Del Cavador

Von Ferraris und Hopsehäschen?

30.09.2012:

Auch dieses Jahr haben die fleißigen Organisatoren vom Reitverein Gerolzhofen einen topp Trailritt auf die Beine gestellt. Dieses Jahr ganz oktoberfestlastig unter dem Motto: „Bayerntrail“. Dementsprechend sah man fesche Dirndln und zünftige Krachlederne bei den Helfern und Teilnehmern. Fortgesetzt hat sich das Motto beim Essen. Es gab Weißwurstfrühstück und typische fränkische Spezialitäten.

Nadine und ich hatten beschlossen dieses Jahr mit unseren beiden Neuen teilzunehmen –  angemeldet passender Weise als Resi1 und Resi2. Diese langen spanischen Namen braucht kein Mensch. Mit im Bunde war auch wieder Julia mit ihrem Hucellus. Wir waren also mit drei rassigen Braunen unterwegs – sehr hübsch anzusehen.

Foto: privat, Resi2, Resi1 und Hucellus



Die Strecke war gut markiert und eindeutig zu finden. Der erste Halt war wieder an der alten Vielseitigkeitsstrecke, die ich ja toll finde. Dort mussten Brezeln in einen Trog geworfen werden. Und ein mit gruseligen Flatterbändern belegter Erdwall (manche würden Berg sagen …) im Schritt überquert werden. Weiter ging es am Waldrand, entlang der Weinberge bei traumhaftem Reitwetter, genialer Sonne, genialer Aussicht, genialen Mitreitern und genialen Pferden. Diese Jahr führte die Schleife sehr idyllisch und gut reitbar auch für Barhufgänger Richtung Schallfeld, Wiebelsberg. Was ich auch schön finde am Trailritt in Geo ist die jährlich neue Strecke.

Beim zweiten Streckenstopp war Bierkrugstapeln gefragt. Bierkrüge einzeln, ich sag nur „Hopfen und Malz, Gott erhalts“, von einem Tisch auf den nächsten Stapeln. Perfekt für ein Pony in der Größe von Resi, die das auch super gemacht hat. Zweiter Aufgabenteil war mit den Vorderhufen in einen Schaumstoffring treten und mit den Hinterhufen einmal außen herum. Auch immer wieder eine ganz schön schwierige Aufgabe.

Dann hatten wir wieder genügend Zeit zum Ratschen und Reiten. Unterwegs hatten wir drei Weiber richtig viel Spaß und die Ponys haben jetzt auch neue Spitznamen: Respuesta ist (Häschen-)„Hopsi“. Providencia ist „Ferrari“ – Nadine und Resi2 waren nämlich in Ferrarirot unterwegs und auch fast ebenso rasant! Hucellus ist „Schlucki“, weil er alle Aufgaben, an denen Julia was mit Kneipe, Trinken oder Bier machen muss perfekt mitmacht und alle anderen Aufgaben erst einmal äußerst kritisch beäugt. Hatte ich schon erwähnt, dass wir ganz viel Spaß hatten? Und dass wir vor Lachen fast vom Pferd gefallen wären?

Zurück am Gelände des Reitvereins Geo gab es noch den obligatorischen Abschlussparcours. Der war wieder äußerst liebevoll gestaltet. Kniffelig, aber nicht unlösbar. Angefangen hat es mit Trabstangen. Dann galt es einen aus Rundballen und Plane gebauten zeltartigen Durchgang zu „unterqueren“. Weiter durch einen Stangengang, an dem große Sonnenschirme aufgespannt waren, durch den man durchgaloppieren sollte. Als viertes musste ein Tanzboden betreten werden und das symbolisch für Franken und Bayern stehende verschlungene Schaufensterpuppenpärchen umrundet werden. Fünftes Hindernis Kegeln. Einen Paddel vom Pferd aus nehmen und mit zwei Versuchen und einem Ball alle Neune umschmeißen. Als letzte Übung etwas was mir besonders gut gefallen hat. Absteigen, Pferd mit Halfter und langem Strick ausstatten und das Pferd am langen Strick alleine durch eine Gasse manövrieren. Pferd dirigieren auf die Ferne sozusagen.

Foto: Rainer Fuchs, Ferrari-Nadine – man betrachte den cool getragenen Lutscher!

