Del Cavador

By-By-Schu-Schu-ki?

23. Juli 2016:

Die Schu-Schu-ki-Saga geht in die dritte Runde. Lustig ist, dass ich in letzter Zeit immer mal wieder anfeuernde Mitteilungen bekommen habe, wenn wir im Schu-Schu-ki auf der Straße gesichtet wurden – das hat Spaß gemacht! Aber jetzt genießt erst mal den dritten Teil des Dramas:

 

Der Schu-Schu-ki und ich haben Frieden geschlossen. Nach dem letzten Werkstattbesuch war meine Auto-Welt wieder in Ordnung. Die Werkstatt hat einen erklärbaren Grund für den ganzen Ruß gefunden und dieser wurde behoben. Wir reden übrigens von einem fünf cm langem Riss im Turbo-Zulade-Dingens-Schlauch, wohl nicht sofort sichtbar. Kann ja mal sein, das so was über einen längeren Zeitraum den Rußpartikelfilter zum kompletten Verschluss und zum Bilden von stalagmitenartigen, hübsch anzuschauenden Formationen um den Filter herum bringt und nebenbei Prüfsonden zum kompletten verschmoren. Was weiß ich schon, ich bin ja nur eine blonde Frau in der Welt des Werkstatt-Slang. Da ist man froh, wenn man den Kern des Problems überhaupt umreißen kann.

Seitdem gibt der Schu-Schu-ki keine komischen Geräusche mehr von sich und vor allem kein reduzieren der Motor-Leistung aus heiterem Himmel. Und auch nicht dieses orangene Warnlämpchen, welches eigentlich aussieht, wie ein hämisch grinsendes Gesicht, in das man sofort ganz feste hineinschlagen möchte. Frieden.
Nach ausführlicher „Probefahrt“ – 200 km Autobahn just vor fun aber trotzdem nervenzerreißend – war ich so weit dem Schu-Schu-ki wieder einen vollen Pferdehänger anzuvertrauen. Die dringend anstehenden Hängerfahrten hat der Schu-Schu-ki auch bravourös gemeistert. Ebenfalls diese unmenschlichen Temperaturen mit 37° in Hünfeld. Alles Super. Frieden. Ich begann mich zu entspannen.

Komplett entspannt bin ich also letzten Samstag zur Arbeit gefahren. Ich stehe an der Ampel und in meinem Blickfeld geht ein oranges Licht auf. Es grinst mich an. Es verhöhnt mich regelrecht. Ich starre auf meine Anzeige. Blinzle. Schaue nach oben. Blinzle noch einmal. Schaue zurück. Es ist immer noch da. Diese fröhliche Fehleranzeige. Ich Blinzle. Starre nach draußen. Das kann doch nicht sein. Kurzfristig überlege ich, ob ich nicht Gas geben soll und den Schu-Schu-ki einfach gegen die Ampel knallen soll, damit Ruhe ist. Entscheide mich aber zu Blinzeln und die Übelkeit in meinem Bauch zu ignorieren. Ich bin dann erst mal weiter zur Arbeit gefahren. So zusätzliches Geld kann ich wohl jetzt grade gut gebrauchen.

Um mich nicht lange mit Montagmorgenverkehr, Telefonaten mit Werkstatt-Angestellten oder mürrischen Meistern aufzuhalten, stellte ich das reduziert laufende Auto-Monster Sonntags einfach mahnend vor der Werkstatttür ab. Schluss mit Lustig. Es folgten Tage des Hoffen und Bangen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer in mir wollte einfach glauben: „Da ist bestimmt nur ein Marderschaden drin. Das wäre doch toll.“ Doch tief in meinem Kopf wusste ich wohl: „Der Karre kannst Du nie wieder vertrauen“. Was passiert, wenn ich wieder mit Pferdehänger unterwegs bin und das grinsende Licht leuchtet auf und reduziert den Motor? Will mich dieses Auto langsam zermürben? Nie wieder stressfreies Wegfahren? Nie wieder Kasseler Berge im strömenden Regen? Immer schauen, wo ist die nächste Werkstatt (auch wenn die sowieso nichts machen können)? Auf Deutsch: Das Vertrauen war weg. Komplett. Es ist in sich zusammengefallen wie ein Kartenspielhaus beim Hauch der Andeutung einer Zugluft.

