Del Cavador

Toxische Menschen?

Gefangen in der eigenen Destruktivität

26. Juni 2019:

Ein Thema über das ich momentan viel nachdenke sind toxische Menschen. Das hat nicht besonders viel mit Pferden zu tun. Aber Menschen findet man auch am Reitstall. Vielleicht kennt der eine oder andere von Euch den Begriff „toxische Menschen? Oder leidet gar selber unter ihnen? Ich selber bin auch schon an solche kräftezehrenden Vertreter der Spezies Mensch geraten. Dummerweise glaube ich immer sehr lange an das Gute im Menschen. 

Meine beste Freundin hat momentan so ein Exemplar als Vorgesetzte. Die Chefin ist ein kompletter Terror-Zwerg, manipuliert, macht ihre „Untergebenen“ nieder, auch gerne per lautstarkem Anschiss vor größeren Menschengruppen – das ist gerade deshalb (nicht) lustig, weil es ein Dienstleistungsbetrieb ist, deren größte Sorgfalt auf „macht es den Gästen so schön wie möglich“ liegt. Tja. Sie ist extrem anstrengend, ändert ständig ihre Regeln, steht mit ihren Intrigen dauernd im Mittelpunkt und fühlt sich ständig als Opfer. Man weiß nie, wann etwas richtig ist und wann nicht. Sie nimmt überhaupt keine Rücksicht. Sie raubt meiner Freundin die komplette Energie. Es ist ein richtiger Teufelskreis. Und meine Freundin leidet darunter, weil sie ein sozialer und feiner Mensch ist. 

Die Crux an der Sache ist, man merkt zuerst nicht, dass man sich in den Fängen eines toxischen Menschen befindet. Es setzt schleichend ein. Diese Menschen haben es extrem gut drauf ihr Umfeld so geschickt zu manipulieren, dass man gar nicht merkt wie befangen man ist. 

Wie erkennt man jetzt einen toxischen Menschen?

  • Sie tun Dinge, die Ihnen einfach nicht zustehen und zu denen sie kein Recht haben. Sie verhalten sich grenzüberschreitend und übergriffig. Sie erregen furchtbar gerne Mitleid und versinken hingebungsvoll in der „Opfer-Rolle“. Sie entschuldigen sich auch nicht. Weil SIE haben ja alles richtig gemacht. Schuld haben IMMER die Anderen. 
  • Sie haben selten Schuldgefühle, wenn sie andere verletzt haben. Sie haben konkrete Erwartungen an Dein Verhalten, ohne diese Erwartungen anzusprechen. Hältst Du Dich nicht an diese unsichtbaren Erwartungen, wirst Du dafür bestraft.
  • Sie haben immer Recht, andere Unrecht. Sie sind oft verbohrt, uneinsichtig und unbelehrbar. Sie sind gar nicht daran interessiert die Sichtweise des Anderen zu verstehen, oder gar ihr eigenes Verhalten zu ändern. 
  • Sie beginnen oft Streit, anstatt ein klärendes Gespräch zu führen. Es wird immer wieder auf Dingen herumgehackt, die längst geklärt schienen. Man dreht sich einfach andauernd im Kreis. 
  • Sie lügen um ihre Interessen durchzusetzen. Sie lassen Informationen weg, erfinden neue dazu, streuen Gerüchte. Man kann auch einfach sagen sie sind Meister der Manipulation und Fürsten der emotionalen Erpressung. Sie erzählen Dir, was Du hören willst. 
  • Sie verhalten sich oft eifersüchtig und missgünstig. Wenn Sie es nicht bekommen – dann keiner. Dann wird es lieber kaputt gemacht. Ganz dramatisch ist das natürlich in einer Beziehung oder bei gemeinsamem Vermögen/Firmen. 
  • Sie nehmen keine Rücksicht auf die Bedürfnisse und Gefühle von anderen. 
  • Sie hinterlassen ein Gefühl von Erschöpfung und Müdigkeit. 

Natürlich ist nicht jeder, der solche Verhaltensmuster zeigt ein Toxischer Mensch – jeder von uns bedient sich manchmal der einen oder anderen Range von toxischen Verhaltensmustern. Echte Toxische Menschen zeigen jedoch sehr viele dieser Verhaltensmuster über längeren Zeitraum – immer wieder in neuen Varianten. Sie sind Meister darin. 

Was hilft also?

Ich muss erst einmal erkennen, wann ich es mit einem toxischen Menschen zu tun habe. Und das dauert erstaunlich lange, bis man es selbst begreift. 

Wie soll ich mich verhalten?

Auf Abstand gehen. Nimm die Dinge, die Dir der Toxische Mensch sagt nicht zu Herzen. Das ist sehr schwierig (und lässt sich wirklich auf dem Papier super leicht sagen), aber solche Menschen leben von emotionalen Reaktionen. Sie saugen Deine emotionale Energie ab und nähren sich daran. Deshalb wirst Du Dich im Umgang mit ihnen auch jedes Mal schlechter fühlen. 

Achte darauf klare Ansagen zu machen. Nur Fakten und die Konsequenzen. Keine Interpretationsspielräume zulassen. Keine Emotionen. Keine Bewertungen. Nur Fakten. Achte darauf: Dein Mitgefühl wird ausgenutzt. Setze Dir klare Ziele und komme von denen nicht ab. Lass Dir kein schlechtes Gewissen einreden. Wenn Du feste Ziele hast, brauchst Du kein schlechtes Gewissen, weil Du nach menschlichen und sozialen Maßstäben handelst. Agiere statt zu reagieren. 

Der Toxische Mensch wird keine Ruhe geben, bis er sein „Ziel“ erreicht hat. Sei nicht das Ziel. Nimm ihm den Wind aus den Segeln. Sprich mit anderen Menschen in Deinem Umfeld. Hole Dir Meinungen ein. Hör auf Deine Mitmenschen. Sie erkennen einen toxischen Menschen meistens eher und besser wie man selber. 

Man kann toxische Menschen nicht verstehen – die Psyche ist sehr kompliziert. Dafür gibt es Menschen die mehrere Jahre studiert haben und Psychologen genannt werden. Zerbrich Dir nicht für die den Kopf. Es funktioniert nicht. 

Es fühlt sich irgendwie so an, wie wenn man mit einem Alkoholiker zusammen lebt. Dieser wird immer wieder Rückfällig, beteuert, dass er es schaffen wird, erschafft eine komplette Traumwelt um sich herum. Und alle anderen sitzen hilflos dabei, leiden und warten letztendlich auf den endgültigen Zusammenbruch. Erst wenn der kommt und die Person tatsächlich realisiert, dass etwas nicht stimmt, kann eine Heilung eintreten. Und selbst dann ist es noch ein langer Weg. Die betroffene Person muss es von sich aus wollen. Aber sie wird es niemals ohne professionelle Hilfe schaffen. Weder der Alkoholiker, noch der Mensch der psychologische Betreuung benötigt. 

Warum heute so ein ernstes Thema? Weil es mich beschäftigt. Weil ein Blog eine Art Tagebuch sein soll. Weil ich auf meinem Blog nachdenken kann, über was ich möchte. Weil ich möchte, dass meine Freundin auch von ihrer toxischen Chefin los kommt. Weil ich möchte, dass niemand unter toxischen Menschen leiden muss. Weil wir es einfach alle so schön haben könnten, wenn wir vernünftig miteinander umgehen würden. Weil es so erleichternd ist von toxischen Menschen los zu kommen und wirkliche Gemeinschaft und Rückhalt in einer Gruppe zu erleben. Das wünsche ich uns allen. 

So. Und wer bis hierher durchgehalten hat: Nächstes Mal kommt wieder der ganz normale Pony-Wahnsinn: Für uns geht es nämlich am Wochenende nach Fulda auf das EPFC Paso Fino Turnier und ich freue mich richtig alle Fino Freunde wieder zu treffen. Und ich freue mich darauf John zu erzählen, wie motiviert das Drachenpony momentan ist und wie viel Spaß sie macht – auch wenn ich mich zwischendurch mit solch düsteren Gedanken beschäftigen muss.  

Quellen zum Weiterlesen: arbeits-abc.deGedankenwelt.dezeitzuleben.de

Erdrückende Sachen?

2. Dezember 2016:

„Minimalismus bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur
konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen
durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein
selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen.“ – Wikipedia.de

Angeregt durch den Blog-Artikel von Nordfalben wurde ich diese Woche erneut auf das Thema Minimalismus geschubst. Eine Nicht-Reiter-Freundin beschäftigt sich phasenweise intensiv mit dem Thema Minimalismus – aber eher aus der Veganer-Richtung angenähert. Dann wurde ich dieses Jahr ziemlich deutlich mit ungewolltem Minimalismus in Form des Hof-Brandes konfrontiert. Alles in Rauch aufgegangen. Egal wie man es betrachtet, das Thema kommt immer wieder durch und ich finde es durchaus spannend.

Ich habe mir auch Youtube Filmchen von Minimalisten angesehen. Und ich kann mir persönlich nicht vorstellen mit einem Kleiderschrank von sagen wir einmal 50 Teilen zu leben. Das würde bei mir schon an der tatsächlich benötigten Socken und „Schlübbi“-Anzahl scheitern. Und an einem Kleiderschrank mit zwei Leben: einem Zivil-Leben und einem Leben im Pferdestall. Nichtreiter mögen keine Pferdehaar-Sachen in ihren Wohnungen. Und Arbeitgeber mögen kein miefiges Stalloutfit im Umgang mit Kunden. Und Pferdestall bedeutet im Winter warm anziehen. Das maximiert die Stückzahl schon ganz automatisch, gerade wenn man im Fünfach-Lagen-Zwiebellook im Stall aufschlägt. Aber ich finde das Thema Minimalismus mit all seinen Aspekten faszinierend.

Man steht ja tatsächlich vor seinem eigenen Kleiderschrank und zieht immer das Selbe an. Also bei mir ist es zumindest so. Je nach Jahreszeit habe ich meine „Lieblings“-Klamotten, die im Angesicht des kompletten Kleiderschrankes doch einen relativ kleinen Anteil ausmachen. Warum ist das so? Warum greift man immer zu den gleichen Sachen? Und denkt Ihr Euch nicht auch: Warum hab ich eigentlich so viel Kram, den ich eh nicht benutze? Wie unnütz! Wahrscheinlich ist das Gehirn mit dem Abspeichern der ganzen Besitztümer komplett überfordert. Es blockiert und man kann sich nichts aussuchen, weil man sich nicht an alles erinnert und Erinnerungen verschwimmen. So zumindest meine Theorie. Mit weniger befreit man sein Gehirn. Also könnte man eigentlich alles an Klamotten auf die Lieblingsklamotten reduzieren. Ich bin sicher, damit könnte man schon mal 60 % des Kleiderschrankes „entrümpeln“.

Genau so geht man dann idealer Weise in seinem ganzen übrigen Lebensraum vor. Ich lese unheimlich gerne. In den letzten Jahren bin ich der Buch-Haptik abtrünnig geworden und auf eBook umgestiegen. Eigentlich viel sinnvoller. Es fasst viel mehr Bücher, ich komme einfach an neuen Lesestoff heran und muss keine schweren Bücher schleppen. Wohin mit den ganzen Büchern? Auch wenn sie so schön im Regal aussehen. Für mich ist das schon eine Art Minimalismus. Den schönen Büchern entsagen und pur auf die Information in einem elektronischen Gerät reduzieren. Das ist machbar. Und bringt für mich Vorteile. Dank App auf dem Telefon kann ich jederzeit und überall weiterlesen (und mich nicht ärgern, wenn ich das spannende Buch vergessen habe, aber grad Zeit zum lesen ist).