Fazit:

Wieder einmal ein äußerst gelungener Ritt. Unsere Ponys haben super mitgemacht. Besonders stolz bin ich auf meine Resi, die sich als super Trailpony entpuppt hat. Sie ist mutig, sieht sich erst alles an und entscheidet dann ordentlich mitzumachen. Es ist sehr entspannend, wenn man ein Pony hat, welches nicht sofort einen hysterischen Anfall schiebt, sobald man ein Paddel oder einen Bierkrug in die Hand nimmt, wie das Jacinto immer macht. Bis auf die Sache mit dem schnelleren Reiten hab ich da ein perfektes Performance-Trailpony 🙂 und sie hatte auch sichtlich Spaß an der Sache.

Resi1 hat sich von 100 möglichen Punkten auf Anhieb 76 Punkte gesichert. Nadine und Resi2 kamen sogar auf den 10. Platz mit 84 Punkten. Auch dieses Jahr gab es für jeden Teilnehmer wieder einen Sachpreis und eine Schleife. Und es sind inzwischen ganz schön viele Teilnehmer (73 Starter insgesamt, wenn ich mich nicht verhört habe). Es klingt zwar total abgedroschen, aber wir freuen uns schon wie die Brezeln auf nächstes Jahr!

PS: Ganz viele tolle Trailritt-Fotos kann man wieder auf der Homepage von http://www.fuchs-bau.net sehen! Rainer Fuchs hat den Ritt wieder mit seiner Kamera begleitet! Guckt mal rein!

Höllen- oder Hexenritt?

14.04.2012:

Dieses Jahr fand der Distanzritt „Hexenritt zum Zabelstein“ von Verena Glück und ihrem Team auf dem Reitgelände des Reitvereins Gerolzhofen statt. Der Platz ist uns ja bestens bekannt. Dort findet jährlich der super organisierte Orientierungsritt vom Reitverein Gerolzhofen statt. Auch als Distanz-Basislager eignet sich das Gelände perfekt. Kurze Wege, man konnte alles Überblicken und genügend Platz für 80 Starter war auch vorhanden. Neu ist die frisch gebaute Lagerhalle, die als „Bistro“ umgebaut wurde. Für Verpflegung und Getränke war also bestens gesorgt. Ich erinnere an die leckeren Kuchen, die uns schon am O-Ritt das Wasser im Mund zusammen laufen ließen. Sogar ein echtes Luxusmodel von Klowagen stand bereit. Die Organisation und das Team perfekt. Wir waren begeistert.

Ausgeschrieben war der „Hexenritt zum Zabelstein“ – als kurzer Distanzritt mit 56 km und Einführungsritt mit 36 km. Der Begriff Hexenritt kommt übrigens nicht davon, dass die Mehrzahl der Distanzreiter manchmal biestige Weibsbilder sind. Wenn Verena mit ihrem schwarzen Araber gesichtet wird, wird sie liebevoll als die „blonde Hexe mit ihrem schwarzen Blitz“ bezeichnet. Deshalb die Benennung des Rittes.

Wettertechnisch hatten wir perfektes Reitwetter. Sonnenschein bis ca. 15° C nach einer kalten Nacht. Gut dass ich nicht im Hänger schlafen musste – fiel das Thermometer doch auf frische – 2° C. Gestartet wurde im fünf Minutentakt als Vierergruppe. Optimistisch bin ich mit Julia Väth zusammen gestartet, die ganz langsam reiten wollte. Ihr Traber Hucellus stand im Februar noch in der Pferdeklinik – im Winter hieß es noch er könne keine Distanzen mehr starten. Aber schon nach 500 Metern war sie nicht mehr gesehen. 500 Meter nur, weil wir noch eine Weile hinter zwei Warmblütern liefen.

Hexenritt zum Zabelstein
Hexenritt zum Zabelstein – Hexenteam

Also waren Jacinto und ich alleine unterwegs. Gelegentlich hatten wir Reitbegleitung. Am Anfang die zwei Warmblüter, die es durch einen schlängelnden Waldweg deutlich schwerer hatten wie wir. So ein großes Tier ist im Wald immer ein kleiner Nachteil. Zwischenzeitlich hatte ich auch immer wieder Begleitung von zwei netten Reiterinnen mit einem Schecken und ein Palominohengst. Wie sich herausstellte Blog-Leserinnen von mir. Fühlt Euch hiermit gegrüßt! 🙂

Wir hatten eine großartige und kurzweilige Strecke bis zum Vet-Check. Teilweise waren geniale (und schnelle) Töltstrecken dabei, lange Galoppstrecken am durchhängenden Zügel, viel Trab – und natürlich auch Jacinto-Typisches Gangkauderwelsch. Die Strecke führte uns schlängelnd durch den idyllischen Steigerwald. Dementsprechend anspruchsvoll war die Strecke auch. Immer leicht Bergauf oder Bergab. Der Vet-Check war nach einer ganz langen Steigung. Dort bin ich Pferd führend mit einem Puls von 64 angekommen und konnte gleich nach dem „Vortraben“ weiter. Also Jacintos Puls – meiner war definitiv kurz vor dem Kammerflimmern. Aber wie heißt es so schön: Wer sein Pferd liebt, der schiebt?