Meine beiden Werkstätten telefonierten hin und her, es wurden sogar die Hersteller der Ersatzteile mit einbezogen. Ich verfolgte das Ganze mit einer gewissen gedämpften Stimmung. Ich möchte sogar sagen Hoffnungslosigkeit. Tief im Innern ahnte ich wohl: ich besitze ein graues Auto, mit dem ich nicht mehr das anfangen kann, was ich brauche. Also auf Deutsch: Ich bin aufgeschmissen.

Die Bestätigung kam Mittwoch. Es wurde mir die Nachricht überbracht: „Er läuft wieder!“ Kurzfristig war ich glücklich. Aber keine Bange, das dauerte ungefähr 5 Millisekunden an und hat sich sofort wieder komplett verflüchtigt, als der Mann mit dem nächsten Satz begann: „Ich musste letztendlich gar nichts machen. Da ist ein zweites Lämpchen angegangen und dann beim Fahren und blablabla … kurz und gut: Es kommt und geht wann es lustig ist“. Ich musste hart lachen. Dieses Jahr will mich echt verarschen. Eigentlich Respekt an den Schu-Schu-ki. Er hat es geschafft zwei Werkstätten komplett zu verarschen. Drama-Queen passt da echt gut. Er sollte als Mahnmal auf ein Podest gestellt werden und jungen Automechaniker-Lehrlingen die Furcht lehren. Sehet, da ist ein Mahnmal – Technikfehler in der Selbstschleife. Es wird halt nichts mehr für die Ewigkeit gebaut.

Was soll ich sagen. Es muss ein neues Zugfahrzeug her. Nach schlaflosen Nächten, in denen ich einen teuflischen Bankraubplan ersann und nebenbei noch nach geeigneten Ersatzkandidaten zum Thema Zugmaschine googelte, war ich geläutert. Der Schu-Schu-ki und ich gehen ab sofort getrennte Wege. Mein Unvernunftsgen machte sich kurz bemerkbar, als ich einen Termin zur Probefahrt mit dem nagelneuen Fiat Fullback vereinbarte. Ein schwarzer diesel-schnurrender, kraftprotzender, feuchter Pickup-Traum, der total unvernünftig gewesen wäre, aber dafür echt was fürs Ego. Vorsichtshalber habe ich die anderen Pickup-Kandidaten nicht mehr angetestet und mich für tatsächlich in Frage kommende Autos interessiert. So welche, mit denen man auch noch in Parkhäuser rein kommt, ohne das Parkaus niederzuwalzen. Also weniger lang und weniger teuer. Auch in der Steuer. Sorry, dieser Reim musste jetzt sein.

Donnerstag: per Zufall in Form von Johannes entdecke ich, dass es in meiner Heimatstadt einen Ford Händler gibt. Es ist doch immer gut, wenn man sich zu Hause gut auskennt. Ich fahre spontan nach der Arbeit hin um mich über den Kuga zu informieren. Der darf nämlich noch einen Pferdehänger ziehen. Nur zur Information, selbst wenn ich mein Herz an Suzuki verloren hätte, hätte ich Pech gehabt. Das Nachfolgemodel vom Grand Vitara darf nämlich nur noch 1700-1800 kg ziehen. Damit ist es raus. Unter anderem. Der Werkstattmann besteht drauf, dass ich den Kuga über Nacht mit zum Probefahren nehme. Gerissener alter Fuchs. Der Schu-Schu-ki bleibt alleine auf dem Parkplatz stehen. Und es tut mir nicht leid.

Freitag: Der gerissene Fuchs hat recht gehabt. Man gewöhnt sich sehr schnell an einen Automatik. Das Auto hat alles, was ich brauche. Frauen legen da ja Wert auf Sitzheizung (ja auch bei 32°C im Schatten), Becherhalter und Anhängerkupplung. Technikkram und Extragedöns sind für uns nur unwesentliche Zugaben. Ich kaufe das Auto. Dank des Banküberfalles bin ich ja gerade flüssig. Der Schu-Schu-ki begleitet mich jetzt noch ein paar Tage, bis das neue Auto fertig ist. Ich habe still einen Status-Quo mit ihm ausgehandelt. Er leuchtet nicht und ich ziehe keinen Pferdehänger. Hoffentlich funktioniert es. Und wisst Ihr was? Das neue Auto wird wieder einen richtigen Namen bekommen. Ich nenne ihn einfach „Harrison“.*

* Entschuldigt bitte auch diesen flachen Witz. Aber ich glaube, der ist tatsächlich so schlecht, dass es schon wieder gut ist. Ich werde dann mal weiter berichten, was ich mit der Technik in „Harrison“ so alles erlebe.

Auf den Hund gekommen - Foto: privat
Statt auf einen grünen Zweig auf den Hund gekommen … der Schu-Schu-ki und ich – Foto: privat

Blöder Schu-Schu-ki!?

15. Juni 2016:

Ein weiterer Teil der Auto-Story … lehnt Euch zurück, genießt das Leid und lacht Euch scheckig:

 

Der Schu-Schu-ki streikt immer noch. Seit der Düsseldorf-Reise verbringt dieses Auto mehr Zeit in der Werkstatt oder mit faul herum stehen als es mir gut tut. Der Elektronikfehler ist ziemlich hartnäckig. Das neu eingebaute Teil und die dazugehörigen Sonden will der Schu-Schu-ki einfach nicht als neu erkennen. Er beharrt auf seinen Elektronikfehler. Sturer Bock. Zwischendurch täuscht er immer wieder freies Fahren an und wenn ich mich freue: Zack – Elektronikfehler. Motorleistung reduziert.

Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen, dieses Auto verarscht mich gnadenlos. Wenn ich eine Waffe besitzen würde, hätte der Suzuki schon längst im Affekt ein ganzes Magazin in die Motorhaube geballert bekommen. Für die Bearbeitung mit einer Axt bin ich zu schwach. Ich krieg die Axt nicht so weit angehoben. Diese Option fällt also aus. Abbrennen wäre auch eine Möglichkeit gewesen, aber der Rußgeruch geht immer so schlecht aus den Haaren heraus. Fällt also auch flach. Eine Motorsäge wäre auch eine Option, wirkt aber nur cool, wenn man die selber anmachen kann und dann brutal funkensprühend rein rammt. Ich scheitere bereits am Anzugmechanismus der Motorsäge. Also lassen wir das. Einen Bohrer kann ich anmachen. Wirkt aber nicht so brutal, wenn ich die Motorhaube mit dem Bohrer bearbeite. Hinterlässt auch keine großen Wunden. Also bleibt mir immer nur der Anruf bei meinem Automechaniker des Vertrauens.

Telefongespräche mit meiner Heimat-Werkstatt laufen inzwischen so ab:
„Hallo, ich bin’s, die Christine.“
Ein zögerliches „Hallo“ (Man hört in Gedanken:…. oh, nein! … Du schon wieder…)
Ich so: „Rate mal“
Er so: „Ne, oder?“
Ich so: „Doch.“
Er seufzend: „Komm vorbei.“
Nachdem der Elektronikfehler also meine Werkstatt komplett vom Arbeiten an anderen Autos abhält, war der Vorschlag die Drama-Queen einer anderen Werkstatt unterzujubeln. Kurzfristig erwog auch mein Werkstattmann den Feuertod des Suzuki kunstvoll und versicherungstechnisch sicher zu inszenieren, aber wir einigten uns dann doch auf Version zwei. Einer anderen Werkstatt unterjubeln. Dazu muss die Karre aber 30 km selbständig hin gefahren werden. Ich habe mich geopfert.

Nach eine brutal anstrengenden Fahrt (hoffentlich auch für die Drama-Queen) mehrere steile Straßen hinauf mit reduzierter Motorleistung, mehreren Bremsungen, die absolut nicht nötig waren. Danke ihr Busfahrer. Danke ihr Hausfrauen. Danke an alle Vollpfosten auf diesen Straßen. Danke Oma mit dem Gehfrei am Zebrastreifen. Wartet der Schu-schu-ki jetzt in einer zweiten Werkstatt auf Hilfe. Schauen wir mal, ob sich diese Werkstatt als Fachwerkstatt für eingebildete Fehler herausstellt, oder ob der Schu-Schu-ki diese Werkstatt auch in die Verzweiflung und Ratlosigkeit treibt. Jedenfalls habe ich ihn dort einfach mahnend abgestellt. Ungeputzt natürlich. Er soll sich ja nicht positiv ins Autohausgefüge einpassen. Falls sie zwischendurch Zeit finden vor dem eigentlichen Termin. Was sie hoffentlich tun werden. Der Schu-Schu-ki braucht die komplette Aufmerksamkeit einer Werkstatt. Sonst ist er nicht zufrieden. Und mit „Snickers“ braucht man der Diva (und mir) auch nicht kommen. Da sind sich der Schu-Schu-ki und ich wenigstens einig.  *

