Del Cavador

Piranha-Anjas Persönlichkeit?

April 2020:

Drachi direkt nach Anstrengung IDMG 2019 – Foto: Christian Müllner Tierfotografie

Anhand des Buches: „Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“ – Linda Tellington-Jones (siehe hier)

Als nächstes Pony im Buchvergleich ist La Respuesta dran, besser bekannt als das Drachenpony oder Piranha-Anja – Das seltsam-putzige Drachi ist seit 2012 in meinem Besitz. Ich kenne sie aber, seitdem sie in Deutschland ist. Resi wurde 2003 in den USA geboren und hat dort auch eine strenge, professionelle Grundausbildung erhalten, die sie komplett flachgebügelt hat. Um es mal neutral auszudrücken. 

Das Drachenpony ist ein extrem introvertiertes Pony. Sie kommt sehr selten neugierig, oder freudig aus sich heraus wenn Menschen anwesend sind. Das wird jetzt erst besser. Sie ist nicht ranghoch. Sie fühlt sich in einer Box sehr wohl. Da kann man sie auch in der Fremde gut alleine lassen. Sie hat wechselnde Freundinnen in ihrer Herde, mag Fohlen (da kriegt sie sprichwörtlich Milcheinschuss) und ist viel alleine unterwegs und eher mit sich selber beschäftigt. Sie mag es nicht berührt zu werden. Sie mag auch nicht grob geputzt werden. Ich frage immer an, bevor ich sie aus der Herde hole. 

Sie hält auch den größten Individualabstand. Um so schöner ist es, wenn sie ihn bricht und freudig auf einen zuläuft oder von sich aus Kontakt sucht (oder wiehrt!). Sie ist sehr höflich, aber auch skeptisch. Sie möchte es einem gerne Recht machen, schießt dabei meistens übers Ziel hinaus, weil sie oft nicht zuhört, bzw. glaubt zu wissen was verlangt wird und das dann schon mal zeigt. Sie wird sehr schnell sehr hektisch. Sie ist manchmal eine tickende Zeitbombe und steht unter einem enormen Druck. Sie beherrscht sich inzwischen immer besser, weil sie immer mehr vertrauen zu mir fasst (oder langsam lernt, dass sie niemand tötet, oder wir Sachen machen, die sie doch ein bisschen toll findet … man weiß es nicht!). Dafür bin ich ihr sehr dankbar. 

Sie ist unter ihrer Schutzschicht aber ein sehr neugieriges Pony, das gerne spielt und mutig Dinge ausprobiert. Andererseits auch ein sehr ergebenes Pony – was sie aber leider mit viel Schmerz und Druck gelernt hat. Sie spult eingelernte Verhaltensmuster ab. Sie lernt eher in kleinen Schritten und vielen Wiederholungen. Kombinieren von Dingen erlaubt sie sich nicht, weil dann die alte Angst durchbricht. Angst durchbrechen ist ein großes Thema bei ihr. Man sieht aber ein sehr gelehriges Pony, das aufmerksam mitmacht, wenn man beispielsweise Freiarbeit mit ihr macht und sich sehr über Lob freut. Sie ist sehr ambivalent – mal hyperreagibel im Temperament, manchmal totaler Lock-Down mit komplettem Betriebsausfall – aber ein großer Schatz im Umgang und hat so putzige Anwandlungen, dass man ihr überhaupt niemals böse sein kann. Manchmal starrt sie einen an und bewegt sich gar nicht dabei. Man möchte sie am Liebsten schütteln und anschreien: „DRACHI! Sag doch einfach was Du willst!!!! Du bekommst es!!!!“ Das Drachi bleibt übrigens auch bis zu ihrem Tod in meinem Besitz, das habe ich ihr geschworen.

Beurteilung laut Buch:

Das Drachenpony war übrigens mit dem Buch nicht ganz einfach zu beschreiben – es kommt wohl stark auf den Gemütszustand des jeweiligen Fotos an. 

Gerades Profil: ein äußerst unkompliziertes Pferd, das leicht lernt.

Große Ganaschen: Das Pferd scheint intelligent und arbeitswillig zu sein.

Fein ausgebildetes, weiches Maul: Meist ein Pferd mit einer sensiblen Persönlichkeit.

Oder aber

Kleines, abgesetztes Maul: Deutet auf ein eigensinniges Pferd hin. (Manchmal ist das Drachi fast schon dreist. Ein dreistes Monster mit putzigem Gesichtsausdruck dabei ….)

kurze Maulspalte: Ein starrsinniges Pferd, das nur langsam lernt. Meist haben es solche Pferde leichter mit einer gebisslosen Zäumung, etwas einer Art Hackamore. 

Abgesetzte Lippen und Kinnpartie: Hier ist die Lippe durch einen Wulst vom Kinn abgetrennt und setzt sich so klar ab. Dieses Merkmal deutet auf einen vielschichtigen Charakter hin. 

Flache Oberlippe: Im Allgemeinen sind solche Pferde sehr unabhängig, zielstrebig und kümmern sich um ihre eigenen Angelegenheiten.

oder

Steife Oberlippe: Ein nach innen gekehrtes Pferd, das sich nicht sehr für Menschen und seine Umgebung interessiert. 

Nüstern Groß, geöffnet: Dieses Pferd ist sehr aufgeweckt. 

Kinn Spitz und hart: Ein steinhartes Kinn kann bedeuten, dass es sich hier um ein neurotisches Pferd handelt, das unvernünftig ist und sich nur schwer verändert. Es kann widerspenstig sein und hat die Tendenz, mit dem Reiter zu kämpfen. Wenn sich solche Pferde aufregen, wird ihr Kinn steinhart. Falls dieses Beschreibung auf Ihr Pferd zutrifft, versuchen Sie sein Kinn mit Tellington-TTouch wie dem Maul-TTouch weicher zu machen.

Abgesetztes Kinn: lässt auf einen komplizierten Charakter schließen. 

Dreieckiges Auge/Falten über dem Auge: Das Pferd ist unsicher. Wenn ein Pferd diesen Augenausdruck bekommt, während sie mit ihm arbeiten, heißt das, es versteht nicht, was Sie von ihm wollen. 

oder

Dreieckiges Auge: Ein Pferd von Durchschnittlicher Intelligenz. Die Persönlichkeit ist von anderen Charakteristika abhängig. 

Ohren die gerade nach oben gehen und gleich weit auseinander stehen: meist voller Energie und manchmal sogar etwas hitzig. 

Einzelner Wirbel zwischen oder über den Augen: eigentlich unkompliziert.

Tja, eigentlich nicht so wirklich eindeutig. Aber vielleicht hat das Drachi ja auch eine gespaltene Persönlichkeit. 

Bisschen ungünstiges Bild, aber ich mag es – und man sieht das Drachi von der Seite ganz gut. – Foto: Yvi Tschischka Photography (2012?)
%d Bloggern gefällt das: