Del Cavador

Zeitreise mit Paul – Wie ging es weiter?

14. April 2020:

Willkommen zu Teil 2 von Pauls weiterem Leben 🙂

Paul schläft sehr gerne und ausführlich … – Foto: Privat

Paul Teil II oder  Testosteron auf vier Hufen

Herzlich willkommen zu Pauls (= Panini del Gavilan) Leben nach seiner nervenaufreibenden Geburtsnacht. Die ersten Wochen danach hat Paul ausführlich Schlafen geübt. Paul besteht nämlich unbedingt auf ein Nickerchen im Freien während der Fütterungszeit, was Mama Lagrima natürlich nicht so prickelnd findet, denn Frühstück und Abendessen sind die Hauptattraktionen des Tages am Stall. Und die gibt es Innen. Und sie muss dann frustriert draußen bei Paul Wache schieben, während die anderen ihr drinnen alles wegfressen. Pferde sind da ja ganz einfach gestrickt: Fressen = Freund, Nicht Fressen = Unverschämtheit hoch drei und überhaupt und sowieso. 

Doch nicht nur Pauls Schlafgewohnheiten, sondern auch sein Tatendrang gab Anlass zu ungläubigem Staunen. Paul hat kurzerhand beschlossen, er übernimmt die Weltherrschaft. Was sonst. Das ist ja auch durchaus angemessen für ein paar Wochen altes Fohlen. Natürlich nur für seine Welt. Die ist nicht groß und besteht aus Koppel, Laufstall, Auslauf, einem Tinker, zwei Ponys und den restlichen Finos. Ihr habt wohl gedacht, Paul wollte die ganze Weltherrschaft – soweit ist er noch nicht.

Grund für diese Aktion sind die männlichen Hormone – das gute alte Testosteron. Paul hat davon im Vergleich zu seiner Größe ziemlich viel und zeigt das in hengstigem Verhalten. Er ist damit beschäftigt „seine“ Herde zusammen zu halten. Das bedeutet Schreien, wenn einer weggeht, nachsehen, wohin er geht und (natürlich Anfangs noch die Mama im Schlepptau) hinterher laufen und versuchen den Abtrünnigen zurück zur Herde zu dirigieren. Das klappt natürlich nur bedingt. Schon gar nicht, wenn da Menschen ihre Reitpferde holen und sich einfach nicht mit auf die Wiese treiben lassen. So eine Weltherrschaft will schon hart erarbeitet sein. 

Fazit: zu anstrengend. Doch da gibt es ja noch anderes. Paul hat nämlich die Stuten und deren Reize entdeckt. Hengste haben vermutlich ihr Gehirn in gewissen peripheren Körperteilen und es scheint ganz natürlich zu sein, dass sie selbiges sofort und sehr ausgiebig entdecken. Lange Rede, kurzer Sinn: Paul beginnt also mit ungefähr drei Monaten lustig und sehr routiniert alles zu decken, was vier Beine hat. Vorzugsweise die Ponydamen. Die haben die selbe Größe. Da kommt man gut rauf. Wir stehen ungläubig da und sehen zu wie Paul seine Show abzieht. Voll professionell: abchecken, anbaggern, heiß machen, rauf, Rein, raus, runter. Respekt. Mancher Typ sollte sich da ein Beispiel nehmen. Irgendwann hat er dann auf das lästige Vorspiel verzichtet. Aber immerhin weiß er was er tut. 

Die Damen waren sehr von Pauls großzügigem Angebot begeistert. Endlich mal ein richtiger Kerl im Land! Unser einziger anderer „Mann“ findet nämlich Schimmel- und Fuchswallache total süß und fängt unverzüglich das Flirten an. Er zeigt absolut kein Interesse an sexuellen Aktivitäten mit Stuten und fühlt sich grundsätzlich unverstanden und fehl am Platz, wenn so ein wolllüstiges, rossiges, anschmiegsames Stutentier ankommt und ihn belästigt. Aber das Liebesleben von Jacinto ist jetzt Nebensache. Es geht um Pauls definitiv vorhandene Potenz. Pauls morgenliches Ritual besteht nun aus folgendem: Endlich aus der Box, rein in den Laufstall, rauf auf die Ponys. Nach dem Sex dann das obligate Nickerchen, natürlich von Mama überwacht, Frühstück, rumtoben, Pferde belästigen und so fort. 

