Del Cavador

Mein persönliches Waterloo?

05. Mai 2012:

Auch dieses Jahr verschlug es uns am Distanzwochenende wieder nach Hambach an den Lindenhof. Mein Ziel war es dieses Jahr die 41 km in der Wertung zu schaffen. Letztes Jahr war hier mein allererster Distanzstart, der mich zwar glücklich ins Ziel brachte, mich aber nicht in die Wertung katapultierte, weil Jacinto bei der Nachuntersuchung ein dickes Bein hatte.

Die Organisation und Logistik dieses Rittes ist jedes Jahr perfekt. Abgesteckte Paddockstücke, nicht zu lange Wege, durchweg freundliche Helfer, gute Verpflegung im Trockenen, ein Luxus-Klowagen und keine Dixie-Klos. Die Rittbesprechung am Vorabend war sehr einprägsam, sie ging ungefähr so: „Ihr kennt Euch ja schon aus, steht ja alles auf dem Zettel, wer Fragen hat bitte bei mir melden.“ Super, so liebe ich das. Kurz und knapp. Also hatten wir mehr Zeit mit unseren Mitstreitern zu quatschen. Christine, Katrin und Lydia sind extra aus Dresden angereist. Also hatten wir mit Jacinto und Mina zwei Paso Finos am Start. Pauls Besitzerin war ebenfalls mit an Bord. Leider nicht mit Paul, aber dafür mit seiner großen Walker-Freundin Gina.

Am nächsten Tag lief wieder alles wie am Schnürchen. Nadine hat fleißig Paddocks gebaut, ich bin inzwischen zur Voruntersuchung. Alles Bestens. Dann das Pony aufs Paddock gepackt und erst mal alle zusammen Frühstücken gegangen. Dank eines gechillten Startes um 9.51 Uhr hatten wir genug Zeit.

Der Start und die erste Schleife verliefen problemlos. Mina-Murmel und der Zwerg haben sich vom Tempo her sofort aneinander angepasst und haben perfekt harmoniert. So haben wir gegen Ende unsere beiden Mitstarterinnen Lydia und Regina abgehängt. Die beiden Finos sind richtig schön zusammen gelaufen. Sie haben sich gegenseitig hochgepusht aber auch runtergeholt. Wir kamen durchweg mit fast perfekten Pulswerten an den Kontrollpunkten an. Und wir waren richtig schnell unterwegs.

Lindenhof 2012
Lindenhof 2012 – Distanzfinos on Tour!

Mein Problem war dann wider die zweite Schleife. Dieses Jahr hatte sich der letztjährig frisch aufgetragene Schotter inzwischen zu einer betonähnlichen Masse mit Steinchen oben drauf verwandelt. Das war dann der größte Teil des Bodenbelages der zweiten Schleife. Abwechselnd mit leicht schmierigem Lehmboden. Also für die Beine keine Wohltat. Jacinto ist aber trotzdem richtig gut gelaufen. Auf der zweiten Schleife hat es dann angefangen zu regnen. Also die komplette Hardcore-Tour mit langsamen durchweichen bis auf die Haut, äußerst ungünstige Bodenverhältnisse und anstrengend. Aber unsere Finos waren immer topp dabei und voll motiviert. Totale Rennmaschinen. Zusammen sind wir dann glücklich durchs Ziel marschiert – mit der besten Zeit die wir beide je hatten. Achtung: eine T4-Zeit!!!! Gut, darüber lacht mancher Distanzreiter, aber ich finde das eine echte Leistung.

Bei der Nachuntersuchung nach zwei Stunden ist Mr. Weichei dann allerdings aus der Wertung geflogen und Mina durchgekommen. Diesmal hat mein Pony an den Vorderbeinen gelahmt, hatte aber keine dicken Beine. Ich denke der harte Boden war ihm zu viel. Dieser Ritt wird wohl mein persönliches Waterloo sein. Ich bin noch am überlegen, was ich nächstes Jahr mache. Aber ich denke, wenn ich die zweite Schleife in einem deutlich langsamern Tempo (Schritt) geritten wäre hätten wir es geschafft. Aber egal. Es hat trotz Regen und Nass und Überhaupt einen mords Spaß gemacht und war eine geniale Grenzerfahrung. Es hat sich dann ja auch richtig eingeregnet. ALLES war pitschnass. Und dafür war Jacinto echt geduldig. Er hasst Regen. Gut dass ich so viele Decken eingepackt hatte.

Fazit: Dieser Ritt wird mich wohl noch ein drittes Jahr beschäftigen. Wird es möglich sein ihn in der Wertung zu absolvieren? Oder muss ich mich dieser Strecke geschlagen geben? Aber es war ein toller Tag, egal ob in der Wertung oder nicht.

Herzlichen Glückwunsch an Christine Farkas und Mina, die mit dieser super Zeit durchgerauscht sind. Wir werden wohl mal ernsthaft darüber nachdenken eine Paso Fino-Distanz-Gruppe zu gründen 🙂 Sponsoren sind übrigens willkommen …

Und natürlich ein dickes Dankeschön an den Chef meines 1-Mann-Trossteams Nadine, die sich auch hat vollregnen lassen und immer da ist, wenn man sie braucht.

Für die Statistik:
41 km 
Reine Reitzeit: 3:23 Std.
Tempo: 4,95 
Durchschnitt: 12,11 km/h
43 Starter – 32 in der Wertung
 

Hambach oder wer ist hier Schwerhörig?

