lange sie nachdenkt und wie sparsam sie sich insgesamt bewegt. Resi bewegt sich sowieso nicht schnell. Also am Boden ohne Reiter. Das sind alles äußerst konzentrierte Bewegungen, da wird jeder Schritt abgeschätzt und die Körperhaltung verändert sich auch nicht wirklich. So läuft sie aber auch frei im Paddock Trail. Das Pony ist ein bisschen anders.

Resi funktioniert glaube ich so: Sie erkennt: „Ah… die Alte will was von mir.“ – Das erkennt man an gespitzten Ohren und dem Blick auf den Gegenstand. Dann rattert das Resi-Gedankenprogramm los. Eine endlose Liste an Pro und Contra läuft in ihrem Gehirn auf und ab – oder was auch immer da in ihr drin passiert. Dabei erstarrt sie zu einer Salzsäule. Vielleicht nimmt sie auch Kontakt zu Außerirdischen auf und fragt die um Rat. Man weiß es wirklich nicht. Wenn der Denkprozess fertig ist guckt sie so, als ob sie unbeteiligt daneben stehen würde, zuckt mit einem Gliedmaß und wenn dann keine Schimpfe kommt, traut sie sich endlich einen Schritt nach vorne zu machen. Manchmal erkennt man davor noch ein Kauen oder Schlecken. Aber das nur bei ganz harten Denkprozessen.

Von daher bin ich super stolz auf das Pony, dass es sich endlich traut diese Entscheidungen auszuführen. Und ich habe kein Problem mich auf ihr Tempo einzulassen. Das entschleunigt mich auch ein bisschen. Wir Fino-Reiter sind ja immer so hektisch. Bis Anja mir mal im Trab oder Galopp hinterher springt und wendig und energetisch rumspackt dürften noch Jahrzehnte vergehen. Aber Frauchen wird auch nicht jünger und kann daher gut mit konzentriert-bedachten Bewegungen leben 🙂 Ich sehe uns schon zusammen Freiarbeit machen …. ich mit Rollator und Sauerstoffflasche und Resi mit grauen Haaren und Hängebauch.

Vielleicht ist irgendwo in Resis Urahnen auch ein Faultier mit drin. Man weiß es nicht.

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