Paul vorneweg auf die Koppel – da ist er aber schon kastriert, aber man sieht mal die beiden Pony-Damen. Und den Zwerg. Und den Hintern vom Tinker-Dickie. – Foto: privat

Ganz beliebt ist auch das Spiel „Ärger den Tinker“. Das funktioniert so. Man stellt sich hinter einen dicken Tinker und zwickt den immer in den Hintern. Der Tinker merkt das nicht sofort. Wenn aber, dann fängt er an, sich umständlich zu drehen, um dem Zwicker eins vor den Latz zu braten. Bis der Tinker die Schussposition erreicht hat, ist Paul natürlich schon längst fröhlich buckelnd über alle Berge und mit was anderem beschäftigt. Zum Beispiel mit Ponys beglücken.

So besteht Pauls Leben nur aus Spaß. Eigentlich beneidenswert. Zwischendurch wird natürlich auch was ernsthaftes geübt. Am Halfter gehen oder  Hufe geben. Was ja auch bei unserem Schmied gut ankommt. Wobei natürlich der nicht gerade unschnuckeliger Hintern unseres gebückten Schmiedes auch wieder Gefahrenpotential für testosterongesteuerte Hengstfohlen birgt. Aber alles ist gut gegangen. 

So hat Paul also den Sommer gut über die Runden gebracht bis klar wurde, dass seine Mama gar keine Lust mehr auf ihn hat. Sie steht still und leise an der Tür, guckt sehnsüchtig nach draußen, gibt ein Glucksen von sich, wenn jemand vorbei läuft. Und ignoriert hartnäckig sämtliches Geschrei vom armen, alleingelassenen Fohlen, das vor lauter Spielen nicht bemerkt hat, dass Mama sich nach drinnen verkrümelt hat. Jedenfalls haben wir Lagrimas stumme Hilfeschreie doch nicht länger ignorieren können und haben beschlossen dass Paul jetzt alt genug ist um ohne Mama weiterzuleben. Scherz beiseite, natürlich hatten wir Angst, dass wir irgendwann im nächsten Frühjahr eine Horde kleiner Pauls herumlaufen haben und dann wirklich ein Problem haben. 

Paul vergnügt sich jetzt am schönen Sternberghof und hat die Gelegenheit mit ganz vielen Kumpels herumzutoben und sich neue Spiele auszudenken. Wir dürfen gespannt sein, wenn wir den kleinen Testosteron-Bolzen zurück holen. 

(Erschien ebenfalls in einer Brio, wahrscheinlich 2008 – und hat es jetzt erst in diesen Blog geschafft)

Paul liebt gefühlvolle Kuscheleinheiten, zu denen er gezwungen wird…. nicht – Foto: privat

Zeitreise mit Paul?

April 2020:

Pauls Geschichte erschien 2007 in der „Brio“ und hatte es nie in diesen Blog geschafft. Wahrscheinlich weil es den erst zwei Jahre später gab. Ich hatte die Tage ein bisschen Zeit und habe in alten Pferdebildern gestöbert und dabei ist mir auch die Geschichte von Pauls Geburt in die Hände gefallen. Und ich finde sie auch viele Jahre später noch extrem lustig – also retrospektiv – tatsächlich war das damals eine sehr schlimme Nacht für mich! Aber lest selber…

Paul 2007 – freches Kerlchen! – Foto: Del Cavador

Horror auf vier Hufen

Dies ist die Geschichte von Paul – genauer gesagt über die nervenaufreibenden Stunden von Pauls Ankunft. 

Paul ist unser Fohlen. 