Unser erster Trailritt dieses Jahr führte uns am 9. Mai 2010 nach Hambach (bei Schweinfurt) auf den schönen Lindenhof. Die Strecke dort war nicht zu lang, gut ausgeschildert und unterwegs mit kleinen Aufgaben bestückt.

So musste man zum Beispiel auf Getränkekisten absteigen und auf der „verkehrten“ Seite vom Pferd wieder aufsteigen, die Pferde einsprühen und sie sollten dabei still stehen, was bei leichtem Nieselregen sowieso kein Problem war. Fragen zur Pferdehaltung mussten beantwortet werden. Die Frager saßen regengeschützt in einem geöffneten Pferdehänger, und viele Pferde haben sich erst gar nicht an die Rampe herangetraut. Diosa ist natürlich auf der Rampe herum gerumpelt und fand es irgendwie komisch einmal nicht in so einen Hänger einzusteigen zu müssen. Sie wäre wohl lieber im Trockenen gestanden. Einen kleinen Sprung mussten wir nehmen und zum Abschluss durch einen gefährlichen Wassergraben plantschen. Die Gefahr waren bunte Luftballons die im Wasser schwammen.

Als Abschluss war noch ein kleiner Trailparcours in der Halle zu absolvieren. Es gab eine Brücke mit weißen Streifen darauf zum überqueren. Eine Geschicklichkeitsübung: an zwei Hindernisständern war ein leicht abfallendes Rohr befestigt. Man musste einen Eimer mit Tennisball drin in die Hand nehmen und vom Pferd aus den Ball in das Rohr werfen, weiter reiten und am anderen Ende den Ball mit dem Eimer wieder einfangen. Gar nicht so einfach dieses Hindernis. Ein Stangentrichter musste rückwärts durchritten werden, eine Drehung darin und rückwärts wieder heraus geritten werden. Dann quietschbunte Babyschwimmreifen vom Pferd aus auf eine Pylone werfen. Und durch eine enge luftballongeschmückte Strohgasse reiten.

Diosa meisterte den Parcours mit gewohnter Lockerheit und kleinen Lacheinheiten. Sie sah nicht wirklich ein, weshalb Nadine als Reiterin die Baby-Schwimmringe werfen sollte und Diosa die Nase da nicht reinstecken sollte.

Jacinto hat sich auch ganz tapfer geschlagen. Er hat zwar die Hälfte der Hindernisse nicht bewältigt, aber für seine Verhältnisse war er richtig ruhig und tapfer.

Es starteten 48 Erwachsene und Diosa mit Nadine wurden 10. in der Gesamtwertung – ein tolles Ergebnis. Jacinto wurde 31., also gab es noch größere Angsthasen wie ihn.

Insgesamt ein sehr schöner Ritt mit viel Abenteuer. Wir waren am Tag davor schon einmal am Lindenhof damit ich sehe, wie ein Distanzritt abläuft. Nadine ist früher selbst Distanzen geritten und kennt daher einige Leute. An dem Trailritt-Tag habe ich deshalb aus Versehen zwei Leute angesprochen, von denen ich dachte es wären die zwei Mädels vom vorherigen Tag gewesen. Die beiden entpuppten sich als nette Reiterinnen (Pferdebesitzerin mit Reitbeteiligung) die mit einem Pferd angemeldet waren. Kurzerhand haben wir beschlossen zusammen die Strecke zu reiten. Bis ich bemerkt habe, dass ich da wildfremde Leute angesprochen habe waren wir schon fast wieder am Hof. Anscheinend werde ich langsam alt und senil. Jedenfalls sorgte ich für noch mehr Lacher – anscheinend höre ich schlecht, obwohl mein Ohrenarzt mir bescheinigt hat, dass mit meinen Ohren alles in Ordnung sei. Jedenfalls habe ich auf diverse Fragen mit komplett anderen Antworten verblüfft. Auf die Frage zum Beispiel: Sind die Finos teuer? Habe ich verstanden sind die Finos Feuer? Meine Antwort war: nur äußerlich, eigentlich sind sie ganz leicht zu handhaben.

Unsere Mitreiterin hat uns mit einem schicken Tinker-Friesen-Wallach begleitet. Vom Tempo her waren wir eigentlich ganz gut passend. Die Finos waren im Schritt schneller, da ist „Mr. Puschelfuß“ hinterher gezottelt. Im Trab hat uns der Tinker-Friese dann überholt und die Führung übernommen. Allerdings hatten wir einen kleinen ungeplanten Reiterwechsel auf der Strecke. Der gemütlicher Tinker-Friese hat vor lauter Galoppfreude seine Reitbeteiligung abgebockt und als guter Tinker auch gleich angehalten und losgefressen. Die arme Frau wurde an dem Tag ganz schön gebeutelt. Erster Ritt, erster Sturz und einen Finger gebrochen. Also zu Fuß weiter zum nächsten Streckenpunkt. Reiterwechsel organisiert. An Reiten mit gebrochenem Finger war nicht zu denken. Reitbeteiligung ins Krankenhaus bringen lassen. Wir und die Besitzerin sind dann weiter den Rest der Strecke geritten.

Auf dem Einritt zum Hof begegnete uns dann Katja Spies, die als unterstützendes Stimmungspersonal am Boden von uns angeheuert war. Sie kannte unsere Mitreiterin, beide waren schon im selben Stall gestanden. So klein ist also die Welt. Insgesamt trotz Pannen und Nieselregen ein richtig schöner Ritt der uns viel Spaß gemacht hat. Die Organisation vom Lindenhof-Team war perfekt. Und wir haben wieder nette Leute kennengelernt und einen schönen Tag mit mit den Pferden erlebt.


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