Ein ganz dickes Dankeschön auch an meine Trosserin Nadine. Sie war immer rechtzeitig am Trosspunkt und dank unserer türkisfarbenen Jacken auch immer gut erkennbar. Meine Augen sind ja auch nicht mehr die Besten. Vorbei ging es an der Ruine Zabelstein. Dort muss ich unbedingt noch mal hin –  sehr hübsch dort. Da liegen bestimmt ein paar schöne Geocaches! Dann langgezogen wieder den Berg hinunter. An einem Waldspielplatz vorbei, über schöne Wiesenwege, die zu schnellem Reiten einluden, vorbei an einem gruseligen Traktor. Ich fasziniert davon, wie er seine Spritzdüsen ausklappt und Jacinto hat es doch tatsächlich noch gebracht nach über 20 km noch vor diesem Traktor zu scheuen und sich fast einen Hang hinunter zu stürzen. Soviel zum Thema der wird irgendwann Müde und Brav.

In Vögnitz  war die nächste Pulskontrolle. Hier haben wir etwas gebraucht um auf den erforderlichen Puls zu kommen. Aber nach etwas Kühlung konnten wir weiter. Das letzte Stück habe ich dann versucht alleine zu reiten und Jacinto etwas langsamer laufen zu lassen. Also war ich die letzten Kilometer beschäftigt zu bremsen. Vielleicht hätte ich ihn einfach laufen lassen sollen. Im Ziel sind wir nach 3:17 Stunden reiner Reitzeit angekommen. Jacinto Fit wie ein Turnschuh. Er hätte bestimmt noch 10 km mehr gepackt. Für mich war der Ritt gerade rechtzeitig zu Ende. Erste Alterserscheinungen machen sich bemerkbar. Oder ich sollte mehr Sport ohne Pferd treiben?

Abschließende Pulskontrolle nach dem Absatteln prima. Julia und Hucellus waren seit einer halben Stunde schon wieder im Basislager. Also warten auf die Nachuntersuchung. Das Pony ins Paddock gepackt, es liebevoll geputzt, Mash schlabbern lassen, die Zeit mit einem Nickerchen und Essen totschlagen und gucken was so um einen herum passiert. Die Nachuntersuchung hat Jacinto topp gemeistert. Keine dicken Beine, keine Humpeleien, Vortraben im Trocha taktrein – Perfekt! Wir sind in der Wertung!

Zielgerade vor dem Vet-Check – Wer sein Pferd liebt, der schiebt?

Bei der Siegerehrung gab es für jeden Teilnehmer ein Geschenk. Dieses Mal Salzlecksteine gesponsert von der Firma Hufeisen Reitsport. Als ersten Preis für die 56 km gab es neben Sachpreisen einen aus sechs Hufeisen gefertigten Wanderpokal in Form eines trabenden Pferdes.

Fazit: Anfänglich hatte ich zugegebener Maßen nicht so recht Lust auf den Ritt. Es ist anstrengend, dauert lange, mir tut sowieso alles weh … vielleicht ist es Frühjahrsmüdigkeit oder beginnende Altersschwäche. ABER: Am Abend vorher hat es mich dann aber richtig gepackt, das Distanzfieber. Irgendwie ergreift es heimtückisch von einem Besitz. Es lässt einen in aller Herrgottsfrühe aufstehen und gibt einem Energie bis man das Pony am Abend gut wieder verräumt hat. Distanzreiten (auch auf meinem niedrigen Niveau) macht Süchtig. Irgendwie wie Paso Finos und Tölt. Es ist eine ganz gefährliche Sache.

Und auch am Pony habe ich es gemerkt. Jacinto lief die ganzen 36 km souverän. Keine Anzeichen von Müdigkeit oder Anzeichen von Keine-Lust-mehr. Im Gegenteil. Der fängt an zu rennen und muss mehr oder weniger gebremst werden. Der läuft wahrscheinlich bis er tot umfällt. Er läuft wenn er alleine ist. Er läuft wenn er überholt wird. Wobei er inzwischen anfängt sich „hetzen“ zu lassen. Wenn von hinten ein Pferd kommt versucht er sein Tempo zu steigern und das Pferd erst mal nicht vorbei zu lassen. Jacinto hat Biss. Zwischendurch kilometerlange Phasen am komplett durchhängenden Zügel. Das sind diese „Ich-fliege-Phasen“. Genial. Und in meiner zweiten Saison als „Distanzreiter“ fühle ich mich auch deutlich abgeklärter und routinierter.

Für die Statistik: 
36 km – LK 2 
Reine Reitzeit: 3:17 Std.
Tempo: 5,47
Durchschnitt: 10,96 km/h
45 Starter – 35 in der Wertung

PS: Für mehr Eindrücke vom Abenteuer Distanzreiten gibt es tolle Fotos von Marion und Rainer Fuchs auf Ihrer Homepage: http://www.fuchs-bau.net/bilder12/120414/index.php?rf

Schon wieder ein Trailritt?

12.09.2010:

Ja, und auch dieses Mal hat sich mein Orakel „immer-wenn-ich-mit-den-Pferden-unterwegs-bin-scheint-die-Sonne“ erfüllt und bei strahlendem Sonnenschein nahmen Nadine mit Diosa und ich mit Jacinto beim 6. Orientierungsritt des RV Gerolzhofen teil.

Wir wurden zuerst auf eine abwechslungsreiche Wegstrecke geschickt und hatten dann auf der Reitanlage am Judenfriedhof noch einen Parcours zu bewältigen. Die Organisation war topp – die Leute sehr nett. Nur am Parcours gab es eine ganz schön lange Warteschlange. Aber so haben wir wenigstens auch was von den Mitreitern gesehen.

Diesmal hat Jacinto sogar besser abgeschnitten wie Diosa! Er konnte einen 15. Platz einheimsen und Diosa „nur“ den 18. Platz. Insgesamt gab es ca. 60 Starter. Vielleicht besteht doch noch die Hoffnung, dass ich mit ihm einmal erfolgreich einen Turnier-Trail starten kann.

Aber wir waren ja nicht die einzigen Finos – Christin Bachman (Leneus – 5. Platz) und Freund (mit Negra) haben auch teilgenommen. Und Katja Spies, die ja im Dorf nebenan wohnt, war ohne Pferd da und hat den ganzen Fanta-Kuchen aufgegessen. Ich sag nur: „Boah, ich bin total satt – ich glaub ich ess noch ein Stück Fanta-Kuchen“ … also Katja: nächstes Jahr wird mitgeritten!

Trailritte sind wirklich eine schöne Sonntagsbeschäftigung. Kann ich Euch wärmstens empfehlen.

Die Hindernisse:

„Rettet den Affen“: meine Lieblingsübung 🙂 in einen Wassergraben hineinreiten, einen Stoffaffen vom anderen Ufer holen und übers Wasser retten. Bei so was kann Jacinto punkten!

„Ziel finden“: Dart spielen vom Pferd aus. Erstaunlicher Weise hab ich sogar zweimal die Scheibe getroffen.

„Olé, Olé“: eine Fahne aus einer Pylone nehmen und im Trab um eine andere Pylone reiten, die Fahne zurückstecken. Auch kein Problem, bis auf den Trab.

„Kleider machen Leute“: einen Bundeswehrregenponcho vom Pferd aus anziehen, über Stangen traben, den Poncho wieder ausziehen und aufhängen. Sehr kleine Öffnungen haben diese Ponchos.

„Eintritt“: Das obligatorische Tor – in der Theorie so zu durchreiten, dass die Kuhherde nicht flüchten kann. Jacinto hat sogar vor imaginären Kuhherden Angst.

„Wo geht‘s lang?“: Slalom durch Tische an denen liebevoll angekleidete Stroh-Cowboys saßen.

„Einen heben“: dann direkt an die Bar reiten und vom Pferd aus eine Flasche öffnen und drei Gläser befüllen. Wer gut stehen geblieben ist, durfte auch das „echte“ Zeug unter der Bar probieren. Diosa und Nadine haben sich verdächtig lange an der Bar aufgehalten.

„Auf+Ab“: vom Pferd aus auf einen Kutschbock klettern, Pferd drumherum lenken und auf der anderen Seite wieder aufs Pferd steigen. Sieht in den Western-Filmen irgend wie immer wesentlich einfacher aus.

„Schweizer Gruß“: Angaloppieren, an eine Glocke hinreiten, läuten.

„Fußbad“: Absteigen und das Pferd durch eine Wasserpfütze gefüllt mit gelben und blauen Plastikteilen führen. Sehr schwierig. Fragt mal den Mann dessen Pferd es geschafft hat ihn in voller Länge reinzuschmeißen 🙂

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