Aber fangen wir von vorne an. Scharf darauf, endlich mal eine Fohlengeburt live zu erleben, hatte ich es diesmal fast geschafft. Das „Opfer“ war Lagrima, die bis zur Niederkunft akribisch und systematisch beobachtet wurde und sich viele abschätzende Blicke auf ihr Euter und ihren Bauch gefallen lassen musste. 

Ja, und dann war es am 05.05.2007 endlich so weit – genauste Berechnungen von Lagrimas Seite her haben ihr gesagt: gegen halb elf Abends ist diese nervige Frau nicht da und dann kann ich mein Fohlen unbeobachtet bekommen. Gesagt getan. Lagrima hat es also geschafft und ohne mich ein gesundes Hengstfohlen – wie sagt man so schön: entbunden. 

Kurze Zeit später traf ich dann im Stall ein. Ein helles, recht kräftiges Wiehern empfing mich. 

Nicht das normale Gekrähe von Lagrima. Lagrima wiehert nämlich nicht, sie kräht – ausgiebig und laut, vor allem wenn es Futter gibt. Oder sie kreischt. Oder was auch immer es ist. Es kommt einem nicht als erstes ein Pferd in den Sinn, wenn man es hört. Eher ein Massaker oder eine Kindesmisshandlung, notfalls auch ein Katzenkampf. Wir warten schon auf Anzeigen wegen Pferdequälerei, weil sie so seltsame Töne von sich gibt. 

 Aber ich schweife ab – zurück zu Paul. Gefunden habe ich ihn dann eingeklemmt in einer Ecke und noch ganz nass. Wie ein Häufchen Elend lag er da. So lange Beine sind halt doch ein Hindernis. Was er schon toll konnte war, wie gesagt, wiehern. Ich hab ihn dann erst mal aus der Ecke geholt und geholfen aufzustehen. Das ist schon zu drollig, zu sehen, wie sich Fohlen mit ihren langen Weberknechtbeinen hinstellen und dann rumschwanken wie unsereins nach drei Bier aufwärts. 

Gut, erste Hürde „Stehen“ war geschafft. Paul hat dann nach einigem Hin- und Hergestakse versucht zu trinken und Mamas Euter nicht gefunden. Rumgeschnulle an Brust, Vorderbeinen, Bauch und Hinterbeinen war drin, aber Euter finden nicht. Dieses Spiel zog sich dann über Stunden hin. Mit Hinstupsen, Hinbiegen, Hindrücken, Paul war unfähig zu trinken. Schlecht. 

Meine Nerven am Ende, Lagrimas Nerven ebenfalls. Sie hat ganz liebevoll und fürsorglich mitgeholfen, sogar ein Hinterbein gehoben, sich richtig hingestellt und so weiter. 

Nächtliche Besucher, angelockt durch das Stalllicht, kamen und gingen. Versuche, Paul wie ein Kälbchen zum Trinken zu bewegen scheiterten ebenfalls. Keine gute Idee übrigens. 

Ich war schon fast so weit, es persönlich zu demonstrieren, aber Fohlen sehen anscheinend nicht so gut, wenn sie frisch geboren sind. Also auch keine gute Idee. 

Erfolglos und Müde und mit dem Wunsch, die Natur möge es schon richten, bin ich dann nach Hause gefahren. Verdrängung erster Güte, funktioniert meistens. Gute Idee in der Theorie, in der Praxis sehr unkomfortabel. 

Vor lauter Sorge konnte ich dann natürlich nicht schlafen. 

Es geisterten ausgetrocknete Fohlen, verdurstete kleine Häufchen Elend und völlig erschütterte Stuten im Kopf  herum, umrandet von Totenkopfknochen und Piratenflaggen – und alles dreht sich im Kreis.  

Also, raus aus dem Bett und wieder zum Stall gefahren. Lagrima steht in der Box – Paul ist weg. 