Für mich als mehrfacher Pferdebesitzer würde Minimalismus dann auch ein Entrümpeln im Sattelschrank bedeuten. Da würde es mir nicht einfach gemacht. Ich habe viel Zeit aufgewandt, um eine schöne Bosal/Barbada-Sammlung aufzubauen. Als Minimalist müsste ich mich entscheiden diese Rigoros zu verkleinern. Das möchte ich aber nicht. Ich genieße die Auswahl. Und ich gönne mir den Luxus, dass jedes dieser Gebrauchs-Teile meist auch an einem eigenen Kopfstück aus Biothane hängt. Bescheuert ich weiß. Man könnte sie auch an einem Kopfstück mit Umschnallen regelmäßig auswechseln.
Aber Entwarnung: Worauf ich inzwischen gut verzichten kann, ist eine große Satteldecken/Schabracken-Auswahl. Seit dem ich das Quittpad kennen gelernt habe benutze ich das fast ausschließlich. Meine ganzen restlichen Schabracken sind quasi nur noch sentimentale Anhängsel. Brauchen fällt flach, da sind „nur“ Erinnerungen dran geknüpft. Aber andererseits möchte der Minimalismus ja auch Platz für Erinnerungen schaffen. Minimalismus möchte, dass wir uns bewusster mit uns selbst beschäftigen und nicht am Konsumgut festmachen. Was ja ein schöner Gedanke ist. Was bedeutet das jetzt für meine Satteldecken?

Hamilton-Stricke
Irgendwann hat alles eine Farbe …. und Form …  da hätte ein Strick auch gereicht 🙂 – Foto: privat

Gute Frage. Aussortieren. Die mit viel Erinnerung einfach behalten, weil ich es kann, die anderen weitervermitteln. Manch anderer würde vielleicht extrem sein und nur eine behalten. Aber hält man das tatsächlich durch? Oder ist das nicht einfach nur das Gegenteil von Kaufsucht und damit auch wieder ein Extrem, welches man nicht lange durchhält?

Mir persönlich gefällt, wie bei den meisten guten Ideen, der Grundzug, das daraus erwachsene Extrem nicht. Ich würde für mich persönlich aus dem Thema Minimalismus herausziehen:
– Wir besitzen alle viel zu viel. Reduziere auf die Lieblingssachen.
– Ich muss mich nicht an starre Stückzahlen halten. Ich kann mir selber überlegen, was für mich funktioniert.
– Jeder von uns kann für sich viel Platz schaffen durch Reduzieren, Sortieren, Entrümpeln.
Und das in jeglicher Lebenslage/jeglichem Lebensbereich.
– Weniger „Gerümpel“ bedeutet mehr Freiraum. Mehr Zeit sich mit den wichtigen Dingen zu beschäftigen, weil man nicht mit unnötigen Dingen belastet ist.
– Weniger ist Mehr.
(Übrigens sind ab einem gewissen Alter (nämlich meinem) auch weniger Kalorien am Tag mehr ….. – aber das nur unqualifiziert am Rande.)

Mein persönliches Ziel wird sein ein gesundes Verhältnis zum Konsum/Besitz zu entwickeln. Was mit einer Pferdejacken/Kuschelpullover-Kaufsucht an einem Stall mit anhängendem Verkaufsladen nicht wirklich einfach ist. Das kann ich Euch sagen. Vielleicht sollte mein Ziel sein: mindestens eine Nacht darüber schlafen, und dann erst entscheiden ob man das Teil tatsächlich braucht. Oder ein Teil immer gegen ein anderes zu ersetzen. Wenn Eines einziehen möchte, muss Eines gehen. Es gibt letztendlich unendliche Möglichkeiten. Aber Hauptziel für mich sollte bleiben: Gesundes Mittelmaß (mit Tendenz zu Weniger). Keine Extreme, die hält man (also ich) nämlich nie lange aus.

neue Kumpels
Da will schon mal wer beim Aussortieren mithelfen! – Foto: Yvi Tschischka

Der Minimalismus soll uns ja in ein selbstbestimmtes und erfüllteres Leben führen. Ich denke mir, wer darüber schon mal das Nachdenken anfängt ist schon einen großen Schritt weiter. Ballast abwerfen ist die Devise – physisch oder psychisch. Abschließen mit Dingen. Abschließen mit Situationen. Abschließen mit Menschen, die einem nicht gut tun. Egal. Nur Anfangen damit ist wichtig!
In diesem Sinne, ich hoffe die philosophische Kost schreckt nicht ab. Aber gerade dieses Jahr ist für mich der perfekte Anlass, um einiges neu zu sortieren.

Wie steht Ihr zum Thema „Minimalismus“?

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