Ich nehme übrigens gerne Wetten an, ob der Suzuki bis zum Paso-Fino-Turnier am 24.06. wieder zugbereit ist oder nicht. Eigentlich habe ich schon jede Hoffnung verloren. Aber ich bin Meister der Verdrängung und verdränge das Problem: „Neues Auto??? Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“ gekonnt. Die Lottozahlen haben übrigens schon mal nicht gepasst. Allerdings kann ich das Problem: „Wie komme ich zur Arbeit?“ nicht wirklich verdrängen. Kohle muss her – und Arbeitszeit muss eingefahren werden. Irgendwie ist in den letzen Wochen zu viel arbeitsablenkendes passiert in meinem Leben. Da schwirrt eine große Rußwolke um meine Regel-Arbeitszeit. Also brauche ich ein Auto, um in den Ort, der mich allmählich in den Wahnsinn treibt, aber dafür auch ernährt, aufsuchen zu können.

Eine Freundin ist so nett und leiht mir ihren Polo. Sie darf momentan zu Hause bleiben und den Sommer genießen. Der Polo ist ungefähr so groß wie eine Schuhschachtel. Er fährt zwar erstaunlich gut, aber er ist auch erstaunlich fragil und ich traue ihm eigentlich noch weniger wie dem Schu-Schu-ki. Aber er bringt mich zur Arbeit und zurück. Das Wort Sicher habe ich jetzt übrigens bewusst weggelassen.

Allerdings merke ich doch deutlich, dass ich in den Jahrzehnten des Monster-Auto-Fahrens einen Fahrstil entwickelt habe, der eher in die Richtung Großwild-Kamikaze geht. Das ist nicht so vorteilhaft, wenn man in einem rollenden schwarzen Pappkarton knapp über der Straße sitzt. Es ist wirklich keine gute Idee einfach so volle Lotte in eine Kreuzung zu brettern, nur weil man nicht rausgelassen wird. Mit meinen vorherigen Knochenbrecher-Auto war das irgendwie ziemlich bedrohend für andere Verkehrsteilnehmer und bewirkte immer einen flüssigen, zeitnahen Vollstopp beim KFZ-Gegner. Mit dem Polo wirkt das Ganze irgendwie wie eine Fliege, die halb sichtbar im toten Winkel vor der Nase vorbei fliegt und dann doch irgend wo gegen klatscht. Sagen wir so: ich lebe noch. Und ich entwickle gerade ein neues Verständnis für kleine Autos.
Man muss bei kleinen Autos auch unbedingt auf die Bodenbeschaffenheit der Straße achten. Da ist nichts mit mal eben 50 km/h über den hohen Bordstein oder diese lustigen Bremshügeln in den 30-er Zonen knattern, über die man so schön fliegt. Auch die „Boah, dann fahr ich halt durch den Acker“ – Freuden bleiben einem verwehrt. Nein, da muss man schon gründlich überlegen, ob man es sich leisten möchte ein zweites Auto zu schrotten.

Eigentlich möchte ich damit nur sagen: ich vermisse den Schu-Schu-ki. Das werde ich vor der grauen SUV-Diva zwar nie zugeben, aber mir fehlt das wohlige Dieseln, das übersichtliche Panorama, die Sicherheit, die es trotz allem verbreitet. Wie schön war es doch, als wir damals im Frühjahr 2015 durch diesen unglaublich tiefen, wunderbar zerstörten Matsch-Acker gepflügt sind. Ich war so stolz auf ihn, dass er da mit solch einer Leichtigkeit durch ist. Noch Monate später tauchten die Matschspritzer im Fahrzeuginneren auf, nur weil ich mit offenem Fenster gefahren bin. Oder im Herbst des Jahres 2014, als wir auf einer Bodenwelle aufgesessen sind, weil ich es für eine gute Idee gehalten hatte, die Wendung so scharf zu nehmen. Oder in Kreiswald, als wir den Pferdehänger so brutal schräg-bergauf parken mussten, dass die Kupplung noch tagelang gestunken hat wie blöd. Hach ja, das waren noch Zeiten. Da hat er nix mit Elektronikfehler gebracht. Blöder Schu-Schu-ki – komm bitte wieder zurück!

 

 

*Wenn, dann lassen wir uns mit Ritter Sport ködern!

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