Äh…ja genau … ich musste auch erst zweimal gucken. Ungläubig laufe ich ein paar Schritte weiter und finde Paul glücklich und zufrieden schlafend mitten in der Nachbarbox liegen – die Bewohnerin völlig verängstigt und mit den Nerven am Ende in der Ecke stehend. 

Ist der Kerl doch unten durch den kleinen Spalt zwischen den Boxen durchgerutscht! (Die Boxe ist jetzt inzwischen zugebrettert, da passt nix mehr durch) 

Also, Paul wieder zurück zur Mama, diesmal aber den offiziellen Weg durch die Boxentüren…. 

Lagrima überglücklich, Paul immer noch zu blöd zum Trinken. Irgendwann wollte ich dann völlig entnervt aufgeben. So eine Nacht alleine im Stall mit Horrorvisionen im Kopf zehren echt an den Nerven. 

Und was macht Paul? 

Ich sitze wie ein Häufchen Elend in der Box, denke an tote Fohlen, die jämmerlich verdursten, oder an Nächte, die ich fohlentränkend in dieser Box verbringen werde, monatelang schlaflos.

Und was macht Paul? 

Er trinkt – endlich! 

Ich hab mich noch nie so gefreut, ein Fohlen trinken zu sehen.

Der Problempunkt war die Kopfdrehung, die so ein Fohlen braucht um an Mamas Euter zu kommen, an der hat es gehapert. Wenn ich ein Glas Sekt dabei gehabt hätte, dann hätte ich auf Paul angestoßen (wahlweise auch an Paul). 

Aber jetzt ist ja alles gut. Naja, fast alles. Paul liegt inzwischen mit Vorliebe zum Schlafen an gefährlichen Stellen, direkt am E-Seil, vor der Tür, oder wo es sonst noch ungünstig ist. Wir warten auf den Tag, an dem wir ihn irgendwo herausfischen müssen. 

Aber er lernt schnell dazu. Ich jedenfalls bin von meinem Wunsch kuriert bei einer Fohlengeburt dabei  zu sein. Das nächste kleine Monster hätte ich gerne trocken und zufrieden trinkend am nächsten Morgen serviert!

PS: Paul hatte jetzt übrigens Durchfall. Was auch zu lustigen Situationen führte, weil Paul  nämlich sein Durchfallmittel nicht so gerne möchte und wir wiederum wollten nicht so gerne an Pauls Popo hinlangen. 

Aber mit Durchfallgeschichten belästige ich Euch jetzt nicht. Glück gehabt! Ach ja, Paul heißt übrigens offiziell „Panini del Gavilan“ und man kann dieses Prachtstück von einem Fohlen übrigens käuflich erwerben. Spaß garantiert!

Lagrima und Paul – 2007 – Foto: Del Cavador
Paul 2007 – Schlafend natürlich! – Foto: Del Cavador

Erwachsen oder was?

Es gibt Neuigkeiten von Paul!

Panini „Paul“ del Gavilan ist unser Fohlen aus 2007. Seine Eltern sind La Lagrima del Eden und Ensueno de Classico. Ein weiteres sehr gelungenes Ensueno-Kind mit einer Menge Tölt und einem tollen Charakter.

Paul 2007
Paul 2007

Paul ist inzwischen ganz schön erwachsen geworden.

Zur Zeit ist er zum Beritt bei Stanley Paul am Sternberghof und am Wochenende habe ich ihn und seine Besitzerin besucht.

Paul macht das mit dem Erwachsensein echt gut. Kein Blödsinn mehr im Kopf. Aber bestimmt nur vorübergehend 🙂

Er lässt sich richtig schön reiten und zeigt neben einem sehr bequemen Galopp auch einen lockeren Tölt am langen Zügel. Das Highlight war, dass ich ihn selber auch reiten durfte. Ein Klasse Gefühl.

Ich wünsche Paul noch viel Spaß im weiteren Pferdeleben und dass er seine Besitzerin noch viele Jahrzehnte bequem und unermüdlich durch den schönen Steigerwald trägt.

Paul 2011
Paul 2011


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